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Informationen aus der Studiengemeinschaft
WORT und WISSEN

Info 1/09 - Nr. 86/Februar 2009




in den letzten Wochen verging kaum ein Tag, ohne dass uns in der Geschäftsstelle ein Hinweis auf einen Zeitungs- oder Zeitschriftenartikel über Charles Darwin oder eine Anfrage dazu erreichte, oft auch verbunden mit der Bitte um einen Leserbrief. Das „Darwin-Jahr“ macht sich deutlich bemerkbar, auch durch Fernsehbeiträge und eine Flut von Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt.

Leider sind die Mitarbeiter von Wort und Wissen kräftemäßig nicht in der Lage, die vielen Wünsche um Antworten und Leserbriefe zu erfüllen, aber wir wollen Ihnen, liebe Freude, auch im Darwin-Jahr nach Kräften helfen. Denn der Darwin-Rummel bietet auch viele Chancen.

Speziell zum Darwin-Jahr bringen wir ein kleines Taschenbuch heraus. In diesen Tagen erscheint das mit 17 Abbildungen versehene leicht lesbare 64-Seiten-Buch „Darwins Rätsel. Schöpfung ohne Schöpfer?“ In 11 Kapiteln werden die wichtigsten Themen aus Darwins berühmtem Buch „Über den Ursprung der Arten“ aufgegriffen und der heutige Stand kompakt dargestellt – eine gute Argumentationshilfe und griffige Information für Sie, für Gespräche und eigene Leserbriefe. Auch zum Weitergeben an Freunde, Nachbarn und Kollegen bestens geeignet.

A propos Leserbriefe: Es ist sowieso gut, wenn diese nicht von uns W+W-Mitarbeitern kommen, sondern von Ihnen. Inhaltliche Informationen liefern nicht nur unser Darwin-Buch, sondern auch die Texte auf unserer „PRESSE“-Seite oder die kurzgefassten Texte unserer Flyer. In diesen Texten finden Sie Vieles, was für kurze, sachliche und freundlich formulierte Leserbriefe nützlich ist. Die Flyer sind auch in gedruckter Form kostenlos erhältlich.

Oder laden Sie einen unserer Referenten in Ihre Gemeinde ein! Das Interesse unserer Zeitgenossen am Thema Schöpfung ist da! Wenn schon Darwin, dann auch Schöpfung! Ein spezielles Angebot finden Sie in der Rubrik Veranstaltungen unter „DarwinJahr 2009“. Oder fordern Sie unseren Referenten-Sonderprospekt zum Darwin-Jahr an!

Es grüßt Sie herzlich in der Verbundenheit des Glaubens
Ihr Reinhard Junker


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Rezension: „Wer bin ich und wenn ja, wie viele – eine philosophische Reise“

Für deutsche Verhältnisse gelang Richard David Precht (Jg. 1964, promovierter Philosoph, Sachbuchautor und Wissenschaftsjournalist) etwas Außergewöhnliches. Mehr als 300 000 Exemplare seines Buches „Wer bin ich und wenn ja, wie viele – eine philosophische Reise“ (Goldmann Verlag München, 2007) wurden bis zum Sommer 2008 verkauft. Die Verkaufszahlen zeugen davon, dass der deutsche Durchschnittsleser auch im 21. Jahrhundert durchaus für philosophische Themen gewonnen werden kann. Sicherlich haben markante Werbesprüche wie der von Elke Heidenreich „Wenn Sie dieses Buch lesen, haben Sie den ersten Schritt auf dem Weg zum Glück schon getan“ viel zum kommerziellen Erfolg beigetragen. Weiter dürfte die an der Gegenwartssprache sich orientierende Ausdrucksweise des Autors und ein den Leser herausfordernder und zum Dialog einladender Stil geholfen haben, dass „Wer bin ich …“ nicht nur gekauft, sondern auch gelesen und heftig diskutiert wurde. Dabei stellt Precht zunächst seiner Zunft kein gutes Zeugnis aus. Philosophie darf sich nicht rückwärtsgewandt durch „langweilige ältere Herren in braunen oder blauen Busfahreranzügen“ (S.10) präsentieren, sondern muss gegenwartsbezogen sein. Zwar nutzt Precht selbst fast stereotyp immer wieder historische Details einzelner Persönlichkeiten, aber nur um aktuell diskutierte Brücken oder auch Gräben zwischen Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften anschaulich mit dem wahren Leben zu verbinden.

