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Die Studiengemeinschaft Wort und Wissen erarbeitet Denkhilfen, mit denen die Tatsachen dieser Welt und wissenschaftliche Erkenntnisse im biblischen Bezug vertreten und Hindernisse zum Glauben an Jesus Christus ausgeräumt werden können.
Damit steht die Studiengemeinschaft in einer reichen christlichen Tradition: Erstens der gegenseitigen Befruchtung von Glaube und Wissenschaft; zweitens des grundlegenden Vertrauens in Gottes Wort, die Bibel. Die Bibel ist für uns Christen nicht toter Buchstabe, sondern lebendige Rede Gottes. Ohne sie wüssten wir nichts von Jesus, dem Schöpfer und Erlöser; durch sie erfahren wir, was wir der Schöpfung nicht ablauschen können, nämlich Gottes Absichten und Ziele mit seiner Welt und uns.
John Stott, Rektor Emeritus der All-Souls-Kirche in London, Hofprediger der englischen Königin und Autor vieler theologischer Bücher, erläutert die Bedeutung und den vielfältigen Nutzen der Heiligen Schrift für den christlichen Glauben wie folgt. Die Passage entstammt dem Buch „The Contemporary Christian“ („Der zeitgenössische Christ“); Quellenangabe am Ende des Zitats.
Antworten auf das Wort
Der Begriff der göttlichen Offenbarung und die Notwendigkeit, dass wir uns ihr unterwerfen, ist sowohl vernünftig wie auch im praktischen Sinn nützlich. Es ist vernünftig, weil dadurch anerkannt wird, dass zum einen der unendliche Gott weit über seinen endlichen Geschöpfen steht, und auch, dass wir ihn nie hätten kennenlernen können, wenn er nicht selbst die Initative ergriffen hätte, sich uns bekannt zu machen. Es ist zum anderen nützlich, da die Unterwerfung unter Gottes Eigen-Offenbarung in Christus und im gesamten biblischen Zeugnis über Christus weit davon entfernt ist, die Gesundheit und das Wachstum der Gemeinde zu verhindern, ja, es ist unerlässlich. Meine These in diesem Kapitel ist, dass Gottes Wort, wenn es angenommen und darauf eingegangen wird, eine zentrale Rolle im Glauben und Leben von Kindern Gottes spielt. Ich werde fünf Beispiele nennen.
Erwachsene Jüngerschaft
Zum ersten ist Unterwerfung unter die Autorität des Wortes Gottes der Weg zur erwachsenen Jüngerschaft. Ich sage nicht, dass es unmöglich ist, ein Jünger Jesu zu sein ohne eine hohe Meinung von der Schrift zu haben, denn das ist bewiesenermaßen nicht der Fall. Es gibt wahre Nachfolger Jesu Christi, die nicht „evangelikal“ sind, deren Vertrauen in die Schrift klein, ja sogar sehr gering ist, und die mehr Vertrauen in überlieferte Traditionen und derzeitige Lehren der Kirche setzen, oder auch in ihre eigenen Überlegungen oder Erfahrungen. Ich habe nicht das Bedürfnis, die Authentizität ihres christlichen Bekenntnisses anzuzweifeln. Aber ich wage zu behaupten, dass ihre Jüngerschaft aufgrund ihrer Haltung zur Bibel gezwungenermaßen verarmt ist. Eine erfüllte, ausgewogene und gereifte christliche Jüngerschaft ist unmöglich, wenn die Jünger sich nicht der Autorität der Lehre ihres Herrn unterwerfen, so wie sie durch die Schrift vermittelt wird.
Denn was ist Jüngerschaft? Es ist ein facettenreicher Lebensstil, eine Mischung aus verschiedenen Zutaten. Im Besonderen beinhaltet es Anbetung, Glaube, Gehorsam und Hoffnung. Jeder Christ ist dazu berufen, Gott anzubeten, Ihm zu vertrauen und zu gehorchen, und mit fester Hoffnung in die Zukunft zu sehen. Aber alles das ist eine Reaktion auf eine Offenbarung und ist ernsthaft gefährdet ohne eine verlässliche, objektive Offenbarung Gottes.
