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Zusammenfassung:„Intelligent Design“ (ID) ist ein Ansatz einiger Wissenschaftler, die Entstehung der organismischen Komplexität durch Bezugnahme auf eine intelligente Ursache zu erklären. Kritiker dieses Ansatzes lehnten wiederholt eine Betrachtung auf wissenschaftlicher Ebene ab mit der Begründung, ID-Befürworter würden ihre Argumente nicht in angesehenen wissenschaftlichen Fachzeitschriften publizieren. Im Jahr 2004 wurde jedoch in einem referierten Wissenschaftsjournal ein Artikel von Stephen C. Meyer veröffentlicht, welcher für den ID-Ansatz argumentierte. Der verantwortliche Redakteur des Journals, Richard Sternberg, sah sich daraufhin mit heftigen Reaktionen aus dem Lager der ID-Kritiker konfrontiert. Diese gingen so weit, dass sogar Sternbergs Entlassung an seinen Arbeitsplätzen, der National Institutes of Health (NIH) und dem National Museum of Natural History (NMNH) gefordert wurden. Im Folgenden sollen die Geschehnisse nachgezeichnet werden, die sich durch die Veröffentlichung des Meyer-Artikels ereigneten. Inhalt
EinführungRichard von Sternbergs Lebenslauf liest sich zunächst wie ein Musterbeispiel einer gelungenen Karriere als Wissenschaftler1: Zwei Doktortitel aus dem Bereich der Evolutionsbiologie, wovon einer den Distinguished Dissertation Award gewinnen konnte, schmücken seinen Lebenslauf. Er ist als Redner zu zahlreichen Kongressen eingeladen worden, besitzt Lehrerfahrungen an diversen Universitäten und Colleges und ausgeprägte Erfahrungen als aktiver Forscher. Er publizierte über 30 Artikel in referierten („peer-reviewed“, s. u.) Wissenschaftszeitschriften. Im Dezember 2001 nahm er die Einladung der Biological Society of Washington (BSW) an, die unbezahlte Arbeit des leitenden Redakteurs bei dem von der BSW herausgegebenen Journal Proceedings of the Biological Society of Washington (im Folgenden „Proceedings“) zu übernehmen. Zu dieser Zeit lief Sternbergs Zeit als Post-Doktorand am National Museum of Natural History (NMNH) aus und er begann in seiner neuen Anstellung bei der GenBank der Behörde National Institutes of Health (NIH) zu arbeiten. Dabei war vereinbart worden, dass er 50% seiner Arbeitszeit als Kurator der NCBI-DNA-Datenbank des NIH verwenden und die restlichen 50% als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Forschung am NMNH, welches zur Smithsonian Institution (SI) gehört, investieren würde. Während der Zeit als leitender Redakteur vom Dezember 2001 bis zum August 2004 war er verantwortlich für 11 Ausgaben der Proceedings. In dieser Zeit bearbeitete er mehr als 200 Artikel und war für die Veröffentlichung einer umfangreicheren Monographie zuständig. Im Oktober 2003 wollte er seine Tätigkeit als verantwortlicher Redakteur beenden, um mehr Zeit für eigene Forschung und eigene Veröffentlichungen zu haben. Da jedoch zu dieser Zeit kein Ersatz zu finden war, willigte Sternberg ein, seine Position weiter wahrzunehmen, bis das Gremium einen geeigneten Nachfolger gefunden hätte. Im Mai 2004 war es soweit und schließlich löste Dr. Richard Banks im September 2004 Sternberg ab. Der tiefe FallDoch mittlerweile war der bis dahin so stetige Aufstieg auf Sternbergs Karriereleiter stark ins Stocken gekommen. Mehr noch er befand sich sozusagen im freien Fall: Zu diesem Zeitpunkt stand Sternberg kurz davor, seinen Forschungsplatz im NMNH zu verlieren, seine neuen Arbeitgeber, die NIH wurden aufgefordert, ihn zu entlassen. Sternberg selbst stand unter ständiger Beobachtung, und hohe Vertreter akademischer Kreise forderten seine Entfernung von der SI, er erhielt keinen Zutritt mehr zu seinem Büro und es kursierten allerlei Gerüchte bezüglich seiner Person, die dazu führten, dass ehemalige Kollegen einen Bogen um ihn machten und erst recht die Zusammenarbeit mit ihm verweigerten. Sternberg war am Tiefpunkt seiner Karriere angelangt in akademischen Kreisen gemieden; man könnte aus den zur Verfügung stehenden Quellen fast den Eindruck gewinnen, als ob er als Verräter betrachtet wurde.
