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WORT und WISSEN

Info 2/00 - Nr. 51; Juni 2000


Inhalt:



Roggen

Unser Herr hat die Welt geschaffen und erhält sie. Die Überlegungen, wie das damals gewesen sein könnte, als der Herr die Welt schuf und welche Indizien Seines Handelns wir heute finden, sind natürlich einer der Forschungsschwerpunkte bei Wort und Wissen. Psalm 104 gibt Zeugnis davon: "Du breitest den Himmel aus wie einen Teppich (2) ... der du das Erdreich gegründet hast auf festen Boden (5) ... Die Berge stiegen hoch empor, und die Täler senkten sich herunter zum Ort, den du ihnen gegründet hast (8)." In den folgenden Versen des Psalms wird unser Blick darauf gelenkt, daß der Herr auch heute noch aktiv und engagiert bei der Gestaltung der Erde tätig ist. Unser tägliches Leben wird bestimmt durch sein Handeln. "Du läßt Wasser in den Tälern quellen. (10) ... du machst das Land voll Früchte, die du schaffst. (13) Du läßt Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen (14) ... die Sonne weiß ihren Niedergang. (19) Du machst Finsternis, daß es Nacht wird (20)." Es ist wichtig, daß wir den Herrn auch als den Erhalter dieser Welt sehen. Wir freuen uns an der Natur und wir wissen, Gott ist in dieser Welt tätig und lenkt sie.

Erhalter - wozu?

Bei allem Schönen ist unsere Welt auch von den Folgen der Sünde gezeichnet und vergänglich. Manches vergeht im Jahresrhythmus, das menschliche Leben dauert "70 oder 80 Jahre" und wir wissen nicht, wie lange es noch dauern wird, bis der Herr seine Verheißung wahr macht: "Ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, daß man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird" (Jes.65,17). Daß er es noch nicht getan hat und die Welt immer noch erhält, ist Seine Gnade, damit noch möglichst viele Menschen ihn als ihren Herrn und Heiland erkennen (2 Petr. 3,9). Dazu wollen wir in Wort und Wissen beitragen, indem wir die Größe seiner Werke darstellen, damit er als der Schöpfer erkannt und geehrt wird, und indem wir durch wissenschaftliche Forschung helfen, intellektuelle Glaubenshindernisse zu beseitigen. Man mag über manche interessante Fragestellung bei Wort und Wissen nachdenken. Entscheidend ist aber, daß jegliche Aktivität zur Rettung von Menschen beiträgt.

Erhalter - wie?

Wir können Phänomene wie Tag und Nacht, Saat und Ernte, Sonne und Regen naturwissenschaftlich erklären, zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Der Psalm sagt uns, daß darüber hinaus das, wofür wir eine augenscheinliche Erklärung haben, zugleich das Handeln des Gottes ist, der verheißen hat, "Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht (1 Mose 8,22)." Diese zweischichtige Erklärung wird uns in vielen Bereichen unseres Lebens begegnen. Das ist gerade das Vorrecht von uns Christen, daß wir aus dem Glauben das Handeln Gottes erkennen. Den Rhythmus von Tag und Nacht sehen wir als Folge der Erddrehung und wissen doch, ohne das Wirken Gottes als Erhalter der Welt wäre es nicht Morgen geworden. Wir können eine Quelle geologisch gut erklären und doch sehen wir in dem Wasser die Fürsorge Gottes für Tiere und Menschen und danken ihm dafür.

Meine Aufgabe bei Wort und Wissen besteht in der Mitverantwortung für die finanziellen Dinge. Da beobachte ich das gleiche Prinzip. Der Herr erhält das Werk Wort und Wissen. Er gibt auch die notwendige finanzielle Grundlage. Natürlich kommt das Geld zusammen, indem eine ganze Reihe von Ihnen Geld an Wort und Wissen überweisen. Und wir sind Ihnen sehr dankbar, daß Sie dies tun. Und zugleich sehen wir darin das Handeln Gottes, wie er die Studiengemeinschaft erhält, damit sie ihren Auftrag erfüllt. Nur eine der beiden Seiten zu betrachten wäre unangemessen und unrealistisch.

In unserer Welt, die von Gott geschaffen wurde und durch seine Kraft zusammengehalten wird, hat vieles eine wissenschaftliche und eine geistliche Seite. Wir sollten die nicht gegeneinander ausspielen, sondern wir sollten sehen, wie sich beide Seiten ergänzen. Wenn wir arbeiten, handeln wir auf der wissenschaftlichen Seite; wenn wir beten, rechnen wir damit, daß der Herr auf der geistlichen Seite Dinge bewegt, die wir mit unserer Arbeit nie erreichen könnten.

