Themenübersicht
Suchen Sie nach einem Schlagwort Druckerfreundliche Ansicht dieser Seite
Informationen aus der Studiengemeinschaft
WORT und WISSEN

Info 3/04 - Nr. 68/September 2004




Auf der Hauptkonferenz erzählte mir ein ehemaliger Evolutionsanhänger, der sich früher (bevor er zum Glauben an Jesus Christus kam) in „freigeistigen“ Kreisen bewegte, daß man unter diesen Menschen Angst vor uns hat.

Das scheint irrational zu sein und kann von uns schwer nachempfunden werden, zumal wir uns als (ziemlich) einflußlos in unserer Gesellschaft erleben. Aber als Anhänger einer „festgefügten religiösen Auffassung“ (wie man sich ausdrückt) traut man uns zu, daß wir im Fall zunehmenden Einflusses eine Gefahr für die (demokratische) Freiheit darstellen. Die Begründung der Gegenseite: Es ist weltweit zu beobachten, daß Anhänger „festgefügter religiöser Inhalte“ (irgendwann) andere Meinungen unterdrücken. Das wird u.a. aus dem erstarkten politischen Islamismus abgeleitet, aber auch aus anderen religiösen Bewegungen, die gewaltsamen Einfluß auf bestimmte Gesellschaften nehmen (Beispiel Indien).

„Fundamentalismus“ (einschließlich „Kreationismus“) ist heute bei diesen Menschen ein angstbesetzter Oberbegriff für Bestrebungen nach politischem Einfluß, der (religiöse) Unterdrückung zum Ziel hat. Vielen dieser Menschen gelten wir als eine Gefahr für die Freiheit. Und es kann ja kein Zweifel sein, daß dies (zumindest) für die mittelalterliche Kirche gilt; auch uns Bibeltreue hätte sie wohl als Ketzer verbrannt.

Ein Teil unserer „Gegner“ befürchtet nun: Die heutigen „Fundamentalisten/Kreationisten“ sind auf dem Weg in Richtung mittelalterliche Kirchen- und Weltmacht. Solche Gegner sind der Meinung: Wer „festgefügte religiöse Überzeugungen“ vertritt, meint etwas Gutes zu tun, wenn er diese Überzeugungen anderen (notfalls mit Gewalt) aufdrängt, weil diese dadurch zum Heil gelangen.

Das erklärt einen Teil (nicht alles!) der uns entgegengebrachten Feindschaft. Darüber sollten wir uns im Klaren sein. Ich halte es für sehr wichtig, daß wir dort, wo wir die Möglichkeit haben, klarstellen: Wie Jesus uns geboten und vorgelebt hat, wollen wir unsere Feinde lieben. Wir vertreten unsere fundamentalen Überzeugungen grundsätzlich gewaltlos. Denn wir halten die ganze Bibel hoch: Sowohl die Urgeschichte als auch die Bergpredigt unseres Herrn. Wir streben keine Macht über andere an. Selbst wenn uns irdische Macht zufallen würde, unterdrücken wir gegensätzliche Meinungen bewußt nicht. Vielmehr sollen die „Gegner“ gerade auch in diesem Fall ihre Meinungen öffentlich frei vertreten können. Wir setzen auf Argumente, nicht auf Machtmittel. Denn Jesus hat uns als Schafe unter die Wölfe gesandt (Lk 10,3); wir hüten uns davor, selbst zu Wölfen zu werden.

Ist es nicht wunderbar, daß Jesus uns (als einziger der sog. „Religionsstifter“!) das ausdrückliche Gebot des Gewaltverzichts (Mt 5,38-42) und der Feindesliebe (Mt 5,43-47) gegeben hat? Damit gibt er uns die Freiheit, anders zu sein als Anhänger anderer Weltanschauungen. Denn wir verbinden zweierlei, was oft als gegensätzlich und unvereinbar gilt: Wir vertreten fundamentale Überzeugungen, verzichten aber auf jede zwanghafte Einflußnahme. Wir sollten deshalb nie einen Zweifel darüber lassen, daß wir in der Nachfolge Jesu diesen Weg gehen wollen.

