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Australopithecus – Vormensch oder Großaffe?
Alte Hypothesen und neue Befunde zur Hirnstruktur

von Michael Brandt

Artikel als PDF, 2,7 MB 19 Seiten, 2,7 MB, Stand Februar 2019


Einleitung

Das zentrale Forschungsziel der Paläanthropologie ist die Rekonstruktion der vermuteten stammesgeschichtlichen Entwicklung des Menschen. Nach heutiger evolutionstheoretischer Vorstellung haben Mensch und Schimpanse einen gemeinsamen großaffenähnlichen Vorfahren. Eine wichtige Rolle bei der Bewertung stammesgeschichtlicher Hypothesen spielen Kenntnisse über das Gehirn.

Den einzigen direkten Hinweis auf den Entwicklungsgrad des Gehirns fossiler Homininen geben Ausgüsse ihrer Hirnschale (Endocasts). Schädelinnenausgüsse können Auskunft über die Größe und Form einschließlich Asymmetrien des Gehirns geben. Von Endocasts sind unter Umständen auch Schlüsse auf das Muster von Hirnfurchen möglich, denn diese können sich in die Hirnschale eindrücken und reproduzieren sich dann auf den Schädelinnenausgüssen. Hirnfurchen sind für Paläneurologen, also Wissenschaftler, die sich mit Gehirnen fossiler Lebewesen beschäftigen, besonders interessant, weil sie mitunter eine Beziehung zur Zytoarchitektur (Aufbau der Zellen) der Hirnrinde haben.

Damit besteht die berechtigte Hoffnung, vom Hirnfurchenmuster Hinweise auf die Struktur und davon abgeleitet auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns einst lebender Homininen zu erhalten. Angesichts der deutlichen kognitiven Unterschiede zwischen Großaffe und Mensch ist es überraschend, dass sich ihr Hirnfurchenmuster kaum unterscheidet. Paläneurologische Untersuchungen zum Hirnfurchenmuster konzentrieren sich auf zwei Gebiete des Gehirns: den unteren Stirnlappenbereich mit den zytoarchitektonischen Arealen nach Brodmann (BA) 44, 45 und 47 und den Hinterhauptlappenbereich mit BA 17 (Abb. 1). Mehr Möglichkeiten durch aussagekräftige Vergleiche zwischen Menschen und Großaffen stehen auf diesem Gebiet nicht zur Verfügung.

Bis vor kurzer Zeit gab es die begründete Hypothese, nach der der Frontallappen von Australopithecus in Teilen menschenähnlich umgebaut war. Diese Annahme basiert auf Merkmalen, in denen sich heutige Großaffen und der Mensch unterscheiden und die bei Australopithecus menschenähnlich ausgeprägt sind. Träfe dieser Befund zu, würde er die Deutung von Australopithecus als frühen Homininen oder „Vormenschen“ unterstützen. Eine neue Studie an lebenden Schimpansen zeigt jedoch eine Variabilität der Hirnfurchenmuster und auch der Hirnform, die erheblich größer ist als bisher bekannt. Vor diesem Hintergrund müssen die bis vor kurzem als menschlich interpretierten Merkmale des Gehirns von Australopithecus neu bewertet werden.

Der Artikel (PDF, 2,7 MB) umfasst 19 Seiten.


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