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„Fortschritt“ statt objektive Moral

von Markus Widenmeyer

Diskussionsbeitrag 1/18


Inhalt



Modernes Denken: Moralischer Relativismus


Manchmal habe ich Gelegenheit, mit, sagen wir, typisch modernen Menschen, die ganz andere weltanschauliche Ansichten als wir Christen haben, Gespräche zu führen. Und zwar Gespräche, die über den üblichen Smalltalk hinausgehen.  Da war zum Beispiel eine amerikanische Studentin, die einen moralischen Relativismus vertrat: Für sie ist Moral etwas gesellschaftlich Konstruiertes, ohne überzeitliche und überkulturelle Gültigkeit. Ich wandte ein, dass dann zum Beispiel die Verbrechen des Nationalsozialismus nur im Rahmen unserer aktuellen kulturellen Prägung moralisch schlecht wären. In anderen Kulturen könnten sie moralisch in Ordnung sein. Was für sie natürlich inakzeptabel war. Oder ein junger Veganer. Für ihn war der vegane Lebensstil zu einem wichtigen Teil seines Lebens geworden. Seine Motivation war moralisch, nämlich Leiden von Tieren möglichst zu verhindern. Ich habe ihm meinen Respekt zum Ausdruck gebracht. Aber auch er, säkular und atheistisch denkend, vertrat die Ansicht, dass es keine objektive Moral gibt. Er will etwas Gutes tun, obwohl Gut und Böse für ihn im Grunde Illusionen sind.

Man fragt sich: Warum solche Widersprüche im Denken zweier recht intelligenter Menschen? Tatsächlich aber repräsentieren sie das Denken sehr vieler Menschen heute: Sie haben feste Überzeugungen von richtig und falsch, für die sie manchmal auch kämpfen und gewisse Opfer bringen. Gleichzeitig vertreten sie eine Weltanschauung, nach der diese Überzeugungen eigentlich irrational und illusionär sein müssten. Warum ist das so? Offensichtlich haben Menschen von Natur aus das Gespür, dass es da ein über-zeitliches und über-menschliches Richtig und Falsch gibt. (Von einem solchen inneren Gesetz spricht ja auch Paulus im 2. Kapitel des Römerbriefes.) Andererseits sind sie aber vom heute dominierenden naturalistischen Denken beeinflusst. Für den Naturalismus gibt es nur unser materielles Universum. Alles hat sich aus einfachen materiellen Zuständen heraus entwickelt. Gott als das absolut Gute und als oberster Gesetzgeber kommt hier nicht vor und es gibt entsprechend auch keinen objektiven Maßstab für richtig und falsch. So schrieben die beiden Naturalisten Michael Ruse und Edward O. Wilson: „Menschen funktionieren besser, wenn sie von ihren Genen dahingehend betrogen werden zu glauben, dass es eine objektive Moral gibt.“Das ist eine krasse Aussage: Die Auffassung, dass z.B. Massenmord an unschuldigen Menschen wirklich objektiv moralisch falsch ist, wäre demzufolge schlicht unzutreffend und würde auf einer Illusion beruhen.

Durchsetzung des Stärkeren statt Moral


Wo es keinen höheren Maßstab für gut und böse, richtig und falsch gibt, gilt das Prinzip: Der Mensch ist das Maß aller Dinge. Dieses Prinzip klingt recht modern und human. Haben nicht religiöse Moralvorstellungen unsere Freiheiten über Jahrtausende eingeschränkt? Nun, modern ist das Prinzip nicht. Es wurde von Protagoras, einem griechischen Denker aus der Schule der Sophisten, im 5. Jahrhundert vor Christus formuliert. Und es wurde damals auch zu Ende gedacht. Soviel sei bereits gesagt: Das Ergebnis ist auch nicht sehr human. Welchen Maßstab findet der Mensch in sich? Es sind verschiedene Begierden, auch Neigung zu Aggression, Streben nach Macht, persönliche Vorstellungen von richtig und falsch und die typisch menschliche Neigung, diese anderen vorzuschreiben. Was ist nun aber, wenn unterschiedliche „Maßstäbe“ aufeinanderprallen? Wie soll man ohne einen höheren, über-menschlichen Maßstab vermitteln? Die Sophisten sahen klar die Konsequenzen: Der physisch Stärkere, der rhetorisch und propagandistisch Raffiniertere, der politisch oder finanziell Einflussreichere setzt sich durch. Es sind nichts als „verschiedene Formen der Selbstdurchsetzung“, wie es die Philosophin Barbara Zehnpfennig nannte.

