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WORT und WISSEN

Info 4/08 - Nr. 85/November 2008




Christliche Herkunftserklärungen werden manchmal pauschal abgelehnt, weil sie angeblich Gott als Lückenbüßer einsetzen. Da wir aber glauben, dass Gott in Raum und Zeit handelt, äußern wir uns natürlich entsprechend, und schieben Ihn nicht ins Irreale. Falsch wäre allerdings, „Gott“ nur dort anzuführen, wo wir Erklärungslücken haben.

Nicht nur Christen können jedoch in den Fehler verfallen, Lückenbüßer-Begriffe vorzubringen. In atheistischen oder naturalistischen Herkunftserklärungen sind sie systematisch anzutreffen und werden immer häufiger. Es handelt sich um Begriffe, die Erklärungskraft nur vorspiegeln. Wieso werden solche Begriffe gebraucht? Wofür stehen sie?

Gebraucht werden sie, wenn nur Kausalmechanismen, also natürlich-mechanischen Vorgängen eine Erklärungskraft zugestanden wird. Dem liegt eine verengte Weltsicht zugrunde, die zwar für naturwissenschaftliche Laborforschung sinnvoll ist. Auf das Leben und die Schöpfung allgemein angewandt, muss diese Weltsicht aber ihre Begrenztheit eingestehen. Wenn sie es nicht tut, wird rasch bloßen Mechanismen Schöpferkraft zugeordnet, zum Beispiel wenn „die Evolution“ als Erklärung für schlechtweg alles im Munde geführt wird.

Nehmen wir an, dass Zufall und Notwendigkeit die Entstehung des Lebens tatsächlich nicht erklären. So titelte ja ein Fachartikel, den Eberhard Bertsch und ich im Studium Integrale Journal referierten (Heft 2, 2007). Wer oder was erklärt es dann? Was fehlt uns zum Verstehen? Sicher war der Vorgang der Lebensentstehung von chemischen Veränderungen begleitet, auch wenn wir sie nicht kennen. Wichtig: Auch wenn wir diesen Vorgang kennen würden, hätten wir nicht verstanden, wie und warum die Chemie bei der Entstehung der Lebewesen auf so – von außen betrachtet – wundersame Weise ablief. Eine wesentliche Komponente fehlt, die nicht im Mechanismus liegt. Es fehlt die Organisation des Vorgangs, anders gesagt die Steuerung. Deswegen wird der Begriff „Selbstorganisation“ oft verwendet. Er hat wohl einen wissenschaftlichen Klang, ist in Wirklichkeit aber ein Lü-ckenbüßer-Begriff, ein „deus ex machina“ („herbeigezauberter Gott“), wie ein Vertreter der ungelenkten Lebensentstehung einmal schrieb. Zum Verständnis der Entstehung des Neuen benötigt man allgemein „integratives Management“. Das ist eine andere Umschreibung für das, was zur Erklärung fehlt. Aristoteles hätte vielleicht die Entelechie eingesetzt. (Es ist hier nicht der Platz, auf diesen Begriff und seine Implikationen einzugehen.) Der Philosoph Jerry Fodor schlug kürzlich in seinem Artikel „Warum Schweine keine Flügel haben“ dafür „endogeneous variables“ (immanente Variable) vor. Fodor ist nicht allein mit der Meinung, dass natürliche Auslese die Entstehung des Neuen in der Natur nicht erklären kann. Für diese Auffassung hat er nach eigener Aussage ordentlich verbale Prügel eingesteckt, obwohl er sich sicherheitshalber deutlich von Kreationismus und Intelligent Design distanzierte. Natürliche Selektion erklärt Auswahl (Optimierung), aber nicht Neukonstruktion. Es wird noch etwas anderes gebraucht, um eine wirkliche Erklärung vorschlagen zu können.

Als weitere nur scheinbar erklärende Begriffe sind in letzter Zeit die folgenden aufgetaucht: Emergenz, Synergismus, Origination oder „einfach“ Evolution als Glaubenssystem.1 Dass diese Begriffe geprägt werden, ist in sich Beweis, dass ein Sachverhalt erkannt wird, der mit dem kausalmechanistischen ateleologischen (= ohne Zielorientierung) Instrumentarium nicht erfasst werden kann.

