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Eine Reihe von Beobachtungen und Erfahrungen deutet darauf hin, dass nicht nur die Qualität einer Veröffentlichung, sondern vor allem Glaubensüberzeugungen und Motivationen eines Autors in der Ursprungsfrage maßgeblich für deren Beurteilung sind. Im August dieses Jahres wies ich in einer email den Autor eines Internetartikels auf den von der Studiengemeinschaft Wort und Wissen veröffentlichten Beitrag „Zankapfel Auge“ hin (es handelt sich um eine Veröffentlichung in Studium Integrale Journal). Der Adressat hatte in seinem Artikel geschrieben, es sei kein Problem, die Evolution des Auges zu verstehen. In seiner Antwort gab er mir zu verstehen, dass er unseren Artikel nicht lesen werde, da er kein „peer-review-Verfahren“ durchlaufen habe. Dieses in der wissenschaftlichen Welt übliche anonyme Gutachtersystem soll die wissenschaftliche Korrektheit und Qualität von Artikeln in Fachzeitschriften sichern. Damit konnte „Zankapfel Auge“ in der Tat nicht glänzen. Tatsächlich wird versucht, (auch) mit dem Argument des fehlenden „peer review“ die komplette Diskussion um „Intelligent Design“ (ID) aus dem Raum der Wissenschaft zu verbannen (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Intelligent_Design#Peer_Review). Welche unangenehmen Folgen es für einen verantwortlichen Redakteur hatte, als er einen für „ID“ argumentierenden Artikel nach einem peer-Review doch einmal veröffentlichte, hat Christoph Heilig zusammengetragen (Der Fall des Richard Sternberg).1 Inhalt
Publikationen von Kreationisten in LiteraturverzeichnissenNun aber hat der Vorsitzende der AG Evolutionsbiologie, der Kasseler Biologe Professor Ulrich Kutschera in der Zeitschrift Reports einen Artikel veröffentlicht (http://www.evolutionsbiologen.de/basic_types06.pdf), in dem er sich dafür ausspricht, Bezüge zu ID und „Schöpfung“ in wissenschaftlichen Zeitschriften zu unterbinden und fordert die Welt der Wissenschaft zu entsprechender Wachsamkeit gegenüber dem Kreationismus und ID auf. Dabei sollen nicht nur Bezüge zum Thema „Schöpfung“ geächtet werden, sondern es soll sogar Sorge dafür getragen werden, dass keine Artikel von solchen Autoren in den Literaturverzeichnissen genannt werden, die die Evolutionstheorie kritisch sehen (Näheres dazu ist unter http://www.genesisnet.info/schoepfung_evolution/n92.php?a=0 ausgeführt oder in aller Breite im o. g. Reports-Artikel nachzulesen). Aus den Ausführungen Kutscheras geht hervor, dass die Gutachter der von Kutschera beanstandeten Artikel die Veröffentlichungen erst dann als Versehen betrachteten, als ihnen die weltanschauliche Einstellung der (zitierten) Autoren bewusst wurde. Offenbar waren sie zuvor zur Überzeugung gelangt, dass die Artikel üblichen wissenschaftlichen Qualitätsstandards genügten. So stellt es jedenfalls Kutschera dar.2 Was ist vor diesem Hintergrund von der Kritik zu halten, Befürworter einer Schöpfungslehre oder des ID-Ansatzes würden eine externe Qualitätskontrolle umgehen? Und was kann man über die wissenschaftliche Qualität der Publikationen schlussfolgern? Dieser Frage soll anhand weiterer Beobachtungen nachgegangen werden. Verlinkung von W+W-Artikeln in Spektrum der WissenschaftIm Oktober 2003 verlinkte Spektrum der Wissenschaft in seiner online-Ausgabe auf zwei Artikel zum Thema „Urvögel“, die in der von Wort und Wissen