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Informationen aus der Studiengemeinschaft
WORT und WISSEN

Info 1/14 - Nr. 106/Februar 2014




Eine Woche vor Beginn eines Wochenendseminars im thüringischem Friedrichsroda rief mich der Veranstalter an und teilte mir mit, dass sich weniger als 10 Personen angemeldet haben. „Sollen wir absagen?“ Aus der Frage sprach Wehmut und Unverständnis. Die zahlreichen Werbeflyer, Anzeigen und das persönliches Engagement vor Ort blieben scheinbar ohne Resonanz. „Schöpfung – Evolution“ stellt offenbar kein Thema mehr dar, das bei Christen gegenwärtig viel Aufmerksamkeit  und großes Interesse weckt. Um mit Manfred Siebald zu sprechen „Ist schon alles gesagt?“ oder ist das Thema zu komplex und mit zu vielen Konflikten beladen? Schadet man sogar der Verkündigung und der Annahme des Evangeliums, wenn wir uns zu tief darauf einlassen? So die Meinung eines Seminarleiters bei der Vorbereitung auf „Pro Christ“ in unserer Region vor einiger Zeit.

Schöpfung – Evolution: Kein Thema mehr für Christen?

Wir haben uns entschieden, das Wochenendseminar doch durchzuführen, nicht weil ich große Erwartungen daran knüpfte, sondern um die Bemühungen der Veranstalter nicht vollends zu enttäuschen. Die wenigen Zuhörer, die meisten davon im Pensionsalter, zeigten viel Interesse und eine hohe persönliche Betroffenheit. Referate über das Auge, Charles Darwin, die Herkunft des Menschen und zu „Schöpfung – Evolution“ regten zu erstaunlich langen Gesprächsrunden an. Da kamen Erfahrungen ehemaliger Lehrer zur Sprache. Wie gern hätte man kritische Hinweise zum Evolutionsparadigma und alternative Sichtweisen in den eigenen Religions- und Biologieunterricht eingebracht. Aber man wusste zu wenig darüber, kannte keine Quellen und in den eigenen Gemeinden war dies eben kein Thema. Andere waren froh, auf die bohrenden Fragen ihrer Enkel nun nicht mehr nur mit Ausflüchten reagieren zu müssen. Aufschlussreich der Bericht eines ehemaligen Mitarbeiters des thüringischen Bildungsministeriums. Pauschale Voreingenommenheiten und politisch motivierte Gründe hatten mehr Gewicht als die zu besprechenden Inhalte, was u. a. zur Absage einer Veranstaltung im Rahmen der „Erfurter Gespräche“ zum Thema Schöpfung/Evolution mit Siegfried Scherer 2005 führte. Betroffen machte mich das abschließende Zeugnis eines Pfarrers i.R., der mehr als 40 Jahre in zahlreichen Kirchgemeinden seinen Dienst ausübte. „Da muss ich erst in Rente gehen, um zu begreifen, wie wichtig die Existenz Adams und der von der Bibel bezeugte Sündenfall für das Verständnis des Erlösungshandelns von Jesus Christus sind. Danke für Ihre Arbeit.“ Ich bin beschämt darüber, dass mir unser HERR auf einer Veranstaltung, von der ich nicht viel erwartete, so viele motivierende Impulse und Anregungen gab.
Für die Arbeit von Wort und Wissen gibt es genügend gute Gründe. Nicht zuletzt auch deshalb – und das durfte ich lernen – weil für viele Mitchristen die Frage nach dem Schöpfer leider kein Thema mehr ist. Lassen wir uns motivieren, es für unsere Gemeinden und unsere Zeitgenossen zu einem für das Verständnis unseres Heils in Jesus Christus bedeutsamen Thema werden zu lassen.

Verbunden in unserem gemeinsamen Dienst grüßt Sie
Ihr Henrik Ullrich


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Das Standardwerk „Evolution – ein kritisches Lehrbuch“ ist Anfang November 2013 in der  siebten Auflage erschienen. Neueste Funde und Befunde sind berücksichtigt. Es werden auch Hinweise darauf gegeben, wie man die Befunde aus dem Blickwinkel der Schöpfung interpretieren kann. 

Worum geht es in diesem Buch?