„Sollte es diesem Buch gelingen, beim Leser die Lust am Denken zu wecken und zu trainieren, wäre sein Ziel erreicht“ (S.17). Diese Erwartung des Autors dürfte sich erfüllt haben. Was jedoch die im Buch angebotenen Antworten angeht, sind die Reaktionen sehr unterschiedlich. Das Spektrum der Meinungen ist dabei sehr breit gefächert wie die Themen, an die sich Precht heranwagt. Gustav Falke klagt z.B. in der FAZ (7. 3. 2008): „Mit intellektueller Kreativität hat das offenbar wenig zu tun. … Trotzdem ist das Buch nicht nur überflüssig, sondern auch ärgerlich …“. Zu bestimmend sei die biologisch-naturwissenschaftliche Perspektive, wenn Precht auf die Grundfragen des Menschseins (Was kann ich wissen? Was ist Wahrheit? Was kann ich hoffen? Was soll ich tun?) nach Antworten sucht und sich allzu oft selbst nicht festlegt. Am anderen Pol steht die bereits erwähnte Elke Heidenreich: „Dieses Buch ist unverzichtbar.“

Ich möchte an dieser Stelle die öffentliche Debatte nicht fortsetzen. Deren Hauptaugenmerk liegt darauf, ob Precht mit seiner philosophischen Reise vor allem durch das Land der Hirnforschung tatsächlich „Eine Orientierungshilfe in der geradezu unüberschaubaren Fülle unseres Wissen vom Menschen“ (Solinger Morgenpost) auf einem angemessenen fachlichen Niveau liefern konnte oder nicht.

Grundpfeiler der Argumentation. Was mir bei der Lektüre des Buches auffällt, sind zwei durchgängig von Precht genutzte argumentative Grundpfeiler: Sicherheit in Bezug auf Evolution, Unsicherheit dagegen hinsichtlich des menschlichen Erkenntnisvermögens. Über deren Bedeutung wird im Hinblick auf die vom Autor vorgelegten Antworten leider viel zu wenig nachgedacht. Und das ist umso schwerwiegender, als beide Grundpfeiler mehrheitlich vertretene Rahmenbedingungen des Denkens unserer Zeit repräsentieren, obwohl sie einander ausschließen. Einerseits beruft sich der Autor fast in jedem Kapitel auf die über jeden Zweifel erhabene Überzeugung, dass Evolution als fundamentale Tatsache Ausgangspunkt philosophischer und theologischer Überlegungen sein müsse. „Die Kirche, vor allem in Deutschland, bekämpfte Darwin und seine Anhänger noch bis zum ersten Weltkrieg. Doch von Anfang an war klar, dass es nun kein freiwilliges zurück mehr zur früheren Weltsicht geben konnte. Gott als persönlicher Urheber und Lenker des Menschen war tot. Und die Naturwissenschaften feierten ihren Siegeszug mit einem neuen sehr nüchternen Bild des Menschen: Das Interesse an Affen wurde größer als das an Gott“ (S. 23). So unausweichlich, wie diese Überzeugung den möglichen Spielraum der Antworten auf die großen philosophischen Fragen vorgibt, so klar ist auch, dass andere Perspektiven bei Precht von vornherein chancenlos sind, wenn sie dem Paradigma Evolution den unterwürfigen Gehorsam verweigern.

Andererseits sind Prechts Argumentationen von einer immer wieder betonten Unsicherheit und Vorläufigkeit durchdrungen. Trotz (oder gerade wegen?) des selbst verordneten evolutionären Fundaments sind vielfältige, sich zum Teil ausschließende Erklärungsansätze der oben genannten vier Grundfragen, die Immanuel Kant stellte, gleichberechtigt möglich. Der daraus begründete Relativismus Prechts richtet sich folgerichtig gegen jede Form wissenschaftlich, philosophisch oder theologisch begründeter Absolutheitsansprüche – außer dem materialistisch-evolutionären.