Die neuen Begriffe vermeiden das Wort, das hier am besten passt: Kreativität (schöpferisches Handeln). Jedoch nicht alle Vertreter naturalistischer Weltentstehungslehren umgehen Schöpfungsvokabular. Ausdrücke wie „Evolution ist Design“ kommen inzwischen vor und haben, da sie Schlagworte sind, keine erklärende, sondern von der Problematik ablenkende Wirkung. „Design“ – wenn wir den Begriff nicht völlig umdeuten wollen – erfordert für die Erschaffung von Leben und allem Neuen mehr als das Walten blinder Kräfte. Naturalistische Weltanschauungen versuchen weniger und weniger, die Erkennbarkeit von Kreativität zu leugnen. Nur wählen sie eine andere Quelle, der sie Kreativität zutrauen. Es ist eine Vertrauensfrage und Glaubenssache: Wem oder was traue ich schöpferische Qualität zu?

Kreativität und Intelligenz sind klar erkennbare Merkmale des Kosmos, insbesondere der Lebewesen. Will man die Kreativität und Intelligenz nicht leugnen, sie aber auch nicht einem Schöpfer zuerkennen, so muss man sie der Schöpfung zuschreiben. Natur und Materie „werden“ kreativ, und weil sie es nicht sind, fallen wir nach meiner Erwartung wieder in eine längst überwundene magisch-heidnische Naturauffassung zurück. Man liest Ausdrücke wie „Die Natur denkt kybernetisch“, „Wie es die Natur beabsichtigte“, „Die Natur generell ist kreativ“, und „Mit dem Hinterfragen biologischer Konstruktionsmechanismen und Verfahrensprozesse tun Ingenieure und Wissenschaftler nichts anderes, als scheibchenweise eine Intelligenz für uns nutzbar zu machen, die schon immer Lebewesen erschaffen hat.“

Das erinnert mich sehr stark an manche Passage beispielsweise aus Ciceros „Von der Natur der Götter“ (ca. 55 v. Chr.). Darin werden die antiken heidnischen Vorstellungen von der Entstehung und Erhaltung der Welt diskutiert.2 Zum Beispiel führt der stoische Philosoph aus: „Zenon definiert die Natur als ein schöpferisch wirkendes Feuer, das methodisch vorgeht, um etwas zu erschaffen“ (II 57). Man vergleiche mit einer Formulierung des Biologen Brian Goodwin, der in der Spiegel-Online-Kolumne „Was wir glauben, ohne es beweisen zu können“, am 12. 10. 2008 schrieb: „Das Bild eines sinnvollen, einheitlichen, schöpferischen kosmischen Geschehens könnte somit den sinnlosen mechanischen Kosmos ersetzen, der die szientifische [wissenschaftsgeprägte] Kultur des Westens in den letzten Jahrhunderten beherrscht hat.“ Wir beobachten derzeit, was ich die zweite Extrapolation der Evolutionslehre nennen möchte. Sie begann mit der Beobachtung der Veränderlichkeit von Organismen. Die erste Extrapolation behauptete die Entstehung allen Lebens auf dem Wege gradueller, ungelenkter Veränderungen. Jetzt verlässt die Lehre endgültig den biologischen Rahmen und weitet sich zu einer All-Erklärung von Werden, Sein und Sinn.

Als Christen erfahren wir aus Gottes Wort von Seiner Kreativität und Souveränität und finden das beim Nachdenken über den belebten und unbelebten Kosmos bestätigt. Diese Sicht verdanken wir nicht unserer Klugheit, sondern sie ist uns durch Jesus Christus zugänglich gemacht worden. Durch ihn ist „alles erschaffen, was im Himmel und auf der Erde ist“ (Kolosser 1,16). Durch ihn sollte „alles im Himmel und auf der Erde mit Gott versöhnt werden und Frieden mit ihm finden“ (Kolosser 1,20). Schöpfer und Erlöser – an dieser Einheit des Glaubens wollen wir festhalten, auch durch das Ringen um die immer nur bruchstückhafte Einheit von Gottes Wort und menschlichem Wissen.

Danke für Ihr Mitringen, Mitdenken und Mittragen!

