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Informationen aus der Studiengemeinschaft
WORT und WISSEN

Info 4/06 - Nr. 77/November 2006




„Lieber eine schlechte Presse als gar keine!“ Diesen bekannten Satz haben wir in den letzten beiden Jahren angesichts des Medienrummels um Schöpfung und Evolution öfter gehört. Er mag in der Regel zutreffen. Gilt er aber auch für die Arbeit der Studiengemeinschaft Wort und Wissen? Nützt es uns, mittlerweile wesentlich bekannter geworden zu sein? Hilft es weiter, wenn das von uns herausgegebene kritische Lehrbuch sehr viel öfter in Öffentlichkeit beim Namen genannt wird als früher?

Vordergründig kaum. Wir kennen leider viele Beispiele dafür, dass die zum Teil massive Anti-Propaganda unsere Zeitgenossen davon abhält, sich überhaupt mit uns zu beschäftigen. Man hat zwar von uns gehört, aber in einer so negativen Weise, dass eine eventuell aufkeimende Bereitschaft, sich zu informieren, im Keim erstickt wird. Oder würden Sie ein Buch kaufen wollen, das in einer als seriös geltenden Zeitung als „kruder Mix aus gefälschten Fakten und Spekulationen“ bezeichnet wird? Nachdem unser Lehrbuch im November 2005 durch „Frontal 21“ im ZDF einem größeren Fernsehpublikum in entstellter Weise präsentiert worden war, gab es keine Zunahme an Bestellungen. Auch sonst ist die für uns messbare Resonanz zwar etwas gestiegen, aber nur in recht bescheidenem Maß. Lediglich die am 19. 9. vom „Arte“ ausgestrahlte 45-Minuten-Sendung „Von Göttern und Designern“ hatte eine vergleichsweise deutliche positive Resonanz zur Folge.

Doch dies sind nur vordergründige Dinge. Auf der anderen Seite ist es nämlich ein großer Erfolg, dass durch die Medienkampagne das Thema „Schöpfung“ in die breite Öffentlichkeit vorgedrungen ist – und das ohne Medienarbeit unsererseits! Sehen wir hier das Wirken Gottes? Außerdem werden zunehmend die Motive der Gegner offenbar. Viele Zeitgenossen haben dies in Leserbriefen kundgetan, auch solche, die unserer Arbeit nicht nahe stehen. Nein, es geht im Kern nicht um objektive Wissenschaft (so wichtig diese ist!), sondern um eine weltanschauliche Auseinandersetzung zwischen Naturalismus (wonach die Natur die ganze Wirklichkeit umfasst) und dem biblischen Schöpfungsglauben, in dessen Zentrum Jesus Christus steht. Dafür gibt es viele Belege, und auch die zahlreichen pauschalen und unbegründeten Abqualifizierungen unserer Arbeit zeugen letztlich von diesem Sachverhalt.

Ein weiterer Gedanke, und wohl der wichtigste: Es ist nicht Gottes Art, mit großem Getöse in der Öffentlichkeit aufzutrumpfen. ER zieht es meist vor, im Unscheinbaren zu wirken. So lernen wir es in der Heiligen Schrift. Das Kommen Jesu ist das beste Beispiel dafür. Er kam schwach, missverstehbar und handelte ohne Druckmittel und ohne Propaganda. Und doch sehr wirkungsvoll, denn sein Wort hat Kraft. Im Blick auf Ihn und Seine Art möchten wir uns gerne weiterhin einsetzen für die Wahrheit Seines Wortes.