Ihr Manfred Stephan


Zum Inhaltsverzeichnis  Druckansicht des vorhergehenden Beitrags

zum Seitenanfang


Die Arbeitsgruppe Evolutionsbiologie des Verbandes Deutscher Biologen e. V. (VdBiol) betreibt eine interessante Internetseite: www.evolutionsbiologen. de. Unter der Rubrik „Ziele“ wird beklagt, daß es zu einer weitgehenden Entfremdung zwischen dem biologischen Nichtfachmann und Wissenschaftlern, die sich mit dem Thema Evolution befassen, gekommen sei. Diese Lücke hätten sich Gegner der Evolutionstheorie zunutze gemacht, um die moderne Evolutionsforschung zu diskreditieren. Es sei zu befürchten, daß viele Schüler, Studenten und naturwissenschaftlich Außenstehende auf diese Weise ein zentrales Stück Bildung verlieren werden – das Verständnis für unsere biologische Geschichte. Daher will sich die Arbeitsgruppe dafür einsetzen, daß die Evolutionsbiologie an den deutschen Universitäten ein höheres Gewicht erhält.

Gegen eine Verstärkung evolutionsbiologischer Forschung und Lehre ist auch aus unserer Sicht nichts einzuzwenden, wenn sie mit offenem Ausgang betrieben werden. So könnten diese Bemühungen – entgegen der Erwartungen von Evolutionbiologen – möglicherweise dazu führen, daß die Grenzen der evolutionären Veränderungsmöglichkeiten besser ausgelotet werden können, es könnte sein, daß Belege für Evolution an Plausibilität verlieren, oder daß sich Hinweise auf Design in der Biologie deutlich herauskristallisieren. Wissenschaft, deren Ergebnisse nicht von vornherein festgelegt sind (ein beliebter Vorwurf gegen die Schöpfungslehre), wird diese Möglichkeiten nicht ausschließen können. So weit, so gut.

Bemerkenswert ist auf der Seite www.evolutionsbiologen.de aber etwas anderes. Auf der Begrüßungsseite schreibt H.D. Jacobsen, der Präsident des Verbandes Deutscher Biologen und biowissenschaftlicher Fachgesellschaften:

„Vor allem unterstützen wir die Aktivitäten des Arbeitskreises, ideologisch begründeten Strategien gegen moderne Evolutionsbiologie öffentlichkeitswirksam zu begegnen.“ Kampf gegen Ideologie ist ja immer gut, doch muß man aufpassen, daß man dabei nicht selber zum Ideologen wird. Wenn man die auf evolutionsbiologen.de verlinkten Seiten ansieht, wird offenkundig, daß es den Evolutionsbiologen des Arbeitskreises des VdBiol um weit mehr als um Wissenschaft geht. So werden verlinkt:

  • die Homepage des extrem bibelkritischen Theologen Gerd Lüdemann, der u. a. die Auferstehung Jesu leugnet. Theologie bei den Evolutionsbiologen? Das hat man doch bisher der Schöpfungslehre vorgeworfen!
  • die Homepage der Giordano Bruno Stiftung zur Förderung des evolutionären Humanismus: Deren Ziel ist es, „die Grundzüge eines naturalistischen Weltbildes sowie einer säkularen, evolutionär-humanistischen Ethik zu entwickeln und einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“ Der im „alten Europa“ feststellbare Bedeutungsverlust religiöser Heilserzählungen solle nicht als Gefahr, sondern als Chance für das Projekt einer offenen, an Gleichberechtigung und Toleranz orientierten Gesellschaft verstanden werden.

Es ist angesichts der Tendenz dieser Verlinkungen zu fragen, ob es hier wirklich um „Gleichberechtigung“ geht und nicht vielmehr um die zunehmende Durchsetzung und Alleinherrschaft eines „naturalistischen Weltbildes“ (s.o.). Dieser Verdacht bestätigt sich bei den folgenden Links:

  • die Homepage der „MIZ“, den „Materialien und Informationen zur Zeit“. MIZ versteht sich als „politisches Magazin für Konfessionslose und AtheistInnen, FreidenkerInnen, HumanistInnen und SkeptikerInnen, Ungläubige aller Art.“
  • Es wird auf einen neuen Buchtitel von W. Bergmann, „Ansichten & Erkenntnisse. Mythologie – Glaube – Naturerkenntnis“ hingewiesen und dessen Klappentext abgedruckt: „Am Anfang war Energie, und die Energie war ‘Gott’. ‘Gott’ war und ist Energie; kein von Menschen in Unkenntnis des gegenwärtigen Weltbildes erdachter Schöpfer, der als personifizierte Gottheit den Menschen hilfreich oder strafend zur Seite stand. Er kann weder durch irgendwelche Opfergaben (gleich ob Menschen, Tier, Pflanze oder Geld) oder gute Werke, wie Gebete und Lobpreisungen, gnädig gestimmt werden. Demnach kann er auch getanes Unrecht nicht verzeihen oder vergeben.“ Das ist Religionskritik im Stil des 19. Jahrhunderts.

