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Reaktionen der Fachwelt auf Ergebnisse der Schöpfungsforschung

von Reinhard Junker

Diskussionsbeitrag 2/95
auch als PDF verfügbar




"Wie kommt ihr in der Fachwelt an? Welchen Einfluß habt ihr im akademischen Raum, an den Universitäten und an den Schulen?" Diese Fragen werden uns bei der Studiengemeinschaft Wort und Wissen oft gestellt. Vielleicht ist mit dieser Frage der Zweifel verbunden, ob sich die Mühe denn lohne. Vielleicht steht dahinter auch die Erwartung, daß eine gut begründete Evolutionskritik und, soweit vorhanden, schöpfungstheoretische Alternativansätze doch auf Resonanz stoßen und einiges in Bewegung bringen müßten. Manche Frager verbinden damit die kritische Anfrage, ob die Qualität der Schöpfungsforschung wirklich gut genug sei, um in der Fachwelt bestehen zu können. Im folgenden sollen dazu einige Informationen und Überlegungen präsentiert werden.



1. Die Studiengemeinschaft Wort und Wissen ist an einer intensiven kritischen Diskussion ihrer Ergebnisse interessiert.

Wir wollen uns mit unseren Vorträgen, Seminaren und Publikationen nicht nur im geschützten Raum der christlichen Gemeinde bewegen, sondern in der Tat das Denken im universitären und schulischen Bereich im biblischen Sinne beeinflussen und damit einen Beitrag leisten, um den Boden für persönliche Umkehr zu Jesus Christus zu bereiten.



2. Was motiviert Wort und Wissen, die Fachdiskussion zu suchen?

Fachliche Spezialarbeiten lassen auf den ersten Blick keinen Bezug zu Fragen des Glaubens erkennen, auch nicht, wenn sie unter biblischen Vorzeichen geschehen. Viel wichtiger ist doch die populäre Vermarktung, könnte man denken. Nun, das ist tatsächlich wichtig, aber ohne fachliche Grundlagen kann man – wissenschaftliche Themen betreffend – nur unbegründete Behauptungen aufstellen. Wird dann der "Schwindel" entlarvt, steht man zurecht schlechter da, als wenn man geschwiegen hätte. Dazu kommt, daß die schulische Bildung (man denke besonders auch an die christlichen Bekenntnisschulen) selbstverständlich fachlicher Grundlagen bedarf. Schließlich aber geht es um eine längerfristige Strategie:

  1. Qualität wird Gutwillige überzeugen. Daraus folgt: Wir wollen lieber wenig in guter Qualität erarbeiten, als uns zu allem und jedem mit wissenschaftlichem Anspruch äußern.
  2. Je mehr Evolutionskritik bekannt wird, desto mehr können sich die Randbedingungen für das christliche Zeugnis verbessern. Evolution steht dann nicht mehr so unhinterfragbar als Hindernis zum Glauben im Wege.


3. Wie findet man Eingang in die Fachdiskussion?

Es gibt einige formale Voraussetzungen, um als wissenschaftlicher Gesprächspartner ernst genommen zu werden. Vor allem muß die fachliche Qualität der Arbeit stimmen. Ein für die Schöpfungsforschung relevantes Thema braucht für eine mit der erforderlichen Sorgfalt durchzuführende Bearbeitung in der Regel mindestens einige Monate, meist aber einige Jahre. Wenn diese Arbeit ehrenamtlich geleistet werden muß, dauert es entsprechend länger. Um eine Materie richtig bearbeiten zu können, ist es zunächst erforderlich, sich über den Stand der Diskussion kundig zu machen. Das erfordert oft schon ein Durcharbeiten von einigen hundert Artikeln oder Büchern. Erst wenn man einigermaßen auf dem Stand des gegenwärtigen Wissens ist, zeichnen sich Möglichkeiten der Evolutionskritik und der Entwicklung von Alternativen ab (vorher hat man natürlich schon Vermutungen, wo man vielleicht kritisch einhaken könnte). Viele Themen sind zudem nur interdisziplinär wirklich effektiv angehbar. Spätestens dann wird aufgrund des krassen Mitarbeitermangels die Luft bei Wort und Wissen sehr dünn.

