Themenübersicht
Druckerfreundliche Ansicht dieser Seite
Informationen aus der Studiengemeinschaft
WORT und WISSEN

Info 3/07 - Nr. 80/September 2007




unsere Arbeit gliedert sich in viele Teilgebiete. Ich selber bin in der Geologie tätig und möchte heute einige Aspekte herausgreifen, die im Rahmen meiner Arbeit auf den ersten Blick überraschend sein mögen.

In vielen meiner Dienste geht es – selbst in der Geologie – im Zusammenhang mit theologischen Fragen um den Begriff Gerechtigkeit. Zunächst ein alltägliches Beispiel dazu: Zwei Angestellte bitten ihren Chef um Urlaub. Der eine meldet diesen rechtzeitig an, der andere deutlich verspätet. Beide wollen im gleichen Zeitfenster ihren Urlaub. Der Arbeitgeber entscheidet sich für den Nachzügler. Aus der Sicht dessen, der sich zuerst darum bemüht hat, ist das „ungerecht“. Gerechtigkeit hat also mit unserem Standort zu tun. Der Chef hatte wohl einsehbare und nachvollzieh-bare Gründe so zu entscheiden. Aber er ist an einem anderen Bestimmungsort, den die beiden Angestellten nicht einnehmen konnten und deshalb auch so nicht entscheiden können.

Als Menschen nehmen wir unseren Standpunkt solange ein, wie wir Gottes Standort ignorieren. Aber selbst dann, wenn wir versuchen, Gottes Gedanken zu verstehen, kommen wir schnell an unsere Grenzen. Was hat das aber mit meinem Dienst in der Verkündigung des biblischen Schöpfers zu tun?

Das Evangelium (d. h. die gute Botschaft) ist aus dem Standpunkt Gottes gut. Wir Menschen sehen das i.d.R. anders. Gott nennt dafür auch die Gründe bzw. den Grund schlechthin: Den sündigen Zustand des Menschen von Natur aus (Genesis 8,21). Er hat den Standort, von dem Er aus den Überblick mit Rück- und Vorausschau hat. Damit wir das wissen können, gab er uns sein Wort, die Bibel. Dort offenbart er für jeden, der Ohren hat um zu hören seinen Willen. Es ist der erklärte Wille Gottes, dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1. Timotheus 2,4). Deshalb wird auch die Heilsbotschaft vom Reich Gottes vom gerechten Standort Gottes aus in der ganzen Welt verkündet werden, damit alle Völker sie hören (Matthäus 24,14). Diese frohe und gute Nachricht ist nicht nur zeitlich, sondern sie hat eine ewige Bedeutung. Warum?

Johannes sagt uns in Offenbarung 14:6, dass Gott dafür eigens einen Engel beauftragt, der die Aufgabe hat, allen Menschen auf der Erde, allen Nationen und Völkern, den Menschen aller Rassen und Sprachen eine ewig gültige Heilsbotschaft zu verkündigen. Damit behandelt Gott jeden Menschen von seinem Standort aus gerecht und zeigt ihm auch das Ziel seines Evangeliums auf:

Gott ist als den Urheber der Schöpfung zu fürchten. Seine Geschöpfe sind dazu da, Ihm die Ehre zu geben; weil die Stunde seines Gerichts gekommen ist! Die Ursache des Gerichts ist unser natürlicher Zustand der Sünde und damit aus Gottes Sicht unsere Erlösungsbedürftigkeit. Und das Gute an der guten Botschaft ist, dass Gott selbst in seinem Sohn Jesus Christus dafür Abhilfe geschaffen hat und er selbst für uns zur Gerechtigkeit wurde (2. Korinther 5,21).

Meine Motivation Schöpfungsforschung zu treiben, ist nicht, Gott zu beweisen, das hat er bereits selbst getan und tut es tagtäglich (Römer 1,18-20). Mein Beweggrund ist: Gott zu fürchten und den zu ehren, der alles geschaffen hat: den Himmel und die Erde, das Meer und alle Wasserquellen. Das hat auch etwas mit der Geologie zu tun. Dazu gehört auch, dass wir die Spannung zwischen der biblischen Sicht von einer jungen Erde (Römer 5,18) und den radiometrischen Messungen aushalten, und ich auf viele Fragen, die Gott in diesem Zusammenhang stellt, keine Antwort habe; so zum Beispiel: „Wo warst du, als ich die Erde gründete? Sage mir’s, wenn du so klug bist!“ (Hiob 38,4).

