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Die Wunder der Bibel – Zumutung oder Tatsache?

von Werner Gitt

Diskussionsbeitrag 3/96
auch als PDF verfügbar


Inhalt:
1.Wie würden Sie den Begriff "Wunder" definieren?
2.Wenn Wunder unerwartet sind, was ist dann das Erwartete?
3.Woher kommen die Naturgesetze?
4.Was hält diese Welt zusammen?
5.Wo aber ist da noch Platz für Wunder?
6.Kann es sein, daß unser wissenschaftlicher Kenntnisstand (noch) nicht ausreicht, um Wunder zu erklären?
7.Sind die biblisch bezeugten Wunder mit Hilfe von Naturgesetzen erklärbar?
8.Warum hat Jesus die Wunder getan?
9.Ist all das, was außerhalb der Naturgesetze geschieht, immer von Gott?
10.Können Sie nun eine zusammenfassende Definition der biblischen Wunder geben?
11.Sieht Gott seine Taten auch als Wunder an?
12.Können auch Menschen Wunder tun?
13.Gibt es auch heute noch Wunder?
14.Können Sie uns ein solches Beispiel nennen, das Sie selbst erlebt haben?
15.Warum glauben Sie an die Wunder der Bibel?


1. Wie würden Sie den Begriff "Wunder" definieren?

Ich möchte zunächst mit einer vorläufigen Definition D1 beginnen, die aber schon die wichtigsten Aspekte enthält:

D1: Als Wunder bezeichnen wir ein Ereignis, das Staunen hervorruft, das unerwartet und unberechenbar auf den Menschen zukommt. Es ist für den Menschen nicht machbar.

2. Wenn Wunder unerwartet sind, was ist dann das Erwartete?

Diese Frage hilft uns, eine deutliche Trennlinie zwischen Wundern (Unerwartetes) und Nichtwundern (Erwartetes) zu ziehen. Alle Ereignisse in unserer Welt laufen innerhalb eines Rahmens von festgefügten Gesetzmäßigkeiten ab. Diese nicht veränderlichen Fügungen nennen wir Naturgesetze. Nach allem, was wir wissen, sind Naturgesetze konstant – sie sind unveränderlich seit ihrer Installation durch den Schöpfer. Sie geben einerseits einen weiten Freiraum für Wirksamkeiten und Abläufe in unserer Welt und erlauben die vielfältigsten technischen Erfindungen und Verfahren, aber andererseits schließen sie viele nur in unserer Vorstellung erdachte Vorgänge als nicht realisierbar aus.

Besonders in den Naturwissenschaften Physik und Chemie wird versucht, diese ständig gegenwärtigen, überall wirksamen Gesetze durch Beobachtung und Experimente herauszufinden und sie dann mathematisch oder verbal in allgemeiner Form auszudrücken. Nur dadurch, daß wir die Naturgesetze kennen, können wir die Tragfähigkeit einer Brücke oder den Energieverbrauch einer Rakete, die zum Mond fliegen soll, im voraus berechnen. Der Schöpfer hat nicht nur diese Welt und das ganze Universum geschaffen; er hat auch die Naturgesetze installiert, die in all seinen Werken innewohnend und darum ständig und überall wirksam sind. Läßt man einen Stein aus einer bestimmten Höhe fallen, so erfährt er während des freien Falles eine ständig zunehmende Geschwindigkeit, die wegen des hierfür geltenden Naturgesetzes (Gravitationsgesetz) stets vorausberechnet werden kann. Dieselbe Gesetzmäßigkeit gilt auch für das Herabfallen einer Gabel vom Tisch, für einen Turmspringer auf dem Zehnmeterbrett, für ein Elektron in einem Oszillographen oder für den Absturz eines Meteoriten auf die Erde.

