LehrbuchAllg. LiteraturFür KinderZeitschrift (SIJ)Fachberichte (SI)
W+W InfoDiskussionsbeiträgeRezensionenArtikelFlyer
Druckerfreundliche Ansicht dieser Seite

Zwei Kritiken am Design-Argument

von Reinhard Junker & Markus Widenmeyer

Artikel als PDF, 250 KB 11 Seiten, 250 KB, Stand 19.12.2011


Einführung und Zusammenfassung

Im Herbst 2011 erschien ein lesenswerter Sammelband mit 13 Beiträgen von 12 Autoren über Teleologie in der Biologie (Heilig & Kany 2011). In allen Beiträgen geht es in irgendeiner Weise um die Frage, ob und ggf. wie argumentiert werden kann, dass bei der Entstehung der Lebewesen Planung, Zielsetzung, Schöpfung im Spiel war. Alle diese Begriffe können mit dem Sammelbegriff „Teleologie“ zusammengefasst werden. Damit ist die Lehre von den Zwecken und von der Zielgerichtetheit von Vorgängen gemeint. Man kann auch von geistiger Verursachung sprechen.

Gibt es Zwecke in der Natur, die auf einen Zwecksetzer – einen Schöpfer – hinweisen? Kann man anhand von Merkmalen der Lebewesen auf geistige Verursachung schließen? Die Autoren des von Christoph Heilig und Jens Kany herausgegebenen Sammelbandes „Die Ursprungsfrage. Beiträge zum Status teleologischer Antwortversuche in der Naturwissenschaft“ geben auf diese und weitere Fragen rund um Design und Teleologie in der Biologie teilweise gegensätzliche Antworten. Zwei Beiträge daraus, die das Design-Argument in der Biologie für nicht stichhaltig erachten, werden hier kritisch beleuchtet.

Beitrag von Ch. Heilig. Der erste Beitrag, auf den in diesem Artikel eingegangen wird, stammt von einem der Herausgeber des Sammelbandes, Christoph Heilig. Folgendes Fazit wird gezogen: Das Design-Argument kann aufrechterhalten werden, auch wenn über den Designer keine spezifischen Angaben gemacht werden (können), außer dass er der mutmaßliche geistige Urheber des zu Erklärenden ist, womit etwas über seine geistigen Eigenschaft und die Untergrenze seiner Schöpferkraft impliziert ist. Denn es ist zu erwarten, dass es Indizien an mutmaßlich geistig verursachten (teleologischen) Objekten gibt, die bei nicht-geistiger Verursachung nicht erwartet werden können und fehlen. Dies kann untersucht werden und Design ist beim Vorliegen solcher Indizien die einzige bekannte Erklärung und solange konkurrenzlos, bis eine nicht-geistige Verursachung plausibel gemacht werden kann. Über die näheren Design-Umstände („Design-Hypothese“) muss nichts gesagt werden, auch wenn beispielsweise im Rahmen einer biblischen Theologie Design-Merkmale in der Schöpfung näher spezifiziert werden könnten. Es ist nicht gerechtfertigt, einem Design-Kennzeichen bei Lebewesen an sich argumentative Kraft pro Design abzusprechen. Die Indizien geistiger Verursachung gewinnen dennoch eher an Stärke, wenn die Tätigkeit des Designers konkreter spezifiziert wird („spezifisches Design“) und solche spezifischen Design-Indizien nachgewiesen werden können.

