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Informationen aus der Studiengemeinschaft
WORT und WISSEN

Info 1/10 - Nr. 90/März 2010




Sind Sie auch schon einmal durch diesen Psalm von Asaph herausgefordert worden, über den Sinn und die Folgen Ihres Glaubens nachzudenken? Der Psalmist beklagt sich bei Gott darüber, dass sich seine Gottesfurcht nicht auszahlt – im Gegenteil: den Gottlosen geht es gut, und damit nicht genug: Die Massen liegen ihnen zu Füßen. Warum also nach Gottes Willen fragen und im Glauben an Gott leben? Es geht hier nicht um irgend eine Form des Glaubens an einen unbekannten Gott! Nein, entgegen allen unpersönlichen, pauschalen und unverbindlichen Aussagen zur Religion ist Asaph konkret: Was nützt es mir, wenn ich mich an den Gott der Bibel mit aller Konsequenz binde? An welchen Kriterien lässt sich ablesen, dass sich diese Lebensausrichtung auch tatsächlich lohnt? Diesen Fragen stellt sich der Psalmist in aller Offenheit und in fast bedrückender Ehrlichkeit.

"Womit habe ich das verdient?"
Gedanken zu Psalm 73

Asaphs Leben wurde von Berufs wegen von Lobgesängen zur Ehre Gottes bestimmt (1. Chronika 16, 4 ff). Das verklärte ihm jedoch nicht den Blick für die Lebenswirklichkeit in seinem Umfeld. Gerade diese Perspektive deprimierte ihn vielmehr zutiefst. Er empfand es als große Belastung und Prüfung seines Glaubens zu sehen, wie die Menschen, denen Gott nur als billige Witzfigur diente, sich sorglos durch ihr Leben schlugen und das in einer geradezu abstoßenden, zur Schau gestellten Selbstherrlichkeit. Dazu gesellte sich eine zum Himmel schreiende Überheblichkeit in Bezug auf das eigene menschlichen Wissen, bei der Gott einfach nicht mithalten könne: „Ja, sie sprechen: Wie sollte Gott es wissen? Gibt es ein Wissen beim Höchsten?“ Und das Volk ist süchtig danach, so der Psalmist weiter, von dem „Wasser“ der zur Schau gestellten Gottlosigkeit zu „schlürfen“. Es braucht wohl nicht viele Worte, um auf die Parallelen in unserer postmodernen Gesellschaft hinzuweisen.

Waren nicht die Segnungen eines guten Lebens denen verheißen worden, die sich nach dem richten, was Gott sagt (5. Mose 6,3)? Mit Blick auf die unmittelbaren Lebensumstände und die gesellschaftlichen Werte scheint der Schluss für Asaph unausweichlich: mein Leben mit Gott ist umsonst und eine nutzlose Plage (V. 13-14). Es gibt wohl niemand unter den Christen, denen eine solche krisenhafte Situation fremd ist. Wie geht der Psalmist damit um? Nicht der Blick auf die Äußerlichkeiten, sondern der bewusst vollzogenen Perspektivwechsel und die aus der Nähe zu Gott heraus geschenkte Einsicht verleihen Asaph wieder die Sicherheit, den richtigen Weg gewählt zu haben. Ein Weg, der ihn zur Herrlichkeit führt. Die Auferstehungshoffnung, der Blick auf das Ewige und Unvergängliche werden zur tragenden Säule, die das Unverstandene, die Anfechtungen und das Schwere der Gegenwart erträglich macht – ohne sie auszublenden oder daran zu zerbrechen. Von Herzen wünsche ich uns diese Perspektive! Wer dies als billigen Trost abwinken will, kennt leider die letzte und stärkste Realität nicht: Gott.

Unser Gott wird das von IHM Verheißene in Jesus Christus Wirklichkeit werden lassen genauso wie er in der Geschichte der Menschen und der ganzen Schöpfung sein Handeln dokumentiert hat. Neben Asaph zeigt uns z. B. auch Petrus in seinem „Testament“ (2. Petrusbrief Kap. 3, 1 ff) diesen unauflösbaren Zusammenhang von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Gottes heils- und naturgeschichtlichem Handeln.