VorgeschichteZum Verständnis dieser erstaunlichen Wendung sind einige Vorinformationen notwendig. Peer-review „Intelligent Design“ (ID) und peer-review Der Artikel von Stephen C. Meyer Der Publikations-Prozess des Meyer-ArtikelsDieser Artikel war die Ursache der oben erwähnten massiven Probleme von Richard Sternberg. Betrachten wir den Gang des Artikels vom Zeitpunkt seiner Einreichung zu Anfang des Jahres 2004 an: Der Meyer-Artikel folgte dem oben beschriebenen Standard-Prozess, wie er für das Proceedings üblich ist. Da Systematik und Evolutionstheorie zum Hauptfeld des Interesses und der Fachkenntnis von Sternberg gehörten und es keinen entsprechend qualifizierten anderen Mitherausgeber gab, übernahm er als leitender Redakteur die direkte Verantwortung für die anstehenden Schritte. Es war nicht das erste Mal, dass Sternberg so entschied und einen Artikel selbst bearbeitete, und dieses Vorgehen war bislang stets als gewöhnliche Angelegenheit betrachtet worden und aufgrund des Beschlusses des Herausgebergremiums (s. o.) auch rechtlich abgesichert. Darüber hinaus ist das auch bei anderen wissenschaftlichen Zeitschriften ein durchaus übliches Verfahren. Sternberg, der die kontroverse Natur des Artikels erkannte, entschied sich jedoch, darüber hinaus einen Kollegen zu befragen, was dieser von einer Veröffentlichung hielte. Bei diesem Kollegen handelte es sich um einen Wissenschaftler des NMNH, der Mitglied des Herausgebergremiums war und dessen Urteil Sternberg hoch einschätzte. Sternberg und sein Kollege besprachen den Artikel bei mindestens drei Treffen, in denen der Kollege Sternberg zu einer Veröffentlichung ermutigte. Sternberg versandte den Artikel danach an vier Experten, wovon sich drei, die allesamt Fachleute in relevanten Bereichen der Evolutions- und Molekularbiologie waren und vollzeitlich bei bedeutenden Forschungsinstituten angestellt waren, dazu bereit erklärten, den Artikel kritisch zu begutachten. Die drei Experten und Sternberg selber mit ihren insgesamt fünf Doktortiteln beurteilten den Artikel einstimmig als einer Veröffentlichung wert, nachdem sie Meyer über ihre Einwände in einigen Punkten informiert hatten und dieser daraufhin noch einmal signifikante Änderungen an seiner Arbeit vorgenommen hatte. Anschuldigungen, Folgen, RichtigstellungDie Veröffentlichung dieses ID-befürwortenden Artikels löste eine Welle der Entrüstung aus. Sie richtete sich jedoch nicht gegen Meyer als Autor, sondern gegen Sternberg, den verantwortlichen Redakteur. Viele Protestschreiben und zahlreiche Telefonanrufe empörter ID-Kritiker erreichten das NMNH und Sternbergs Vorgesetzte vom NIH. Dabei wurde sogar die Entlassung Sternbergs aus seinen Beschäftigungen sowohl beim NMNH als auch beim NIH gefordert. Kritisiert wurde jedoch nicht sein wissenschaftliches Urteil, sondern seine Entscheidung, den Artikel publiziert zu haben, obwohl die umstrittene darin vertretene Position gesellschaftspolitisch kontrovers diskutiert und von der Wissenschaftsgemeinde abgelehnt wurde. Sternberg selbst besteht darauf, ausschließlich in seiner Eigenschaft als Wissenschaftler Fachbeiträge zu editieren und zu beurteilen, und nicht wie es ein Politiker täte die über die Wissenschaft hinausgehenden Aspekte der Kontroverse zu beachten. Er habe den Artikel angenommen, auch wenn er ihm in vielen Aussagen nicht zustimmte, da er ein Thema behandelte, welches für die Systematik von fundamentaler Bedeutung sei. Die Tatsache, dass sich Sternberg an den üblichen peer-review-Prozess gehalten hatte und der begutachtete Artikel von allen vier Experten als wissenschaftlich korrekt eingestuft worden war, nützte wenig: Kurz nach der Veröffentlichung zeigte ein leitender Angestellter der SI, Hans Sues, den Artikel einigen Kollegen und versandte dann an verschiedene Personen eine eMail, die offenbar eine weite Verbreitung fand. Darin