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Theistische Evolution nach Denis Alexander und nach BioLogos

von Reinhard Junker

Artikel als PDF, 335 KB 33 Seiten, 395 KB, Stand 21.11.2012


In der akademischen Theologie gilt die Frage nach der Vereinbarkeit von Schöpfung und Evolution als geklärt. In Stellungnahmen der Großkirchen, in Schulbüchern und in Unterrichtsmaterial für Lehrer ist es Standard, dass eine Abstammung des Menschen aus dem Tierreich und eine allgemeine Evolution der Lebewesen den Inhalten des christlichen Glaubens nicht widersprächen. Dabei wird gewöhnlich aus seiner historisch-kritischen Perspektive argumentiert, die biblischen Schilderungen der Anfänge offenbarten ein veraltetes Weltbild, das man abstreifen müsse, um zu den eigentlichen theologischen Aussagen zu gelangen. Wer an der Historizität der biblischen Urgeschichte festhält, wurde früher als naiver Biblizist abgetan und in den letzten Jahren einer rauer werdenden Auseinandersetzung als Fundamentalist gebrandmarkt.
Nachdem es um das Thema „Schöpfung und Evolution“ aus theologischer Sicht eher ruhig geworden war, erschienen in den letzten Jahren vermehrt Bücher und Internetbeiträge zu diesem Thema, und zwar von konservativ gesonnenen Christen. Auch von evangelikalen Autoren wird dabei zunehmend Evolution als mit der christlichen Schöpfungs- und Heilslehre vereinbar dargestellt und – angesichts der vermeintlichen Beweislast für Evolution – dafür geworben, dass Christen die Evolutionsanschauung mit der Abstammung des Menschen von tierischen Vorfahren akzeptieren sollten. Es gebe gute Möglichkeiten, die Bibel mit der Evolutionslehre zu versöhnen.

Denis Alexander vertritt in seinem Buch „Creation or Evolution? Do we have to choose?“ eine allgemeine natürliche Evolution der Lebewesen, auch eine Evolution des Menschen aus dem Tierreich, macht aber beim Menschen eine gewisse Einschränkung. Hier habe Gott eingegriffen, indem er unter den zahlreichen damals lebenden Menschen ein Paar von neolithischen Farmern ausgewählt habe, die dadurch zu den ersten Menschen wurden, von denen der Paradiesbericht (Gen 2,4-3,24) berichtet. Menschen im anatomischen Sinne (Homo sapiens) habe es aber schon vorher gegeben. Der Entwurf von Denis Alexander wird in diesem Artikel näher erläutert und einer ausführlichen Kritik unterzogen.

In einem kürzeren zweiten Teil geht es um die Position der BioLogos-Foundation. Diese Organisation wurde im Jahr 2007 von Francis S. Collins gegründet, ein durch das Human Genome Project bekannt gewordener Humangenetiker und bekennender  Christ. Der Begriff „BioLogos“ soll zum Ausdruck bringen, dass Gott das Universum geschaffen habe und dass Gott in der Evolution wirkt. Evolution wird als Gottes Weg der Erschaffung des Kosmos und aller Lebewesen betrachtet. BioLogos vertritt in vielen Punkten eine ähnliche Position wie Denis Alexander.

Aus den Analysen der Entwürfe von Alexander und BioLogos ergibt sich unter anderem folgende Sicht der Autoren: Die Evolution der Lebewesen und die Abstammung des Menschen aus dem Tierreich werden nicht nur als gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis betrachtet, sondern auch als Offenbarung Gottes in der Schöpfung. Demgegenüber liefern die biblischen Texte nach Ansicht der Autoren nur (teilweise unsichere) theologische Deutungen. Die Wissenschaft hat das Primat vor der Heiligen Schrift.

Doch das hat seinen Preis: Aussagen der biblischen Texte über Gottes Schöpfungshandeln und über die Sünde des Menschen werden von der historischen Wirklichkeit abgekoppelt werden – entgegen dem klaren exegetischen Befund. Die biblischen Texte werden in den Deutungsrahmen der Evolutionsanschauung gestellt und entsprechend daran angepasst interpretiert. Entgegen seinem eigenen Anspruch beginnt Alexander nicht mit den biblischen Texten, sondern mit seinen persönlichen Gewissheiten über Evolution. Damit legt Alexander einen textfremden Auslegungsschlüssel zugrunde. Die Argumentationen von BioLogos folgen einem ähnlichen Muster.

Der Artikel (PDF, 395 KB) umfasst 33 Seiten.


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