Ich wünsche Ihnen an Ihrem Platz, dass Sie die Dinge aus Gottes Blickwinkel durch sein Wort besonnen einschätzen und mit Gottes Hilfe mutig Jesus Christus bekennen.

Ihr Martin Ernst


Zum Inhaltsverzeichnis  Druckansicht des vorhergehenden Beitrags

zum Seitenanfang


Die Studiengemeinschaft Wort und Wissen erarbeitet Denkhilfen, mit denen die Tatsachen dieser Welt und wissenschaftliche Erkenntnisse im biblischen Bezug vertreten und Hindernisse zum Glauben an Jesus Christus ausgeräumt werden können.
Damit steht die Studiengemeinschaft in einer reichen christlichen Tradition: Erstens der gegenseitigen Befruchtung von Glaube und Wissenschaft; zweitens des grundlegenden Vertrauens in Gottes Wort, die Bibel. Die Bibel ist für uns Christen nicht toter Buchstabe, sondern lebendige Rede Gottes. Ohne sie wüssten wir nichts von Jesus, dem Schöpfer und Erlöser; durch sie erfahren wir, was wir der Schöpfung nicht ablauschen können, nämlich Gottes Absichten und Ziele mit seiner Welt und uns.
John Stott, Rektor Emeritus der All-Souls-Kirche in London, Hofprediger der englischen Königin und Autor vieler theologischer Bücher, erläutert die Bedeutung und den vielfältigen Nutzen der Heiligen Schrift für den christlichen Glauben wie folgt. Die Passage entstammt dem Buch „The Contemporary Christian“ („Der zeitgenössische Christ“);
Quellenangabe am Ende des Zitats.

Antworten auf das Wort

Der Begriff der göttlichen Offenbarung und die Notwendigkeit, dass wir uns ihr unterwerfen, ist sowohl vernünftig wie auch im praktischen Sinn nützlich. Es ist vernünftig, weil dadurch anerkannt wird, dass zum einen der unendliche Gott weit über seinen endlichen Geschöpfen steht, und auch, dass wir ihn nie hätten kennenlernen können, wenn er nicht selbst die Initative ergriffen hätte, sich uns bekannt zu machen. Es ist zum anderen nützlich, da die Unterwerfung unter Gottes Eigen-Offenbarung in Christus und im gesamten biblischen Zeugnis über Christus weit davon entfernt ist, die Gesundheit und das Wachstum der Gemeinde zu verhindern, ja, es ist unerlässlich. Meine These in diesem Kapitel ist, dass Gottes Wort, wenn es angenommen und darauf eingegangen wird, eine zentrale Rolle im Glauben und Leben von Kindern Gottes spielt. Ich werde fünf Beispiele nennen.

Erwachsene Jüngerschaft

Zum ersten ist Unterwerfung unter die Autorität des Wortes Gottes der Weg zur erwachsenen Jüngerschaft. Ich sage nicht, dass es unmöglich ist, ein Jünger Jesu zu sein ohne eine hohe Meinung von der Schrift zu haben, denn das ist bewiesenermaßen nicht der Fall. Es gibt wahre Nachfolger Jesu Christi, die nicht „evangelikal“ sind, deren Vertrauen in die Schrift klein, ja sogar sehr gering ist, und die mehr Vertrauen in überlieferte Traditionen und derzeitige Lehren der Kirche setzen, oder auch in ihre eigenen Überlegungen oder Erfahrungen. Ich habe nicht das Bedürfnis, die Authentizität ihres christlichen Bekenntnisses anzuzweifeln. Aber ich wage zu behaupten, dass ihre Jüngerschaft aufgrund ihrer Haltung zur Bibel gezwungenermaßen verarmt ist. Eine erfüllte, ausgewogene und gereifte christliche Jüngerschaft ist unmöglich, wenn die Jünger sich nicht der Autorität der Lehre ihres Herrn unterwerfen, so wie sie durch die Schrift vermittelt wird.

Denn was ist Jüngerschaft? Es ist ein facettenreicher Lebensstil, eine Mischung aus verschiedenen Zutaten. Im Besonderen beinhaltet es Anbetung, Glaube, Gehorsam und Hoffnung. Jeder Christ ist dazu berufen, Gott anzubeten, Ihm zu vertrauen und zu gehorchen, und mit fester Hoffnung in die Zukunft zu sehen. Aber alles das ist eine Reaktion auf eine Offenbarung und ist ernsthaft gefährdet ohne eine verlässliche, objektive Offenbarung Gottes.