„Was unserer Erfahrung nicht im vollen Umfang zugänglich ist, sollte nicht mit allzu viel Sicherheit allgemein verbindlich bestimmt werden. Mit diesem Argument haben auch viele Theologen jeden Gottesbeweis abgelehnt. … Für einen direkten Zugang zum Übersinnlichen ist unser Wirbeltiergehirn nicht geschaffen, … somit liegt es in der Natur der Sache, dass Gott nicht erkannt werden kann, sondern nur – wie auch immer – erfahren wird, oder eben nicht“ (S. 287). Diesen Relativismus steigert Precht am Ende des Buches in eine Art Abschied vom Gedanken an eine absolut existierende Wahrheit. Sein Agnostizismus orientiert sich an Lloyd Alexander, den er zur Sinnfrage des Lebens so zitiert: „Oft ist die Suche nach einer Antwort wichtiger als die Antwort selbst“ (S. 377).

Erschreckende Konsequenzen. Es liegt auf der Hand, dass ausgehend von den – in sich widersprüchlichen – Denkvoraussetzungen die angesteuerten Ziele der philosophischen Reise beim Leser z.T. Verwirrung hervorrufen müssen. Ganz im Sinne von Paul Feyerabends wissenschaftsphilosophischen Leitgedanken „Anything goes“ (Alles ist praktikabel) werden die Mitreisenden mit Unsicherheiten häufig hilflos zurückgelassen. Ich war darüber hinaus mehrfach erschrocken über einige ethische und moralische Wertvorstellungen, die Precht aus seinen evolutionären Fundamenten ableitete. An diesen Stellen könnte es dem Leser leicht entgehen, dass diese Wertvorstellungen in den sandigen erkenntnistheoretischen Böden vergeblich nach Halt suchen.

Ein Beispiel mag genügen, um dies zu illustrieren. Im Kapitel „Die Geburt der Würde – Ist Abtreiben moralisch“ (S. 184 ff) stellt Precht zunächst die Frage, was ein Embryo wert ist. Nach einem Streifzug durch die Geschichte der Moralphilosophie liest man folgendes Fazit: „Das Recht auf Leben, sein Wert und seine Würde, beginnen also nicht beim Zeugungsakt. Es ist deshalb nicht einzusehen, warum Embryonen bis zum dritten Monat nicht abgetrieben werden dürfen“ (S. 195). Dass vornehmlich die katholische Kirche dem widerspricht und von der Verschmelzung von Ei und Samenzelle an jeden Menschen unter den unbedingten ausnahmslosen Schutz gestellt sehen möchte, basiere nicht auf rationalen Argumenten: „Sie beruft sich auf etwas Gefühltes, nämlich auf den Willen Gottes. Kurioserweise ist dieser Wille wandelbar“ (S. 193). Der Wille Gottes, wie ihn Precht verstanden haben will, sei ja durch päpstliche Festlegungen ständig abgewandelt worden und beruhe jetzt auf den Festlegungen von Piux IX aus dem Jahre 1869. Davor galten die ersten spürbaren Bewegungen des Fötus als Beginn der Beseelung, was viel naheliegender und intuitiver sei, als die jetzige „kontra-intuitive“ Regelung. Im Zusammenhang mit der Thematik, warum der Mensch sich scheut, andere Menschen zu töten, holt Precht zum nächsten erschreckenden Schlag aus: „Das grundsätzliche Verbot, einen Menschen aktiv zu töten, ist also nicht die Folge eines religiösen Dogmas von der „Heiligkeit“ des menschlichen Lebens. Vielmehr ist das Dogma die Folge einer stammesgeschichtlich tief verwurzelten Intuition“ (S. 207).

Fazit. Die von Precht gegebenen – durchaus im Kantischen Sinn als vernünftig zu bezeichnenden – philosophischen Antworten sind das traurige Resultat eines eklatanten Mangels an theologischen und biblischen Kenntnissen, gepaart mit den oben genannten Rahmenbedingungen seines widersprüchlichen Denkens. Biblischer Glaube wird subsummiert unter eine der vielfältigen intuitiven Formen von Auseinandersetzungen des Menschen mit seiner Umwelt. Der Religion als „gefühlte Erfahrung“ bleibt daher lediglich „die Übersetzung von Intuitionen in Bilder und Gebote“ (S. 194). Die Bibel als Informationsquelle göttlicher Gedanken zu bezeichnen, sei deshalb veraltet und nicht in unsere Zeit passend.

