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Gibt es eine naturwissenschaftliche Evolutionstheorie?

von Reinhard Junker

Artikel als PDF, 460 KB 13 Seiten, 460 KB, Stand 14.11.2018


Zusammenfassung

Naturwissenschaftliche Theorien beschreiben Gesetzmäßigkeiten, die in eine Wenn-Dann-Form gebracht werden können: Immer wenn die Gesetze G und die Randbedingungen R gegeben sind, folgt das Ergebnis E. Evolutionstheorien, die den Artenwandel erklären sollen, gelten zwar weithin als naturwissenschaftliche Theorien. Doch dies trifft nur in einem eingeschränkten Sinne im mikroevolutiven Bereich zu (Populationsgenetik). Wenn es um die Entstehung des evolutionär Neuen geht, sind Formulierungen von Gesetzen nicht möglich. Dies äußert sich unter anderem darin, dass keine Vorhersagen in Bezug auf das Auftreten von Neuheiten gemacht werden können. Der Grund dafür ist zum einen, dass das Auftreten von Mutationen – des „Rohmaterials“ der Evolution – zufällig erfolgt, d. h. in keiner Weise konkret vorhersagbar ist. Zum anderen folgen auch Auslesebedingungen (Umweltänderungen) keinen gesetzmäßig erfassbaren Vorgängen.

Weitere Evolutionsfaktoren, die in jüngerer Zeit vermehrt in die Diskussion eingebracht wurden und zu einer „Erweiterten Evolutionären Synthese“ (EES) geführt haben, nehmen explizit oder implizit Bezug auf präexistente Programme. Diese Programme erlauben zwar gewisse Vorhersagen und sind daher naturwissenschaftlich beschreibbar (z. B. plastische Reaktionen), doch erklären sie Innovation in der mutmaßlichen Evolution nicht, sondern ermöglichen im Wesentlichen nur das Ausschöpfen eines Variationspotentials. Ihre Entstehung ist selbst erklärungsbedürftig und unverstanden.

Tatsächlich fungiert „Evolution“ als konzeptionelle Vorgabe, als Rahmen, innerhalb dessen Szenarien evolutiver Abfolgen entwickelt werden sollen. Dieser Rahmen ergibt sich nicht zwingend aus naturwissenschaftlichen Befunden und Hypothesen, sondern ist eine Konvention der Wissenschaftlergemeinschaft, eine Wahl, die auch anders getroffen werden könnte.

Wer auf diesen Umstand hinweist und eine Evolution aller Lebewesen nicht als  Tatsache anerkennt, ist aus diesem Grunde nicht wissenschaftsfeindlich, sondern betont notwendige Unterscheidungen, um einen sachlichen Diskurs ungehindert führen zu können.

Der Artikel (PDF, 460 KB) umfasst 13 Seiten.


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