In diesem Sinne grüßen wir Sie herzlich,
Ihre Mitarbeiter der Studiengemeinschaft Wort und Wissen


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Einige zusammenfassende Gedanken – von Manfred Stephan

Verleumderische Medienkampagne. Die Studiengemeinschaft WORT UND WISSEN erlebt zur Zeit erheblichen Gegenwind aus den Medien. Es wird uns unterstellt, die Errungenschaften der Aufklärung rückgängig machen zu wollen mit dem Ziel, die Gesellschaft in die Unfreiheit des Mittelalters zurückzuführen.1 Einer christlichen Privatschule in Gießen wurde in dieser Medienkampagne u.a. vorgeworfen, das von der Studiengemeinschaft herausgegebene Werk Evolution – ein kritisches Lehrbuch2 zu verwenden. Die Gießener Jungsozialisten (Jusos) meinten hier aufklärend wirken zu müssen und verteilten am Eingang zum Pausenhof der Schule das Reclam-Bändchen mit Beiträgen zum Thema „Was ist Aufklärung?“3 (so geschehen am 30. 10.4 ). Es enthält u.a. Texte von Kant, Hamann,5 Herder, Lessing, Mendelssohn und Schiller. Damit sollte wohl suggeriert werden, Aufklärung führe direkt zur Evolutionslehre.

Aufklärung, Vernunft und Evolution. Aber so einfach liegen die Dinge nicht. Der berühmte, in der obigen Aufsatzsammlung zu Wort kommende Philosoph Immanuel Kant fragte 1785 im Anschluss an einige Vorgänger6 , ob die Lebensformen einst „alle aus einer einzigen Originalgattung … entsprungen wären“. Doch das bereitete Kant Schwierigkeiten: „Ihm stand dabei nicht mehr die Bibel im Weg, sondern die Vernunft.“ Deshalb „erklärt er diesen Gedanken damals für so ‚ungeheuer’, dass ‚die Vernunft [davor] zurückbebt’“.7 Vernunft war bekanntlich ein Hauptbegriff der Aufklärung. Hier zeigt sich exemplarisch: Was man als vernünftig ansieht, ist kultur- und zeitabhängig. Etwas, das zu einer bestimmten Zeit der Vernunft entspricht, gilt einer anderen Epoche (oder einem anderen Zeitgeist) als unvernünftig.

Wie arbeiten wir bei WORT UND WISSEN? Der Beitrag von Kant in der genannten Reclam-Sammlung beginnt mit dem viel zitierten Satz: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“.8 Versuchen wir das für die hier diskutierte Situation zu aktualisieren. Die Überzeugung einer kosmischen und biologischen Evolution ist (nicht nur) in der akademischen Welt tief verankert. Ob das fachlich berechtigt ist, wird bezüglich der Evolution des Lebens z.B. in dem o.g. Lehrbuch (1) kritisch auf wissenschaftlicher Ebene diskutiert. Dort wie in anderen Veröffentlichungen sagen wir aber auch offen und deutlich vom ersten Punkt unterschieden, (2) wo wir weltanschauliche Aussagen machen, und (3) wo sich unseren Positionen auf der Wissenschaftsebene (bisher) ungelöste Probleme in den Weg stellen.9

Schuld an eigener Unmündigkeit. Trotzdem erleben wir – von erfreulichen Ausnahmen abgesehen10 – ganz überwiegend weder eine sachliche noch eine fachliche Auseinandersetzung mit unseren Auffassungen, sondern oft billige Polemik. Wer das genannte Lehrbuch auch nur flüchtig gelesen hat und es z.B. mit den Diffamierungen vergleicht, die in mehreren Fernsehsendungen gegen uns und das Buch erhoben wurden11 , kann sich eigentlich nur verwundert die Augen reiben und fragen: Meinen die wirklich uns? Man gewinnt den Eindruck: Hier greift eine bestimmte Art der von Kant beklagten selbstverschuldeten Unmündigkeit um sich, die sich strikt weigert, eine von der eigenen abweichende Position auch nur zur Kenntnis zu nehmen. Stattdessen sind viele von Vorurteilen und zum Teil von Ängsten gelenkt (s.u.). Also ist hier unbedingt Aufklärung nötig – und die ist leicht zu haben: Indem zahlreiche Medienvertreter und leider auch ein Teil der Wissenschaftler sich nicht länger unaufgeklärt verhalten, sondern unsere Veröffentlichungen lesen – selbstverständlich kritisch, aber vorurteilsfrei (!) – sine ira et studio (ohne Hass und Eifer).