Dieses Buch behandelt Fragen zur Evolution der Lebewesen aus kritischer Perspektive. Es gibt zwei große Hauptthemengebiete. Das eine ist die Frage nach den Indizien für Evolution. Dabei geht es um Befunde, die oft als Belege oder gar Beweise für eine allgemeine Evolution der Lebewesen angeführt werden. Die Beweiskraft der Indizien wird kritisch untersucht und gezeigt, dass die Lage keineswegs so gut für Evolution ist, wie sie meistens dargestellt wird. Außerdem wird gezeigt, wie man diese Indizien aus der Perspektive einer Schöpfung verstehen kann, aber auch, welche offenen Fragen dabei auftreten.

Das andere Hauptthemengebiet ist die Frage nach dem „Wie?“ Was weiß man über Vorgänge, die zu Veränderungen der Lebewesen führen, seien es Beobachtungen im Freiland über viele Generationen hinweg oder im Labor bei Experimenten. „Wie funktioniert das Ganze?“ Die Grundvorstellung, die auf Charles Darwin zurückgeht, wonach Mutationen und Auslese der Bestangepassten das „Grundstrickmuster“ der Evolution bilden, wurde in jüngerer Zeit durch manche neuere Ansätze ergänzt oder gar ersetzt. Deren Analyse zeigt, dass nach wie vor die wesentlichen Fragen, wie Evolution funktioniert, als unbeantwortet gelten müssen.

Was ist neu in der 7. Auflage?

Es gibt vor allem im Kapitel IV.9 über Molekularbiologie sehr viele neue Abschnitte, denn auf diesem Gebiet wird immens viel geforscht. Aus demselben Grund wurde Abschnitt V.10.3 (Endosymbionten-Hypothese) in wesentlichen Teilen neu verfasst. Im Kapitel IV.7 über Entstehung des Lebens werden neue Ansätze diskutiert. Immer populärer wurde in den letzten Jahren der „Evo-Devo“-Ansatz, der daher deutlich ausführlicher als bisher behandelt wird (Abschnitt III.6.3.8).

Aktualisierungen gibt es auch in den paläontologischen Abschnitten, in denen es um die Deutung von Fossilfunden geht. Vor allem im Kapitel VI.15 „Entstehung der Menschheit“ wurde vieles neu eingearbeitet. Auf diesem Gebiet gab es in den letzten Jahren einige wichtige neue Funde. Nennenswerte neue Befunde betrafen auch den Abschnitt über die Entstehung der Säugetiere; zur Entstehung der Vögel gibt es ebenfalls neue fossile Funde.

Relevante neue Entwicklungen wurden auch im Kapitel V.11 „Embryologie und Stammesgeschichte“ berücksichtigt. Und zur oft gestellten Frage „Gibt es Konstruktionsfehler?“ gibt es einen neuen Überblickstext (in Abschnitt VII.16.5).

Hat sich etwas an der Konzeption geändert?

Das wissenschaftstheoretische Kapitel I.1 sowie der Abschnitt über das Design-Argument (VII.16.6) wurden in weiten Teilen neu bearbeitet.  Die Grundkonzeption des Buches ist davon aber nicht betroffen. Bei diesen beiden Themen geht es um Grundfragen des Wissenschaftsverständnisses und um die Grenzziehung zwischen Wissenschaft und Weltanschauung. Hier führten interne Diskussionen ebenso wie die Auswertung neuerer Literatur zu einer, wie wir meinen, stringenteren Argumentation. Dabei geht es auch um die Frage, wie man Schöpfung zur Deutung naturwissenschaftlicher Daten im Hinblick auf die Ursprungsfrage heranziehen kann.

Was spricht für Schöpfung und wie wird das im Buch dargestellt?

Beim Thema „Schöpfung“ ist eine Differenzierung sinnvoll. Zunächst kann man ganz allgemein von Schöpfung sprechen, indem man sagt, dass es einen Urheber gibt, der  durch Zielorientierung und Planung Dinge ins Dasein gebracht hat. Das ist noch nicht spezifisch biblisch. In diesem allgemeinen Sinn kann man sehr gut für Schöpfung argumentieren, indem man auf zahlreiche Eigenschaften und Fähigkeiten der Lebewesen hinweist, die sehr gut verstehbar sind, wenn bei ihrer Entstehung Planung und Zielorientierung eine entscheidende Rolle gespielt haben, und die bislang unverständlich sind, wenn man alleine Naturgesetzmäßigkeiten dafür verantwortlich machen wollte.

