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Informationen aus der Studiengemeinschaft
WORT und WISSEN

Info 3/13 - Nr. 104/September 2013




Was hat es mit den Jahrmillionen auf sich? Eine Frage, die mir – zu Recht – häufig gestellt wird. Kann es hierzu eine kurze Antwort geben? Zunächst ist festzuhalten: Nicht die Abfolge der Sedimentgesteine mit ihren Fossilien, nicht Ding noch Stoff, sind Streitpunkt, sondern die Zeit. Sie ist das „Schlachtfeld“ schlechthin, wie sich Michael Lettra in Time Matters (2010) ausdrückt; es ist die Sichtweise, wie verschiedene Gruppen von Menschen über die Erdwissenschaften denken, in „kurzen“ oder „langen“ Zeitdimensionen. Dabei hat die „Geologie“, stellvertretend für einen Großteil der Geologen, eine scheinbar unumstößliche Verankerung in Form einer fundamentalen Annahme vorgenommen. Denn nach Lotze (1968) geht die Geologie „davon aus, dass das heutige Erscheinungsbild der Erde das Ergebnis einer langen und wechselvollen Entwicklung ist (…)“. Mit „lang“ sind die Jahrmillionen gemeint.

Es ist nicht bekannt, in welcher Beziehung radiometrische Alter zum realen Alter stehen.

Die Idee „unermesslich verflossener Zeiten“, der geologischen Zeit, fand ihren Anfang mit James Hutton (1726-1797). Sie wurde von Charles Lyell (1797-1875) theoretisch (methodologisch) begründet (zementiert) und ist von Charles Darwin (1809-1882) gefüllt worden. Darwin benötigte für seine Abstammungslehre einen schier unermesslichen Zeit­bedarf. So ist Zeit zum „schicksalshaften Schlachtfeld“ (Simon 1948) geworden, schicksalshaft zumindest für den Großteil der Paläontologen. Denn ohne diese „lange“ Zeitdimension wäre der Theorie der Abstammung ihre Grundlage entzogen.

Haben wir es hier mit realer Zeit zu tun? Von Engelhardt und Zimmermann (1982) zeigen auf, dass Hutton mit seinem Prinzip „den realen Zeitverlauf aus der Geowissenschaft eliminiert“ hat. Das heißt weiter, dass er einen irrealen Zeitverlauf eingeführt hat und dass geologische Zeit in diesem Sinne irreale Zeit, also irreale Zeitwelt ist.

Und die radiometrischen Zeitbestimmungen? Der Großteil der Paläontologen braucht sie offenbar nicht. Denn so Simon (1960): „Das geologische Weltbild und seine praktische geologische Nutzung wäre (für den Forschungsabschnitt seit dem Kambrium) nicht anders, wenn Methoden der absoluten Zeitbestimmung unbekannt wären.“ Nicht nur der harte Kern weiß, dass die radiometrische Methode auf fundamentale Basisannahmen gegründet ist. Schließlich ist nicht bekannt, in welcher Beziehung radiometrische Alter zum realen Alter stehen.

Kurz zusammengefasst: die „Jahr“millionen sind Arbeitseinheiten (in) einer irrealen Zeitwelt.

Insofern bin ich froh und dankbar für das Korrektiv des Wortes Gottes. Das heutige Losungswort (12. August) rückt meine Beziehung zum Herrn in das richtige Verhältnis. Ich kann den Schöpfer nicht belehren. Er fragt nicht nur Hiob (38,4): „Wo warst du, als ich die Erde gründete?“

Viele der Grundfragen und der Zusammenhänge zu den „Jahr“millionen sind der Öffentlichkeit kaum bekannt. Es ist mein und unser Anliegen, hier Aufklärung zu betreiben.