Wir beobachten in der uns umgebenden Wirklichkeit zahlreiche staunenswerte Vorgänge. Besonders im Bereich des Lebens fehlt uns oft das Verständnis für die genaue Funktionsweise der vielen komplexen Details. Niemand kann bisher den genialen Prozeß der Photosynthese hinreichend erklären oder ihn gar nachbauen, dennoch findet er in jedem Grashalm statt. Das menschliche Gehirn verfügt über etwa 100 Milliarden Schaltelemente (Neurone), die untereinander mit tausenden von synaptischen Verknüpfungen verbunden sind. Von der Komplexität dieses etwa 1,5 kg schweren Organs können wir uns einen Eindruck verschaffen, aber die Arbeitsweise dieser genialen Konstruktion ist uns weitgehend unbekannt. Wie kommt es, daß das menschliche Herz 70 oder 80 Jahre ununterbrochen schlagen kann, wo doch alle unsere technischen Geräte eine dazu vergleichsweise geringe Funktionsdauer aufweisen? Alle diese staunenswerten Dinge sind möglich, aber sie laufen dennoch unter den strengen Randbedingungen der Naturgesetze ab. Würde man eine detaillierte Energiebilanz in der lebenden Zelle durchführen, in der tausende von gekoppelten Prozessen ablaufen, so käme dabei heraus, daß nirgends der Energiesatz verletzt wird. Bei allen technischen Vorgängen und Geräten wie auch bei allen biologischen Prozessen in den Lebewesen wird nirgendwo und nie ein Naturgesetz verletzt. Nach allem, was wir wissen, sind diese Naturgesetze auch in den Weiten des Universums gültig. Naturgesetze kennen offenbar keine Ausnahme.

3. Woher kommen die Naturgesetze?

Ebenso wie diese Welt nicht von alleine entstanden ist, so sind es die Naturgesetze auch nicht. Alles hat seine Ursache in der Schöpfung, die Gott durch seinen Werkmeister (Spr 8,30), den Herrn Jesus Christus, hat ausführen lassen: "Denn in ihm (= Jesus Christus) ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare . . . es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen" (Kol 1,16). So ist die Schöpfung selbst ein Ereignis, das nicht mit Hilfe der Naturgesetze abgelaufen ist. Hier hat der Schöpfer aufgrund seiner Vollmacht, seines Wortes, seiner Kraft und seiner Weisheit alles gestaltet. Dazu brauchte er keine Naturgesetze. Die Naturgesetze sind somit nicht die Ursache, sondern erst das Ergebnis der Schöpfung. Vertreter der Evolutionsanschauung versuchen dagegen, die Entstehung der Welt und allen Lebens mit Hilfe der Naturgesetze zu erklären, was nach meiner Auffassung niemals möglich sein wird.

4. Was hält diese Welt zusammen?

Jesus ist nicht nur der von Gott eingesetzte Schöpfer, sondern auch der Erhalter dieser Welt, "denn es besteht alles in ihm" (Kol 1,18). Im Hebräerbrief (Kap. 1,3) heißt es "er trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort". Diese biblischen Aussagen bestätigen uns, mit welch eherner Kraft alles beieinander gehalten wird. Im wissenschaftlichen Befund drückt sich das Erhaltungshandeln Jesu durch die Naturgesetze aus, die in ihrer Gesamtheit einen festgefügten Rahmen bilden, innerhalb dessen alle Abläufe ermöglicht, aber auch begrenzt werden.

5. Wo aber ist da noch Platz für Wunder?

Aus dem bisher Gesagten ist deutlich geworden, daß die Naturgesetze einen erfahrungsgemäß gleichbleibenden Rahmen bilden, innerhalb dessen sämtliche Geschehnisse in dieser Welt ablaufen. In der Praxis werden sie geradezu als "Oberster Gerichtshof" eingesetzt, der entscheidet, ob ein Vorgang in unserer Welt erlaubt ist oder nicht. So verbietet es ein Naturgesetz z. B., daß ein Kupferstab von 50°C von alleine seine Wärme so aufteilt, daß die eine Hälfte 0°C und die andere 100°C beträgt. Das würde zwar nicht den Energiesatz verletzen, wohl aber ein anderes Naturgesetz, den Entropiesatz. Gemessen an unserer obigen Definition für Wunder sind viele in der Schöpfung ablaufende Vorgänge staunenswert und für den Menschen unnachahmlich. Sie treten für uns aber nicht unerwartet oder unberechenbar auf. Darum zählen wir auch die komplexesten und noch unverstandenen Dinge in unserer Welt nicht zu den Wundern.