Darüber hinaus wird (spezifisch biblisch)dargestellt, dass Lebewesen-Gruppen – wir sprechen  von Grundtypen – voneinander abgegrenzt werden können. Auch dafür gibt es aus verschiedenen Bereichen Argumente. Weiterhin ist die Verteilung der Merkmale bei verschiedenen Arten interessant. Verteilen sich die Merkmale so, dass man sie gut durch einen Stammbaum darstellen kann oder ist eher so wie bei einer Art Baukastensystem, das alle möglichen Merkmalskombinationen zulässt? Ein Netzwerk von Merkmalsbeziehungen unter verschiedenen größeren Gruppen von Lebewesen passt insofern gut zu Schöpfungsansätzen, als ein Schöpfer natürlich frei ist, beliebige Merkmals-Kombinationen in verschiedenen Arten zusammenzufügen.

Ein Beispiel?

Wir kennen alle die Blütenpflanzen und ihre Früchte, zum Beispiel die Schirmchenflieger bei der Pusteblume. Solche Schirmchenflieger gibt es aber auch beim Baldrian, der jedoch überhaupt nicht näher verwandt ist mit den Korbblütlern, zu denen der Löwenzahn, also die Pusteblume, gehört. Also muss diese Konstruktion zweimal unabhängig entstanden sein: Zufall oder Plan? Beispiele dieser Art gibt es in Hülle und Fülle in der Tier- und Pflanzenwelt.

Und wie sieht es mit Belegen für Evolution aus?

Es wird uns manchmal vorgeworfen, wir würden einseitig Kritik an Evolution thematisieren. Richtig daran ist, dass der Hauptzweck des Buches ist, solche Kritik überhaupt zusammenzustellen. Man findet die der Kritik zugrundeliegenden Daten in der Fachliteratur, aber nur selten in populären Darstellungen, die ein breiteres Publikum ansprechen. Gleichwohl ist es uns wichtig, die für Evolution sprechenden Argumente ausgewogen und fair darzustellen, so dass man unser Buch auch zur Vorbereitung für das Abitur verwenden kann. Sollte uns dies an manchen Stellen nicht gelungen sein, werden wir konkret formulierte Kritik in späteren Auflagen berücksichtigen. Allerdings konnten natürlich nicht alle Themen behandelt werden; das würde das Buch viel zu umfangreich werden lassen. Daher ist die zum Buch gehörende Internetseite www.evolutionslehrbuch.info wichtig, auf der Zusatzinformationen abgerufen werden können. Eine Übersicht der Zusatztexte kann unter www.eklb.info aufgerufen werden. Zusätze und vertiefende Informationen bietet auch das Internetportal www.genesisnet.info.


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Schlangen der Gattung Chrysopelea mit dem deutschen Namen Schmuckbaumnattern leben auf Bäumen in den Wäldern Südostasiens. Sie können sich dabei durch die Luft von einem Baum zum andern gleitend fortbewegen.

Seit vielen Jahren studiert der Bio-Ingenieur Jake Socha die fliegenden Schlangen und versucht die biomechanischen Hintergründe ihrer ungewöhnlichen Fortbewegung zu dokumentieren und zu verstehen. Zunächst erstaunt es, dass Schlangen mit einer Länge von etwa einem Meter mit einem Körperbau, der angenähert einem Zylinder entspricht, sich kontrolliert durch die Luft bewegen können.

Durch Videoaufnahmen bei Experimenten konnten Socha und seine Mitarbeiter zeigen, dass die Schlangen vor dem „Start“ sich mit der Schwanzspitze am Ast fixieren und ihren Körper U-förmig biegen. Der anschließende „Absprung“ erfolgt aktiv, indem sich die Schlange vom Ast abstößt. Zunächst fällt die Schlange steil nach unten, um mit zunehmender Sinkgeschwindigkeit in eine Art Gleitflug überzugehen, den die Schlange aktiv steuern kann. Die Aufnahmen erwecken beim Beobachter den Eindruck, als ob die Schlangen bei ihrem „Flug“ schlängelnd durch die Luft schwimmen würden. Dabei kann die Schlange während ihres Gleitflugs Kurven fliegen.