Sind wir eine Gefahr für die demokratische Gesellschaft? Auch bei einer solchen Unterstellung kann man sich angesichts der Unkenntnis vieler Medienvertreter und selbst von Wissenschaftlern nur wundern. Weiß man heute wirklich kaum (noch) etwas über unsere kirchengeschichtliche Herkunft (und damit über einen Teil der abendländischen Kultur)? Welchen Hintergrund haben Christen, die auch heute der ganzen Bibel vertrauen wollen? Wir sind doch nicht vor kurzer Zeit plötzlich vom Himmel gefallen. – Die meisten Freunde von WORT UND WISSEN kommen aus Kirchen, Freikirchen, freien Gemeinden und Gemeinschaften, die direkt oder indirekt auf die Reformation zurückgeführt werden können. Für sie ist das Bekenntnis grundlegend, mit dem sich Martin Luther 1521 vor dem Reichstag zu Worms verteidigte: „…so bin ich durch die Stellen der Heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Wort Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider [gegen] das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist.“12 Lange vor der Aufklärung wird hier die Glaubens- und Gewissensfreiheit eingefordert. Als weiteres Beispiel sei der Aufruf zur Toleranz an den Straßburger Rat des täuferischen Christen Leupolt Scharnschlager aus dem Jahr 1534 angeführt. Er schrieb an die Ratsherren der freien Reichsstadt, wenn sie für sich auf Religions- und Gewissensfreiheit pochen, müssen sie auch ihm Glaubens- und Gewissensfreiheit gewähren.13

Gewaltfreie Nachfolge Jesu. Die Forderung nach Glaubens- und Gewissensfreiheit gibt es also nicht erst seit der Aufklärung, und die Studiengemeinschaft WORT UND WISSEN vertritt sie ebenso. Unser Vertrauen in die Wahrheit der ganzen Heiligen Schrift ist ein freiwilliger Glaubensschritt im Rahmen der Nachfolge Jesu. Gemäß seinem Gebot laden wir alle Menschen zum Glauben an Jesus Christus ein, wozu das Vertrauen in die Wahrheit der Bibel gehört. Dabei lehnen wir jeden Zwang entschieden ab, auch und gerade im gesellschaftlich-politischen Umfeld. Denn wir sind keine zu Unfreiheit tendierenden Fundamentalisten14 , sondern als Christen der Bergpredigt verpflichtete Nachfolger Jesu.