Die Arbeit der Studiengemeinschaft Wort und Wissen soll dazu beitragen, so wie die Lobgesänge Asaphs die Zuversicht auf unseren HERRN zu bezeugen, indem wir unbeirrt „... erzählen alle Seine Taten“.

Ihr Henrik Ullrich


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Prof. Dr. Reinhard Haupt, Mitglied im Leitungskreis der Studiengemeinschaft Wort und Wissen und verantwortlich für deren Wirtschaftsfachtagungen, ist kürzlich vom Bundespräsidenten mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt worden. Im Rahmen einer Feier am 21. Januar 2010 in der Thüringer Staatskanzlei (Erfurt) hat Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht die Auszeichnung an Reinhard Haupt überreicht.

Ministerpräsidentin Lieberknecht und Prof. Haupt. (Foto: Thüringer Staatskanzlei)

In der Laudatio hob sie besonders Haupts Wirken beim Aufbau der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena in den Nachwendejahren und bei der zeitweiligen Mitleitung der Hochschule als Prorektor im vergangenen Jahrzehnt hervor. Dabei kamen auch seine Bemühungen um den Dialog zwischen Professorenschaft und Studierenden sowie um den Wissenstransfer zwischen Forschung und Praxis durch seine Mitinitiative für die „Jenaer Gespräche Hochschule – Wirtschaft“ zur Sprache. Nicht zuletzt ist in der Begründung von der Förderung des Gemeinwohls durch „vorgelebte christlich-soziale Werte“ die Rede, wobei auch seine Leitung der Fachgruppe Wirtschaft innerhalb der Studiengemeinschaft ausdrückliche Erwähnung findet (siehe: www.thueringen.de/de/tsk/aktuell/veranstaltungen/44872).

Diese Tatsache der Mitverantwortung von Reinhard Haupt bei Wort und Wissen hat aber auch kritische Aufmerksamkeit in Medien gefunden, die der Schöpfungsforschung sehr ablehnend gegenüberstehen, z. B. „Humanistischer Pressedienst“, „Neues Deutschland“ (ND). So titelte das ND am 15. 2. 10: „Lieberknecht auf Althaus’ Spuren – Thüringen: Bundesverdienstkreuz für christlichen Fundamentalisten“. Der Kasseler Biologe Ulrich Kutschera zeigte sich nach einem Bericht der Thüringer Zeitung „Freies Wort“ irritiert über die Auszeichnung eines Verantwortungsträgers von Wort und Wissen, da diese Organisation ein „anti-naturwissenschaftliches Weltbild“ vertrete; dieses dürfe „durch eine so hohe Ehrung nicht noch belohnt werden“.

Es gibt sicher zu denken, dass die Feier der Überreichung des Verdienstordens an Reinhard Haupt im „Barocksaal“ der Thüringer Staatskanzlei stattfand, also jenem Raum, in dem seinerzeit der „Erfurter Dialog“ zwischen Ulrich Kutschera und Siegfried Scherer vorgesehen war – ein Dialog, der auf großen Mediendruck und nicht zuletzt auf Betreiben von Kutschera hin schließlich abgesagt wurde. „Sei stille dem HERRN und warte auf ihn!“ (Psalm 37, 7): Die Studiengemeinschaft versteht Haupts Auszeichnung daher dankbar als ein ermutigendes Signal. (Red.)

Pressereaktionen hat das Medienmagazin „pro“ zusammengestellt: www.pro-medienmagazin.de/nachrichten.html



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Prof. Dr. Reinhard Haupt leitet seit vielen Jahren die Fachgruppe „Wirtschaft“ der SG Wort und Wissen. Aus vielen Fachtagungen sind Sammelbände zu aktuellen wirtschaftsethischen Themen hervorgegangen. Anlässlich der Ehrung von Prof. Haupt stellen wir die beiden neuesten Titel kurz vor.

Haupt, R. / Lachmann, W. / Schmitz, St. (Hrsg.):  Ethische Brennpunkte im Unternehmen.  2007, Tb., 160 S.

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Die heutige Arbeitswelt bringt uns immer wieder in Entscheidungssituationen, die auch im Rahmen der gültigen Gesetze zu echten Gewissensfragen werden können. Wirtschaftlicher Erfolg scheint oft im Widerspruch zu ethischem Handeln zu stehen. Die Herausforderung dieses Buches besteht darin, für die erkannten Brennpunkte Lösungsansätze auf der Basis einer christlichen Ethik zu beschreiben und Vorschläge für die Umsetzung in der Praxis zu machen.