Nach diesen Vorüberlegungen können wir nun eine präzisere Definition D2 für Wunder geben:

D2: Wunder sind solche Ereignisse in Raum und Zeit, die außerhalb des Rahmens unserer Naturgesetze ablaufen.

Wir Menschen können nichts tun, um Naturgesetze außer Kraft zu setzen. Wunder sind damit von Menschen nicht machbar. Hinweis: Wenn Menschen gelegentlich dennoch Dinge tun können, die außerhalb des naturgesetzlichen Rahmens liegen, dann handeln sie im Namen anderer Mächte. Entweder sind es Jünger Jesu, die von ihrem Herrn bevollmächtigt sind (z. B. Petrus heilt im Namen Jesu den Lahmen vor der Tempeltür (Apg 3,1-9)), oder aber es sind Zauberer und Gurus, die durch dämonische Mächte gesteuert werden (z. B. die Zauberer des ägyptischen Pharao (2 Mo 7,11-12)).

6. Kann es sein, daß unser wissenschaftlicher Kenntnisstand (noch) nicht ausreicht, um Wunder zu erklären?

Dieser Einwand kann naturwissenschaftlich nicht strikt widerlegt werden. Er fußt jedoch auf einer Vorstellung über Gottes Wirken, die nicht dem biblischen Zeugnis über sein Handeln entspricht. Die Bibel bezeugt Gottes beständiges Handeln in gewöhnlichen, regelhaften Prozessen (die durch Naturgesetze beschrieben werden können) wie auch in einmaligen, besonderen, nicht wiederholbaren Ereignissen, die einer naturwissenschaftlichen Untersuchung gar nicht zugänglich sind und auch nicht naturgesetzlich erfaßbar sind. Würde Gott aber nur in den außergewöhnlichen Ereignissen gesehen werden, so würde er zum Lückenbüßer unverstandener Phänomene, und sein Wirken müßte als umso geringer angesehen werden, je mehr man versteht. Gott ist aber der Schöpfer aller Dinge. Unabhängig von unserem jeweiligen Kenntnisstand ist er der Urheber der gesamten Schöpfung, und damit sowohl der von uns verstandenen als auch der unverstandenen wissenschaftlichen Fakten.

7. Sind die biblisch bezeugten Wunder mit Hilfe von Naturgesetzen erklärbar?

Gottes Handeln kann im Rahmen der Naturgesetze geschehen (Fall a), aber auch außerhalb (Fall b). In Jakobus 5,17-18 wird von Elia berichtet, daß sein Gebet 3 1/2 Jahre den Regen verhinderte und nach einem weiteren Gebet der Regen prompt einsetzte. Natürlich hat Gott hier gehandelt. Es geschah sein Wille, dennoch würde ein Meteorologe hier aus seiner Sicht kein Naturgesetz als verletzt ansehen. Als David im Kampf mit Goliath stand, traf er diesen tödlich mit einem Stein aus einer simplen Steinschleuder. Auch dies geschah offenbar ohne Verletzung eines Naturgesetzes, aber eindeutig unter der Mithilfe Gottes. Beide Beispiele gehören somit zu Fall a.

Im Zeitalter der Aufklärung durchforstete man alle biblischen Texte danach, ob die berichteten Ereignisse auf natürliche Weise erklärbar seien, d. h., ob sie zu Fall a gehören. Wunder gemäß Fall b wurden als unmöglich und die entsprechenden Berichte damit als unwahr verworfen. Die moderne Theologie knüpft an diesen Gedanken an und stuft die meisten Berichte als mythologisch ein. In seinem berühmt gewordenen Aufsatz "Neues Testament und Mythologie" (1941) bezeichnete der Marburger Theologe Rudolf Bultmann (1884-1976) die Wunder als unzumutbar für jenen modernen Menschen, der elektrisches Licht benutzt und Radios verwendet.