Verbunden in dieser Aufgabe und verbunden aufgrund unseres gemeinsamen Glaubens und Bekenntnisses – Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde und Jesus Christus, der wiederkommen wird – grüße ich Sie herzlich

Ihr Michael Kotulla

Quellen

Engelhardt W von & Zimmermann J (1982)
Theorie der Geowissenschaft. Paderborn.
Lettra M (2010)
Time Matters: Geology’s Legacy to Scientific Thought. Hoboken, NJ, USA.
Lotze R (1968)
Geologie. Sammlung Göschen Band 13/13a, Berlin.
Simon W (1948)
Zeitmarken der Erde. Braunschweig.
Simon W (1960)
Geologische Zeitrechnung im Dilemma. Naturwiss. Rundschau, Jahrg. 13, H. 12, 461-465.

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Am 1. September 2013 wird Professor Dr.-Ing. Dr. theol. Horst Waldemar Beck 80 Jahre alt. Er gehört zu den Initiatoren und Gründern der Studiengemeinschaft Wort und Wissen.

Nach Studien der Ingenieurwissenschaften und der Theologie habilitierte sich Horst Beck 1972 an der Universität Basel für das Fach „Interdisziplinäre Theologie“. Beruflich tätig war er als Pfarrer der württembergischen Landeskirche sowie als Dozent und Professor an wissenschaftlichen Hochschulen im In- und Ausland, darunter den Universitäten Karlsruhe, Stuttgart und Basel, der evangelisch-theologischen Fakultät Leuven / Belgien und der Gustav-Siewerth-Akademie in Weilheim. Gastvorlesungen hielt er in vielen weiteren Ländern, darunter China, Korea, Kirgisien, Kasachstan und Kanada. Horst Beck ist verheiratet mit Christa Beck-Rudert. Das Ehepaar Beck hat sechs Kinder.

Die Schriften von Horst Beck in Form von Büchern und Aufsätzen – deren Anzahl in den letzten Jahren weiter zunahm und nun bei 200 liegt – behandeln zu einem erheblichen Teil Grenzfragen zwischen der Theologie und den Naturwissenschaften. Prägendes Motiv ist das Zeugnis der Heiligen Schrift über die Erschaffung und Erhaltung der Welt und allen Lebens durch den dreieinigen Gott.

Viele maßgebliche Vertreter der heutigen Wissenschaft wollen die Entstehung der Welt und des irdischen Lebens ohne Bezugnahme auf einen Schöpfer erklären. Für Horst Beck ergibt sich daraus die Forderung, wissenschaftliche Disziplinen in ihren eigenen Argumenten zu verstehen, den biblischen Befund mit fachlichen Ergebnissen zu vergleichen und biblisch begründete Alternativen zur atheistischen Sicht jedes solchen Faches aufzuzeigen. Die Bandbreite der behandelten Fächer reicht von der Molekularbiologie über die Neurophysiologie bis hin zur Astronomie und Kosmologie. Die zuletzt genannte Disziplin studierte Horst Beck noch als Ruheständler an der Universität Heidelberg.

Der Studiengemeinschaft Wort und Wissen, deren wissenschaftlichem Beirat Horst Beck weiterhin angehört, verdankt ihm seit nunmehr über drei Jahrzehnten ständig neue Anregungen, nicht nur auf der Ebene allgemeiner Ansätze und Grundsätze, sondern auch in den Detaildiskussionen der jährlichen Fachtagungen.

Wir wünschen Horst Beck weiterhin Kraft und Gesundheit und – über allem anderen – Gottes Segen.

Dr. Henrik Ullrich, Riesa/Sachsen,
1. Vorsitzender der Studiengemeinschaft Wort und Wissen


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Rezension von Karl-Heinz Vanheiden

Dr. Peter van der Veen ist Alttestamentler und Biblischer Archäologe. Er leitet eine archäologische Feldstudie in Jerusalem und ist Gastwissenschaftler an der Universität Mainz. Prof. Dr. Uwe Zerbst befasst sich als Wissenschaftler und Ingenieur seit vielen Jahren nebenberuflich mit der Geschichte und Datierung des alten vorderen Orient. Beide leiten die deutsche Arbeitsgruppe für Biblische Archäologie, sind Mitbegründer des internationalen Forums Bronce to Iron Age Chronology of the Ancient Near East, und haben bereits zwei Bücher in der Reihe Studium Integrale über aktuelle archäologische Fragen veröffentlicht.