Ich wünsche Ihnen und uns, daß wir die Spannung aushalten, die Dinge sowohl von der wissenschaftlichen bzw. ganz praktischen Seite her zu sehen, als auch die dahinter stehende geistliche Dimension zu bedenken.

Christian Löschcke



Der Habicht, den wir als dritten Vogel unserer Heimat vorstellen möchten, ist etwa bussardgroß. Das Weibchen ist bedeutend größer (12-15cm) als das Männchen (kann mit dem Sperberweibchen verwechselt werden, ist aber größer als dieses) und ist demzufolge auch stärker. Der Oberkörper ist schwarz/ graubraun mit einem mehr oder weniger aschgrauen Hauch, der Unterkörper ist weiß, aber jede Feder hat braunschwarze Schaftstriche und Wellenlinien, von denen der größte Teil quer gewellt ist. Der schwarze Schnabel und die hochgelben Augen und Füße verleihen ihm ein aufdringliches Aussehen.

Über fast ganz Europa ist der Habicht verbreitet. Er ist stets standorttreu. Der Habicht ist an zusammenhängende Waldgebiete gebunden, die zur Brutzeit einen Durchmesser von ca. 5 km haben. Der Flügelschlag des Habichts ist langsamer und kraftvoller als beim Sperber, wobei der Körper ruhig auf gleichmäßigem Kurs gehalten wird. Auch kreist er unsteter und in geringerer Höhe als dieser, bei guter Thermik jedoch auch höher ohne Flügelschlag und mit ausgebreitetem Schwanz. Der Jagdflug führt ihn in offene Gebiete dicht über den Boden. Dabei hat sein Flug eine hohe Anfangsgeschwindigkeit und die Beute wird somit durch einen energischen Start überrascht. Er stürzt sich auf sie; wenn diese aber im Dickicht Schutz sucht, kann er sich tödlich verletzen. Mit vorgestreckten Fängen packt er die geschlagenen Tiere und deckt sie mit gefächertem Schwanz zu. Besonders im Winter bei Neuschnee lassen sich solche Spuren gut beobachten. Beim "Pirschflug" überfliegt er mehrere weite Strecken, die er systematisch durch Gehör und Gesicht nach Beute absucht. Baumgruppen und Einzelbäume, die schon einmal zum Beuteschlagen verwendet wurden, werden häufig besucht. Auf der Erde ist er sehr ungeschickt, er hält sich aber auch nicht oft in der Luft auf, sondern sitzt reglos auf Bäumen.

Nahrung bieten ihm vor allem Vögel und Säugetiere, die für ihn zu bewältigen sind. Jedes Paar hat mehrere Horste, in deren Nähe nur selten Beute geschlagen wird und die im Wechsel benutzt werden, ferner werden auch die anderer Raubvögel angenommen. Das Habichtsweibchen legt 3-4 grünlich weiße, ungefleckte Eier, welche auch sie vor allem bebrütet. Auch füttert es die Jungen, das Männchen aber besorgt die Nahrung. Die Jungvögel schlüpfen nach 35-38 Tagen, sie erhalten 3-5 mal täglich Futter. Nach 40 Tagen können sie gut fliegen und verlassen bald ihre Brutheimat. 1997/98, als wir die Projektarbeit schrieben, fanden wir mehrere Rupfungen, (z.B. von Milan, Rabenkrähe, Eichelhäher, Ringeltaube u.a.), jedoch keinen Horst in unserem Erkundungsgebiet. Daraus schlossen wir, daß der Habicht sein Jagdrevier bei uns hatte, aber woanders brütete. In den letzten Jahren fanden wir zwar einige Rupfungen, konnten den Vogel aber an sich nicht beobachten. Daß es sich bei den Rupfungen nicht um die eines Sperbers handelte, wurde daraus ersichtlich, daß diese nicht gehäuft auftraten, weil der Habicht ein größeres Revier hat und verstreuter Beute schlägt.

