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Informationen aus der Studiengemeinschaft
WORT und WISSEN

Info 2/08 - Nr. 83/Juni 2008




Das „Christival“ ist ein Jugend-Kongress, der seit 1976 bisher 5 mal stattgefunden hat und dieses Jahr vom 30. April bis zum 4. Mai zu Gast in Bremen war. Neben zahlreichen Seminaren und anderen Veranstaltungen gab es auch eine Messe, auf der die Studiengemeinschaft Wort und Wissen durch Christian Dreber und mich vertreten war (Abb. folgende Seite). Wir nutzten die Gelegenheit, um einige der bis zu 20 000 Besucher über die Arbeit der Studiengemeinschaft zu informieren und führten viele interessante Gespräche mit den Besuchern.

Erfahrungen am W+W-Stand. Das anstrengende Stehen am Stand (von 12 Uhr bis ca. 19 Uhr) wurde durch die hervorragende Organisation der Christival-Veranstalter sehr erleichtert: Eine Mitarbeiter-Oase versorgte Aussteller der Messe und andere Mitarbeiter ständig und kostenlos mit Mahlzeiten, kleinen Snacks und Entspannungsmöglichkeiten wie etwa Massagen.

Beobachtungen und Erlebnisse
am W+W-Stand

Die Messe selbst war gut besucht und nicht wenige blieben interessiert am Stand von „Wort und Wissen“ stehen. Auf ihre Position zur Ursprungsfrage angesprochen erwiderte der überwältigende Teil der Befragten nach langem Überlegen, dass sie an Gott als Schöpfer der Welt keinen Zweifel hätten, sich beim „Wie“ seiner Schöpfung jedoch nicht sicher seien, beziehungsweise annehmen würden, er könnte schließlich auch durch Evolution schaffen. Die Evolutionstheorie zweifelten nur wenige an. Dogmatisch vertraten diese Position die meisten Besucher jedoch nicht. (Diejenigen, die dies doch taten, waren interessanterweise überwiegend Menschen mit theologischer Ausbildung.) Viele nahmen mit Interesse und erfreulich häufig auch mit Zustimmung die Argumente von „Wort und Wissen“ an, die uns die Gleichsetzung von „Evolution“ mit „Schöpfung“ ablehnen lassen. Der Flyer „Evolution – Schöpfungsmethode Gottes?“ war hier vielen eine Hilfe. Von dieser Grundlage aus wurde die Motivation der Studiengemeinschaft, die naturwissenschaftlichen Daten im Rahmen der biblischen Urgeschichte zu interpretieren, erläutert. Es bestand ein reges Interesse an der praktischen Umsetzung dieses Vorgehens, wie es beispielsweise mit der Grundtypen-Biologie (www.genesisnet.info) vorliegt. Viele waren überrascht, die von ihnen in Schule und Medien als eindeutige Evolutions-Beweise präsentierten Daten in diesem alternativen Denkrahmen so schlüssig interpretiert zu sehen.

