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Informationen aus der Studiengemeinschaft
WORT und WISSEN

Info 1/11 - Nr. 94/März 2011




kürzlich veröffentlichte spektrumdirekt einen Artikel über den Einfluss der Umwelt bei der Evolution der Augen unter der Überschrift „Afrikas Licht beeinflusste unsere Augenevolution“ (www.wissenschaft-online.de). Der Artikel ist eine Zusammenfassung einer Studie, die in der Fachzeitschrift Plos Comparative Biology veröffentlicht wurde.

Forscher von der University of Pennsylvania in Philadelphia hatten untersucht, wie die jeweiligen Zapfentypen (für die Rot-, Grün-, Blauwahrnehmung)  im menschlichen Auge angeordnet sind. Die Zapfen sind die für das Farben­sehen verantwortlichen Sinneszellen in der Netzhaut, auf der im Augenhintergrund das primäre Bild entsteht. Mit Hilfe von etwa 5000 Farbaufnahmen der afrikanischen Savanne zu verschiedenen Tageszeiten wurde berechnet, wie viele Photonen der verschiedenen Lichtwellenlängen in den jeweiligen Arealen der Sensorenfläche der Kameras eingefangen wurden. Diese Daten wurden verglichen mit im Computer simulierten Verteilungen der jeweiligen Zapfen­typen und darüber ermittelt, welche Zapfenanordnung  eine maximale informative Lichtausbeute garantiert.

Wie Überschriften
täuschen können

Und siehe da: Die als optimal berechnete Verteilung der Zapfentypen mit der höchsten Photonenausbeute entspricht der tatsächlichen Verteilung der Zapfen in der menschlichen Netzhaut: Die relativ wenigen für die Blauwahrnehmung verantwortlichen Zapfen liegen dabei vor allem an der Netzhautperipherie. Jene für Grün und Rot hingegen ballen sich im Zentrum, wo sich der Haupt­anteil des Lichtes konzentriert. Dadurch ziehen diese beiden Zapfentypen auch mehr Informationen aus der Szenerie als die blauen, was bezüglich des Lebensumfeldes des Menschen sehr sinnvoll ist, da Nahrung und Gefahren eher am Boden und in der Vegetation auftauchen als am Himmel. Die Forscher beschreiben die Organisation der Zapfentypen auf der Fläche der menschlichen Netzhaut als das Design (dieser Ausdruck steht in der Überschrift der Original­arbeit!) mit der höchst möglichsten informativen Lichtausbeute.

Doch was hat dieses Ergebnis mit der Überschrift bei spektrumdirekt zu tun? Hat Afrikas Licht die Augenevolution beeinflusst und dieses Design ursächlich bestimmt? Die zugrundeliegende Argumentation lautet: Die betreffenden Gegenden, in denen die Aufnahmen gemacht wurden, seien die Lebensräume, in denen sich unsere Gattung evolutionär entwickelt habe. Und diese Umgebung mit den dortigen Lichtverhältnissen bestimmten im Verlauf der menschlichen Augenevolution die Anordnung unserer Zapfen maßgeblich mit.

Die Mechanismen der evolutionären Entstehung dieser optimalen Zapfenverteilung werden durch die Studie der Wissenschaftler nicht aufgedeckt. Die Autoren des Fachartikels beschreiben einen anatomisch-physiologischen Sachverhalt und nicht im geringsten, wie es zu diesem gekommen ist. Die Überschrift suggeriert aber die Antwort auf eine Frage, die durch den spannenden Befund des ausgeklügelten und detaillierten Forschungsansatzes erst aufgeworfen wurde. Diese Art von Suggestion ist nicht nur der Wahrheit abträglich, sondern schadet letztlich der Wissenschaft und schwächt die Glaubwürdigkeit der in ihrem Namen verkündeten Ergebnisse.

