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WORT und WISSEN

Info 3/08 - Nr. 84/September 2008




in der öffentlichen Auseinandersetzung um Schöpfung und Evolution haben wir es mit verschiedenen Spannungsfeldern zu tun. Zum einen sind wir als Christen und Wissenschaftler herausgefordert, auf dem Gebiet der Naturwissenschaft Stellung zu beziehen. Zum anderen wird aber auch von evangelisch-kirchlicher Seite unser Weg kritisch gesehen, um es vorsichtig auszudrücken. Die Bibel beim Wort zu nehmen, wie wir es bei Wort und Wissen tun wollen, nennt man „fundamentalistisch“.1 In letzter Zeit sind einige evangelisch-kirchliche Stellungnahmen zum Thema erschienen, in denen ziemlich klar gegen Wort und Wissen bzw. die von uns vertretenen theologische Position Stellung genommen wird. Unser Glaubensfundament wird in Frage gestellt. Auf manches sind wir an anderer Stelle eingegangen.2

Weniger von der Öffentlichkeit bemerkt und kein Thema der Tagespresse ist jedoch eine erfreuliche Entwicklung: Wir werden zu Veranstaltungen kirchlicher und weltlicher Veranstalter eingeladen. Früher wäre unser Anliegen allenfalls eine Randnotiz gewesen; heute sind wir als Referenten beteiligt. Mitarbeiter von Wort und Wissen bei staatlichen Fortbildungsveranstaltungen und bei Tagungen von kirchlichen Akademien ausdrücklich erwünscht. So fand in diesen Tagen gerade eine Veranstaltung der „International Partnership Initiative e. V.“ zum Thema „Schöpfung“ in Wolfsburg mit Beteiligung unseres 1. Vorsitzenden Henrik Ullrich statt.

Wort und Wissen als
Gesprächspartner gefragt

So „fundamentalistisch“ (im negativen Sinne) sind wir offenbar doch nicht, denn man kann nicht nur mit uns reden, sondern man will. So haben wir die Möglichkeit, unser Anliegen unverzerrt und unverkürzt einem Publikum vorzutragen, das uns bisher höchstens aus Presseberichten kannte bzw. eben nicht kannte. Teilweise entstanden und entstehen daraus Publikationen, die in Verlagen erscheinen, zu denen wir von uns aus keinen Zugang hätten.3

So erfreulich diese Entwicklung ist, so hart ist das Pflaster auf solchen Tagungen. Einen Eindruck davon kann der nachfolgende Tagungsbericht über eine Tagung an der Evang. Akademie Baden in Bad Herrenalb vermitteln. Auf ein Argument wird allerdings seitens unserer Kritiker fast nie eingegangen, nämlich auf den heilsgeschichtlichen Zusammenhang zwischen dem ersten Menschen Adam und unserem Retter Jesus Christus, zwischen Sünde und Rechtfertigung, zwischen Tod und Leben, kurz gesagt: auf das Evangelium, wie es im Neuen Testament bezeugt wird. Genau daran aber wollen wir unsere Arbeit bei Wort und Wissen messen lassen. Alles soll einen Bezug zum Evangelium von Jesus Christus haben, so wie die ganze Bibel und Heilsgeschichte es vorgeben. Das wird immer zu Widerspruch führen, es war zur Zeit des irdischen Jesus nicht anders.

Herzlichen Dank, dass Sie, liebe W+W-Freunde, uns auf diesem Weg auf verschiedenste Weise begleiten und unterstützen.

Ihr Reinhard Junker

1 Die Kennzeichnung „Fundamentalismus“ war zwar ursprünglich eine Art Fachbegriff, ist aber längst zu einem Kampfwort geworden, mit dem Emotionen und Abwehrreaktionen ausgelöst werden (sollen).
2 Z. B.: „Evangelische Kirche lehnt Kreationismus und „Intelligent Design“ ab“, „Die EKD und die Abschaffung der Schöpfung“, „Mit der Evolution gegen den ‘Bibelfundamentalismus’“.
3 So erschien z. B. ein Tagungsband einer Tagung an der Evang. Akademie Iserlohn in der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt mit dem Tagungsbeitrag von Reinhard Junker. (Titel des ganzen Bandes: Zufall Mensch? Herausgeber: Lars Klinnert)