E. Hempel



Abb. 1: Aronstab (Arum maculatum) mit geöffnetem Hochblatt (Spatha) und der "duftenden" Keule.
Abb. 1
Schon im zeitigen Frühjahr durchstechen hier und da im Laubwald spitz zusammengefaltete Blätter den Erdboden und das Laub. Wenn sich diese Blätter entfalten, kommt eine Einrichtung ganz besonderer Art zum Vorschein, ein regelrechtes Insektengasthaus. Die Rede ist vom Aronstab (Abb. 1), dessen Name an den ergrünten Stab Aarons erinnert, von dem die Bibel in 4. Mose 17,20ff. berichtet. Je nach Standort öffnet dieses Gasthaus seine "Pforten" Ende April oder Anfang Mai. Der obere Teil des sog. Hochblattes (Spatha genannt) öffnet sich und gibt das Ende einer Keule frei, der untere Teil bleibt geschlossen. Es gibt jedoch einen Eingang in den unteren Teil: zwischen der Keule und dem Blatt befindet sich ein offener Ring, der durch abwärts gerichtete Reusenhaare beengt ist (Abb. 2). Das verdickte Ende der Keule strömt gegen Abend einen etwas nach Urin riechenden "Duft" aus, den viele kleine nachtaktive Insekten offenbar geradezu betörend finden, denn sie lassen sich dadurch in großen Scharen anlocken. Das helle Hochblatt trägt ebenfalls zur Anlockung bei, denn in der Dämmerung ist es recht auffällig. In der Keule wird viel Stärke verbrannt, was zu einer erheblichen Erwärmung führt. Dadurch kann zum einen der Duft effektiver angegeben werden, zum anderen wird die Wärme ins Innere des Blattes geleitet, so daß es dort unten so richtig gemütlich wird, während es draußen durchaus noch empfindlich kalt sein kann (der Temperaturunterschied kann bis zu 17 Grad Celsius betragen). Grund genug also für Insekten, sich diesem eigenartigen Gebilde zu nähern. Sind sie erst einmal auf der Innenseite des oberen Blatteils gelandet, landen sie unversehens eine Etage tiefer, denn das Blatt ist durch abgesonderte Öle glitschig, so daß es kaum ein Halten gibt.


Abb. 2Abb. 2: Eng geht es zu im Eingangsbereich zum "Gasthaus" (Blick von oben).

Abb. 3: Das "Gasthaus" von innen. Unten sind die weiblichen Blüten (Fruchtknoten), darüber die männlichen Blüten (Staubblätter) und oben die abwärts gerichteten Reusenhaare.
Abb. 3
Was erwartet die Insekten da unten? Die Keule ist im geschlossenen Bereich des Blattes in etwa dreigeteilt (Abb. 3). Zunächst stehen rund um die Achse eine Reihe von Fruchtknoten; diese werden gefolgt von einer Zone aus Staubblättern, die wiederum von den bereits erwähnten Reusenhaaren abgelöst werden, die bis zur Engstelle reichen, wo sich das Blatt dann öffnet. Die Insekten werden durch die Wärme putzmunter, versuchen hochzuklettern und krabbeln dabei auf den Fruchtknoten herum, da die Wand zu glitschig ist. Dabei streifen sie mitgebrachten Pollen auf deren Narbe ab. Zur Belohnung erhalten sie ein zuckerhaltiges Sekret (Nektar), das die Narben der Fruchtknoten quasi zum Dank absondern. Es handelt sich wirklich um ein Gasthaus. So können sie gut versorgt abwarten, bis sich über ihnen die Staubblätter öffnen und sie mit Pollen einpudern, den sie dann zum nächsten Aronstab bringen können. Doch wie geht das überhaupt? Nun, die Reusenhaare beginnen zu welken, wenn die anderen Schritte abgelaufen sind, und machen den Weg frei - alles schön nacheinander - ein perfektes Timing, ohne welches die ganze Einrichtung letztlich der Pflanze nichts bringen würde, denn Fremdbestäubung ist für sie wichtig. Schlaff geworden können die Reusenhaare den Ausgang nicht mehr versperren und die Insekten finden den Weg wieder ins Freie.

Fragt sich jetzt nur noch, weshalb es diese komplizierte, ausgeklügelte Einrichtung gibt. Ohne durchdachte Strategie kann dergleichen nicht entstehen. Es kommt aber noch ein Aspekt dazu: Zum Überleben, zur effektiven Vermehrung brauchen Pflanzen bekanntlich nicht unbedingt gleich ein ganzes Gasthaus anzubieten. Jede "normale" Blüte tut es auch. Wenn es nur ums Überleben der Bestangepaßten ginge, um Optimierung der Nachkommenproduktion, gäbe es wohl keinen Aronstab. Seine Existenz ist ein deutlicher Hinweis auf den Schöpfer.

