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WORT und WISSEN

Info 2/12 - Nr. 99/Juni 2012




zum Thema „Schöpfung und Evolution“ gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Filmen auf DVD. Die meisten finden wir gut, manche sind brillant gemacht. Dennoch schwebte uns schon länger vor, eigene Produktionen zu erstellen. Denn diese haben zwei wichtige Vorteile: Zum einen können wir die Themen genau so präsentieren, wie wir es angemessen finden. Bei Filmen anderer Produzenten gibt es hier naturgemäß immer gewisse Abstriche. Zum anderen sind wir in der Preisgestaltung frei und können unsere Produktionen zu einem attraktiven Preis anbieten.

Dank der mittlerweile engen Zusammen mit Timo Roller (www.morija.de) konnten wir beginnen, unsere Pläne in die Tat umzusetzen. So sind drei Kurzfilme von 11 - 15 Minuten Dauer entstanden, die seit kurzem auf DVD erhältlich und vielseitig einsetzbar sind (Hauskreise, Familie, Schule, zur eigenen Weiterbildung usw.). Es geht dabei um folgende Themen:

Im ersten Film wird mit einem anschaulichen Bild verdeutlicht, wo die Probleme liegen, wenn man die Entstehung des Lebens ohne Annahme eines Schöpfers erklären will. Es wird klar, dass „Schöpfung“ als Erklärung – gemessen an unserem gegenwärtigen Wissen – am naheliegendsten ist. Das versucht auch der zweite Film deutlich zu machen, wo es um das in jüngerer Zeit neu diskutierte Design-Argument in der Biologie geht.

Der dritte Beitrag befasst sich mit biblisch-archäologischen Fragen und erläutert hauptsächlich an der Fundsituation in Jericho, wie eine revidierte Chronologie der Geschichte Ägyptens und des Heiligen Landes bisherige Unstimmigkeiten auflöst.

Dabei ist uns wie immer wichtig, wissenschaftliche Fakten und biblische Offenbarungsinhalte einerseits zu unterscheiden und andererseits in einen Zusammenhang zu bringen. Weitere Filme sind derzeit in Planung oder Vorbereitung (siehe den Bericht von Timo Roller über Boncelles auf S. 5-7.). Wir hoffen, dass viele von Ihnen, liebe Info-Leser, die „defacto“-DVD gewinnbringend einsetzen können.


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Altvorderasiatische Bilder und Inschriften erinnern an die Genesis
Notizen aus einem Vortrag von Peter van der Veen

In der Paradiesgeschichte des Gartens Eden (1. Mose 2-3) wird in dieser Folge von der Erschaffung des Menschen (Adam) aus Staub der Erde (Adamah), danach die der Bäume und der Tiere berichtet. Der Garten wird für den Menschen geschaffen, damit dieser Gott an einem geschützten angenehmen (paradiesischen) Ort dienen kann, indem er (als Schöpfungsordnung) den Garten bebaut und bewahrt (beide Begriffe werden anderweitig im Pentateuch für das Halten und Bewahren der Tora verwendet). Die gleiche Reihenfolge der Schöpfungswerke ist in mesopotamischen Texten belegt, z. B. im Schöpfungs-Epos von Nippur (1700 v. Chr.).

Abb. 1: Abrollung eines Rollsiegels aus Nord-Syrien um 1800 v. Chr. Auf dem Siegel ist der Schöpfergott (sitzend) zu sehen, während „Ströme“ aus einem von ihm gehaltenen Gefäß herausfließen. Hinter ihm steht repräsentativ für sein Aufenthaltsort eine Berggottheit mit Getreidestauden. (Abdruck mit freundlicher Genehmigung von O. Keel, Uni Fribourg; Foto: R. Wiskin)

In einem Vortrag auf der diesjährigen Hauptkonferenz zeigte Peter van der Veen, dass mehrere Elemente dieser Erzählung eine Vielzahl von Parallelen in der Literatur und Bilderkunst des alten vorderen Orients, nämlich für die Schöpfung des Menschen aus dem Staub der Erde, für die Bäume, die vier Flüsse, die dort entspringen, die Cherubinen, die den Lebensbaum bewachen müssen, und die Schlange (bzw. der Drache aus u. a. den Psalmen und der Offenbarung nach Johannes) als Urfeind Gottes.