Toleranz? Mindestens ebenso interessant waren jedoch die Kontroversen rund um die Veranstaltung, die schon vor Monaten wegen eines Seminars zum Thema „Homosexualität“ begannen. Sara Dahnken von der „Grünen Jugend Bremen“ verglich nun sogar die (vermeintliche) Diskriminierung von Homosexuellen durch Evangelikale mit der Diskriminierung von Juden (www.citybeat.de/...). Als „Zugabe“ forderte der Bundestagsabgeordnete der Grünen, Volker Beck, die Christival-Organisatoren noch auf, die Drohung mit rechtlichen Schritten gegen Sara Dahnken zurückzunehmen. Wie die Reaktionen wohl ausgefallen wären, wäre dieser Vergleich von der „anderen Seite“ gekommen? Allein der Fall der Fernsehmoderatorin Eva Hermann gibt hier wohl zur Genüge Antwort. Beck war es auch, der das oben genannte Seminar ein „Homosexuellenheilungsseminar“ nannte und dem Christival allgemein vorwarf, es enthalte „gefährliche Psychokurse und minderheitenfeindliche Angebote“. Dazu zählte wohl auch das Seminar „Sex ist Gottes Idee – die Abtreibung auch?“. Hierzu meinte Bremens Jugendfrauenbeauftragte Ulrike Hauffe, eine der involvierten Organisationen würde Frauen „bewusst verängstig[en] und herabsetz[en]“ – ein Besuch auf der Webseite von „Birke“ (www.birke-ev.de) lohnt sich angesichts solcher Unterstellungen. In einer gemeinsamen Erklärung mit „Pro Familia“ behauptete sie: „Niemand anders als die Frau selbst entscheidet über einen Abbruch, und es gibt kein Recht, diese Entscheidungsfreiheit in Frage zu stellen.“ Diese Aussage ist selbst dann falsch, wenn man ethische Fragen aus dem Spiel lässt und nur die Rechtslage in Deutschland bedenkt, wonach Abtreibung nur in Ausnahmefällen nicht rechtswidrig ist. Angesichts dieser Situation zu behaupten, Christen würden mit ihrer Position pro Leben sozusagen ein Grundrecht aller Menschen einschränken, ist schon eine beeindruckende Verrenkung – die von der Öffentlichkeit wohl weit weniger akzeptiert würde, wenn es um die „Entscheidungsfreiheit“ bezüglich Diebstahl, Vergewaltigung oder Mord ginge.

Von einer Gruppe mit dem vielsagenden Namen „NoChristival“ wurde eine Gegendemonstration zum Zeitpunkt der Eröffnung des Christivals gestartet, von der sich ein größerer Teil linksextremer Autonomer abspaltete, welche unter Gegröle und mit Feuerwerkskörpern bewaffnet versuchten, zur betenden und singenden Menschenmenge vorzudringen. Aus ihrer Sicht war mit eben diesen Aktivitäten wohl eine „Toleranzgrenze“ überschritten, so dass sie ihrerseits die Absperrungen niederrannten. Im letzten Moment gelang es der Polizei einzugreifen – Verletzte gab es dennoch. Anpöbelungen von Christival-Besuchern geschahen im kleineren Maßstab leider auch an den folgenden Tagen. So enttäuschend die Berichterstattung in den Medien und die Distanzierungen der lokalen Politiker waren, so erfreulich ist es doch zu werten, dass Personen mit direktem Kontakt zu Teilnehmern wie beispielsweise Straßenbahnfahrer von den jungen Leuten positiv angetan waren und von sich aus Überstunden machten.

Fazit. Das Christival hat gezeigt, dass Christen, die ihren Glauben auch für relevant für gesellschaftliche Fragen und das alltägliche Leben halten, in Deutschland vermehrt mit Gegenwind zu rechnen haben. Man braucht heute kein „Kreationist“ mehr zu sein, um als gefährlicher Fundamentalist verschrien zu werden. Und geht man nach den Gesprächen, die wir auf dem Christival geführt haben, so würde sich ein Großteil der so Abgestempelten gar nicht als Vertreter beispielsweise einer jungen Schöpfung bezeichnen, sondern „nur“ überhaupt als Menschen, die hinter der Schöpfung den Gott der Bibel als Schöpfer sehen. Die Erfahrungen in Bremen unterstreichen die Wichtigkeit des Anliegens, die Arbeit der Studiengemeinschaft unter Christen populärer zu machen. Ebenso macht die Tatsache Hoffnung, dass viele Teilnehmer auf kritische Informationen zum Allerklärungsanspruch der Evolutionslehre dankbar und mit viel Interesse reagiert haben.