bezeichnet er Meyers Artikel als „unwissenschaftlichen Müll“. Auskünfte über private Ansichten. Zur selben Zeit wurde Sternbergs Dienstvorgesetzte zum Vorsitzenden der Zoologie-Abteilung, Jonathan Coddington, gerufen; sie sollte über Sternbergs private Ansichten Auskunft geben. Zuerst wurde sie gefragt, ob Sternberg ein religiöser Fundamentalist sei. Sie verneinte dies. Daraufhin fragte Coddington, ob Sternberg irgendeiner religiösen Organisation nahe stehe oder angehöre. Schließlich wollte er wissen, wo Sternberg politisch gesehen einzuordnen sei. Sternbergs weltanschauliche Hintergründe waren plötzlich von großem Interesse und bezüglich der Beurteilung seiner Person das einzig maßgebliche Kriterium, während die Qualität seiner fachlichen Arbeit keine Rolle spielte. Diese Befragung ließ nicht nur unangenehme Folgen für Sternberg erwarten, sondern führte außerdem zu einer Verunsicherung religiös orientierter Kollegen Sternbergs. Sie befürchteten berufliche Nachteile, falls ihre weltanschaulichen Positionen bekannt werden würden. Veränderungen im Arbeitsumfeld. Im Oktober 2004 musste Sternberg auf einen Beschluss Coddingtons hin sein Büro aufgeben und seinen Schlüssel für das Departmentgeschoss abgeben. Somit hatte er keinen Zugang zu den Muster-Sammlungen mehr, die er für seine Forschung benötigte. Er wurde außerdem einem neuen Kurator unterstellt, mit dem er berufliche Differenzen hatte, die aber nicht die Evolutionstheorie betrafen. Damit erhielten die ihm missgünstig gesonnenen Mitarbeiter die Kontrolle über seine Forschungstätigkeit. Dass die Veränderungen und Verschlechterungen in Sternbergs Arbeitsumfeld nicht zufällig waren, bestätigte auch eine Untersuchung des Office of Special Counsel (OSC), an die sich Sternberg gewendet hatte, als die destruktiven Folgen seines außerberuflichen Engagements bezüglich des Meyer-Artikels seine Anstellung in starkem Maß bedrohten.5 Das OSC gibt auf seiner Website an, es gehöre zu seinen Aufgaben, „Nestbeschmutzer“ vor „Vergeltungsaktionen“ zu schützen. Nach ersten Untersuchungen musste das OSC seine Ermittlungen jedoch einstellen, da sich Sternberg in einer besonderen juristischen Situation befand, aufgrund welcher er offiziell nicht als Angestellter der SI gelten konnte. Daher wären weitere Nachforschungen nur unter der Bedingung möglich gewesen, dass die SI ihr Einverständnis gegeben hätte. Dieses wurde aber verweigert. Dennoch sind die Ergebnisse der ersten Untersuchungsphase offen zugänglich und geben ein Bild von der Situation, in der Sternberg nach Veröffentlichung des Meyer-Artikels arbeiten musste. Das OSC bestätigt in diesem Dokument, dass es klar sei, „dass ein feindliches Arbeitsumfeld geschaffen wurde mit dem letztendlichen Ziel, Sie [Sternberg] zu zwingen, die SI zu verlassen.“ Die Untersuchung des OSC konnte auch zeigen, dass ein reger Austausch zwischen der SI und dem National Center for Science Education (NSCE) bestand. Das NCSE ist eine Organisation, die sich der Aufgabe verschrieben hat, evolutionskritische Inhalte von Schulen fernzuhalten. Weiter wurde nachgewiesen, dass Mitarbeiter des NSCE daran beteiligt waren, eine Strategie zu entwerfen, mit der Sternberg in der SI untersucht und in Misskredit gebracht werden sollte, und dass sie ihren Wunsch formulierten, Sternberg möge von der SI entfernt werden. Gerücht fehlender Gutachten. Zudem förderte die geschäftsführende Direktorin des NCSE, Eugenie C. Scott, das Gerücht, der Artikel sei gar nicht begutachtet worden, durch folgende Aussage: „Leute, die für die Begutachtung des Artikels angemessen gewesen wären, wären Evolutionsbiologen gewesen [Anmerkung: Sternberg selbst ist Evolutionsbiologe!]; und ich bezweifle, dass irgendein Evolutionsbiologe diesen Artikel begutachtet hat.