Es kann also keinen Zweifel daran geben, daß es dem VdBiol nicht nur um ungerechtfertigte Angriffe gegen die Evolutionsbiologie geht, sondern im Kern um die Verteidigung einer materialistischen oder naturalistischen Ideologie (d. h.: Die Natur ist alles, es gibt keinen souverän wirkenden Schöpfer und keinen Versöhner). Damit zeigt die AG Evolutionsbiologie des VdBiol (unfreiwillig?), worum es in der Auseinandersetzung um die Evolutionslehre bzw. um die Ursprungsfrage schlechthin geht. Hoffentlich registrieren das auch viele Christen und Verantwortliche in den christlichen Gemeinden, aber auch zahlreiche Menschen, die keine naturalistische Weltanschauung vertreten.

Reinhard Junker


Zum Inhaltsverzeichnis  Druckansicht des vorhergehenden Beitrags

zum Seitenanfang


Ende August 1994 erschien die Erstausgabe vom Studium Integrale Journal (SIJ). Daß diese evolutionskritisch orientierte Zeitschrift nunmehr 10 Jahre lang herausgegeben werden konnte, ist einer der Gründe zum Danken, die wir in unserer Arbeit der Studiengemeinschaft Wort und Wissen haben.

Beim Start vor 10 Jahren war ein Überleben von SIJ alles andere als gewiß. Tatsächlich ging es fast immer knapp zu: Werden genügend Beiträge rechtzeitig fertiggestellt sein? Werden wir ausreichend Abonnenten gewinnen können, ohne die eine solche Zeitschrift nicht existieren kann? Es ist auch hier Gottes Art, die Hände nicht frühzeitig zu füllen, aber es war in den vergangenen 10 Jahren immer seine Art, sie am Ende doch zu füllen. Deswegen geht der Dank für diese 10 Jahre zuerst an unseren Herrn. Er geht aber auch an die etwa 25 Autoren, die ehrenamtlich mit großem Einsatz die Hefte inhaltlich mit gut recherchierten Beiträgen gefüllt haben.

Wozu überhaupt SIJ?

SIJ hat die Arbeit von Wort und Wissen zweifellos erheblich vorangebracht. Ohne eine Publikationsmöglichkeit macht wissenschaftliche Arbeit letztlich keinen Sinn. So konnte vieles in SIJ festgehalten werden, was sonst „untergegangen“ wäre, und es wurde vieles ausgearbeitet, was ohne SIJ nur als Idee liegengeblieben wäre. Somit fördert SIJ die wissenschaftliche Arbeit. Das kommt dann auch den anderen Arbeitszweigen bei Wort und Wissen zugute (populäre Schriften, Vortragsdienst, Internet). Auch unser evolutionskritisches Lehrbuch profitierte von SIJ.

Umgekehrt bietet SIJ den Lesern aktuelle Informationen über Evolutionskritik und Ansätze der Schöpfungslehre in Biologie, Chemie, Geologie, Astronomie, Archäologie und anderen Disziplinen in konzentrierter Form, wie sie anderweitig nur mühsam zusammenzubringen wären. In diesem Sinne dürfte SIJ wohl weltweit einmalig sein.

Helfen Sie uns?

Es wäre ermutigend, wenn wir im Jubiläumsjahr viele Abonnenten gewinnen würden. Einige hundert weitere Bezieher ist ein Ziel für die nächsten Jahre. Ein Abonnement lohnt sich für jeden, der in Sachen Evolutionskritik und Schöpfungslehre am Ball bleiben will. Jede Ausgabe ist thematisch vielseitig; die Beiträge sind unterschiedlich detailliert, so daß jedes Heft für jeden Leser unserer Zielgruppe wertvolle und hilfreiche Informationen enthält. Sie können auch Geschenkabonnements bestellen. Die Zeitschrift ist auch besonders geeignet für Stadt- und Lehrerbibliotheken. Möchten Sie uns an dieser Stelle unterstützen?

Ausblick

Angesichts des allgemein gestiegenen Standards in der Ausstattung populärwissenschaftlicher Zeitschriften prüfen wir zur Zeit, ob wir SIJ ab 2005 vierfarbig drucken lassen. Das bedeutet nicht nur finanziellen Mehraufwand. Wir wollen uns aber von dem Gedanken leiten lassen, daß die Ausstattung dazu beitragen soll, den Inhalt besser zu „transportieren“, denn darauf kommt es letztlich an.