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Bericht und Kommentare zu einer Tagung der
Evangelischen Akademie Badens von Reinhard Junker

Unter dem Thema „Gott als Designer? Theologie und Naturwissenschaft im Gespräch“ fand vom 6.-8. Juni 2008 an der Evangelischen Akademie Baden in Bad Herrenalb (Nordschwarzwald) eine Tagung über Schöpfung und Evolution statt. Das Thema wurde von sechs Referenten aus biologischer, wissenschaftstheoretischer, theologischer und religionspädagogischer Sicht beleuchtet. Als einziger Evolutionskritiker war auch Reinhard Junker von der Studiengemeinschaft Wort und Wissen mit von der Partie. Folgende Vorträge wurden in dieser Reihenfolge gehalten (mit anschließender meist halbstündiger Diskussion):

  • Prof. Dr. Thomas Junker: Was ist Evolution? Die Darwinsche Revolution und die moderne Biologie
  • Dr. Reinhard Junker: Evolution und Schöpfung. Theologische Motive und naturwissenschaftliche Aspekte des Kreationismus
  • Dr. Hansjörg Hemminger: Mit der Bibel gegen die Evolution? Evolution, Intelligent Design und Kreationismus
  • Prof. Dr. Jürgen Audretsch: Reichweite und Grenzen naturwissenschaftlicher Aussagen
  • Prof. Dr. Manfred Oeming: Ist die Bibel ein Tatsachenbericht? Lesehilfen zur Lektüre der Schöpfungsgeschichte
  • Prof. Dr. Astrid Dinter: Evolutionstheorie gegen Schöpfungstheologie? Eine Auseinandersetzung mit dem Buch „Gotteswahn“ von Richard Dawkins

Es waren gut 100 Teilnehmer anwesend, viele davon gehörten zum Stammpublikum der Evangelischen Akademie, aber es waren auch andere Gäste dabei; die Tagung war besser besucht als vom Veranstalter erwartet.

Nachfolgender Bericht des Mitreferenten Reinhard Junker soll keinen vollständigen Überblick über alle Themen und Thesen geben, sondern greift einige Punkte heraus, die aus der Sicht von Wort und Wissen von besonderer Relevanz oder von besonderem Interesse sind.

Biologismus pur. Der Biologe Thomas Junker präsentierte einige Inhalte der Evolutionstheorie, vor allem über die Evolutionsmechanismen: Variation, Selektion und Zeit reichen aus, um die Vielfalt des Lebens hervorzubringen. Er baute darauf einen rigorosen Biologismus auf, so dass es nur folgerichtig war, dass er keinerlei Vereinbarungsmöglichkeiten von Evolution und einem wie auch immer gearteten Schöpfungsglauben sah. Die Evolution könne alles erklären, auch den Sinn des Lebens, der darin bestehe, dass die biologischen Maschinen (auch wir Menschen) ihre Gene verbreiten. Dazu gab es in einem solchen Rahmen verständlicherweise viel Kontra. Ein Teilnehmer meinte, er hätte zwar vier Kinder, aber keine Enkel; ob er nun den Lebenssinn verfehlt habe. – Nein, so die Antwort, denn die Evolution habe dafür gesorgt, dass es einem gut gehen solle, denn das sei eine grundsätzliche Voraussetzung dafür, dass man seine Gene gut weitergeben könne. Damit sei auch ein „hedonistischer Sinn des Lebens biologisch begründet“.

Die Evolution kann auch den Sinn des Lebens erklären. Er besteht darin, dass die biologischen Maschinen (auch wir Menschen) ihre Gene verbreiten.

Vom Publikum wurde auch kritisch bemerkt, dass Thomas Junker dauernd teleologische (=zielgerichtete) Begriffe für Evolutionsvorgänge verwendete, obwohl Evolution kein Ziel kennt. Antwort: Das sei abkürzende Redeweise. Es waren z. B. folgende Begriffe im Zusammenhang mit Evolution verwendet worden: „Programmierung“, „Zwecke“, „um ... zu“-Formulierungen, „egoistische Gene“, „erfinden“, „Experiment“ der Evolution, „Architekt“, „Konstrukteur“. Ich konnte in meinem darauf folgenden Vortrag darauf hinweisen, dass Formulierungen, die ohne teleologische Elemente in den Begriffen auskommen, in vielen Fällen in der Biologie noch gar nicht gefunden worden seien.

