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Biblische Urgeschichte, Sintflut und Geologie
von Manfred Stephan Diskussionsbeitrag 2/02 |
1 Grundlegung: Naturkundlich und historisch bedeutsame Aussagen der biblischen UrgeschichteWenn die biblische Urgeschichte (1. Mose 1-11) als wirkliches Geschehen anerkannt wird, ergeben sich daraus grundlegende Voraussetzungen für die Geologie: 1.1 Kurzer Zeitrahmen der Urgeschichte - Tod der Tiere erst nach dem Sündenfall des Menschen.Nach den Abstammungsfolgen mit ihren Zeitangaben (1. Mose 5 und 11) liegt der zeitliche Rahmen, den die biblische Urgeschichte umfasst, in der Größenordnung von Jahrtausenden (WISKIN 1999; vgl. KEIL 1861, 74-76.120f.; schon LUTHER 1545 [W2 I, 3.1080]). Der Mensch existiert wie die Tierwelt seit der Schöpfungswoche (1. Mose 1). Wichtiger ist jedoch, dass nach Römer 8,19-22 erst durch den Sündenfall des Menschen (1. Mose 3) die Tierwelt dem Todesgeschick unterworfen wurde (STUHLMACHER 1992, 269ff.; JUNKER 1994, 107-128; CHANG 2000; vgl. DELITZSCH 1887, 67f.; WESTERMANN 1999, 223-226.240). Folgerung:
1.2 Gestalt-Änderung auf der Erdoberfläche1. Mose 2,10-14 beschreibt als "Geographie", als "Erd-Kunde" vier von Eden ausgehende Ströme; davon sind nur noch die Namen von Euphrat und Tigris sicher bekannt (vgl. WESTERMANN 1999, 265.293-298). Beide Ströme bilden sich jedoch heute unabhängig voneinander durch das Zusammenfließen zahlloser kleiner Hochgebirgsbäche und -flüsse. Vor allem aber existiert der Hauptstrom von Eden, von dem sich alle vier einst teilten, nicht mehr (vgl. DELITZSCH 1887, 82.87). Folgerung: Zumindest das Herkunftsgebiet der heutigen Ströme muss sich flussgeschichtlich (und damit auch geologisch) völlig verändert haben (KEIL 1861, 42-44; schon LUTHER 1545 [W2 I, 172-180]). 2 Zu den geologischen Sintflutmodellen2.1 VorbemerkungDie Wirklichkeit der Sintflut selbst wird als völlig gewiss vorausgesetzt, weil sie in der biblischen Urgeschichte bezeugt ist. Der Begriff "Modelle" bedeutet hier: Der Zusammenhang, den sintflutgeologische Autoren in unterschiedlicher Weise zwischen Sintflut und Geologie herstellen, bleibt immer eine Hypothese. Die Bibel enthält darüber keine direkte Vorgabe. Mit "Hypothese" ist hier eine Annahme gemeint, die unter Beachtung möglichst vieler geologischer Befunde aufgestellt wurde. 2.2 Moderne geologische SintflutmodelleHier geht es nur um Modelle, in denen die historische Wirklichkeit der biblischen Urgeschichte vorausgesetzt wird. Manche Geologen, die auf dem Boden der langzeitlichen Schulgeologie stehen, nehmen zwar eine weltweite Überflutung an. Sie sind aber religions- und bibelkritisch orientiert (z.B. TOLLMANN & TOLLMANN 1993). Andere sehen entgegen der biblischen Aussage in der Sintflut nur ein regionales Ereignis (z.B. PITMAN & RYAN 1998). Solche Modelle bleiben hier außer Betracht. Das gilt auch für Kurzzeit-Modelle, denen unzuverlässige Arbeit zugrunde liegt (z.B. ZILLMER 2001). 2.2.1 Zur Sintflutgeologie der letzten JahrzehnteSeit dem Höhepunkt der Sintflutgeologie im 17./18. Jahrhundert gibt es sintflutgeologische Modelle vermehrt wieder seit den 1960er Jahren. Zunächst wurde die Entstehung nahezu aller fossilhaltigen Ablagerungsgesteine in das Sintflutjahr gestellt (WHITCOMB & MORRIS 1961). Im Laufe der Zeit kamen auch Modelle auf, die nur einen Teil der Schichtgesteine direkt dem Sintflutjahr zuordnen (z.B. SCHEVEN 2001). In den jeweiligen Modellen werden zudem unterschiedliche Abschnitte der Schichtenfolge mit dem Sintflutjahr in Verbindung gebracht. Darüber gibt es seit den 1990er Jahren eine internationale Debatte (dargestellt in STEPHAN & FRITZSCHE 2000, 81-117). Gründe für die neuen Modelle sind vor allem geologische Probleme, insbesondere, wie die Abfolge der Schichten mitsamt den eingelagerten Vulkan- und Tiefengesteinen in dem einen Sintflutjahr gebildet worden sein könnte. Dazu gehören Fragen wie die geordnete Abfolge der Fossilien und Gesteine, bewirkt durch bloße Wassersortierung; Unterbrechungen in der Ablagerung (wie fossile Riffe, zahllose besiedelte bzw. durchwühlte Schichten) oder trockengefallene Schichten (Trockenrisse, Tierfährten, Durchwurzelung, Sauriernester) bzw. Austrocknungsphasen (Salzlager). 