Zum Inhaltsverzeichnis  Druckansicht des vorhergehenden Beitrags

zum Seitenanfang


TextIn einem offenen Brief an die Scientific Community, der am 22. Mai 2004 in der Zeitschrift New Scientist veröffentlicht wurde, haben sich über 30, teils angesehene Naturwissenschaftler kritisch zu offenen Fragen zum Urknallmodell geäußert (www.cosmologystatement.org). Dabei tauchen Namen wie Halton Arp, Hermann Bondi, Thomas Gold, Jayant Narlikar und andere berühmte Kosmologen auf. Der Brief setzt angesichts der für das Standardmodell einseitig gewichteten aktuellen Forschung ein wichtiges Zeichen. Man hat auf der Webseite die Möglichkeit, den Brief zu unterzeichnen, wenn man über die entsprechenden Referenzen verfügt. Das haben bisher über 160 Wissenschaftler getan. Wir bringen hier die (teilweise leicht vereinfachte) Übersetzung einiger Aussagen aus diesem Brief:

„Die Urknalltheorie beruht auf einer wachsenden Anzahl von hypothetischen Größen, auf Dingen, die noch nie beobachtet wurden. Ausdehnung, Dunkle Materie und Dunkle Energie sind einige wichtige Beispiele dafür. ... Die Urknalltheorie kann ohne diese Hypothesen nicht überleben. Ohne die Annahme der Ausdehnung des Universums können keine Aussagen über den beobachteten Mikrowellenhintergrund gemacht werden. Ohne die Annahme einer Art Dunkler Materie, die anders ist als die Materie, und die man seit über 20 Jahren vergeblich sucht, werden unvereinbare Aussagen über die Dichte des Universums gemacht. ...

Das Urknallmodell ist aber nicht die einzige Hypothese. Mit der Plasmakosmologie und dem Steady-State-Modell (beide Modelle sagen ein Universum ohne bestimmten Anfang und Ende voraus) kann man alternativ zum Urknallmodell auch die grundlegenden Phänomene des Kosmos erklären. ...

Verfechter der Urknalltheorie erwidern darauf, daß diese Theorien nicht jede kosmologische Beobachtung erklären können (was die Urknalltheorie ja auch nicht kann). Aber das überrascht kaum, da ihre Entwicklung durch das Fehlen von Forschungsgeldern gehemmt wurde. ... Obwohl Richard Feynman gesagt hat, daß „Wissenschaft die Kultur des Zweifels“ ist, werden alternative Ideen und Meinungsverschiedenheiten abgeblockt. ...

Neue Beobachtungen werden sogar durch diesen „Filter“ gelesen und als richtig oder falsch bewertet, je nachdem, ob sie das Urknallmodell stützen oder nicht. ... Damit kommt ein wachsendes dogmatisches Gedankengut zum Vorschein, das dem „Geist des freien wissenschaftlichen Forschens“ widerspricht. ...

Die einseitige Unterstützung der Urknalltheorie untergräbt ein grundlegendes Element der wissenschaftlichen Forschung; die beständige Überprüfung einer Theorie anhand von aktuellen Beobachtungen. Wenn dieses Prinzip aber beschränkt wird, ist eine unvoreingenommene Diskussion nicht möglich.“


Zum Inhaltsverzeichnis  Druckansicht des vorhergehenden Beitrags

zum Seitenanfang


In der Auseinandersetzung mit unseren Kritikern werden in zunehmendem Maße wissenschaftstheoretische Fragen behandelt. Die Gründe dafür dürften vielfältig sein, sollen hier jedoch nicht besprochen werden. Durch das Interesse an philosophischen Grundsatzfragen in den Wissenschaften gehört die Wissenschaftstheorie – als Teildisziplin der Philosophie – seit Mitte der 80er Jahre zu den Aufgabengebieten von Wort und Wissen.