Ihr Peter Imming

Anmerkungen
1 Eine aktuelle Neudefinition der Evolution lieferte kürzlich der Biologe Brian Goodwin: „Das setzt voraus, Evolution neu zu denken als innere Instanz, die in den Lebenszyklen verschiedener Spezies – als natürliche Kulturen verstanden – Sinn verkörpert.“ SPIEGEL online 12. 10. 2008 in der Rubrik „Was wir für wahr halten, aber nicht beweisen können“.
2 Übrigens ist auch die Multiversum-Hypothese (Existenz vieler parallel existierender Universen) in der Antike bereits in der epikureischen Lehre zu finden (z.B. Cicero, de natura deorum II 49). Es gibt nichts Neues unter der Sonne ...

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Von Manfred Stephan

Abb. 1: Schmiedefeld-Formation südwestlich Saalfeld (Saale). In der unteren Gesteinsbank (rechts unter dem Hammer) wurden Leitfossilien gefunden.

Charles Darwin hat zwar gesagt, dass Geologie eine edle Wissenschaft sei, doch für viele unserer Zeitgenossen ist sie ein „sprödes“ Fach. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Geologie in den Schulen nicht gelehrt wird, und allgemein fällt die Beschäftigung damit nicht gerade leicht. Darum beginnen wir seit einigen Jahren auf unserer Tagung Schöpfungslehre kompakt zunächst mit einem Vortrag über geologische Grundbegriffe. Hinzu kommt, dass unsere Geo-Forschung ständig von einer anderen „spröden“ Erkenntnis begleitet wird, nämlich dass es längst nicht immer gelingt, geologische Abläufe in einem Kurzzeithorizont zu verstehen, wie ihn die biblische Urgeschichte (1. Mose 1-11) voraussetzt. Doch ist das nur die eine Seite der Medaille. Es gibt viele geologische Phänomene, bei denen die Forschung im Lauf der Zeit überraschend einsehen musste, dass sie sich rasch ereignet haben, bis hin zu Erdkrustenbewegungen in großer Tiefe, von denen man das früher nie vermutet hätte.1

Ein besonders eindrückliches Beispiel, zu dem soeben ein Artikel in unserer empfehlenswerten Zeitschrift Studium Integrale Journal erschien,2 ist die Schmiedefeld-Formation (Thüringisches Schiefergebirge). Das besondere ist nun, dass die Formation nur zwischen 0,5 m und maximal 40 m dick ist, aber ihre Entstehung habe 20 Millionen Jahre gedauert. Doch auch nach Untersuchungen von Geologen, die große Zeiträume zugrunde legen, wurde die Formation rasch abgelagert; so stellt ein Sedimentforscher einen Widerspruch zwischen einer schnellen Ablagerung, einer geringen Gesamtmächtigkeit und einer langen Bildungszeit fest.3

Wie kommt man unter diesen Umständen auf 20 Millionen Jahre Entstehungszeit? In der unteren Schicht der Formation (Abb. 1) sowie in der Kalkbank ganz oben (Abb. 2) wurden kleine Fossilien entdeckt (sog. Conodonten). Nach Erfahrungen mehrerer Forschergenerationen kommen sie nur in bestimmten Schichten vor, man findet sie weder darunter noch darüber. Diese Fossilien haben also leitenden Charakter; deshalb heißen sie Leitfossilien. Auch in anderen Teilen der Welt kennt man Schichtpakete, in denen die gleichen Leitfossilien wie in Thüringen übereinander vorkommen. In Kanada und Schottland kennt man nun aus Schichten mit diesen Leitfossilien vulkanische Gesteinslagen. Vulkangesteine können radiometrisch datiert werden, und so kommt man für die Schmiedefeld-Formation auf die Entstehungszeit von 20 Millionen Jahren. Zusammengefasst besteht das Paradox in Folgendem:

  • Die Formation ist sehr geringmächtig
  • Sie wurde rasch abgelagert
  • Man kennt aus der Formation aber nur gewöhnliche Schichtfugen
  • Langzeitlichen Schichtlücken (Hiaten) wurden nicht beschrieben.
Abb. 2: Oberer Teil der Schmiedefeld-Formation in einem stillgelegten Bergwerk bei Saalfeld. Auch aus der Kalkbank (zwischen Hammerkopf und heller Schicht weiter oben) kennt man Leitfossilien.

Doch in einem Kurzzeitverständnis der Erdgeschichte lösen sich diese Widersprüche auf. Auch die radiometrischen Datierungen werden durch solche Befunde in Frage gestellt.