Das ist einer der Gründe, weshalb wir bei Wort und Wissen kritisch zurückfragen, wenn Evolution als wissenschaftlich belegt und verstanden präsentiert wird. Die Unterscheidung zwischen den Ergebnissen exzellenter Wissenschaft und daran geknüpfter überzogener Behauptungen pro Evolution, die in ihrem Schlepptau mitbefördert werden, ist eine wichtige Aufklärungsarbeit, die zu kritischem Denken anleitet. Darüber hinaus wollen wir auch zu einem Nachdenken anregen, welchen Sinn solche Befunde – wie das optimale Design der Zapfenzellen – aus einer Schöpfungsperspektive machen. Dabei ist die gleiche Vorsicht geboten, denn ein als optimal beschriebenes Design ist kein wissenschaftlicher Beweis für einen Schöpfer, jedoch ein gutes Argument für IHN.

Ihr Henrik Ullrich


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Tagungsbericht von Stephan Schmitz und Reinhard Haupt

Wieviel Ethik verträgt der Geschäftserfolg? Mit diesem Thema haben sich 45 Wissenschaftler, Unternehmer, Unternehmensberater, Studenten und Interessierte zwei Tage in Vorträgen, Diskussionen und im Rahmen einer Unternehmensbesichtigung beschäftigt. Erfahrungsaustausch und Lösungssuche sowie mutmachende Aussagen der Bibel zeigten auf, dass sich mehr Ethik im Unternehmen auf jeden Fall lohnt. Veranstalter waren die Studiengemeinschaft Wort und Wissen und die Gesellschaft zur Förderung von Wirtschaftswissenschaften und Ethik.

Die Finanz- und Wirtschaftswelt hat in den beiden letzten Jahren den größten Einbruch seit der Nachkriegszeit erlebt. Ist es da nicht in erster Linie geboten, Unternehmen im Wettbewerb neu auszurichten, Geschäftsfelder zu straffen und Zukunftsfähigkeit wiederzugewinnen?

Warum jetzt Ethikfragen stellen? Zum einen, weil ein Verlust an Wirtschaftsmoral die Krise mitverursacht hat. Zum anderen, weil jeder Krise eine Chance innewohnt: Das Nachdenken über nachhaltige Veränderungen des Wertekurses kommt schließlich auch der wirtschaftlichen Überlebensfähigkeit zugute.

Zu diesem Beziehungsfeld zwischen unternehmerischer Wert- und Werteorientierung kamen auf der Tagung Persönlichkeiten aus der Unternehmensverantwortung und aus den Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften zu Wort. Als roter Faden zog sich die Erkenntnis durch die Beiträge: Zeitlose biblische Überzeugungen regen zu zeitgemäßen Lösungen im Alltagsgeschäft zwischen Erfolgszwang und Ethikmaßstäben an.

Der langjährige geschäftsführende Gesellschafter der Selzer Fertigungstechnik (Driedorf), Hans-Joachim Selzer, empfing die Tagungsgäste zu einem Betriebsbesuch dieses technologisch innovativen Automobilzulieferers. Dabei betonte er die Konsequenz, mit der eine Wertebindung in den Markt vermittelt werden müsse. Einem Wettbewerber mit einem laxeren Werteverhalten (z.B. im Graubereich von Bestechlichkeit) müsse mit einem langen Atem begegnet werden: Lieber einen Auftragsentgang hinnehmen als das eigene Rufpotenzial beschädigen. Das Unternehmen ist mit dieser Maxime solide und nachhaltig gewachsen.

Daniel Hoster, verantwortlich für das Privatkundengeschäft großer Vermögen bei der Deutschen Bank, stellte sich dem provokanten Thema „Wieviel Ethik verträgt der Erfolg in der Finanzindustrie?“ Er verstand es, das gesellschaftliche Öffentlichkeitsbild von der Maßlosigkeit von Finanzakteuren und der Verantwortungslosigkeit von Banken durch eine nüchterne Bewertung der Finanzkrise zu korrigieren: Zwar hier der leichtfertige Umgang mit hochriskanten Geschäften im Einzelfall, aber auch dort der Druck kurzfristiger Erfolgsberichterstattung – ein Motor für die Verzerrung von Bonuszahlungen und zukunftsstabilen Anlagen! Dem Dilemma von Quartals­ergebnissen im Finanzwesen entspricht das Denken in Wahlperioden in der Politik mit den ebenso fatalen Folgen der Staatsverschuldung für die Finanzkrise, siehe Griechenland.