Mit der Buchreihe Studium Integrale und der neuen Zeitschrift Studium Integrale Journal versuchen wir, in die Fachdiskussion einzugreifen und Evolutionskritik zu thematisieren. Der Start der Buchreihe war 1989; inzwischen sind acht Titel erschienen, hauptsächlich aus dem Bereich Biologie und Paläontologie.



4. Und was wurde nun bewegt?

Geistliche Frucht läßt sich schlecht messen; auch sind die Umstände, die zu Bekehrungen führen, oft vielfältig und nicht an einem einzigen Anstoß festzumachen. Wenn wir nach Erfolgen von Fachpublikationen fragen, so sollen daher im folgenden nur greifbare Äußerlichkeiten erwähnt werden.

Zunächst einige positive Beispiele: Das Lehrbuch "Entstehung und Geschichte der Lebewesen" hat nach Auskunft zweier Redakteure von "säkularen" Lehrerzeitschriften dazu geführt, daß Autoren von Wort und Wissen Artikel zur Schöpfungslehre in diesen Blättern veröffentlichen konnten (es handelte sich um "Praxis der Naturwissenschaften – Biologie" und "Biologie in der Schule"). Dadurch konnten viele Lehrer mit dieser Thematik konfrontiert werden, die wir durch unsere direkten Bemühungen kaum erreicht hätten. Im Oberstufenlehrbuch "SII Biologie" vom Schroedel-Verlag werden in unpolemischer Weise Evolutionskritik und Schöpfungslehre auf immerhin vier Seiten thematisiert – absolut keine Selbstverständlichkeit, wenn man den bekannteren "Biologie-Linder" dagegenhält. (Für diese Lehrbücher sind Autoren mit recht unterschiedlichen Einstellungen verantwortlich; wir können dafür beten, daß Gott die richtigen Leute an die richtigen Stellen setzt; Gebet kann hier nach meiner Überzeugung eher Türen öffnen als Bemühungen auf oberster Etage in Kultusministerien.) Oder: Kürzlich äußerte sich ein dem "Kreationismus" sehr ablehnend gegenüberstehender Universitätsprofessor lobend über das Buch "Der Ursprung des aufrechten Ganges" aus der Studium-Integrale-Reihe; es gab hier also eine Imageverbesserung für die Arbeit von Wort und Wissen. Es könnten weitere Beispiele dieser Art genannt werden.

Aber auch Negativbeispiele fehlen nicht. Ein Redakteur einer biologiedidaktischen Zeitschrift schickte mir einen Studium-Integrale-Band zurück mit dem Hinweis, daß sie dafür grundsätzlich keine Verwendung hätten. Es handelte sich um "Typen des Lebens", in dem es nur um biologische Aspekte geht. Zu eben diesem Buch liegen zwei Buchbesprechungen in Fachzeitschriften vor. Ein Rezensent ging darin kaum auf den Inhalt ein, dafür aber um so mehr auf die vermeintliche Motivation der Autoren. Es gab und gibt auch immer wieder Bemühungen, in evolutionstheoretisch orientierten Zeitschriften evolutionkritische Artikel zu publizieren. Manchmal ist das geglückt, in anderen Fällen wurden Artikel aber auch schon aus fadenscheinigen Gründen abgelehnt. (Das ist z. B. dann der Fall, wenn ein und derselbe Artikel den Redaktionen vergleichbarer Zeitschriften einmal zu speziell und einmal zu allgemein ist.)