Bemerkenswert war noch der Versuch des Referenten, „Evolution – ein kritisches Lehrbuch“ zu diskreditieren; und zwar wie folgt: In dessen Vorwort steht: „Deutungsprobleme und offene Fragen von Evolutionstheorien ... haben nach unserer Auffassung ein so großes Gewicht, dass Makroevolution als nicht mehr hinterfragbare Leitvorstellung ernsthaft geprüft und nicht als Tatsache vorausgesetzt werden sollte.“ Thomas Junker nannte es „bodenlosen Unsinn“ zu behaupten, dass Evolution als Tatsache vorausgesetzt werde; das stimme nicht. Man würde ständig Überprüfungen vornehmen. Einige Minuten später betonte er dann sehr stark, dass Evolution eine Tatsache sei – so sicher wie Tatsachen nur sein könnten. Damit hatte er sich selbst widersprochen. Ich konnte das in meinem Vortrag klären und wies auf die Wendung „als nicht mehr hinterfragbare Leitvorstellung“ hin. Außerdem warf er Evolutionskritikern vor, mit den Begriffen „Mikroevolution“ und „Makroevolution“ Verwirrung stiften zu wollen. Tatsächlich trifft aber das Gegenteil zu. Wir bemühen uns um saubere Begriffsklärungen als Basis für eine fruchtbare Diskussion. Die Grundtypenbiologie bezeichnete Th. Junker als „unkritischen naivsten Wunderglauben“, das sei „Kindergarten“.

Kreationismus kritisch gesehen. Der Hauptteil des Vortrags des Weltanschauungsbeauftragten und Biologen Hansjörg Hemminger bestand aus einem durchaus interessanten und kurzweilig vorgetragenen historischen Rückblick zur Geschichte des Kreationismus und der Intelligent Design-Bewegung. Dessen Ausführlichkeit ließ dann aber kaum Zeit für eine nennenswerte substantielle Auseinandersetzung, weder bezüglich naturwissenschaftlicher noch theologischer Argumente. Die Kritik am Kreationismus erschöpfte sich im Wesentlichen in der Aussage, dass der Kreationismus als Naturwissenschaft in einem Vergleich mit der Evolutionstheorie überall schlechter abschneide; der Kreationismus stelle sich einer Hypothesenkonkurrenz nicht, in den meisten Feldern sei er nicht einmal als Konkurrent angetreten. Hemminger ging kurz auf den „Intelligent Design“-Ansatz (ID) ein, der meines Erachtens unausgewogen dargestellt wurde. Man konnte seinem Vortrag manches darüber entnehmen, was er nicht vertritt, weniger aber, wofür er theologisch steht.

Als Motive des Kreationismus, die in dessen Geschichte vorherrschend waren, nannte er die Geltung der Heiligen Schrift (was er als „Bibelfundamen-talismus“ bezeichnete), die Rettung des christlichen Menschenbildes (was Folgen für Ethik und Menschenwürde habe) sowie neuerdings vor allem in der ID-Bewegung einen Gottesbeweis auf dem Wege naturwissenschaftlicher Argumentation. Hier überraschte mich sein Optimismus bezüglich der Leistungskraft der Evolutionsmechanismen: Die Entstehung sog. „komplexer spezifizierter Information“ (dazu gehören z. B. biochemische Maschinen wie der Bakterien-Rotationsmotor) sei durch Selbstorganisation problemlos möglich.

Rekonstruktion der Naturgeschichte ist nicht Teil der Naturwissenschaft, sondern nur Anwendungsgebiet der Naturwissenschaft.