Reinhard Junker



Die Fakten

Der vermutete evolutionäre Übergang zwischen Reptilien und Vögeln ist noch immer rätselhaft. In China wurde kürzlich ein aufsehenerregendes fossiles "Bindeglied" gefunden, welches auf illegalen Wegen in die USA kam und der renommierten naturwissenschaftlichen Gesellschaft "National Geographic Society" zum Kauf für ca. 160.000 DM angeboten wurde. Der Fund wurde der Öffentlichkeit ohne eingehende wissenschaftliche Untersuchung als das lange gesuchte "missing link" zwischen Reptilien und Vögeln vorgestellt. Der sensationelle Artikel erschien in der angesehenen, populärwissenschaftlichen Zeitschrift "National Geographic" (November 1999). Das Fossil war bis Januar 2000 in Washington, USA ausgestellt.

Neueste Untersuchungen ergaben jedoch etwas ganz anderes: Nach Mitteilung von Xu Xing, eines wissenschaftlichen Bearbeiters des Fundes, handelt es sich um die Überreste von zwei sehr unterschiedlichen Tieren: Ein Vogelkörper und der Schwanz eines Dromaeo-Sauriers. Die Deutung als evolutionäres Bindeglied ist damit hinfällig. Ob es sich bei dem Fossil um eine Fälschung handelt, ist allerdings nicht bekannt. Die beiden Tiere könnten auch zufällig in einer Katastrophe miteinander umgekommen sein. Auf jeden Fall scheint es sich um eine schwerwiegende wissenschaftliche Fehlleistung zu handeln. Der Übergang zwischen Reptil und Vogel ist also noch immer rätselhaft.

Der Kommentar

"Man kann nicht forschen, ohne zu glauben." Fehlinterpretationen hat es in der Geschichte der Evolutions- und Schöpfungslehre immer wieder gegeben. Sie sind desto wahrscheinlicher, je mehr ein Wissenschaftler sich ein bestimmtes Forschungsergebnis wünscht. In der Ursprungsforschung ist die weltanschauliche Voreingenommenheit nicht nur besonders ausgeprägt, sondern sogar unvermeidlich. Wir können unseren Ursprung nicht erforschen, ohne zu glauben. Das vorliegende Beispiel zeigt dies deutlich: Der Glaube an eine evolutionäres Bindeglied zwischen Reptilien und Vögeln war offenbar so groß, daß nicht kritisch genug geforscht wurde.

So weit, so gut. Irrende Wissenschaftler sind nicht ungewöhnlich. Sie gehören sozusagen zum Alltag des wissenschaftlichen Arbeitens und werden von den Kollegen in der Regel rasch korrigiert. Der Problem liegt nicht im Irrtum an sich - besonders als Christen dürfen wir niemanden aufgrund eines Irrtums verurteilen. Zudem sollte man auch als Anhänger der Schöpfungslehre besser nicht mit Steinen werfen, wenn man selbst im Glashaus sitzt ...

Nach den vorliegenden Informationen liegt der Skandal darin, daß die National Geographic Society die neuen Erkenntnisse der Öffentlichkeit lediglich in einem 90 Worte langen Leserbrief (!) von Xu Xing in der März-Ausgabe von National Geographic mitgeteilt hat. Warum erfolgte keine deutliche Korrektur? Fürchtet man am Ende so sehr um die Glaubwürdigkeit der Evolutionslehre, daß man derartige Vorkommnisse der allgemeinen Öffentlichkeit möglichst vorenthalten will? Man kann nur hoffen, daß die angemessene Korrektur noch erfolgt. Wie dem auch sei: Der Vorgang zeigt einmal mehr, wie wichtig es gerade im Bereich Evolutions- und Schöpfungslehre ist, möglichst kritisch an den tatsächlichen wissenschaftlichen Fakten zu bleiben. Als Ursprungsforscher dürfen wir uns die unvermeidliche, eigene Voreingenommenheit selber zugestehen und sollten dies beim Forschungsprozeß stets vor Augen halten. Am besten wäre es vermutlich, wenn wir als Konsequenz aus der Vorläufigkeit unserer Erkenntnis und unserer unvermeidlichen Voreingenommenheit etwas weniger fest an unsere eigenen wissenschaftlichen Forschungsergebnisse glauben würden.

Siegfried Scherer



Zu Edith Gutsche, Peter Hägele, Hermann Hafner (Hg.). Zur Diskussion um Schöpfung und Evolution. Porta Studien 6. SMD: Marburg, 19994. 557 S.1

Die Studentenmission in Deutschland als größte Vereinigung evangelikaler Akademiker meldete sich 1984 mit einem umfangreichen Buch zum Streit um Evolution und Schöpfung zu Wort2. Damals sollten zwar unterschiedliche Standpunkte zu Wort kommen, aber die Tendenz war eindeutig und die Masse der Beiträge eine Verteidigung der Evolutionstheorie und der theistischen Evolution.

