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Informationen aus der Studiengemeinschaft
WORT und WISSEN

Info 2/04 - Nr. 67/Juni 2004




In Römer 8,19-22 finden wir eine zentrale biblische Wahrheit und Hoffnung, die bestimmend für die Arbeit der Studiengemeinschaft ist. Paulus schreibt dort, daß die Schöpfung durch die „Knechtschaft der Vergänglichkeit“ nicht schon seit Anbeginn entstellt ist. Vielmehr führte erst der Ungehorsam der ersten Menschen zur Unterwerfung auch der Tierwelt – sie ist hier mit Schöpfung gemeint – unter die Gewalt des Todes.[1] Aber auch die Tierwelt wird einst vom Todesgeschick, von der „Knechtschaft der Vergänglichkeit“, befreit werden und gemeinsam mit den Kindern Gottes – das sind wir Christen – in die Herrlichkeit eingehen.

Abb. 1 Der schwimmende Räuber Anomalocaris mit lappenartigen „Flossen“ und bedornten Greif-„Armen“ am Kopf; darunter die Platten des runden „Mundes“ (nach 11).

Zurecht wird die Schönheit der Schöpfung von uns immer wieder bewundert – aber das ist nur die eine Seite. Die andere Seite ist Tod, Fressen und Gefressenwerden. Und das war bei den ausgestorbenen Tieren schon genauso. Auch für die Räuber-Beute-Beziehung selbst gibt es in der Fossilüberlieferung praktisch von Anfang an eindrucksvolle Belege.

Chengjiang (China) – das wohl berühmteste Fossilien-Archiv. In den letzten 10 Jahren ist durch überaus formenreiche Fossilgruppen, die zudem sehr gut erhalten sind, die Fossillagerstätte Chengjiang (Südchina) wohl weltweit an die Spitze der bedeutendsten Fundstellen gerückt. Dabei ist ganz wichtig: Chengjiang gehört in das Untere Kambrium; die Fundstätte liegt in den geologisch frühesten Schichten mit eindeutig räuberischen Tieren.[2]

Besonders eindrucksvoll ist in Chengjiang ein räuberisches Tier von bizarrem Aussehen mit Namen Anomalocaris. „Anomal“ wirkt es in der Tat. Wie zahlreiche andere „irre Wundertiere“ (S.J. GOULD) des Kambriums hat Anomalocaris einen einmaligen Körperbau.[3] Die mit Dornen versehenen, gegliederten „Arme“ packten die Beute und führten sie zum kreisrunden „Mund“. Dieser war mit einem bezahnten, beweglichen Plattenring umgeben, mit dem Anomalocaris die Beute wohl nach Art eines Nußknackers zerkleinerte (Abb. 1). Fossile Überreste lassen auf eine Größe des Räubers von 2 m schließen.[4]

Älteste Armfüßer – wie heutige. Trotz der Fremdartigkeit seiner Lebewesen ist auch das Unterkambrium von Chengjiang nicht völlig ohne Beziehungen zur heutigen Tierwelt. So wurden dort Armfüßer (Brachiopoden) gefunden, die einem berühmten „lebenden Fossil“ ähneln, dem Armfüßer Lingula (Abb. 2).[5]

Abb. 2 Der Armfüßer (Brachiopode) Lingula in Lebensstellung im Sand mit einziehbarem fleischigem Stiel. Bei Lingula-ähnlichen Armfüßern in Chengjiang ist selbst der versteinerte Abdruck dieser Weichteile erkennbar (nach 12).

Doch hier soll uns eine andere Frage bewegen. Gibt es Hinweise in der Fossilüberlieferung, daß die Tierwelt einst nicht von der Räuber-Beute-Beziehung gezeichnet war? Denn die biblische Urgeschichte berichtet, daß Tiere und Menschen sich zunächst vegetarisch ernähren sollten (1. Mose 1,29+30). Erst nach der Sintflut wurde das Verzehren von Tieren freigegeben (1. Mose 9,2+3).[6]

Rätselhafte Vendobionten. Es gibt eine eigentümliche Gruppe von Fossilien im jüngsten Präkambrium, also in den Schichten direkt unter dem Kambrium. Ihre erstaunlich gut erhaltenen, deutlichen Abdrücke wurden zuerst in den Ediacara-Bergen (Australien) entdeckt und als „Ediacara-Tierwelt“ bezeichnet. Heute kennt man sie nahezu weltweit von vielen Fundstätten aus dem obersten Präkambrium.