Folgende ausgewählte Brennpunkte werden von Wissenschaftlern und Managern beleuchtet:

  • Unternehmenserfolg und Unternehmensethik
  • Unternehmensgewinne aus ethischer und volkswirtschaftlicher Sicht
  • Ethik und unternehmerisches Risiko
  • Ethik und Leitungsverantwortung
  • Ethik im Vertrieb
  • Ethische Erfahrungen aus dem Bankwesen
  • Verhaltensregeln der Investmentbranche

Die praxisnahen Beiträge versuchen in der jewei-ligen Situation Orientierung zu geben und machen Mut, biblische Werte auch im Unternehmensalltag umzusetzen.

Haupt, R. / Lachmann, W. / Schmitz, St. (Hrsg.):  Gewinnen durch Gewissen? Christliche Prägungen und wirtschaftliche Nachhaltigkeit. 2005, Tb., 176 S.

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Keine Frage: Gewissenlosigkeit im Wirtschaftsleben hat ihren Preis. Aber kann man auch „gewinnen durch Gewissen“? Oder muß man sich letztlich entscheiden: Gewissen – oder gerissen?

Die Autoren lassen Beispiele aus Unternehmen und Wirtschaftsordnungen in Geschichte und Gegenwart sprechen: Vielleicht sollte man nicht von einem vordergründigen „Erfolgsfaktor Glaube“ reden. Aber der lange Atem einer christlichen Motivation ist doch auf Zukunftsfähigkeit in der Wirtschaft angelegt, eben auf nachhaltigen und gerade nicht auf hinterhältigen Erfolg.

Der biblische Ethikrahmen bietet sich als verlässliches Pilotsystem zwischen Profil und Profit, zwischen Werten und Wert sowie zwischen Gewissen und Gewinn an. – Die Themen:

  • Gewinnen durch Gewissen? Christliche Prägungen und wirtschaftliche Nachhaltigkeit
  • Humanisierung des Managements
  • Die Max-Weber-These im 21. Jahrhundert: „Die Arbeit meiner Hände hat Gott angesehen"
  • Von Nieten und Helden: das Medienbild von Managern und Unternehmern
  • Zukunftsinnovationen oder Lifestylekult? Christliche Technikgeschichte als Orientierung für heute
  • Erfolgsfaktor Religion: Wirtschaftlich stabil durch christliches Profil? Zusammenfassung einer Podiumsdiskussion

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Ein bemerkenswertes Interview mit Stuart Kauffman veröffentlichte der „Spiegel“ in seiner ersten Ausgabe des Jahres 2010 (Der Spiegel 1/2010, S. 120-122; www.spiegel.de). Der 70-jährige Wissenschaftler ist Leiter des Biocomplexity and Informatics Institute an der Universität von Calgary und für seine jahrzehntelangen Untersuchungen zur Selbstorganisation bekannt. Er ist einer der Teilnehmer der sogenannten „Altenberg 16“. Das sind Wissenschaftler, die sich zu einer Tagung im Juli 2008 im österreichischen Altenberg getroffen haben, um über die Etablierung einer grundsätzlich neuen Evolutionstheorie zu sprechen (vgl. www.scoop.co.nz/stories/HL0908/S00221.htm; www.suzanmazur.com/?p=30). Ihrer Auffassung nach hat die alte Synthetische Evolutionstheorie in weiten Teilen versagt.