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DVD-Rezension von Daniela Täuber

Ist die Erde nur ein unbedeutender Planet um eine gewöhnliche Sonne in einer der vielen Galaxien im Universum, wie es der Astrophysiker Carl Sagan schrieb? Der privilegierte Planet geht dieser Frage nach und sieht den Grund für die Einschätzung von Sagan darin, dass uns die gewaltigen Weiten des Kosmos mit seinen unvorstellbar vielen Sternen schier erdrücken. In diesen Weiten seien noch viele weitere erdähnlicher, belebter Planeten zu erwarten.Aber muss es wirklich tausende anderer bewohnter Welten geben? Der Astrobiologe Guillermo Gonzales nahm die Bedingungen für komplexes Leben genauer unter die Lupe und kommt zum gegenteiligen Schluss. Er prägte den inzwischen gebräuchlichen Begriff habitable Zone für die Region um einen Stern, in der Leben in komplexer Form überhaupt möglich sein kann. Viele weitere Faktoren schränken die Wahrscheinlichkeit für solches Leben jedoch derartig ein, dass selbst die unvorstellbar große Zahl von Sternen uns kaum Hoffnung auf die Entdeckung bewohnter Welten im All machen kann. Zu viele Zusammenhänge und zu viele physikalische Größen passen in unserem Planetensystem sehr genau, damit wir hier auf der Erde leben können. Diese sogenannte Feinabstimmung wird im Film gut verständlich und anschaulich dargestellt. Sie steht dem sog. kopernikanischen Prinzip von der Beliebigkeit unseres Wohnortes im Universum entgegen und zeichnet unsere Erde als sehr besondern Planeten aus.

Die beeindruckende Beobachtung einer totalen Sonnenfinsternis brachte Gonzales auf einen weiteren Gedanken: Wären Sonne und Mond von der Erde aus gesehen nicht nahezu gleich groß, hätten wir dieses Schauspiel nicht und vielmehr noch, wir könnten nicht solche interessanten physikalischen Erkenntnisse daraus gewinnen. Sollte das bloßer Zufall sein? Oder steckt dahinter vielmehr Gottes Absicht? Der privilegierte Planet zeigt eine Reihe weiterer Umstände auf, die nicht nur das (komplexe) Leben ermöglichen, sondern uns eine ausgezeichnete Beobachterposition im Kosmos einräumen: z.B. die ausgerechnet im sichtbaren Licht durchlässige Erdatmosphäre, die gleichzeitig aber gefährliche kosmische Strahlung abschirmt. Der privilegierte Planet kommt so zu der Schlussfolgerung, dass Gott uns die unermesslichen Weiten des Kosmos zeigen und seine physikalischen Zusammenhänge erforschen lassen will, damit wir über Seine Größe staunen.

Im Gegensatz zum gleichnamigen (englischen) Buch kommt der Film komplett ohne die Behandlung der Frage nach dem Alter des Kosmos aus. Die Aussagen im Film können daher sowohl von Anhängern eines hohen kosmologischen Alters als auch von Befürwortern einer Kurzzeitschöpfung vertreten werden.

Bestellhinweis

Illustra Media, USA, 2005
Deutsche Bearbeitung Drei Linden Film 2008
DVD, 60 Min., stereo

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Rezension von Wolfgang Sickinger1

Bernhard Kaiser gelingt mit diesem Buch eine kurzgefasste und verständliche Ausarbeitung zu dem grundlegenden Thema „Offenbarung“.

Im Gegensatz zu manchen anderen dogmatischen Entwürfen benennt Kaiser deutlich seine Voraussetzungen: Die Bibel mit ihrem Bezug zur menschlichen Geschichte wird als Quelle des christlichen Glaubens und der Offenbarung befragt, als Wort Gottes und als Menschenwort (S. 21f). Die Gegenposition ist für ihn die grundsätzliche Feststellung Immanuel Kants, dass für die theoretische Vernunft eine Aussage über Gott für den Menschen mit Gewissheit nicht möglich sei. Diese These hat das moderne Denken und auch die Theologie bis in die Gegenwart geprägt. Kaiser weist dazu in kurzen Darstellungen theologischer Entwürfe des 19. und 20. Jahrhunderts nach, wie dort die Offenbarung Gottes in das menschliche Bewusstsein verlegt und in letzter Konsequenz zu einem Produkt der menschlichen Religiosität wird. Nach Kaiser kann die moderne Theologie mit dieser Grundentscheidung nicht den Weg zur geschichtlichen Offenbarung in Christus zeigen.