Wegen der eingangs genannten Schwierigkeiten möchten wir vorrangig gute Einzelstudien veröffentlichen, von denen wir hoffen, dass sie Bausteine für ein künftiges Geologiemodell bilden, das mit dem kurzen Zeithorizont der biblischen Urgeschichte und der weltweiten Sintflut zusammenpasst.4 Solange sich noch keine gut begründbare Kombination zahlreicher geologischer Befunde mit der Sintflut abzeichnet, wollen wir diesen vorsichtigeren Weg gehen. Erfreulich ist, dass nun auch ein amerikanischer Hochschullehrer, Leonard BRAND, unabhängig von uns 2007 diesen Arbeitsansatz empfiehlt5, wie wir ihn sehr ähnlich schon vor einem Jahrzehnt vorgeschlagen haben.6

Mitarbeiter sind gefragt. Abschließend sei ein Wort unseres Herrn Jesus angeführt, das auch für die Geo-Forschung bei Wort und Wissen zutrifft: „Die Ernte ist zwar groß, die Arbeiter aber sind nur wenige“ (Mt 9,37). Deshalb die Bitte: Beten Sie für weitere Mitarbeiter, dass wir mit vermehrtem Einsatz an Fachwissen und Zeit besser vorankommen. Auf unserer Internet-Homepage haben wir eine Seite eingerichtet, die über lohnende geologische Projekte informiert, und zur Mitarbeit an diesen und ähnlichen Projekten einlädt.7

Anmerkungen
1 Beispiele dazu finden sich in dem Diskussionsbeitrag „Einige Befunde aus verschiedenen Wissenschaften, die zu einer kürzeren Erdgeschichte passen oder den Aktualismus in Frage stellen“
2 STEPHAN M (2008) Rätselhaft: Das Fehlen von 20 Millionen Jahren. Studium Integrale Journal 15, 59-68.
3 ELLENBERG J (2000) Die Bildung oolithischer Eisenerze im thüringischen Ordovizium. Geowissenschaftliche Mitteilungen von Thüringen, Beiheft 9, S. 57-82; hier S. 80.
4 Vgl. zu unserem Arbeitsansatz z.B. den Diskussionsbeitrag „Warum vertritt WORT UND WISSEN eine biblische Kurzzeit-Erdgeschichte, aber kein geologisches Sintflut-Modell?“
5 BRAND L (2007) Wholistic Geology: Geology Before, During, and After the Biblical Flood. Origins 61, 7-34. http://www.grisda.org/origins/61007.pdf. Vgl. dazu den Diskussionsbeitrag von C. HEILIG: „Ganzheitliche Geologie – Schritt zu einer alternativen Geologie im Rahmen der biblischen Schöpfungslehre.“
6 STEPHAN M & FRITZSCHE T (2003) Sintflut und Geologie. Schritte zu einer biblisch-urgeschichtlichen Geologie. (Eine 3., erweiterte Auflage ist in Vorbereitung).
7 http://www.wort-und-wissen.de/mitarbeit/geowissenschaften.html. Auch der in Anm. 1 genannte Diskussionsbeitrag weist auf solche Projekte hin.

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Streiflichter von Podiumsdiskussionen in Wolfsburg und Nürnberg

Zu den wenigen positiven Effekten des Medienrummels der letzten Jahre um „Intelligent Design“ und Kreationismus zählen für uns unerwartete Einladungen an Mitarbeiter und Referenten der SG Wort und Wissen zu Podiumsdiskussionen. Neben kirchlichen Instituten und Akademien wagen es nun auch staatliche Bildungseinrichtungen, aus erster Hand über Beweggründe zur Evolutionskritik und über die Wesenszüge eines naturwissenschaftlich begründeten Schöpfungszeugnisses informiert zu werden. So erhielt ich die Einladung, am 10. September 2008 in Wolfsburg an einer öffentlichen Gesprächsrunde zum Thema „Die Schöpfung – Gottes Werk und Darwins Beitrag“ teilzunehmen. Veranstalter waren die International Partnership Initiative e.V. (IPI), das Bildungszentrum Wolfsburg gGmbH und die phaeno gGmbH. Knapp zwei Wochen später folgte ich einer Einladung zu einer Tagung der Weltanschauungsbeauftragten der Evangelischen und Katholischen Kirchen Deutschlands, der Schweiz und Österreichs in Nürnberg unter der Überschrift „Christlicher Schöpfungsglaube zwischen Anti-Evolutionismus und neuem Atheismus“.

