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Reduktion und Emergenz – ist Leben mehr als komplexe Physik?

von Markus Widenmeyer

Artikel als PDF, 247 KB 22 Seiten, 247 KB, Stand 07.04.2012


Dieser Aufsatz soll den Sinn des häufig verwendeten Ausdrucks der Reduktion im Hinblick auf eine Reduktion des Lebendigen auf das Nichtlebendige klären. Zunächst werden die beiden grundlegenden Bedeutungen des Wortes „Reduktion“, die in diesem Zusammenhang der Deutung des Phänomens des Lebendigen relevant sind, bestimmt und dargelegt. Den beiden Bedeutungen entspricht das, was wir im Folgenden „begriffliche Reduktion“ und „ontologische Reduktion“ nennen. Auf dieser Grundlage ist zu untersuchen, ob und inwiefern ein Reduktionsverhältnis des Lebendigen auf das Nichtlebendige besteht, also ob und gegebenenfalls wie Lebendiges auf Nichtlebendiges zurückgeführt werden kann. Für eine begriffliche Reduktion müsste ein Lebewesen identisch sein mit seinem Körper als einem beliebig komplexen, aber rein physikalischen Gegenstand. Dies ist zwar, abgesehen jeweils von uns selbst , formal denkbar, würde aber zu einem Verlust dessen führen, was Leben spezifisch von Nichtleben unterscheidet. Unter dieser Voraussetzung müssten zum Beispiel die intrinsische Zielgerichtetheit eines Lebewesens, gegebenenfalls seine Empfindungs-fähigkeit und Begriffe wie „krank“ oder „gesund“ als illusorisch beziehungsweise sinnlos abgetan werden.

Die ontologische Reduktion will dieser Konsequenz entgehen. Auf der Sachebene ist der entscheidende Unterschied zur begrifflichen Reduktion, dass hier das als lebendig Aufgefasste nicht identisch ist mit seinem physikalischen, nicht-lebendigen Substrat. Jedoch ist es auf dieses nicht-lebendige Substrat ontologisch reduzierbar, wodurch einer physikalistischen beziehungsweise naturalistischen Ontologie Rechnung getragen wird. Hieran wird deutlich, dass dieses Konzept bedeutungsgleich ist mit dem, was häufig „Emergenz“ genannt wird: Das Ganze ist, in einem streng ontologischen Sinne, mehr als die (vollständige) Summe seiner Bestandteile. Dies bedeutet, dass das Lebendige einerseits etwas Zusätzliches zum physikalischen Substrat ist oder besitzt, aber andererseits seine Existenz nichts über die Existenz dieses Substrats Hinausgehendes ist. Damit scheint aber ein grundlegender Widerspruch impliziert zu sein, weswegen das Konzept der ontologischen Reduktion beziehungsweise der Emergenz für eine Deutung realer Phänomene ungeeignet ist. Damit ist aber gezeigt, dass keine Form einer Reduktion von Lebendigem auf Nicht-Lebendiges möglich ist, zumindest ohne unser bisheriges Verständnis von Lebendigem aufzugeben.

Inhalt:

Übersicht
Hinführung
Zwei radikal verschiedene Arten von Reduktion
Das Konzept der begrifflichen Reduzierbarkeit
Das Konzept der ontologischen Reduktion
Kritik am Konzept der ontologischen Reduktion
Fazit
Literatur

Der Artikel (PDF, 247 KB) umfasst 22 Seiten.


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Letzte Änderung: 07.04.2012
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