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Inwiefern ist die Kontroverse um "Schöpfung / Evolution" mit dem "Fall Galilei" vergleichbar? von Reinhard Junker Diskussionsbeitrag 2/91 |
Die Kontroverse um "Evolution und/oder Schöpfung" wird häufig mit dem "Fall Galilei" verglichen. In beiden Fällen werde der Fehler begangen (bzw. sei begangen worden), biblische Aussagen als naturkundlich relevant anzusehen. Durch den Fall Galilei habe das Christentum aufgrund dieses Fehlers Schaden genommen. Daher müsse man aus der Auseinandersetzung zwischen Galilei und der Kirche lernen, daß der Glaube schlecht beraten sei, wenn er sich mit einem bestimmten Weltbild vorbehaltlos identifiziere. Hier soll nicht auf die komplizierten historischen Hintergründe des Falles Galilei eingegangen, sondern nur gezeigt werden, daß sich die beiden Auseinandersetzungen wesentlich unterscheiden. Der Vergleich zwischen der Galilei-Kontroverse und der gegenwärtigen Auseinandersetzung um die Ursprungsfrage ist irreführend. In der Auseinandersetzung, die Galilei mit der Kirche ausfocht, ging es u. a. darum, ob die Erde astronomischer Mittelpunkt des Weltalls sei. Diese Vorstellung beruht jedoch nicht auf biblischer Lehre (genauso wenig wie die Vorstellung vom "dreistöckigen Weltbild" oder gar die modernen Vorstellungen des 20. Jahrhunderts von der Bibel ableitbar sind). Die Bibel berichtet von Gottes Handeln in einer Alltagssprache, in einer Ausdrucksweise, die unseren Sinneseindrücken entspricht, die folglich nicht zeitbedingt ist und die wir ja auch heute als wissenschaftlich aufgeklärte Menschen benutzen. Die Bibel beschreibt das reale Handeln Gottes in der Geschichte. Die bei diesen Schilderungen verwendete Ausdrucksweise kann aber nicht für ein räumliches Weltbild ausgewertet werden. Zur Verdeutlichung dieses Sachverhaltes seien einige Beispiele genannt:
Andere Aussagen über das Schöpfungshandeln Gottes sind in einer erkennbar poetischen Sprache gegeben (z, B. in den Psalmen). Auch hier kann man aus der benutzten Sprache nicht auf ein Weltbild der Bibel schließen. Man tut das auch nicht bei moderner Poesie. Wenn z. B. der Dichter vom "blauen Band" des Frühlings spricht, denkt der Leser nicht an ein Stofftuch. Die biblische Geschichte, auch die Urgeschichte Genesis 1-11, ist dagegen nicht in bildhafter Sprache geschrieben. Da uns die biblischen Offenbarungen also nicht in einer wissenschaftlichen Ausdrucksweise gegeben sind, ist es verfehlt, aus der benutzten Sprache ein "biblisches" Weltbild ableiten zu wollen, um dieses dann einem "naturwissenschaftlichen" entgegenzusetzen. Anhand der benutzten Sprache kann man nicht zwingend ein Weltbild ableiten. Der entscheidende Punkt ist hier vielmehr: Das biblisch bezeugte (und in der Alltagssprache geschilderte) Handeln Gottes in der Geschichte betrifft die historischen Wissenschaftsbezüge, weil von Gott faktisch Geschichte gesetzt wird. Die Geschichte des Handelns Gottes mit der Schöpfung und dem Menschengeschlecht ist nicht weltbildgebunden und damit nicht zu entmythologisieren und nicht modernen Vorstellungen anzugleichen, die das biblische Zeugnis nicht beachten. Gott hat in und mit derselben Welt und in derselben Geschichte gehandelt, die Gegenstand von Fachdisziplinen sind. Daher ist ein bibelfundierter Wissenschaftsbezug im geschichtlichen Sinne sinnvoll und in der heutigen Auseinandersetzung um Glaube und Denken notwendig. |
Vergleich zwischen der Auseinandersetzung beim "Fall Galilei" und der Auseinandersetzung um Schöpfung oder Evolution
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Studiengemeinschaft WORT und WISSEN e.V.
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