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WORT und WISSEN

Info 1/05 - Nr. 70/Februar 2005




Dr. Peter Korevaar, neues Mitglied im Leitungskreis von Wort und Wissen

als ich 1983 im letzten Semester Astronomie in Utrecht studierte, wurde ein Seminar „Kosmologie des frühen Universums“ organisiert. Ich meldete einen Vortrag zum Thema „Alternativen zum Urknall“ an. Es folgten zwei Monate intensiver Literaturforschung. In der gängigen Fachliteratur fand ich freilich keine biblisch begründeten Überlegungen. Damit hatte ich auch nicht gerechnet. Überrascht stellte ich jedoch fest, daß sich viel mehr Astronomen als gedacht mit der Standardtheorie eines Urknalls nicht anfreunden wollten und Alternativen überlegt hatten. Die Gründe dafür waren ganz unterschiedlich. Sie reichten von „reiner wissenschaftlicher Neugier nach Alternativen“ bis „Unzufriedenheit mit einer Anfangssingularität“. Und bei einigen Artikeln hatte ich das deutliche Gefühl, daß die Autoren einfach keine Lust hatten, mit der Masse mitzuschwimmen und somit der „Wunsch nach unabhängiger Forschung“ der Grund für die Suche nach Alternativen war.

Dann begann das Seminar und ich hielt meinen Vortrag. Ich begann mit einer Übersicht der Gründe, warum man nach Alternativen sucht. Ich teilte sie in wissenschaftliche und philosophische Gründe auf. Bei den wissenschaftlichen Gründen listete ich die Schwächen des Standardmodells auf. Sie waren den Zuhörern alle bekannt. Dennoch zweifelte von den Anwesenden keiner am Urknallmodell. Bei den philosophischen Gründen erwähnte ich die Probleme einer Singularität (Anfangszustand mit unendlich hoher Dichte, Temperatur und Raumkrümmung) sowie die Möglichkeit, daß Gott existiert und er das Universum mit einem speziellen Ziel geschaffen haben könnte. Man hörte mir wohlwollend zu, denn von mir als bibeltreuem Christen hätte man nichts anderes erwartet. Danach präsentierte ich eine Übersicht der damals bekannten Alternativen: Alternative Interpretationen der Rotverschiebung, alternative Lichttheorien, alternative Physik, Materie, Energie, Gravitation, Raumgeometrie, inhomogene Dichteverteilungen. Ich stellte auch einige von Christen aufgestellte Alternativen vor. Trotz der Fülle an Alternativen kamen jedoch kaum Fragen. Es wurde einfach zur Kenntnis genommen.

Nach dem Vortrag nahm mich einer der Professoren zur Seite und fragte, ob ich denn wirklich glaube, daß Gott das Universum geschaffen hätte. Ich sagte ja. Aber, meinte er, damit kann man doch keine Wissenschaft betreiben. Ich könnte dann doch genauso behaupten, Gott hätte die Welt vor 2 Minuten geschaffen inklusive meiner Erinnerungen. Seine Botschaft war klar: Gott und Wissenschaft schließen sich gegenseitig aus, denn wenn ich alles erklären kann, habe ich nichts erklärt. Ich fragte ihn, warum er denn an das Standardmodell glaube trotz der Fülle von Alternativen. Es sei das Modell, das am besten zu den Beobachtungen passe, meinte er. Die Schwächen würden auch noch ausgemerzt. Naiv fragte ich weiter: Aber man müsse doch auch alle Alternativen eingehend untersucht und aus wissenschaftlichen Gründen ausgeschlossen haben. Dann folgte die Antwort, die in einem solchen Fall immer folgt: Dafür fehlt uns sowohl die Zeit als auch das Geld.