Biologische Systeme handeln.“ Kauffman sieht einen grundlegenden Unterschied zwischen der Physik und der Biologie: „In der Physik passieren die Dinge nur, biologische Systeme hingegen handeln.“ Handlungen können aber nicht durch Naturgesetze beschrieben werden. So gesehen ist es nicht erstaunlich, dass Kauffman die verbreitete Auffassung bezweifelt, es könne keine Wunder geben, weil alles im Universum Folge physikalischer Gesetze sei. Dem sei nicht so, so Kauffman. Allerdings glaubt er an Wunder „nicht in dem Sinne, dass ein übernatürlicher Gott die Geschicke der Welt lenkt“. Wenn er von Wundern spreche, meine er „Vorgänge, die sich aus keinem Naturgesetz ableiten lassen“. Er erläutert das wie folgt: „Ich bin überzeugt, dass wir im Universum die Spur einer enormen, zumindest teilweise keinen Gesetzen unterworfenen Kreativität finden.“ Und weiter: „Die Evolution, die nach dem eigentlichen Schöpfungsakt folgte, entzieht sich der vollständigen Beschreibung durch Naturgesetze. Ich bin davon überzeugt, dass sich mit keinem Gesetz im Voraus vorhersagen ließe, welchen Weg die Evolution beschreiten wird.“ Kauffman spricht von einer „Kreativität der Natur oder des Universums, von einer Schöpfung ohne Schöpfer“.

Natürlich und zugleich jenseits der Naturgesetze? Die Argumentation Kauffmans ist im Grunde genommen ein wesentlicher Teil des Design-Arguments in der Biologie. Denn dieses besagt unter anderem, dass bestimmte Phänomene der Schöpfung nicht aus bloßen Gesetzmäßigkeiten („Naturgesetzen“) abgeleitet werden können, sondern auf einen Akteur verweisen, der zielorientiert gehandelt hat. Natürlich will Kauffman mit dem Design-Argument nicht in Verbindung gebracht werden (das hätte nebenbei den sicheren Ausschluss aus der scientific community zur Folge), und um das zu vermeiden, verlegt er die Kreativität, auf der er als Forscher offenbar stößt, in die Lebewesen hinein: Biologische Systeme „handeln“, es gibt „Kreativität“, aber ohne Schöpfer. Woher aber diese Kreativität kommt, kann Kauffman nicht sagen. Man muss es so sagen: Es ist doch widersinnig, einerseits zu behaupten, dass Naturgesetze Evolution nicht erklären können, diese aber dennoch ein natürlicher Prozess sei. Was gilt nun?

Wenn eine wachsende Anzahl von Wissenschaftlern im Verlaufe ihrer Forschung an Grenzen natürlicher Mechanismen stößt, nährt dies mindestens den Verdacht auf das Wirken eines Schöpfers. Aber diese Option darf nicht sein. Kauffman nimmt dennoch ausdrücklich das Wort „Gott“ in den Mund, aber sagt dazu: „Ich jedenfalls spreche von einem Gott im Sinne eines natürlichen Werdens, jenseits  der Naturgesetze.“ Noch einmal muss man nachfragen: Was gilt nun? „Natürliches Werden“ ist doch genau das, was durch Naturgesetze beschreibbar ist (so dachte übrigens auch Darwin über Evolution; er verstand die Selektion als Naturgesetz) – und nun soll es gleichzeitig jenseits der Naturgesetze sein? Stuart Kauffman müsste sich entscheiden!

Schöpfung ohne Schöpfer? Übrigens trifft der von uns (unabhängig und ein Jahr vor Kauffmans Interview!) gewählte Titel unseres Taschenbuches zum Darwin-Jahr den Nagel auf den Kopf: „Darwins Rätsel. Schöpfung ohne Schöpfer?“ Genau das trifft den Erklärungsnotstand um die natürliche Erklärung der Lebensentstehung und Lebensvielfalt. Trotz seiner kritischen Bemerkungen zu den Grenzen dessen, was durch Naturgesetze beschreibbar ist, antwortet Kauffman auf die Frage, ob es reiche, „eine hinlänglich reichhaltige Molekülsuppe anzurühren, und das Leben entsteht wie von selbst“ lapidar: „Sie sagen es.“ Das lasse sich im Prinzip beweisen: „Im Labor gibt es ja bereits solche Molekülsuppen aus Peptiden.“ – Ja, das stimmt, aber wie sind diese entstanden? Kauffman weiß gut genug, dass ohne Chemiker und ohne passende Versuchsapparatur keine „Molekülsuppen“ entstehen, mit denen man etwas anfangen könnte. Im weiteren Verlauf des Interviews kommt denn prompt ein Rückzieher: Es frage sich, „unter welchen Bedingungen sie sich angesammelt haben könnten. Und da stehen wir zugegebenermaßen noch vor einem völligen Rätsel.“