Wie kann ein langgestreckter zylinderförmiger Körper Auftrieb erzeugen? In der jüngsten Publikation belegen Socha und sein Team, dass die Schmuckbaumnattern den Querschnitt ihres Körpers während der Flugphase verformen. Dabei wird aus dem fast kreisförmigen Querschnitt des Schlangenkörpers ein angenähert flaches gleichschenkliges Dreieck, dessen Grundseite leicht konkav nach innen gewölbt ist. Das Profil einer Flugzeugtragfläche ist typischerweise unsymmetrisch und so gestaltet, dass bei Anströmen der Tragfläche von vorne Auftrieb erzeugt wird. Das Profil, der Querschnitt des Schlangenkörpers im Gleitflug dagegen ist symmetrisch. Wenn sich die Schlange durch die Luft schlängelt, wird ihr abgeflachter Körper wechselweise von beiden Seiten angeströmt und kann durch das symmetrische Profil beide Male Auftrieb erzeugen. Der Effekt beim Gleitflug der Schlangen ist erstaunlich und von den Wissenschaftlern auch an Modellen nachvollzogen und theoretisch beschrieben worden. 

Im Tierreich finden wir neben den eigentlichen „Fliegern“ wie den Vögeln auch solche, die durch vergrößerte Körperoberflächen durch die Luft gleiten können. Vertreter von Eidechsen und Fröschen haben z.B. an ihren Extremitäten bzw. zwischen Körper, Vorder- und Hinterbeinen zusätzliche Hautflächen, die als „Tragflächen“ eingesetzt werden. Auch „fliegende“ Fische zeigen Möglichkeiten, sich bei entsprechenden Geschwindigkeiten mit einem Körperbau, der für ein Leben im Wasser gedacht ist, über erstaunlich weite Strecken durch die Luft zu bewegen.

Die Chrysopelea-Schlangen demons­trieren, dass wir in der Natur eine Fülle von Formen und Funktionen vorfinden, deren Studium herausfordernd und lohnend sein kann. Vielleicht können Ingenieure zukünftig auch technische Konstruktionen nach dem Vorbild der Schmuckbaumnattern kontrolliert durch die Lüfte gleiten lassen.

Wer sich von amerikanischer Sprache nicht abschrecken lässt, kann sich in einem ca. 13 minütigen Video von Jake Socha in das Geheimnis des Gleitflugs von Schlangen einführen und davon faszinieren lassen (www.youtube.com/watch?v=fVa397fMEv4).

Harald Binder


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Zugegeben: er gewinnt vermutlich keinen Schönheitswettbewerb! Obwohl das innerhalb der Art wohl anders gesehen wird. Der Waldrapp ist ein vom Aussterben stark bedrohter Zugvogel, der früher in Europa nicht selten war. Nach starker Bejagung war er praktisch von der mitteleuropäischen Bildfläche verschwunden. Inzwischen gibt es etliche Förderprogramme und eine Zusammenarbeit zwischen Zoos und Auswilderungsinitiativen. In Zoos wie der Wilhelma in Stuttgart oder dem Alpenzoo in Innsbruck kann man den Waldrapp im Käfig bewundern. Vielleicht sieht er dort besonders traurig aus, weil er eigentlich ein Langstreckenflieger ist, der den V-Formationsflug mit seinen Kollegen meisterhaft beherrscht. Ausgerechnet bei diesen seltenen Vögeln konnte nun ein unglaubliches aerodynamisches Feintuning der am V-Flug beteiligten Tiere beobachtet und nachgewiesen werden (Nature 505, 399). Beispielsweise sind das, von Ferne betrachtet, unruhig wirkende, gegenläufige Flügelschlagen oder die gelegentlichen Wellenbewegungen in der Längsachse der V-Formation in Wirklichkeit sehr präzise abgestimmte Flugbewegungen. Unvermeidbare Turbulenzen werden so geschickt für den Auftrieb ausgenutzt. Vor allem solche, die der „Vordermann“ mit seinem Flügelschlag erzeugt. Sie werden vom Nachfolger sozusagen unter die Flügel genommen. Wie man an diesem Vogel sehr eindrücklich sehen kann, ist die Genialität seines Erfinders nicht unbedingt aus vordergründiger Ästhetik abzuleiten. Wahre Größe ist in der Schöpfung wie beim Schöpfer nicht selten hinter äußerlicher Unscheinbarkeit verborgen. (Aus: hochschul.net/blog/2014/01/17/wahre-schoenheit, mit freundlicher Genehmigung)