Seit vielen Jahren wird eine Debatte über die Natur dieser Lebensformen geführt. Eine (ältere) Hypothese deutet sie in herkömmlicher Weise als echte Tiere und Vorläufer kambrischer Tiergruppen.[2] Der Paläontologe A. SEILACHER hat eine völlig andere Auffassung von ihrer Natur und Lebensweise entwickelt; sie wird ebenfalls kontrovers diskutiert.[7] Danach soll es sich nicht um vielzellige Tiere handeln, sondern um riesige, z.T. mehrere Dezimeter große Einzeller. Ihre äußere Hülle war in unterschiedlicher Weise „abgesteppt“. Nach SEILACHER ähnelt diese Bauweise einer flüssigkeitsgefüllten, abgesteppten Luftmatratze (Abb. 3). Er nennt sie Vendobionten (nach dem Vendium, der jüngsten Stufe des Präkambriums).

SEILACHER vergleicht die Vendobionten mit dem Bauplan lebender, riesiger Einzeller heutiger Ozeanböden, den sog. Xenophyophoren. Wenn das zutrifft, gäbe es selbst zwischen der fremdartigen Lebewelt des Vendiums und der heutigen stärkere Beziehungen. SEILACHER sagt ausdrücklich: „Xenophyophoren ... gab es bereits zur Ediacara-Zeit.“[8]

Der „Garten von Ediacara“ – (noch) keine Räuber-Beute-Beziehung. Nach SEILACHER lebten die Vendobionten noch – wie er sich oft ausdrückt – in einem „Garten von Ediacara“. Es habe im jüngsten Präkambrium noch kein Fressen und Gefressenwerden gegeben. Die Weidespuren, die in diesem Lebensraum gefunden wurden, führt SEILACHER auf große Plattwürmer und die „Ur-Schnecke“ Kimberella zurück. Diese Tiere hätten unter Bio-Matten gelebt, die aus Mikroben aufgebaut waren. Die „Ur-Schnecke“ kratzte mit den hornigen Zähnchen ihrer Reibzunge (Radula) Nahrung von den zähen Bio-Matten ab. „Die präkambrischen Untermatten-Würmer verschonten den lebenden Oberteil der Matte. Auch die Radulabisse von Kimberella verletzten ihn nur örtlich“.

Das jüngste Präkambrium war für SEILACHER ein „Goldenes Zeitalter“ der Evolution, denn Räuber hätten sich erst danach entwickelt. Mit dem Auftreten räuberischer Tiere starben viele Vendobionten aus oder wanderten in die schützende Tiefsee ab.[9]

Abb. 3 „Steppdecken“-Konstruktion großer, einzelliger Vendobionten; Bau und Lebensweise ist bei den verschiedenen Formen unterschiedlich (nach 9).

Der „Garten von Ediacara“ und der Garten Eden. Es ist sicher zutreffend, daß hier Lebensgemeinschaften im Sinne eines ökologisch bedingten Wechsels von anderen verdrängt wurden; dies kann allerdings auch nicht-evolutionär gedeutet werden.[10] In diesem Zusammenhang interessiert uns jedoch nur das friedliche Leben im „Garten von Ediacara“. Es ist sicher keine Fehldeutung, wenn man als Hintergrund dieser Begriffswahl den biblischen Garten Eden (1. Mose 2+3) vermutet.

Wollen wir also den „Garten von Ediacara“ mit dem Garten Eden gleichsetzen? Keineswegs. Direkt haben die Vendobionten schon deshalb nichts mit der Tierwelt des Garten Edens zu tun, weil es sich um spezifische Lebensformen des Meeres handelt. Der „Garten von Ediacara“ kann uns aber einen indirekten Hinweis auf die ursprüngliche Schöpfung geben. Die friedliche Lebensweise seiner Bewohner erinnert daran, aber es handelt sich nicht um das Gleiche.

Der neue Weg zum Garten Eden. Der tiefste Graben der Weltgeschichte liegt zwischen dem ursprünglichen Leben im Garten Eden und unserer Existenz „jenseits von Eden“, die der Vergänglichkeit unterworfen ist. Denn wer wie der erste Mensch dem lebendigen Gott ungehorsam ist, der wendet sich vom Leben ab; das aber bedeutet Sterben. Seitdem war der Garten Eden – das Paradies – mit dem Baum, durch dessen Früchte der Mensch das ewige Leben hätte erlangen können, unzugänglich (1. Mose 3,24). Durch Jesus Christus aber ist der Weg ins Paradies und zum Baum des Lebens für alle wieder eröffnet, die an ihn glauben und an ihm trotz aller Widrigkeiten festhalten. Denn unser Herr verheißt:
„Wer überwindet, dem werde ich zu essen geben vom Baum des Lebens, der im Paradies Gottes ist“ (Offb 2,7).