Solange der Mensch vor der Möglichkeit flieht, Gott durch den Glauben zu erkennen, wird ihm Jesus Christus als Person, als Handelnder und als maßstabsetzende Autorität fremd und unbedeutend bleiben. Auf sich selbst geworfen ringt er um Antworten, an deren Ende Beziehungslosigkeit und Unverbindliches stehen. „Wer bin ich und wenn ja, wie viele“ ist ein Spiegelbild der soziokulturellen und intellektuellen Situation in Europa. Unseren Gott, den Schöpfer, Erretter, Richter und den Wiederkommenden auch im Zeitalter der Naturwissenschaften zu bekennen, ist ein wichtiger Dienst von Christen für unsere Zeit. Wie notwendig dieser im Bewusstsein der Werteinflation und ethisch-moralischen Sprachlosigkeit ist, macht das Buch von Precht schmerzlich deutlich. Diese Einsicht allein bleibt für mich ein Grund, seine philosophische Reise zur Lektüre zu empfehlen.

Henrik Ullrich


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2008 war sowohl für die Archäologie Jerusalems wie auch für uns als Arbeitsgruppe für Biblische Archäologie bei der Studiengemeinschaft Wort und Wissen ein ganz besonderes Jahr.

Abb. 1: Professor Ronny Reich in der Davidstadt. (Bild: J. Schweinsberg)

Bereits Anfang des Jahres berichtete die Jerusalem Post von der Entdeckung eines schwarzen Siegels aus der Davidstadt (südlich des Tempelbergs) aus der Zeit Nehemias. Die Ausgräberin Dr. Eilat Mazar vermutet, dass die Eigentümerin (!) des Siegels (eine Frau namens „Schelomit“) vielleicht sogar die aus 1. Chron. 3,19 bekannte Schwiegertochter des Statthalters Serubbabel (also direkt nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil) gewesen sein könnte. Weitere Siegelfunde sollten im gleichen Jahr folgen. Unweit der Gihonquelle (südlich der Grabung Eilat Mazars) entdeckte Prof. Ronny Reich (Chef der Ausgrabungen der Davidstadt) kurz darauf ein Siegel mit der Inschrift „Gehört dem (hohen Beamten) Rapijahu, dem Sohn Schallums.“ Es stammt aus dem späten 8. Jh. v. Chr., und somit aus der Zeit des Propheten Jesaja. Nahe der Klagemauer wurden ebenfalls Siegel entdeckt, u.a. das eines hohen Beamten namens „Netanjahu, dem Sohn Jaoschs“ und das eines hochrangigen Militärführers, dessen Rang als Hauptmann der Bogenschützen mit dem Bild eines Bogenschützens auf dem Siegel ausgeschmückt wurde. Beide Siegel stammen aus dem 7. Jh. v. Chr. und möglicherweise aus der Zeit des abtrünnigen Königs Manasse (dem Sohn Hiskias). Eine größere Bedeutung für die Bibelforschung hat jedoch ein anderes Siegel aus der Grabung Eilat Mazars in der Davidstadt, das erst vor wenigen Monaten ans Licht kam. Dort wird auf einem Tonabdruck der aus dem Buch Jeremia Kap. 38,1 bekannte Minister „Gedalja, der Sohn Paschhurs“ erwähnt, der für die Inhaftierung Jeremias verantwortlich gewesen ist.