Anmerkungen

1 Belege für solche Unterstellungen findet man leicht in unseren Beiträgen unter der Rubrik PRESSE auf der Internet-Homepage der Studiengemeinschaft: www.wort-und-wissen.de/presse.html oder bei www.genesisnet.info
2 R. JUNKER & S. SCHERER: Evolution – Ein kritisches Lehrbuch. 6. Aufl., Gießen 2006.
3 Was ist Aufklärung? Thesen und Definitionen, Hg. E. BAHR, Universal-Bibliothek Nr. 9714, Stuttgart 1974 (später Nachdrucke), 85 Seiten.
4 Gießener Anzeiger vom 30.10.2006.
5 J.G. Hamann (1730-1788) war Freund und Gegner Kants, bibelgläubiger Christ und umfassend gebildet, schrieb aber nicht leicht verständlich. In seinem Beitrag nimmt er als „einer der beredtesten Wortführer gegen die Aufklärung“ Stellung (Anm. 3, S. 17). Ob die genannten Verteiler des Bändchens dieses „Trojanische Pferd“ bemerkt haben?
6 Beispiele solcher Vorläufer z.B. bei JUNKER & SCHERER (Anm. 2), 21/22.
7 H. HÖLDER: Kurze Geschichte der Geologie und Paläontologie, Berlin 1989, S. 170; H. HÖLDER: Die Entwicklung der Paläontologie im 19. Jahrhundert. In: W. TREUE & K. MAUEL (Hg.): Naturwissenschaft, Technik und Wirtschaft im 19. Jahrhundert, Göttingen 1976, S. 108 (hier mit Zufügung in eckiger Klammer).
8 I. KANT: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (1783; hier Anm. 3), S. 9.
9 Unter anderem darin und im Verzicht auf Polemik möchte sich die SG WORT UND WISSEN von bestimmten kreationistischen Organisationen unterscheiden.
10 Vgl. z.B. unter www.wort-und-wissen.de/lehrbuch/main.html. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch der am 4. 10. 2006 in der FAZ veröffentlichte Artikel „Das verschleierte Weltbild zu Kassel“ von Patrick Bahners, in welchem einigen Evolutionsbiologen Dogmatismus vorgehalten wird. Mittlerweile hat sich sogar die „ZEIT“ (9. 11. 06) ebenfalls in diesem Sinne geäußert.
11 Belege dafür und unsere Auseinandersetzung damit sowie die Darstellung unserer Position zu Schule und Gesellschaft unter den o.g. Internet-Adressen (Anm. 1 und 10).
12 Zitiert nach W. v. LOEWENICH: Die Geschichte der Kirche, Bd. II, Siebenstern-TB 10, 3. Aufl., München-Hamburg 1969, S. 26/29 (eckige Klammer zugefügt). – Der Einwand, dass es auch Verfolgungen Anders- und Ungläubiger durch Staatskirchen gegeben habe, trifft natürlich zu. Bedauerlicherweise wurde hier gegen die eigenen Prinzipien verstoßen. – Ähnliches gilt von der Aufklärung, die nicht nur demokratische Bewegungen stark beeinflusste (USA; Europa). Vielmehr sahen sich auch überaus gewalttätige Bewegungen (französische Revolution) und Diktaturen (russische Revolution samt politischen Nachfolgebewegungen im 20. Jahrhundert) in der Tradition der Aufklärung, u.a. über die philosophisch-politische Linie Aufklärung – Idealismus – Junghegelianer – Kommunismus. Zu dieser hier grob umrissenen Reihe z.B. W. LÜTGERT: Die Religion des deutschen Idealismus und ihr Ende, Bd. III, Gütersloh 1926, bes. S. 196-228. 419-450; W. THEIMER: Der Marxismus, Dalp-TB 328D, 4. Aufl., Bern-München 1963, 28-42.
13 Text bei H. FAST (Hg.): Der linke Flügel der Reformation. Klassiker des Protestantismus, Bd. IV, Bremen 1962, S. 119-130. – Zur freikirchlichen Geschichte der Glaubens- und Gewissensfreiheit z.B. E. GELDBACH: Freikirchen – Erbe, Gestalt und Wirkung. Göttingen 1989, S. 45-84.
14 Vgl. E.J. SCHNABEL: Sind Evangelikale Fundamentalisten? Wuppertal-Zürich 1995; H. JAEGER & J. PLETSCH (Hg.): Fundamentalismus – sind bibeltreue Christen Fundamentalisten? Dillenburg-Wetzlar 2003.

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Lesenswerte Darstellung des „Intelligent Design“-Ansatzes

Wer sich für das Thema „Intelligent Design“ interessiert, dem kann dieses gut durchdachte und inhaltsreiche Buch von Markus Rammerstorfer nur wärmstens empfohlen werden. Der Autor hat schon seit Jahren durch seine Internetpräsentation www.intelligentdesign. de.vu gezeigt, dass er mit der behandelten Materie bestens vertraut ist. Mit diesem Buch präsentiert er nun einen klar aufgebauten Überblick über den Ansatz „Intelligent Design“ (ID) und die damit verbundenen strittigen Fragen.