Dem Blick auf die gigantischen Milliardenvolumina im Finanzwesen stand das gelebte Beispiel der „Apfelgräfin“ aus der Uckermark, einer hoffnungsvollen Existenzgründung in einer wirtschaftlichen und sozialen Randlage, gegenüber: Daisy Gräfin von Arnim nahm die Hörer mit in ihre eigene Erlebnisreise eines Aufbruchs aus dem Nichts, einer kreativen Apfelverarbeitung in der brandenburgischen Provinz – ein erstaunliches Hoffnungssignal mit 10 Mitarbeitern in einem Dorf, das kaum Beschäftigung bietet und durch den Wegzug der jungen Generation ausblutet! Man spürte etwas von der Gründungsvision und dem Glaubensmut, den Tiefschlägen und Enttäuschungen, der Beharrlichkeit und Gelassenheit der Unternehmerin, von ihrer authentischen Geschichte zwischen Familie und Mitarbeiterinnen, zwischen Privat- und Arbeitsleben. „Einfach anfangen“ – dieser Unternehmensgründungsslogan fasst ihr junges Lebenswerk zusammen, das sich elementaren betriebswirtschaftlichen und gleichzeitig täglichen Glaubensschritten verdankt.

Dr. Stephan Schmitz, Marketingleiter der Linde AG, hatte seinen Vortrag unter das Thema „Compliance – Ethik Controlling im Unternehmen“ gestellt. Zahlreiche und spektakuläre Kartell- und Korruptionsverstöße deutscher Unternehmen haben den Aufbau von Compliance-Abteilungen gefördert. Ihre Aufgabe ist es, Regelverstöße gegen Gesetze, Verordnungen oder Selbstverpflichtungen präventiv zu verhindern oder im Fall des Falles aufzudecken. Grundlage des Compliance Managements sind fast immer auch unternehmensspezifische Verhaltenskodices (Code of Conduct, Business Ethic Code). Hierin werden weitere Werte wie Umgang mit Unternehmenseigentum, Verhalten im Vertrieb und Einkauf, würdevoller Umgang miteinander, Respekt usw. formuliert. Complinace – ein moralisches Upgrade der Unternehmensethik? Anhand praktischer Erfahrungen wurde aufgezeigt, dass Compliance Management Einfluss auf die Unternehmenskultur hat. Aus biblischer Sicht können solche Codizes ähnlich der Zehn Gebote Grenzen setzen und bei Beachtung Segen bewirken. Verhaltenscodizes können in Zeiten der Erosion der christlichen Werte diese im Unternehmen festschreiben. Christen können in der Unternehmenspraxis auf die Hilfe des heiligen Geistes setzen: so kann sich der christliche Arbeitsethos vom „normalen“ Arbeitsethos unterscheiden.

Prof. Dr. Reinhard Haupt fasste einige Besonderheiten einer christlichen Unternehmensethik zusammen. Auch für den Christen gelten Ethiknormen der vielfältigen Beispiele von säkularen Ethikkodizes, wie die Ablehnung von Betrug, von Korruption, von Mobbing usw. Die Zehn Gebote und andere biblische Grundlagen sprechen hier eine klare Spache. Umgekehrt ist auch für  Verantwortungsträger außerhalb eines engen christlichen Weltbildes die Orientierung an Maßstäben der Bibel fruchtbar – nach dem Wort des Sozialphilosophen Rohrmoser: Auf der Grundlage der Zehn Gebote können Gläubige und Ungläubige zusammenarbeiten. Den besonderen Rückhalt in der ethischen Unternehmensverantwortung erfährt der Christ durch den Beginn der ZehnGebote, nämlich den Zuspruch „Ich bin der Herr, dein Gott“, vor dem Anspruch des zehnfachen „Du sollst!“. Der Philosoph und Theologe Romano Guardini hat diese Motivation zum christlichen Durchhaltevermögen ausgedrückt: „Geborgenheit im Letzten und damit Gelassenheit im Vorletzten.“

Zukunftsfähige Unternehmensführung in ethischer Verantwortung – dieses Anliegen hat die verschiedenen Beiträge in Vorträgen und Diskussionen auf der Fachtagung Wirtschaftsethik zusammengehalten. Es ist eine Aufgabe, die fachliche und persönliche Fragen sowie Sach- und Glaubensinhalte anspricht.