Diesen Grundsatz finden wir ebenso in modernen naturalistischen Ideologien, die auch heute noch politisch-gesellschaftlich einflussreich sind. So schrieben Karl Marx und Friedrich Engels, dass die „Moral“ entweder „die Herrschaft und die Interessen der herrschenden Klasse“ rechtfertigte oder „die Empörung gegen diese Herrschaft und die Zukunftsinteressen der Unterdrückten.“ Hier wird die Rolle der Moral auf den Kopf gestellt. Statt oberste Handlungsorientierung von Menschen zu sein, dient sie hier nur den Interessen von Menschen. Dadurch werde, so Marx und Engels, die „Durchsetzung der Individuen“ letztlich zum einzig gültigen Maßstab der Geschichte und der Gesellschaft. Das schließt ein, dass die Durchsetzungsstärksten auch festlegen, was als gut und schlecht gilt.

Der Fortschrittsbegriff als trojanisches Pferd für neue „Werte“


Wie aber kann man der Gesellschaft wirkungsvoll eigene Definitionen von gut und schlechtaufprägen? Vor allem ab dem 20. Jahrhundert spielt hier der Fortschrittsbegriff eine wichtige Rolle. Er dient sozusagen als „trojanisches Pferd“ für neuartige, teils revolutionäre Werte und gesellschaftliche Zielsetzungen. Dafür gibt es Gründe:

  • Der Fortschrittsbegriff enthält eine unterschwellige Definition von gut und schlecht. Denn Fortschritt ist keine bloße Veränderung, sondern eine Veränderung zum Besseren hin.
  • Es wird das Gefühl einer gewissen Selbstverständlichkeit erzeugt: „Fortschritt“ klingt positiv. Wer will schon „rückständig“ oder „von gestern“ sein?
  • Die bisherigen, traditionellen Moral- und Wertüberzeugungen können leicht als „rückständig“ und „überholt“ dargestellt werden, ohne dies näher begründen zu müssen.
  • Das Fortschrittsdenken entspricht dem heutigen naturalistisch geprägten Klima. Der Naturalist Franz Wuketits sprach hier von einem universellen Evolutionsprinzip, das auch „auf die Sphäre des Psychischen, des Sozialen und des Kulturellen ausgedehnt werden kann.
  • Der „Fortschritt“ ist dadurch scheinbar auch wissenschaftlich begründet. Er erscheint so fälschlicherweise als eine natürliche, objektive Größe.

Dieser Fortschrittsbegriff ist jedoch eine sprachliche Mogelpackung: Er suggeriert, dass der „Fortschritt“ zu objektiv besseren Zuständen führt. In einer naturalistischen Welt kann es aber kein objektives Besser geben (wie oben erläutert). Es ist eine rhetorisch erzeugte Illusion, eine leere Worthülse. Zunächst. Denn im zweiten Schritt kann diese Hülse mit beliebigem Inhalt gefüllt werden, wodurch dann (ohne Begründung) neuartige Definitionen von gut und schlecht ins Denken der Menschen eingeschmuggelt werden: Das Fortschrittliche als das Gute, das Rückwärtsgewandte als das Schlechte. Entscheidend ist nur, wer die Definitionsmacht hat, seine Sicht der Dinge als das „Fortschrittliche“ zu etikettieren.

Es ist nicht schwer, hierzu zahlreiche Beispiele aus dem heutigen gesellschaftlich-politischen Diskurs zu finden (überwiegend aus der BRD):

  • Rückschritt statt Fortschritt. Warum die Reform des Schwangerschaftsabbruchs keinen Schritt nach vorn darstellt.“ (Abtreibungslobby, für ungehinderte Tötung von Kindern im Mutterleib).1
  • Union stemmt sich ... gegen die Ehe von Lesben und Schwulen. Doch wird sie sie letztlich nicht aufhalten.2
  • „Homosexuelle verkörperten mit ihrem Wunsch nach Eheschließung ein modernes Bürgertum“.3
  • „Auf nach Stuttgart: Gegen Rassismus und Homophobie! Gegen die ,Demo für Alle‘. Seit fast zwei Jahren tragen die Rechten mit der ,Demo für Alle‘ ihr rückschrittliches Weltbild auf die Straße. …parlamentarische Rechte mit dem NazimobBaWüs und christlichen Fundamentalisten …für ein traditionell-reaktionäres Frauen- und Familienbild… Rechte Hetze müssen wir bekämpfen – nach unseren Regeln!“ (Antifa, gegen Selbstbestimmung von Familien bezüglich der Sexualerziehung ihrer Kinder).4