Abb. 2: Ein Berggott auf einem Relief aus der mesopotamischen Stadt Assur um 1800 v. Chr. Neben ihm sind zwei Wassergöttinnen zu sehen, die jeweils zwei Töpfe festhalten, woraus vier Flüsse entspringen. (Pergamon Museum, Berlin; Foto P. van der Veen)

So finden sich z. B.

  • die Schöpfung des Menschen aus dem Staub der Erde z. B. in Ägypten (die Erschaffung des Menschen durch den Schöpfergott Chnum), und Mesopotamien (die Erschaffung durch die Göttin Inanna/Ninhurag, die Gebärerin aller Menschen; vgl. die biblische Eva), in Griechenland und in vielen Kulturen weltweit,
  • die Bäume des Gartens in der ganzen Levante als Zeichen des Lebens. Sowohl in Ägypten als auch im Zweistromland ist der Lebensbaum Hauptordnungsträger des Universums und solange dieser rituell gepflegt wird (u. a. durch das Reinigungsritual in Mesopotamien) werden die Chaosmächte nicht über „Ordnung“ siegen. Der Baum ist zudem ein Leitsymbol der Göttin Aschera, indem er die Fruchtbarkeit bzw. den Lebenserhalt symbolisiert,
  • die vier Flüsse des Gartens in Mythen Syrien-Palästinas (z. B. in Ugarit) und Anatoliens (Hethiter), wo sie mit dem Residenzort des Schöpfers am Quellort der großen Flüsse Euphrat und Tigris in Verbindung gebracht werden. Nach der Vorstellung der Kanaanäer wie auch der Mesopotamier (vgl. auch bei Jesaja und Hesekiel) befindet sich dieser Ort auf einem Berg im Norden („Zaphon“),
  • die Cherubinen in der altvorderasiatischen Glyptik als Wächter des Baumes (z. B. auf Elfenbeinschnitzereien, auf Tempelfresken),
  • die Schlange (bzw. Drache) als Hauptfeind des guten Gottes, u. a. in Ägypten (als Apopi), Syrien-Palästina (als Litanu/Leviathan), Mesopotamien (Tiamat u. a.).

Die Bilder des Gartens finden sich vor allem in der Tempelglyptik des vorderen Orients (auch im Jerusalemer Tempel) wieder, wo u. a. der Lebensbaum anhand von floralen Mustern, der Quellort anhand eines aus Mesopotamien bekannten Apsu- bzw. Süßwasser-Ozean-Beckens, und die Cherubim als Wächter des Lebensbaumes bzw. der Bundeslade, dargestellt werden. Der Tempel wurde somit zu einem „neuen“ Eden, wo der Mensch mit seinem Gott Gemeinschaft pflegt.

Mögliche Hinweise auf eine frühe Überlieferung des Gartens Edens finden sich bereits in den Tempelanlagen Göbekli Tepes (nahe des Euphrats in der Südost-Türkei), deren Bau auf die Zeit des späten Altpaläolithikums (traditionell um 10.000 v. Chr.) geschätzt wird.

Bemerkenswert ist dabei: Im Gegensatz zu den stark mythologisch geprägten kanaanäischen und mesopotamischen Schöpfungsmythen ist der biblische Schöpfungsbericht schlicht und bewusst realistisch gehalten, was man als Argument für das Alter und für die Originalität der biblischen Geschichte werten kann.

Im zweiten Teil des Vortrags wies der Referent auf die Ähnlichkeit zwischen dem biblischen Helden Nimrod (1. Mose 10) und der mesopotamischen Gottheit Ninurta hin. Beide Charaktere werden als große Jäger, kriegerische Helden und Begründer der mesopotamischen Kultur dargestellt. Beide lebten offensichtlich kurz nach der Sintflut. Die meist detaillierte mesopotamische Beschreibung des Ninurta findet sich im LUGAL-e Mythos aus Lagasch um 2100 v. Chr. Dieser Text betont, dass die Gottheit (die wohl ursprünglich als irdischer Monarch tätig war) nach der Sintflut lebte. Der LUGAL-e Mythos beschreibt zudem, dass die Sintflut durch ein rasches Abschmelzen von Eismassen vonstatten gegangen war. Wieder ist die mesopotamische Version stark mythologisch geprägt, so dass auch hier davon ausgegangen werden muss, dass die biblische Erzählung ursprünglicher bzw. näher am Original ist.