Auch die Arbeitsgruppe für Biblische Archäologie/ABA erlebte 2008 mehrere Höhepunkte. So erfuhr sie einen beträchtlichen Zuwachs vor allem (und das war immer ein besonderes Anliegen) von jungen gläubigen Wissenschaftlern aus den relevanten Fachbereichen. Die neuen Teilnehmer sind inzwischen aktiv in die Arbeit der ABA eingebunden. Zu diesen Arbeitsbereichen gehören z. B. die Vorbereitung eines neuen Bandes über die Archäologie der erzväterlichen Zeit, die Durchführung einer Feldstudie über eine ägyptische Siedlung in Jerusalem nördlich des Damaskustors (möglicherweise aus der Zeit König Salomos), und die Vorbereitung und Durchführung archäologischer Fachtagungen. Denn die Tagungen sind inzwischen mit ca. 180 Besuchern so gut besucht, dass eine gut durchstrukturierte Organisation erforderlich geworden ist. Mithilfe der Arbeitsgruppe war es dann auch möglich die Tagung im Oktober erfolgreich durchzuführen und dafür sind wir sehr dankbar. Sie fand erneut auf dem Schönblick (bei Schwäbisch Gmünd) statt. Dieses Mal ging es um die Erzväter. Die Tagung galt primär als Vorbereitung für den geplanten Band zum gleichen Thema. In einer Reihe von Vorträgen wurden unterschiedliche Themen (bezüglich des Alters der Genesis und des kulturellen Umfelds der Erzväter) aus verschiedenen Perspektiven behandelt und diskutiert.

Abb. 2: Vase aus der Zeit Abrahams. (Bild: D. Grushko / Arch. Ausstellung Schönblick und W+W)

Ein weiterer Höhepunkt war die Eröffnung der biblisch-archäologischen Ausstellung auf dem Schönblick. Dort werden in sechs Vitrinen anhand von archäologischen Stücken vor allem die Themen behandelt, die unmittelbar mit unserem Forschungsbereich der AGA (wie die Archäologie der Erzväter, des Auszugs und der Landnahme und der Königszeit in Israel) zu tun haben (s. Abb. 2). Die große Vitrine (am Ende der Ausstellung) behandelt das Thema Jerusalem als religiöses und politisches Zentrum in biblischer Zeit. Dieses Thema behandelt die nächste Fachtagung Archäologie, die vom 19.-21. Juni 2009 wieder auf dem Schönblick stattfinden wird. Die Hauptredner dieser Tagung, Professor Ronny Reich (Chef der Ausgrabungen in Jerusalem, s. Abb. 1) und Dr. Leen Ritmeyer, beide renommierte Jerusalem-Experten, werden kompetent in das Thema einführen (s. den beigelegten Flyer). Erneut soll die Welt der Bibel wie auch die Zuverlässigkeit der biblischen Geschichtsschreibung im Mittelpunkt stehen.

Ein weiterer Höhepunkt des vergangenen Jahres war die Fortsetzung und fachliche Vertiefung unserer Chronologie-Arbeit. Im Rahmen der im Jahr 2005 angefangenen internationalen Fachgruppe für Antike Chronologie der Späteren Bronzezeit bis ans Ende der Eisenzeit („BICANE“) werden Probleme in der herkömmlichen Chronologie untersucht und zu gleicher Zeit wird auch an einem alternativen Modell gearbeitet, das künftig für die Biblische Archäologie zunehmend von Bedeutung sein wird. Achtzehn der fünfundzwanzig Mitglieder der Gruppe (alle aus den Disziplinen der Ägyptologie, Assyriologie und Archäologie) kamen dieses Jahr in Cambridge zusammen. Manche waren sogar aus Australien, Kanada und den USA angereist. Das nächste Kolloquium soll Ende Juni 2009 an der Universität Exeter stattfinden und wird sich voraussichtlich mit dem prägnanten Thema „das Großreich Salomos und die Archäologie Israels“ beschäftigen.

Wir sind sehr dankbar für die vielen offenen Türen, die Gott uns in den vergangenen Jahren geschenkt hat.

Peter van der Veen


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„Entstehung biologischer Information“

Am 8. November 2008 fand die 3. Münchner Regionaltagung von Wort und Wissen statt. Etwa 200 Teilnehmer füllten den Vortragssaal, der uns wieder (wie auch schon bei der 2.Tagung) von der Freien Evangelischen Gemeinde zur Verfügung gestellt wurde.

