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Homo naledi
Neuer Hominine mit vielen Fragezeichen

von Michael Brandt

als PDF downloaden, 140 Seiten, 7,0 MB 23 Seiten, 1,6 MB


Zusammenfassung

2013 wurde in der Dinaledi-Kammer der Höhle Rising Star rund 50 km nordwestlich von Johannesburg eine 1550 Teile umfassende hominine Fossilkollektion entdeckt, die mindestens 15 Individuen zuzuordnen ist. Die Knochenüberreste werden der neuen Art Homo naledi zugerechnet.

Homo naledi war etwa 1,50 Meter groß und wog etwa 45 Kilogramm. Seine Schädelkapazität liegt mit 465-560 cm³ im Bereich der Australopithecinen.

Homo naledi verfügt über ein bisher unbekanntes einzigartiges Merkmalsmosaik. Während die Schulter und der Brustkorb großaffenähnlich sind, zeigen die Hände und noch stärker die Füße eine eher menschenähnliche Struktur.

Die großaffenähnlichen Merkmale von Homo naledi im Bereich von Schulter, Brustkorb, Finger- und Fußgliedern sind unbestrittene Kletteranpassungen.

Aufgrund menschlicher Merkmale im Bereich der unteren Extremitäten wurde vermutet, dass Homo naledi einen nur vom Menschen bekannten zweibeinig-schreitenden Gang praktizierte.

Auf der Basis menschenähnlicher Merkmale der Handwurzelknochen wird bei Homo naledi die Fähigkeit zur Nutzung und Herstellung von Werkzeugen vermutet. Gegen beide Schlussfolgerungen gibt es begründete Einwände, wobei insbesondere die Vermutung, dass Homo naledi zur Herstellung und Nutzung von Steinwerkzeugen fähig war, sehr spekulativ ist.

Es ist zudem nicht ausgeschlossen, dass die fossilen Überreste von Homo naledi zu mehr als einer Spezies gehören.

Die besonderen Fundumstände in der Höhle Rising Star mit nahezu ausschließlich homininen fossilen Überresten und nur wenigen weiteren Fossil-teilen von Vögeln und Mäusen, die zufällig in die Dinaledi-Kammer gelangt sind, führten zu der Hypothese, dass diese Kammer eine Begräbnisstätte war. Der äußerst schwierige Zugang zu der Kammer spricht aber dagegen. Eine bessere Erklärung der Fundumstände wäre, dass Homo naledi-Individuen vor Raubtieren in die Rising Star-Höhle flohen, sich in der Dunkelheit verirrten und starben, weil sie nicht aus der Höhle herausfanden.

Das hominine Fossilmaterial der Dinaledi-Kammer wird aufgrund der Gesamtmorphologie eher Homo als Australopithecus oder einer anderen homininen Gattung zugeordnet. Die Gattung Mensch hat aber schon vor der Zuordnung von naledi zu Homo eine Vielgestaltung erreicht, die den Rahmen einer Gattung sprengt. Aufgrund sowohl der einmaligen als auch der vielen Australopithecus-ähnlichen Merkmale, insbesondere der Kletteranpassungen, sollte naledi nicht zu Homo, sondern zu den nichtmenschlichen Homininen und dort möglicherweise in eine neue Gattung gestellt werden.

Für Homo naledi liegt derzeit keine Altersangabe vor. Dies schränkt die phylogenetische Interpretation dieses Homininen ein. Unabhängig vom Alter lässt sich Homo naledi aufgrund seiner ausgeprägten einmaligen mosaikartigen Merkmalskombination nicht einer bestimmten Position in einem evolutionären Stammbaum zuordnen.

Im Grundtypkonzept repräsentiert Homo naledi einen neuen Vertreter eines nichtmenschlichen Homininen-Grundtyps ohne historisch-verwandtschaftliche Beziehungen zum Grundtyp Mensch, zu dem Homo erectus, Homo heidelbergensis und spätere fossile Homo-Formen einschließlich dem modernen Homo sapiens gehören.

Der Artikel (PDF, 1,6 MB) umfasst 23 Seiten.



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Letzte Änderung: 10.03.2016
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