Warum erzähle ich das alles? Aus drei Gründen:

  1. Ich möchte klarmachen, daß es in der Astronomie nicht anders zugeht als in der Biologie: Eine Theorie wird verfolgt. Sie wird von fast allen bedingungslos akzeptiert. Alternativen werden nicht gehört und Schwächen führen nicht dazu, daß die Theorie angezweifelt wird, sondern daß man sie immer weiter ausbaut.
  2. Ich möchte dem von meinem Professor genannten Argument der Täuschung entgegentreten: Man könne keine Wissenschaft betreiben, die Schöpfung voraussetzt, denn Gott könnte dann auch gestern oder von einer Sekunde alles geschaffen haben. Dabei handelt es sich um ein altes, immer wieder vorgebrachtes Mißverständnis. Gott legt uns nicht herein. Was er uns sagt, das hält er gewiß. Wenn er uns sagt, daß er die Welt in sechs Tagen geschaffen hat, dann hat er die Welt in sechs Tagen geschaffen. Wenn er sagt, daß Abraham an ihn glaubte, handelt es sich dabei nicht um eine in mein Gehirn eingepflanzte Erinnerung, sondern um eine Realität. Das gilt ebenso für Jesu Geburt, Leiden und Sterben. Der Glaube an den lebendigen Gott der Bibel ist nicht eine billige, nichts-sagende Erklärung. Wir glauben nicht an Gott, weil wir zu dumm wären, „richtige“ Wissenschaft zu betreiben. Im Gegenteil, wir beschränken uns nicht auf das Materielle, sondern möchten ganz bewußt Gottes Handeln, insbesondere in der Schöpfung, in unsere Forschung einbeziehen. Unsere Forschungsbasis ist damit grundverschieden von der der gängigen Wissenschaft.
  3. Es stellt sich hier auch die Frage nach dem Sinn und Ziel der Forschung bei Wort und Wissen, insbesondere dem Ziel der Fachgruppe Physik / Kosmologie. Ziel ist nicht, wie oft irrtümlich gedacht, Gottes Existenz zu beweisen. Ziel ist es ebensowenig, die gängige Forschung als dumm oder lächerlich darzustellen, was bedauerlicherweise immer wieder vorkommt. Ich freue mich, daß man gerade bei Wort und Wissen sehr darauf bedacht ist, dies nicht zu tun. Was ist dann das Ziel? Wir wollen Menschen, die an den Gott der Bibel glauben, einen Halt geben und ihnen helfen, Glauben und Wissenschaft zu verbinden. Wir wollen zeigen, daß die wissenschaftlichen Befunde sich im Rahmen einer göttlichen Schöpfung mindestens so gut erklären lassen wie in einem Szenario, in dem Gott keinen Platz hat. Das ist nicht engstirnig und hat auch nichts mit Besserwissen zu tun. Wir wollen unserem Schöpfer die Ehre geben für die herrliche Schöpfung, die er gemacht hat.

Damit haben wir nicht automatisch Antworten auf alle Fragen, sondern wir vertrauen Gott, daß er diese Antworten hat. Die Forschung des Anfangs darf nicht zum Selbstzweck werden. Denn wir richten zwar unsere Forschung auf die Vergangenheit, auf den Ursprung aller Dinge. Aber wir richten unsere Hoffnung auf die Zukunft, in der uns ein neuer Himmel und eine neue Erde erwarten und wir alles verstehen werden, was uns jetzt noch schleierhaft ist.

Diese Hoffnung wünsche ich Ihnen alle und in diesem Sinne wünsche ich Ihnen Gottes Segen

Ihr Peter Korevaar

Peter Korevaar studierte in Utrecht, Niederlande, Astronomie und Physik. Diplom 1984. Promotion zum Doktor der Naturwissenschaften in 1989. Forschungsaufenthalt an der Uni Heidelberg von 1989-1991. Danach wechselte er zum Wissenschaftszentrum der IBM in Heidelberg. Hier beschäftigte er sich mit der Entwicklung und Anwendung von mathematischen Optimierungsverfahren. Zur Zeit ist er im neugegründeten IBM Bereich Business Consulting Services als Consulting IT Spezialist tätig und berät Kunden in Logistikfragen. Peter Korevaar ist verheiratet und hat 5 Kinder. Er ist Mitglied und Ältester in der Freien evangelischen Gemeinde in Hoffenheim bei Sinsheim und seit 2004 im Leitungskreis von Wort und Wissen und Leiter der Fachgruppe Physik / Kosmologie. Seine Hobbys sind Orgelspielen, Lesen und das Studium des Sonnensystems, insbesondere der Planeten- und Asteroidenbahnen.