Ausführlich stellt er dagegen das biblische Offenbarungsverständnis dar und unterscheidet zwischen der allgemeinen Offenbarung Gottes in der Schöpfung und der Heilsoffenbarung in der Geschichte, die uns nur durch das biblische Wort vermittelt wird. Weil das Erkennen des Menschen aufgrund seiner Vernunft lückenhaft bleibt und aufgrund der Sündhaftigkeit des Menschen fehlerhaft bleiben muss, ist für Kaiser die allgemeine Offenbarung „für sich genommen im Blick auf das Heil unwirksam“ (S. 63) – im Gegensatz zur Auffassung der römisch-katholischen Kirche.

Kompakt und verständlich werden die Gottesbeweise vom Mittelalter bis zu Kant dargestellt und als ungeeignet bewertet, den sich selbst offenbarenden Gott, von dem die Bibel spricht, zu erkennen.

Kaiser legt den Schwerpunkt seiner Darstellung auf die Offenbarung in der Heilsgeschichte progressiv zu Christus hin, in einer Kontinuität zwischen dem Sinaibund und dem neuen Bund in Verheißung und Erfüllung. Ausdrücklich schließt er sich mit dem Begriff „Offenbarungsgeschichte“ an Walter Künneth an. Kaiser betont, dass die Offenbarung Gottes mit Christus bzw. der Zeit der Apostel abgeschlossen sei. Davon zu unterscheiden sei das Handeln Gottes in der Kirchengeschichte , wo durch den Heiligen Geist „Erleuchtung“ einzelner Menschen und Gemeinden geschehen kann, aber nur als Hinführung zur Offenbarung in Christus und nicht als „neue“ Offenbarungen.

Insgesamt will Kaiser dazu anregen, Gott in seiner Offenbarung zu suchen, in der Predigt wieder von der geschehenen Offenbarung zu sprechen und Theologie unter der Vorgabe der Offenbarung zu erarbeiten. Diese Absicht ist sehr zu begrüßen, weil sie die zentrale Grundlage biblisch verantworteter Theologie anspricht. Man mag die eine oder andere theologische Bewertung anders vornehmen als Kaiser es tut, aber man kann seine Studie insgesamt als eine sehr kenntnisreiche, biblisch gut begründete und übersichtliche Darstellung eines zentralen theologischen Themas nur empfehlen.

Bestellhinweis

VTR, Nürnberg
222 S., ISBN 3-937965-29-7

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1 In ähnlicher Form abgedruckt in: Aufbruch. Mitglieder- und Freundesbrief des Ev. Aufbruchs in Deutschland, April 2006, S. 6-7


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Rezension von Reinhard Haupt

Die Skepsis an der in westlichen Demokratien vorherrschenden Wirtschaftsordnung, dem System der Sozialen Marktwirtschaft, beruft sich vielfach auf Stimmen innerhalb der Kirchen und der Theologie. Kirchliche Denkschriften, Kirchentags-Resolutionen, persönliche Stellungnahmen von Theologen u.a. lassen den Eindruck entstehen, als widerspreche die christliche Lehre unserer Wirtschaftsverfassung. In den Medien und im Erziehungswesen überwiegt die kritische Einstellung zur marktlichen Ordnung und zum Leistungsprinzip. Die globalen Krisenerscheinungen wie andauernde, hohe Arbeitslosigkeit, ökologische Katastrophen, die Maßlosigkeit von Managergehältern und anderes tun ein übriges, um dem einzelnen ein Bild einer hemmungslosen Wirtschaftsordnung zu vermitteln, die nach dem Motto verfährt „Ethik – nein danke!“.