Manfred Stephan

Literatur

[1] CHANG H-K (2000)
Die Knechtschaft und Befreiung der Schöpfung. BWM 7. Wuppertal
[2] GEYER G (1998)
Die kambrische Explosion. Paläont. Z. 72, 7-30.
[3] GOULD SJ (1991)
Zufall Mensch. München-Wien.
[4] CHEN J-Y, RAMSKÖLD L & ZHOU G-Q (1994)
Evidence for Monophyly and Arthropod Affinity of Cambrian Giant Predators. Science 264, 1304-1308.
[5] CHEN J-Y, ERDTMANN B-D & STEINER M (1992)
Die unterkambrische Fossillagerstätte Chengjiang (China). Fossilien 9, 273-282.
[6] z.B. RAD G v (121987)
Das erste Buch Mose. Genesis. ATD 2-4. Göttingen.
[7] z.B. CONWAY MORRIS S (2000)
Fossilien vom Typ der Ediacara (Vendium, jüngstes Proterozoikum) in Europa. In: MEISCHNER D (Hg) Europäische Fossillagerstätten. Berlin, 13-16.
[8] SEILACHER A (2000)
Leben im Präkambrium. Naturwiss. Rundsch. 53, 553-558.
[9] SEILACHER A (2003)
Der Garten von Ediacara und die Kambrische Explosion. In: HANSCH W (Hg) Katastrophen in der Erdgeschichte. Museo 19. Heilbronn, 70-81.
[10] STEPHAN M (2002)
Der Mensch und die geologische Zeittafel. Holzgerlingen.
[11] ZIEGLER B (1998)
Spezielle Paläontologie, Bd. 3. Stuttgart.
[12] THENIUS E (2000)
Lebende Fossilien. München.

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Anmerkungen zu einer vielbeachteten ZDF-Sendung

Am 9. Juni 2004 strahlte das ZDF einen halbstündigen Beitrag in der Wissenschaftsreihe „Joachim Bublath“ zum Thema Evolution und Schöpfung mit dem Titel „Evolution „ die große Lüge“ aus. Diese Sendung sollte laut Ankündigung des ZDF „Licht in den Dschungel von Wissenschaft, Glaube und Politik“ bringen und die Gefahren aufzeigen, „die bei einer Vermischung dieser Bereiche entstehen können“.

Kurze Inhaltsangabe

Makroevolution Zwingende Belege dafür lieferte der ZDF-Beitrag nicht.

Einige Filmsequenzen beschäftigten sich mit dem Darwinschen Evolutionsmechanismus (Zufallsmutation und „erbarmungslose Auslese“) und mit Befunden, die als Belege (bzw. in der Sendung eher als Beweise) für eine allgemeine Evolution gewertet werden. Dabei handelte es sich hauptsächlich um Beispiele aus der Vergleichenden Biologie (Ähnlichkeitsargumente) und um Beispiele aus dem Bereich der Mikroevolution (Beides kann auch im Rahmen der Schöpfungslehre schlüssig gedeutet werden). Eine weitere Filmsequenz stellte einige Aussagen des „Kreationismus“ dar. Während kein einziger Kritikpunkt an der Evolutionslehre zur Sprache kam, wurde unterstellt, daß Schöpfungsvertreter keinerlei Belege für ihre Behauptungen hätten. Die Schlußsequenz der Sendung schilderte den Lyssenkoismus in der UdSSR, dessen falsche Vorstellungen zur Genetik in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts zu einer weitgehenden Leugnung genetischer Daten unter Stalin führten, was nach der Sendung alleinige Ursache für schwere Hungersnöte war.

Die Botschaft des Films

Einen Zusammenhang zwischen Lyssen-koismus und „Kreationismus“ stellten die Filmemacher wie folgt her: Der „Kreationismus“ ignoriere Ergebnisse der Wissenschaft und verwerfe diese zugunsten eines (unbegründeten) fundamentalistischen Bibelverständnisses. Zudem werde er in den USA von einflußreichen politischen Kräften unterstützt. In ähnlicher Weise habe Lyssenko wissenschaftliche Ergebnisse der Genetik ignoriert und die biologische Forschung der kommunistischen Ideologie unterworfen. So wie damals in der UdSSR die Politik massiv und mit katastrophalen Auswirkungen (schwere Hungersnöte) die Wissenschaft bestimmte, so sei der „Kreationismus“ auch heute eine drohende Gefahr. Er untergrabe die Forschungsbereitschaft junger Menschen; dies habe auf längere Sicht verheerende Folgen für die Menschheit.