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Am 28. Dezember 2004 ist der Ehrenvorsitzende der Studiengemeinschaft WORT UND WISSEN, Prof. Dr. Dr. Theodor Ellinger, in Rösrath bei Köln im Alter von 84 Jahren verstorben und zu unserem himmlischen Herrn heimgegangen.

Theodor Ellinger (1920-2004), Vorsitzender der Studiengemeinschaft Wort und Wissen von 1980 bis 1997

Theodor Ellinger wurde am 14. Juni 1920 in Stuttgart geboren. Er studierte Maschinenbau und Volkswirtschaftslehre in Stuttgart und promovierte darüber hinaus in beiden Fächern. Mit dieser außergewöhnlichen technisch-wirtschaftlichen Doppelqualifikation und nach seiner Habilitation in Betriebswirtschaftslehre in Frankfurt wurde er 1960 auf das betriebswirtschaftliche Ordinariat der Universität Mainz und 1967 auf den angesehenen Lehrstuhl für Industriebetriebslehre an der Universität Köln berufen, den er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1985 innehatte. Seine Studenten schätzten gleichermaßen die wissenschaftliche Betreuung durch eine Forscherpersönlichkeit von internationalem Ansehen und die menschliche Zugänglichkeit eines beliebten akademischen Lehrers.

Theodor Ellinger war, außer in vielen anderen ehrenamtlichen Verantwortungen, einige Jahre lang als Vorsitzender der SMD (Studentenmission in Deutschland) und in Leitungsgremien des Evangeliums-Rundfunks tätig. Nach der Gründung der Hochschulbibelgruppe Köln trennte sich sein Weg von der SMD, doch bald berief der Herr ihn in eine neue Aufgabe: Die Auseinandersetzung im Spannungsfeld zwischen Glauben und Wissenschaft.

Unser lieber Freund und Bruder Theo hat vor 25 Jahren zusammen mit Prof. Dr. Dr. Horst W. Beck die Studiengemeinschaft WORT UND WISSEN ins Leben gerufen und war bis zum Jahr 1997 ihr Vorsitzender. Wir haben seinem unermüdlichen Einsatz und seiner Glaubens- und Schrifttreue sehr, sehr viel zu danken. Er hat wesentlich dazu beigetragen, die Studiengemeinschaft WORT UND WISSEN zu dem zu formen, was sie heute ist. Aus begrenzten Anfängen heraus hat sie sich unter seiner klugen geistlichen Leitung zu einer wissenschaftlich qualifizierten und zugleich schriftgebundenen Institution entwickelt, die im kirchlichen, freikirchlichen und wissenschaftlichen Raum erhebliche (aber keineswegs nur zustimmende) Beachtung gefunden hat. Es ging Theo Ellinger vor allem um die „Diakonie an Intellektuellen“, die durch ihre Denkprägungen und evolutionären Grundeinstellungen oft nur schwer einen Zugang zum biblischen Glauben finden. Er hat die Studiengemeinschaft durch äußerst schwierige Phasen mit großer Geduld, Weisheit und Einfühlungsvermögen geführt und ist uns darin zum Vorbild im Verständnis für die Nöte und Problemlagen anderer geworden.

Theodor Ellinger hat zusammen mit seiner Frau Hedwig ein ganzes Leben lang unermüdlich missionarisch um Menschen gerungen. Sein Haus in Rösrath und die von ihm mitbegründete dortige Christliche Gemeinde waren eine Pflanzstätte des Evangeliums. In der schlichten und ungekünstelten Art seines Glaubens an unseren Herrn und Heiland Jesus Christus war er primus inter pares. Mit seiner Frau und den missionarisch aktiven Kindern, Schwie-gerkindern und Enkeln ist er für viele zum hilfreichen Wegweiser geworden. Alle, die ihn näher kannten, haben ihn geschätzt und seinen Rat gerne gehört.