“ Dieses Gerücht hielt sich hartnäckig, obwohl nachgewiesen werden konnte, dass die drei Begutachter sehr kritisch mit dem Artikel umgegangen waren, 50 Einwände zu Bedenken gegeben hatten und nicht notwendigerweise mit Meyers Argumenten und Schlussfolgerungen übereinstimmten. Entgegen der weltweit akzeptierten Berufsethik hinsichtlich des peer review-Verfahrens wurde Sternberg mehrere Male ausdrücklich dazu aufgefordert, die Identitäten der Begutachter preiszugeben. Neben der Behauptung, Sternberg habe den Artikel nicht begutachten lassen, wurde er außerdem mit dem Vorwurf konfrontiert, er habe den Artikel eilig durch den peer review-Prozess geschleust. Fakt ist jedoch, dass von der Einreichung des Artikels bis zur Veröffentlichung sechs Monate vergingen und der fertige Artikel selbst noch zwei Wochen auf Sternbergs Schreibtisch lag, ehe dieser ihn zum Druck freigab, da er anderen Aufgaben zunächst höhere Priorität zumaß. Zum Vergleich: Als es in einem anderen Fall notwendig war, möglichst schnell zu veröffentlichen, war es Sternberg auch schon einmal gelungen, den gesamten Begutachtungsprozess in einem einzigen Monat abzuschließen. Die Behauptung des schnellen Durchreichens des Meyer-Artikels ist folglich aus der Luft gegriffen. Weitere Gerüchte. Durch die nach der Veröffentlichung des Meyer-Artikels in der SI zirkulierenden eMails entstanden jedoch auch noch ganz andere Gerüchte, welche Sternbergs Ansehen enorm schadeten. Beispielsweise hieß es in einer eMail, Sternberg habe eine Ausbildung als orthodoxer Priester und sei gar kein ausgebildeter Wissenschaftler - eine völlig unbegründete Behauptung, ebenso wie die nicht den Tatsachen entsprechende Meinung, Sternberg habe seine Doktortitel gar nicht in wissenschaftlichen, sondern theologischen und philosophischen Gebieten erworben. In anderen eMails wurde behauptet, Sternberg sei Kurzzeitkreationist, was in akademischen Kreisen einem „Todesurteil“ gleich kommt. Sternberg gehört seit 2001 zwar zum Editorial Board von O ccasional Papers of the Baraminology Study Group (BSG), teilt aber nicht deren Auffassung. Die BSG ist eine kreationistische Gruppe von Wissenschaftlern, die versuchen, zum Thema „Biblische Art“ Wissenschaft zu betreiben.6 Sternberg war 2001 zur BSG-Konferenz eingeladen worden, um über die Geschichte des Strukturalismus zu referieren. Im Anschluss an diese Konferenz, auf der Sternberg auch seine Kritik am Kreationismus geäußert hatte, wurde er als objektiver Außenstehender in ein Redaktionsteam aufgenommen, um die neutrale Bewertung der eingereichten Beiträge für ein neu gegründetes elektronisches Journal zu gewährleisten. Sternberg vertritt selbst jedoch nicht den Kurzzeitkreationismus und nicht einmal „Intelligent Design“. Auch wenn er anerkennt, dass ID schwierige Fragen aufgeworfen habe, betont Sternberg weiterhin, sei er nicht von „Intelligent Design“ überzeugt. Seinen tatsächlichen, oft falsch dargestellten Standpunkt macht Sternberg in einem Interview deutlich: „Ich bin kein Evangelikaler, ich bin kein Fundamentalist, ich bin kein Kurzzeitkreationist, ich bin kein Vertreter der Theistischen Evolution.“ Vielmehr ist Sternberg Vertreter des Strukturalismus, der eine neutrale Auseinandersetzung mit der Ursprungsfrage anstrebt und Gesetzmäßigkeiten im Aufbau der belebten Welt untersucht, ohne diese einer bestimmten Ursprungsoption oder auch nur einem historischen Zusammenhang zwingend zuzuordnen. Diese Haltung ermöglicht ihm den Dialog mit Vertretern der ganzen Bandbreite an Ursprungsvorstellungen, wozu Sternberg sowohl Kreationisten als auch Neo-Darwinisten zählt, ohne dass er mit deren Anschauungen übereinstimmen muss. Überwachung und Diskriminierung. Neben dem OSC setzte sich auch The House of Government Reform Subcommittee on Criminal Justice, Drug Policy and Human Resources mit Sternbergs Fall auseinander und schrieb in seinem Bericht, dass der eMail-Verkehr während August und September des Jahres 2004 