Winfried Borlinghaus


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Das Buch „The Ark before Noah“ des Keilschrift-Experten Irving Finkel wirft Fragen auf.

Eine Tontafel so groß wie ein Smartphone enthält in Keilschrift Angaben zum Bau der Arche Noah. Das hört sich verrückt an, ist aber tatsächlich wahr. Ein neues Buch des Keilschrift-Experten Irving Finkel trägt den Titel „The Ark before Noah“ – auf deutsch: „Die Arche vor Noah“. Ein provokanter Titel, der schon das Hauptproblem des Werkes vor Augen führt: Diese Keilschrift-Tafel wird auf die Zeit um 1700 v. Chr. datiert, dagegen erfolgte die Abfassung der Bibel laut Finkel erst während oder gar nach der babylonischen Gefangenschaft ab 587 v. Chr.

Die Tontafel mit Angaben zum Bau der Arche Noah. Aus: Irving Finkel, The Ark Before Noah. Hodder & Stoughton Publ., 2014, © Dale Cherry. Abdruck mit freundlicher Genehmigung.

Finkel betont sehr stark die Abhängigkeit der biblischen Version von angeblich viel älteren babylonischen Traditionen. Seine Untersuchung betreffe die Überlieferung der Geschichte und er findet: „Ein solcher Ansatz berechtigt den Forscher, die Frage ganz zu vermeiden: ‚Gab es wirklich eine Sintflut?‘“. Er geht kurz auf den Fund einer Flutschicht in Ur durch Leonard Woolley in den 1920er Jahren ein, merkt dann aber an, die Suche nach einer Flut sei heute eher eine geologische als eine archäologische Aufgabe. Hier weiter nachzuforschen liege weit außerhalb des Rahmens seines Buches.

Irving Finkels Ausführungen zu den unterschiedlichen babylonischen Quellen sind fachlich sehr fundiert und hochinteressant. Ausführlich geht er auch der Frage nach, wo sich die Arche-Noah-Geschichte nach den unterschiedlichen Traditionen abgespielt haben soll und beschreibt als wichtigste Landeorte aus der Überlieferung den berühmten Ararat, den durch die Assyrer überlieferten Berg Nisir und den Berg Cudi.

Welche Erkenntnisse bringt nun aber die neu entdeckte Arche-Tontafel?

  1. Die Arche hatte möglicherweise einen kreisförmigen Grundriss (!).
  2. Ausführlich wird die Abdichtung der Holzkonstruktion mit Bitumen beschrieben.
  3. Die Tafel enthält den einzigen Hinweis in der babylonischen Überlieferung, dass von jeder Tierart ein Paar an Bord der Arche kam.

Die letzten beiden Punkte sind aus der Bibel bekannt und bestätigen gewissermaßen ihre Glaubwürdigkeit. Aber was ist mit der Kreisform der Arche? Ich hege keinerlei Zweifel daran, dass Finkel das Mögliche aus den eingravierten Keilschriftzeichen herausgelesen hat (die Tafel ist zum Teil beschädigt), er gibt die Vorgehensweise und den genauen Wortlaut der Entzifferung im Anhang detailliert wieder. Dort steht: „Entwerfe das Schiff, dass du bauen wirst, auf einem kreisförmigen Plan.“1

Der Keilschrift-Experte vergleicht die Bauweise mit babylonischen Schiffchen, die „Coracle“ genannt werden, freilich aber in viel kleineren Dimensionen gebaut wurden. Da er nicht von einer realen Begebenheit ausgeht, sind die konstruktiven Probleme eines riesigen „Coracle“ aber wohl kein Problem für ihn. Erwähnenswert ist allerdings: Die Grundfläche der runden Arche stimmt trotz unterschiedlicher Schiffsform fast exakt mit der Fläche überein, die sich aus den Angaben der Bibel ergibt, und zugleich mit der Grundfläche der als würfelförmig beschriebenen Arche im Gilgamesch-Epos.