Eine schwere Verletzung setzte seiner Vollaktivität sechs Jahre nach seiner Emeritierung ein Ende. Obwohl die Folgen dieser Verletzung ihm gesundheitlich schwer zugesetzt und ihm und seiner Frau manche Lasten auferlegt haben, hat er die Studiengemeinschaft bis zuletzt mit Rat und Fürbitte treu begleitet. Jetzt ist er erlöst und darf schauen, was er geglaubt und vielerorts bezeugt hat. Wir danken unserem himmlischen Vater, daß wir Theodor Ellinger so lange haben durften, und wir freuen uns auf das Wiedersehen mit ihm.

Für den Leitungskreis der Studiengemeinschaft:
Prof. Dr. Siegfried Scherer, Vorsitzender


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Buchbesprechung von Michael Fritz

Reinhard Haupt, Werner Lachmann, Stephan Schmitz (Hg.): Gewinnen durch Gewissen? Christliche Prägungen und wirtschaftliche Nachhaltigkeit. Hänssler-Verlag, Holzgerlingen, 2004. Tb., 176 S., 10 Abb.

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Es ist inzwischen gute Tradition, daß die Tagung der Wort und Wissen-Fachgruppe Wirtschaft in einer Publikation dokumentiert wird. Als Produkt der Fachtagung Ende 2002 liegt nun ein interessantes und thematisch vielseitiges Buch vor, das im Hänssler-Verlag erschienen ist.

Gewinnen durch Gewissen? Die Assoziation mit kurzfristigen Gewinnchancen durch ethisch gutes Verhalten wäre falsch. Vielmehr zeigen die Autoren aus verschiedenen Perspektiven, daß christliche Prägungen das Verhalten von Menschen so beeinflussen, daß insbesondere volkswirtschaftlich nachhaltiger Nutzen geschaffen wird. Zu beachten ist dabei, daß die Motivation für ethisch gutes Verhalten nicht etwa aus der Nutzenerwartung, sondern aus dem christlichen Verantwortungsbewußtsein gegenüber Gott und dem Nächsten resultiert.

Friedrich Hanssmann zeigt in seinem betriebswirtschaftlichen Beitrag „Humanisierung des Managements“ sehr konkrete Ansatzpunkte für ein christlich orientiertes Management-Verhalten auf. Er spricht dabei nicht nur typische Konfliktsituationen aus Sicht des Managements an, sondern gibt auch Instrumente – z. B. die sog. Trade-Off-Analyse – an die Hand, die eine ethisch ausgewogene Entscheidungsfindung unterstützen.

Helmut de Craigher und Heinz Trauboth belegen in ihren Beiträgen „Die Max-Weber-These im 21. Jahrundert: Die Arbeit meiner Hände hat Gott angesehen“ und „Zukunftsinnovationen oder Lifestylekult? Christliche Technikgeschichte als Orientierung für heute“ sehr anschaulich in der Historie, wie sich christlich geprägtes Verhalten langfristig auch volkswirtschaftlich positiv auswirkt. Gleichzeitig machen sie deutlich, daß dort, wo eine Volkswirtschaft ihre christlichen Wurzeln vergißt und christliche Prägungen verlorengehen, die Gefahr der Perver-sion der Gesellschaft durch eine übertriebene Orientierung am kurzfristigen Nutzen des Einzelnen besteht.

Matthias Vollbracht macht in seinem Beitrag „Von Nieten und Helden: das Medienbild von Managern und Unternehmern“ deutlich, daß die Kurzfristigkeit im Denken sehr stark durch die Medien gefördert wird. Hier gilt es wachsam zu sein und als Christ selbst Vorbild für langfristiges, nicht an der Tagesmeinung zur eigenen Person bzw. zum aktuellen Erfolg oder Mißerfolg orientiertes Denken zu sein.

