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Informationen aus der Studiengemeinschaft WORT und WISSEN

Darwin im Kreuzverhör
 
Info 4/03
Nr. 65/11.03
•  Grußwort von Peter Imming
•  Überraschendes an der
Universität von Königsberg
•  Ernst Mayr, Charles Darwin,
Evolution und Sozialdarwinismus
•  Darwin im Kreuzverhör
•  Kleine „Publikations-Wunder“
•  Evolutionskritische Filme als DVDs
•  Zeitschrift SIJ 10. Jg. Heft 2
•  Anzeigen
 

Ein Jurist schreibt über Evolution – ein gewagtes Unternehmen! Mit Unterstützung guter Berater (S. 265) hat Phillip Johnson sich an die Aufgabe gemacht, „Darwin“ – sprich die Evolutionstheorie – einem Kreuzverhör zu unterziehen. Er nimmt dabei in der Auseinandersetzung um die Evolutionstheorie eine ungewohnte Position ein, nämlich die des Juristen, der Argumente auf ihre Stichhaltigkeit und Aussagekraft hin überprüft und Indizien nach ihrer Beweiskraft beurteilt. Heraus kam dabei ein Buch, das in dieser Art einmalig sein dürfte.

Johnson schließt für sich persönlich die Möglichkeit einer Evolution der Lebewesen nicht aus und versteht sich nicht als Verteidiger der Schöpfungswissenschaft (S. 22). Über die Schöpfungslehre äußert er sich nicht im „Wir“-Stil, sondern sachlich distanziert, aber auch nicht ablehnend. Sein Anliegen ist es, nachzuweisen, daß die Belege für eine allgemeine Evolution der Lebewesen nicht stichhaltig sind. Manche evolutionstheoretische Erklärung erscheint für ihn nur deswegen in den Augen ihrer Verfechter als gut begründet, weil es keine bessere natürliche Erklärung gibt (z.B. S. 39, 51). An anderen Stellen zeigt er, wie nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ verfahren wird (z.B. S. 43), wie Probleme dadurch „gelöst“ werden, daß sie als kleiner dargestellt werden als sie sind, oder daß manche Argumente im Kern theologischer oder philosophischer Natur sind (z.B. S. 43, 89f.). Auch die Verwendung schwammiger bzw. unklar definierter Begriffe deckt er auf. Der Nachweis subjektiver Deutungen der Forscher gehört ebenfalls zu seinem Unterfangen. Eine Alternative zur Evolutionslehre diskutiert er jedoch nicht.

Seine Kritik eröffnet er mit den Evolutionsmechanismen, vor allem der Selektionstheorie und der Beweiskraft der Mutationen. Seine differenzierte Betrachtung wird schon in diesen Abschnitten deutlich; er gibt sich nicht mit billigen evolutionskritischen Argumenten zufrieden. So weist er darauf hin, daß es zwar Aussagen über das Wirken der Selektion in tautologischer Form gibt (Die Bestangepaßten überleben, und die Überlebenden sind die Bestangepaßten), daß die Selektionstheorie aber auch als „wissenschaftliche Hypothese“ vorgetragen wird. In jedem Fall aber könne mit den Evolutionsfaktoren die Entstehung neuer Organe nicht begründet werden. Im weiteren Gang des Buches werden Fossilien, das Ähnlichkeits- und das Unvollkommenheits-Argument, molekulare Forschung und präbiotische Evolution (Entstehung des Lebens) behandelt. Weitere Kapitel beschäftigen sich mit den „Spielregeln der Wissenschaft“, mit dem Darwinismus als Religion, mit Fragen der Bildung und mit dem Thema „Wissenschaft und Pseudowissenschaft“. Das Buch schließt mit einem kurzen Überblick über die Kritik an früheren Auflagen und relativ ausführlichen Anmerkungen zu den Recherchen.

Johnson deckt auf, daß in manchen evolutionstheoretischen Argumentationen weltanschauliche Inhalte stecken. So kann er beispielsweise schreiben: „Die Literatur des Darwinismus ist voll von antitheistischen Schlussfolgerungen“ (S. 16). Er macht daraus aber kein Pauschalurteil, bezichtigt die Evolutionsanhänger keineswegs allgemein des Atheismus oder Antitheismus und spricht der Evolutionslehre einen wissenschaftlichen Status nicht undifferenziert ab.

Die Präsentation der Argumente erscheint mir ausgewogen und gemessen am Erscheinungsjahr des Originals (1993) im Wesentlichen up to date (soweit ich das beurteilen kann). Die Lektüre setzt gewisse Kenntnisse voraus; der fachlich Unbedarfte wird sich mit dem Buch schwer tun, nicht zuletzt, weil es keine einzige Abbildung enthält. Andererseits geht der Autor argumentativ nicht allzu weit in die Tiefe. Wer sich in der Thematik bereits relativ gut auskennt, wird kaum neue Argumente entdecken, er kann aber lernen, Argumentationen und Argumentationsstrategien zu durchschauen. Zu diesem Zweck ist die Lektüre des Buches durchaus lohnend.

Reinhard Junker

Das Buch „Darwin im Kreuzverhör“ bietet eine in dieser Art einmalige kritische Analyse evolutionstheoretischer Argumentationsweisen. Es kann hier online bei den W+W-Medienstellen bestellt werden.

Phillip E. Johnson:
Darwin im Kreuzverhör.
CLV Bielefeld 2003
Pb., 285 S.


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Das Wort und Wissen Info 4/2003 (Nr. 65 / November 2003)

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Letzte Änderung: 31.12.2004
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