Literaturhinweis zu Nimrod: Peter van der Veen und Uwe Zerbst (2000) „... wie Nimrod, ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn!“ Ist der biblische Nimrod eine historische Persönlichkeit? Studium Integrale Journal 7, 75-80.


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Rezension von Daniela Täuber

Bei geeigneten Rahmenbedingungen entstehen Ordnungsmuster in unbelebter Materie, d. h. Materie ist fähig zur Selbstorganisation. In den letzten Jahren erhöhte sich das Interesse an der Erforschung solcher Prozesse, da sich durch deren Ausnutzung unter anderem Produktionskosten senken lassen oder die gezielte Wirkung von Medikamenten verbessern lässt. Dabei stellte sich schon bald die Frage, inwieweit solche Effekte auch bei der Lebensentstehung eine Rolle gespielt haben können. Daneben lässt sich auch im Verhalten von Lebewesen, wie z. B. Ameisenvölkern, Fischschwärmen oder Bakterienkolonien eine z. T. hochkomplexe Ordnung feststellen, was auch als Selbstorganisation bezeichnet wird. Allerdings führt die Vielfalt der Prozesse und Beobachtungen nicht selten zu unsauberen Begriffsabgrenzungen. Sollen (Computer) modelle zur Beschreibung der Beobachtungen herangezogen oder soll gar über die Relevanz für Fragen der Lebensentstehung entschieden werden, ist eine klare Begrifflichkeit mit Angabe der jeweils erforderlichen Rahmenbedingungen unerlässlich.

Joachim Sohns stellt in diesem Buch zusammen, wie die Begriffe Zufall, Selbstorganisation und Emergenz in der Physik sowie in der Biologie und Chemie verwendet werden. Für das Verständnis der Begriffe und ihrer Anwendungen sind einige Vorkenntnisse über Wahrscheinlichkeiten, Statistik und Modellbildung erforderlich, die in dem vorliegenden Buch sehr anschaulich erläutert werden. Diese Einführung ist für Studienanfänger in naturwissenschaftlichen und technischen Fächern richtiggehend zu empfehlen und sicherlich schon mit Abschluss der Sekundarstufe I verständlich. Eine ausführliche Quellenangabe und ein kurzer Anhang mit weiteren Erläuterungen erhöhen den Informationswert des Buches zusätzlich. Parallel zur Erklärung der technischen Begriffe fragt Joachim Sohns stets nach deren Bedeutung im jeweiligen Zusammenhang. So zeigt er z. B. auf: Die „Wahrscheinlichkeit, die für ein Ereignis angegeben wird, hängt immer damit zusammen, wie viel über das betreffende System bekannt ist.“ Daraus folgt, „Wahrscheinlichkeitsberechnungen können verwendet werden, um abzuschätzen, wie plausibel oder unplausibel ein bestimmtes Modell zur Lebensentstehung oder zur biologischen Evolution ist. Aus Wahrscheinlichkeitsaussagen können keine Beweise für oder gegen eine natürliche Lebensentstehung abgeleitet werden.“

In den folgenden Kapiteln wird das Auftreten von Selbstorganisation zunächst in der Physik und dann in Biologie und Chemie erläutert. In der Biologie lassen sich laut Joachim Sohns z. B. für die Modellierung drei verschiedene Ebenen einteilen: (i) eine Zelle, da sie viele verschiedene Moleküle enthält, (ii) ein Lebewesen, das wiederum aus vielen verschiedenen Zellen besteht und (iii) vorübergehende oder dauerhafte Gruppen, die aus vielen Lebewesen bestehen. Beispiele für die dritte Ebene sind Fischschwärme, die im Titelbild gezeigten Ameisenstaaten oder Bienenvölker. Mit dieser Ebene ist der Begriff der Schwarmintelligenz eng verbunden. Joachim Sohns geht auf jedes der eingangs genannten Beispiele und zusätzlich noch auf das Wachstum von Bakterienkolonien in einem eigenen Unterabschnitt ein. Dieses Kapitel schließt mit der Behandlung der Frage nach Selbstorganisation im Gehirn. Eine wichtige Feststellung dabei ist: „Mathematische Modelle zur Dynamik von Gehirnsignalen bauen auf starken Vereinfachungen auf. Dabei werden keine kausalen Zusammenhänge untersucht, sondern nur statistische Größen. Aus solchen Modellen können keine Aussagen über das konkrete Verhalten eines Lebewesens abgeleitet werden.“