Der Beitrag von Stephan Schmitz „Erfolgsfaktor Religion: Wirtschaftlich stabil durch christliches Profil? Zusammenfassung einer Podiumsdiskussion“ beleuchtet u. a. die christliche Verantwortung für das System der Sozialen Marktwirtschaft. Christliche Prägungen sind nicht nur wesentliche Merkmale der Sozialen Marktwirtschaft, Christen haben auch die Aufgabe, der Sozialen Marktwirtschaft immer wieder ihren Stempel aufzudrücken, d. h. den Wettbewerb zu fördern, Eigenverantwortlichkeit zu stärken, Vertrauen aufzubauen und für soziale Abfederung von Härten zu sorgen.

Insgesamt wandelt die Lektüre des Buches das Fragezeichen hinter „Gewinnen durch Gewissen“ in ein Ausrufezeichen um, vorausgesetzt, ein Unternehmen oder auch eine ganze Gesellschaft bringen den langen Atem mit, ein nachhaltig stabiles Wirtschaften als Maßstab des Erfolgs zu akzeptieren.


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Buchbesprechung von Franz Egli-Arm

Larry Vardiman, Andrew A. Snelling, Eugene F. Chaffin (Hg.): Radioisotope und das Alter der Erde. Aus dem Englischen übersetzt von Th. Fritzsche. Hänssler-Verlag Holzgerlingen, 308 S. DIN A 4, 73 Abb., 18 Tab.

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Abgesehen vom zentralen Thema „Schöpfung – Evolution“ hat kaum ein anderes Thema der biblisch orientierten Schöpfungsforschung die Gemüter von Forschern beider Seiten, Befürwortern wie Kritikern biblisch begründeter Wissenschaft, so stark bewegt wie die Fragen um erdgeschichtliche Altersbestimmungen. Wer die Auseinandersetzung in Amerika zwischen Schulwissenschaft und Kreationismus etwas verfolgt hat, kann erkennen, daß sie mit harten Bandagen geführt wird, manchmal, mindestens in den Augen von uns Europäern, zu hart, zu polemisch – leider oft auch auf kreationistischer Seite. In Europa regt sich der Widerstand gegen eine Schöpfungsforschung, wie sie z.B. Wort und Wissen betreibt, erst seit kurzem, dafür aber massiv (s. z.B. Info 2/04 - Nr. 67/Juni 2004).

Zum hier vorgestellten Buch haben sechs Autoren fachlich beigetragen. Sie gehören allesamt dem amerikanischen Kreationisten-Kreis um die christliche Vereinigung CRS („Creation Research Society“) und die kalifornische Ausbildungs- und Forschungsstätte ICR („Institute for Creation Research“) an. Vor Erscheinen des Buches beschränkte sich der amerikanisch-kreationistische Beitrag zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen auf diesem Gebiet vor allem auf die Kritik der einzelnen Datierungsmethoden. In der schulwissenschaftlichen Fachliteratur wurde nach Unstimmigkeiten in den Methoden oder den Datierungen selber gesucht. Aus den Ergebnisse wurde – je nach persönlicher Vorsicht im Urteil – geschlossen, daß die erdgeschichtliche Altersdatierung nach Art der Schulwissenschaft sehr problematisch oder gar inakzeptabel sei. Eine gründliche Gesamtschau der zugänglichen Daten und Interpretationen sowie ein koordiniertes Programm für zukünftige eigene Forschungen waren jedoch nicht vorhanden. Das Buch füllt nun diese Lücke teilweise.

Die sechs Autoren bilden zusammen die RATE-Gruppe („Radioisotopes and the Age of The Earth“), die sich zum Ziel gesetzt hat, durch eigene Forschungsarbeit Fragestellungen zu untersuchen, die die Schulwissenschaft weitgehend ignoriert. Entsprechende Projekte werden im umfangreichen Anhang des Buches vorgestellt.