Kritischer Kommentar

Man konnte den Eindruck gewinnen, daß in der Sendung der biblische Glaube an Gott als souveränen Schöpfer diskreditiert werden sollte, sogar durch das Mittel der Diffamierung. Die Filmemacher hatten scheinbar nur wenig Interesse an einer ausgewogenen und seriösen Recherche. Dies wird besonders an dem konstruierten Vergleich zwischen Lyssenkoismus und „Kreationismus“ deutlich. Hier wurde aus einem komplexen Zusammenhang das herausgegriffen, was sich am besten eignete, um den „Gegner“ ohne sachliche Argumentation ins moralische Abseits zu stellen: Es ist zweifelsohne äußerst wirkungsvoll, Bilder verhungerter Menschen direkt mit dem Hinweis auf die angeblichen Folgen des „Kreationismus“ zusammen zu zeigen. ZDF-Moderator Bublath kritisierte die „Kreationisten“ wegen ihrer einfachen Antworten, um dann selber eine Antwort zu geben, die an Einfachheit kaum zu überbieten ist.

Diese enttäuschend einseitige Ausrichtung wurde an weiteren Aspekten deutlich: Im Film wird die deutsche Situation nur in einem einzigen Satz erwähnt: Man versuche auch in Deutschland Land zu gewinnen – „über Bücher, die in Schulen eingeschleust werden sollen.“ Das ZDF hatte vor etwa einem halben Jahr unser evolutionskritisches Lehrbuch zur Vorbereitung der Sendung angefordert. Dessen Inhalte kamen jedoch mit keinem einzigen Beispiel zur Sprache, das Buch wurde auch nicht direkt erwähnt. Paßte unsere Art der sachlichen Auseinandersetzung nicht ins Konzept der Redakteure? Insgesamt wurde kein einziges sachliches Argument der „Kreationisten“ erwähnt (wie auch immer man dazu im einzelnen steht, man hätte wenigstens einige wichtige Argumente aufgreifen und sachlich kritisieren können). Kritikpunkte an der Evolutionstheorie wurden insgesamt verschwiegen (es gebe nur noch „Lücken zu füllen“). Außerdem wurde aus dem Spektrum „kreationistischer“ Strömungen nur ein Segment herausgegriffen und im Ergebnis als repräsentativ dargestellt. Überdies ist die Gleichsetzung der ID-Bewegung (Intelligent Design) mit „Kreationismus“ nachweislich falsch; auch eine oberflächliche Recherche hätte das sofort gezeigt. Wird sie deshalb so gerne gebraucht, damit man sich der wissenschaftlichen Kritik an der Evolutionslehre entziehen kann?

Mikroevolution Spezialisierungen innerhalb eines Grundtyps passen sehr gut zum Schöpfungmodell.

Eine Ironie des Beitrags war übrigens, dass die Vorstellung kritisiert wurde, Gott habe wie aus einem Bauskastensystem die Lebewesen geschaffen. Später aber war im Rahmen der Darstellung der Evolutionsanschauung zweimal von einem Baukastensystem die Rede, das in der Evolution zum Einsatz komme. Wie aber hantiert die Evolution mit einem solchen Bausatz? Und wie ist er überhaupt entstanden? Nicht nachvollziehbar dürfte außerdem für viele der Unterschied zwischen den „richtigen“ Animationen der Evolutionstheoretiker und den „falschen“ der Schöpfungstheoretiker gewesen sein. Sie hatten jedenfalls in mancher Hinsicht eine verblüffende Ähnlichkeiten.

Zusammenfassung

Die genannten Beispiele, denen man weitere anfügen könnte, mögen als Belege dafür genügen, daß Fakten selektiv präsentiert wurden. ZDF-Redakteur Joachim Bublath und sein Team haben genau das getan, was sie eigentlich kritisieren wollten: Sie haben einfache Antworten dadurch gegeben, daß sie ihren Zuschauern den Teil der Fakten vorenthielten, die zur einer ausgewogenen Beurteilung der Situation hätten führen können. Viel einseitiger kann man kaum vorgehen. Offensichtlich verfügte die ZDF-Wissenschaftsredaktion jedoch über wesentliche, für eine objektive Beurteilung notwendige Informationen (s.o.).