Anbetung. Jeder Christ ist ein Anbeter. Sowohl in der Öffentlichkeit als auch im Privaten erkennen wir unsere Pflicht der Anbetung des allmächtigen Gottes an. Aber wie können wir Gott anbeten, wenn wir weder wissen, wer Er ist, noch welche Anbetung Ihm gefällt? Ohne dieses Wissen werden unsere Versuche der Anbetung beinahe sicher zu Götzendienst verkommen. Bestenfalls ahmen wir den berühmten Altar nach, den Paulus in Athen vorfand und der die Inschrift trug: „dem unbekannten Gott“1 . Aber Christen sind nicht agnostische Athener; wir sollen den Herrn unseren Gott mit unserem ganzen Verstand2 lieben und Ihn „in Geist und Wahrheit“ anbeten3 .
Was bedeutet es dann, Gott anzubeten? Es bedeutet „rühmt Seinen heiligen Namen“4 , das heißt: sich bewundernd daran zu erfreuen, wer Er gemäß Seines geoffenbarten Charakters ist. Aber bevor wir Seinen heiligen Namen rühmen können, müssen wir Ihn kennen. Daher ist es angemessen, das Wort Gottes bei der öffentlichen Anbetung zu lesen und zu predigen und in privater Hingabe über Sein Wort nachzudenken. Diese Dinge sind keine Störung der Anbetung, sie bilden die notwendige Grundlage dafür. Gott muss zu uns reden, bevor wir uns die Freiheit nehmen können zu Ihm zu reden. Er muss uns enthüllen, wer Er ist, bevor wir Ihm unsere Anbetung in annehmbarer Weise anbieten können. Die Anbetung Gottes ist immer eine Antwort auf das Wort Gottes. Die Schrift lenkt und bereichert unsere Anbetung ganz wunderbar.
Glaube. Wenn jeder Christ ein Anbeter ist, dann ist jeder Christ gleichermaßen auch ein Glaubender. Ja, das christliche Leben ist ein Leben des Glaubens. „Wo ist eurer Glaube?“ fragte Jesus die zwölf Jünger, als sie sich fürchteten und Er ermunterte sie: „Glaubt an Gott!“5 Aber was ist Glauben? Es ist ebenfalls eine Antwort auf die Offenbarung Gottes. Wir können einem Gott, den wir nicht kennen, ebensowenig vertrauen, wie wir einen unbekannten Gott anbeten können. Bedenke Psalm 9, 10: Auf Dich vertrauen, die Deinen Namen kennen; denn Du hast nicht verlassen, die Dich suchen, Herr.“ Wenn Anbetung bedeutet, Gott zu „rühmen“ für das, was Er ist (Sein Name), dann bedeutet Glauben Ihm zu vertrauen, weil Er ist, wer Er ist. Daher ist Glaube weder Naivität noch Leichtgläubigkeit. Es ist weder unlogisch noch irrational. Im Gegenteil, Glauben ist ein wohlüberlegtes Vertrauen. Es basiert auf Kenntnis, der Kenntnis von Gottes Namen. Seine Vernünftigkeit entspringt der Verläss-lichkeit des Gottes, dem man vertraut. Es ist niemals unvernünftig, Gott zu vertrauen, da keine vertrauenswürdigere Person existiert.
Der Glaube wird daher wachsen, wenn wir über den Charakter Gottes (der niemals lügt) und den Bund Gottes, den Er mit Seinem Volk geschlossen hat, nachdenken. Aber wie können wir Seinen Charakter und Bund kennenlernen? Nur durch die Bibel, in der diese beiden Wahrheiten geoffenbart worden sind. Je mehr wir über Gottes Selbst-Enthüllung in der Schrift nachforschen, desto reifer wird unser Glaube werden, während ohne die Schrift unser Glaube zwangsläufig schwach und krank sein wird.
Gehorsam. Jesus ruft seine Jünger zu einem Leben des Gehorsams auf, ebenso wie zur Anbetung und zum Glauben. Aber wie können wir Ihm gehorchen, außer wir kennen Seinen Willen und Seine Gebote? Ohne Kenntnis derselben ist Gehorsam unmöglich. „Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote beobachten,“6 sagte Er. Und ebenso: „Wer meine Gebote hat (d.h. sie kennt und in seinem Verstand und Gedächtnis hütet) und sie hält, der ist es, der mich liebt.“7 Einmal mehr ist die Bibel unverzichtbar für erwachsene Jüngerschaft. Denn nur darin lernen wir die Gebote Christi kennen und unternehmen so den ersten notwendigen Schritt zum Verstehen und Tun Seines Willens.