zwischen NMNH-Beamten deren Absicht offenbarte, ihre staatlich finanzierte Tätigkeit dazu zu nutzen, Wissenschaftler aufgrund ihrer außerberuflichen Aktivitäten bezüglich Evolution zu diskriminieren. Aufgrund der in diesen eMails geäußerten Einstellungen könnten nach Ansicht des Berichts Wissenschaftler, von denen man wüsste, dass sie gegenüber der Darwinistischen Evolutionstheorie skeptisch eingestellt sind völlig ungeachtet ihrer Qualifikationen oder ihrer Forschungserfahrungen keine Gleichbehandlung oder gleiche Beachtung erwarten. Die im Anhang veröffentlichten eMails zeigen außerdem, dass Sternberg einer so strengen Überwachung ausgesetzt war, dass sogar seine Ausleihen bei der Bibliothek kontrolliert wurden, in der Hoffnung, ihm etwaige Fehler nachweisen zu können, um eine offizielle Begründung für eine Entlassung angeben zu können. Der Bericht geht auch auf neuere Entwicklungen ein und zeigt auf, dass sich die Situation auch später nicht signifikant gebessert hatte: Sternberg sei noch diskriminiert worden, lange nachdem bekannt war, dass die Anschuldungen gegen ihn unbegründet waren. Die Untersuchung habe zwingende Hinweise aufgedeckt, wonach Sternbergs Bürger- und Verfassungsrechte von Beamten der SI verletzt worden seien. Überdies zeigten sich die leitenden Beamten des SI komplett ungewillt, die Fehler zu korrigieren, die begangen worden waren, oder auch nur ernsthaft das Fehlverhalten zu untersuchen. Erst kürzlich hätten führende NMNH-Angestellte zugestimmt, dass Sternberg von Mitarbeitern zur Position des Research Collaborator degradiert wurde völlig ungeachtet früherer Versicherungen, dass Sternberg ein angesehener wissenschaftlicher Mitarbeiter sei und volle und faire Beachtung für sein Gesuch erhalten würde, sein „Research Associateship“ möge verlängert werden. Der Bericht folgert:
Keine Reue zeigt auch Eugenie C. Scott vom NCSE, die neben anderen Mitgliedern derselben Organisation maßgeblich an der Verbreitung der haltlosen Anschuldigungen gegen Sternberg beteiligt war (s. o.). Sternberg sei Kreationist und habe den Meyer-Artikel nicht den Vorschriften gemäß behandelt:
Dennoch habe Sternberg nicht wirklich leiden müssen:
Dass jedoch die Behauptung, Sternberg sei doch eigentlich gar nichts widerfahren angezweifelt werden kann, wird deutlich, wenn man sich die Rufschädigung Sternbergs vor Augen führt. Selbst hier in Europa ist er nun als der Wissenschaftler bekannt, der angeblich auf illegale und unwissenschaftliche Art und Weise einen pseudowissenschaftlichen Artikel in eine Fachzeitschrift geschmuggelt haben soll. So schreibt beispielsweise der Skeptiker noch in seiner letzten Ausgabe des Jahres 2006, also lange nachdem die rufschädigenden Gerüchte über Sternberg widerlegt worden waren, in dem Artikel „Freispruch für Darwin?“ unter der Überschrift „Unsaubere Geschäfte“: „Steven Meyer gelang es 2004 indes, einen ID-Artikel in einer wissenschaftlichen Zeitschrift zu veröffentlichen. Nachdem aber offensichtlich wurde, dass der Artikel (welcher nur eine Zusammenfassung bereits vorhandener Arbeiten war), grobe fachliche Fehler aufwies, und dass der Chefredakteur des Journals den Artikel an dem obligatorischen Begutachtungsverfahren durch andere Wissenschaftler und am editorial board des Journals vorbeigeschmuggelt hatte, erklärten die Herausgeber aufgrund des öffentlichen Drucks, dass sie den Artikel in dieser Form nicht mehr veröffentlichen würden. Außerdem zeigte sich kurz darauf, dass Meyer einen sehr ähnlichen Artikel mit geringen Änderungen, aber mit einer unterschiedlichen Autorenliste bereits in einem ID-internen Journal veröffentlicht hatte (Elsberry 2004).