Die Strategie: Die eigenen Ziele und Wertvorstellungen werden als „fortschrittlich“, „zeitgemäß“, „modern“ oder ähnliches bezeichnet. Diese Etikettierung wird als etwas Selbstverständliches vorausgesetzt, das man nicht zu diskutieren brauche. Durch beständige Wiederholung prägt sich dies den Menschen mit der Zeit ein. Sie „lernen“, was „fortschrittlich“ und somit „richtig“ ist – und was nicht. Nicht zuletzt war es eine solche Strategie, die eine breite Akzeptanz der „Homoehe“ oder vorgeburtlicher Kindstötungen erzeugte.

In Bezug auf die Art und Weise, wie die Einführung der „Ehe für alle“ begründet und schließlich Ende Juni 2017 im Deutschen Bundestag beschlossen wurde, schrieb der christliche Publizist Matthias von Gersdorff: „Wer so denkt, braucht gar keine Verfassung. Für ihn ist die Kultur oder besser gesagt, der Zeitgeist, die absolute Richtschnur für politisches und gesellschaftliches Leben. … Recht wird in dieser Welt von demjenigen definiert, der die Deutungshoheit über die Kultur besitzt. Kultureller Einfluss ersetzt geradezu das Recht. Wer gesellschaftlichen Einfluss besitzt, der definiert auch, was Recht ist. Er definiert also, was die Ehe ist, was Eigentum ist, was ‚Recht auf Leben‘ ist etc.“

Hindernisse und Feinde des Fortschritts


Die Beispiele zeigen auch: Wer diese Zielsetzungen ablehnt, „stemmt sich“ (angeblich) gegen den Fortschritt, sei „rückschrittlich“, „reaktionär“ und „rechts“ (alle diese Worte sollen Fortschrittsfeindlichkeit ausdrücken). Er wird also als Hindernis oder gar Feind des Fortschritts – und somit des Guten! – bezeichnet. Nicht selten werden Kritiker solcher Zielsetzungen ausgegrenzt, diffamiert und im Extremfall vernichtet. Man kann solche Strategien klar bis zum Marxismus zurückverfolgen. In einem Lehrbuch für marxistische Philosophie der DDR lesen wir, dass „alles Überlebte, was den historischen Fortschritt hemmt, zugrunde gehen muss.“ Diesem (vermeintlichen) Naturgesetz wurde nicht selten nachgeholfen. So wurde der damals führende Botaniker der Sowjetunion, Nikolai I. Vavilov unter anderem wegen angeblicher Zugehörigkeit zu einer „rechten Organisation“ denunziert, dann verurteilt und später zu Tode gebracht. Er veröffentlichte wissenschaftliche Ergebnisse, die dem damaligen marxistisch-evolutionären Lehrgebäude widersprachen – also „reaktionär“ waren.

Der Mensch als Opfer des Fortschritts


Marx und Engels sprachen darüber hinaus, wie dann später auch Hitler, von ganzen reaktionären Klassen, Völkern und Rassen, deren Vernichtung ein Fortschritt sei.5 Das heißt: Auch das Lebensrecht von Menschen wird fremden Interessen und Zielsetzungen unterstellt. Und dies ist keineswegs nur ein Fall für Historiker. Wir finden ähnliche Muster bei modernen, liberalen Abtreibungsgesetzen. Auch hier argumentiert man mit „Fortschrittlichkeit“ – hinter der faktisch individuelle oder ideologische Interessen stehen und die mit wohlklingenden Begriffen wie „reproduktive Gesundheit“ bemäntelt werden. Schockierend offen ist in diesem Zusammenhang die Aussage Peter Singers, Professor an der Universität Princeton: „Das Postulat, dass alles menschliche Leben heilig ist, gilt nicht mehr[…] Wir fällen Entscheidungen darüber, welche Art von Leben wir fortsetzen wollen und welche nicht.“ Er geht sogar so weit, dass auch Säuglinge und Kleinkinder getötet, ja sogar zu Experimenten gebraucht werden dürften. Sein einziges Bedenken: „…es wäre zu schwierig, ihnen[den Eltern] zu erklären, dass völlig normale Kinder zu Experimenten gebraucht und dann umgebracht würden.“

