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Vorbemerkung:Der Text ist allgemeinverständlich. Literaturangaben und weitere Details in den Anmerkungen; sie können ohne Verständnisverlust übergangen werden. Inhalt
EinführungDie Überschrift ist (paläo-) biologisch gesehen eine Provokation. Denn nach herrschender Ansicht ist der Tod von Anbeginn der Motor der Vielzeller-Evolution und keinesfalls erst später hinzugekommen. Zweitens gilt der Mensch als eines der spätesten Produkte der Evolution; schon deshalb (von anderem abgesehen!) habe er nichts mit dem Tod der Tierwelt zu tun.1 Das steht im Hintergrund, doch konzentriert sich dieser Diskussionsbeitrag ausschließlich auf einige Auslegungsfragen zu Röm 8,19-22, die damit im Zusammenhang stehen. Paulus tröstet und ermutigt in Röm 8,18-25 die Christen angesichts der Leiden, unter denen sie gegenwärtig seufzen, mit der Hoffnung auf ihre zukünftige Herrlichkeit bei Gott.2 Bei diesem Thema kommt der Apostel in wenigen Sätzen auf das Geschick der Schöpfung zu sprechen (8,19-22): Die „Schöpfung“ wurde auf „Hoffnung“ hin „unfreiwillig“ der „Nichtigkeit“ bzw. der „Vergänglichkeit unterworfen“3 was genau ist damit gemeint? Dabei ist zu beachten, dass es nicht das Ziel des Apostels ist, hier das Geschick der Schöpfung umfassend darzulegen. Paulus spricht es vielmehr im Rahmen des Themas von Röm 8,18-30 nur in Kürze an. Der Text ist sehr kompakt formuliert, was das Verständnis erschwert.4 Teilweise auch deshalb wurde er anders ausgelegt, als die pointierte Zusammenfassung in der obigen Überschrift andeutet. Was bedeutet Schöpfung in Röm 8,19-22?Eine der wichtigsten Fragen ist: Was ist hier mit Schöpfung5 gemeint? Antworten sind: „Die gesamte Schöpfung einschließlich aller Menschen“ bzw. „ausgenommen die Christen“; „die nichtmenschliche Schöpfung“; „die Menschheit“ oder „die Engelwelt“. Die meisten Ausleger plädieren für die nichtmenschliche (sichtbare) Schöpfung.6 Christen können schon deshalb nicht mitgemeint sein, weil sie mit persönlichen Fürwörtern wie „uns“ (V.18) und „wir“ (V.22f) sowie dem Begriff „Kinder (Söhne) Gottes“ (V.19.21) von der „Schöpfung“ unterschieden werden. Ebenso scheitert die aus der Alten Kirche stammende Deutung auf überirdische Gewalten bereits daran, dass diese bei Paulus (Röm 8,38f; Kol 1,15) als (gewissermaßen) vernunftbegabte Mächte schuldfähig und nicht der irdischen Vergänglichkeit unterworfen sind7 , im Gegensatz zur hier genannten Schöpfung (s.u.). Zugunsten der Auffassung, Schöpfung meine hier die Menschheit, wird erstens vorgebracht, dass Schöpfung im Neuen Testament Ausdruck für die Menschenwelt sein kann. Das ist in der Tat manchmal der Fall8 (vgl. Röm 1,25; Kol 1,23; Mk 16,15); jedoch muss grundsätzlich im Textzusammenhang ermittelt werden, was jeweils mit Schöpfung gemeint ist (s.u.). Zweitens wird argumentiert, dass die in Röm 8,19-22 gebrauchten personalen Ausdrücke darauf hinweisen, dass hier unter Schöpfung Menschen verstanden werden: Das „sehnsüchtige Warten“ (V.19) oder das „Seufzen“ (V.22).9 Jedoch ist das kein ausreichendes Gegenargument; schon im Alten Testament werden personale Ausdrücke sogar für „tote Gegenstände“ gebraucht, etwa, wenn Sonne, Mond und die Sterne zum Gotteslob aufgefordert werden (z.B. Ps 148,3).10 Die (vernunftlose) Schöpfung nicht wegen eigener Schuld unterworfen.Sehr wichtig ist: Die Schöpfung wurde „nicht aus eigenem Willen“ bzw. „nicht freiwillig“ unterworfen. Gemeint ist, „daß der Gerichtsakt sich nicht schuldhaft, sondern schicksalshaft vollzog, ohne daß die Geschöpfe durch eigene Tat an diesem Fall beteiligt wären“.11 Wenn in Röm 8,19-22 mit „Schöpfung“ Menschen gemeint wären, hätte Paulus „nicht von ihrer ‚unfreiwilligen’ Unterwerfung unter die Nichtigkeit (V.20) und Vergänglichkeit (V.21)“ sprechen können, „sondern vielmehr von ihrer Schuld und von ihrer entsprechenden Preisgabe an die Folgen ihrer Empörung gegen Gott“. Hinzu kommt: Es würde der Verkündigung des Evangeliums an alle Menschen ebenso wie dem Gericht über die Ungläubigen widersprechen, wenn