Anbetung. Jeder Christ ist ein Anbeter. Sowohl in der Öffentlichkeit als auch im Privaten erkennen wir unsere Pflicht der Anbetung des allmächtigen Gottes an. Aber wie können wir Gott anbeten, wenn wir weder wissen, wer Er ist, noch welche Anbetung Ihm gefällt? Ohne dieses Wissen werden unsere Versuche der Anbetung beinahe sicher zu Götzendienst verkommen. Bestenfalls ahmen wir den berühmten Altar nach, den Paulus in Athen vorfand und der die Inschrift trug: „dem unbekannten Gott“1 . Aber Christen sind nicht agnostische Athener; wir sollen den Herrn unseren Gott mit unserem ganzen Verstand2 lieben und Ihn „in Geist und Wahrheit“ anbeten3 .

Was bedeutet es dann, Gott anzubeten? Es bedeutet „rühmt Seinen heiligen Namen“4 , das heißt: sich bewundernd daran zu erfreuen, wer Er gemäß Seines geoffenbarten Charakters ist. Aber bevor wir Seinen heiligen Namen rühmen können, müssen wir Ihn kennen. Daher ist es angemessen, das Wort Gottes bei der öffentlichen Anbetung zu lesen und zu predigen und in privater Hingabe über Sein Wort nachzudenken. Diese Dinge sind keine Störung der Anbetung, sie bilden die notwendige Grundlage dafür. Gott muss zu uns reden, bevor wir uns die Freiheit nehmen können zu Ihm zu reden. Er muss uns enthüllen, wer Er ist, bevor wir Ihm unsere Anbetung in annehmbarer Weise anbieten können. Die Anbetung Gottes ist immer eine Antwort auf das Wort Gottes. Die Schrift lenkt und bereichert unsere Anbetung ganz wunderbar.

Glaube. Wenn jeder Christ ein Anbeter ist, dann ist jeder Christ gleichermaßen auch ein Glaubender. Ja, das christliche Leben ist ein Leben des Glaubens. „Wo ist eurer Glaube?“ fragte Jesus die zwölf Jünger, als sie sich fürchteten und Er ermunterte sie: „Glaubt an Gott!“5 Aber was ist Glauben? Es ist ebenfalls eine Antwort auf die Offenbarung Gottes. Wir können einem Gott, den wir nicht kennen, ebensowenig vertrauen, wie wir einen unbekannten Gott anbeten können. Bedenke Psalm 9, 10: Auf Dich vertrauen, die Deinen Namen kennen; denn Du hast nicht verlassen, die Dich suchen, Herr.“ Wenn Anbetung bedeutet, Gott zu „rühmen“ für das, was Er ist (Sein Name), dann bedeutet Glauben Ihm zu vertrauen, weil Er ist, wer Er ist. Daher ist Glaube weder Naivität noch Leichtgläubigkeit. Es ist weder unlogisch noch irrational. Im Gegenteil, Glauben ist ein wohlüberlegtes Vertrauen. Es basiert auf Kenntnis, der Kenntnis von Gottes Namen. Seine Vernünftigkeit entspringt der Verläss-lichkeit des Gottes, dem man vertraut. Es ist niemals unvernünftig, Gott zu vertrauen, da keine vertrauenswürdigere Person existiert.

Der Glaube wird daher wachsen, wenn wir über den Charakter Gottes (der niemals lügt) und den Bund Gottes, den Er mit Seinem Volk geschlossen hat, nachdenken. Aber wie können wir Seinen Charakter und Bund kennenlernen? Nur durch die Bibel, in der diese beiden Wahrheiten geoffenbart worden sind. Je mehr wir über Gottes Selbst-Enthüllung in der Schrift nachforschen, desto reifer wird unser Glaube werden, während ohne die Schrift unser Glaube zwangsläufig schwach und krank sein wird.

Gehorsam. Jesus ruft seine Jünger zu einem Leben des Gehorsams auf, ebenso wie zur Anbetung und zum Glauben. Aber wie können wir Ihm gehorchen, außer wir kennen Seinen Willen und Seine Gebote? Ohne Kenntnis derselben ist Gehorsam unmöglich. „Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote beobachten,“6 sagte Er. Und ebenso: „Wer meine Gebote hat (d.h. sie kennt und in seinem Verstand und Gedächtnis hütet) und sie hält, der ist es, der mich liebt.“7 Einmal mehr ist die Bibel unverzichtbar für erwachsene Jüngerschaft. Denn nur darin lernen wir die Gebote Christi kennen und unternehmen so den ersten notwendigen Schritt zum Verstehen und Tun Seines Willens.