herausgegebenen Zeitschrift Studium Integrale Journal publiziert worden waren ein schöner Erfolg für Wort und Wissen und ein Qualitätsnachweis, könnte man meinen. Wir berichteten in „Wort und Wissen Info“ darüber (Kleine „Publikations-Wunder“). Ein gutes Jahr später wandte sich Andreas Beyer von der AG Evolutionsbiologie an die Spektrum-Redaktion und klärte sie darüber auf, wer die Herausgeber dieser Zeitschrift sind. Mit dem Hinweis, es handle sich bei der Verlinkung um einen Irrtum, wurden wenige Tage später die Links entfernt. Dies schilderte mir Herr Beyer so in einer email. Keine Fachliteratur bei Wort und Wissen?Gelegentlich wird behauptet, Wort und Wissen bringe keine Fachliteratur heraus und wende sich nur an Schüler und Laien. So schrieb beispielsweise Thomas Junker, Vize der AG Evolutionsbiologie, in Biologie in unserer Zeit Heft 3/2002: „Ihre [Kreationisten] Zielgruppe ist die Öffentlichkeit, denn zu fachlicher Kritik fehlt ihnen das Wissen. Schüler, Studenten und Laien sollen ein zentrales Stück Bildung verlieren das Verständnis für unsere biologische Geschichte“ (http://www.uni-kassel.de/fb19/plantphysiology/junker.htm). Neuerdings schrieb der oben schon erwähnte Andreas Beyer: „Wie ein jeder sehr leicht überprüfen kann, gibt es von Wort & Wissen keine wissenschaftlichen Publikationen, sondern nur populärwissenschaftliche Beiträge im Internet und in christlichen Verlagen, die sich an interessierte Laien, Schüler und Kinder wenden“ (http://elf.scm-digital.net/show.sxp/876 _althaus___biologie_schlie_t_einen_sch_pfer_nicht_aus_.html). Beide Behauptungen entsprechen nicht den Tatsachen. Die Zielgruppe der SG Wort und Wissen war seit der Gründung und ist bis heute auch und gerade die akademische Welt. Dazu wurde eine Reihe von Fachberichten (Reihe STUDIUM INTEGRALE) herausgebracht (zu STUDIUM INTEGRALE weiter unten mehr.) Außerdem bringt Wort und Wissen die oben erwähnte Zeitschrift Studium Integrale Journal heraus, die sich auch an die akademische Welt richtet. An einer fachlichen Auseinandersetzung besteht seitens Wort und Wissen großes Interesse. Entgegen der Behauptung von Thomas Junker ist die Studiengemeinschaft dagegen, den Schülern die Inhalte der Evolutionslehre vorzuenthalten (Evolution und Schöpfung in der Schule). Dass man mit Hilfe unseres Lehrbuchs die Evolutionslehre gut kennenlernen kann, wurde sogar schon von manchen Kritikern eingeräumt. Rezensionen
Dass die Fachberichtsreihe STUDIUM INTEGRALE wissenschaftliche Qualität hat, beweisen einige Rezensionen. Beispielsweise wurde das Vorläuferbuch von „Gehirn Sprache Artefakte“ (mit dem damaligen Titel „Gehirn und Sprache“) von Michael Brandt in anerkannten Fachzeitschriften positiv rezensiert (Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift 36 (1995), 167-168; Biologie in unserer zeit 23, (1993), IV). Dasselbe gilt für Sigrid Hartwig-Scherers Buch „Ramapithecus“. Ein Fachanthropologe hatte dieses Buch vorab begutachtet und positiv gewürdigt. Einer der bekanntesten Paläanthropologen Deutschlands bezeichnete das Buch „Der Ursprung des aufrechten Ganges“ (ebenfalls von Michael Brandt) als das beste, was es seiner Meinung nach zu diesem Thema gebe. Brandts Bücher werden in zwei anerkannten Lehrbüchern (eines davon aus der Paläanthropologie) zitiert, außerdem in einer paläanthropologischen Promotionsarbeit. Leider können wir Ross und