Historischer Rückblick. Um sich ein Bild von der Zielstellung dieses Arbeitszweiges machen zu können, ist ein kurzer historischer Rückblick angebracht: Eines der Hauptereignisse für die Entwicklung der Wissenschaftstheorie lag in der Grundlagenkrise von Mathematik und Physik zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Da in den Theorien Begriffe auftauchten, die nach Ansicht von Kritikern stark nach Metaphysik anmuteten (z. B. Atom, Unendlichkeit, Raum-Zeit), mußten Methoden gefunden werden, die den Gebrauch derartiger Begriffe garantieren konnten. Ein erster Vorschlag stammte von dem Philosophen Rudolf Carnap, Mitbegründer des Wiener Kreises und Vertreter des Logischen Empirismus. Carnaps zentrale Idee war die Entwicklung eines Verifikationsprinzips, nach welchem nur solche Aussagen als bedeutungsvoll zugelassen wurden, die auf Erfahrung zurückführbar waren. Aussagen, bei denen eine empirische Prüfung nicht möglich war, wurden als sinnlos oder metaphysisch abgelehnt. Karl Popper, der wohl bekannteste Wissenschaftstheoretiker, kritisierte jedoch das von den Logischen Empiristen vertretene Induktions- und Verifikationsprinzip. Nach Popper konnten Theorien nicht induktiv aus Erfahrungen gewonnen werden, sondern stellten Einfälle, spontane Ideen dar.

Umgekehrt gelang der Nachweis, daß Carnaps strenge Fassung eines Verifikationsprinzips die Überprüfung wissenschaftlicher Theorien verhinderte. Popper sah daher in der Falsifikation von Theorien die einzig gangbare wissenschaftliche Methode und in der Falsifizierbarkeit das einzige Kriterium für wissenschaftliche Theorien, um sie von Spekulation und Metaphysik unterscheiden zu können.

Schöpfung und Wissenschaft. An diesem Punkt setzen unsere Kritiker gewöhnlich ein. Wenn wissenschaftliche Theorien durch Falsifizierbarkeit gekennzeichnet sind, dann bleibt unklar, wie sich dies bei Theorien im Rahmen der Schöpfungslehre verhält. Sollte Gott geschaffen haben, so die Argumentation der Kritiker, dann ist dies keine Theorie, sondern eine Setzung, die niemals falsifiziert werden kann. In den meisten Fällen vergessen unsere Gegner jedoch, daß nicht die Annahme einer Schöpfung theoretisch faßbar ist, sondern nur die aus einer Schöpfung resultierenden Gesetzmäßigkeiten. Dies zeigt z.B. eindrücklich die Grundtypenbiologie. Sie selbst setzt zwar Schöpfung voraus, in der theoretischen Formulierung der Gesetzmäßigkeiten sind diese Voraussetzungen aber nicht enthalten. Wenn Kritiker die Arbeit von Wort und Wissen in Frage stellen wollen, dann müssen sie nachweisen, daß die von uns entwickelten Theorien anerkannten wissenschaftstheoretischen Kriterien nicht genügen. Dieser Nachweis ist jedoch bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht erbracht worden.

Die Fachtagung Wissenschaftstheorie macht es sich daher zur Aufgabe, Fragen nach dem Status von Theorien im Rahmen der Schöpfungs- und Evolutionslehre zu beantworten. Immer wieder taucht dabei das Problem auf, wo und wie genau eine Grenze zwischen empirisch arbeitenden Wissenschaften wie Biologie und Physik auf der einen und historischen Wissenschaften wie Archäologie, Paläontologie usw. – und damit auch Schöpfung und Evolution – auf der anderen Seite gezogen werden kann. Eine Zwickmühle, in der wir uns dabei befinden, ist das Problem, ob bzw. wie die historischen Wissenschaften wissenschaftstheoretisch fundiert werden können.

Sollte eine wissenschaftstheoretische Fundierung gelingen, dann ist zu zeigen, welche Methoden und Prinzipien der Theoriebildung in Evolutions- und Schöpfungslehre zugrunde liegen. Des weiteren wäre der Nachweis zu erbringen, worin Parallelen bestehen und welche Vorannahmen für die Theoriebildung in Schöpfungs- und Evolutionslehre – des öfteren auch als „weltanschaulicher Hintergrund“ bezeichnet – bestimmend sind. Mittelpunkt bleibt jedoch weiterhin die Frage, worin die Überprüfung und Bestätigung derartiger Theorien besteht. Da zu diesem Punkt – selbst auf akademischem Gebiet – kaum Arbeiten vorliegen, ist hier dringend Hilfe und Mitarbeit nötig.

Sollte sich dagegen zeigen lassen, daß eine wissenschaftstheoretische Fundierung der Evolutionslehre unmöglich ist, dann stehen wir vor folgendem Problem: Die „Wissenschaftlichkeit“ der Evolutionslehre wäre dann zwar in Frage gestellt, dies würde aber auch für die Schöpfungslehre gelten. Denn durch die Gleichstellung von Evolutions- und Schöpfungslehre als historische Anschauungen wird zugleich das Vorhaben verfehlt, unseren Ansatz als naturwissenschaftlich ausweisen zu können.