Trotz des deutlich unterschiedlichen Profils der Zuhörerschaft und ihrer Erwartungen gegenüber der Thematik wurden mir während oder im Anschluss dieser Veranstaltungen in Gesprächen und E-Mails gleichlautende und deshalb sehr interessante Einschätzungen mitgeteilt. Einige möchte ich an dieser Stelle weitergeben.

Klärungen. Die angeblichen Bedrohungen für den Wissenschaftsstandort Deutschland und die Ausbildung junger Menschen, welche durch die Medien und manch offizielle Publikation aus kirchlichen Kreisen auch „Wort und Wissen“ angelastet werden, erscheinen vielen unverständlich und gegenstandslos. Evolutionskritik bedeutet eben nicht einen Abgesang auf die Wissenschaft – im Gegenteil: Kritik gehört zur Wissenschaft. Zweitens wurde etlichen klar, dass die Motivation unserer Arbeit nicht aus einem blinden Hass gegenüber einer „gottlosen“ Wissenschaft erwächst, sondern aus der existentiellen Bedeutung, die Ursprungsfragen für den Wahrheitsanspruch des christlichen Glaubens besitzen. Drittens, das Offenlegen von Berührungspunkten und der deutlichen Differenzen von „Wort und Wissen“ gegenüber manchen Formen des amerikanischen Kreationismus und der Intelligent Design-Bewegung vermittelt neue und wichtige Aspekte für die Beurteilung unserer Anliegen. Diese Rückmeldungen sind allein schon Grund genug, die gegenwärtigen guten Möglichkeiten und offenen Türen zu nutzen, um so manchem geschaffenen Widerspruch und entwickeltem Irrtum mit einem klaren Bekenntnis zum Wahrheitsanspruch der Bibel und mit soliden Sachinformationen entgegen zu treten.

Wolfsburg. Die Veranstalter in Wolfsburg waren bereits im Vorfeld des Themenabends über die Resonanz erstaunt. Mehr als 250 Interessenten – vom Schüler bis zum pensionierten Lehrer – füllten den Veranstaltungssaal des „Phaeno“, ein von den Volkswagenwerken gestiftetes modernes und didaktisch interessant gestaltetes Wissenschaftsmuseum. Nach zwei kurzen Eingangsreferaten von Prof. Dr. Fritz (Institut für Mikrobiologie und Genetik der Universität Göttingen) und mir schloss sich eine Gesprächsrunde an. Weitere Teilnehmer an dieser Runde waren OStD Angelika Frank (Biologielehrerin), Dr. Robert Jan Berg (Philosophielehrer, beide Ratsgymnasium Wolfsburg) und der Superintendent von Wolfsburg Hans-Joachim Lenke. Die Diskussion wurde sehr fair durch Dr. Peter Rösner geleitet. Die klassischen Argumente, welche für Evolution sprechen, wurden von meinen Gesprächspartnern hervorgehoben und den kritischen Anfragen gegenübergestellt. Auffällig dabei war ein durchgängiger, nicht zu überbietender Optimismus, dass für alle eingeräumten Schwachstellen evolutionstheoretischer Erklärungsansätze zukünftig wissenschaftliche Erklärungen gefunden werden.

Vom Publikum stark hinterfragt wurde der von Lenke vertretene theologische Ansatz, Inhalte des Glaubens von den Inhalten der wissenschaftlich erfassbaren Wirklichkeit strikt abzukoppeln und sie unterschiedlichen Ebenen zuzuweisen. Die Rede von Gott als Schöpfer mache doch nur dann Sinn, so einer der Kommentare, wenn man diesem Gott auch die tatsächliche Möglichkeit zugesteht, an und in dieser Welt handeln zu können. Am Ende der Veranstaltung wurde jeder Teilnehmer der Diskussionsrunde um ein abschließendes Statement gebeten. Ich betonte dabei, Kritik an der Evolution und einzelnen Evolutionstheorien ist nicht gleichzusetzen mit Wissenschaftskritik, dass Naturwissenschaft nur einen Ausschnitt der Gesamtwirklichkeit erfassen kann und deshalb nicht weltanschaulich überhöht werden darf. Bei der Frage nach Gott kommt nicht meiner Vernunft der Vorrang zu, sondern sie ordnet sich der Allwissenheit Gottes unter und respektiert, dass wir – wie Luther es ausdrückte – Gott gegenüber mit unserem Wissen Bettler bleiben. Daher werde es nicht auf alle mögliche Fragen eine wissenschaftliche Antwort geben. Für dieses Abschlussstatement, das auch den Abschluss der Veranstaltung bildete, erhielt ich viel Zustimmung vom Publikum.