Beide Autoren setzen sich nun in diesem äußerst fachkundigen und gründlichem Werk mit allem auseinander, was man heute über die Stammväter Israels weiß und diskutiert. Ausgehend vom biblischen Bericht beschreiben sie zunächst die bibelkritische wissenschaftlich-theologische Diskussion seit dem 19. Jahrhundert und zeigen, dass die Geschichtlichkeit der Stammväterberichte keinesfalls widerlegt ist.

Durch einen Vergleich der biblischen Berichte mit zeitgleichen außerbiblischen Informationen wollen sie belegen, wie authentisch die biblischen Texte sind. Dabei stützen sie sich sowohl auf archäologische als auch auf Textargumente. Das Paradigma der Spätdatierung der Texte lehnen sie nicht nur ab, weil dies die biblischen Berichte unglaubwürdig macht, sondern auch aus chronologischen Gründen.

Damit befassen sie sich in Kapitel 3, wo sie einen chronologischen Rahmen für die Erzväter Israels abzustecken versuchen. Sie nehmen allerdings an, dass sich die 430 Jahre von 2Mo 12,40 nicht ausschließlich auf die Unterdrückung in Ägypten beziehen, sondern auch die Zeit der Erzväter mit einschließen. So legen es andere Textüberlieferungen nahe, nämlich die LXX, der samaritanische Pentateuch, Seder Olam und Josephus, aber auch Galater 3,17. Abraham und seine Nachkommen hätten dann 215 Jahre in Kanaan und weitere 215 Jahre in Ägypten gelebt. Das würde auch besser zu den vier Generationen passen, die 1Mo 15,16 erwähnt werden. Wie es textlich aber zu den 400 Jahren in 1Mo 15,13 kommt (zitiert in Apg 7,6-7), kann bisher nur vermutet werden. Eine ausführliche Diskussion liefern Hendrik J. Koorevaar und Peter van der Veen in je einem Aufsatz (Anhang A – S. 239-258).

In Kapitel 4 wird der Vergleich der klimatischen, politischen, siedlungspolitischen und sozialen Gegebenheiten der biblischen Texte mit den für Kanaan, Mesopotamien, Ägypten und Nordsyrien bekannten Verhältnisse für die Zeit der Stammväter geführt. Kapitel 5 befasst sich mit den Völkerschaften und Familienclans in Kanaan. Dabei wird deutlich, dass die von bibelkritischen Gelehrten vertretene These vom späten Auftauchen der genannten Völker nicht aufrechtzuerhalten ist. Kapitel 6 schließlich befasst sich mit den immer wieder bestrittenen Kamelen Abrahams und bringt weitere Hinweise für eine Frühabfassung der biblischen Texte. Anhang B und C enthalten Texte von David F. Lappin, die sich mit astronomischer Datierung und Chronologie der ersten Dynastie von Babylon befassen.

Wer das Lesen verständlich geschriebener wissenschaftlicher Texte nicht scheut, für den wird das reich bebilderte und schön gestaltete Buch eine Fundgrube für seriöse biblische Hintergrundinformationen sein und ihn ermutigen, dem Wort Gottes trotz des verbreiteten Misstrauens bibelkritischer Wissenschaftler und Theologen zu vertrauen.