In den Kapiteln zum Auftreten der Selbstorganisation in den einzelnen Fachgebieten werden die eingangs eingeführten Fachbegriffe verwendet, was für ungeübte Leser sicherlich einiges an Konzentration erfordert. Wichtige Inhalte werden jedoch durch das ganze Buch hindurch in verständlichen Textkästen hervorgehoben und als Abschluss eines jeden Kapitels zusammengefasst. Daher liest sich das Buch auch dann mit Gewinn, wenn nicht allen Kapiteln gleiche Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die Relevanz von Selbstorganisation für die Lebensentstehung wird in einem eigenen Unterkapitel beleuchtet und in dem abschließenden Diskussionsteil noch einmal aufgegriffen. Hier werden auch weltanschauliche Fragen thematisiert. Insbesondere wird auf das Verhältnis von Wissenschaft und Schöpfungsglauben eingegangen und begründet, warum erstere kein umfassendes Bild der Wirklichkeit liefern kann.

Bestellhinweis
Joachim Sohns: Zufall, Selbstorganisation und Emergenz. Eine Einführung aus naturwissenschaftlicher Sicht.
Hänssler-Verlag Holzgerlingen, Studium Integrale, Format 16,5 x 24, 157 Seiten, 24 Abb.
[vergriffen] [Details]

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Rezension von Reinhard Junker

Sind wir allein im Universum? Welche Voraussetzungen sind nötig für die Existenz intelligenten Lebens? Was macht die Erde zu einem besonderen Planeten? Wie kam es zur Urknalltheorie? Wie beeinflussen sich Kosmologie und Weltanschauung? Mit diesen Fragen beschäftigt sich eine neue DVD, die vom Institut für Glaube und Wissenschaft (www.iguw.de) produziert wurde (siehe www.faszination-universum.org). Mit Weltraumbildern, beeindruckenden Animationen und zahlreichen Interviews wird das Thema „Schöpfung und Kosmos“ kurzweilig und spannend vermittelt. Sechs Professoren aus den Fachgebieten der Physik, der Astronomie, der Mathematik und der Theologie erklären, weshalb sie einen Plan hinter dem Kosmos für überzeugender halten als die Vorstellung von einem sinnlosen, zufällig für Leben passend entstandenen Universum.

Worum geht es im Einzelnen? Im ersten Abschnitt wird betont, dass die Urknalltheorie der Kosmologie sehr gute Stützen in den Beobachtungsdaten habe, anfangs jedoch misstrauisch aufgenommen wurde, weil die Vorstellung von einem Anfang doch stark „nach Schöpfung riecht“ (B. Drossel). In diesem Sinne argumentieren denn auch die im Film zu Wort kommenden Wissenschaftler: Die Hinweise auf einen Anfang legen Schöpfung nahe; das Universum ist nicht schon immer da. Die Wissenschaft könne aber zum Ursprung des Urknalls nichts sagen. Das Standardmodell der Kosmologie – Urknall und die Ausdehnung des Weltalls – sowie Galaxien- und Sternentstehungsmodelle werden nicht hinterfragt. Die damit zusammenhängenden großen Zeiträume werden im Film implizit angenommen, jedoch an keiner Stelle thematisiert.

