Anmerkungen

Bernhard Knieß, Jahrgang 1960, studierte an der Freien Theologischen Akademie in Seeheim und Gießen. 1985 wurde er als Lehrer für Altes und Neues Testament an die Bibelschule Bergstraße nach Seeheim berufen (seit 1990 in Königsfeld/Schwarzwald) und ist dort seit 1987 Studienleiter.

  1. Vgl. Erich Zenger u.a., Einleitung in das Alte Testament. Studienbücher Theologie (Stuttgart/Berlin/Köln: Kohlhammer, 1995), S. 69-73. Vgl. N.E. Wagner, "Pentateuchal Criticism: No Clear Future", Canadian Theological Journal 13 (1967), 225-232.
  2. Derzeitige Trends der Hypothesenbildung sind (Zenger, 71-73):
    • Verzicht auf die diachrone Fragestellung zugunsten einer synchronen Interpretation des vorliegendes Endtextes des Pentateuch (B.S. Childs; viele amerikanische und angelsächsische Forscher)
    • Vermehrung der Wachstumsstufen des Pentateuch durch Annahme zusätzlicher Quellen, Vorlagen und Redaktionsschichten (L. Ruppert, P. Weimar)
    • Abschied vom Quellenmodell und Rückgriff auf das Grundschriftmodell (N. Rose, J. van Seters, N. Whybray)
    • Abschied vom Quellenmodell und Rückgriff auf das Erzählkranzmodell (R. Rendtorff, E. Blum, R. Albertz)
    • Kombination von Erzählkranzmodell und reduziertem Quellenmodell JG, P, Dtn (W.H. Schmidt, E. Zenger).
  3. Bekannte Vertreter dieser These im 20. Jhdt. sind: Der Jude Benno Jakob, Der Pentateuch (1905); Wilhelm Möller, Die Einheit und Echtheit der 5 Bücher Moses (Bad Salzuflen: 1931); Oswald T. Allis, The Five Books of Moses, 2. Aufl. [1943] (Philadelphia: 1949); Edward J. Young, Introduction to the Old Testament (Grand Rapids/Michigan: 1954), S. 105-153, G.L. Archer, Einleitung in das Alte Testament, Bd. 1, Übers. aus dem Amerik. [1964/74] (Bad Liebenzell: VLM, 1987), S. 97-227; Samuel R. Külling, Fundamentum 3 (1981), 30-47 (bes. Literaturverzeichnis S. 44-47); Cleon Rogers, "Die Entstehung des Pentateuch", Fundierte Theologische Abhandlungen, Bd. 3 (Wuppertal: Verlag der Schriftenmission, 1985), S. 7-63.
  4. R.K. Harrison, Introduction to the Old Testament (Grand Rapids/Michigan: 1973), S. 543-553 und vor allem P.J. Wiseman, Die Entstehung der Genesis. Das erste Buch der Bibel im Licht der archäologischen Forschung, Übers. aus dem Engl., 4. Aufl. (Wuppertal: Brockhaus Verlag, 1987).
  5. Vgl. die sehr guten Ausführungen bei Archer, a.a.O., S. 137-149.
  6. Bahnbrechend hier F.W. Hengstenberg, Die Bücher Moses und Ägypten (Berlin: 1841) sowie A.S. Yahuda, Die Sprache des Pentateuch in ihrer Beziehung zum Ägyptischen (Berlin-Leipzig: 1929).
  7. Die genaue Kenntnis der ägyptischen Kultur und Institutionen seitens des Verfassers belegte bereits Hengstenberg aus allen Teilen des Pentateuch (z.B. Gen 40,16; 41,14; 44,5; 50,2f+26; Ex 2,3; Num 11,5; Dtn 7,15; 11,10f; 28,27+60). Besonders der Bericht über die Plagen ist eng mit Kultur, Religion, Land und Geschichte Ägyptens verbunden. Vgl. J.J. Davis, Moses and the Gods of Egypt. Studies in Exodus (Grand Rapids: Baker Bakhaus, 1975). Die in Ex 25,5; 36,19; Lev 11,5; Dtn 14,5 u.a. beschriebenen ägyptischen Pflanzen und Tiere existierten in Palästina zumeist nicht.
  8. W.F. Albright, From Stone Age to Christianity, S. 242.
  9. Vgl. William Ward, "Egyptian Titles in Genesis 39-50", Bibliotheca Sacra 114(1/1957), 40-59. Am bekanntesten sind die ägyptischen Namen Josefs in Gen 41,43+45 sowie der Name "Mose". Zwar ist Kitchen der Ansicht, daß der Name "Mose" aus dem Hebräischen stamme und von den Ägyptern lediglich übernommen wurde, doch stimmen die meisten Forscher heute darin überein, daß dieser Name von der ägyptischen Wurzel "ms" (= Kind) bzw. "mss" (= geboren werden) herrührt und "Wassersohn" bedeutet. Vgl. Kenneth A. Kitchen, "Moses", New Bible Dictionary, S. 843 und Victor P. Hamilton, "Moses", TWOT I, 529f.