Hoffnung. Die christliche Hoffnung ist eine vertrauensvolle Erwartung der Zukunft. Kein Christ kann Zyniker oder Pessimist sein. Allerdings glauben wir nicht, dass es den Menschen jemals gelingen wird, Utopia auf der Erde zu errichten. Doch obwohl wir wenig Vertrauen in menschliche Leistungen haben, besitzen wir großes Vertrauen in die Absichten und Macht Gottes. Wir sind sicher, dass Irrtum und Bosheit nicht das letzte Wort haben werden. Im Gegenteil, Wahrheit und Gerechtigkeit werden am Ende triumphieren. Denn Jesus Christus wird in Macht und Herrlichkeit wiederkommen, die Toten werden auferstehen, der Tod wird abgeschafft und das Universum wird vom Zerfall befreit und mit Herrlichkeit überzogen werden.

Aber warum können wir uns da so sicher sein? Es gibt keine greifbaren Gründe für eine solche Sicherheit. Das Böse floriert. Die Bösen kommen mit ihren Boshaftigkeit davon. Die Probleme der Welt scheinen hartnäckig zu sein. Und die pilzförmige Wolke der nuklearen Explosion scheint noch immer den Horizont zu überschatten. Gibt es nicht mehr Gründe für Verzweiflung als für Hoffnung? Ja, es gäbe mehr Gründe zum Verzweifeln, wäre da nicht die Bibel! Es ist die Bibel, die die Hoffnung weckt, leitet und nährt. Denn christliche Hoffnung ist etwas ganz anderes als säkularer Optimismus. Es ist das Vertrauen in Gott, entfacht durch die Zusagen Gottes. „Lasst uns das Bekenntnis der Hoffnung unwandelbar festhalten“, ermuntert der Autor des Hebräerbriefes seine Leser. Warum? „Denn treu ist Er, der die Verheißung gegeben hat.“8 Jesus sagte selbst, dass Er wiederkommen wird. „Und dann werden sie den Sohn des Menschen kommen sehen in Wolken mit großer Macht und Herrlichkeit ... und ihr werdet den Sohn des Menschen ... kommen sehen mit den Wolken des Himmels.“9 Es sind Verheißungen wie diese, die unsere Hoffnung beleben. Es ist ein „Halten an seine Verheißungen“ dass wir eine neue Welt erwarten, in der Gerechtigkeit wohnt.10

Dies sind also vier grundlegende Zutaten für christliche Jüngerschaft – Anbetung, Glaube, Gehorsam und Hoffnung. Alle vier wären irrational ohne eine objektive Basis durch Gottes Offenbarung, zu der sie eine Antwort darstellen: Anbetung ist eine Antwort auf die Offenbarung des Namens Gottes, Glaube auf die Offenbarung seines Charakters und Bundes, Gehorsam auf die Offenbarung seines Willens und Seiner Gebote, und Hoffnung auf die Offenbarung Seiner Absichten und Verheißungen. Und Gottes Namen, Seinen Bund, Seine Gebote und Verheißungen findet man alle in der Schrift. Das ist der Grund, warum die Schrift das Fundament für christliches Wachstum ist und warum die Unterwerfung unter Ihre Autorität der Weg zu erwachsener Jüngerschaft ist.

Intellektuelle Einheit

Zum Zweiten ist die Unterwerfung unter die biblische Autorität der Weg zur intellektuellen Einheit.

Viele Menschen würden diese Aussage sofort leugnen und sogar das Gegenteil behaupten. Sie können nicht verstehen, wie am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts scheinbar intelligente Christen so pervers sein können, immer noch an die biblische Inspiration und Autorität zu glauben. Sie betrachten es als unhaltbar, der Wahrheit und Glaubwürdigkeit der Schrift entschieden zuzustimmen. Daher werfen sie uns, die wir noch daran festhalten, das Fehlen intellektueller Einheit vor. Sie bezichtigen uns des Bildungshasses, der mentalen Schizophrenie, des intellektuellen Suizids und anderer ähnlich schrecklicher Zustände. Diesen Anklagen gegenüber bekennen wir uns als: „Nicht schuldig!“ Wir bestehen darauf, dass unsere Überzeugung bezüglich der Schrift gerade dieser Einheit entspringt, die uns unseren Kritikern zufolge fehlen soll.