5. Fachliche Qualität reicht nicht aus.

Die genannten Negativbeispiele, die leicht vermehrt werden könnten, zeigen, daß fachliche Qualität eine zwar notwendige, aber keineswegs hinreichende Voraussetzung ist, damit die Arbeit überhaupt wahrgenommen und ernsthaft diskutiert werden kann. Es wird deutlich, daß andere Faktoren eine erhebliche Rolle spielen können. So ist die Schöpfunglehre nun einmal in einer krassen Minderheitenposition. Minderheiten können leicht folgenlos übergangen werden. Dazu kommt, daß eine neue Position ein Unruheherd ist. Unruheherde will man lieber beseitigen. Es macht viel mehr Mühe, sich ernsthaft mit Neuem auseinandersetzen zu müssen (geschweige denn, wirklich umzudenken), als mit ein paar schnellen Randbemerkungen Außenseiter abzutun. Das erfahren nicht nur Mitarbeiter von Wort und Wissen und das alles ist noch nicht unbedingt Ausdruck weltanschaulicher Festlegungen (das kommt noch dazu, s. u.). Solche Ausgrenzungsversuche laufen auch gegenüber anderen Minderheitengruppierungen ab, z. B. gegen die Frankfurter Senckenbergische Arbeitsgruppe für Phylogenetik. Diese Wissenschaftler halten den herkömmlichen auf Darwin zurückgehenden Evolutionsmechanismus für völlig unbrauchbar zur Erklärung von Makroevolution und fordern ein ganz neues Evolutionsparadigma. Die bisherige Sicht sei so ungenügend, daß sie nicht verbessert werden könne, sondern aufgegeben werden müsse. Die meisten Biologen machen da nicht mit; und die Frankfurter Phylogenetiker bekommen das deutlich zu spüren, was sie wiederum zu teilweise bissiger Polemik geführt hat (oder haben sie selber damit begonnen?). Wir sehen, daß das zur-Seite-Drängen neuer Ideen auch anderweitig vorkommt. (Übrigens habe ich erfahren, daß manche Biologen der Frankfurter Arbeitsgruppe unser Lehrbuch "Entstehung und Geschichte der Lebewesen als Beispielsammlung zum Beleg dafür verwenden, daß Evolution in herkömmlich vertretener Sicht nicht funktioniert.)

Das zuletzt Gesagte ist aber noch nicht alles. Zweifellos kommt im Falle der Schöpfungslehre noch hinzu, daß mit ihr eine der naturalistisch und weithin atheistisch geprägten Wissenschaft vom Grundansatz her völlig konträre Position gegenübersteht. Da versteht man sich einfach nicht so leicht. Und viele sind schnell der Meinung, Schöpfungslehre könne man sofort mit dem Hinweis auf die glaubensmäßigen Grundlagen als Pseudowissenschaft oder gar "Unsinn" abtun. An dieser Stelle sind m. E. Grenzen gegeben, die letztlich eine Widerspiegelung der Scheidung von Glauben und Unglauben sind. Den letzten Satz darf man nicht falsch verstehen: Diese Situation entbindet uns nicht davon, sich mit sachlichen Argumenten auseinanderzusetzen. Er sagt nur, daß demjenigen, der Jesus Christus und sein Wort nicht kennt und liebt, Grenzen des Verstehens gesetzt sind, wenn es um die Motivation und Grundlagen des christlichen Glaubens geht (vgl. 1. Kor 2,11-15). Wir dürfen uns nicht wundern, wenn atheistische Wissenschaftler mit der Prämisse "Am Anfang schuf Gott" nichts anfangen können. Die Paradigmen der Schöpfungslehre und der Evolutionslehre sind zu verschieden, auch wenn in der konkreten Forschung ein Dialog eigentlich leicht möglich ist (und auch funktioniert), so daß die Schöpfungslehre sogar von Evolutionsforschung profitieren kann.

Die Situation ist oft nicht viel anders, wenn man sich auf Evolutionskritik beschränkt und sich auf die Denkebene des naturalisch ausgerichteten Wissenschaftlers begibt und versucht, in dessen Denkrahmen Widersprüche aufzuzeigen und unbewiesene Denkvoraussetzungen offenzulegen. Auch bloße Evolutionskritik kann dieselbe Ablehnung erfahren wie Schöpfungslehre, da hinter der Evolutionskritik oft "kreationistische" Anliegen vermutet werden. Schießlich ist an dieser Stelle auch Selbstkritik angebracht: Es gab und gibt leider auch "kreationistische" Publikationen, die einer fachlichen Prüfung weithin (!) nicht standhalten können. Auch bei Wort und Wissen würden wir heute nicht mehr alles in der Form publizieren, wie es in den Gründerjahren geschehen ist. Es geht also nicht darum, den Finger auf andere zu zeigen, sondern aus Fehlern zu lernen. Wenn die Gegner uns beschimpfen und Verkehrtes über uns schreiben, dann dürfen sie nicht im Recht sein (vgl. 1. Petr. 4,14f.); wir können aber auch durch die beste Arbeit nicht verhindern, daß sie es tun.


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Letzte Änderung: 23.05.2006
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