Naturwissenschaft und Naturgeschichte. Der Physiker Jürgen Audretsch unterschied zwischen starken und schwachen ID-Versionen. Das erscheint mir als eine sehr wichtige Unterscheidung. Nach der starken Fassung könne man – vereinfacht gesagt – einen Designer aus der Natur beweisen, die schwache Fassung dagegen versteht Design-Indizien nur als Veranschaulichung bei Vorgabe eines Designers (gedrehtes Design-Argument). Naturwissenschaft sei Laborwissenschaft (plus Freilandbeobachtungen) und könne ihre Aussagen nur unter Vorgabe von Voraussetzungen machen (was Thomas Junker in der Diskussion zu seinem Vortrag implizit bestritt, denn er meinte, man ginge streng induktiv vor, „da kann Popper sagen was er will“). Begründungsketten müssten in der Naturwissenschaft lückenlos sein, es gebe Gültigkeitsbereiche, aber auch Grenzen der Naturwissenschaft. Dagegen sei Rekonstruktion der Naturgeschichte nicht Teil der Naturwissenschaft, sondern nur Anwendungsgebiet der Naturwissenschaft. Geschichte ist Rekonstruktion bzw. Konstruktion der Vergangenheit, ein Blick zurück auf der Grundlage der vorliegenden Beobachtungsdaten mit Hilfe der naturwissenschaftlichen Methoden und dem naturwissenschaftlichen Wissen der Zeit. Dazu seien die Kriterien der Geschichtswissenschaft anzuwenden. Er stimmte einem Diskussionsbeitrag aus dem Publikum zu, dass es verschiedene Rekonstruktionen geben könne, die miteinander konkurrieren.

Begründungslücken könne es durchaus geben. Audretsch brachte aus der Kosmologie das Beispiel der Standardtheorie, die solche Lücken gehabt habe, die durch die Inflationstheorie zwar gefüllt worden seien, wodurch sich die Lücken aber nur verschoben hätten.

„No-go-Aussagen“ (Unmöglichkeitssätze) (was ja ID auch macht) gebe es in großer Zahl in der Wissenschaft, sie seien aber nur unter der Angabe von Voraussetzungen möglich.

Schöpfungsglaube ohne realen Bezug zur Naturwissenschaft? Der Alttestamentler Manfred Oeming legte einige Schöpfungstexte aus, sehr ausführlich Gen 1 und Gen 2, sowie Texte aus Jesaja, Hiob und den Psalmen. Seiner textgetreuen Auslegung von Gen 1 konnte ich praktisch uneingeschränkt zustimmen; dagegen fast überhaupt nicht seinen Ausführungen zu Genesis 2. Gott werde dort als Experimentator gesehen, dem auch mal etwas missglücke, so beim Versuch, unter den Tieren einen Partner für den Menschen zu finden. Eine solche Auslegung halte ich für verfehlt. Denn abgesehen davon, dass das so nicht im Text steht, waren die Menschen, selbst wenn man historisch-kritisch und evolutionär denkt, nie so naiv, auf eine derartige Idee zu kommen.

Was kann die Rede vom ursprünglichen Tierfrieden überhaupt bedeuten, wenn es diesen in Wirklichkeit nie gab?

Dass Genesis 1 in der Zeit der babylonischen Gefangenschaft als „Antwort auf den Kulturdruck der Babylonier“ entstanden sei, gilt bekanntlich als Standard in der Theologie; die Begründung dafür fiel in Oemings Vortrag sehr kurz aus. Es stellt sich hier jedoch die Frage, wie unter solchen Umständen den zuvor exegetisch begründeten Aussagen ein Realitätsgehalt zukommen kann. Woher hatten die Autoren ihr Wissen? Hatten sie es schon mitgebracht und wollten sie es nun aufschreiben? Oder ist es ihnen erst in Babylon in den Sinn gekommen? Wie kamen sie dann überhaupt darauf? Und mit welcher Begründung kann es als realistisch und glaubwürdig angesehen werden? Konkret: Was kann z. B. die Rede vom ursprünglichen Tierfrieden überhaupt bedeuten, wenn es diesen in Wirklichkeit nie gab? Oder: Was soll es bedeuten, dass der Mensch – zum Bilde Gottes geschaffen – Gottes „Standbild“ (Stellvertreter) auf der Erde ist, wenn der Mensch in Wirklichkeit evolutionär bedingt ein höchst unvollkommenes Wesen ist, das einer solchen Aufgabe niemals gewachsen sein kann? Die zuvor vorgetragene Auslegung von Gen 1 ist damit unglaubwürdig.