Solche Tendenzen bekommen zusätzlich Nahrung dadurch, dass der Naturalismus keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen Mensch und Tier begründen kann. Ernst Haeckel, der im 19. Jahrhundert dazu beitrug, die Evolutionslehre populär zu machen, schrieb: „Die Unterschiede zwischen den höchsten und den niedersten Menschen [sind] größer, als diejenigen zwischen den niedersten Menschen und den höchsten Tieren.“

Das Verschwinden der Unschuld


Dazu kommt, dass im Naturalismus kein Platz für eine echte Willensfreiheit des Menschen ist. So schrieb der naturalistische Hirnforscher Wolf Singer (nicht zu verwechseln mit dem eben genannten Peter Singer): „Verschaltungen legen uns fest: Wir sollten aufhören von Freiheit zu sprechen.“Ist dies einmal angenommen, folgt daraus, dass der Mensch nicht schuldfähig ist: Wolf Singer sagt selbst, dass Verbrecher lediglich Menschen seien, die einfach nur Pech hatten, dass sich ihr Gehirn und die Umstände ungünstig entwickelt haben. So wird das Prinzip von Schuld und Sühne hinfällig: Jede Maßnahme gegenüber Kriminellen hätte ausschließlich nur den Sinn, einen (echten oder vermeintlichen) Nutzen für die Gesellschaft zu befördern. Wenn so zum Beispiel keine Gefahr besteht, dass ein Verbrecher seine Tat wiederholt, könnte man ihn ungestraft lassen. Denken wir an einen KZ-Kommandanten oder einen Stasi-Chef. Insofern sich die politischen Umstände geändert haben, bestünde keine Wiederholungs- oder Nachahmungsgefahr. Aber: Umgekehrt könnten Personen problemlos „unschädlich“ gemacht werden, die gar keine Verbrechen begangen haben. Es würde zum Beispiel vollkommen die Vermutung reichen, dass sie aufgrund ihrer Gene, ihrer sozialen Herkunft oder ihrer politischen oder religiösen Gesinnung zu einer „Risikogruppe“ gehören und sich in Zukunft unerwünscht verhalten könnten. Der Punkt ist: Wenn der Mensch unfrei und nicht schuldfähig sein sollte, wird nicht nur der Begriff der Schuld sinnlos, sondern – logisch zwingend – auch der Begriff der Unschuld. Man könnte schließlich mit jedem Menschen ausschließlich danach verfahren, wie es aus irgendwelchen politischen oder gesellschaftlichen Gründen „nützlich“ zu sein scheint bzw. dem „Fortschritt“ dient. Und was „nützlich“ oder „Fortschritt“ ist, bestimmen letztlich diejenigen, die hierfür die Definitionsmacht innehaben.

Der christliche Denker C.S. Lewis hat dieses Szenario in seinem Aufsatz „Strafe und Barmherzigkeit“ hervorragend analysiert.  Er schrieb: „Wenn wir den Gedanken der verdienten Strafe fallen lassen, wird alles anders.“Auch Lewis betont, dass es dann nicht mehr nötig ist, dass der Mensch, der bestraft wird, die Tat wirklich begangen hat. Auch mit Scheinprozessen könnten wirksame Abschreckungseffekt erzielt werden – zum vermeintlichen Wohle der Gesellschaft. Weiterhin könnte unerwünschte Züge bei Menschen nur noch als Krankheit angesehen werden (man denke an heute beliebte Begriffe wie „Homophobie“,  „Islamophobie“ o.ä., um politisch unerwünschte Sichtweise zu brandmarken). Lewis schreibt: „Wenn Verbrechen und Krankheit ein und dasselbe sein sollen, kann folglich jede geistige Haltung, die unsere Machthaber ‚Krankheit‘ zu nennen belieben, wie ein Verbrechen behandelt – und zwangsweise kuriert – werden.“ Ungerecht? Dieses Wort hat hier keinen Sinn mehr. Zum einen, weil der Mensch als nicht frei gilt und so „Schuld“ und „Unschuld“ ihren Sinn verlieren. Zum anderen, weil man ohnehin an kein objektives Richtig und Falsch mehr glaubt.