Die Auseinandersetzung der Medien mit Kritikern der Evolutionslehre hat eine neue Dimension erreicht, die deutlich jenseits einer wissenschaftlich-sachlichen Ebene liegt. Die Botschaft lautete: „Kreationisten“ haben nicht nur unrecht, sondern sie stellen in letzter Konsequenz eine ernste Gefahr für das Wohlergehen, die Zukunft und letztlich sogar für das Leben der Menschheit dar. Man wird abwarten müssen, welche Folgen sich aus einer solchen Darstellung ergeben werden.

Wie sollen wir reagieren?

Diese Sendung könnte vor Augen führen, daß hier mit unlauteren Mitteln ein Kampf gegen ein biblisches Verständnis der Welt als Schöpfung geführt wird. Warum wird gekämpft? Wohl kaum, weil der Kreationismus für die Wissenschaft gefährlich ist. Hängt es damit zusammen, daß die Schöpfungslehre und das damit in Zusammenhang stehende Evangelium von Jesus Christus anstößig ist? Wenn der Film von Joachim Bublath dazu beitragen würde, die Relevanz der Ursprungsfrage für das christliche Zeugnis auch für die Kirchen wieder deutlich zu machen, hätte er immerhin noch einen guten Zweck erfüllt.

Wir wurden öfter angefragt, ob wir uns beim ZDF für eine Gegendarstellung einsetzen sollen. Es besteht wenig Hoffnung, daß dort echtes Interesse an einer fairen Berichterstattung besteht, wie gerade diese Sendung gezeigt hat. Als Studiengemeinschaft wollen wir vor allem anderen unsere sachlich orientierte und wissenschaftlich tragfähige inhaltliche Arbeit weiterführen.

Anlaß zur Selbstkritik

Joachim Bublaths Film macht bei allen o.g. Einwänden allerdings auch deutlich, daß Selbstkritik auf Seiten der Kreationisten angebracht ist. Warum wurde im Titel der Sendung das Wort „Lüge“ verwendet? Ist es eine Anspielung auf den Bestseller „Evolution - The Lie“, das von dem australisch-amerikanischen Autor Ken Ham verfaßt wurde? Auch in unseren Augen ist ein solches kreationistisches Buch unerfreulich. Leider kommen polemische Schriften im amerikanisch geprägten Kreationismus mitunter in hohen Auflagen vor. Ist das ein hilfreicher Weg, Andersdenkende zu überzeugen? Wir glauben das nicht. Wenn man sich vergegenwärtigt, was weltweit, aber auch in Deutschland unter dem Stichwort „Kreationismus“ angeboten wird, dann stellen wir traurig fest, daß tatsächlich ein erhebliches Ausmaß an Unwissenheit und selektiver Ausblendung von Daten existiert. Vor diesem Hintergrund können wir eine kritische Haltung zum Kreationismus gut verstehen. In der Arbeit der Studiengemeinschaft Wort und Wissen wollen wir weiterhin eigene offene Fragen beim Namen nennen und auch zugeben, wenn Evolutionstheoretiker gute Argumente haben. Das tun viele Schöpfungsgläubige leider nicht; es ist zugegebenermaßen auch nicht besonders populär. Aber es ist ehrlich und fair und wird am Ende zur Glaubwürdigkeit unseres christlichen Zeugnisses beitragen.

Ist die Schöpfungslehre wissenschaftsfeindlich?

Der Vergleich zwischen Lyssenkoismus und Kreationismus impliziert Wissenschaftsfeindlichkeit des „Kreationismus“. Schöpfungsanschauungen bestimmen den Wissenschaftsbetrieb aber weder in den USA noch irgendwo anders in der Welt. Eine seriöse Recherche hätte das deutlich erwähnen müssen. Vielmehr sind die USA, die fast ausschließlich im Blickfeld der Filmemacher waren, die weltweit führende Wissenschaftsnation (obwohl Umfragen zufolge die Mehrzahl der US-Bürger an Schöpfung glaubt). Die vom ZDF beschworene Gefahr existiert nicht.