Wenn diese Texte also gar keinen (oder nur einen unbedeutenden) historischen Realitätsgehalt haben, verlieren sie auch ihren tieferen und existentiellen Sinn. Hier liegt das Hauptproblem neuzeitlicher Hermeneutik: Was das Alte und Neue Testament als wirkliches Handeln und Reden Gottes bezeugt (beginnend mit der Schöpfung), was in der Kirche so geglaubt wurde, sieht man heute lediglich als subjektive Vorstellung früherer Theologen bzw. religiöser Gruppen. Der hermeneutische Versuch, man solle die Schöpfungstexte als Zukunftstexte lesen, erscheint mir sehr merkwürdig, nicht textgemäß und ohne exegetische Begründung.

Schließlich muss man fragen: Wenn man schon argumentiert, Gen 1 sei (auch) Abgrenzung gegen babylonische Vorstellungen, warum gehört dann das astral gesteuerte Weltzeitalter-Schema mit seinen zyklischen Feuer- und Wasserkatastrophen nicht zu den Abgrenzungen? Denn gerade hier liegt doch ein markanter Unterschied der Zeitvorstellungen in Gen 1 zu damals zeitgenössischen Vorstellungen der israelitischen Umwelt im Exil vor. Was ist also der Auslegungsschlüssel? Ist es nicht doch das moderne Weltbild?

Welchen Bezug hat die Schöpfungslehre zur Realität?

Oemings Bemerkung, die „fundamentalistische“ Bibelauslegung sei aus Ängsten gespeist, könnte man insbesondere allen Entflechtungslösungen vorhalten, die sich – etwas provozierend gesagt – vor lauter Angst auf sicheres, unangreifbares Terrain zurückgezogen haben, indem sie die Beziehung zur biblisch bezeugten Historie und damit zur Wirklichkeit des Handelns und Redens Gottes faktisch gekappt haben. Wenn aber, wie Oeming feststellte, das von ihm vorgetragene Schöpfungsverständnis unabhängig von den Ergebnissen der Naturwissenschaft sei, dann stellt sich die Frage, was überhaupt der Inhalt der Schöpfungslehre ist und ob sie einen Bezug zur Realität hat. Die Umweltproblematik kann ja trotz ihrer Wichtigkeit nicht der einzige Bezug sein. Es drängt sich der Eindruck auf, als würden die exegetisch ermittelten Inhalte aufrechterhalten, aber die sie begründenden faktischen Grundlagen bestritten.

Die Schlussfolgerungen gingen nach langer Rede in wenigen Minuten am Ende von Oemings Vortrag fast unter. Kreationisten nähmen biblische Texte selektiv wahr, so Oeming, die Begründung war für mich nicht mehr erkennbar Dagegen stellte sich bei Oemings Auslegung von Gen 2 umgekehrt die Frage, ob er Dinge in die Texte hineinliest. Leider blieb fast keine Zeit mehr für kritische Rückfragen.