„Einheit“ ist das Kennzeichen einer ausgeglichenen Person. Dies bedeutet im Besonderen, dass ausgeglichene Christen mit sich selbst im Frieden, nicht im Krieg sind. Anstatt eine Spaltung zwischen unseren verschiedenen Glaubensinhalten, oder zwischen unseren Glaubensinhalten und unserem Verhalten festzustellen und uns innerlich sozusagen „zerrissen“ zu fühlen, besitzen wir innere Harmonie. Wir sind „aus einem Guss“, oder „ganz“. Worin besteht das Geheimnis dieser Ganzheit?

Es gibt kein integrierenderes christliches Prinzip als die Feststellung: „Jesus Christus ist Herr!“ Es gehört zur Grundlage unserer ausgeglichenen Jüngerschaft, dass wir sowohl seine Herrschaft mit unseren Lippen bekennen, als auch Ihn als Herrn in unseren Herzen erheben. Wir nehmen das leichte Joch Seiner Lehrautorität an. Wir versuchen, „jeden Gedanken gefangenzunehmen unter den Gehorsam des Christus.“11 und wenn Jesus Herr ist über unsere Glaubensinhalte, Meinungen, Ambitionen, Grundsätze, Ziele und Lebensstil, dann sind wir ausgeglichene Christen, denn dann zeichnet „Einheit“ unser Leben aus. Nur wenn Er unser Herr ist, werden wir „ganz“.

Aber auch Jesus selbst unterwarf sich den Schriften des Alten Testaments. In Seinem ethischen Verhalten, in Seinem Verständnis Seiner Mission und bei Seinen öffentlichen Debatten mit zeitgenössischen religiösen Führern war Sein vordringlicher Wunsch, der Schrift treu zu bleiben. „Was sagt die Schrift?“ fragte Er. Das war immer die letzte Instanz auf die Er sich berief. Auch äußerte Er Seine Erwartung an die Jünger, dass sie darin Seinem Beispiel folgen sollten. Außerdem traf Er durch Auswahl, Berufung, Ausstattung und Beauftragung Seiner Apostel Vorbereitungen für die Schriften des Neuen Testaments, damit die Apostel sie schreiben und Lehrer der Gemeinde wären, und Er erwartete von der Gemeinde, dass sie sich ihnen unterwarf. „Wer euch hört, hört mich“, sagte Er.12 Konsequenterweise ist für christliche Jünger Unterwerfung unter die Schrift ein wesentlicher Bestandteil unserer Unterwerfung unter Jesus als Herrn. Denn der Jünger steht nicht über seinem Lehrer. Wir können uns daher nicht auf selektive Unterwerfung einlassen. Es wäre beispielsweise zweifelsfrei unlogisch, den Lehren Jesu über Gott zuzustimmen, aber Seine Sicht über das Wort Gottes abzulehnen. Nein, selektive Unterwerfung ist keine authentische Unterwerfung.

übersetzt von Cornelia Imming aus:
John Stott, „The Contemporary Christian: Applying God’s Word to Today’s World.“ Inter-Varsity Press 1992 (ISBN: 085110973X). Auf deutsch erschienen unter dem Titel: „Christen auf dem Weg ins nächste Jahrtausend. Was sie glauben, denken, leben“, Band 1 [der zweite Band ist bisher nicht erschienen]. Brendow: Moers 1996, ISBN-13: 978-3870676568.

Anmerkungen
1 Apg 17, 23 2 Mk 12, 30
3 Joh 4, 24 4 Ps 105, 3
5 Lk 8, 25; Mk 11, 22 6 Joh 14, 15
7 Joh 14, 21 8 Heb 10, 23
9 Mk 13, 26; 14, 62 10 2. Pet 3, 13
11 2. Kor 10, 5 12 Lk 10, 16

Zum Inhaltsverzeichnis  Druckansicht des vorhergehenden Beitrags

zum Seitenanfang


Abb. 1 David Ellis und Peter van der Veen beim Photographieren der ägyptischen Statuette
Abb. 2 Untersuchung einer der frühesten Grabkammern (Fotos: J. Schweinsberg)