Zweimal Ordnung: Die Sandrippeln sind zwar formschön, jedoch nur Folge von Strömungsgesetzen. Im Unterschied dazu besitzt die Qualle als lebender Organismus eine ganz andere Qualität von Ordnung: Sie nutzt Gesetzmäßigkeiten aus statt ihnen nur ausgeliefert zu sein, kann auch gegen den Strom schwimmen und besitzt eine zielgerichtete Ordnung. Dieser Unterschied hat fundamentale Folgen für das Verständnis des Lebens, wie Markus Rammerstorfer in seinem Buch überzeugend herausarbeitet. (Foto: Peter Imming)

Kernstück des Buches ist eine Auseinandersetzung mit drei Argumentationslinien, die gegen den Ansatz des „Intelligent Design“ gerichtet werden: 1. Seit Darwin habe man einen Mechanismus gefunden, der einen Anschein auf Planung produziere, wie er sich einem in der belebten Welt aufdrängt. 2. Es gebe Konstruktionsfehler, die keinem Planer unterlaufen wären. 3. Die ganze Debatte habe a priori in der Wissenschaft nichts zu suchen. Mit diesen Einwänden befasst sich Rammerstorfer ausführlich und weist überzeugend nach, dass alle drei Argumentationslinien gegen Planung nicht ausreichend stark sind, um den ID-Ansatz von der Wissenschaftsbühne zu entfernen.

Das Buch vermittelt dem Leser wirkungsvolle Argumente, mit denen die zahlreichen oft undurchdachten und haltlosen Einwände gegen den „Intelligent Design“-Ansatz abgewiesen werden können. Darüber hinaus ist das Buch eine Fundgrube aussagekräftiger Zitate rund ums Thema „Design“ und vermittelt viele anregende Gedanken. Für alle, die sich mit diesem Thema beschäftigen, ist die Lektüre daher eindeutig ein „Muss“. Aber auch für Leser, die diesen Ansatz bisher nicht oder nur am Rande kannten, bietet Rammerstorfers Buch eine kurzweilige und informative Einführung in eine spannende und brandaktuelle Thematik.

Bestellhinweis

Markus Rammerstorfer: Nur eine Illusion? Biologie und Design.
Marburg: Tectum-Verlag, 2006
Pb., 152 S., 8 Abb.

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Wie bereits berichtet erschien im Herbst 2006 die 6. Auflage von „Evolution – ein kritisches Lehrbuch“. Angesichts zahlreicher unwahrer Behauptungen in Interviews und Pressetexten (s. u.) werden an dieser Stelle einige Richtigstellungen und Informationen über dieses Buch gegeben.

Besonderheiten des Buches. Dieses Buch stellt einerseits die wichtigsten Inhalte der Evolutionstheorie und ihrer Teilhypothesen dar. Der Bogen spannt sich von der Entstehung des Lebens bis zur Abstammung der Menschheit. Darüber hinaus werden im letzten Teil des Buches sowie in kurzen Textkästen Hinweise auf die Möglichkeit der Deutung biologischer Daten im Rahmen von Schöpfungsanschauungen gegeben.

Dem Untertitel „kritisch“ (= „unterscheidend“) entsprechend werden folgende Unterscheidungen vorgenommen:

  • Eine saubere Trennung von Daten, Interpretationen und weltanschaulichen Grenzüberschreitungen. Die in der Presse öfter vorgebrachte Behauptung, dass in diesem Buch Wissen und Glauben vermischt würden, stellt die jedem Leser sofort ersichtlichen Tatsachen auf den Kopf. In Wirklichkeit sind die Ausführungen, die über naturwissenschaftliche Aspekte hinausgehen, sogar optisch klar abgesetzt. Sie stellen zudem nur einen sehr kleinen Teil des Buches dar.
  • Trennung von Mikroevolution und Makroevolution. Evolvierbarkeit im Sinne von Anpassungs- und Spezialisierungsvorgängen ist eine Grundeigenschaft der Lebewesen. Sie ist vielfach dokumentiert und beruht auf der Existenz von funktionierenden Konstruktionen. Dagegen ist deren erstmalige Entstehung durch die bekannten empirisch nachgewiesenen Variationsprozesse nicht bekannt. Dies wird im Lehrbuch ausführlich begründet.
  • Unterscheidung von möglichen und zwingenden Deutungen. Die Daten, die als gemeinhin als „Beweise“ für eine allgemeine Evolution der Lebewesen gelten (Ähnlichkeiten, fossile Bindeglieder u.v.a.) werden auf ihre Stichhaltigkeit geprüft. Die Autoren haben sich um eine faire Darstellung der Daten bemüht. Es wird gezeigt, dass sie zwar – durchaus nicht immer problemlos – im Sinne von Evolution gedeutet werden können, dass daraus aber keine „Tatsache“ einer allgemeinen Makroevolution abgeleitet werden kann.