Nürnberg. Die Tagung der Weltanschauungsbeauftragten der Evangelischen und Katholischen Kirchen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz besuchten 55 Teilnehmer. Die Referenten repräsentierten ein breites Spektrum weltanschaulicher Positionen: Prof. Dr. Joachim Kahl (Marburg, bekennender Atheist, aber Kritiker des modernen simplifizierenden Atheismus im Sinne von Dawkins und Kutschera), Prof. Dr. Thomas Junker (Heidelberg, stellv. Vorsitzender der AG Evolutionsbiologie, moderner Atheist im Sinne Dawkins), Dr. Hansjörg Hemminger (Weltanschauungsbeauftragter der Evang. Landeskirche in Württemberg, habilitierter Verhaltensbiologe und Kritiker von Wort und Wissen), Prof. Dr. Hans-Jochim Höhn (Uni Köln, Katholischer Theologe und Philosoph, dessen Kernthese lautet: „Was nicht plausibel ist, darf nicht geglaubt werden“) sowie Prof. Dr. Ulrich Eibach (Bonn, apl. Professor für Systematische Theologie und Ethik, Pfarrer am Universitätsklinikum Bonn). Geleitet wurde die Tagung von Dr. Harald Baer (Hamm) und Dr. Reinhard Hempelmann (EZW Berlin).

Die zentrale Podiumsdiskussion (Th. Junker, H. Hemminger, H. Ullrich) stand unter der Überschrift: „Zufall oder Schöpfung? Zum Verhältnis von Glaube und Naturwissenschaft“ und wurde durch kurze Impulsreferate der Diskutanten eingeleitet.

Ausgehend von den ersten Zeilen des apostolischen Glaubensbekenntnis wies ich dabei u.a. auf den für mich existentiell wichtigen und unauflöslichen Zusammenhang zwischen dem von Bibel her bezeugten Gott und seinem tatsächlichen Handeln in Heils-, Natur- und Menschheitsgeschichte hin. Aufbauend auf einigen grundsätzlichen wissenschaftstheoretischen Zusammenhängen stellte ich die Kritik an der Evolution als aus wissenschaftlicher Sicht möglich und begründet heraus. Ebenso, dass Evolutionskritik kein wissenschaftlicher Beweis für „intelligentes Design“ oder Schöpfung sein kann.

Der alternative Zugang und das Verständnis der Welt aus der Perspektive des biblischen Schöpfungszeugnisses ermöglicht auch Wissenschaft, muss sich aber – wie der Atheismus – Widersprüchen zwischen plausiblen Deutungen wissenschaftlicher Daten und der eigenen Wirklichkeitssicht stellen (seien es Widersprüche zu Evolution oder in Datierungsfragen). Die Überzeugung, dass die Bibel wahre Aussagen zur Geschichte der Schöpfung und des Menschen macht, bedeutet eben nicht gleichzeitig für mich, alles in ihr endgültig und einzig richtig verstanden zu haben und schon gar nicht, sie zum naturwissenschaftlichen Lehrbuch erklären zu wollen.

Junker und Hemminger stellten in ihren Statements inhaltlich das hinlänglich Bekannte dar (vgl. dazu den Bericht von Reinhard Junker aus Bad Herrenalb im letzten W+W-Info). Evolution als Gesamterklärung stehe weder aus naturwissenschaftlicher noch aus christlich-theologischer Perspektive zur Debatte und müsse auch nicht – wegen „einiger offener Fragen“ – prinzipiell hinterfragt werden. Das Festhalten an der Schöpfung sei ein historisch längst überholter und hoffnungsloser Versuch, verlorenes Terrain dem Glauben zu erhalten. Evolutionskritik bedeute deshalb eine kategoriale Infragestellung nahezu aller naturwissenschaftlichen Erkenntnisse. Kreationismus, inklusive der Ansatz von Wort und Wissen, sei, so Hemminger, hinsichtlich seines wissenschaftlichen Ertrages substanzlos und deshalb kein wissenschaftliches, sondern ein psychologisches bzw. soziokulturelles Problem. Auffallend war das Selbstbewusstsein, mit denen diese Referenten ihre Aussagen autorisierten: „Die Naturwissenschaft sagt ..., die Naturwissenschaft lehrt uns ..., für die Naturwissenschaft steht außer Frage, dass ...“