2.2.2 Unklare methodische GrundlageFraglich ist ferner: Wieweit können für das Sintflutgeschehen (a) naturgesetzliche Vorgänge vorausgesetzt werden, oder ist die Flut (b) vollständig als Wunder zu verstehen? Dieses grundlegende Problem ist in der neueren Sintflutgeologie kaum erörtert worden (vgl. STEPHAN & FRITZSCHE 2000, 138-140). Schon von der Beantwortung dieser Frage hängen die Schlußfolgerungen über die geologischen Auswirkungen der Flut ab. In der Sintflutdebatte des 17./18. Jahrhunderts wurde das Problem jedoch diskutiert (BLEI 1981, 38-43). 3 Zum Ansatz biblisch-urgeschichtlicher Geologie in der SG Wort und Wissen3.1 Geologische Ereignisse auch vor bzw. nach der SintflutBiblisch-urgeschichtliche Geologie kann man eine Arbeitsweise nennen, die damit rechnet, dass die fossilführenden Gesteine und zeitgleiche Vulkan- bzw. Tiefengesteine in erheblichem Maß auch vor bzw. nach dem Sintflutjahr entstanden sein könnten (also insgesamt zwischen 1. Mose 3 und 11). Die genannten Schwierigkeiten dürften so vermindert werden (STEPHAN & FRITZSCHE 2000, 142-146). Insbesondere steht dann mehr Zeit zur Verfügung für die Entstehung der Gesteinsfolgen und besonders für die "zeitverbrauchenden" Ablagerungspausen, die durch zahllose stichhaltige Befunde belegt sind (siehe 2.2.1). Ferner fällt das genannte methodische Problem (siehe 2.2.2) bei umfangreicher Schichtenbildung vor bzw. nach dem Sintflutjahr ganz oder teilweise weg. 3.2 Vorerst Einzeluntersuchungen statt GlobalmodelleEs ist besonders wichtig für biblisch-urgeschichtliche Geologie, Einzelprobleme vermehrt im Detail zu behandeln. Wenn detaillierte Studien einmal in größerer Anzahl vorliegen, besteht die Hoffnung, sie zu einem schlüssigeren biblisch-urgeschichtlichen Geologie-Modell auszuarbeiten und so das zu stark vereinfachende Vorgehen mancher sintflutgeologischer Modelle zu überwinden (im Sinne der neuen Arbeitsweise z.B. EGLI-ARM 1998; 2001; HERZOG 2001; HERZOG & ZIMMERMANN 2001; STEPHAN 1998; 2002b).1 3.3 Wie könnte sich die grobe Abfolge der Fossilgruppen einschließlich menschlicher Reste erklären?Eine schwierige Frage in geologischen Sintflutmodellen ist die nach dem geordneten, zeitlich gestaffelten Auftreten größerer biologischer Einheiten in den Schichtgesteinen, z.B. der Säugetiere erst im Anschluss an die Dinosaurier (siehe 2.2.1). Hilfreich könnte hier folgende Beobachtung der Schulgeologie sein:
3.4 Wie könnte sich die feine Ordnung der Fossilien (Stratigraphie) erklären?Diese Frage ist im Rahmen früherer Sintflutgeologie noch schwieriger zu beantworten. Aber hier könnte die moderne Artbildungsforschung wichtige Hinweise liefern: Unter (enormen) Umweltstress-Bedingungen können sich heute schon im Laufe von Jahren bzw. wenigen Generationen neue Arten bilden. Diese Artbildungen werden im Grundtyp-Modell der Schöpfungslehre als Varietäten im Rahmen einer geschaffenen Einheit (= Grundtyp) gedeutet (Überblick bei JUNKER & SCHERER 2001, 284-294). Seit dem 19. Jahrhundert wurde immer detaillierter die feine Abfolge von Fossilien ermittelt, zunächst besonders von Ammoniten (klassisch QUENSTEDT 1856/57; 1883-88). Viele dieser Fossilien treten weltweit, in immer wieder anderen Formen, gestaffelt übereinander in Schichten auf, die manchmal nur Dezimeter oder weniger umfassen (z.B. CALLOMON et al. 1987). Wenn man davon ausgeht, dass schon vor bzw. noch nach der Sintflut die damaligen Umweltbedingungen (massiv) gestört waren (bereits als Folge des Sündenfalls?), dann könnten dadurch die immer wieder auftretenden raschen Formabwandlungen und Artneubildungen (u.a. von Leitfossilien) in der Schichtenfolge möglicherweise eine plausible Erklärung finden. Manfred Stephan 1 Dafür werden viele weitere fachkompetente Mitarbeiter benötigt. Wer lässt sich rufen? Literatur:
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Studiengemeinschaft WORT und WISSEN e.V.
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