15 Jahre später erscheint nun die 4. Auflage ganz neu gesetzt und überarbeitet. In diesen 15 Jahren hat sich gerade in Deutschland viel in der Schöpfungsforschung getan, so daß man gespannt ist, wie die Überarbeitung ausgefallen ist. Doch die Enttäuschung ist groß. Der Artikel zu den Altersbestimmungsmethoden von Hahn wurde durch einen aktuellen umfangreichen Artikel von Hans Rudolf Brugger über "Altersbestimmungen in Geologie und Astronomie" ersetzt, und Peter Rüst hat als einziger seinen Artikel inhaltlich etwas überarbeitet. Außerdem wurden zwei Rezensionen hinzugefügt. Ansonsten beschäftigt sich der Band mit der Situation und Literatur der 60er und 70er Jahre und nimmt - mit Ausnahme des neuen Beitrages von Brugger - die deutsche Schöpfungsforschung der 80er und 90er Jahre und damit auch die Arbeit von Wort und Wissen überhaupt nicht ins Blickfeld. Brugger vermerkt durchaus, daß die deutsche "Schöpfungslehre" und Wort und Wissen "vermehrt auch eigene Wege gegangen" (S. 223) ist. Wäre es dann nicht auch angebracht gewesen, daß das ganz auf die deutsche Situation ausgerichtete Buch darauf eingeht und nicht vor allem den amerikanischen "Kreationismus" der 60er und 70er Jahre bespricht, der selbst dort weitgehend überholt und von jüngeren Forschern umgearbeitet und verbessert worden ist?

Wenn sich Ewald etwa darüber ärgert, daß "Nichtbiologen oder Biologen der zweiten Garnitur" (S. 517) glauben die Evolutionstheorie mit angeblich wissenschaftlichen Argumenten vom Tisch fegen zu können - er selbst ist übrigens Mathematiker -, fragt man sich schon, ob er überhaupt die Personen, die heute für die Schöpfungsforschung in Deutschland stehen, kennt.3

Das Buch will ein Gespräch abbilden und das Gespräch in Gang bringen. Aber nirgends wird einem deutschen Schöpfungsforscher die Gelegenheit gegeben, seine Sicht der Dinge zu entwickeln. Und alle theologischen Beiträge werden von Hermann Hafner gestellt, der aus historisch-kritischer Sicht für eine theistische Evolution plädiert.

Der meines Wissens einzige "Kreationist" unter den Autoren, Heiko Hörnicke, stellt nirgends eine Alternative zur Evolutionstheorie dar, sondern empfiehlt lediglich das Buch des Zeugen Jehovas Henning Kahle4, der jedoch keine Alternative zur Evolution nennt (S. 582). Daneben kritisiert Peter Rüst in einem langen Artikel die Makroevolution. Doch wirken diese Beiträge eher als Feigenblatt denn als Ausgewogenheit.

Gerade hier rächt sich auch deutlich, daß der Band oft auf veraltetem Stand ist, so etwa, wenn Peter Rüst bemerkt, daß die Evolutionstheorie, soweit die Mikroevolution betroffen ist, nicht über Bord geworfen werden muß (S. 93), denn im Bereich der sog. Grundtypenbiologie, wie sie im Rahmen von Wort und Wissen vertreten wird, hat die Mikroevolution längst ihren festen Platz in der Schöpfungslehre. Die beiden wichtigsten Bücher dazu, das Lehrbuch "Evolution" von Siegfried Scherer und Reinhard Junker und der von Scherer herausgegebene Band "Typen des Lebens" werden sogar in dem Buch in neu hinzugefügten Rezensionen am Ende detalliert beschrieben und als sehr solide und empfehlenswert bezeichnet!