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Buchbesprechung von Hans-Bertram Braun

Ralf Isau: Die Galerie der Lügen. Bastei-Lübbe, 2007, 637 Seiten, Taschenbuch, € 8,95.

Warum eine Rezension über einen bei Bastei Lübbe erschienenen Roman, hier im W+W-Info? Noch dazu von einem Autor, der vorwiegend (allerdings nicht bei diesem Buch) Jugendliteratur verfasst? Nun, wahrscheinlich ist dieser Roman einzigartig, zumindest in der deutschsprachigen Literatur. Denn in „Die Galerie der Lügen“ wird nicht nur gut fundierte Evolutionskritik transportiert, verpackt in eine spannende Romanhandlung. Auch die Auseinandersetzung mit dem medizinischen Machbarkeitswahn ist hochaktuell, wenn man an die gegenwärtige Debatte um die Zulassung von Präimplantations-Diagnostik (PID) denkt.

Die Hauptfigur des Romans ist eine vehemente Kritikerin des Naturalismus, die, realistisch gezeichnet, unter der damit einher gehenden Anfeindung und Verunglimpfung leiden muss. Sie erkennt im Verlauf der Handlung, dass sie ironischerweise selber einen mensch­lichen Versuch darstellt, der Evolution auf die Sprünge zu helfen. Sie wurde geklont als Mischwesen zwischen Mann und Frau, als Hermaphrodit. Dies ist neben Evolution vs. Intelligent Design (ID) das zweite Thema, das Ralf Isau im Roman bearbeitet: Wie fühlt ein Mensch, der Frau und Mann zugleich ist? Und der von Menschen „erschaffen“, ausgelesen wurde, mit speziell erwünschten Eigenschaften (siehe PID)?

Der Roman handelt von einer Einbruchsserie in Museen, aus denen weltbekannte Meisterwerke gestohlen werden. Die Hauptperson wird als Verdächtige in den Fall verwickelt. Zusammen mit einem Versicherungsdetektiv versucht sie, das Muster hinter den Einbrüchen zu entschlüsseln, um weitere Diebstähle zu verhindern. Trotz explodierender Autobombe, Entführung, Spannung, Dramatik und einer (jugendfreien :-) Liebesgeschichte ist der Roman kein typischer Thriller. Denn vor allem in den Diskussionen zwischen der Verdächtigen und dem Detektiv werden viele evolutionskritische Inhalte transportiert. Diese Argumente für ID und gegen den Naturalismus, die Ralf Isau seiner Hauptperson in den Mund legt, kommen jemandem, der die Literatur und Medien von Wort und Wissen kennt, sehr bekannt vor. Und tatsächlich sind W+W, Genesisnet und entsprechende einschlägige Literatur (an erster Stelle „Evolution – Ein kritisches Lehrbuch“) auf Ralf Isaus Homepage verlinkt (www.isau.de/werk/luegengalerie.html). Der Autor hat gründlich recherchiert, und er argumentiert, ganz à la W+W, sachlich und genau, wenn er auch nicht hinter einer biblischen Kurzzeit-Perspektive steht. Aber auch die inneren Nöte der Hauptperson, die sich als Hermaphrodit nicht preisgeben will, werden feinfühlig dargestellt, ebenso ihr Seelenzustand, während sie erkennt, dass sie das Resultat eines Experiments ist, und zwar nicht nur als Einzelne, sondern als eine von vielen Klonen. Im Bestreben, die evolutionskritischen Inhalte rüberzubringen, sind die Dialoge vielleicht etwas lang geraten, und auch die Entschlüsselung der versteckten Botschaft mag nicht jedem vollkommen logisch erscheinen. Der Roman ist wirklich Mittel zum Zweck, was auch im Nachwort des Romans und auf der Homepage des Autors deutlich wird: „Die Galerie der Lügen“ stellt Ralf Isaus Versuch dar, Leser zum Nachdenken darüber zu bringen, ob Evolution wirklich die bewiesene, unhinterfragbare Tatsache ist, als die sie uns präsentiert wird. In seinem Nachwort schreibt er: „Albert Einstein sagte: ,Wenn die meisten sich schon armseliger Kleider und Möbel schämen, wie viel mehr sollten wir uns da erst armseliger Ideen und Weltanschauungen schämen.’ Auch um mich vor meinen Kindeskindern nicht schämen zu müssen, habe ich dieses Buch geschrieben ... .“

„Die Galerie der Lügen“ ist ein spannendes Buch, ein Roman hinter dessen Werten man stehen kann. Und er kann als Denkanstoß dienen, vor allem für Menschen, die von einem reinen Sachbuch zum Thema nicht angesprochen werden, seien es Erwachsene oder ältere Jugendliche.