Am 5. 8. 2007 flogen Dr. D. Ellis (Genesis Foundation, London/Cambridge), J. Schweinsberg von Wort und Wissen und ich erneut für zwei Wochen nach Israel. Mit diesem Kurzbericht wollen wir einen ersten kurzen Einblick in die Grabungsergebnisse geben. Dieses Mal haben wir nicht in Ramat Rachel gegraben, sondern bewusst die Zeit für andere Projekte genutzt. Eines dieser Projekte war meine Habilitationsarbeit über die Archäologie der Regierung des Königs Manasse (7. Jh. v. Chr.). Inmitten zahlreicher Gefäße aus unterschiedlichsten archäologischen Epochen diskutierten wir mit israelischen Kollegen über Bibel, Archäologie und Zeitrechnung. Auch besuchten wir wichtige Ortschaften aus der Zeit der Könige Israels (Socho, Lachisch, Arad, Beerscheba).

Bei 45 °C bereisten wir die damaligen Haupthandelsrouten der nördlichen Negevwüste. Überreste von Häusern, Keramiken und Götzen zeugten von den Menschen der Bibel, von ihren Allianzen, ihrem Götzendienst, und ihrem Untergang. Auch haben wir uns spezifisch mit ägyptischen Funden nördlich des Damaskustors in Jerusalem befasst. Dabei haben wir mit einer detaillierten Bestandsaufnahme des ca. 500m2 Areals angefangen. Dort befand sich über eine geraume Zeit (zwischen der Bronzezeit und dem Mittelalter) ein großer Friedhof. Besonders wichtig für uns ist, dass hier um 1200 v. Chr. wichtige ägyptische Persönlichkeiten bestattet wurden. Davon zeugen Grabeinrichtungen und Grabbeigaben, wie Alabastergefäße, eine Statuette, ein Fragment einer Weihinschrift, Mumienamulette, usw.

Im Rahmen der von uns vorgeschlagenen revidierten Chronologie wäre die Zeit um 1200 aber in Wirklichkeit die Zeit von David und Salomo um 1000 v. Chr. Salomos Hauptfrau war eine ägyptische Prinzessin, deren Palast aufgehend vom Tempelberg in der Nähe dieses Gebietes vermutet wird (das Oberteil einer Königinnenstatue wurde tatsächlich in den 1920er Jahren unweit des Areals geborgen – dazu mehr in einem künftigen Artikel in Studium Integrale Journal). Neben der Erforschung der Grabanlage selbst haben wir im Keller eines katholischen Konvents weitere Hinweise auf ägyptische Bestattungen gefunden. Erwähnenswert ist die Entdeckung eines Fragments einer bisher noch unbekannten Totenstatuette (Uschabti).

Ob der Fund tatsächlich aus der Zeit Salomos stammt, werden jedoch weitere Forschungen bestätigen müssen. Hier könnte jedenfalls ein weiterer wichtiger Baustein für eine Revision der ägyptischen Chronologie und für deren Passung mit der biblischen Geschichte liegen. Die Erlaubnis, in diesem Gebiet weiter zu forschen, wie auch die Hinweise auf weitere Entdeckungen im Gespräch mit Kollegen legen nahe, dass künftig wichtige Ergebnisse erzielt werden können.

Peter van der Veen


Zum Inhaltsverzeichnis  Druckansicht des vorhergehenden Beitrags

zum Seitenanfang


Vor elf Jahren erschien das amerikanische Original dieses Buches und löste eine lebhafte Diskussion aus. Zahlreiche – freilich meist kritische – Buchbesprechungen in wissenschaftlichen Zeitschriften belegen, dass der Biochemieprofessor Michael Behe einen wunden Punkt in der Evolutionsbiologie getroffen hatte. Dieses Buch konnte man nicht übergehen. Dabei fällt auf, dass die Kritik oft gar nicht die Darstellungen der biochemischen Details und die davon abgeleitete evolutionskritische Argumentation betraf, sondern eher Grundsatzfragen, wie Wissenschaft funktioniert und was man aus ungelösten Fragen der Evolutionsforschung schließen könne und ähnliches. Kein Wunder: Behe wirft Fragen auf, die über die Naturwissenschaft hinausgehen. Sein Buch wurde bald zum Klassiker der „Intelligent Design“-Bewegung (ID) in den USA.