Werner Lachmann: Wirtschaft und Ethik: Maßstäbe wirtschaftlichen Handelns aus biblischer und ökonomischer Sicht

Die Schrift des ehemaligen Hochschullehrers für Volkswirtschaftslehre (insbesondere Wirtschafts- und Entwicklungspolitik) an der Universität Erlangen-Nürnberg entfaltet zunächst eine bejahende Sicht der Wirtschaft: Die Endlichkeit der natürlichen, menschlichen und technischen Ressourcen zwingt angesichts der praktischen Unendlichkeit von menschlichen Ansprüchen und Wünschen zur sorgsamen Verwaltung dieser Knappheit. Dabei hat uns die hohe Arbeitsteilung und das grundsätzlich freie Spiel von Angebot und Nachfrage auf Märkten ein historisch einmaliges Wohlstandsniveau gebracht. Zwar kann diese marktwirtschaftliche Ordnung ihre Leistungsfähigkeit nur unter intakten Wettbewerbsbedingungen behaupten - der Wettbewerb ist eben „kein Spontankraut, sondern eine Kulturpflanze“ (S. 59 f.) -, aber unter einer solchen Pflege des Marktgeschehens hat sich unsere Wirtschaftsordnung durchaus sehr bewährt.

Auf der anderen Seite hat sich die Markt- oder Wettbewerbswirtschaft aber auch dem Problem der Ungleichheit der Einkommensverteilung bis hin zum sozialen Absturz von Verlierern in diesem System zu stellen. Das Leitbild der Sozialen Marktwirtschaft (SMW), ein besonderes Vorbildmodell der deutschen Nachkriegsordnung weltweit, folgt dabei besonders dem Rahmen des Sozialstaats und nicht dem des Wohlfahrtsstaates: Während der Sozialstaat auf den Vorrang der Selbsthilfe vor der Fremdhilfe baut, betont der Wohlfahrtsstaat die staatliche Fürsorge für den einzelnen Bürger. Mit einem Blick auf das Hintergrund-Menschenbild begründet Lachmann die Überlegenheit der SMW: Diese Wirtschaftsordnung der Eigenverantwortlichkeit wird der Realität der menschlichen Natur deutlicher gerecht als die vielen Sozialutopien, die die Geschichte hervorgebracht hat – von Platons „Politeia“ über Thomas Morus’ „Utopia“ bis zu den Sozialismus-Idealen der letzten 150 Jahre. Die SMW ist sehr nüchtern und pragmatisch, sie rechnet mit dem Eigeninteresse und nicht mit dem Altruismus der Menschen, sie ist eine Ordnung für Sünder, „nicht für Heilige“ (S. 33). Von daher erweisen sich die Sozial- und die Gesundheitspolitik heute auch einen schlechten Dienst, wenn sie den gefallenen Menschen ignorieren und zunächst einmal „von guten Arbeitslosen und ehrlichen Kranken“ ausgehen, „die das System nicht ausnutzen“ (S. 203).

Auf dem Hintergrund dieser wirtschaftstheoretischen und ordnungsethischen Grundlegung analysiert Lachmann ausgewählte Problemfelder der aktuellen Wirtschaftspolitik, wie die Arbeitslosigkeit, das Umweltproblem, den Gesundheitssektor, die Schattenwirtschaft, die Globalisierung usw. Hier erweist sich die Stärke dieser wirtschaftsethischen Basisschrift: die eingehende Verzahnung der ökonomischen Analyse mit einer biblisch-theologischen Argumentation. Damit setzt sich das Werk sowohl vom Moralismus mancher wirtschaftsferner kirchlicher Stimmen als auch vom mangelnden Wertebewusstsein des Marktradikalismus ab.

Die nüchterne und bibelgebundene Erörterung wagt sich auch an strittige Themen, wie etwa die Kinderarbeit in der Dritten Welt (S. 186 f.). Hier wird anschaulich gezeigt, dass „gut gemeint“ nicht immer „gut“ heißen muss: Ein Boykott von Waren aus Kinderarbeit löst das Problem nicht, da es zu noch unerträglicheren Ausweichreaktionen im Entwicklungsland führt (Raub, Prostitution, Verelendung); besser wäre z. B. eine Entwicklungshilfe, die wenigstens einen Halbtagsschulbesuch, also eine einstweilige Verbindung von Kinderarbeit und Schulbildung, ermöglicht.