Karl-Heinz Vanheiden

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Peter van der Veen & Uwe Zerbst
Volk ohne Ahnen? Auf den Spuren der Erzväter und des frühen Israel
Hänssler-Verlag, Studium Integrale
349 Seiten, 195 meist farbige Abbildungen, zahlreiche Tafeln und Tabellen
Die Lieferung in Deutschland ist versandkostenfrei
 
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Die Ragwurz-Orchideen gehören zu den ungewöhnlichsten einheimischen Wildpflanzen. In der auffälligen Blüte ist eines der Kronblätter als Lippe ausgebildet, die bei flüchtigem Hinsehen wie ein Insekt aussieht, das sich auf einer Blüte nieder-gelassen hat. Das Bild zeigt die Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera). Dass hier ein Insekt sitzt, meinen auch manche wirkli-chen Insekten, die zudem dadurch angelockt werden, dass die Blüten den Sexuallockstoff ganz bestimmter Insekten aus-strömen. Die Täuschung und Anlockung wird noch dadurch unterstützt, dass die Blütenlippe wie die Artgenossen des Insekts behaart ist. Die Täuschung führt zum Versuch der Begattung; dabei werden auf die Besucher zwei so genannte Pollinien – klebrige Pollentröpfchen – übertragen (zwei Pollinien an langen Stielen sind auf dem Bild zu sehen). Diese werden auf die Narbe einer anderen Blüte abgesetzt, nachdem sich das Insekt von einer weiteren anderen Blüte erneut hat täuschen lassen. In unseren Breiten erfolgt allerdings fast ausschließlich Selbstbestäubung und zwar dadurch, dass sich die Pollinienstiele zur Narbe hinbiegen (siehe untere Blüte). (Alte Egart bei Glatten, Kreis Freudenstadt, Foto: R. Junker)


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Michael Kotulla

15. Februar 2013. Seit Tagen sind alle Augen auf den Asteoriden „2012 DA14“ gerichtet, inklusive aller Radarteleskope. „Eine große Chance für die Wissenschaft. So nah war noch nie ein Himmelskörper an der Erde vorbeigeflogen, seit die Wissenschaft zurückdenken kann“, beschreibt der NASA-Experte Dante Lauretta die Situation. Der Vorbeiflug des 40-Meter-Brockens war für 20:25 Uhr in 27.800 Kilometern Entfernung von der Erde vorhergesagt. – Die Aufmerksamkeit allerdings zog ein anderes Objekt auf sich, nur etwa 15-17 Meter im Durchmesser, das aber durch das Beobachtungsnetz der NASA durchfiel. Mit einem grellen Aufglühen, heller als die Sonne, zerbarst etwa um 9:20 Uhr Ortszeit ein Meteorit, als er über der südlichen Uralregion mit einer Geschwindigkeit von etwa 18 km/s in die Erdatmosphäre eintrat (sog. airburst). Die starke Druckwelle, zeitverzögert begleitet von einem heftigen Knall, verursachte zahlreiche Beschädigungen an Gebäuden. Die Rauchspur des in einem bemerkenswert flachen Winkel über den wolkenfreien Morgenhimmel schießenden Meteors war für etwa 30 Sekunden zu beobachten.

Meteor-Rauchspur (Foto: Nikita Plekhanov; Wikipedia)
Teilstück des Chelyabinsk-Metoriten (Foto: Svend Buhl/Meteorite Recon; Wikipedia)

Das Zusammentreffen zweier solcher astronomischen Ereignisse am gleichen Tage löste weltweit Erstaunen und Fragen aus. Die NASA versicherte nach ersten Analysen noch während des Tages, dass die beiden Objekte definitiv nichts miteinander zu tun hätten, weil sie aus ganz unterschiedlichen Ecken des Sonnensystems gekommen seien. In einer Nachrichtensendung am Abend sprach der Astrophysiker Harald Lesch von einem besonderen Zufall. Demnach ist jedes Ereignis für sich ein Zufall und das zeitliche Zusammentreffen zweier Zufälle ist ein besonderer Zufall. Dennoch, bei vielen Menschen lösten die Ereignisse Unbehagen aus. Zumindest für eine kurze Zeit, denn inzwischen scheint das alles schon längst vergessen.  