Im weiteren Verlauf geht es um die Naturgesetze als Hinweise auf Schöpfung. Es sei erstaunlich und nicht selbstverständlich, dass die Himmelskörper sich an mathematische Gesetze halten und astronomische Beobachtungen mathematisch fassbar sind. Dies erlaube auch Aussagen über die Vergangenheit und die Zukunft. Und nun wird es spannend: Es hat sich herausgestellt, dass die Kräfte in der Natur in einem ganz bestimmten Gleichgewicht stehen müssen, damit sich überhaupt lokale Kondensationen wie Galaxien und Planetensysteme bilden können (bzw. dass sie existieren können), was u. a. auch Voraussetzung für die Existenz von Leben ist. Peter Hägele sagt hier, die Naturgesetze seien so fein abgestimmt, „dass Leben entstanden ist“, was so klingt, als sei dies von alleine möglich, womit leider ein falscher Eindruck entsteht. Diese Feinabstimmung wird anschaulich mit einem Modell erklärt. Die notwendige Präzision der Naturkonstanten muss unglaublich hoch sein und anders als bei Lebewesen und Ökosystemen gibt es hier keinerlei Fehlertoleranz. Ein riesengroßer Zufall oder geplante Abstimmung?

Diese erste Ebene der Feinabstimmung – das Gleichgewicht der verschiedenen Naturkräfte – ermöglicht aber immer noch nicht, dass es überhaupt einen Planeten wie unsere Erde geben kann, auf dem Leben möglich ist. Dafür muss eine davon unabhängige zweite Art von Feinabstimmung hinzukommen: Viele Details der Bahn, der Lage und des Aufbaus von Erde, Erdmond, weiteren Planeten und Sonne müssen stimmen, und jeder passende Parameter ist nicht selbstverständlich oder anders betrachtet extrem unwahrscheinlich. So ist eine gleichmäßige Leistung der Sonne notwendig, weiter muss die Entfernung von der Erde zur Sonne stimmen, ebenso die Neigung der Erdbahn in einem günstigen Winkel sein sowie der Mond als Stabilisator wirken und zwar im richtigen Abstand (ohne unseren Erdmond würde die Erde taumeln). Weiter dient der Jupiter als Asteroiden- und Kometenfänger und schützt die Erde vor Einschlägen; das Erdmagnetfeld wird zur Abschirmung gegen energiereiche schädliche Strahlung benötigt, die Erdatmosphäre muss passende Eigenschaften besitzen usw. Der Zufälle sind das einfach zu viele! Dieser Teil der DVD beinhaltet inhaltlich und in den Schlussfolgerungen weite Überschneidungen mit der DVD „Der privilegierte Planet“.

In diesem Zusammenhang wird die Frage aufgeworfen, ob (intelligentes) Leben auf anderen Planeten möglich sei. Diese Frage sei nicht entscheidbar, dafür wissen wir zu wenig. So oder so ist die Fülle genau passender Bedingungen für unsere Erde beeindruckend und erfordert eine Erklärung, die mehr beinhaltet als einen „Glückstreffer“ oder spekulative Multiversen. Bisher ist die Erde einzigartig. Steckt ein Plan dahinter? Alister McGrath sagt: Feinabstimmung erfordert einen Feinabstimmer, und Peter C. Hägele meint, es sei wie in der Ingenieurstechnik genau richtig hingedreht. Abschließend wird klargestellt, dass in Fragen dieser Art zwar kein Beweis möglich sei, aber man könne die Frage beantworten, welches Denkmodell am besten mit den Beobachtungen korrespondiert. Die Antwort des Films ist: Schöpfung. Angesichts der Tatsache, dass auch viele wissenschaftlich gebildete Christen diese Art der Argumentation in der Biologie, wo die Kategorie der Zweckmäßigkeit hinzukommt, ablehnen (Design brauche keinen Designer), erscheint es dem Rezensenten bemerkenswert und erfreulich, dass in diesem Film in der Astrophysik ziemlich unbekümmert die naheliegende Schlussfolgerung gezogen wird. Wenn keine gleichwertige andere Erklärung vorliegt, ist Schöpfung die erste Option.

Obwohl im Film auch – korrekterweise – gesagt wird, dass jede Theorie falsch sein kann (A. Benz), vermitteln die Ausführungen über den Urknall und seine Folgen diesen Vorbehalt nicht. Es wird aber auch gesagt, dass in der Astrophysik die Ergebnisse weniger sicher seien als in der Laborphysik – das Weltall können wir nun mal nicht ins Labor stecken. Einseitig ist der Bezug auf Galileo Galilei, als sei ihm der Prozess wegen des geozentrischen Weltbildes gemacht worden und das sei das Beispiel, wie weltanschauliche Überzeugungen wissenschaftliches Forschen beeinflussen können. Die Auseinandersetzungen um Galilei waren viel komplexer als dass man sie auf diese einfache Formel bringen könnte.