Unsere gesellschaftliche Wirklichkeit kennt selbstverständlich noch manche anderen wirtschaftsethischen Schieflagen, die hier nur am Rande behandelt werden, z.B. das Anspruchsdenken, das sich etwa in der Ausbeutung des Sozialstaates durch den einzelnen auswirkt. Während sich das Buch an diesem Punkt und bei den entsprechenden biblischen Korrekturen (z. B. die Betonung der Individualverantwortung: „ . . . dass sie ihr eigenes Brot essen!“, 2. Thess. 3, 12) knapp hält, schließt Lachmann mit einem überzeugenden Blick auf die grundlegenden Herausforderungen unserer Gegenwartsgesellschaft. Persönliche Freiheit und materielle Sicherheit sind in einem historisch unvergleichlichen Umfang verwirklicht – auf Kosten eines kulturell-ethischen Defizits: Das Spannungsfeld „Wirtschaft und Ethik“ ist nicht nur ein Problem unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, sondern vor allem der geistigen Grundlagen dieser Ordnung. Die Kirchen, als Wegweiser für biblische Maßstäbe, nicht nur die Entscheidungsträger der Wirtschaft, müssen sich hier ihre Versäumnisse vorwerfen lassen.

Der besondere Ausweis dieser Schrift liegt in seiner wirtschaftswissenschaftlichen Kompetenz in Verbindung mit der Autorität einer biblisch fundierten Ethik. Sie stellt einen dringend notwendigen Beitrag aus der Feder eines Wirtschaftsexperten zur Kritik an Markt und Leistung und zur Rolle des Christseins in wirtschaftlichen Zusammenhängen dar. Die solide fachliche Einführung ist auch für den wirtschaftswissenschaftlich ungeschulten, aber interessierten Laien geeignet. Die Ausführungen nehmen immer wieder auf aktuelle ökonomische Gegebenheiten Bezug. Man kann sich nur wünschen, dass das Buch den Blick schärft für die Salzkraft des Christentums in unserer Gesellschaft.

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Lit Verlag, Berlin, 2006
308 Seiten

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Die Studiengemeinschaft Wort und Wissen sucht Studenten und Wissenschaftler bis maximal 35 Jahre, die auf einem fachlichen Niveau relevante Themen in der Zeitschrift „Studium Integrale Journal“ einem breiteren Publikum vermitteln können. Werden Sie Autor von SIJ und gewinnen Sie einen Preis! Der Artikel sollte etwa 15.000-25.000 Zeichen umfassen und illustriert werden. Insbesondere soll im Bereich der Naturwissenschaft der Bezug zur Evolutions-/Schöpfungsthematik herausgearbeitet werden und der Artikel sich sachlichkritisch mit Evolutionsvorstellungen auseinandersetzen. In den Wirtschaftswissenschaften spielt die Ethik und ihre Auswirkung eine größere Rolle.

Bei der Anmeldung als Autor (per eMail) können Sie entweder ein eigenes Thema vorschlagen (über die Annahme des Themas entscheidet die Studiengemeinschaft), oder Sie erhalten von uns eine Liste mit Themen, die uns besonders interessant oder wichtig erscheinen. Wir bieten neben Literaturangaben zum Einstieg in die Thematik eine Betreuung während der Entstehung Ihres Artikels, sofern dies gewünscht wird. Melden Sie sich an!

Schicken Sie Ihren fertigen Artikel spätestens zum 31. 10. 2008 an die Studiengemeinschaft. Die beste Einsendung wird mit 1000 € prämiert, die zweitbeste mit 500 €, die drittbeste mit 250 €, und die Artikel werden im SIJ abgedruckt. Über die Prämierung entscheiden Gutachter aus dem jeweiligen Fachgebiet der Studiengemeinschaft. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Viel Spaß beim Schreiben wünscht die Studiengemeinschaft Wort und Wissen!


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Abb: An der Stelle dieser Klosterruine, von der es nur dieses einzige Foto aus dem Jahr 1909 gibt, soll die Arche Noah auf dem Berg Cudi gelandet sein.