Am Vormittag sprach Prof. Dr. Daniel Keim zum Thema „Informationsverarbeitung in Zelle und Computer“. Beim Vergleich von Zelle und Computer zeigte Keim einerseits, wie analog teilweise die Prozesse der Informationsverarbeitung ablaufen, andererseits wie phantastisch überlegen die Möglichkeiten der Zelle gegenüber selbst denen der leistungsstärksten Computer sind. Die Frage, wie so ein hochkomplexes System wie die Zelle entstehen kann, ist beim derzeitigen Erkenntnisstand der Wissenschaft nicht beantwortbar. Eines ist jedoch klar: die Darwinschen Mechanismen Mutation und Selektion können für die Entstehung einer ersten hypothetischen Zelle keine Erklärung liefern, denn bevor etwas mutieren und selektiert werden kann, muss ein sich selbst replizierendes System bereits vorhanden sein.

Im Nachmittagsvortrag beschäftigte sich Prof. Dr. Siegfried Scherer unter dem Tagungsthema „Entstehung biologischer Information“ vor allem mit der Frage „Was leistet Darwinsche Evolution?“ Einerseits ist durch die Erkenntnisse Darwins und vieler anderer Evolutionsbiologen inzwischen in der biologischen Wissenschaft unbestritten, dass die Lebewesen ein hohes Maß an Variabilität zeigen, sodass durch mikro-evolutive Prozesse auch neue Arten und Gattungen entstehen können. Andererseits ist es fraglich, ob durch solche Prozesse „grundsätzlich neue Konstruktionen“ entstehen können (eine derartige Makroevolution ist noch nie in einem Experiment beobachtet worden). In einer ausführlichen Analyse zeigte Scherer die Probleme auf, die sich ergeben, wenn versucht wird, die Darwinschen Mechanismen zur Erklärung der Entstehung der erst in den letzten Jahren entdeckten, hochkomplexen molekularen Maschinen heranzuziehen. Zitat: „Gegenwärtig formulierte Evolutionstheorien haben die Entstehung molekularer Maschinen bisher nicht erklärt.“

Nach einer Kaffeepause gab es zum Abschluss noch ein lebhaftes Gespräch zwischen Teilnehmern und Referenten über gesellschaftspolitische Aspekte und ihre weltanschaulichen Hintergründe.

Als Fazit dieser Tagung halte ich für mich fest: Der derzeitige Stand der Wissenschaft macht es nicht möglich, die Frage nach der Entstehung des Lebens auf wissenschaftlicher Basis zu beantworten.

Ich muss kein Prophet sein, wenn ich erwarte, dass ich diesen Satz im „Darwin-Jahr 2009“ in den allermeisten Medien nicht lesen oder hören werde!

Friedrich Abel

Übrigens: Am 14. November 2009 soll die 4. Münchner Regionaltagung stattfinden.


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„Evolution ist unbewiesen und unbeweisbar. Wir glauben an sie nur, weil die einzige Alternative eine spezielle Schöpfung ist und das ist undenkbar.“ Wer kennt dieses Sir Arthur Keith zugeschriebene, vielfach abgedruckte Zitat nicht? Mit dem Quellenbeleg hapert es allerdings. Immer wieder wurden wir danach gefragt, wir bekamen auch Hinweise darauf, wo das Zitat im Original stehen solle – bei Nachprüfung waren es immer Fehlanzeigen. Vielleicht weiß ein Leser die Quelle. Oder ist das Zitat eine „fromme“ (oder eher unfromme) Erfindung wie auch die angebliche Bekehrung von Charles Darwin?

Brauchen wir dieses Zitat überhaupt, wenn wir die aktuelle „Vermarktung“ des Themas „Evolution“ in den Medien beobachten? So schloss eine Dokumentation in „Terra X“ vom 28. 12. 2008 über das Leben von Charles Darwin mit folgendem vielsagenden Satz über Evolution: „Das eigentlich Faszinierende daran ist, dass es bisher keine bessere Erklärung gibt – sofern man bereit ist, auf die Existenz Gottes in der Natur zu verzichten“ (http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/659348?inPopup=true).


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R. Junker & H. Ullrich: Darwins Rätsel - Schöpfung ohne Schöpfer?