Nach dem Grundgedanken von ID kann man an Merkmalen der Lebewesen Hinweise auf deren Planung und damit ihre nicht-natürliche Entstehung erkennen. Behe führt dies in „Darwins Black Box“ aus, indem er anhand einiger Beispiele aus der Biochemie ausführlich deren „nichtreduzierbare Komplexität“ aufzeigt. Das heißt: Stoffwechselwege und biochemische Apparate können nicht unter einen Minimalbestand von Teilen verkleinert werden, ohne dass ihre Funktion komplett verloren geht. Ein evolutiver Weg zu solchen nichtreduzierbar komplexen Strukturen ist einerseits nicht bekannt, andererseits sind solche Strukturen typisch für einen absichtsvoll und zielorientiert schaffenden Urheber.

Warum Darwins „Black Box“? Den Titel hat Behe gewählt, weil die biochemischen Prozesse und zellulären Maschinen, die er beschreibt, zu Charles Darwins Zeit noch völlig unbekannt waren – damals eben eine „Black Box“ des Zellgeschehens. Unbekannt waren folglich auch die damit verbundenen evolutionstheoretischen Probleme. Behe argumentiert, dass zunehmende Kenntnisse über den Inhalt der „Box“ die Probleme einer natürlichen Entstehung verschärft statt verringert hätten.

Heute noch aktuell? Über zehn Jahre nach dem Erscheinen der Originalausgabe und nach viel kritischer Diskussion ist die Frage nach der Aktualität des Buches durchaus angebracht. Daher ist das Abschlusskapitel „Zehn Jahre später: Antworten auf die Kritiker“ sehr hilfreich. Die Aktualität des Buches hat in der Zwischenzeit keineswegs gelitten – im Gegenteil. Weitere Forschung wird zeigen, wohin der Trend zukünftig weisen wird.

Für Laien verständlich? Der Begriff „biochemisch“ im Untertitel könnte abschreckend wirken. Gehört Chemie nicht zu den unanschaulichen Dingen, die man als Laie nicht versteht? Behe versteht es, die anspruchsvolle Materie auch den Lesern nahezubringen, die wenige Vorkenntnisse mitbringen. Hilfreich ist dabei die Möglichkeit, Detaildarstellungen zu überspringen, ohne den roten Faden der Argumentation zu verlieren. Daher ist das Buch einem breiten Leserkreis zugänglich. Zudem geht es nicht nur um die Beispiele aus der Biochemie (auch wenn sie den Hauptteil ausmachen), sondern auch um grundsätzliche Überlegungen zum Thema Intelligent Design, Wissenschaft, Philosophie und Religion.

Angesichts oft verkürzter, verzerrter und sogar desinformierender Darstellungen über das Anliegen dieses Buches und seine Argumentationsweisen ist es erfreulich, dass es nun auch in Deutsch verfügbar ist. Sein Vorwort zu diesem Buch schließt Siegfried Scherer: „Man mag zu Behe stehen, wie man will: Seine Argumente erfordern zunächst eine wissenschaftliche und keine weltanschaulich-emotionale Diskussion. Ich habe die Hoffnung, dass hierzulande eine derartige Auseinandersetzung doch noch möglich ist.“ Das kann man nur unterstreichen.

Reinhard Junker

Bestellhinweis
Michael Behe: Darwins Black Box.
Biochemische Einwände gegen die Evolutionstheorie.
Resch-Verlag Gräfelfing.
Pb., 486 Seiten

[bestellen] [Details]

Zum Inhaltsverzeichnis  Druckansicht des vorhergehenden Beitrags

zum Seitenanfang


Zum Verhältnis zwischen christlichem Glauben und Wissenschaft.

Das Buch bietet eine Einführung in die spannungsvolle Beziehung zwischen der Naturwissenschaft und dem christlichen Glauben. Waren Christen an der Entwicklung der modernen Wissenschaft beteiligt? Steckt hinter den Gesetzen der Natur ein göttlicher Plan? Welchen Einfluss hat der Glaube auf die wissenschaftliche Forschungsarbeit? Enthält die Bibel wissenschaftliche Angaben? Diese und andere Fragen untersucht die Autorin in einer auch für Laien verständlichen Sprache. Sie spürt dabei den historischen, theologischen, philosophischen und naturwissenschaftlichen Erklärungsversuchen nach und zeigt dem Leser auf faszinierende Weise, dass der Glaube die Wissenschaft erst plausibel macht.

Das Buch liest sich durchweg leicht und kurzweilig und vermittelt wertvolle Einsichten. Es sei allen bestens empfohlen, die sich für Fragen der Wissenschaft im Zusammenhang mit dem biblischen Schöpfungszeugnis interessieren, inbesondere angesichts der aktuellen Kampagnen gegen den Schöpfungsbezug in der Wissenschaft.