Das Buch ist derzeit leider vergriffen, aber antiquarisch z. B. über Amazon bei vielen Anbietern erhältlich.


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Filmbesprechung von Reinhard Junker

„Die kambrische Explosion war das bemerkenswerteste und verwirrendste Ereignis in der Geschichte des Lebens.“ Mit diesem Satz des berühmten Paläontologen Stephen Jay Gould beginnt der Film „Darwins Dilemma“. Es geht um einen der markantesten Sprünge in der Fossilüberlieferung. In Sedimenten (geschichteten Gesteinen) des geologischen Systems des Kambriums tritt eine hochdifferenzierte Tierwelt so plötzlich und vielfältig auf, dass allgemein von der „kambrischen Explosion“ gesprochen wird. Unterhalb des Kambriums sind zwar auch Fossilien bekannt, dabei handelt es sich aber meist um Einzeller und erst relativ kurz vor dem Kambrium erscheinen Fossilien ohne Hartteile wie z. B. Schwämme, Hohltiere und die eigentümliche Ediacara-Fauna. Dagegen überliefern die Sedimente des Kambriums fossil erhaltene Lebewesen aus allen bekannten Tierstämmen, die Hartteile besitzen. Dazu gehören z. B. Gliederfüßer, Weichtiere, Stachelhäuter und auch Chordatiere (darunter als erste Wirbeltiere auch kieferlose Fische). Es tauchen komplexe Organe, Sinnesorgane und Gliedmaßen mit Gelenken in fertiger Form auf. Diese Tierstämme sind zudem von Beginn ihres fossilen Nachweises in der Regel in verschiedene, deutlich abgrenzbare Untergruppen (Klassen) aufgespalten und geographisch meist weit verbreitet.

Das Problem war bereits Charles Darwin bestens bekannt. Nach seinen Theorien der gemeinsamen Abstammung und natürlichen Auslese erwartete er eine Geschichte von zunehmender Vielfalt und Verschiedenartigkeit, was zur bekannten Baumdarstellung evolutionärer Abfolgen führt. Die Fossilwelt des Kambriums offenbarte jedoch eine gewaltige Diskrepanz zwischen den Befunden und seiner Theorie. Die meisten Hauptbaupläne der Tiere erscheinen plötzlich, im Widerspruch zu Darwins Vorstellung einer allmählichen Auffächerung. Statt eines Musters „von unten nach oben“ zeigt sich ein hierarchisches Modell: die Gesamtarchitektur des Erscheinens der Tierwelt ist „von oben nach unten. Zuerst erscheinen die Hauptunterschiede, erst danach kommen die Variationen. Dieser Widerspruch zu den Voraussagen von Darwins Theorie ist mit „Darwins Dilemma“ gemeint. Darwin schrieb, dass es ein ernsthaftes Problem für seine Theorie wäre, wenn sich das hierarchische Muster bestätigt. Vor dem Kambrium sollte eine große Fülle von Tierformen zu erwarten sein, schreibt Darwin und räumt ein, für deren Fehlen keine befriedigende Antwort zu haben. Stattdessen argumentiert er mit der Unvollständigkeit des Fossilberichts.

Im Film werden diese Befunde anschaulich erläutert, durch beeindruckende Animationen der kambrischen Tierwelt illustriert und es werden einige wichtige Stationen der Forschungsgeschichte der kambrischen Tierwelt geschildert. Der Zuschauer wird an die bedeutendsten Fundstätten in British Columbia (Kanada) und nach Chengjiang (China, Yunnan-Provinz) geführt. Darwins Dilemma sei durch die heute gemachten Funde nicht geringer geworden, auch seine Vermutung, dass der Fossilbericht zu lückenhaft sei, erscheint angesichts des Fundes sehr kleiner Fossilien von Embryonen und Fossilien mit Weichteilerhaltung fragwürdig.