Religionspädagogische Aspekte. Die Religionspädagogin Astrid Dinter analysierte im ersten Teil Ihres Vortrags die Argumentation in Dawkins’ Buch „Der Gotteswahn“ und diagnostizierte ein monistisches, einliniges naturwissenschaftliches Denken, das alles erklären wolle (die Tagungsteilnehmer hatten das zuvor live im Eingangsreferat von Thomas Junker erleben können). Wie einige andere Redner ging auch sie auf ID ein und kritisierte an diesem Ansatz ähnlich wie an Dawkins’ Buch eine „einlinige Argumentation“ und eine monistische Weltsicht. Leider gab es in keinem der Beiträge eine zusammenhängende Erklärung des ID-Ansatzes (ich hatte auch kaum Zeit dazu in meinem Vortrag). Wenn das Tagungsthema „Gott als Designer?“ heißt, wäre es sinnvoll gewesen, einen eigenen Grundsatzvortrag eines ID-Sympathisanten einzuplanen, in dem die Argumentationsweise im Zusammenhang dargestellt wird. Wichtig war hier die oben erwähnte Unterscheidung einer starken und schwachen Form von ID. Auf die schwache Form (die der Position der SG Wort und Wissen nahe kommt), trifft die o. g. Kritik von Frau Dinter nicht zu, da in dieser Version die Grenzen der Naturwissenschaft berücksichtigt werden. Hier wurde wie so oft beim Thema „ID“ das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Im zweiten Teil thematisierte Frau Dinter religionspädagogische Aspekte des Themenfelds Glaube und Naturwissenschaft. Sie betonte die Wichtigkeit einer Verhältnisbestimmung von Theologie und Naturwissenschaft in der Pädagogik, wobei altersgemäß unterschiedlich vorgegangen werden müsse. Gelinge hier nicht frühzeitig eine Synthese, drohe später ein Abbrechen der religiösen Weltsicht oder eine Ablehnung der Naturwissenschaft. Die SG Wort und Wissen teilt dieses Grundanliegen und möchte ebenfalls gerade diesen Abbruch sowohl zu Glaubensinhalten als auch zur Naturwissenschaft verhindern, doch die Vorstellungen zur konkreten Umsetzung dieses Anliegens gehen freilich in eine deutlich andere Richtung. Die historisch-kritische Ausdünnung der historischen und naturkundlichen Bezüge der Glaubensinhalte und des biblischen Zeugnisses (vgl. Oemings Vortrag) halten wir für eine schlechte Basis einer In-Bezug-Setzung von Glaube und Naturwissenschaft. Dass viele Jugendliche sich vom christlichen Glauben abwenden, könnte auch einer gefühlten Belanglosigkeit geschuldet sein, wenn die Bezüge zur realen Welt weitgehend gekappt worden sind.

Die Evangelische Akademie Baden plant die Veröffentlichung eines Tagungsbandes mit den Beiträgen aller Referenten in ihrer Reihe „Herrenalber Forum“.


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R. Junker & H. Ullrich (Hg.): Schöpfung und Wissenschaft.

Viele Menschen sehen in den Begriffen Schöpfung und Wissenschaft einen unüberwindlichen Gegensatz. Was bewegt die Mitarbeiter der Studiengemeinschaft Wort und Wissen dazu, beides zusammenzubringen?

Wissenschaftliche Evolutionskritik und schöpfungstheoretische Deutungsansätze werden in diesem Taschenbuch prägnant zusammengefasst. Kritische Anfragen an die Arbeit von Wort und Wissen werden beantwortet.

Die Studiengemeinschaft Wort und Wissen möchte mit diesem Buch Denkansätze darstellen, die den Glauben an das Schöpfungshandeln Gottes mit den Erkenntnissen der Naturwissenschaften zusammenbringen.

Das Buch erschien zuletzt unter dem Titel „Schöpfung (o)der Evolution“: Die nun erschienene 5. Auflage würde zu einem großen Teil völlig neu bearbeitet und aktualisiert.

Für alle, die aus erster Hand und genauer wissen wollen, wofür die Studiengemeinschaft Wort und Wissen steht. Angesichts vieler verbreiteter Vorurteile und Desinforma-tionen über Wort und Wissen ein ganz wichtiges Buch. Für weite Verbreitung sind wir Ihnen, liebe W+W-Freunde, dankbar!

Inhalt

I. Einführung
II. Begriffsbestimmungen
III. Wofür steht die Studiengemeinschaft Wort und Wissen?
IV. Evolution – Schöpfungsmethode Gottes?
V. Schöpfungsforschung als Wissenschaft?
VI. Grundzüge der Schöpfungslehre
VII. „Intelligent Design“
VIII. Positionen im Überblick
IX. Fragen an Wort und Wissen
X. Die Arbeit der Studiengemeinschaft Wort und Wissen

Bestellhinweis

Hänssler-Verlag & CV-Verlag Dillenburg, 2008
Tb., 12x19, 64 Seiten, 4 Abb.

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In den öffentlichen Auseinandersetzungen um die biblische Schöpfungslehre wird immer wieder auf ausgesprochen unfaire Weise vorgegangen. Wir möchten unseren W+W-Freunden zwei Beispiele schildern, um deutlich zu machen, mit welchen Methoden eine sachliche Kontroverse unterlaufen wird.

Versuch, die Glaubwürdigkeit zu zerstören

Unser bekanntes Lehrbuch gibt es seit kurzem auch auf Italienisch. Infos und Bezug bei der Geschäftsstelle.