Reiter nicht veröffentlichen; die Folgen wären nach dem Gesagten absehbar. Paläobotanische MonographienIch selber habe mich intensiv um externe Gutachten zu meinen beiden Monographien im Bereich Paläobotanik bemüht. Das Manuskript von „Evolution früher Landpflanzen“ (publiziert 1996) ging an fünf deutsche paläobotanische Institute. Immerhin erhielt ich eine Reaktion von Professor Winfried Remy aus Münster, und sie war sehr ermutigend: „Ich habe das Manuskript ... zunächst skeptisch, dann aber mit wachsendem Vergnügen gelesen. Es handelt sich um eine sehr gelungene, kritische Analyse paläobotanischer Forschungsergebnisse unter evolutionstheoretischen Aspekten. Auch die Auswahl der Literatur und Zitate ist beeindruckend. ... Ich kann Ihnen die Arbeit daher mit bestem Gewissen zur Publikation empfehlen (Schreiben von W. Remy an S. Scherer vom 8. 11. 1995). Immerhin zitierte einer der anderen angeschriebenen Paläobotaniker das Buch Evolution früher Landpflanzen in einem Überblicksartikel über die Devonflora Spitzbergens (Schweitzer 1999).
Bemerkenswert ist die fast entgegengesetzte Einschätzung in der einzigen mir bekannten Rezension dieses Buches durch Hans Kerp, dem Nachfolger von Prof. Remy: „Obwohl kritische Stellungnahmen natürlich immer willkommen sind, wird in diesem Buch ein stark verzeichnetes Bild präsentiert, das der Autor durch eine stark subjektive Auswahl von Daten und Aussagen zu unterbauen versucht.“ Nachdenklich müssen dann aber die Schlusssätze dieser Rezension machen: „Obwohl der Autor in diesem Buch keine klare Alternative für die Evolutionstheorie angibt, kann diese aus seinen anderen Werken entnommen werden. Weitere Bücher des gleichen Autors zur paläontologischen Themen sind u.a. ‘Evolution ohne Grenzen?’, ‘Schöpfung oder Evolution?’, ’Stammt der Mensch von Adam ab?’ und ‘Sündenfall und Biologie’“ (www.palaeontologische-gesellschaft.de/palges/publikationen/palakt_archiv/pa36c.html). Es drängt sich daher der Verdacht auf, dass das negative Urteil durch die Kenntnis meiner Glaubenssicht bedingt ist. (Die in der Rezension konkret geübte Kritik habe ich in einem persönlichen Schreiben an Prof. Kerp am 25. 10. 1999 begründet zurückgewiesen, darauf aber keine Antwort erhalten.) Zum zweiten paläobotanischen Werk „Samenfarne, Bärlappbäume, Schachtelhalme“ (publiziert 2000) war es mir nicht mehr möglich, ein externes Gutachten zu erhalten. Anfragen blieben unbeantwortet. Eine kurze Zeitlang korrespondierte ein Paläobotanik-Doktorand mit mir über Teile dieser Arbeit, beendete die Diskussion aber mit dem Hinweis, dass es seiner Karriere schaden könnte, wenn er mit mir in Beziehung gebracht werden könnte (daher verzichte ich selbstverständlich darauf, seine Namen hier zu nennen). Ich habe dafür Verständnis, aber es dürfte damit klar sein, was vom Vorwurf zu halten ist, Wort und Wissen hätte keine externe Qualitätskontrolle. Immerhin aber erhielt ich nach der Veröffentlichung dieser Monographie am 4. 3. 2001 brieflich eine positive Resonanz von dem Paläobotanik-Professor Burkhard Frenzel und einem seiner Mitarbeiter, die dem Buch einen „großen Wert“ bescheinigen, auch wenn sie die Schlussfolgerung „Schöpfung“ nicht nachvollzögen. Studium Integrale Journal