Hoffnung. Die christliche Hoffnung ist eine vertrauensvolle Erwartung der Zukunft. Kein Christ kann Zyniker oder Pessimist sein. Allerdings glauben wir nicht, dass es den Menschen jemals gelingen wird, Utopia auf der Erde zu errichten. Doch obwohl wir wenig Vertrauen in menschliche Leistungen haben, besitzen wir großes Vertrauen in die Absichten und Macht Gottes. Wir sind sicher, dass Irrtum und Bosheit nicht das letzte Wort haben werden. Im Gegenteil, Wahrheit und Gerechtigkeit werden am Ende triumphieren. Denn Jesus Christus wird in Macht und Herrlichkeit wiederkommen, die Toten werden auferstehen, der Tod wird abgeschafft und das Universum wird vom Zerfall befreit und mit Herrlichkeit überzogen werden.
Aber warum können wir uns da so sicher sein? Es gibt keine greifbaren Gründe für eine solche Sicherheit. Das Böse floriert. Die Bösen kommen mit ihren Boshaftigkeit davon. Die Probleme der Welt scheinen hartnäckig zu sein. Und die pilzförmige Wolke der nuklearen Explosion scheint noch immer den Horizont zu überschatten. Gibt es nicht mehr Gründe für Verzweiflung als für Hoffnung? Ja, es gäbe mehr Gründe zum Verzweifeln, wäre da nicht die Bibel! Es ist die Bibel, die die Hoffnung weckt, leitet und nährt. Denn christliche Hoffnung ist etwas ganz anderes als säkularer Optimismus. Es ist das Vertrauen in Gott, entfacht durch die Zusagen Gottes. „Lasst uns das Bekenntnis der Hoffnung unwandelbar festhalten“, ermuntert der Autor des Hebräerbriefes seine Leser. Warum? „Denn treu ist Er, der die Verheißung gegeben hat.“8 Jesus sagte selbst, dass Er wiederkommen wird. „Und dann werden sie den Sohn des Menschen kommen sehen in Wolken mit großer Macht und Herrlichkeit ... und ihr werdet den Sohn des Menschen ... kommen sehen mit den Wolken des Himmels.“9 Es sind Verheißungen wie diese, die unsere Hoffnung beleben. Es ist ein „Halten an seine Verheißungen“ dass wir eine neue Welt erwarten, in der Gerechtigkeit wohnt.10
Dies sind also vier grundlegende Zutaten für christliche Jüngerschaft Anbetung, Glaube, Gehorsam und Hoffnung. Alle vier wären irrational ohne eine objektive Basis durch Gottes Offenbarung, zu der sie eine Antwort darstellen: Anbetung ist eine Antwort auf die Offenbarung des Namens Gottes, Glaube auf die Offenbarung seines Charakters und Bundes, Gehorsam auf die Offenbarung seines Willens und Seiner Gebote, und Hoffnung auf die Offenbarung Seiner Absichten und Verheißungen. Und Gottes Namen, Seinen Bund, Seine Gebote und Verheißungen findet man alle in der Schrift. Das ist der Grund, warum die Schrift das Fundament für christliches Wachstum ist und warum die Unterwerfung unter Ihre Autorität der Weg zu erwachsener Jüngerschaft ist.
Intellektuelle Einheit
Zum Zweiten ist die Unterwerfung unter die biblische Autorität der Weg zur intellektuellen Einheit.
Viele Menschen würden diese Aussage sofort leugnen und sogar das Gegenteil behaupten. Sie können nicht verstehen, wie am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts scheinbar intelligente Christen so pervers sein können, immer noch an die biblische Inspiration und Autorität zu glauben. Sie betrachten es als unhaltbar, der Wahrheit und Glaubwürdigkeit der Schrift entschieden zuzustimmen. Daher werfen sie uns, die wir noch daran festhalten, das Fehlen intellektueller Einheit vor. Sie bezichtigen uns des Bildungshasses, der mentalen Schizophrenie, des intellektuellen Suizids und anderer ähnlich schrecklicher Zustände. Diesen Anklagen gegenüber bekennen wir uns als: „Nicht schuldig!“ Wir bestehen darauf, dass unsere Überzeugung bezüglich der Schrift gerade dieser Einheit entspringt, die uns unseren Kritikern zufolge fehlen soll.