Aufgaben unserer Fachgruppe. Aufgrund dieses Dilemmas wird seit einiger Zeit diskutiert, ob es nicht notwendig wäre, eine eigene Wissenschaftstheorie zu etablieren. Nicht weniger problematisch scheint das Vorhaben, unsere Arbeit in gängige wissenschaftstheoretische Modelle (Carnap, Popper, Lakatos, Kuhn, Feyerabend, Laudan, Stegmüller usw.) zu integrieren. Da sich die Auffassungen einiger Wissenschaftstheoretiker grundsätzlich widersprechen, müssen wir uns auf einige Autoren oder sogar einen einzigen Autor beschränken. Fraglich bliebe jedoch, ob weitere wissenschaftstheoretische Untersuchungen den Autoren, auf die wir uns stützen, recht geben werden. Ein dogmatisches Festhalten an einem Autor, der unseren wissenschaftstheoretischen Vorstellungen am nächsten zu kommen scheint, dürfte ein fragwürdiges Unterfangen sein.

Diese und andere Fragen harren einer Antwort und werden in der nächsten Zeit für die Studiengemeinschaft zunehmend an Interesse gewinnen. Darum sucht die Studiengemeinschaft Geisteswissenschaftler aus vorwiegend philosophischen Gebieten. Fragen der Wissenschaftstheorie werden früher oder später angrenzende Fragen – z.B. Leib-Seele-Problem, Hermeneutik, Erkenntnistheorie, Semantik, Kognitionswissenschaften usw. – berühren. Sollten Sie sich auf einem der Gebiete kompetent fühlen oder noch studieren/promovieren, dann würde ich mich freuen, sie auf unserer nächsten Fachtagung Wissenschaftstheorie begrüßen zu können.

Thomas Jahn


Zum Inhaltsverzeichnis  Druckansicht des vorhergehenden Beitrags

zum Seitenanfang


Nach der enttäuschend einseitigen Auseinandersetzung der Medien mit Kritikern der Evolutionslehre gibt es erfreulicherweise auch von einem positiven Echo auf unsere Literaturarbeit zu berichten. Ich habe dies im österreichischen Magazin „Universum“ entdeckt. Mit seinen Berichterstattungen begleitet dieses auflagenstarke Journal die Produktionen der ORF-Abteilung „Wissenschaft und Zeitgeschehen“ bzw. unterstützt es die Vermittlung von Wissenschaft in der Öffentlichkeit (unter anderem in Kooperation mit dem österreichischen Wissenschaftsfonds und dem Naturhistorischen Museum) und erfreut sich einer großen Beliebtheit und Verbreitung.

In der Juniausgabe (S. 68-72) findet sich ein Artikel mit der Überschrift: „Die Gegenwart der Vergangenheit“, in dem es um Atavismen (wie z.B. bei Haarmenschen) geht. Als Atavismen (Rückschläge) werden manche Mißbildungen interpretiert, die auf stammesgeschichtlich frühere Stadien hinweisen sollen. Der vom evolutionären Denkrahmen stark geprägte Artikel weist doch in einem Absatz darauf hin, daß man dieses Phänomen auch anders deuten kann. In neutraler Darstellung ohne jede Polemik ist da Folgendes zu lesen:

„Das Interesse des Biologen und Theologen Reinhard Junker an Atavismen hat eine völlig andere Motivation. Für ihn sind Evolutionsgedanke einerseits und die Schöpfungsgeschichte (wonach alle Lebewesen als fertig ausgebildeter Grundtyp geschaffen wurden) andererseits unvereinbar: „Atavismen sind ein populäres und in Schulbüchern oft strapaziertes Argument, die Evolution zu beweisen. Für mich jedoch sind Atavismen nichts anderes als individuelle Entwicklungsstörungen und keinesfalls die Rekapitulation eines früheren Erscheinungsbildes“, so Junker. „Nach der bisherigen Erkenntnislage gibt es keinen Mechanismus, der garantiert, dass ein nicht mehr der Selektion unterliegendes Gen über lange Zeit funktionstüchtig bleibt.“

Die Redakteurin des Artikels berichtete, sie sei via Internet auf Reinhard Junkers Buch „Ähnlichkeiten, Rudimente, Atavismen“ gestoßen. Sie hatte dann mit ihm ein Telefoninterview zu diesem Thema geführt. In dem oben abgedruckten Ausschnitt hat sie dann sinngemäß die wichtigsten Kritikpunkte genannt (und ihm sogar den Text vor Drucklegung nochmals geschickt). Ich finde, diese Beachtung der Fachliteratur von Wort und Wissen ist eine Ermutigung, daß sich die mühsame, manchmal frustrierende Arbeit doch lohnt – ein Grund, dem Herrn zu danken.