diese Menschen gemeinsam mit den „Kindern Gottes“ in die zukünftige Herrlichkeit eingehen könnten.12 Weiter: Paulus hebt in Röm 3,9-12; 5,12-21; 7,7-24 hervor, „daß in Adam jeder Mensch gesündigt hat, somit alle Menschen dem Tod verfallen sind, keiner entschuldbar ist und kein Mensch sagen könnte: ‚Der Nichtigkeit bin ich wohl verfallen, aber ... nicht aus (meinem) eigenem(-en) Willen“. Dagegen ist die Schöpfung, von der Paulus spricht, tatsächlich „nicht aus eigenem Willen“ der Nichtigkeit und Vergänglichkeit unterworfen worden (8,20f); das passt nur, wenn Schöpfung hier die vernunftlose Schöpfung meint13 (s.u.). Daraus ergibt sich: Die Annahme, in Röm 8,19-22 sei mit „Schöpfung“ die Menschheit gemeint, steht im Gegensatz zur Rechtfertigungslehre des Römerbriefs (!). Nach der Rechtfertigungslehre erlangen die (ungläubigen) Menschen nicht als sehnsüchtig harrende, seufzende Kreatur zusammen mit den Kindern Gottes die zukünftige Herrlichkeit, sondern nur, indem jeder Mensch selbst zum Glauben an Jesus Christus kommt, deshalb von Gott gerecht gesprochen und so zum Kind Gottes wird14 (Röm 3,21-26; 5,1f u.a.). Die (vernunftlose) Schöpfung von Gott dem Todesgeschick auf Hoffnung hin unterworfen.Nur Gott selbst „kann auf Hoffnung hin unterwerfen“ (Röm 8,20).15 Unterwerfen „beschreibt den einmaligen Akt des Gerichtes durch Gott“; er „liefert die Schöpfung an einen verderbenden Prozess aus“.16 Dieser Prozess hat einen Anfang und ein Ende. Das wird durch die griech. Zeitform des Aorists ausgedrückt; er setzt einen Zustand der Schöpfung vor der Unterwerfung, aber ohne dieses Verhängnis voraus17 . Auf Hoffnung hin bedeutet: „Von Anfang an bestand eine Zielsetzung, die Schöpfung zu einem späteren Zeitpunkt aus dem auferlegten Joch ... wiederzubefreien.“18 Im Zusammenhang von Röm 8,19-22 hat das griech. Wort für Nichtigkeit (V.20) neben „Eitelkeit“ bzw. „Sinnlosigkeit“ die Bedeutung „Vergänglichkeit“ im körperlichen Sinn.19 Diese Bedeutung trifft erst recht für die Wendung Knechtschaft der Vergänglichkeit (V.21) zu. Das mit Vergänglichkeit übersetzte griech. Wort ist nach CHANG hier wie auch in 1Kor 15 mit „Vergänglichkeit“ bzw. „Verwesung“ im körperlichen Sinn zu verstehen; Vergänglichkeit bedeutet lapidar, (irgendwann) sterben zu müssen.20 Die (vernunftlose) Schöpfung wegen des Sündenfalls unterworfen.Wichtig ist, dass Röm 8,20 „sich deutlich auf den Fluch in Gen 3,15ff“ aufgrund des Sündenfalls Adams bezieht.21 Zu einer Schwierigkeit in V. 20: Adam war nicht der Unterwerfende, sondern Gott; doch war Adams Ungehorsam der Grund für die Unterwerfung bzw. die Verfluchung des Erdbodens gemäß der Urteilsbegründung Gottes gegenüber Adam: „um deinetwillen“ bzw. „deinetwegen“ (Gen 3,17b).22 WILCKENS fasst das Entscheidende so zusammen: „Wie immer man interpretiert, in jedem Fall ist in Röm 8,20 ausgesprochen, daß die gesamte Schöpfung von der ‚Nichtigkeit’ mitbetroffen ist, der die Menschen von Adam an als Folge der Sünde von Gott anheimgegeben sind ..., so daß darin die Situation und das Geschick der Schöpfung abhängig sind von der Situation und dem Geschick der Menschen“.23 Zusammenfassung.Außer dem verfluchten Erdboden mit seiner großen Mühsal für die Menschen sowie ihrem Leidens- und Todesgeschick (Gen 3,16-19; 5,29)24 hat Gott die in Röm 8,19-22 genannte Schöpfung der körperlichen Vergänglichkeit (Sterblichkeit) unterworfen; mit Schöpfung ist hier „nur die außermenschliche, vernunftlose Schöpfung“ gemeint.25 „Seit Adams Fall ist sie unter die Gewalt der Sünde, des Todes und der Vergänglichkeit geraten“.26 Zur vernunftlosen Schöpfung gehören besonders die Tiere, denn die Tierwelt als ganzes und jedes einzelne Tier ist im direkten Sinn vergänglich bzw. verweslich (s.o.). Als Nebenargument kann dafür ferner angeführt werden, dass Tiere leidensfähig sind; vgl. das „sehnsüchtige Warten“, „Seufzen“ und die „Geburtswehen“ (8,19.22).27 Für wertvolle Hinweise danke ich herzlich dem Neutestamentler Dr. Armin D. Baum Anmerkung
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