Die Ereignisse der Bibel aber wollen und können in den meisten Fällen gar nicht im Rahmen der Naturgesetze verstanden werden. Gott handelt souverän, er handelt frei nach seinem Willen. Er ist der Geber der Naturgesetze für diese Schöpfung, darum ist er selbst diesen nicht untertan. In seinem Handeln unterliegt er keiner Einschränkung, denn "bei Gott ist kein Ding unmöglich" (Lk 1,37). Sein Wille geschieht. Die Schöpfung selbst, so wie sie in 1. Mose 1 beschrieben ist, ist das erste in der Bibel berichtete Wunder. Gott handelt souverän; er schafft in einem Sechstagewerk nach seinen Ideen und nach seinem Plan einen wunderbaren Kosmos. Als Modellvorstellung innerhalb der Schöpfungswoche könnten wir formulieren: Nur das bereits fertig Geschaffene läuft innerhalb der Naturgesetze ab, das noch zu Schaffende unterliegt diesen Gesetzmäßigkeiten nicht.

Die Auferstehung Jesu ist ein weiteres sehr markantes Ereignis, das sich jeder naturgesetzlichen Erklärung entzieht. Der geringste Ansatz, hier eine biologische oder medizinische Deutung zu versuchen, geht am Eigentlichen vorbei. Die Auferstehung ist und bleibt eine besondere Handlung Gottes.

Aus der Fülle biblischer Berichte über Wunder möchte ich hier nur einige auflisten:

Abschließend sei noch auf ein sehr wichtiges Beispiel eines göttlichen Wunders verwiesen. Die Herkunft des uns vorliegenden Wortes Gottes in Form der Bibel ist durch keine menschliche Erklärung treffend zu fassen. Paulus beschreibt dieses Wunder angemessen, wenn er formuliert: "Denn alle Schrift, von Gott eingegeben . . ." (2 Tim 3,16). Als ein besonderes Wunder wird uns das Wort Gottes erst vollends bewußt, wenn wir bedenken, daß alles bei Gott von Ewigkeit her schon festlag: "In Ewigkeit, HERR, steht dein Wort fest in den Himmeln" (Ps 119,89; Rev. Elberfelder).

Wir müssen geradezu damit rechnen, daß Wunder der Art nach Fall b ständig der Kritik von Nichtglaubenden ausgesetzt sind. Aus der Sicht nicht biblisch orientierter Leute wird nicht akzeptiert, daß Gottes Gedanken und Taten höher sind als unsere menschlichen (Jes 55,8). So werden statt der Anerkennung der Taten Gottes diverse Ersatzkonzepte gesucht, die sein übernatürliches Handeln leugnen und Wunder auf eine menschlich einsichtige oder rein materialistische Ebene zu reduzieren versuchen. Wie alle derartigen Versuche bis heute zeigen, stranden solche Ideen in unauflösbaren, widersprüchlichen Lehren. Suchende Menschen werden dadurch zur Lüge verführt.

Welche der biblisch bezeugten Wunder werden heute am meisten in Frage gestellt? Bei den drei größten Wundern, die uns die Bibel nennt, gibt es die heftigste Kritik und demzufolge die meisten Irrlehren:

  • Das Wunder der Schöpfung wurde durch die Evolutionslehre ersetzt. Letztere ist zwar keineswegs wissenschaftlich nachvollziehbar, aber sie versucht bei der Erklärung der Herkunft der Welt und allen Lebens ohne Gott auszukommen.
  • Bezüglich der Auferstehung Jesu ersetzen Atheisten und liberale Theologen das "leere" durch das "volle" Grab Christi und reden wie Rudolf Bultmann: "Eine Leiche kann nicht auferstehen." Die siegreiche Auferstehung Jesu aber ist die feste Glaubensgrundlage christlicher Lehre und das feste Siegel unserer Erlösung. Ohne diesen realen Tatbestand in Raum und Zeit wäre niemand errettet: "Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euern Sünden; so sind auch die, die in Christus entschlafen sind, verloren" (1 Kor 15,17-18).
  • Bei der Entstehung der Bibel haben wir es mit einem Geheimnis der Informationsübertragung von Gott, dem Vater (z. B. 2 Tim 3,16), seinem Sohn Jesus Christus (z. B. Gal 1,12; Offb 1,1) und dem Heiligen Geist (z. B. 2 Petr 1,21) zu den einzelnen Schreibern der Bibel hin zu tun. Wer dieses Wunder auf eine rein menschliche Entstehung und mit historischen Zufälligkeiten zu erklären versucht, reduziert auch diesen Tatbestand in unangemessener Weise.