Charles Darwin hat der evolutionären Weltsicht vor 150 Jahren zum entscheidenden Durchbruch verholfen. Mit seinem Buch „Über den Ursprung der Arten“ habe er gezeigt, dass die Schöpfung keinen Schöpfer braucht, behaupten viele. Er selber war meistens vorsichtiger und wusste, dass seine Theorie ernsthafte Schwachstellen besitzt und dass die Vorstellung einer sich selbst erschaffenden Natur voller Rätsel ist.

Trotz des Fortschritts der Wissenschaft sind bis heute wesentliche Fragen der Entstehung und Veränderung der Arten nicht befriedigend gelöst. Sie stellen sich zum Teil sogar noch schärfer als zu Darwins Zeit.

Dieses Buch bietet einen leicht verständlichen, informativen Überblick zum aktuellen Stand der Evolutionsforschung zu einigen zentralen Themen Darwins. Die Autoren zeigen darüber hinaus, dass das Bekenntnis zum Schöpfer und zur Schöpfung auch heute unter Berufung auf die Erkenntnisse der Naturwissenschaft – und nicht gegen sie – vertreten werden kann.

Inhaltsverzeichnis
1. Charles Darwin: Ein Naturforscher bewegt die Welt
2. Design ohne Schöpfer
3. Natürliche Auslese: Zwischen Allmacht und Ohnmacht
4. Nichtreduzierbare Komplexität: Alles oder nichts?
5. Das große Geheimnis des Anfangs
6. Ein abscheuliches Geheimnis
7. Darwins Rätsel
8. Erschafft Gott Unvollkommenes?
9. Der Embryo: Verblasstes Bild unserer Ahnen?
10. Der Teufel in Gestalt des Pavians
11. Darwins Weg zum Agnostiker
Anhang: Quellenbelege und Literaturhinweise
Bestellhinweis

SCM Hänsler, 2009
Tb. 12x19, 64 S., 17 Abb.

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Zum zweiten Mal hatte die Studiengemeinschaft Wort und Wissen letztes Jahr einen Wissenschaftspreis für junge Autoren ausgeschrieben. Zwei preiswürdige Artikel wurden eingereicht: Den ersten Preis erhielt der Schüler Christoph Heilig für seine Arbeit zum Thema „Krebstiere (Crustacea) und geologisch nicht überlieferte Lebensräume“. Darin wendet er auf der Grundlage eines Fachartikels über fossile Vorkommen von Krebstieren das Konzept der geologisch nicht überlieferten Lebensräume auf die Fossilüberlieferung der Krebstiere an und versucht, dieses Konzept weiterzuentwickeln. Dieser Ansatz soll helfen, die Fossilabfolge aus der Sicht der Schöpfungslehre zu erklären.

Der zweite Preis ging an eine Biologiestudentin für einen Artikel über „Paradigmenwechsel in der Evolutionstheorie? Von der Modernen Synthese zur Erweiterten Evolutionssynthese“. Der Hauptteil ihrer Arbeit besteht in einer Untersuchung, inwieweit in Beiträgen eines renommierten Journals zur Molekularen Evolution die Entstehung komplexer biologischer Strukturen untersucht und erklärt wird.

Die Arbeiten der beiden Preisträger sollen in überarbeiteter Form in unserer Zeitschrift Studium Integrale Journal (www.si-journal.de) veröffentlicht werden.


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Mit einem zweiten Preis beim Wettbewerb „Christentum und Kultur“ wurde eine Arbeit von Christoph Heilig (Illerkirchberg bei Ulm) über Kritik an „theistischer Evolution“ ausgezeichnet. Dieser Wettbewerb ist für Schüler der gymnasialen Oberstufe ausgeschrieben und wird seit sieben Jahren durch eine Kooperation der katholischen und evangelischen Landeskirche ermöglicht (www.ordinariat-freiburg.de/181.0.html). Im vergangenen Schuljahr wurden 57 Arbeiten eingereicht. Landesbischof Ulrich Fischer verlieh am 4. Februar 2009 die Auszeichnungen (www.ekiba.de/9480_9582.php).