Die meisten Artikel drehen sich nicht um den Kern der Sache; sie liefern lediglich eine Verteidigung der Evolution, ohne die theologische Frage einzubeziehen. Wenn etwa der Geologieprofessor Klaus Schwab die bekannte evolutionistische Geologie darlegt und dann die Schöpfungsforscher als unwissenschaftlich angreift, hätte man sich wenigstens gewünscht, daß er einmal wissenschaftliche Literatur zur schöpfungstheoretischen Geologie verarbeitet hätte. Statt dessen erwähnt er nur einige populäre deutsche Bücher der Schöpfungsforscher, die natürlich nicht mit den normalen geologischen Veröffentlichungen mithalten können (vgl. S. 161-162), oder veraltete vergriffene Literatur, wie das nun wirklich schon fast historisch zu nennende Buch "Die Sintflut" von Henry Morris und John Whitcomb (erschienen 1961!, deutsch 1977). Die Fußspuren im Paluxy-Fluß sollen eingeritzt sein: auch hier zitiert Schwab nur aus zweiter Hand, aus der Originalliteratur5 hätte er wissen können, daß selbst die meisten amerikanischen Kreationisten die Spuren im Paluxyfluß nicht mehr für menschlich halten und das seit nunmehr fast 20 Jahren, denn mir wurde bereits 1978 bekannt, daß viele amerikanische Kreationisten diese Spuren fallengelassen hatten!6 Überhaupt wird Arthur Ernest Wilder-Smith im Buch immer wieder als Kronzeuge und Inbegriff des Kreationismus angeführt ("Der bekannteste und renommierteste Kritiker des Evolutionskonzeptes ist sicher Dr. Dr. A. Ernest Wilder-Smith", S. 542), obwohl er vor einigen Jahren verstorben ist und seine Sicht auch Schöpfungsforschern in vielem als veraltet gilt. Wenn ein Rezensent Wilder-Smith 1984 vorwirft, sich mit längst überholten Positionen auseinanderzusetzen, so gilt das 1999 nun auch für ihn selbst und seine Mitautoren.

Überhaupt wirken viele Artikel sehr hastig geschrieben, wie dies auch indirekt im Vorwort mit dem Hinweis auf Zeitmangel zugegeben wird. Nach 15 Jahren hätte man da schon etwas Fundierteres erwarten können, wie es denn ja auch im einzigen neuen Artikel von Brugger der Fall ist. Haben denn Christen keine Zeit, in einer solch wichtigen Frage aufeinander zu hören? Statt dessen ist stereotyp vom "Dogma der Kreationisten" die Rede, von ihrer "unwissenschaftlichen und engstirnigen" Art. Der "amerikanische Fundamentalismus" wird fast als Schimpfwort benutzt (z. B. S. 517) und dann gleich dem "Gespräch mit Mitgliedern einer Sekte" gleichgesetzt! Zur eigentlichen Frage, wie denn Bibel und Evolution zu vereinbaren seien, hört man nur die Standardantworten: das sei für viele Theologen ja auch kein Problem, man dürfe die Bibel nicht immer wörtlich verstehen, die Epochen der Evolution entsprächen den Tagen der Schöpfung usw.

Um deutlich zu machen, daß es wirklich nicht darum geht, die Schöpfungsforschung heilig zu sprechen, sei auf den neuen Beitrag von Brugger verwiesen. Bruggers Artikel ist nicht nur wissenschaftlich aktuell, sondern geht auch detailliert auf die deutschen Veröffentlichungen für eine junge Erde ein (bes. S. 222-235). Er trifft eindeutig einen wunden Punkt der Schöpfungslehre, worüber man ja sich auch bei Wort und Wissen längst im Klaren ist.7 Man wird gespannt sein dürfen, wie die Fachleute darauf reagieren. Sein Vergleich mit dem Fall Galilei ist allerdings fragwürdig.8

Die Unwissenheit über die Schöpfungsforschung trifft wohl auch kaum auf das Drittel des Buches zu, dessen Artikel von Hermann Hafner verfaßt wurden. Er ist der einzige, der die Frage nach dem Verhältnis zwischen Bibel und Evolution oder Schöpfung überhaupt aufnimmt, und zwar mit einer eindeutigen Position, der theistischen Evolution. Die 190 Seiten Hafners scheinen daher den Kern des Buches darzustellen und hätten auch ohne den Rest des Buches das Entscheidende gesagt. Hafner kennt zumindest nach seinem - allerdings seit 1984 unveränderten - Literaturverzeichnis (S. 459-481) die Schöpfungsforschung wirklich und bemüht sich, sie auch zu verstehen. Daher lohnt sich eine Auseinandersetzung mit ihm in jeder Hinsicht.

Hafners Argumentation zeigt eines deutlich: Nur durch Übernahme der Ergebnisse der historisch-kritischen Methode kann die theistische Evolution mit der Bibel in Einklang gebracht werden. Hafner hat eine andere Sicht der alttestamentlichen Offenbarung als die Vertreter der Schöpfungslehre und er weist selbst darauf hin, daß die "Stellung zur Bibel" (S. 427) die Kernfrage ist. Schade, daß er nicht Mitchristen - auch in der SMD! -, die eine andere Stellung zur Bibel haben, die Seiten seines Buches geöffnet hat.