„Einheit“ ist das Kennzeichen einer ausgeglichenen Person. Dies bedeutet im Besonderen, dass ausgeglichene Christen mit sich selbst im Frieden, nicht im Krieg sind. Anstatt eine Spaltung zwischen unseren verschiedenen Glaubensinhalten, oder zwischen unseren Glaubensinhalten und unserem Verhalten festzustellen und uns innerlich sozusagen „zerrissen“ zu fühlen, besitzen wir innere Harmonie. Wir sind „aus einem Guss“, oder „ganz“. Worin besteht das Geheimnis dieser Ganzheit?
Es gibt kein integrierenderes christliches Prinzip als die Feststellung: „Jesus Christus ist Herr!“ Es gehört zur Grundlage unserer ausgeglichenen Jüngerschaft, dass wir sowohl seine Herrschaft mit unseren Lippen bekennen, als auch Ihn als Herrn in unseren Herzen erheben. Wir nehmen das leichte Joch Seiner Lehrautorität an. Wir versuchen, „jeden Gedanken gefangenzunehmen unter den Gehorsam des Christus.“11 und wenn Jesus Herr ist über unsere Glaubensinhalte, Meinungen, Ambitionen, Grundsätze, Ziele und Lebensstil, dann sind wir ausgeglichene Christen, denn dann zeichnet „Einheit“ unser Leben aus. Nur wenn Er unser Herr ist, werden wir „ganz“.
Aber auch Jesus selbst unterwarf sich den Schriften des Alten Testaments. In Seinem ethischen Verhalten, in Seinem Verständnis Seiner Mission und bei Seinen öffentlichen Debatten mit zeitgenössischen religiösen Führern war Sein vordringlicher Wunsch, der Schrift treu zu bleiben. „Was sagt die Schrift?“ fragte Er. Das war immer die letzte Instanz auf die Er sich berief. Auch äußerte Er Seine Erwartung an die Jünger, dass sie darin Seinem Beispiel folgen sollten. Außerdem traf Er durch Auswahl, Berufung, Ausstattung und Beauftragung Seiner Apostel Vorbereitungen für die Schriften des Neuen Testaments, damit die Apostel sie schreiben und Lehrer der Gemeinde wären, und Er erwartete von der Gemeinde, dass sie sich ihnen unterwarf. „Wer euch hört, hört mich“, sagte Er.12 Konsequenterweise ist für christliche Jünger Unterwerfung unter die Schrift ein wesentlicher Bestandteil unserer Unterwerfung unter Jesus als Herrn. Denn der Jünger steht nicht über seinem Lehrer. Wir können uns daher nicht auf selektive Unterwerfung einlassen. Es wäre beispielsweise zweifelsfrei unlogisch, den Lehren Jesu über Gott zuzustimmen, aber Seine Sicht über das Wort Gottes abzulehnen. Nein, selektive Unterwerfung ist keine authentische Unterwerfung.
- übersetzt von Cornelia Imming aus:
- John Stott, „The Contemporary Christian: Applying God’s Word to Today’s World.“ Inter-Varsity Press 1992 (ISBN: 085110973X). Auf deutsch erschienen unter dem Titel: „Christen auf dem Weg ins nächste Jahrtausend. Was sie glauben, denken, leben“, Band 1 [der zweite Band ist bisher nicht erschienen]. Brendow: Moers 1996, ISBN-13: 978-3870676568.
- Anmerkungen
- 1 Apg 17, 23 2 Mk 12, 30
- 3 Joh 4, 24 4 Ps 105, 3
- 5 Lk 8, 25; Mk 11, 22 6 Joh 14, 15
- 7 Joh 14, 21 8 Heb 10, 23
- 9 Mk 13, 26; 14, 62 10 2. Pet 3, 13
- 11 2. Kor 10, 5 12 Lk 10, 16
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