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Ulrich Eibach

Gentechnik und Embryonenforschung

Leben als Schöpfung aus Menschenhand? Eine ethische Orientierung aus christlicher Sicht.

Die gegenwärtigen Diskussionen über den Spannungsbereich zwischen biotechnischen Entwicklungen, deren Anwendung in der Humanmedizin und den damit verbundenen ethischen Fragen ruft bei vielen Zeitgenossen ein Gefühl der Überforderung, Verwirrung, Angst und Hilflosigkeit hervor. Die vielen, oft hochkarätig besetzten Gremien, in welchen die ethischen Herausforderungen reflektiert und aufbereitet werden sollen, können die meist unrealistisch überhöhten Erwartungen der Öffentlichkeit nicht erfüllen und verstärken nicht selten die dort empfundene Orientierungs-losigkeit.

Mit der vorliegenden Buchveröffentlichung meldet sich ein Autor (Professor für Systematische Theologie an der Universität Bonn und Krankenhauspfarrer an den dortigen Kliniken) zu Wort, der in der Vergangenheit bereits mehrfach kompetent zu medizin-ethischen Fragen Stellung genommen hat. Schon seit vielen Jahren begleitet er medizinische Entwicklungen und deren gesellschaftlichen Auswirkungen kritisch (Recht auf Leben - Recht auf Sterben (1974), Gentechnik - der Griff nach dem Leben (1986) u.a.).

Einleitend skizziert der Autor zunächst den geistig-kulturellen Hintergrund der aktuellen (bio-) ethischen Dis--kussion und stellt dabei vor allem die in der Aufklärung wurzelnde Autonomie des Menschen und die durch moderne Entwicklung realisierbar scheinende umfassende Planbarkeit des Lebens und die daraus erwachsenden Probleme heraus.

Im zweiten Kapitel steht der Begriff der Menschenwürde im Blickfeld. Eibach zeichnet dazu in wenigen Strichen philosophische und rechtliche Aspekte, bevor er christliche Wurzeln der Menschenwürde und deren gesellschaftliche Einflüsse beleuchtet.

Die beiden folgenden Kapitel reflektieren konkrete ethische Fragestellungen zunächst anhand der verbrauchenden Embryonenforschung: Wann beginnt Leben? Welche Konsequenzen haben verschiedene Antworten auf diese Frage? Ethische Bewertung von reproduktivem und therapeutischem Klonen. Verschiedene Anwendungsbereiche genetischer Diagnostik (PND: pränatale Diagnostik, PID: Präimplantationsdiagnostik) und Ansätze zu Gentherapien werden auf ethische Probleme untersucht und Bewertungen aus christlicher Sicht vorgenommen.

Im fünften Kapitel zeigt der Autor die Schwierigkeiten einer "Ethik des Heilens" auf, wo sie in Konflikt mit der Menschenwürde führt. Ein Kapitel thematisiert einige grundsätzliche ethische Probleme der Gentechnik aus dem nichtmenschlichen Anwendungsbereich. Im abschließenden Abschnitt fasst Ulrich Eibach seine Ausführungen noch einmal in Form von Thesen zusammen.

In diesem Buch geht es dem Autor vor allem um die Darstellung ethischer und theologischer Positionen. Die biotechnischen Verfahren werden dabei nur im Vorübergehen erwähnt, hier müssen andere Informationsquellen herangezogen werden. Die sehr kurze Behandlung der Stammzellenthematik wird durch einen Nachtrag zum Bundestagsbeschluss zum Import von Stammzellen teilweise kompensiert. Eibach ermutigt in seinen Ausführungen: Christen und Kirchen sollten "aber nicht darauf verzichten, ihre spezifische Sicht eindeutig und verständlich in die öffentliche Diskussion einzubringen und - im Interesse aller Menschen, insbesondere der schwächsten Glieder der Gesellschaft - für Zustimmung zu werben." (S. 50) Der Autor argumentiert wohltuend differenziert und man spürt seinen Ausführungen sowohl das Ringen in Diskussionen mit anderen Theologen und den Kollegen aus der medizinischen Forschung als auch die konkrete Erfahrung als Pfarrer im Krankenhaus ab.

Dem Buch ist eine großer Leserkreis zu wünschen. Dem Autor ist für seine Stimme in einem heiß diskutierten Themenfeld bei extrem schneller und unabsehbarer Entwicklung zu danken. Das Institut für Glaube und Naturwissenschaft, Marburg darf man zur Aufnahme dieses Titels in die Reihe "Glaube und Wissenschaft" beglückwünschen.

Buchbesprechung von Harald Binder

R.Brockhaus-Verlag 2002
ISBN: 3-417-24359-9

12,90 EUR / 19,50 SFr

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Letzte Änderung: 26.05.2011
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