Dieser Befund stellt aber nicht nur ein Problem für evolutionäre Deutungen dar, sondern bietet nach Auffassungen der Filmproduzenten deutliche Hinweise auf einen intelligenten Urheber. So sei das hierarchische Modell der Auftretens von Tierstämmen mit menschlicher Technologie vergleichbar. Von daher ist uns die Reihenfolge „zuerst der grobe Bauplan, danach Vielfalt von Abwandlungen vertraut; als Vergleichsbeispiel wird die Entwicklung des Automobils genannt. Für die neuen Baupläne bedurfte es „gigantischer Mengen“ von genetischer Information“. Der Mutations-Selektions-Mechanismus sei damit überfordert, es sei kein Weg bekannt, der durch stetige Anhäufung vieler kleiner Schritte zum „Gipfel des Unwahrscheinlichen“ (Dawkins) führe. Dabei genüge die genetische Information, die in der DNS gespeichert ist, bei weitem nicht einmal, es kommen noch andere Informationsebenen hinzu. Auch der hierarchische Aufbau der Lebwesen sei ein Kennzeichen von Planung. Auch das plötzliche Erscheinen der Tierstämme weise darauf hin. In historischen Fragen könne die Gegenwart als Schlüssel zur Vergangenheit dienen, dies müsse auch auf den Ursprung der Information angewendet werden.

Wie alle Evolutionsfilme von „Illustra Media“ ist auch „Darwins Dilemma“ professionell gestaltet, mit beeindruckenden Fossilbilden und Landschaften. Forscher verschiedener Auffassungen kommen zu Wort, wenn auch die Mehrzahl als Befürworter des Intelligent Design-Ansatzes bekannt ist, auf den der Film hinausläuft. Ausführlich kommt aber auch der britische Paläontologe Simon Conway Morris zu Wort, der sich an anderer Stelle so deutlich gegen Intelligent Design ausgesprochen hat, dass sein Mitwirken an diesem Film erstaunt.

Bestellhinweis

Darwins Dilemma.
Das Geheimnis des kambrischen Fossilberichts.
DVD, 70 Minuten, plus 40 Min. Bonusmaterial.
Dreilindenfilm Berlin (amerikan. Original von Illustra Media).

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Die Zeitangaben der Historischen Geologie werden in „Darwins Dilemma“ nicht hinterfragt, sie kommen aber auch nur dann ins Spiel, wenn es um evolutionskritische Argumentationen geht, etwa wenn die Kürze des Zeitraums der kambrischen Explosion veranschaulicht wird. Der Ansatz des „Intelligent Design“ (ID) wird nur knapp erläutert, die Argumentation ist in der Kürze anfechtbar und kann nur als erste Einführung gelten. Als Alternative zur evolutionstheoretischen Deutung des Fossilberichts kommen biblische Zusammenhänge nicht zur Sprache, es wird nur auf die Plausibilität der Annahme eines Designers verwiesen. Alles in allem: „Darwins Dilemma“ ist ein Film, der in sehr guter Weise die Plausibilität eines Schöpfers hinter der Schöpfung darstellt.


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Vorankündigung eines ungewöhnlichen Buches

Kaum jemand weiß, dass gegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts Steinwerkzeuge aus den verschiedensten tertiären Epochen Europas von führenden Wissenschaftlern anerkannt waren. Michael Brandt präsentiert diese mit Geschick und für verschiedene Zwecke bearbeiteten Steinwerkzeuge in einem umfassenden und gründlich recherchierten, weltweit einmaligen Werk. Zahlreiche brillante Fotos der Originalfunde aus Museen Europas haben große Überzeugungskraft.

Die Hersteller der z.T. gut gearbeiteten Bohrer, Messer, Schaber, Kratzer usw. lebten lange vor den Mensch-Tier-Übergangsformen der herkömmlichen Entstehungstheorien.

Der Autor plädiert  für die volle Wiederanerkennung der tertiären Steinwerkzeuge und damit für Neuüberlegungen zur Entstehungsgeschichte der Menschheit.

Das Buch gewährt zudem interessante Einblicke hinter die Kulissen des Wissenschaftsbetriebs und das Zustandekommen mancher „bewiesener“ Erkenntnisse.