Weil das Buch auch dazu geeignet ist, die wichtigsten Argumente pro Evolution kennenzulernen, trägt es den Untertitel Lehrbuch zurecht. In diesem Sinne haben sich viele Leser geäußert, auch solche, welche die sachlichen Schlussfolgerungen der Autoren nicht teilen.

Die wichtigsten Neuerungen der 6. Auflage. Gegenüber der 5. Auflage aus dem Jahr 2001 wurden zahlreiche Abschnitte stark überarbeitet, besonders im Bereich Paläontologie (Zwischenformen-Problematik) und Vergleichende Biologie. Davon betroffen sind unter anderem die Abschnitte über Molekulare Stammbäume, die Endosymbionten-Hypothese, die Entstehung der Vierbeiner, die Entstehung der Vögel und die Evolution der Pferde.

Neu ist ein Kapitel über Entstehung biologischer Information. Gegenüber der letzten Auflage gibt es zusätzliche Abschnitte in den Kapiteln über molekulare Evolutionsmechanismen, über Makroevolution, über neuere Ansatze in der Embryologie sowie über den Ansatz des sog. „Intelligent Design“.

Sachliche Kritik, die die Autoren erreichte, wurde berücksichtigt und trug zur Verbesserung bei. Insbesondere führte die Diskussion über wissenschaftstheoretische Fragen zu einer starken Überarbeitung des 1. Kapitels über Wissenschaftstheorie.

Eine ausführliche Inhaltsübersicht ist unter www.evolutionslehrbuch.info veröffentlicht. Dort finden sich auch das Vorwort und das Literaturverzeichnis. In Inhaltsverzeichnissen der einzelnen Buchteile wird außerdem auf einige weiterführende Texte verlinkt.

Inhaltliche Auseinandersetzung gewünscht. Innerhalb der naturwissenschaftlichen Evolutionstheorie existiert eine lebhafte und kritische Diskussion verschiedener Einzeltheorien, jedoch nur, solange ersichtlich ist, dass die Evolutionstheorie nicht grundsätzlich in Frage gestellt wird. Jede Hypothese oder Theorie, die eine naturwissenschaftlich begründete Geltung beansprucht, muss sich der fachlichen Kritik aber auch dann stellen, wenn diese grundsätzlicher Art ist. Es ist auffällig, dass die Evolutionstheorie an dieser Stelle anscheinend eine Ausnahme darstellt. Dies wird u.a. daran deutlich, dass häufig eine Immunisierung gegen die in diesem Lehrbuch vorgetragene naturwissenschaftliche Kritik an der Makroevolutionslehre in öffentlichen Stellungnahmen erfolgt. Dies geschieht durch pauschale Abqualifizierungen wie „Kreationistenfibel“, „zentrales Propagandainstrument“ und „als Schulbuch getarnte Programmschrift“. Sogar ein „kruder Mix aus gefälschten Fakten und Spekulationen“ wurde dem Buch vorgeworfen (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 8. 10. 2006) – ohne jede Begründung. Mit solchen Äußerungen sollen Leser vermutlich gezielt davon abgehalten werden, sich mit kritischen Sachargumenten gegen Makro-Evolutionstheorien zu beschäftigen. Wir laden dazu ein, sich über die Stichhaltigkeit solcher Abqualifizierungen selber ein Bild zu machen.

Die Autoren erheben keinen Anspruch auf Fehlerfreiheit und bitten ihre Leser ausdrücklich um sachliche Kritik. Nicht nur etablierte naturwissenschaftlichen Theorien, sondern auch die gegen sie erhobenen Einwände müssen sich der Kritik stellen. Die Internet-Seite www.evolutionslehrbuch.info soll in Zukunft auch dafür genutzt werden, sachliche Leserreaktionen zu diskutieren. (Red.)