8. Warum hat Jesus die Wunder getan?

Die Wunder Jesu sind untrennbar mit seiner Verkündigung verbunden. Seine Autorität wird durch die begleitenden Wunder und Zeichen unterstrichen. In der Pfingstpredigt des Petrus erfahren wir den Grund: "Jesus von Nazareth, den Mann, von Gott unter euch erwiesen mit Taten und Wundern und Zeichen, welche Gott durch ihn tat unter euch" (Apg 2,22). Die Wunder Jesu sind ein integraler Bestandteil seiner Mission und Lehre. Sie sind ein Zeichen Gottes, das von uns Menschen eine Antwort des Glaubens und des Gehorsams fordert. So reagierten nur die Jünger Jesu auf das Wunder auf der Hochzeit zu Kana. Von ihnen heißt es am Ende des biblischen Berichts: "Und seine Jünger glaubten an ihn" (Joh 2,11). Durch die Wunder wird der Schöpfer verherrlicht (Joh 9,3). Nie geschehen sie zur Befriedigung menschlicher Sensationslust.

9. Ist all das, was außerhalb der Naturgesetze geschieht, immer von Gott?

Als Mose und Aaron zum Pharao gingen, gab Gott ihnen eine Legitimation: "Wenn der Pharao zu euch sagen wird: Weist euch aus durch ein Wunder!, so sollst du zu Aaron sagen: Nimm deinen Stab und wirf ihn hin vor dem Pharao, daß er zur Schlange werde!" (2 Mo 7,9). Das taten die Gottesmänner, und aus dem Stab wurde eine Schlange. Dann holte der Pharao seine Zauberer, und auch diese konnten ihre Stäbe in Schlangen verwandeln. Dieses Beispiel zeigt uns, daß auch der Teufel mancherlei Wunder tun kann. Auch in heutiger Zeit geschehen mancherlei Dinge, die außerhalb des Rahmens der Naturgesetze ablaufen: Okkulte Praktiken, UFO-Phänomene. Wir müssen sehr sorgfältig die Quellen unterscheiden.

10. Können Sie nun eine zusammenfassende Definition der biblischen Wunder geben?

Nach all dem zuvor Genannten können wir die von Gott gewirkten Wunder präziser fassen und als Definition D3 festhalten:

D3: Wunder sind staunenswerte und außergewöhnliche Taten und Geschehnisse, die Gott oder sein Sohn Jesus Christus tut, wobei die Vorgänge meistens außerhalb der naturgesetzlichen Wirksamkeit ablaufen. Im Unterschied zu den dämonischen Wirkungen dienen die Wunder Gottes zur Verherrlichung Gottes (z. B. die Schöpfung (Ps 19,2), die Heilung des Blindgeborenen (Joh 9,3)), als Hilfe für Menschen (z. B. ein Felsen in der Wüste gibt Wasser (2 Mo 17,1-6); Raben versorgen den hungrigen Elia (1 Kön 17,6)), zur Stärkung des Glaubens (z. B. der Wein auf der Hochzeit zu Kana (Joh 2,11b)) oder zur Rettung aus der Not (z. B. die Stillung des Sturmes).

11. Sieht Gott seine Taten auch als Wunder an?

Die Bibel macht einen deutlichen Unterschied zwischen Wundern und Werken. Alle Taten Gottes sind für ihn "Werke". So redet die Bibel bezüglich der Schöpfung von den Werken Gottes (1 Mo 2,2; Ps 8,7; Ps 19,2; Röm 1,20). In Johannes 9,4 sagt Jesus: "Ich muß wirken die Werke des, der mich gesandt hat." Aus der Sicht der Menschen sind diese Werke jedoch als Wunder zu bezeichnen.