In der darauf folgenden Diskussion wurde ich von keinem der anwesenden Zuhörer bezüglich meiner oben kurz zusammengefassten Thesen hinterfragt oder kritisiert. Die Zeitfrage spielte keine Rolle. Auf eine Anfrage von R. Hempelmann unterstrich ich nochmals, dass der Ansatz von Wort und Wissen zur der Entstehung der Schöpfung und des Lebens wissenschaftlich deshalb „substanzlos“ sein muss, weil wir dies auf einen übernatürlichen Akt zurückführen, der wissenschaftlich eben nicht modellierbar ist. Das berechtigt aber nicht gleichzeitig dazu, schöpfungsgeleitete Erforschung von historischen Zusammenhängen (Geologie, Variation der Grundtypen des Lebens etc.) als substanzlos zu bezeichnen. Die Geschichte der Wissenschaften und die erfolgreiche Arbeit tausender schöpfungsgläubiger Wissenschaftler stehen einer solchen Aussage entgegen. Beschämend erneut der Versuch von Th. Junker und H. Hemminger, „Evolution ein kritisches Lehrbuch“ zu diffamieren. „Jedes dritte Zitat ist falsch ... die Anthropologie darin ist völlig absurd“ (Th. Junker), „scheinbar seriös aber doch völlig unwissenschaftlich“ (Hemminger) usw. Die Oberflächlichkeit dieser Argumentation gipfelte darin, dass Dr. A. Beyers kritische Besprechung der vermeintlichen „Fehlzitate“ der Lehrbuchauflage von 2001 (siehe dazu Fehlerhafte Zitate in „Evolution – ein kritisches Lehrbuch“?) zum Kronzeugen aufgerufen und gleichzeitig zugegeben wurde, dass man (Junker und Hemminger) selber dieses Buch nur auszugsweise gelesen habe.

Hilfreich waren die Wortbeiträge von Prof. Dr. Eibach. Er sprach sich in der Diskussion gegen den simplifizierenden Atheismus von Junker und gegen die Trennung des christlich bezeugten Glaubens von historischen Tatsachen aus und betonte, dass seines Erachtens die experimentellen Naturwissenschaftler im Gegensatz zu den Theoretikern nach wie vor nicht wissen (und dies auch bekennen), was Evolution ist und wie sie funktioniert.

Ganz anders also die Grundstimmung in Nürnberg im Vergleich zu der von Wolfsburg. Für die Mehrheit der theologisch ausgebildeten Weltanschauungsbeauftragten stellt das etablierte Entflechtungsmodell von wissenschaftlicher Erkenntnissen und Glaubensinhalten – entwickelt auf einem historisch-kritischen Textverständnis der Bibel – eine nicht mehr zu hinterfragende Denkvoraussetzung dar. Damit sieht man sich nicht in der „misslichen“ Situation, sich naturalistischen Erklärungsansätzen zur Geschichte des Lebens und des Menschen kritisch entgegenstellen zu müssen, da diese die Inhalte des christlichen Glaubens angeblich nicht in Frage stellen.

Die scheinbare Stärke, mittels dieser vernünftigen Art und Weise (Kants „befreiende“ Philosophie war dabei allenthalben wahrzunehmen) die Abgrenzung und „Rettung“ des christlichen Glaubens gegenüber den „biblizistischen“ Positionen des Kreationismus einerseits und einer ideologisierten Wissenschaft andererseits zu leisten, gefährdet letztlich zentrale Inhalte des christlichen Glaubens. Die Aufkündigung oder Infragestellung des biblischen Wahrheitsanspruches führt zu dessen Belanglosigkeit oder Inhaltslosigkeit und zu seiner Verdrängung in eine wirklichkeitsentfremdete Sphäre menschlichen Denkens, ohne Bezug oder Interaktion mit der erlebbaren Realität.

In Wolfsburg hatte (wie erwähnt) einer der Besucher den Superintendenten auf dieses Problem erstaunlich klar hingewiesen.