Das RiesKraterMuseum in Nördlingen hat „mit sehr viel Glück und Bemühungen“ ein Teilstück des Chelyabinsk-Metoriten mit der offiziellen Bezeichnung Chelyabinsk 2013 erworben, ganze 493 Gramm „dieses sensationellen Falles“. Eine aktuelle Sonderausstellung wirbt mit dem Titel „Chelyabinsk 2013 – Warnschuss aus dem All?“ Sensationsmache? Sachlich und nüchtern betrachtet ist nichts Unerklärliches am Himmel geschehen; eines von zahlreichen kleineren Meteoritereignissen. Aber erstmalig eines, an welchem ein Großteil der Menschheit hat teilhaben können und müssen. Denn tausende Augenzeugen haben den Meteor nicht nur beobachtet, sondern auch in Bildern festgehalten. Sogar der initiale airburst wurde (zufällig) mit zahlreichen Autokameras gefilmt. Aus dem Stand, unvorbereitet, über Jedermann (und Jederfrau), breitete sich das Geschehene schnell über das Netz – ganz inoffiziell – auf dem gesamten Globus aus. Chelyabinsk 2013 – ein Warnschuss? Ein Warnschuss kann nur von einem Schützen abgegeben werden und verfolgt ein Ziel! Auf jeden Fall zeigt Chelyabinsk 2013 auf, dass wir nicht alles im Blickfeld – auf dem Radarschirm – haben und dass es Ereignisse gibt, die weder unter unserer Kontrolle noch von uns beeinfluss- oder abwendbar sind.

Weitere (technische) Informationen: www.lpi.usra.edu/meteor/metbull.php?code=57165


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Im letzten „W+W-Info“ haben wir kurz darüber berichtet, dass in zwei Fällen Werbeanzeigen für das Buch „Vergessene Archäologie. Steinwerkzeuge fast so alt wie Dinosaurier“ ohne Angabe fachlicher Gründe abgelehnt wurden.

Wir hatten zuvor in zwei anderen renommierten Fachzeitschriften zwei Anzeigen veröffentlichen können, die auch eine nennenswerte Anzahl von Bestellungen zur Folge hatten. Wir gaben nun in einer dieser beiden Zeitschriften die Anzeige erneut auf.

Doch die erneute Veröffentlichung, die der Zeitschrift eine erhebliche Einnahme ermöglicht hätte, wurde ebenfalls abgelehnt. Begründung: Die erste Anzeige habe zu „vermehrten Beschwerden“ der Leser geführt. Die Verärgerung der Leser wolle man vermeiden. Fachliche Gründe wurden auch dieses Mal nicht genannt. (Red.)


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Rezension von Harald Binder

Basierend auf langjährigen Bemühungen um christliche Apologetik und Erfahrungen aus vielen öffentlichen Diskussionen mit überzeugten Atheisten schrieb John Lennox das Werk „Gott im Fadenkreuz“. Eine wertvolle Fundgrube von Argumenten und Zitaten für all jene, die mit Zeitgenossen im Gespräch über ihren Glauben sind.

John C. Lennox, gebürtiger Nordire, ist Mathematikprofessor an der University of Oxford, UK. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit engagiert er sich – auch im akademischen Bereich – in Fragen christlicher Apologetik. Mehrfach war er Diskussionspartner prominenter Vertreter atheistischer Positionen wie z. B. Richard Dawkins und Christopher Hitchens.

Aus den langjährigen Bemühungen um christliche Apologetik und den intensiven Auseinandersetzungen mit offensiven Vertretern atheistischer Positionen resultierte das Buch „Hat die Wissenschaft Gott begraben?“ (2013 in 4. Auflage erschienen). Darin untersucht Lennox kritisch die Voraussetzungen modernen Denkens, zeigt deren Wurzeln und Grenzen auf und führt historische und naturwissenschaftliche Befunde und Argumente an, welche die Position stützen, dass Gott existiert und Schöpfer ist.