Gegenüber den Argumentationen in Junker (2010) sind zwei Präzisierungen und eine Korrektur vorzunehmen:

  1. Aufgrund des in der Einleitung zum anonymen Design (AD) Gesagten können auch ohne Spezifizierung des geistigen Urhebers bei Annahme von Design allgemeine Design-Merkmale des mutmaßlich geistig entworfenen Gegenstandes erwartet werden, nämlich Sachverhalte, die der Begriff der geistigen Verursachung ohnehin impliziert (geistige Wesen können Zwecke verfolgen, Überlegungen vornehmen, Gegenstände im Geiste konstruieren usw.).
  2. In der Argumentation für Design geht es in den relevanten Fällen nicht um einen (unvollständigen) Schluss auf die beste Erklärung unter zwei oder mehreren Konkurrenten, sondern es steht eine nachweislich mögliche Erklärung (geistige Verursachung) gegen (trotz langen und intensiven Bemühens) völlig unbekannte Naturprozesse, die dasselbe wie ein Designer leisten können sollen. Erst wenn die Erklärung durch geistige Verursachung nicht mehr konkurrenzlos ist, kann über „besser“ und „schlechter“ befunden werden.

Beitrag von M. Gutmann und W. Warnecke. Im letzten Beitrag des Sammelbandes „Die Ursprungsfrage“ von Heilig & Kany (2011) bestreiten Mathias Gutmann und Willem Warnecke, dass es Zwecke in der Natur gebe, die den Dingen innewohnend wären. Man finde in der Natur Zweckdienliches zwar in Hülle und Fülle, doch dabei gehe es nur um die Zwecke des die Natur betrachtenden Menschen selbst, der Zwecke den Naturgegenständen zuschreibt.

Die Entgegnung auf Gutmann & Warnecke wird wie folgt zusammengefasst: Die entscheidende Aufgabe, die auf Gutmann & Warnecke wartet, ist es, klar und ohne Umschweife zu beweisen, dass es keinen Naturdesigner gibt, und dass deshalb unsere tief verwurzelte Rede von den Naturzwecken generell verfehlt ist. Einen anderen Weg, der den üblichen Standards an Rationalität und Wissenschaftlichkeit genügen soll – nämlich einer wohlbegründeten Einlösung von Geltungsansprüchen –, gibt es nicht.

Gutmann & Warnecke sagen, dass es der Mensch ist, der Naturzwecke in die Naturbeschreibung hineinlegt und dass diese daher generell fehl am Platze sind. Sie liefern aber keinen Grund, warum wir diese Behauptung akzeptieren sollten. Zudem lassen sie die Frage offen, wieso dies der Mensch tut. Wo die Autoren sagen, es sei „pragmatisch“ oder „nützlich“, bedienen sie sich selbst der Zweckkategorie, um andernorts Zweckkategorien wegzudiskutieren. Denn man muss fragen „nützlich für was?“ Gibt es hier objektive Zwecke? Zwecke, die nicht wieder physikalistisch reduzierbar sind? Wenn ja, so ist ja zugestanden, dass intelligente Wesen sich prinzipiell handelnd der Natur zuwenden können. Wenn nicht, dann sollten sie sich umgehend einer physikalischen Sprache bedienen, um ihren Beweis, es gäbe keine Naturzwecke, zu führen.

Heilig C & Kany J (Hg, 2011)
Die Ursprungsfrage. Beiträge zum Status teleologischer Antwortversuche in der Naturwissenschaft. Münster.
Junker R (2010)
Spuren Gottes in der Schöpfung? Eine kritische Analyse von Design-Argumenten in der Biologie. Holzgerlingen. 2. Aufl.

Hinweis: Auf dem von Christoph Heilig betriebenen Blog http://ursprungsfragen.blogspot.com/ kann über die Beiträge des Sammelbandes diskutiert werden. Zu einigen Beiträgen sind dort die Zusammenfassungen veröffentlicht worden. Um über die Beiträge diskutieren zu können, ist die Lektüre der kompletten Beiträge – also die Anschaffung des Buches – jedoch kaum verzichtbar.

Zum Inhaltsverzeichnis des Buches: http://ursprungsfragen.blogspot.com/2011/09/inhaltsverzeichnis-des-sammelbands.html

Der Artikel (PDF, 250 KB) umfasst 11 Seiten.


zum Seitenanfang

Home Publikationen Artikel

Studiengemeinschaft WORT und WISSEN e.V.
Letzte Änderung: 19.12.2011
Webmaster