Den Landeplatz der Arche Noah gefunden zu haben, glaubt Timo Roller, Autor des Buches Bible Earth – Der virtuelle Reiseführer (s. u.). In diesem Buch, das mit dem Programm Google Earth zu Orten der Bibel führt, schrieb Roller schon vor einem Jahr: „Falls Google Earth eines Tages hochauflösende Bilder des Berges Ararat ins Netz stellen sollte, kann man vielleicht selbst die Arche entdecken!“ Jetzt vermutet er, dass die Arche gar nicht auf dem Ararat zu suchen ist, sondern auf dem Berg Cudi, im Süden der Türkei, direkt an der Grenze zu Syrien und dem Irak. Dieser Berg wird im Koran als Landeplatz der Arche genannt und kann auf eine lange Tradition in antiken und islamischen Überlieferungen zurückblicken. Auch die Bibel lässt diese Möglichkeit offen: Sie spricht von einem Gebirge mit dem Namen Ararat, diese Bezeichnung scheint jedoch identisch zu sein mit dem assyrischen Urartu, einem Gebiet nördlich von Mesopotamien. Viele Nachforschungen gab es nicht auf dem Berg Cudi, das „neueste“ bekannte Foto vom Gipfel ist 99 Jahre (!) alt, heute ist der Berg durch die militärischen Auseinandersetzungen zwischen der türkischen Armee und kurdischen Rebellen nahezu unzugänglich. Roller hat auf der Internetseite einer kurdischen Guerilla-Gruppe ein aktuelles Foto gefunden und anhand der beiden Bilder und dem hochauflösenden Satellitenmaterial von Google die genaue Lage einer Klosterruine rekonstruiert, die angeblich am Landeplatz der Arche errichtet worden war. Als Baumaterial sei Überlieferungen zufolge auch Holz der Arche verwendet worden. Die genauen Koordinaten dieser Stelle gibt Roller mit 37.3666N, 42.4954E an. Der vollständige Artikel mit ausführlichen Analysen und Quellenangaben ist auf der Internetseite www.bible-earth.net zu finden.

Timo Roller ist Autor verschiedener Veröffentlichungen und Geschäftsführer von MORIJA medien (www.morija.de).


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Timo Roller:
Bible Earth
der virtuelle Reiseführer
Details zum Buch "Bible Earth – der virtuelle Reiseführer"

Über Satellitenbilder ist ein Ausflug zu bisher unbekannten Orten möglich. „Google“ hat neben Mesopotamien auch Israel mit hoch auflösenden Bilddaten erschlossen. Dieses Buch erklärt fachmännisch und kurzweilig, was man sieht: alte Ruinen, moderne Städte und landschaftliche Besonderheiten. Babylon, Jerusalem, Rom und über 30 andere Orte: Die Welt der Bibel wird lebendig – nicht nur für PC-Profis..


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Mit Bildern aus dem Kosmos und einer archäologischen Zeitreise

Im christlichen Tagungs- und Gästezentrum „Schönblick“ in Schwäbisch Gmünd wurde am 31. Mai 2008 im Rahmen der Schönblicker Gespräche eine Dauerausstellung der Studiengemeinschaft Wort und Wissen eröffnet. Auf Initiative von Prof. Dr. Horst W. Beck begannen vor ca. 1 ½ Jahren erste gemeinsame Planungen der Verantwortlichen und Architekten des Gästezentrums mit Mitarbeitern der Studiengemeinschaft.

Gestaltet wurde eine Galerie mit eindrucksvollen Bildern des Kosmos, denen prägnante Zitate berühmter Wissenschaftler, astronomische Daten und Zeugnisse der Heiligen Schrift zugeordnet wurden.

Der zweite Schwerpunkt der Ausstellung liegt in einer archäologischen Zeitreise, beginnend mit Informationen aus dem Lebensumfeld von Abraham bis in die Epoche der nachexilischen Zeit des Volkes Juda. Didaktisch eindrucksvoll wird dies in einem Vitrinenaufbau mit zahlreichen Originalstücken (mehr als 80%) und Repliken präsentiert.