Welche Form war nun die ursprüngliche? Finkel geht natürlich von seiner säkularen Sichtweise aus und behauptet, die in Babylon in der Verbannung lebenden Bibelverfasser hätten die Form von dort angetroffenen länglichen Booten abgeleitet. Gehen wir allerdings von einer Abfassung der Genesis durch Mose aus und davon, dass das Ereignis tatsächlich stattgefunden hat, ergibt sich ein anderes Bild.

Werner Gitt hat umfangreiche Berechnungen zur Schwimmstabilität auf der Grundlage der biblischen Arche-Maße vorgenommen und kommt zum Ergebnis: „Mit Hilfe mathematischer Methoden und Einsatz von Computern können wir heute nachweisen, dass die in der Bibel genannten Abmessungen der Arche ... die besten sind, die man aufgrund technischer Überlegungen wählen müsste.“2

Werner Papke hat ausgeführt, dass die babylonische Würfelform im Gilgamesch-Epos auf astrologische Erwägungen zurückgehen könnte, daher könnte es ebenso sein, dass möglicherweise auch die kreisförmige Version auf eine Abwandlung des in der Bibel überlieferten Originals zurückgeht.

Insgesamt enthält das Buch viele neue und einzigartige Fakten. Obwohl die Arche-Tafel aus einer privaten Sammlung stammt und ihre ursprüngliche Herkunft im Dunkeln liegt, ist aufgrund von Finkels Kompetenz nicht davon auszugehen, dass es sich um eine Fälschung handelt. Leider deutet er seine faszinierenden Fundstücke zu undifferenziert im Rahmen einer säkularen und bibelkritischen Weltsicht, daraus ergeben sich Erklärungen, die in eine bestimmte Richtung führen: weg von der Bibel als Wort Gottes, hin zu einer Arche, die viel älter sei als Noah.

Wie kam es zu den unterschiedlichen Vorstellungen bezüglich der Form der Arche? Diese und andere Fragen aus einer bibelorientierten Sicht zu beantworten, stellt eine Herausforderung dar. Demgegenüber steht aber eine weit wichtigere Erkenntnis: Die Geschichte von der Sintflut und des Mannes, der sie mit seinen Angehörigen in einem riesigen Schiff überlebt hat, ist im Altertum so gut und übereinstimmend bezeugt, dass es mir schwer fällt zu glauben, es handle sich dabei nur um eine Legende. Wir finden immer mehr, was dafür spricht, dass die Bibel historisch glaubwürdig ist!

Timo Roller

Anmerkungen:
1   Irving Finkel: The Ark before Noah, S. 358f: „Draw out the boat that you will make on a circular plan.“ (Auch die Transkription der Keilschrift steht mit dabei.)
2   Werner Gitt: Das sonderbarste Schiff der Weltgeschichte, S. 47 (bruderhand.de/download/Werner_Gitt/pdf/deutsch/Das_sonderbarste_Schiff_der_Weltgeschichte.pdf)

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Alljährlich findet in Stuttgart in den ersten Tagen des neuen Jahres eine große Missionsveranstaltung, die JuMiKo (Jugendkonferenz für Weltmission) statt. Unter der Verantwortung von CFI (Christliche Fachkräfte International) sind gezielt junge Menschen eingeladen, sich über Möglichkeiten missionarischen Engagements zu informieren. Zum zweiten Mal war die Studiengemeinschaft Wort und Wissen auf der begleitenden Ausstellung mit einem Infostand vertreten. Neben verschiedenen Ausbildungsstätten und Missionsorganisationen wollten auch wir junge Menschen über unserer Arbeit informieren und mit ihnen ins Gespräch kommen. Fragen zum Themenfeld Glauben und Denken oder wie Wissenschaft und die Bibel zusammenpassen, beschäftigen viele Menschen und sind regelmäßig Themen in persönlichen Gesprächen.