“ (Hervorhebung nicht im Original) Hätte Meyer wirklich einen inhaltlich deckungsgleichen oder sehr ähnlichen Artikel anderweitig veröffentlicht, wäre das eindeutig gegen das Berufsethos von Wissenschaftlern. Das aber wäre Meyers und nicht Sternbergs Vergehen gewesen. Hier geht es lediglich um Sternberg und das Bild von ihm, das durch solche Behauptungen wie die des Skeptiker erzeugt wird. Die vom Skeptiker wirklich gegen Sternberg erhobenen Vorwürfe wurden im obigen Zitat fett hervorgehoben. Sie zeichnen ein sehr deutlich von den Tatsachen abweichendes Bild Sternbergs, das seinem Ansehen als Wissenschaftler sehr abträglich ist. Scotts Behauptungen sind in manchen Teilen jedoch nicht nur tendenziös, sondern teilweise auch eindeutig falsch: Sternberg musste eindeutige Kürzungen seiner Forschungsprivilegien hinnehmen, er wurde aufgefordert, seine Schlüssel abzugeben und wurde seines Büros verwiesen. Ein freundlicher Kurator erlaubte ihm lediglich, einen Tisch in seinem eigenen Büro zu benutzen, während Sternbergs Büro weiter unbenutzt leer stand. Außerdem ging die Feindseligkeit seines Arbeitsumfeldes soweit, dass ihm offen gesagt wurde, dass, falls irgendetwas verloren ginge, oder beschädigt würde, er dafür verantwortlich gemacht werden würde. Viele Kollegen ignorierten ihn nun und auch alte Kollegen von anderen Institutionen weigerten sich, mit ihm zusammenzuarbeiten und gaben als Grund den Meyer-Artikel an. Aus diesen Gründen kam er immer seltener in das Museum. Der Arbeitsplatz, der ihm nun noch zugebilligt wurde, hatte in etwa die Größe eines Wandschranks und war „kalt und zappenduster“. Er selbst war damit jedoch noch einverstanden. Erst als ein Mitarbeiter an ihn herantrat und ihm erzählte, wie verabscheut er am SI sei, und nachdem er eine Notiz erhielt, die ihm die Verantwortung für fehlende Materialien zuschrieb, gab er auf. Sternberg merkt außerdem an, dass die Tatsache, dass er seine Anstellung am NIH letztendlich behalten konnte, alles andere als Scotts Verdienst gewesen sei. Vielmehr sei den an das NIH gestellten Forderungen nach seiner Entlassung nur deswegen nicht stattgegeben worden, weil mehrere U.S. Senatoren eingegriffen hätten. SchlussDie Sternberg-Affäre ist von mehrfacher Bedeutung: Zum einen zeigt sich, dass selbst in einer modernen, demokratischen Wissenschaftsnation wie den USA Wissenschaftler aufgrund ihrer (vermeintlichen!) privaten Ansichten massiv diskriminiert werden können. Diese Diskriminierung kann soweit gehen, dass der Arbeitsplatz solcher Wissenschaftler ernsthaft in Gefahr gerät, auch wenn dies anhand der nachgewiesenen Arbeitsleistung nicht begründet werden kann. Vermutlich wird es kaum ein Herausgeber eines biologischen Journals nach diesen Ereignissen mehr wagen, einen offen für ID argumentierenden Artikel zu veröffentlichen. Zum anderen wurde ein fragwürdiger Umgang mit dem ID-Ansatz offenbar. Richard Dawkins behauptete in seiner bekannten Schrift „Why I won’t debate creationists“ folgendes: „Habe keine Angst, dass der Herausgeber ihn [den wissenschaftlichen Artikel] ablehnen wird, nur weil er gegen Evolution argumentiert. Im Gegenteil, die Zeitschrift, welche den Artikel veröffentlichen würde, der wirklich einen Irrtum der Evolution oder überzeugende Indizien dagegen feststellen würde, hätte den Knüller des Jahrhunderts in wissenschaftlicher Hinsicht. Herausgeber würden einander umbringen, um ihn in ihre Hände zu bekommen.“ Behauptungen dieser Art sind mit der Sternberg-Kontroverse wohl widerlegt. Zusätzlich hat der Fall einiges über die wirklich an ID gestellten Forderungen offenbart: Ein Zitat von Klinghoffer bringt das auf den Punkt. Seiner Meinung nach habe das „Meyer-Fiasko“ eine zirkuläre Argumentationsstrategie offenbart, mit der gegen ID vorgegangen werde: „Critics of ID have long argued that the theory was unscientific because it had not been put forward in a peer-reviewed scientific journal. Now that it has, they argue that it shouldn’t have been because it’s unscientific.“ Quellen
Anmerkung
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