In ihren Vorträgen zur Eröffnung der Ausstellung verwiesen Prof. Dr. H. W. Beck und Dr. Peter van der Veen auf den biblisch bezeugten engen Zusammenhang zwischen der Geschichte des Kosmos, der Natur und des Menschen mit dem sich offenbarenden Gott.

Beide Präsentationen bestätigen den Sinn und die Berechtigung einer vom biblischen Wirklichkeitszeugnis bestimmten wissenschaftlichen Erforschung unserer Welt. Darüber hinaus laden sie die zahlreichen Besucher des Gästezentrums zum Staunen über den Schöpfer unserer Welt, Jesus Christus, und zur Begegnung mit IHM ein.

Beeindruckt und dankbar über die geschaffene Ausstellung zeigten sich neben dem Leiter des Gästezentrums, Herrn Scheuermann und dem Vorsitzenden von Wort und Wissen, Dr. Ullrich, die zur Eröffnung anwesenden Gäste. Ohne das große Engagement zahlreicher hauptamtlicher und ehrenamtlicher Mitarbeiter des Schönblicks und von Wort und Wissen wäre die Umsetzung des Projektes in der jetzt vorhandenen Qualität nicht möglich gewesen. Die finanziellen Mittel für die Ausstellung wurden aus Spendengeldern der Studiengemeinschaft zur Verfügung gestellt.


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Titelbild: „Rote Perlen“ auf kargem Untergrund: Die Berg-Hauswurz (Sempervivum montanum). Sie gehört zu den sogenannten CAM-Pflanzen (s. S. 4). Die CAM-Photosynthese ist einer der Photosynthese-Mechanismen, deren Entstehung im ersten Beitrag dieser Ausgabe beleuchtet werden. (Foto: Richard WISKIN)

Themen Heft 1/2008

  • H. Kutzelnigg: Zur Evolution der C4-Pflanzen. Ist C4-Photosynthese 45-mal unabhängig voneinander entstanden?
  • H. Ullrich: Sind Vogelfügel umgestaltete Dinosaurierhände? Zum Konflikt zwischen fossilen und entwicklungsbiologischen Daten bei der phylogenetischen Herleitung des Vogelflügels Kurzbeiträge
  • R. Junker: Der Wurmfortsatz als Rettungsstation
  • H. Ullrich: Augenblicke – raffiniertes Design der Linsenaugen
  • W. Lindemann: Trilobiten: Radiation von Grundtypen?
  • T. Waldminghaus: Molekulare Uhren: Die Zeiten ändern sich
  • N. Winkler: Ameisen: Neue Überraschungen, Teil IV
  • H. Binder: Parasitoide Schlupfwespen und ihre Wirte – eine komplexe Manipulation
  • T. Haller & C. Heilig: Spinnen-Design oder Spinnen-„Design“? Essay zu einem vieldiskutierten Begriff
  • Streiflichter: Bernstein: Einblicke in vergangene Ökologie I: Ältester fossiler Hinweis auf Orchideen und deren Bestäuberin - Bernstein: Einblicke in vergangene Ökologie II: Käfer beim Einsatz chemischer Waffen ertappt - Neues zur explosiven Artbildung - Menschliche Augen sind einzigartig - Gleiche Konstruktion – gleiches Design oder gleiche Umweltbedingungen? - Kraftwerke zu Linsen - Mensch und Schimpanse noch weiter auseinander - Beutenkäfer bestiehlt Bienen - Fliegen fliegen nicht zufällig - Räuberischer Pilz in fossilem Harz aus der Kreide - Genomforschung – Wieviel „Schrott“ bleibt übrig? oder: Wie findet man bisher übersehene bedeutsame DNA-Sequenzen? - Pflanzliche Wiederbesiedlung in der Polarregion
  • Rezensionen: S. Namsor: The superordinate Pterosaur. Evolution as deduced from the Evolution of their wings (D. Schaller) - R. Junker: The Design Matrix (M. Gene)
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Das Wort und Wissen Info 3/2003 (Nr. 64; Oktober 2003)

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Letzte Änderung: 18.06.2010
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