Diesen Unterschied können wir uns einmal an Hand der mathematischen Dimensionen verdeutlichen. Stellen wir uns (rein gedanklich) Wesen in der zweiten Dimension vor, so kennen diese konsequenterweise nur Gesetzmäßigkeiten der zweiten Dimension. Alle ihre Naturgesetze sind gegenüber uns dreidimensionalen Wesen eingeschränkt, weil sie nur in ihrer Fläche gültig sind. Sollten diese Flächenleute zwei deckungsgleiche, aber spiegelbildliche unregelmäßige Dreiecke zur Deckung bringen, so wäre das für sie eine unmögliche Aufgabe. Ihre Naturgesetze erlauben das nicht. Wir hingegen würden das eine Dreieck durch die dritte Dimension drehen und dann mit dem anderen in der Ebene verbliebenen Dreieck zur Deckung bringen. Das wäre für uns ein einfacher Vorgang – also ein Werk –, für die Flächenleute wäre unser Handeln eine Wirkung außerhalb ihrer gültigen Naturgesetze, und sie würden es als Wunder bezeichnen. Da Gott aus höheren Dimensionen als der dritten handelt, gelten bei ihm nicht unsere einschränkenden Naturgesetze. Was für ihn normale Werke sind, erweist sich bei uns als Wunder.

12. Können auch Menschen Wunder tun?

Aus eigener Kraft kann kein Mensch ein Wunder vollbringen. Im Auftrag Gottes haben hier und da auch Menschen Wunder vollbracht. Mose schlug den Felsen in der Wüste, und es kam genug Wasser heraus (2 Mose 17,6). Mit seinem Stab teilte er das Rote Meer, so daß das Volk Israel trockenen Fußes durchziehen konnte (2 Mose 14,16). Elia erweckte den toten Knaben (1 Kön 17,17-24). Zu neutestamentlicher Zeit konnten die Jünger Jesu im Namen Jesu Wunder tun: Sie trieben böse Geister aus (Lk 9,1), sie heilten Kranke (Apg 3,1-9), und Paulus weckte einen Toten auf (Apg 20,9-12).

13. Gibt es auch heute noch Wunder?

Wenn Gott unsere Gebete erhört, sind das häufig Wirkungen, die außerhalb unseres naturwissenschaftlich Erklärbaren liegen. Als das größte Wunder in unserer Zeit empfinde ich, wenn Menschen zum lebendigen Glauben kommen und dadurch ewiges Leben finden. Die Schöpfung ist das größte übernatürliche Ereignis. Es ist bemerkenswert, daß die Bibel die Rettung des Menschen und die Schöpfung miteinander in Beziehung setzt (2 Kor 4,6). Wer in Christus ist, ist damit zu einer neuen Schöpfung geworden (2 Kor 5,17; Gal 6,15).

14. Können Sie uns ein solches Beispiel nennen, das Sie selbst erlebt haben?

Nach einem Vortrag kam jemand auf mich zu und erklärte mir, daß er sich ein Leben lang mit Nietzsche beschäftigt habe. Alle Texte dieses Philosophen seien ihm bekannt, und diese Gedanken haben sein Leben geprägt. Nun habe er heute Abend von Jesus gehört, das Evangelium habe er nun verstanden. Seine Frage war: "Kann ich auch zu diesem Jesus kommen?" – Ich erläutere ihm: "Nätürlich können Sie zu ihm kommen; Jesus lädt jeden ein, damit er zum ewiges Leben gelangt. Wollen Sie das auch?" – "JA!" An Hand einiger zentraler Aussagen der Bibel erkläre ich ihm den Weg, wie man zu Jesus findet. In einem Gebet machen wir all das Gesagte und Gewollte fest. "Aber, was mache ich jetzt mit Nietzsche?" – "Nun, den werden Sie behalten. Der Schöpfer hat uns ein Gehirn gegeben, aber nicht einen Computer. Bei einem Computer schreiben wir delete', und dann ist die Datei gelöscht. Bei einem Menschen aber geht das nicht. Lesen Sie die Bibel, und von daher werden Sie den Nietzsche völlig neu bewerten. Sie bekommen dann eine ganz andere Sicht über seine Ideen. Helfen Sie dann anderen, die auch von Nietzsche herkommen."

Hier hatte jemand an einem Abend den Durchbruch von einer nihilistischen Denkweise zum Glauben an Jesus Christus gefunden. So etwas kann kein Mensch tun. Es ist das Werk Gottes, und das empfinde ich als das größte Wunder in unseren Tagen.

15. Warum glauben Sie an die Wunder der Bibel?

Ich glaube nicht an Wunder, sondern an einen großen Herrn, der alles vermag. Wenn Gott ein riesiges Universum schaffen kann, dann ist es für ihn ein Kleines, ein Meer zu teilen, Kranke zu heilen oder Tote zum Leben zu erwecken.


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