Reinhard Junker


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Justin M. Minkowitsch: Postevolutionäre Schöpfungstheologie. 160 Seiten. Eigenverlag Minkowitsch, Lilienfeld (N.Ö.) 2007, ISBN 978-3-9500900-1-7, 20,- Euro

Die Arbeit der Studiengemeinschaft Wort und Wissen hat konfessionsübergreifende Auswirkungen. Ein neues Beispiel dafür ist das Buch „Postevolutionäre Schöpfungstheologie“ des österreichischen Zisterzienserpaters Justin M. Minkowitsch, in welchem Arbeiten von Wort und Wissen positiv aufgenommen werden. Es handelt sich um seine im Eigenverlag als Buch herausgebrachte Diplomarbeit. Das Buch enthält sogar ein Lobeswort seines Diözesanbischofes, Dr. med. Dr. theol. Klaus Küng von St. Pölten.

Von den vier Kapiteln „Theologischer Teil“, „Naturphilosophischer Teil“, „Naturwissenschaftlicher Teil“ und „Ergebnisse“ nimmt der naturwissenschaftliche Teil mit 91 von 149 Textseiten den größten Raum ein. Fachlich basiert er vollständig auf den von Wort und Wissen erarbeiteten Ergebnissen, nur fehlen leider Illustrationen, die den Text verständlicher machen könnten. Obgleich der Autor keine besonderen fachlichen Vorkenntnisse hat, ist ihm dieser Teil gut gelungen (und enthält wohl für Katholiken viel, für Wort-und-Wissen-Freunde wenig Neues).

Wozu ein solches Buch, wo doch gerade die katholische Kirche ihren Frieden mit der Evolutionstheorie gemacht zu haben scheint (mehr dazu auf der unten angegebenen Webseite)? P. Minkowitsch zitiert Thomas von Aquin (1226-1274, für Katholiken wohl der größte Theologe): „Offenkundig falsch ist die Meinung derer, die sagen, im Hinblick auf die Wahrheit des Glaubens sei es völlig gleichgültig, was einer von der Schöpfung denke, wenn er nur von Gott die rechte Meinung habe. Denn ein Irrtum über die Schöpfung wirkt zurück in ein falsches Wissen über Gott“ (Summa contra gentiles II, 87).

Wort und Wissen wird nicht müde, auf die Unvereinbarkeit zwischen dem guten Jesus der Evangelien und den evolutionären „Schöpfungsmechanismen“ Auslese, Leid und Tod hinzuweisen.

Im naturphilosophischen Teil hebt P. Minkowitsch in der Tradition von Aristoteles und Thomas von Aquin auf die Zielgerichtetheit oder „Teleologie“ der belebten Schöpfung ab, die eine blinde, ungerichtete Evolution nicht erklären kann.

Selbstverständlich fehlt eine Kritik an Teilhard de Chardin nicht; eigentlich braucht diese Ikone der „Versöhnung“ zwischen Kirche und Wissenschaft gar keine weitere Kritik, es genügt Aussagen von ihm zu zitieren wie „Gott kann nur evolutionär schaffen“ oder „Um uns herum und in uns ist Gott im Prozess der Änderung“. Wer oder was könnte die Macht des Ewigen und Unveränderlichen einschränken? Teilhards Gott ist nicht der Gott der Bibel. Dagegen schreibt Minkowitsch: „Viele Theologen haben jedoch in den letzten Jahrzehnten oftmals einen Rückzug ins Ghetto vollzogen. Billige Zugeständnisse an eine neodarwinistische Evolutionslehre waren nicht selten die Folge.“

Knapp zehn Jahre nach dem Erscheinen von Pater Grüns Buch „Schöpfung – Ein göttlicher Plan1“ trägt jetzt Pater Minkowitsch, unter Verwendung des Buches von Pater Grün, die Flamme weiter. Es gibt mittlerweile sogar eine – in der Größe mit Wort und Wissen nicht vergleichbare – katholisch ausgerichtete Studiengemeinschaft Theologie und Biologie (www.theologie-biologie.eu), dort kann auch das Buch unter „Literatur“ bestellt werden.