Basierend auf seinen Erfahrungen aus den Diskussionen mit überzeugten Atheisten veröffentlichte der in einem christlichen Elternhaus aufgewachsene und bekennende Christ John Lennox nun ein weiteres Buch: „Gott im Fadenkreuz“. Darin wiederholt er einige der naturwissenschaftlichen Argumente, der Schwerpunkt liegt aber in der Auseinandersetzung mit den von Atheisten behaupteten  Gefahren für die Gesellschaft durch (die christliche) Religion. Er befasst sich außerdem mit moralischen Aspekten und mit der vernünftigen Verteidigung grundlegender biblischer Aussagen.

Lennox gliedert sein neues Buch in 9 Kapitel. Im ersten spürt der Autor vor allem Definitionsversuchen und unterschiedlichen Verständnissen von Glauben nach und zeigt, wie auch atheistische Positionen eine Form von Glauben darstellen, die aus Sicht des Autors jedoch wenig plausibel sind. In den zwei folgenden Kapiteln geht Lennox – ein Zitat Hitchens aufnehmend – der Frage nach, ob die Religion oder der Atheismus „alles vergiftet“. Dabei zeigt er, dass die Darstellungen der Geschichte der christlichen Religion durch Atheisten einseitig und unredlich sind, auch wenn es dunkle Abschnitte in der Geschichte der christlichen Kirchen gibt, die Lennox keineswegs ausblendet. Andererseits dokumentiert er, dass die Vertreter des sogenannten neuen Atheismus Positionen vertreten, die weit in die Geschichte zurückreichen, und dass diese sich in der Vergangenheit häufig nicht als so friedfertig erwiesen haben, wie es gerne dargestellt wird. Das vierte Kapitel ist der Frage gewidmet, ob Gott als Basis der Moral verzichtbar ist. Darin trägt Lennox verschiedene Positionen zusammen, anhand derer er zeigt, dass ohne transzendente  Instanz keine absoluten Werte konstatiert werden können. Das nachfolgende Kapitel beschäftigt sich mit der Kritik am Gottesbild des christlichen Glaubens. Lennox verteidigt darin das biblische Bild eines gerechten Gottes, wie es im Alten und Neuen Testament dargestellt ist. Der atheistischen Kritik am Erlösungshandeln Gottes, wie es die Bibel lehrt, stellt sich der Autor im 6. Kapitel und zeigt, dass die Menschheit wirklich verdorben ist und dieser Zustand einer Lösung bedarf. In den beiden folgenden Kapiteln seines Buches stellt Lennox Befunde und Argumente zusammen, die die Glaubwürdigkeit von Wundern begründen – auch für einen wissenschaftlich geschulten Verstand – und begründet die verlässliche Historizität der Auferstehung Jesu. Im kurzen Schluss­kapitel wird der Leser vom Autor an drei Wege erinnert, auf denen sich Gott Menschen offenbart: der Schöpfung, dem moralischen Gewissen und in dem schriftlich überlieferten Wort, der Bibel. Er erklärt, wie im Wort Gottes auch letzte Fragen, z. B. die nach dem Tod, thematisiert und beantwortet werden.

Dieses jüngste Werk von John Lennox zur Auseinandersetzung mit aktuellen atheistischen Positionen ist vor allem durch die umfangreichen Erfahrungen des Autors geprägt sowie durch dessen klare und scharfsinnigen Analysen. Die Belesenheit des Autors macht das Buch zu einer empfehlenswerten Fundgrube von Argumenten und Zitaten für all jene, die mit Zeitgenossen im Gespräch über ihren Glauben sind. Diejenigen, die von atheistischen Standpunkten aus zur ernsthaften Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben bereit sind, finden in „Gott im Fadenkreuz“ eine differenziert dargestellte Argumentation als Basis für eine tiefgründige Diskussion.