Nun sind wir zurecht bekannt dafür, daß wir keine Abstriche am Wort Gottes akzeptieren. (Allerdings wollen wir auch nichts als biblisch behaupten, was über die Offenbarung der Bibel hinausgeht.) Als Vertreter der Schöpfungslehre haben wir immer vor Augen, daß der Gott der Bibel ein Gott der Wahrheit ist, der alle Lüge haßt. Das gilt auch für Auseinandersetzungen in und mit der Wissenschaft. Gerade weil wir unsere Schwächen und ungelösten wissenschaftlichen Fragen in der Studiengemeinschaft Wort und Wissen offenlegen, haben wir eine hervorragende Ausgangsposition, um Wissenschaft zu treiben. Dabei sollten wir schweigen, wenn uns bei einer Fragestellung die notwendige wissenschaftliche Kompetenz fehlt. Und wir dürfen weder durch Ausblendung von Daten noch durch selektive Interpretation ein falsches Bild zeichnen oder gar Andersdenkende diffamieren: Das würde uns tatsächlich zu Ideologen machen. Wir glauben einerseits an die Unfehlbarkeit der Bibel und andererseits wissen wir um die grundsätzliche Fehlbarkeit und Vorläufigkeit aller Schöpfungsvorstellungen, welche die Deutung von naturwissenschaftlichen Befunden umfassen.

Nein, die Schöpfungslehre ist nicht wissenschaftsfeindlich. Viele von uns arbeiten im Wissenschaftsbereich und erfüllen damit einen Schöpfungsauftrag Gottes, der schon auf den ersten Seiten der Bibel zu finden ist.

Reinhard Junker und Siegfried Scherer


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Die diesjährige Fachtagung Informatik fand vom 6.-8. Februar erstmals im Geistlichen Rüstzentrum Krelingen statt, nachdem sie vierzehnmal in Folge auf Gut Holmecke ausgerichtet wurde. Etwa 120 Teilnehmer nahmen an der Tagung unter der Leitung von Prof. Dr. Werner Gitt teil.

Am Freitagabend eröffnete die Kunsthistorikerin Melanie Mayr die Vortragsreihe mit dem Thema „Die Bibel in der Kunstgeschichte“. Im Mittelpunkt standen Passionsdarstellungen in der expressionistischen Kunst des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts. Entsprechend dem damaligen Zeitgeist ist weitgehend ein distanziertes Verhältnis zur Passion Christi spürbar, das seinen Ausdruck in Symbolismus und einer effektvollen, bühnenartigen Darstellung findet. Heilsgeschichtliche Aspekte treten zurück. Lediglich nach dem 2. Weltkrieg klingen sie wieder etwas an. Hier hatte offensichtlich das Kriegserleben seine Spuren hinterlassen. Dem Expressionismus entsprechend wird seelischer Ausdruck sichtbar gemacht, der allerdings vor allem die Hoffnungslosigkeit im Leiden widerspiegelt.

Am Samstag referierte der französische Genetiker Dr. André Eggen über das Thema „Moderne Genetik, Information und die Bibel“. In mehreren Schritten legte er die momentane Kenntnis-lage dar. Die Zusammenhänge der Informationen innerhalb einer Zelle erweisen sich als äußerst kompliziert. Die hinter dem erkennbaren Geschehen liegenden Vorgänge kennen wir (noch) nicht. Die Annahme einer molekularen Evolution, wonach z.B. das „primitivere“ Bakterium einfacher sein müßte als das Menschengenom, haben sich nicht bestätigt. Es gibt keine Relation zwischen Genomgröße bzw. Anzahl der Gene und Kompliziertheit des Lebewesens. Im Zusammenspiel zwischen der Molekularevolution und der Genomik-Revolution hofft man nun die Geschichte des menschlichen Genoms nachvollziehen zu können. Doch schon allein wegen der Tatsache, daß hierzu keine Experimente vorgenommen werden können, wird dies nie möglich sein.

Ein weiterer Versuch, zu neuen Erkenntnissen zu kommen, ist der Vergleich der Genome. Unter der Grundannahme, daß es einen gemeinsamen Vorfahren für alle Lebewesen gibt, sucht man nach Ähnlichkeiten und versucht Stammbäume zu konstruieren, wobei immer wieder verschiedene Gene unterschiedliche Stammbäume unterstützen. Auf der Genebene werden trotz der Ähnlichkeiten unterschiedliche Funktionen wahrgenommen. Konsequenz: Man kann vergleichen und gewinnt doch keine Erkenntnisse.

Auch im Bereich der molekularen Uhren suchen die Evolutionstheoretiker nach Daten, die auf Vorfahren hinweisen. Diese Uhren laufen jedoch nicht mit konstanten Geschwindigkeiten. In einem Salzkristall fand man ein auf 250 Millionen Jahre datiertes Bakterium, das im Vergleich zu einem heutigen nur zwei kleine (Mutations-)Unterschiede aufweist.

Für die Schöpfungslehre gilt es, alle Daten zu vergleichen und zu studieren und gute Schlußfolgerungen daraus zu ziehen. Wir stehen in der Entscheidung: Sind wir Kind der Materie oder Gotteskind?