Dieses übersichtlich gegliederte, mit Begriffserklärungen versehene und trotz der wissenschaftlichen Tiefe leicht verständlich geschriebene Buch wendet sich an alle an der Vorgeschichte interessierten Laien und Wissenschaftler.

Die Bedeutung der Thematik für die Kontroverse um Schöpfung und Evolution kann kaum überschätzt werden. Wegen der hohen Kosten für dieses bestens ausgestattete Werk bitten wir Sie um Unterstützung, indem Sie das Buch bereits jetzt vorbestellen. Das Buch erscheint voraussichtlich im Herbst dieses Jahres.

Bestellhinweis

Michael Brandt
Vergessene Archäologie. Steinwerkzeuge fast so alt wie Dinosaurier.
Holzgerlingen. 2011, Festeinband, farbig, Großformat 23,0 x 30,0 cm
472 Seiten und viele hundert Abb.

Die Lieferung in Deutschland ist versandkostenfrei

[vorbestellen] [Details]

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Einen bemerkenswerten Rückblick von Lars Fischer auf das zehnjährige Jubiläum der ersten Veröffentlichung von Ergebnissen des Human Genome Projects veröffentlichte spektrumdirekt.1  Welch große Hoffnungen waren an dieses Projekt geknüpft worden, das die Entschlüsselung des menschlichen Erbguts zum Ziel hatte: Heilung von Erbkrankheiten und Krebs und die Aufdeckung des Bauplans des Menschen. Entsprechend enthusiastisch waren damals die ersten Ergebnisse präsentiert worden. Der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, Bill Clinton, bejubelte die „zweifellos wichtigste, wundervollste Karte, die je von Menschen erschaffen wurde“, und Francis Collins, der Leiter der Human Genome Organisation bezeichnete das Projekt als „Meilenstein einer nie dagewesenen Reise, einer Reise in uns selbst“.2  Das Human Genome Project war damals ein vielbeachtetes Medienthema. Zwischen 1999 und 2001 erschienen in der FAZ und der Süddeutschen Zeitung dazu über 1000 Artikel.3 

Die Wissenschaftler haben mit diesem Projekt ohne Zweifel Hervorragendes geleistet. Dennoch ist mittlerweile Ernüchterung eingetreten, denn beide mit dem Projekt verbundenen großen Hoffnungen haben sich kaum erfüllt: Weder ist unser Verständnis vom Bauplan des Menschen entscheidend verbessert worden noch unsere Fähigkeit, bislang unheilbare Krankheiten zu heilen.

Beide Enttäuschungen hängen miteinander zusammen. Weil die Anzahl der Gene mit etwa 20.000 viel geringer ist als die prognostizierten 100.000 - 140.000, kann ein Großteil dessen, was den Menschen biologisch ausmacht, gar nicht im Erbgut als einfache Sequenz zu finden sein. Der Mensch ist weder die Summe noch die Marionette seiner Gene, und das Erbgut ist nicht sein Bauplan. Aus diesem Grund haben leider auch die Hoffnungen im medizinischem Sektor getrogen: So wie man den Organismus nicht auf seine Gene reduzieren kann, kann man auch Mängel und Krankheiten nur selten darauf zurückführen.

Lars Fischer schreibt rückblickend: „Der Optimismus jener Tage speiste sich aus der irrigen Annahme, das Genom [= gesamtes Erbgut] als solches samt seiner Funktionsweise im Wesentlichen verstanden zu haben.“ Die Vermutung einer einfachen Kette von Ursache und Wirkung bei Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer, in die leicht eingegriffen werden könne, erwies sich als falsch. Die ursprüngliche Forschungsagenda – „wir suchen uns ein defektes Gen und tun dann was dagegen“ – habe kaum nennenswerte Erfolge gebracht. Die Hoffnung, „dass man eine Liste der ‘kaputten’ Gene einer Person aufstellen und auf dieser Basis einen individualisierten Therapieplan erarbeiten könnte“, habe sich zerschlagen.