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John Lennox: Gott im Fadenkreuz. Warum der neue Atheismus nicht trifft.
SCM R. Brockhaus, 2013
herausgegeben vom Institut für Glaube und Wissenschaft
318 S., Hardcover
 
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Im Oktober 2007 hat die Parlamentarische Versammlung des Europarates eine Resolution an die EU-Mitgliedsstaaten verabschiedet, in der eindringlich vor dem Kreationismus gewarnt wird („The dangers of creationism in education“). Es ist davon die Rede, dass die Ausbreitung kreationistischer Vorstellungen Konsequenzen für unsere Demokratien hätte. Wörtlich (in Übersetzung): „Wenn wir nicht achtsam sind, könnte Kreationismus zu einer Bedrohung der Menschenrechte werden ... .“ Die Gefahr entstünde dadurch, dass Glaube als Wissenschaft ausgegeben und nicht strikt zwischen Glauben und Wissen getrennt werde, was letztlich wissenschaftsfeindlich sei.

Hier wird beispielhaft deutlich, dass in der Auseinandersetzung um Schöpfung und Evolution wissenschaftstheoretische Argumente eingesetzt werden, um eine missliebige Position in der Öffentlichkeit als unmöglich hinzustellen. Mit solchen „gefährlichen“ Positionen setzt man sich dann nicht mehr inhaltlich auseinander, sondern bekämpft sie (das ist bei anderen Themenfeldern übrigens nicht anders). Scheinbare Begründung: Wissenschaftsfeindlichkeit kann sich eine moderne Gesellschaft nicht leisten.

Doch das ist offenkundig nur ein Vorwand. So wird klar, dass die Beschäftigung mit Wissenschaftstheorie für die Studiengemeinschaft Wort und Wissen keine nette Randbeschäftigung ist, sondern sich im Zentrum der öffentlichen Auseinandersetzung befindet. Die Frage was (Natur-)Wissenschaft ist, wie methodisch gearbeitet wird und wo die Grenzen der Methoden verschiedener Wissenschaftsdisziplinen liegen, sind wichtige Fragestellungen, mit denen sich die Fachgruppe Wissenschaftstheorie bei Wort und Wissen beschäftigt. Die Aufgabe besteht z.B. darin, Begründungen für Behauptungen zu durchleuchten, Fehlschlüsse aufzuzeigen, nicht eingelöste Erklärungsansprüche zurückzuweisen, das verdeckte Einschleusen von Pseudosubjekten in den Naturalismus aufzuzeigen, psychologische von sachlichen Argumenten zu trennen, soziologische Aspekte und Ablenkungsmanöver aufzuzeigen und Ähnliches mehr. Und es geht auch um die Frage, wo im Rahmen des herrschenden naturalistischen Sicht genau das passiert, was der Europarat fürchtet: Dass Glaube (Weltanschauung) als Wissenschaft ausgegeben wird – was allzuoft geschieht.

Mit diesen kurzen Eindrücken möchten wir Sie zur kommenden Fachtagung Wissenschaftstheorie einladen, die vom 6.-8. Dezember 2013 in Neustadt/Weinstr. a a stattfinden soll. Folgende Themen sínd vorgesehen:

  • Theorie und Praxis der Theorie der Geowissenschaft
  • Wissenschaftsstatus Intelligent Design vs. naturalistische Naturgeschichtssicht
  • Möglichkeiten des Umgangs mit Spannungen zwischen empirischen Befunden und biblischen Texten
  • Wissenschaft in einer geschaffenen Welt und die Frage nach dem Alter und dem Werden der Welt
  • Zur Philosophie des Geistes: Wie man den Geist „beweist“ und anschließend vernichtet

Weitere Infos finden Sie unter www.wort-und-wissen.de/fachtagungen.html

Wissenschaftstheoretische Texte der SG Wort und Wissen: www.wort-und-wissen.de/artikel.html


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Das Wort und Wissen Info 3/2013 (Nr. 104; September 2013)

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