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Ein professionell gemachter Film mit eindrucksvollen Bildern aus der Tierwelt. Leicht verständliche Einführung in den Grundgedanken des „Intelligent Design“. Computeranimationen vom Inneren der Zellen demonstrieren die Komplexität der zellulären Maschinen – Einblicke, die für sich sprechen und intuitiv das Wirken eines intelligenten Urhebers nahe legen.

Deutsche Synchronisation des Films „Unlocking the mystery of life“, mit Bonus-Material „Tierwelt auf den Galapagos-Inseln“, „Antworten von Wissenschaftlern auf Fragen zum Darwinismus und zu ‘Intelligent Design’“.

Bestellhinweis

DVD, 58 Minuten plus Bonusmaterial,
Illustra Media Film

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Zu dieser Schlussfolgerung gelangt Michel Brandt in seinem neuen Buch „Wie alt ist die Menschheit?“ Durch seine inhaltlich und sprachlich anspruchsvollen evolutionskritischen Werke zur Entstehung des Menschen ist der Autor bekannt; auch hier legt er ein fachlich qualifiziertes, diesmal aber leicht verständliches Buch vor.

Das Thema wird in zwei Teilen behandelt und erstens gezeigt: Das Bevölkerungswachstum hätte fast immer bei praktisch Null gelegen, wenn die Menschheit tatsächlich – wie allgemein angenommen wird – ca. 2 Millionen Jahre alt wäre. Diese Sicht der Fachwelt ist völlig unwahrscheinlich und hätte zum Aussterben der Menschheit geführt, wie der Autor in einer umfangreichen, gut verständlichen Diskussion zeigt (S. 13-86). Gleichzeitig lernt der Leser erstaunlich viel vom Leben der Altsteinzeitler kennen, ihre Jagdgewohnheiten, ihre Ernährung und Gesundheit.

In der späteren Jungsteinzeit haben Landwirtschaft und komplexer bearbeitete Steinwerkzeuge nichts mit Höherentwicklung zu tun. Beide sind vielmehr aus einer Notlage heraus eingeführt worden: Als die Bevölkerungsdichte höher wurde, nahm gleichzeitig das Großwild wegen Überjagung ab. Da blieb den Menschen nichts anderes übrig, als pflanzliche Nahrungsmittel anzubauen und für die neue Lebensform andere Steingeräte zu entwickeln und zu optimieren.

Im zweiten Teil geht es um die Anzahl der gefundenen Steinwerkzeuge. Der Befund lautet: Es gibt um Größenordnungen zu wenig Werkzeuge, wenn eine lange Menschheitsgeschichte vorausgesetzt wird. Das ist bedeutsam, denn Steinwerkzeuge sind im Gegensatz zu anderen Hinterlassenschaften des Menschen überaus haltbar. Auch hier diskutiert der Autor über viele Seiten herkömmliche Auffassungen im Detail (S. 89-136). Der Vergleich der gefundenen Werkzeugmengen mit dem Werkzeuggebrauch heutiger Wildbeuter lässt nur den Schluss zu: Die Hinterlassenschaften der Altsteinzeit sind um einen etwa vierstelligen Faktor zu niedrig, wenn man das konventionelle Alter der Menschheit voraussetzt (S. 146). Auch dieser Buchteil gibt quasi nebenbei interessante Einblicke in das Leben von Steinzeitkulturen und ihrer Werkzeugfertigung.

Insgesamt kommt der Autor zu der plausiblen Schlussfolgerung: Die steinzeitliche Menschheitsgeschichte dürfte „statt der radiometrisch datierten 2 Millionen Jahre … nur einige Tausend Jahre gedauert haben“ (S. 149).