Und was das Verständnis des Menschen als biologischer Organismus betrifft, stellt Fischer fest: „Statt auf fundamentaler Ebene die Antworten auf alle ihre Fragen zu finden, sehen Forscher plötzlich ungeahnte Komplexität, wo sie vor einem Jahrzehnt noch nur Marionetten der Gene vermutet hatten.“ Der frühere Enthusiasmus sei in der Rückschau kaum mehr als „das Symptom eines ursprünglich gefährlich verengten Blickwinkels, der die Zelle und das Leben selbst zum verlängerten Arm der DNA degradiert hat.“ Damit steht die Forschung in gewissem Sinne erneut vor  einem Anfang: Wenn das Erbgut nicht der „allmächtige Steuermann im Zellkern“ ist, was dann? Man muss hier noch weiter fragen: Ist dieser Steuermann überhaupt mit den wissenschaftlichen verfügbaren Methoden in den Lebewesen dingfest zu machen? Dieser Problematik will man sich gewöhnlich trotz vieler neuer Fragen nicht gerne stellen, sie drängt sich aber mehr denn je auf.

Die Ernüchterung trifft auch die traditionellen Evolutionsvorstellungen, deren Kernstücke Genzentriertheit (Mutation) und „umweltgesteuerte“ Auslese (Selektion) sind. Dieses eingängige und kausal recht übersichtliche Modell wird sich auch im Rahmen des Evolutionsparadigmas vermutlich nicht mehr halten können. Es ist kein Zufall, dass die Stimmen, die das laut sagen, in den letzten zehn Jahren zugenommen haben. Und wer vom Denken im Rahmen der Schöpfungslehre geprägt ist, wird die Erwartung hegen, dass die weitere Forschung die geniale Komplexität der Informationsflüsse in den Lebewesen vermehrt ans Licht bringen wird. Lars Fischer, der diese Perspektive vermutlich nicht teilt, schließt seinen Artikel in spektrumdirekt: „Wohin die Reise geht – sowohl für den Menschen als auch für seine Erforschung –, lässt sich jedenfalls heute viel schwieriger vorhersagen, als wir es uns damals erhofft hatten.“ Aus christlicher Perspektive lässt sich dagegen festhalten: Die wissenschaftliche Reise ins menschliche Innere enthüllt mehr und mehr die Genialität, mit der wir auch im genetischen und biochemischen Detail gebaut sind. Diese Reise gibt uns ständig Anhaltspunkte zum medizinischen Handeln (wenn auch nicht so einfach wie gedacht) und zum Lob und Staunen über den, der das erdacht und erschaffen hat.

Reinhard Junker

Anmerkungen
www.wissenschaft-online.de/artikel/1063850
2 zitiert nach B. Kegel (2009) Epigenetik. Wie Erfahrungen vererbt werden. Köln, S. 48. Das Buch von Bernhard Kegel ist sehr lesenwert.
3 nach B. Kegel, S. 45.

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Möchten Sie eine Veranstaltung zum Thema „Schöpfung“ in der eigenen Gemeinde durchführen? Wir haben einen neuen Vortragsflyer erstellt, den wir diesem Info beilegen. Es kann auch hier heruntergeladen werden.

Aus dem Inhalt:

Der Glaube an Gott den Schöpfer ist für Christen von grundlegender Bedeutung. Wie können die biblische Botschaft und heutige Naturwissenschaft zusammengebracht werden? Oft wird behauptet, Wissenschaft habe Gott als Schöpfer überflüssig gemacht. Dass dem ganz und gar nicht so ist, zeigen unsere Referenten in spannenden Vorträgen.

Mitarbeiter der Studiengemeinschaft Wort und Wissen kommen gerne in Ihre Gemeinde, um durch Vorträge sachlich und fair zu aktuellen Fragen im Spannungsfeld „Naturwissenschaft, Schöpfung und Evolution“ aus christlicher Sicht Stellung zu nehmen. Die Vorträge sollen auch Anstöße zum Glauben an Jesus Christus vermitteln. Unsere Referenten kommen aus unterschiedlichen Fachbereichen und können ihre Themen kompetent behandeln. Nachfolgend geben wir jeweils ein Beispiel.

Für Ihr Engagement in dieser Sache danken wir Ihnen.


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Das Wort und Wissen Info 1/11 - Nr. 94/März 2011

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Letzte Änderung: 15.09.2012
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