Die biblische Grundlage von Freiheit und objektiver Moral


Wir können uns die Frage nochmals stellen: Haben christliche Moralvorstellungen nicht unsere Freiheit über Jahrtausende eingeschränkt? Und wir können ergänzen: Ist der Gedanke von echter Verantwortung, Schuld und Strafe nicht inhuman? Nein! Wir haben gesehen, dass genau das Gegenteil zutrifft: Das Bewusstsein einer objektiven Moral ist zumindest für unsere äußere, politische Freiheit und eine (im besten Sinne) humane Gesellschaft unverzichtbar, weil sie Macht begrenzt und vor Willkür schützt. Dasselbe gilt für die Idee echter Willensfreiheit und das Festhalten am Prinzip von Schuld und (gerechter) Strafe. Dagegen führt die Leugnung einer objektiven Moral und einer echten Verantwortlichkeit des Menschen zu sehr bedenklichen Szenarien für Politik und Gesellschaft. Es war daher nicht zuletzt eine biblisch-christliche Sicht des Menschen und einer moralischen Ordnung, die unsere westlichen Demokratien und Rechtstaaten begründet hat. So warnt die Bibel nachdrücklich vor einer eigenmächtigen, willkürlichen Bestimmung, was gut und böse sein soll. In Jesaja 5,20 lesen wir:

Wehe denen, die das Böse gut nennen und das Gute böse; die Finsternis zu Licht machen und Licht zu Finsternis; die Bitteres zu Süßem machen und Süßes zu Bitterem!

Auf einer solchen Grundlage schreibt Paulus im Römerbrief Kapitel 13 die berühmten Verse über das Verhältnis von Obrigkeit und Bürgern. Darin nennt er einen wichtigen Grund, warum wir uns der Obrigkeit unterordnen sollen:

Denn die Regenten sind nicht ein Schrecken für das gute Werk, sondern für das böse. Willst du dich aber vor der staatlichen Macht nicht fürchten, so tue das Gute, und du wirst Lob von ihr haben; denn sie ist Gottes Dienerin, dir zum Guten. Wenn du aber das Böse tust, so fürchte dich! Denn sie trägt das Schwert nicht umsonst, denn sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe für den, der Böses tut.

Diese Passage begründet in faszinierender Weise das Hauptprinzip eines freiheitlichen Rechtsstaats: Ein Staat darf einen Bürger nur bestrafen, wenn er etwas objektiv Böses getan hat. Bürger, die dagegen (objektiv) Gutes tun, sollen vom Staat gelobt bzw. gefördert werden. Dadurch wird Willkür unterbunden und menschliche Machtansprüche werden entscheidend begrenzt. Staatliche Macht wird so auf das Wohl der Regierten fokussiert: „Dir zum Guten“.

Natürlich sehen wir Christen, dass diese biblische Sicht zunehmend in Frage gestellt wird. Man kann sogar in einigen Bereichen von einem  regelrechten Kulturkampf sprechen, der sich gegen ein christliches Bild des Menschen und des Gemeinwesens richtet und für den oft breite politische Mehrheiten zur Verfügung stehen.

Dennoch zehren wir noch von den biblischen Grundlagen, auf der unsere abendländische Kultur aufbaut. Wahrscheinlich deswegen geht es uns in den westlichen Demokratien nach wie vor so gut, gerade auch im weltweiten und historischen Vergleich. Dafür sollten wir dankbar sein und auch die Gelegenheiten nutzen, die sich dadurch bieten, Gutes zu tun zur Ehre Gottes. Sei es zum Beispiel in der Verkündigung des Evangeliums, in tätiger Nächstenliebe, in der Apologetik oder auch im politisch-gesellschaftlichen Bereich.

Anmerkungen


  1. https://www.forum.lu/wp-content/uploads/2015/.../7042_302_Broemmel_Geisler.pdf
  2. Eisenacher Presse, 12. 6. 15.
  3. Jens Spahn, CDU, Stuttgarter Nachrichten,  02.06.2015.
  4. http://antifaaufbautue.blogsport.de/2016/02/11/auf-nach-stuttgart-gegen-rassismus-und-homophobie-gegen-die-demo-fuer-alle/
  5. Einen aufschlussreicher Artikel finden wir in der ZEIT vom 28.05.1998 „Karl Marx, der Visionär und Rassist“ (https://www.zeit.de/1998/23/Karl_Marx_der_Visionaer_und_Rassist).

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