Die DVD enthält eine 56-minütige Lang- und eine 35-minütige Kurzversion, was unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten erleichtert. Darüber hinaus bietet die DVD 40 Minuten Bonusmaterial: Alle sechs mitwirkenden Wissenschaftler nehmen zu denselben Fragen zur Methodik, Leistungsfähigkeit und Grenzen der Naturwissenschaft Stellung.

Die DVD ist beim IGUW (www.iguw.de), bei der SMD (www.shop.smd.org) und hier erhältlich.

Bestellhinweis

Faszination Universum. Eine Entdeckungsreise in ferne Welten.
DVD, Institut für Glaube und Wissenschaft (Hg.)
Laufzeit 56 Minuten (lange Version) und 35 Minuten (kurze Version)
Bonusmaterial (Statements der beteiligten Wissenschaftler): 40 Minuten

[bestellen] [Details]


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Timo Roller berichtet über weitere Dreharbeiten für „defacto“

Wer das Buch „Vergessene Archäologie“ von Michael Brandt kennt, hat vielleicht etwas gelesen (ab Seite 144) über die Gemeinde Boncelles wenige Kilometer südlich der belgischen Stadt Lüttich. Aus Sicht eines Dresdners und eines Württembergers ist dies quasi in unmittelbarer Nachbarschaft von Rehe, wo dieses Jahr die Hauptkonferenz stattfand. Und so machte ich mich Michael Brandt auf nach Boncelles, um erstens Filmaufnahmen für die nächste Produktion der Reihe „defacto“ zu drehen – und uns zweitens einen Überblick zu verschaffen, ob es heute noch möglich ist, vor Ort nach Artefakten zu suchen.

Vor etwas mehr als hundert Jahren wurden in Boncelles zahlreiche Fundstücke mit typischen Merkmalen steinzeitlicher Werkzeuge entdeckt. Die Schichten, aus denen sie nachweislich stammen, sind allerdings nach gängiger Datierung bis zu 28 Millionen Jahre alt! Der Entdecker der Werkzeugfunde, Aimé Rutot (1847-1933), hatte sich sehr intensiv mit der Erforschung von Steinzeitkulturen befasst und speziell mit der Frage der Unterscheidung von Werkzeugen und natürlich entstandenen Geofakten. Er hatte „ein schwerwiegendes Problem“ damit, dass menschliche Hinterlassenschaften so früh im Oberen Oligozän gefunden wurden, die sich von der gegenwärtigen Steinindustrie der Ureinwohner Tasmaniens nicht nennenswert unterscheiden (siehe „Vergessene Archäologie“, S. 168).

Michael Brandt am Aufschluss mit den von Aimé Rutot 1907 dokumentierten Sandschichten.

Im Vorfeld unserer Reise sah die Sache recht vielversprechend aus: Mit Hilfe von Google Earth konnten wir eine der Sandgruben lokalisieren, die Rutot erwähnt hat und die augenscheinlich nach ihrer Stilllegung weitgehend unangetastet blieb. Nach Bildern aus Google Earth, Streetview und Bing sowie Informationen von Michael Cremo (Autor des Buches „Verbotene Archäologie“, in dem es ebenfalls um diese Funde geht) war zu hoffen, dass die damalige Fundschicht genau unter der Oberfläche der Sandgrube lag, denn die aufgeschlossenen Schichten an ihrem Rand entsprachen offensichtlich Rutots Dokumentationszeichnung.

In Boncelles fanden wir die Sandgrube auf Anhieb, durch die virtuelle Recherche fühlte ich mich, als sei ich bereits schon einmal dort gewesen. Wir erreichten das Gelände über den „Hintereingang“ und hatten einige hundert Meter durch hüfthohe Brennnesseln und nasses Gras zu überwinden. Wir bemerkten bald, dass erst seit jüngster Zeit Schutt den Boden der Sandgrube bedeckte. Durch einen Vergleich mit Fotos und den Schichtfolgen im Buch stellten wir fest, dass diese Schuttschicht einige Meter hoch sein musste. Eine Grabung war zwecklos.