Die Preisvergabe an Christoph Heilig ist insofern bemerkenswert, als seine Arbeit deutliche Kritik an der weithin vertretenen Position einer „theistischen Evolution“ vertritt. Diese Auffassung wird in allen neueren kirchlichen Stellungnahmen zugrunde gelegt und besagt, dass Gott die Welt durch einen Prozess erschaffen hat, der aus wissenschaftlicher Perspektive nicht von einer atheistischen und ungelenkten Entstehung der Welt zu unterscheiden ist. Gottes Plan ist hier nur ein außerweltliches Phänomen, das für naturwissenschaftliche Überlegungen bedeutungslos ist. In seiner eingereichten Arbeit macht Christoph Heilig deutlich, dass die Akzeptanz einer solchen Sicht auf die Ursprungsfrage nicht nur aus christlicher Sicht äußerst problematisch ist, sondern bereits auf der Ebene eines unspezifischen philosophischen Theismus kaum begründet vertreten werden kann. Heilig begründet, weshalb die christliche Sicht auf die Ursprungsfrage eine „teleologische Perspektive“ sein müsse, die auch naturwissenschaftliche Befunde vor dem Hintergrund des biblischen Schöpfungsglaubens zu interpretieren versucht. Er formuliert aber auch Kritik an bestimmten Argumentationsweisen im Rahmen des Ansatzes des Intelligenten Designs und stellt im Fazit fest: „Unsaubere Argumentation bezüglich der teleologischen Perspektive (oft von den eigenen Vertretern) hat ein Zerrbild erzeugt, das in der Tat theologisch äußerst fragwürdig ist.“ Er fügt dann aber hinzu: „Wird die teleologische Perspektive jedoch nicht überstrapaziert, so treten diese Schwierigkeiten nicht auf und man kann ‚ID‘ als Christ gelassen vertreten, ohne seinen Glauben von naturwissenschaftlichen Ergebnissen abhängig zu machen.“

Mit einem Verweis auf „intelligentes Design“ sei es dennoch nicht getan. Heilig lehnt das Bestreben der amerikanischen ID-Bewegung, ein „anonymes Design“ als Alternative zur gängigen Evolutionstheorie zu vertreten, ab. Hierbei wird die Identität des Designers nicht berücksichtigt. Erst der Verweis auf einen spezifischen Designer würde es erlauben, testbare Erwartungen abzuleiten, welche für naturwissenschaftliche Forschung interessant sein könnten. Die Bewertung solcher „SD-Modelle“ sei dann jedoch nicht objektiv möglich, sondern von weltanschaulichen Voraussetzungen abhängig. Eben diese Vorgehensweise praktiziert die „Studiengemeinschaft Wort und Wissen“, indem sie versucht, aus dem von ihr vorausgesetzten spezifischen Design-Ansatz Anregungen für die Forschung abzuleiten (z. B. in der Frage des Alters; vgl. „Wie alt ist die Menschheit?“ von M. Brandt).

Die Preisvergabe zeigt, dass auch über ein Thema, das für viele Zeitgenossen nur noch wie ein rotes Tuch wirkt, konstruktiv diskutiert werden kann. Schließlich war die Jury – allen Vorbehalten gegenüber dem Reizwort „ID“ zum Trotz – bereit, eine aus ihrer Sicht differenzierte Kritik an der allgemein vertretenen Lehrmeinung einer „theistischen Evolution“ auszuzeichnen. Ein kleines Wunder angesichts der bisher entschiedenen Ablehnung einer teleologischen Perspektive in der Kirche. In der Laudatio wurde der Beitrag als „ungemein detailreich, äußerst klug und anspruchsvoll“ beschrieben. Ein Jury-Mitglied, das sich öffentlich auch schon deutlich kritisch zu einer teleologischen Perspektive geäußert hatte, lobte im persönlichen Gespräch mit dem Autor die Kritik der Arbeit an der theistischen Evolution ausdrücklich. Sachliches Hinterfragen kann also durchaus Gehör finden und auch fair bewertet werden. Auch wenn es in letzter Zeit ganz andere Erfahrungen gab, darf dies für Wort und Wissen auch als Ermutigung angesehen werden, weiterhin eine sachliche und faire Auseinandersetzung um die Ursprungsfrage zu führen. (Red.)


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Das Wort und Wissen Info 1/09 - Nr. 86/Februar 2009

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Letzte Änderung: 15.09.2012
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