  10. Zu nennen sind hier "Fluß" in Gen 41,1ff; Ex 1,22; 2,3; 7,15ff, das fast ausschließlich den Nil bezeichnet; "Gras", "Ried" als Viehweide in sumpfigen Gegenden in Gen 41,2+18; "Pharao" als Titel und Name ägyptischer Könige in Gen 41,41+46; Ex 1,10 usw. entsprechend der Verwendung in antiken Urkunden. Wären betreffende Stellen des Pentateuch erst während oder nach Salomo verfaßt, wäre neben dem Titel "Pharao" auch der betreffende Name des ägyptischen Königs zu erwarten (vgl. 1Kön 11,40). Dies ist aber im Pentateuch nirgends der Fall.
  11. Die Tatsache, daß praktisch im gesamten Pentateuch das Land Palästina stets mit Ägypten verglichen wird und nicht umgekehrt (vgl. Gen 13,10; Num 13,22; Dtn 11,10f u.v.a.), sowie Wendungen wie in Gen 33,18 "... Stadt Sichem, die im Land Kanaan ist" erwecken den Eindruck, daß sich der Schreiber außerhalb Kanaans befand und stets auf den Bezugspunkt Ägypten zurückgriff, der ihm und seinen Lesern aus eigener Anschauung bekannt war.
  12. Ex 3,1-3; Lev 16,10; Num 10,11-31; 11,32; 14,29-34; Dtn 23,12f u.a.
  13. Vgl. Ex 10,5+15; 19,4; 24,17; Num 11,22; 22,4f+11; 27,17; Dtn 1,31+44; 4,24; 9,3; 28,13; 28,44.49; 29,18f; 32,11 u.a.
  14. Vgl. Ex 13,4; 16,1; 19,1; 40,17; Num 1,1+18; 9,1; 10,11; 20,1; 33,1-39; Dtn 1,3 u.a.
  15. Besonders die lebensnahe, packende Schilderung der Ereignisse vor, während und nach Israels Auszug aus Ägypten wie Berufungsgeschichte Ex 3; Kampf mit Pharao Ex 7-10; goldenes Kalb und Moses Fürbitte Ex 32-33; Aussendung und Bericht der Kundschafter und die Folgen Num 13-14; Aufruhr der Rotte Korahs Num 16 u.a.
  16. z.B. die exakte Lagerplatzbeschreibung (Ex 15,27), die minutiöse Schilderung der Materialien und des Baus der Stiftshütte (Ex 35-40), die Beschreibung des Mannah (Num 11,7f), welches der Verfasser offenbar selbst gekostet haben muß, die Liste der Aufenthaltsorte während der Wüstenwanderung (Num 33). Die Fülle der Details in Exodus und Numeri steht übrigens im auffallenden Gegensatz zur Genesis.
  17. Beispiele siehe bei C.F. Keil/F. Delitzsch, Commentary on the Old Testament Vol.I The Pentateuch (Grand Rapids, Michigan, repr. 1981), I, 23 und C.F. Keil, Lehrbuch der historisch-kritischen Einleitung in die kanonischen (seit 1859: und apokryphischen) Schriften des AT, 3. Aufl. (Gütersloh: 1873).
  18. Man beachte, daß die Existenz inhaltlicher Parallelen des älteren Codex Hamurabi zum Pentateuch (z. B. Erbgesetze) nicht gegen die göttliche Herkunft der mosaischen Gesetze spricht. Schließlich lassen sich auch bei Jesusworten oder Sätzen des Paulus jüdische und griechische Parallelen finden.
  19. Nach Apg 3,22f und 7,37 ist dabei zunächst an Dtn 18,15+18 zu denken. Walter C. Kaiser, The Messiah in the Old Testament (Grand Rapids/Michigan: Zondervan, 1995), S. 36-61 zählt sechs messianische Weissagungen des Pentateuch: Gen 3,15 (Same); Gen 9,17 (wohnen in den Hütten Sems); Gen 12,1-3 (alle Geschlechter werden gesegnet); Gen 49,8-12 (Shiloh); Num 24,15-19 (Stern) und Deut 15,15-18 (Prophet).
  20. Interessanterweise ergibt ein Vergleich der Parallelstellen, daß die Wendung "Mose hat geschrieben" (Mk 12,19; Luk 20,28) synonym gebraucht wurde zur etwas unschärferen Aussage "Mose hat gesagt" (Mt 22,24).
  21. Vgl. Sir 45,6; 2 Makk 7,30, die NT-Belege sowie Baba-Bathra 14b-15a.
  22. Joachim Jeremias dokumentiert in seinem ausführlichen Artikel über Mose in TWNT, IV, 852-878 eine lückenlose Tradition von der mosaischen Verfasserschaft des Pentateuch. Vgl. auch Wayne A. Meeks, The Prophet King (Leicester: 1967)
  23. Als Beispiele können Philo (De Op. Mun.; Vit. Mos. 3,39), Josephus (Ant. Jud. I,18ff; IV,8,48) und die Sekte von Qumran (1QS 1,3; 5,8; 8,15+22; CD 5,8+18+21; 8,14 u.a.; M 10,9; H 17,12; 4QFI 2,3; 4QT 1) angeführt werden.