Anmerkungen
  1. Alle Seitenangaben in Klammern im Text beziehen sich auf dieses Buch.
  2. Edith Gutsche, Peter Hägele, Hermann Hafner (Hg.). Zur Diskussion um Schöpfung und Evolution. Porta Studien 6. SMD: Marburg, 19841. 592 S.; vgl. meine damalige Rezension "Theistische Evolution?". Factum 11+12/1984: 9-10
  3. Der Artikel von Günter Ewald nach den Beiträgen von Hafner ist wieder nicht mehr theologischer Art, sondern behandelt wissenschaftstheoretische und kybernetische Fragen. Er enthält auf S. 517-518 die wohl schärfste und billigste Polemik des Buches.
  4. Henning Kahle. Evolution: Irrweg moderner Naturwissenschaft? Bielefeld, 19801; 19822
  5. Z. B. John D. Morris. Tracking Those Incredible Dinosaurs. Minneapolis, 1980
  6. Vgl. "Diskussionsforum" (Noch einmal: Die Fußabdrücke im Palaxy River). Factum 9/1987: 48 (vgl. die Diskussion dazu zwischen Wilder-Smith und Wort und Wissen in Factum 9/1986 und 5/1987)
  7. Vgl. dazu die Artikel Serie von Uwe Herbst zu den radiometrischen Datierungsmethoden in Studium Integrale Journal 6 (1999)
  8. Vgl. dazu Thomas Schirrmacher. "The Galileo affair: history of heroic hagiography?". Creation ex nihilo Technical Journal (Australien) 14 (2000) 1: 91-100, ausführlicher in: "But it does move!", and other Legends about the Galileo-Affair". S. 153-173 in: Andrew Sandlin (Hg.). A Comprehensive Faith: An International Festschrift for Rousas John Rushdoony. Friends of Chalcedon: San Jose (CA), 1996; Thomas Schirrmacher. Galilei-Legenden und andere Beiträge zur Schöpfungsforschung und zur Chronologie der Kulturgeschichte 1979-1994. Biblia et symbiotica 12. Verlag für Kultur und Wissenschaft: Bonn, 1995.


Mit Kindern die Schöpfung entdecken.

Rolf Kausemann (Hrsg.) Mit Kindern die Schöpfung entdecken. Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg, 1999. 304 Seiten, Festeinband, Fadenheftung.

Lernen durch Erleben - das ist wohl die effektivste Methode, um Unterrichtsstoff zu vermitteln.

Dieses Buch enthält erlebnispädagogische Entwürfe, um gemeinsam mit Kindern die großartige Schöpfung Gottes zu entdecken. Verschiedenste Bereiche werden dabei thematisiert: Interessantes aus Biologie, Paläontologie, Geologie, Astronomie und Physik wird kindgemäß erarbeitet - von der Ameise über Blattminen, Dinosaurier, Giftpflanzen, Magnetismus, Regenwurm, Schneekristalle oder Steinkohle - und vieles mehr, insgesamt 31 Stundenentwürfe.

Jede Einheit bietet Informationen zum Thema, Ideen zur Durchführung, Hinweise zur benötigten Zeit und zu benötigtem Material, Kopiervorlagen und vor allem ausgiebig Hinweise zu biblischen Bezügen.

Außer den Stundenentwürfen enthält das Buch noch drei Einheiten zum Themenbereich Schöpfung / Evolution, kreative Elemente und Spielemente zur Stundengestaltung sowie Hinweise für besondere Aktivitäten in der Natur.

Die Entwürfe können sowohl in Jungschar- und Kinderstunden als auch als Familie erlebt werden. Durch Beobachtung und Experiment, Erarbeitung theoretischer Grundlagen und zahlreiche Tips für Exkursionen werden den jungen Leuten neben einem breit gefächerten Wissen auch zahllose geistliche Aspekte vermittelt. Daraus ergibt sich ein doppelter Lerneffekt: Zum einen naturkundliche Zusammenhänge, die auch nützlich sind für Schule und Bildung, zum anderen biblische Wahrheiten, die prägend das Leben begleiten - eine runde Sache. Vor allem wird den Kindern und Jugendlichen auf vielfältige Weise die Welt als Schöpfung vermittelt, was angesichts des allgegenwärtigen Evolutionsglaubens ungemein wichtig ist.

Das Buch füllt eine Lücke auf dem christlichen Literaturmarkt und kann insgesamt nur bestens empfohlen werden.

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Gehirn - Sprache - Artefakte

Michael Brandt: Gehirn - Sprache - Artefakte. Fossile und archäologische Zeugnisse zum Ursprung des Menschen. Studium Integrale. Hänssler-Verlag Holzgerlingen. 152 Seiten, 68 Abb., zahlr. Tab., Format 16,5×24. DM 29,80 / sfr 29,80 /ÖS 216,-.