Rupert Palme, Wien


Zum Inhaltsverzeichnis  Druckansicht des vorhergehenden Beitrags

zum Seitenanfang


Ein Text aus „Genesisnet“ / von Reinhard Junker

Das Grundtypmodell der Schöpfungslehre wird in der Biologie kaum beachtet. Bislang wurden nur wenige Beiträge veröffentlicht, die sich mit diesem Konzept kritisch auseinandersetzen. Über die Gründe für dieses weitgehende Schweigen soll hier nicht spekuliert werden. Ende 2003 erschien nun aber in der Lehrerzeitschrift „Praxis der Naturwissenschaften – Biologie in der Schule“ (Heft 8/52, S. 31-34) ein Beitrag von Professor Ulrich Kutschera (Kassel), in welchem auf weniger als einer halben Seite (S. 33) Argumente gebracht werden, die zeigen sollen, daß das Grundtyp-Modell „im Widerspruch zu empirischen Fakten steht“. Um welche Argumente handelt es sich?

  1. Kutschera führt die zwei Egelarten Helobdella stagnalis und H. striata an, die keine Mischlinge bilden, auch nicht bei gemeinsamer Haltung. Daher würden sie verschiedenen Grundtypen angehören. Dies stehe im Widerspruch dazu, daß die Egel (Hirudinea) eine geschlossene Abstammungsgemeinschaft bilden, „wobei die Vertreter der Gattung Helobdella besonders nahe miteinander verwandt sind“. – Die Schlußfolgerung von Kutschera ist falsch. Denn im Rahmen der Grundtypenbiologie müssen zwei Arten derselben Gattung (hier: die zwei Egelarten) nicht in zwei verschiedene Grundtypen gestellt werden, weil bisher zwischen ihnen keine Kreuzungen vorkamen. Zum einen müßte nach dem Grundtypkonzept getestet werden, ob eine künstliche Kreuzung möglich ist, was vermutlich nicht geschehen ist. Zum anderen muß ein Gesamtbild eines Taxons (Klassifikationseinheit) gewonnen werden, um die Deutung als möglichen Grundtypen zu begründen oder zu verwerfen. Beispielsweise muß geprüft werden, ob zwei in Rede stehende Arten indirekt (über eine dritte Art) kreuzbar sind (das ist Teil der Grundtyp-Definition). Wenn zwei Arten nicht gekreuzt wurden, ist das für sich alleine noch nicht besonders aussagekräftig, und keinesfalls ein Beleg dafür, daß das Grundtypmodell „im Widerspruch zu empirischen Fakten steht“, wie Kutschera behauptet. Vielmehr können nur sichere Aussagen gemacht werden, wenn Kreuzungen gelungen sind: Was (im Sinne der Grundtypdefinition) kreuzbar ist, gehört sicher zum selben Grundtyp. Bei einem Fehlen von Kreuzungen müssen weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um eine (Nicht-)Zugehörigkeit zu klären oder wenigstens plausibel zu machen. Dies wird im Grundtypen-Standardwerk „Typen des Lebens“ (S. Scherer, Hg., Berlin 1993) ausführlich erläutert.

  2. Unter den Pflanzen gibt es C3- und C4-Pflanzen, bei denen die Phytosynthese unterschiedlich abläuft (Details dazu siehe http://members.aon.at/evolution/C3C4.htm). C3-Pflanzen haben eine verminderte Photosyntheseleistung gegenüber den C4-Pflanzen. Kutschera: „Würden perfekt erschaffene ‘Grundtypen’ des Lebens existieren, so gäbe es keine C3-Pflanzen“; außerdem spreche die Existenz von C3-C4-Übergangsformen gegen das Grundtypmodell; diese würden Umbaustadien des Photosyntheseapparats repräsentieren, mithin also Makroevolution belegen. – Es ist jedoch bekannt, daß innerhalb desselben Grundtyps (also bei kreuzbaren Arten) C3- und C4- Pflanzen vorkommen können, ebenso auch Mischformen. Diese Vielfalt kann im Sinne polyvalenter Stammformen im Rahmen des Grundtypmodells sehr gut interpretiert werden; es ist geradezu ein Paradebeispiel für das Grundtypmodell. Die „Umbaustadien“ sind demnach verschiedene Ausprägungen innerhalb eines flexiblen, polyvalenten Grundtyps. Die genetische Information zum Bau sowohl von C3- als auch von C4-Pflanzen gehörte also nach dem Grundtypmodell zum ursprünglichen Repertoire des Grundtyps. Der verminderten Photosyntheseleistung von C3-Pflanzen stehen im übrigen anderweitige Vorteile gegenüber, so daß keinesfalls von Unvollkommenheit gesprochen werden kann (die Kutschera andeutet). Genauere Begründungen finden sich ebenfalls bei http://members.aon.at/evolution/C3C4.htm.