Dr. Wolfgang B. Lindemann

1 Wolfgang B. Lindemann, Rezension von Johannes Grün: Die Schöpfung – Ein göttlicher Plan. Die Evolution im Lichte naturwissenschaftlicher Fakten und philosophisch-theologischer Grundlagen. Mit einem philosophischen Essay von Herrmann Weinzierl. Verax Verlag/ Müstair/ Graubünden, Schweiz 2000, 543 Seiten, ISBN 3-9090665-05-8, DM 39, Wort und Wissen Info Nr. 53, 4/2000.


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In dem Maße, in dem die vom Menschen entwickelte Technologie Fortschritte macht, erkennt eine wachsende Anzahl von Wissenschaftlern und Ingenieuren, dass die Lebewelt wie eine Fundgrube ist, die voll gepackt ist mit ingenieurtechnischen Wundern. Zu dieser Einschätzung gelangt Dennis Wagner vom „Access Research Network“ (www.arn.org/report/2009.htm). Seinen kurzen Bericht geben wir nachfolgend in übertragener Form wieder.

Ein eigener Wissenschaftszweig verfolgt das Programm, sozusagen die Natur nachzuahmen: die Biomimetik. Auf dessen Agenda steht die Erforschung des Potentials von Anwendungen, die durch das biologische Design angeregt werden, das man beim Menschen, bei Tieren und Pflanzen findet. Der menschliche Körper lieferte voriges Jahr eine dieser Design-Ideen durch das Innenohr, die Schnecke (Cochlea, s. Abb.). In einem Artikel der Juniausgabe des IEEE-Journal of Solid-State Circuits wurde berichtet, dass Wissenschaftler des MIT (Massachusetts Institute of Technology) ein Gerät zur Erkennung von Radiofrequenzen nach dem Design der Cochlea modellierten.1 „Das menschliche Ohr ist ein sehr guter Spektrum-Analysator“, wird Rahul Sarpeshkar zitiert, einer der Autoren des genannten Artikels und Professor am MIT. „Wir kopierten einige Tricks, die das Ohr anwendet, und übertrugen sie auf die Elektronik.“ Um elektromagnetische Wellen anstelle der Druckwellen aufzufangen, setzten die Forscher Schaltkreise statt der Cilien ein. Auf der Außenseite eines Chips von der Größe 1,5 mal 3 mm befinden sich kleine Quadrate, von denen jedes für eine andere Wellenlänge zuständig ist. Die Quadrate sind spiralförmig angeordnet und werden von außen nach innen schrittweise größer. Diejenigen im äußeren Teil der Spirale erkennen kurzwellige Frequenzen mit hoher Energie, während diejenigen im Innenbereich langwellige, schwach ausgeprägte Frequenzen entdecken. Sarpeshkar sagte: „Die Cochlea gewinnt einen Überblick davon, was im Frequenzspektrum der Geräusche passiert. Je länger ich mir das Innenohr anschaute, desto mehr stellte ich fest, dass es wie ein Super-Radio mit 3500 parallelen Kanälen aufgebaut ist.“ Die „Funkfrequenz-Schnecke“ könnte bald in einer neuen Generation von Mobiltelefonen und anderen Funkgeräten Verwendung finden.

Weitere ingenieurmäßige Wunderwerke, die in jüngster Zeit veröffentlicht wurden, sind ein biomimetisches Gerät zur Tastwahrnehmung (taktiler Sensor), dessen Größe der menschlichen Fingerspitze entspricht, und die Entdeckung, dass Schuppen auf den Flügeln von Schmetterlingen als winzige Solarkollektoren funktionieren. Dies hat Forscher in China und Japan dazu veranlasst, eine noch sparsamere Solarzelle zu entwickeln, die zukünftig zur Energiegewinnung für Wohnungen und sonstige Anwendungen genutzt werden kann. Soweit Dennis Wagner.

Es fällt auf: In dem Maße, wie wir selber Technik entwickeln können, lernen wir auch die Natur besser zu verstehen – eine erstaunliche Parallele. Wenn Techniker von der Natur lernen, lernen sie dann von ungerichteten Naturprozessen oder von einem genialen Schöpfer? (Red.)

1 Mandal S, Zhak SM & Sarpeshkar M (2009) A Bio-Inspired Active Radio-Frequency Silicon Cochlea. IEEE Journal of Solid-State Circuits 44, 1814-1828.