Am Samstagnachmittag folgte ein historischer und fachlicher Rückblick „Wie entstand der Computer?“ Der Informatiker Prof. Dr. Eberhard Bertsch stellte gleich zu Anfang fest, daß es natürlich – wie oft gesagt wird – keine Evolution des Computers gibt. Alle Fortschritte waren schöpferische Leistungen und Taten. Er führte die Zuhörer durch die Geschichte der Rechentechnik und wies auf die mechanischen Vorläufer hin, z.B. auf den Abakus der Antike, der eine „Rechenmaschine“ mit Ringen war. Im 19. Jahrhundert gab es Entwicklungen, die aber nie gebaut wurden, weil eine Dampfmaschine zum Antrieb nötig gewesen wäre. Den ersten elektromechanischen Rechner baute Konrad Zuse 1942 in Berlin. Seine Erfindung fiel jedoch in die Kriegszeit und konnte sich nicht durchsetzen. Gegenüber den Erfindern in den USA hatte er das Nachsehen. Der erste elektronische Universalrechner war der ENIAC 1946, der auf Entwicklungen von Atanasoff aufbaute und auch unter der Mitwirkung des genialen Mathematikers John von Neumann weiter entwickelt wurde. Der Referent zeichnete im folgenden die Entwicklung der weiteren Computer-Generationen nach. Ab 1975 wurden Mikroprozessoren eingesetzt. Die Entwicklung des Computers ist und war sehr vielschichtig. Man kann keine einzelne Person als den Erfinder des Computers bezeichnen, am ehesten vielleicht noch John von Neumann (geb. 1903 in Budapest, gest. 1957 in Washington).

Mit dem zweiten Vortrag am Samstag-Nachmittag von Dr.-Ing. Peter Wiebe wurde eine praktische Nutzanwendung zur Hilfe für behinderte Menschen vorgestellt, die Informatik und Ingenieurwissen verbindet. Sein Thema: „Biosignale für die Kommunikation bei Mensch-Maschine-Systemen – Anwendung des naturgesetzlichen Informationsbegriffes.“ Wie kann sich ein Mensch noch verständigen, wenn er seine Hände nicht mehr bewegen kann und auch nicht in der Lage ist zu sprechen? Kann ihm dann wohl ein Computer helfen? Dr. Wiebe zeigte auf, inwieweit sich menschliche Biosignale für die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine eignen. Es gibt meßbare Biosignale, wie sie z.B. beim EEG oder EKG genutzt werden. Darüber hinaus gibt es vom Menschen beeinflußbare Signale wie z.B. Augen- und Kopfbewegungen. Um mit den Elektrookulographiesignalen (EOG) und mit Kopfbewegungen die Bedienung der Maus zu ersetzen, wurde eine Brille entwickelt, mit deren Hilfe der Benutzer des Systems über Augen- und Kopfbewegungen Befehle an den Computer weitergeben kann. Das vorgestellte System ist zur Einsatzreife entwickelt und funktioniert. Bei der theoretischen Grundlegung der Systementwicklung mußte die Beziehung zwischen den Größen Biosignal und Information geklärt werden. Dabei erwiesen sich die Prinzipien des naturwissenschaftlichen Informationsbegriffes, wie sie von Prof. Gitt aufgestellt wurden, als geeignet und in der Praxis anwendbar. Offenbar müssen für ein realistisches Mensch-Maschine-System die Biosignale und ihre Weiterleitung und Codierung zum und im Computer generell dem Gittschen Informationsmodell genügen.

Am Abend berichtete Prof. Dr. Werner Gitt in gewohnt anschaulicher und spannender Weise von einer einmonatigen Vortragsreise durch Namibia, die er im letzten Jahr durchgeführt hatte. Wunderbare Landschaften und eine einmalige uns fremde Pflanzenwelt wurden anhand zahlreicher Dias vorgestellt. Die Bilder spiegelten das reizvolle und oft nicht einfache Leben der Farmer und der urbanen Bevölkerung wider. Prof. Gitt ließ einige markante Erlebnisse von Evangelisationsveranstaltungen und Farmgottesdiensten Revue passieren. Die Zuhörer waren teilweise von weit her angereist und etliche nahmen das Evangelium an.