  3. „Der perfekt erschaffene Mensch würde keine Bandscheibenprobleme bekommen, nicht unter Infektionskrankheiten leiden, niemals an Krebs sterben“. – Zunächst: Diese Punkte haben mit dem Grundtypmodell gar nichts zu tun. Weiter: Bandscheibenprobleme sind Folgen einer ungesunden Lebensweise oder von krankhaften Veränderungen. Beim Stichwort „Krankheit“ kommen, wenn dieses Thema im Rahmen der biblischen Schöpfungslehre diskutiert wird, theologische Argumente mit ins Spiel. Man kann daraus aber kein Argument gegen das Grundtypmodell konstruieren. Interessant wäre noch zu hören, wie der Autor die Befunde „Bandscheibenprobleme“, „Infektionskrankheiten“, „Krebs“ im „Lichte der Evolution“ erklärt: Er sagt, dies sei möglich, zeigt aber nicht wie. Außerdem sollte der Autor auch begründen, weshalb diese Befunde gegen das Grundtypmodell stehen. Der Artikel bietet dazu nichts außer Behauptungen. Schließlich ist es interessant, daß hier zur Verteidigung der Evolutionslehre ein theologisches Argument verwendet wird.

  4. „Dinosaurier und Ammoniten wären nicht ... ausgestorben.“ – Aussterben von Arten steht in keiner Weise dem Grundtypmodell entgegen. (Auch hier kommen im Rahmen der Schöpfungslehre theologische Fragestellungen ins Spiel.)

Es sei noch darauf hingewiesen, daß Kutschera in seinem Artikel zwar einen Werbetext zum Buch „Typen des Lebens“ (s. o.) zitiert, nicht aber auf den Inhalt des Buches eingeht. Hätte er dessen Inhalte berücksichtigt, wären ihm die fehlerhaften bzw. irrelevanten Argumentationen nicht unterlaufen.

Literatur: Scherer (Hg, 1993) Typen des Lebens. Studium Integrale. Berlin.

Bei Genesisnet steht der Artikel unter: http://www.genesisnet.info/aktuelles/news_text.php?ID=23


Zum Inhaltsverzeichnis  Druckansicht des vorhergehenden Beitrags

zum Seitenanfang


Auf www.genesisnet.info soll nach und nach die Fülle der Themen rund um die Ursprungsfragen um Schöpfung und Evolution abgehandelt werden – bibeltreu und fachlich qualifiziert. Die Präsentation ist im Aufbau, bietet aber jetzt bereits ein ganze Menge Artikel, z. T. auch sonst unveröffentlichtes Material.

Genesisnet bietet darüber hinaus Antworten auf oft gestellte Fragen und und oft genannte Argumente. Die Artikel werden in zwei Schwierigkeitsgraden angeboten. Der „Interessierten“-Level gibt einen relativ kurz gefaßten Überblick und erfordert keine Vorkenntnisse. Die „Experten“-Texte gehen mehr ins Detail. Ein direkt im Text integriertes Glossar (wird durch Anklicken markierter Begriffe geöffnet) ist eine gute Hilfe.

Darüber hinaus können zu einigen Themen Detailstudien als PDF-Datei heruntergeladen werden.

www.genesisnet.info wurde vor einigen Wochen von livenet.ch als

„Surftipp der Woche“

ausgewählt. Für W+W-Freunde ist es eigentlich der

Surftipp des Jahres

Schauen Sie doch mal rein und fordern Sie den Genesisnet-Newsletter an, der Sie über Neuigkeiten und neu eingestellte Texte informiert.


Zum Inhaltsverzeichnis  Druckansicht des vorhergehenden Beitrags

zum Seitenanfang


Aktuelle Termine finden Sie im
Terminkalender
oder in der
Terminübersicht



zum Seitenanfang

Das Wort und Wissen Info 3/2004 (Nr. 68; September 2004)

Home Publikationen W+W Info

Studiengemeinschaft WORT und WISSEN e.V.
Letzte Änderung: 20.11.2004
Webmaster