Die Filmaufnahmen an authentischer Stelle hatten wir zügig im Kasten und damit war der eigentliche Zweck der Reise erfüllt. Die restliche Zeit nutzten wir, eine zweite von Rutot erwähnte Sandgrube zu lokalisieren (sie ist inzwischen überbaut), die Straßen von damals zu identifizieren sowie einige andere Stellen aufzusuchen.

Durch Bilder und Informationen von Martin Ernst gelangten wir zu einem weiteren Steinbruch, den dieser mit Michael Brandt bereits 2005 für die Vorbereitungen für das Buch besucht hatte. Dies war zwar nicht die Grube von Rutot, aber allem Anschein nach waren dort damals die gleichen tertiären Schichten zu finden. Leider war diese Sandgrube eingezäunt und wurde von Gemsen bevölkert. Ein Beikommen war nicht möglich.

In Rehe bot das Steinzeitwaffen-Seminar mit Wolfgang Bausch weitere Motive für den defacto-Film über die Herkunft des Menschen.

Fazit: Die Filmaufnahmen sind im Kasten und der Fundort Boncelles kann leider zu den Akten gelegt werden. Doch auch wenn dort voraussichtlich in Zukunft nichts mehr zu finden sein wird: Die sehr gut dokumentierten Funde von Rutot, deren geologisches Alter unbestritten ist, sind Beweis genug, dass dort in erdgeschichtlich völlig unpassender Zeit Menschen gelebt haben müssen. Sie waren in der Lage, durch gezielte und geschickte Bearbeitung Steinwerkzeuge herzustellen. Dass diese Abschläge durch die Natur entstanden sind, wie von manchen Wissenschaftlern behauptet wurde, ist aufgrund der detaillierten Bearbeitung ausgeschlossen.


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Buch-Neuerscheinung

Der Autor bringt eine detaillierte Argumentation für sehr kurze Bildungszeiten geologischer Formationen. Die beschriebenen Befunde widersprechen den angenommenen Entstehungszeiträumen von Millionen von Jahren und sind wichtige Bausteine für eine Kurzzeit-Erdgeschichte.

Die Schmiedefeld-Formation im Ordovizium von Thüringen ist nach Isotopen-Datierungen in ca. 20 Millionen Jahren entstanden. Trotzdem ist die Formation einerseits sehr geringmächtig und die Geländedaten belegen zudem schnelle Ablagerung, andererseits lassen sich paradoxerweise keine Langzeit-Schichtlücken finden. Ein weiteres Problem ist nahezu fehlende Abtragung auf dem nahen Festland, was fast zu einem Totalausfall von Sediment-Eintrag in das Gebiet der Formation führte. Hinzu kommt, dass sowohl für das Abtragungs- als auch das Ablagerungsgebiet praktisch ein Erlöschen tektonischer Hebung bzw. Senkung ermittelt wurde.

Für Ablagerungsraum und festländisches Liefergebiet der Formation bedeuten diese Befunde nahezu ereignislosen geologischen Dauerstillstand, faktisches Fehlen von 20 Millionen Jahren. Das Fehlen von Langzeit-Prozessen ist somit auch eine ernsthafte Anfrage an die Isotopen-Datierungen. Die Problematik folgt aus dem geologischen Langzeit-Paradigma; dagegen vermeidet eine kurzzeitige Entstehung der Formation diese Widersprüche.

Die Schmiedefeld-Formation ist kein Einzelfall. Im zweiten Teil des Buches wird eine Anzahl ähnlich problematischer Schichtfolgen vorgestellt und am Schluss in einer wissenschaftstheoretischen Diskussion der methodologische Ansatz des Buches begründet.

Die Lektüre erfordert geologische Vorkenntnisse oder die Bereitschaft, sich anhand des Glossars in die Materie einzuarbeiten.

Bestellhinweis

Manfred Stephan: 20 Millionen Jahre geologischer Dauerstillstand? Die ausweglosen Widersprüche der Schmiedefeld-Formation und ähnliche Beispiele.
Reihe Studium Integrale
SCM Hänssler, Holzgerlingen, 2012
Hardcover, Format 16,5 x 24, 265 Seiten, 61 Abb., meist farbig, 14 Tab.

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Das Wort und Wissen Info 2/12 - Nr. 99/Juni 2012

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Letzte Änderung: 15.09.2012
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