Sehr positiv ist den Autoren anzurechnen, daß sie die grundsätzlichen Konzepte der Isotopengeologie anerkennen (Beurteilung der Herkunft von Gesteinskomponenten anhand der isotopischen Zusammensetzung). Zwei Kapitel setzen sich mit Erkenntnissen auf diesem Gebiet auseinander. Auch daß während der Erdgeschichte viel radioaktiver Zerfall in den Gesteinen stattfand, wird ausdrücklich akzeptiert – ein Wandel in der Beurteilung schulwissenschaftlicher Erkenntnisse, der längst fällig erschien. Das hohe Ausmaß an Zerstörungsspuren, das der Alpha-Zerfall und der spontane Kernzerfall im Kristallgitter bestimmter Minerale hinterlassen haben, ist nur eines, aber das wichtigste Argument, das die Autoren zu diesem Umdenken veranlaßt hat. Der Beurteilungswandel hat natürlich Folgen: Ohne Annahme einer massiv erhöhten Zerfallsrate in gewissen Phasen der Erdgeschichte könnte ein Erdalter von 10 000 Jahren, wie es die meisten Autoren vertreten, nicht mehr aufrecht erhalten werden.

Der Hauptteil des Buches befaßt sich einerseits mit den schulwissenschaftlichen Modellen der Geodynamik, der Geochemie und darüber hinaus auch der Teilchenphysik, soweit sie mögliche Mechanismen des beschleunigten Kernzerfalls betrifft, anderseits mit Methodenkritik, die aber, im Gegensatz zur früheren Vorgehensweise, praktisch den gesamten Bereich heutiger, auf Kernzerfall beruhender Datierungsmethoden beleuchtet (mit Ausnahme der Kurzzeitmethoden wie 14C).

Die einzelnen Kapitel des Hauptteils sind dem Thema entsprechend gründlich recherchiert. Dies drückt sich auch in den umfangreichen Literaturlisten aus. Dabei ist positiv zu erwähnen, daß der Hauptanteil der Literaturreferenzen nicht aus dem kreationistischen Lager stammt, also nicht schon tendenziell vorgefiltert ist. Es lassen sich auch gute Ansätze für die in schulwissenschaftlichen Grundlagenpapieren üblichen Diskussionen ausmachen. In solchen Diskussionen werden in einer Art „Selbstgespräch“ unterschiedliche eigene oder von andern Autoren entwickelte Deutungen, Hypothesen oder gar Theorien, die zur Einordnung der Daten in bestehende oder noch auszuarbeitende Modelle dienen könnten, gegeneinander abgewogen. Diese für amerikanische Kreationisten bis dato eher unübliche Wissenschaftlichkeit kommt jener, die von Wort und Wissen angestrebt wird, recht nahe. Trotz der Mängel, die weiter unten beschrieben werden, hielten es die Verantwortlichen von WORT UND WISSEN deshalb für gerechtfertigt, eine deutsche Übersetzung herauszugeben.

Die Autoren verstehen ihr Buch als eine Arbeitsgrundlage. Sie stellen keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Offen oder implizit wird z.B. in mehreren Kapiteln behauptet, daß die schulwissenschaftlichen Autoren Meßergebnisse, die nicht-konkor-dante Datierungen ergäben, unterdrücken, also nicht durch entsprechende Veröffentlichungen für die Allgemeinheit zugänglich machen würden („File-Drawer“-Problem). Keiner der Autoren befaßt sich aber ausführlicher damit, und keines der vorgestellten Projekte ist dazu ausersehen, diesem schwerwiegenden Vorwurf auf den Grund zu gehen.

Ein zweiter Problemkreis, der nicht zur Sprache kommt, ist der Zusammenhang mit den nicht auf Kernzerfall beruhenden Datierungsmethoden. Die angestrebte alternative Interpretation der Meßdaten, z.B. mittels beschleunigtem Kernzerfall, hat nur dann einen Sinn, wenn auch für die Ergebnisse dieser unabhängigen Datierungsmethoden (z.B. Dendro-, Warven-, Eisschichtenchronologie, in den Sedimenten eingeprägte astronomisch bedingte Klimaschwankungen) alternative Erklärungen gefunden werden können.