Bestellhinweis
Lydia Jaeger: Wissenschaft ohne Gott?
Zum Verhältnis zwischen christlichem Glauben und Wissenschaft.
Verlag für Kultur und Wissenschaft, Bonn, 2007.
Pb., 121 S.

[bestellen] [Details] [Rezension]

Zum Inhaltsverzeichnis  Druckansicht des vorhergehenden Beitrags

zum Seitenanfang


Das Bild des Menschen im Spannungsfeld von Evolution und Schöpfung

Zum Thema „Zufall Mensch. Das Bild des Menschen im Spannungsfeld von Evolution und Schöpfung“ ist bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt (WBG) ein Sammelband erschienen (herausgegeben von Lars Klinnert). Die meisten Beiträge gehen auf eine Tagung zurück, die vom 9. - 11. Dezember 2005 in der Evangelischen Tagungsstätte Haus Ortlohn in Iserlohn stattfand. Mit von der Partie war damals auch W+W-Mitarbeiter Reinhard Junker als Referent und bei einer Podiumsdiskussion. Auf diese Weise fand sein Vortrag „Kreationismus: Theologische Motivation und naturwissenschaftliche Aspekte“ Eingang in diesen Band (S. 127-145).

Normalerweise wird bei solchen Veranstaltungen kirchlicher oder weltlicher Veranstalter über „Kreationismus“ in Abwesenheit von Befürwortern referiert und diskutiert. In Iserlohn war das anders. Daher geht an die Organisatoren Lars Klinnert und Peter Markus von der Evangelischen Akademie Iserlohn an dieser Stelle ein Dankeschön dafür, ein direktes Gespräch ermöglicht zu haben, obwohl sie das Anliegen des „Kreationismus“ keineswegs teilen (wie auch im Eingangsbeitrag des Buches deutlich wird).

Außer dem Thema „Schöpfung/Evolution“ geht es auch um Fragen der Soziobiologie, die ebenfalls kontrovers behandelt werden.

Das 250-seitige Buch (Hardcover) ist mit einem Preis von 49,90 Euro leider sehr teuer. Mitglieder der WBG erhalten es für 29,90 Euro. W+W vertreibt dieses Buch nicht; bitte wenden Sie sich an den Buchhandel.


Zum Inhaltsverzeichnis  Druckansicht des vorhergehenden Beitrags

zum Seitenanfang


Die Evangelische Landeskirche in Württemberg hat eine „Grundsatzerklärung zum Thema „Kreationismus“ veröffentlicht (www.gemeindedienst.info/...Grundsatz.htm), die auch im „Materialdienst“ der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) abgedruckt wurde (Heft 9/07, S. 337ff.). Die SG Wort und Wissen hat auf der PRESSE-Seite ihrer Homepage dazu eine Stellungnahme veröffentlicht: Grundsatzerklärung der Evangelischen Landeskirche Württemberg zum „Kreationismus“

Auf Genesisnet sind in den letzten Monaten unter den „News“ eine Reihe von Texten veröffentlicht worden:

  • Ein Plädoyer für Wissenschaftszensur?
  • Bemerkenswertes in der „Wirtschaftswoche“ und in der Stuttgarter Zeitung (darunter ein interessanresInterview mit dem Philosophen Robert Spaemann zum Thema „Schöpfung/Evolution“)
  • Der Fall des Richard Sternberg – Folgen der Veröffentlichung eines „ID“-Artikels, Teil 2
  • Über den genetischen Unterschied zwischen Mensch und Schimpanse – der „1 %-Mythos“ (Mensch und Schimpanse sind genetisch deutlich weniger ähnlich als bisher angenommen)
  • „Schöpfung und Evolution“ beim „Forum Grenzfragen“ (Kritische Anmerkungen zu einer Tagung in Stuttgart-Hohenheim)

Wo? www.genesisnet.info/aktuelles/news_u.php

Ein (kostenloses) Abo des Genesisnet-email-Newsletters lohnt sich!


Zum Inhaltsverzeichnis  Druckansicht des vorhergehenden Beitrags

zum Seitenanfang


Aktuelle Termine finden Sie im
Terminkalender



zum Seitenanfang

Das Wort und Wissen Info 3/2007 (Nr. 80; September 2007)

Home Publikationen W+W Info

Studiengemeinschaft WORT und WISSEN e.V.
Letzte Änderung: 07.12.2007
Webmaster