Auch für Publikationen, die für Studium Integrale Journal vorgesehen sind, würden wir gerne externe Gutachten von Fachleuten der betreffenden Spezialgebiete einholen, doch dies wurde zuletzt mit Verweis auf die kreationistische Position der Autoren abgelehnt. Der Vorwurf der mangelnden Qualitätskontrolle entpuppt sich als Heuchelei. Trotzdem gilt: Die meisten Artikel von Studium Integrale Journal werden wie die Monographien der gleichnamigen Buchreihe von Fachleuten geschrieben, die durch Studium oder jahrelange Einarbeitung und interdisziplinäre Diskussion in den Fachgruppen der SG Wort und Wissen die nötige Kompetenz erworben haben. Alle Artikel müssen ein Gutachterverfahren durchlaufen, Hauptartikel und Kurzbeiträge müssen von mindestens zwei fachkompetenten Gutachtern durchgesehen werden (meistens werden noch mehr Gutachter herangezogen). Die Redaktion wird sich auch weiterhin darum bemühen, Gutachter zu gewinnen, die dem Anliegen von Wort und Wissen ablehnend gegenüberstehen. Die Autoren von Studium Integrale Journal scheuen jedenfalls kein „peer review“, im Gegenteil, sie wären dankbar für die Verbesserungen, die den Artikeln dadurch zugute kämen. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen beschleicht einen jedoch der Eindruck, dass vermieden werden soll, Wort und Wissen durch Mitwirkung an fachlicher Kontrolle wissenschaftliche Kompetenz zugestehen zu müssen. Keine Rezensionen mehr?Wie schon erwähnt, wurden einige frühere Titel der Reihe STUDIUM INTEGRALE in Fachzeitschriften rezensiert. Den nach 1996 veröffentlichten Titeln war dies jedoch nach meiner Kenntnis nicht mehr vergönnt. Die oben erwähnte Rezension von Professor Kerp ist die letzte mir bekannte Rezension einer unserer STUDIUM INTEGRALE-Bände in einer Fachveröffentlichung. Trotz mittlerweile sprunghaft gestiegenem Bekanntheitsgrad von Wort und Wissen in der Öffentlichkeit wird die Fachliteratur von Wort und Wissen von der Fachwelt offenbar weitgehend ignoriert. Die Erfahrung von Michael BeheDie Kritik, Schöpfungsgläubige oder Befürworter von „Intelligent Design“ würden nicht in Fachzeitschriften publizieren, wird natürlich nicht nur an die Adresse der Studiengemeinschaft Wort und Wissen gerichtet. Michael Behe, Autor von „Darwin’s Black Box“, wird damit häufig konfrontiert. Er nimmt dazu auf seinem Amazon-Blog wie folgt Stellung (www.amazon.com/gp/blog/post/PLNK1STBFIEYACBA7), wobei zunächst Coyne zitiert wird:
Dieser letzte Satz trifft den Kern des Problems. Bestimmte persönliche Überzeugungen verhindern Publikationen. Ein letzter BelegDazu noch eine Begebenheit aus jüngster Zeit. Der ID-Befürworter Markus Rammerstorfer hatte eine evolutionskritische Glosse bei der medizinischen Zeitschrift „Physiopraxis“ eingereicht und bereits eine Zusage für eine Veröffentlichung erhalten. Dann aber bekam er von der Redaktion eine Absage mit folgender Begründung: „Wir haben von einer Veröffentlichung Ihres Textes abgesehen, da uns erst bei der Recherche über ihr Buch bewußt wurde, welche Motivation Sie mit diesem Text unterstützen. Das wiederum wollen wir nicht unterstützen.“3 Das ist wenigstens ehrlich, offenbart aber beispielhaft, dass nicht die Qualität einer Veröffentlichung, sondern Überzeugungen und Motivationen eines Autors in der Ursprungsfrage maßgeblich sind. Weitere InfosStudium Integrale Journal: www.wort-und-wissen.de/sij Überblick über die Fachberichtsreihe STUDIUM INTEGRALE: www.wort-und-wissen.de/si Anmerkungen
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