Eine weitere gewichtige Schwäche besteht im Umgang mit der Bibel. Die spezielle Art, Bibelstellen zu zitieren und zu interpretieren, mutet uns Christen im deutschsprachigen Raum teilweise befremdlich an. Zudem scheint es innerhalb des RATE-Autorenkreises praktisch keinen Interpretationsspielraum zu geben. Der Umgang mit der biblischen Urgeschichte, wie er beim amerikanischen ICR erkennbar ist, unterscheidet sich wesentlich von jenem von WORT UND WISSEN, auch wenn beide, ICR und WORT UND WISSEN, ähnliche Vorstellungen bezüglich zeitlicher Intervalle zwischen biblisch bezeugten Ereignissen vertreten. Erfreulicherweise soll eines der Zukunftsprojekte sich mit dem Thema Bibelinterpretation im Zusammenhang mit dem Erd-alter befassen.

Gesamthaft betrachtet bietet das Buch interessierten Leser/-innen eine fundierte Einsicht in die Problematik, biblische Urgeschichte mit Meßdaten der wissenschaftlichen Forschung in Einklang zu bringen sowie alternative Modelle zu deren Interpretation aufzustellen und zu festigen. Da in deutscher Sprache sonst nichts Vergleichbares existiert, schließt das Buch auch hier eine Lücke. Die Anforderungen an das Fachwissen der Leserschaft sind je nach Kapitel verschieden. Das Buch ist sicher kein Grundlagenwerk, das den Einstieg in die heute gängigen radiometrischen Datierungsmethoden gewährleistet. Somit sind gewisse Vorkenntnisse auf dem Gebiet der Isotopendatierungen von Vorteil. Immerhin können Leser/-innen, die mit der Fachsprache wenig vertraut sind, auf ein ausführliches Glossar zurückgreifen.


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Filmbesprechung von Siegfried Scherer

Eine Filmdokumentation von Fritz Poppenberg, 2004. Dreilindenfilm auf VHS und DVD, 50 Min.

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Der Filmemacher Fritz Poppenberg hat einen neuen evolutionskritischen Film, diesmal zur Evolution des Menschen, vorgelegt. Das ist ungewöhnlich in einer Medienlandschaft, welche Evolutionskritiker – sofern diese überhaupt beachtet werden – auf bemerkenswert unsachliche, kenntnisarme und professionelle Weise mit Spott und Häme überzieht. Im Bonus-Material der DVD wird dieser traurige Sachverhalt anhand eines entsprechenden ZEIT-Artikels belegt. Es ist mutig und anerkennenswert, daß sich Fritz Poppenberg mit seinem Film derart pointiert außerhalb der politisch korrekten Meinung unserer Medienwelt stellt. Als Selbständiger weiß er genau, daß damit auch ein Risiko verbunden ist – schon deshalb wünsche ich dem Werk auch wirtschaftlichen Erfolg.

Aus dem Film geht das persönliche Engagement des Regisseurs hervor – er nimmt den Zuschauer mit hinein in seine eigene Entdeckungsreise. Der Film beginnt mit einem spannenden Bericht über die nahezu vergessenen Experimente sowjetischer Wissenschaftler, die unter dem Eindruck der Darwinschen Evolutionslehre Kreuzungen zwischen Schimpansen und Menschen erzeugen wollten. Ausführlich wird berichtet, mit welchen Schwierigkeiten das Filmteam bei seinen Recherchen in Afrika konfrontiert wurde und es wird deutlich, daß solche Versuche aus biologischen Gründen zum Scheitern verurteilt sind: Menschen und afrikanische Großaffen sind in ihren Grundbauplänen zu unterschiedlich.

Im zweiten Teil stellt der Film wichtige paläontologische Funde zur Fossilgeschichte des Menschen vor. Es handelt sich um einen Hauptteil des Werkes, er ist insgesamt hervorragend gelungen. Man darf Poppenberg gratulieren, er hat komplizierte Sachverhalte durch sehr gut geschnittene Interviews, Schädelaufnahmen und Filmsequenzen spannend und klar präsentiert. Der programmatische Untertitel des Werkes „Die Evolutionstheorie kann die Herkunft des Menschen nicht erklären“ wird hier überzeugend anhand paläontologischer Daten erläutert. Dieser Teil hätte m.E. etwas ausführlicher ausfallen dürfen. Die Grafik der Hirnvolumina von Affen, Menschen und vermuteten Übergangsgliedern greift beispielsweise zu kurz, es ist wichtig, dazu die Abhängigkeit des Hirnvolumens vom Körpergewicht darzustellen, auch wenn der Unterschied zwischen Affe und Mensch dann nicht mehr so prägnant ist.