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„Darwin, Evolution und Schöpfung – vor 150 Jahren und heute“

Am 14. November 2009 fand die 4. Münchner Regionaltagung von Wort und Wissen statt. Etwa 170 Teilnehmer füllten den Vortragssaal, der uns wieder (wie auch schon bei der 2. und 3. Tagung) von der Freien Evangelischen Gemeinde München Mitte zur Verfügung gestellt wurde.

Das Doppeljubiläum Darwins (geboren am 12. 2. 1809 / 1959 erschien sein berühmtestes Werk) gab den Anlass, uns bei dieser Tagung  mit der Person und dem Werk Darwins zu beschäftigen.

In diesem kurzen Bericht ist es nicht möglich, auch nur einen Eindruck von den vielen Informationen und Argumenten zu geben, die die beiden Referenten Dr. Reinhard Junker und Dr. Henrik Ullrich in ihren vier Vorträgen („Hat Darwins Selektionstheorie den Schöpfer abgelöst?“ und „Charles Darwins Weg vom Theisten zum Agnostiker“, „Das Auge – Testfall der Evolution“ und „Embryonen, Vererbung und Evolution: Von Darwin bis heute“) dargestellt haben. Deshalb will ich nur ganz verkürzt einen wichtigen Gesichtspunkt herausstellen:

„Darwin ist tot, es lebe die Evolution!“ titelte der Verfasser einer Buchbesprechung in der bekannten Wissenschaftszeitschrift „Science“. Schlaglichtartig wird in dieser Überschrift deutlich gemacht, dass heute viele seiner Vorstellungen überholt sind, aber seine Grundidee, dass die Vielfalt der Lebewesen sich in einem natürlichen Prozess entwickelt hat, weiterhin die wissenschaftliche Welt beherrscht. Die Forschung seit Darwin hat gezeigt, dass der von ihm vorgeschlagene Mechanismus der Selektion zwar als Erklärung für Mikroevolution brauchbar ist, aber völlig überfordert ist, wenn er z.B. die Entstehung der hochkomplexen Zellstrukturen (von denen Darwin noch keine Ahnung hatte!) einsichtig machen soll. Deshalb gibt es inzwischen wieder Forscher (wenn sie auch noch in der Minderheit sind!), die darauf hinweisen, dass die entscheidenden Fragen, die bei der Entstehung von qualitativ Neuem auftreten, weiterhin ungeklärt sind!

Als persönliches Fazit dieser Tagung möchte ich deshalb festhalten, dass ich weiterhin „ein intellektuell befriedigter“ Christ sein kann, weil die Referenten dieser Tagung eindrucksvoll gezeigt haben, dass Darwins Hoffnung, seine Selektionstheorie könnte den Glauben an einen Schöpfer überflüssig machen, sich nicht zu erfüllen scheint!

Friedrich Abel


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Wort und Wissen-Mitarbeiter persönlich

17 Mitarbeiter der Studiengemeinschaft Wort und Wissen zeichnen die Schritte nach, welche sie zum Glauben an den Gott der Bibel führten. Sie alle müssen sich mit harten wissenschaftlichen Fakten auseinandersetzen, die nicht selten gegen die Wahrheit der Heiligen Schrift zu stehen scheinen. Ihre Beweggründe, trotz macher Spannungen am Zeugnis der Bibel festzuhalten, schildern sie in erfrischender Offenheit.

Ein Buch für Wort und Wissen-Freunde! Es ist auch sehr gut geeignet, um es Freunden, Kollegen, Nachbarn usw. weiterzugeben, denn es bietet ein klares Zeugnis für den Gott, der sich als Schöpfer, Erlöser und Vollender in Jesus Christus und in seinem Wort, der Bibel, geoffenbart hat.

Bestellhinweis

Henrik Ullrich (Hg.)
Mit Kopf und Herz. Bekenntnisse zum Gott der Bibel im Zeitalter der Wissenschaft.
Taschenbuch, Format: 12 x 19, 192 S., 45 Abb.
17 spannende Schilderungen

5,95 EUR [D] / 6,15 [A] / 11,30 SFr

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Das Wort und Wissen Info 1/10 - Nr. 90/März 2010

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Letzte Änderung: 15.09.2012
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