In dem Buch „Kreationismus in Deutschland“ werden schwerwiegende Anschuldigungen gegen die Autoren von „Evolution – ein kritisches Lehrbuch“ erhoben. Wir waren in einer Rezension darauf kurz eingegangen.1 In einem der Beiträge erhebt Dr. Andreas Beyer den Vorwurf, die Autoren würden abhängig von ihrer Zielgruppe sehr unterschiedlich argumentieren.2 Speziell an die Adresse von Siegfried Scherer gerichtet: „Gegenüber der wissenschaftlich gebildeten Leserschaft, die Spiegelfechterei und Scheinargumente durchschauen würde, wagt er es noch nicht einmal, die komplette Einbettung des von ihm entdeckten Holins in ein anderes Gen auch nur als ‘unverständlich’ zu bezeichnen, stattdessen nennt er sogar die Fakten, die für die Evolution dieses Gens relevant sind, beim Namen (freilich ohne dabei von ‘Evolution’ zu reden!). Gegenüber dem Laienpublikum, an das er sich mit seinem kreationistischen ‘Lehrbuch’ wendet, verschweigt er all diese Tatsachen und führt stattdessen unpassende Vergleiche wie den der Leserasterverschiebung in Texten an. Und wo es um überlappende Gene höherer Lebewesen geht, selektieren Junker und Scherer ganz gezielt das, was einigermaßen in ihr Weltbild passt und unterschlagen den Rest. ... Solche Vorgehensweise erscheint mir zutiefst unaufrichtig und unredlich, die Autoren enthalten ihrer Laienleserschaft ganz selektiv relevante Informationen vor; anders ist die Sachlage nicht zu interpretieren.“ Mit anderen Worten bezichtigt Beyer die Autoren des kritischen Lehrbuchs des Betrugs. Schlimmer könnte in diesem Zusammenhang ein Vorwurf kaum sein, denn er zielt auf die Zerstörung jeglicher Glaubwürdigkeit – und das ist für einen Autor bzw. ein Buch der GAU.3

Zu diesen Anschuldigungen führte Christoph Heilig kürzlich ein Interview mit Siegfried Scherer; es ist unter „Siegfried Scherer über Holine und schwere Anschuldigungen“ veröffentlicht. Darin erklärt Scherer zunächst, worum es in dem von Beyer erwähnten Abschnitt über Holine geht, und geht dann auf die oben teilweise zitierten schwerwiegenden Anschuldigungen ein. Aus dem Interview geht hervor, dass Leser, die den Wissenschafts- und Publikationsbetrieb nicht kennen, durch Beyers Artikel irregeführt werden. Die Vorwürfe von Beyer, die für den unbedarften Leser vermutlich recht plausibel klingen, lösen sich vollständig in Luft auf. Wir empfehlen unseren Lesern sehr, sich unter dem oben angegebenen Link zu informieren.

Verhinderter Vortrag an einer Schule

Voriges Frühjahr war anlässlich einer Vortragsreihe ein Vortrag von mir an einer Realschule geplant. Er war wie die anderen Vorträge von einem örtlichen Verein organisiert und mit der Schulleitung vereinbart worden. Einige Tage vor dem geplanten Termin wurde der Vortrag jedoch abgesagt; die Gründe für die Absage waren damals unklar. Nun erreichte mich vor wenigen Wochen ein Schreiben, in dem ein vermutlich maßgeblicher Grund genannt wurde. Der Inhalt dieses Briefes, den wir an dieser Stelle in anonymisierter Form weitergeben, war eine große Überraschung:

„Sehr geehrter Herr Junker, im Rahmen ihrer Vortragsreihe des letzten Jahres [...] hatte ich mich schwer ins Zeug gelegt, ihren Vortrag in der [...] Schule zu torpedieren. Da ich davon ausgehen muß, dass mein „Engagement“ auf die Schulleitung entscheidenden Einfluß hatte – und selbst, wenn dem nicht so wäre – möchte ich mich bei Ihnen persönlich und in aller Form entschuldigen.
[Ich] halte ... inzwischen die Kreationisten und Intelligent-Designer für ein notwendiges Korrektiv des Neodarwinismus, dessen heuchlerische Kreationistenhatz und häufig substanzlose Apologetik die eigentliche fundamentalistische Gefahr für die Ausbildung junger Menschen zu selbständig denkenden Persönlichkeiten darstellt.
Nun kann ich ihr Schöpfungskonzept zwar aus wissenschaftstheoretischen Gründen nicht teilen, doch fände ich es unverschämt, einer sehr späten Entschuldigung eine prompte Kritik folgen zu lassen.
Mir bleibt nur, Ihnen in der weiteren Auseinandersetzung mit den ‘überzeugten Darwinisten’ viel Inspiration und Kraft zu wünschen.“

Soweit dieses bemerkenswerte Schreiben.

Reinhard Junker

Anmerkungen
1 Siehe W+W-Info 4/07, Seite 5 und (Anti-)Kreationismus in Deutschland
2 Der betreffende Abschnitt wurde auch im Internet veröffentlicht: http://www.evolutionsbiologen.de/leseproben/leseraster.html.
3 Dass ein Laienpublikum die Zielgruppe des Lehrbuchs sei, stimmt auch nicht.

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H. Ullrich: Fabians unerwartete Entdeckung.
Wissenswertes über Brillen, Stammbäume und den Ursprung des Lebens.

Das scheinbar zufällige Treffen mit seinem Freund Philipp gestaltet sich für Fabian zu einer außergewöhnlichen Entdeckungsreise im städtischen Zoo.

Sein Freund konfrontiert ihn mit einer begründeten Alternative zur Evolutionslehre von Charles Dawin. Ob es Fabian gelingt, die „Brille des Zweifels“ über Gott und sein Schöpferhandeln, von dem die Bibel berichtet, zur Seite zu legen?

Schüler und Eltern finden durch das Buch eine gute Hilfestellung bei Diskussionen zu diesem Thema. Geeignet ab ca. 11 Jahren. Das Buch erschien früher unter dem Titel „Was Stammbäume verschweigen“ und wurde für die Neuauflage überarbeitet und erweitert.

Bestellhinweis

CV-Verlag, Dillenburg, 2008
Tb., 11x18, 64 S., 16

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Neuer Flyer zu einer häufig gestellten Frage

„Die biblischen Schöpfungstexte sind für Naturwissenschaft und die tatsächliche Geschichte ohne Bedeutung.“ So oder so ähnlich lernen es viele Schüler im Religionsunterricht, und in der Theologie ist diese Sicht längst Standard. Einer der Argumente für diese Auffassung sind die vermeintlichen Widersprüche zwischen den ersten beiden Kapitel der Bibel, Genesis 1 und 2.

Es handelt sich tatsächlich um recht unterschiedliche Texte. Im ersten Kapitel werden in strenger Abfolge die aufeinander aufbauenden Schöpfungswerke aufgezählt, im zweiten dreht sich fast alles um den Menschen, die Erzählform ist „lockerer“. Doch diese Texte beinhalten keineswegs offene Widersprüche. Eine Reihe von scheinbaren Ungereimtheiten tritt im Gegenteil gerade erst dadurch auf, dass die Texte auseinandergerissen werden. Im neuen Flyer wird im Detail auf die einzelnen behaupteten Widersprüche eingegangen.

Der Flyer kann bei der Geschäftsstelle bestellt und unter www.wort-und-wissen.de/flyer heruntergeladen werden.


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Der beliebte „Psalm einer Pusteblume“ kann jetzt auch als DVD (mit Bild + Ton) ausgeliehen werden. Dauer der Präsentation: 18 Min.

Thema ist der Löwenzahn als Sinnbild für Gottes Handeln im Leben der Menschen. Alle Eigenschaften des Löwenzahns sind durchdacht und werden als Botschaft Gottes an den Menschen ausgelegt.

Einsatzmöglichkeiten: Als Bildpredigt für unterschiedliche Zwecke und für jedes Alter im gemeindlichen Rahmen (Familiengottesdienst, Hauskreise, Festtage usw.).

Bestellhinweis:

54 Bilder + Ton; 18 Min.

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Das Wort und Wissen Info 3/2003 (Nr. 64; Oktober 2003)

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Letzte Änderung: 07.10.2008
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