Dann wechselt der Film die Thematik in seinen dritten Teil. Es geht um die genetische Ähnlichkeit von Menschen und Menschenaffen sowie um die umstrittene Wirkung von Mutationen. Die moderne Biologie hat dazu eine gewaltige Fülle von Daten erarbeitet. Nach meiner Meinung wäre neben den evolutionskritischen Ausführungen aber auch eine kurze Würdigung der Argumente für Evolution angemessen gewesen, die man aus den verfügbaren Daten ableiten kann. Der Film endet mit einem kurzen Überblick über die „Intelligent Design“-Idee, die das Leben – im Gegensatz zur Evolutionsanschauung – auf dem Hintergrund des Planungs-Aspektes einer überlegenen Intelligenz versteht.

Als ich die DVD abspielte, gewann – neben vielen positiven Eindrücken – eine Befürchtung jedoch immer mehr an Gestalt. Würde der Zuschauer nicht einen zu einseitigen Eindruck gewinnen, wenn grausame Kreuzungsversuche, eine plumpe Fossilfälschung (Piltdown) und Fehlinterpretationen (Rama-pithecus, Neandertaler) zu stark im Mittelpunkt stehen? Würde beim Laien am Ende der diffuse Eindruck bleiben, Evolutionsbiologen seien allesamt Fälscher, Wissenschaftszensoren oder gar inhumane Gestalten, die verwerfliche Experimente mit Afrikanerinnen und Schimpansen auf dem Gewissen hätten? Es wäre schade, sehr schade, wenn der Film so wirken würde. Ethische Entgleisungen und Fehlinterpretationen sollen weder verschwiegen noch beschönigt werden, und die im Film genannten Beispiele sind im übrigen keineswegs erschöpfend. Solche traurigen Geschehnisse werden zurecht ihren Platz in der Geschichte der Biologie behalten (als Christ sehe ich mich leider veranlaßt, in diesem Zusammenhang auch an die notvolle Geschichte der christlichen Kirchen zu erinnern). Doch hätte man dem Zuschauer nach meiner Meinung sagen müssen, daß die Mehrheit heutiger, experimentell arbeitender Evolutionsbiologen methodisch saubere und ethisch einwandfreie Arbeit leistet, durch die bedeutende wissenschaftliche Daten erhoben wurden und werden. Auch der Evolutionskritiker darf solche Leistungen anerkennen. Das schmälert die wissenschaftlichen Gegenargumente keineswegs, könnte aber zur dringend notwendigen Versachlichung der Diskussion beitragen. Ob die nachgeordnete evolutionäre Deutung der erhobenen Daten letztlich stichhaltig ist oder nicht, von welchen persönlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sie beeinflußt wird, und welche Daten auf welche Weise gewichtet werden, das steht dann zur Diskussion (wer unter uns Biologen wäre nicht von seinen subjektiven weltanschaulichen Grundüberzeugungen beeinflußt, wenn er wissenschaftliche Daten in den Rahmen von Ursprungsmodellen stellt?).

Poppenbergs Film ist professionell produziert, technisch und didaktisch hervorragend aufgebaut und einfach spannend gemacht. Auch für den Laien ist er gut verständlich. So sehr ich also einerseits diesen Film begrüße und die Initiative von Fritz Poppenberg schätze, bleibt doch andererseits auch meine Befürchtung, es sei nicht alles gesagt worden, was notwendig und hilfreich gewesen wäre.

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Das Wort und Wissen Info 3/2003 (Nr. 64; Oktober 2003)

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Letzte Änderung: 13.11.2010
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