Australopithecus, "Homo" habilis und Homo erectus werden als die wichtigsten Zwischenstufen in der Entwicklung zum modernen Menschen betrachtet. Welche Hinweise geben die entsprechenden Fossilien und Artefakte zum Entwicklungsniveau von Gehirn, Sprache und Verhalten?

Die vorliegende Arbeit gibt zu dieser Thematik eine Darstellung der Ergebnisse und Diskussion der Forschung der letzten Jahrzehnte. Für die Beurteilung der Gesamtproblematik werden Schädelinnenausgüsse, Knochenüberreste und altpaläolithische Artefakte berücksichtigt.

Entgegen der verbreiteten Sichtweise der Evolution des Menschen als einen kontinuierlichen Entwicklungsprozeß ergeben die vorliegenden Daten eher ein diskontinuierliches Bild: Unumstrittene Übergangsglieder, die eine graduelle Transformation von großaffenähnlichen Tieren zu den echten Menschen belegen, sind bisher nicht zweifelsfrei dokumentiert. Damit ergibt sich die Perspektive, Homo erectus und andere echte Menschenformen einerseits und die Australomorphen andererseits Grundtypen zuzuordnen, die keine historisch-verwandtschaftliche Beziehungen aufweisen.

Allen Biologen und biologisch Interessierten sei die Lektüre bestens empfohlen. Das Buch vermittelt detaillierte Einblicke in die Primärforschung und zeigt, daß der Diskussionsstand in der Fachwelt deutlich anders (offener) ist als in der populären Vermarktung. Manche Passagen sind zwar sehr speziell, andere dagegen leichter lesbar, so daß auch Nicht-Spezialisten aus dem Buch einigen Gewinn ziehen können.

... und ergänzend:

Michael Brandt: Der Ursprung des aufrechten Ganges. Studium Integrale. Hänssler-Verlag, 1995. 165 Seiten, 123 Abb., 10 Tab., Format 16,5×24.

In diesem Buch wird gezeigt, daß anhand der Fortbewegungsweise ein allmählicher Übergang von Affen zum Menschen nicht nachgewiesen werden kann. (online bestellen ...)



Sintflut und Geologie. Schritte zu einer biblisch-urgeschichtlichen Geologie.

Manfred Stephan & Thomas Fritzsche: Sintflut und Geologie. Schritte zu einer biblisch-urgeschichtlichen Geologie. Unter Mitarbeit von Martin Ernst und Reinhard Junker. Pb., 180 S., 50 Abb., 3 Tab. (online bestellen ...)

Das Alte Testament schildert eine weltweite Sintflut als Strafgericht Gottes über eine sündige Menschheit. Vieles spricht dafür, daß dieses Geschehnis gewaltige geologische Folgen hatte. Sintflutmodelle versuchen einen Zusammenhang zwischen dem biblischen Sintflutbericht und geologischen Befunden herzustellen. Dies erweist sich jedoch im Detail als schwierig. Die Gründe dafür werden in diesem Buch dargelegt und es wird dafür plädiert, statt einer Sintflut-Geologie eine weiter gefaßte Biblisch-urgeschichtliche Geologie zu betreiben. Dabei wird nach dem Zusammenhang der gesamten biblisch bezeugten Urgeschichte (1. Mose 1-11) mit den geowissenschaftlichen Daten gefragt. Als Aufgabe ergibt sich, zunächst "Bausteine" für eine Biblisch-urgeschichtliche Geologie mit ihrem Kurzzeitrahmen zu erarbeiten. Damit ist die Hoffnung verbunden, daß diese Bausteine in Zukunft Teile eines umfangreicheren Modells werden können.

Dieses Buch bietet:

  • Eine gut verständliche, anschaulich dargestellte Erläuterung zur Geschichte der Geologischen Zeittafel: Ist die Schichtenabfolge Fiktion oder im Gelände nachvollziehbar?
  • Eine ausführliche Reflexion über die biblischen Grundlagen einer Zusammenschau der biblischen Urgeschichte mit der Sintflut und geologischen Befunden.
  • Eine ehrliche Bestandsaufnahme zur Situation der Geologie
  • Eine Darstellung einer Perspektive für die weitere Arbeit in einer biblisch orientierten Geowissenschaft
  • Aus dem Inhalt:

  • Lehrt die Bibel eine junge Schöpfung ?
  • Inwiefern ist der Sintflutbericht geologisch bedeutsam?
  • Die geologische Schichtenabfolge
  • Zur Geschichte der Sintflutmodelle
  • Aktuelle Modelldiskussion
  • Fazit: Biblische Urgeschichte und Geologie
  • Konsequenzen für die Weiterarbeit

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