Henrik Ullrich


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Für alle, die aus erster Hand wissen wollen, wofür die Studiengemeinschaft Wort und Wissen steht. Angesichts vieler verbreiteter Vorurteile und Desinforma-tionen über Wort und Wissen ein ganz wichtiges Buch.

Für weite Verbreitung sind wir Ihnen, liebe W+W-Freunde, dankbar!

Inhalt:
I. Einführung
II. Begriffsbestimmungen
III. Wofür steht die Studiengemeinschaft Wort und Wissen?
IV. Evolution – Schöpfungsmethode Gottes?
V. Schöpfungsforschung als Wissenschaft?
VI. Grundzüge der Schöpfungslehre
VII. „Intelligent Design“
VIII. Positionen im Überblick
IX. Fragen an Wort und Wissen
X. Die Arbeit der Studiengemeinschaft Wort und Wissen
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Robert Stevenson / Doug Lambier: Mein Experimentebuch zur Schöpfung. Anleitungen und Beschreibungen interessanter Experimente nach den sieben Tagen der Schöpfung (für Kinder ab 12 Jahren, Eltern, Lehrer, Mitarbeiter in der Gemeinde)

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Diskussionsbeitrag

Ganzheitliche Geologie – Schritt zu einer alternativen Geologie im Rahmen der biblischen Schöpfungslehre. (Christoph Heilig)

Newsbeiträge auf Genesisnet

C4-Evolution: Makroevolution oder Aktivierung vorhandener Gene? (Herfried Kutzelnigg)

LHC: Der neue Beschleuniger des CERN, eine „Urknall-Maschine“? (Peter Trüb)

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Das evolutionskritische Magazin

Titelbild: Bislang wurde angenommen, dass Augen auf Schmetterlingsflügeln wie hier beim Tagpfauenauge auf potentielle Fressfeinde abschreckend wirken. Dies ist nach einer neuen empirischen Studie aber gar nicht so sicher, wie in einem der Beiträge dieser Ausgabe gezeigt wird. Für ungelenkte Evolutionsmechanismen stellen sich möglicherweise neue Probleme. (Foto: R. JUNKER)

Themen Heft 2/2008

  • M. Stephan: Rätselhaft: Das Fehlen von 20 Millionen Jahren. Die ausweglosen Widersprüche der Schmiedefeld-Formation
  • R. Junker: Evo-Devo: Schlüssel für Makroevolution? Teil 1: Ausgangspunkt und Anerkennung eines ungelösten Evolutionsproblems
  • C. Heilig: Ruineneidechsen: Makroevolution oder Polyvalenz? Rapide Anpassung, Makroevolution und Hinweise auf programmierte Variabilität bei Podarcis sicula (Sauria: Lacertidae)
  • H. Kutzelnigg: Neues zum explosionsartigen Auftreten der Bedecktsamer
  • C. Heilig: Die Geburt der Geburt
  • H. Binder: Langzeit-Evolutionsexperiment mit Escherichia coli. Empirischer Befund für neue Funktion durch Mutation?
  • E. Hempel & W. Lindemann: Mikroevolutive Entstehung von Selbstbestäubung in Arabidopsis thaliana
  • H. Binder: Parasiten: Wirt zur Verteidigungsmaschine umprogrammiert
  • C. Heilig: Den Vögeln schöne Augen gemacht?
  • H. Binder: Wie durchlässig könnten die ersten Zellen gewesen sein?

Kommentare:

  • H. Ullrich: Bluthochdruck aus evolutionärer Perspektive
  • C. Heilig: Zellwandwachstum: „Design ohne intelligenten Designer“?

Streiflichter:

  • Neue Erkenntnisse über das Magnetfeld von Merkur
  • Altersbestimmung mit Hilfe von Kratern
  • Kommunikation bei Bienen: wir verstehen alles – auch Dialekt!
  • Bereits geringe Strahlenbelastungen schädigen Wanzen schwer
  • Juwelenwespe nimmt Kakerlaken an die Leine
  • Kolibris zwitschern mit Schwanzfedern
  • Invasive Arten als Hotspots der Evolution?
  • Lanzettfischchen: ebenfalls komplexes Erbgut
  • Ventastega curonica – ein früher Vierbeiner
  • Präkambrische Explosion
  • „Vor kurzem“ noch warm in der Antarktis?
  • Sprunghafte Sprachevolution

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Das Wort und Wissen Info 3/2003 (Nr. 64; Oktober 2003)

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