Heute stehen sehr viele Menschen unter dem Eindruck, die Befunde der historischen Naturwissenschaften (etwa Geologie und Archäologie) würden einheitlich auf große Alter hinweisen. Dieses Buch ist ein gutes Beispiel für eine Forschung, die sich von diesem Eindruck nicht beirren lässt, sondern unabhängig die Befunde prüft. Man wird dem Autor vorhalten, er habe sich nur auf die Bevölkerungsentwicklung und die Anzahl der Steinwerkzeuge konzentriert, aber andere schwierige Fragen beiseite gelassen. Etwa die Geologie der Eiszeit (Pleistozän), denn in den eiszeitlichen Schichten finden sich die altsteinzeitlichen Werkzeuge. Aber dieser Einwand ist unberechtigt. Es ist methodisch angemessen, sich zunächst wie der Autor ausschließlich auf seine Themen zu konzentrieren. Sodann ist es als nächster Schritt statthaft, umgekehrt wie üblich vorzugehen: Man lege z.B. die in diesem Buch vorgestellten Daten zugrunde und frage noch einmal eindringlich: Trifft es überhaupt zu, dass die (sonstigen) Befunde der Eiszeit-Geologie durchweg lange Zeiten belegen? Bereits das Vorkommen der Steinwerkzeuge in eiszeitlichen Flussschottern (wo sie zumeist gefunden werden; z.B. S. 91) ist ein Hinweis auf die Schwächen dieser Annahme: Wenn die Steinwerkzeuge während langer Zeiten auf den trocken gefallenen Schotterebenen der Flüsse hergestellt worden wären, dann sollten sie sehr reichlich in den darüber abgelagerten Schotterkörpern vorkommen – jedoch sind sie in den Schottern viel zu selten. Dieser Befund spricht auch gegen lange Pausen zwischen der Ablagerung der einzelnen Schotterpakete.1 Sie sind ohnehin jeweils das Resultat kurzfristiger Hochflutereignisse.2

Bestellhinweis

Format: 16,5 x 24; Hardcover
160 Seiten, 43 Abb., 29 Tab.

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Rasche Entstehung vertritt der Autor beispielsweise auch für die 55 Fundschichten der berühmten Höhle Combe Grenal (Südwestfrankreich). Begründung: Wegen der überaus geringen Zahl an Werkzeugen in den einzelnen Fundhorizonten könnte die insgesamt über 20 Meter mächtige Abfolge von Kulturschichten maximal in Jahrhunderten statt der konventionellen 60.000 Jahre entstanden sein (S. 95-97). Das setzt (1) auch hier rasche Schichtenbildung voraus und passt (2) zum allgemeinen Befund der Altsteinzeit: Die Siedlungsplätze, an denen die Menschen das Feuersteinmaterial zur Werkzeugherstellung fanden, wurden nur hin und wieder und dann auch nur kurzzeitig aufgesucht (S. 131-140). Man könnte dafür neben der überregionalen Großwildjagd als weiteren Grund die sehr häufigen Hochwasserkatastrophen in Erwägung ziehen (s.o.). Dadurch wurden die Altsteinzeitler immer wieder gezwungen, in sicheres Terrain auszuweichen. Zumindest für die nur kurzzeitig bewohnten, zum Teil weit ausgedehnten Fluss-Terrassen leuchtet das unmittelbar ein. Immerhin fällt auf: Obwohl die Wildnis damals „von Tieren wimmelte“ (S. 55) und nur sehr wenige Menschen gleichzeitig lebten (S. 121-129), haben sie ihre Basislager häufig verlegt und das Gelände weiträumig durchzogen (S. 41).

Ich wünsche diesem wichtigen und leicht verständlichen Buch viele interessierte Leser!
Manfred Stephan

Anmerkungen

1 Vgl. z.B. für das Maintal G. GEYER: Geologie von Unterfranken und angrenzenden Regionen, Gotha-Stuttgart 2002, 408f.
2 Vgl. M. STEPHAN: Sedimentbildung bei der Hochwasserkatastrophe im Erzgebirge (Sachsen). Teil 2: Enorme Transportvorgänge im Flussbett der Müglitz zwischen Glashütte und Oberschlottwitz. Studium Integrale Journal 11 (2004), S. 11-19.

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Das Wort und Wissen Info 3/2003 (Nr. 64; Oktober 2003)

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Letzte Änderung: 11.12.2006
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