Am Sonntagvormittag predigte Werner Gitt über das Thema „Von der Saat zur Ernte“. Das Wort Gottes ist das Saatgut, das weder veraltet noch verdirbt. Es wird uns sündigen Menschen zur Weitergabe (Säen) anvertraut, um Ewigkeitsfrucht zu bewirken. Wir tun gut daran, das Wort „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes ...“ zu unserem Lebensmotto zu machen. Wir dürfen dessen gewiß sein, daß Säen und Ernten Gnade für die ist, die Jesus lieb haben. Er wies darauf hin, daß der große Tag der Ernte dann sein wird, wenn alle Menschen vor dem Thron Gottes stehen werden und es zwei Gruppen geben wird, die Verlorenen und die, die beim Herrn eine ewige Bleibe haben.

Bericht von Gunda Perteck


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Wir möchten Sie auf eine Fundgrube von sehr guten Arbeitsblättern zu vielen biblischen Themen hinweisen: Unter www.kreativerunterricht.de und unter www.worksheets.de finden Sie eine Fülle von kostenlos herunterladbarem Material für Jungschar, Schule, Kinderkirche. Dahinter „verbergen“ sich die Brüder Rainer und Harro Preiss (Grund-schul- bzw. Realschul lehrer), die seit vielen Jahren mit Wort und Wissen zusammenarbeiten.

Unter den Rubriken „Biologie“ und „Schöpfung-Evolution“ findet sich Material zum Thema „Schöpfung“, aber auch viele andere Themen dürften für manche unsere Leser von Interesse sein. (Red.)


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Video und DVD „Was Darwin nicht wissen konnte – der Streit um die Entstehung des Lebens“

Film von einem Vortrag von Prof. Dr. Siegfried Scherer. Geeignet für Hauskreise, Familien, Schulen.

VHS-Video 47 Min (gekürzte Fassung) und DVD (enthält gekürzte und ungekürzte Fassung, 75 Minuten)

Der Vortrag ist allgemein verständlich. Daher ist „Was Darwin nicht wissen konnte“ sehr gut für Hauskreise, Jugendkreise usw. geeignet.

DVD

Ebenso sehr gut für dieselben Zielgruppen geeignet:

Video/DVD Hat die Bibel doch Recht? Der Evolutionstheorie fehlen die Beweise

(45 Min. als VHS oder DVD)

DVD
Schöpfung/Evolution leicht verständlich dargestellt

Ein kompakter, leicht verständlicher Überblick über alle für „Schöpfung / Evolution“ wichtigen Gebiete aus biblischer Sicht: Entstehung des Lebens, Biologie, Fossilforschung, Geologie und Sintflut, Datierungen, Astronomie und Kosmologie, theistische Evolution.

Eine von vielen ähnlichen Leserstimmen:

„Ich möchte Ihnen zu Ihrem Buch „Leben – woher?“ ganz herzlich gratulieren; ein äußerst gelungener Wurf!“ – Sehr gut für Schüler (ab 14 J.), Eltern, jeden Interessierten. Die ideale Einstiegslektüre.

Von Reinhard Junker, unter Mitarbeit von Harald Binder, Thomas Fritzsche, Norbert Pailer, Manfred Stephan und Henrik Ullrich. 232 Seiten, 149 s/w-Abbildungen; Format 15x23, Festeinband.

Eines der stärksten Argumente gegen Evolution: Die Entstehung der Sprache

2., überarbeitete Auflage 2004. Leicht lesbar, gründlich recherchiert.

Der Autor zeigt: Die dokumentierten Fakten der Sprachwissenschaft widersprechen einer Sprachentwicklung im Sinne der Evolutionslehre.

Roger Liebi: Herkunft und Entwicklung der Sprachen. Linguistik contra Evolution, Holzgerlingen: Hänssler-Verlag, 2004. Paperback, 304 Seiten, 21 Abbildungen.


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Auf www.genesisnet.info soll nach und nach die Fülle der Themen rund um die Ursprungsfragen um Schöpfung und Evolution abgehandelt werden – bibeltreu und fachlich qualifiziert. Die Präsentation ist im Aufbau, bietet aber jetzt bereits eine ganze Menge Artikel, z. T. auch sonst unveröffentlichtes Material.

Genesisnet bietet darüber hinaus Antworten auf oft gestellte Fragen und und oft genannte Argumente. Die Artikel werden in zwei Schwierigkeitsgraden angeboten. Der „Interessierten“-Level gibt einen relativ kurz gefaßten Überblick und erfordert keine Vorkenntnisse. Die „Experten“-Texte gehen mehr ins Detail. Ein direkt im Text integriertes Glossar (wird durch Anklicken markierter Begriffe geöffnet) ist eine gute Hilfe.

Darüber hinaus können zu einigen Themen Detailstudien als PDF-Datei heruntergeladen werden.

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Das Wort und Wissen Info 2/2004 (Nr. 67; Juni 2004)

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