Wie im vergangenen Jahr hatte sich Uwe Gitschier bereit erklärt, den Infostand mit zu betreuen. Am frühen Sonntagmorgen (5. Januar 2014) hatten wir den W+W-Infostand in der Messehalle aufgebaut. Aufgrund der Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr haben wir neben einem großen Bildschirm, auf dem die de facto-DVD lief, nur wenige Bücher als Blickfang ausgelegt.

Über den Tag verteilt – vor allem zwischen den Vortragsveranstaltungen und Seminaren – war viel los an den verschiedenen Ständen der Aussteller. Schüler ließen sich erklären, was Wort und Wissen macht und einige fragten, ob wir auch an Schulen kommen würden. Einladungen in Gemeinden und Hauskreise wurden angeregt und viele nahmen kleine Kärtchen mit den Internet-Adressen von Wort und Wissen (www.wort-und-wissen.de) und Genesisnet (www.genesisnet.info) oder auch unsere Flyer mit. In den Begegnungen konnten wir auch bekannte W+W-Freunde begrüßen, Kontakte zu Bibelschulen pflegen und vielen, die Wort und Wissen noch nicht kannten, unsere Arbeit vorstellen.

Wir sind gespannt, was aus den Begegnungen und Gesprächen wird, ob die geäußerte Absicht, Mitarbeiter von Wort und Wissen in die Gemeinde oder Schule einzuladen, auch umgesetzt werden. Unsere Motivation, auch im nächsten Jahr in Stuttgart wieder vielen jungen Menschen zu begegnen, ist jedenfalls groß. 

Harald Binder


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Eine lesenswerte Rede von John Lennox

Eine Ansprache von Prof. John Lennox zum Parlamentarischen Gebetsfrühstück in Großbritannien am 25. Juni 2013 wurde ins Deutsche übersetzt und ist online. Der Text bringt gute, hilfreiche Argumente gegen den Atheismus und für das Betreiben von Wissenschaft auf der Basis von Schöpfung und außerdem Argumente für eine biblisch fundierte Ethik. Fünf Seiten Lesestoff, die sich lohnen!

www.wort-und-wissen.de/disk/d13/3/d13-3.html

Design-Fehler in der Natur? Ein Dauerbrenner-Thema

Ein Dauerbrenner unter den Argumenten, die gegen Schöpfung vorgebracht werden, ist das Vorkommen vermeintlicher Kon­struktionsfehler: Ein Schöpfer würde dies und das anders bei den Lebewesen konstruieren, wenn sie erschaffen worden wären. Diese Argumentation wird mit immer neuen und immer kurioseren Beispielen belebt, so auch von Ulrich Kutschera in seinem neuesten Buch „Design-Fehler in der Natur. Alfred Russel Wallace und die Gott-lose Evolution“ (Lit-Verlag Berlin. 2013, 384 Seiten). Henrik Ullrich hat das Buch gelesen und seine Eindrücke zusammengefasst:

www.wort-und-wissen.de/info/rezens/b50.html


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Das evolutionskritische Magazin

Themen Heft 2/2013

  • H. Ullrich: „Die Narben der menschlichen Evolution“. Der Körper des Menschen: Ein evolutionärer Kompromiss oder ein geschaffenes Wrack?
  • H. Kutzelnigg: Rekordverdächtige Konvergenzen. Beziehungen zwischen Pflanzen und Ameisen
  • M. Kotulla: Eiskerndatierung: 100 000 Jahre und mehr?
  • H. Binder: Der Mensch und sein Genom. II. Einfluss schwerer Infektionskrankheiten auf das Erbgut
  • H. B. Braun: Fliegen mit Parkinson?
  • R. Junker & H. Ullrich: Erstaunliches Experiment: Flosse zu Bein umgewandelt?
  • H. Binder: Genomdaten aus fossilem Pferdeknochen
  • W. Borlinghaus: Das Sporangien-Katapult – ein miniaturisierter Schleudermechanismus
  • R. Junker: Morphologie und Moleküle in scharfem Widerspruch
  • H. Ullrich: Der Wurmfortsatz: Vom Nichtsnutz zum Mysterium

Streiflichter: Spinnennetze reagieren auf elektrostatisch geladene Insekten • Springspinne – Sprung durch Spinnfaden stabilisiert • Überraschende Befunde an der Basis des Tierreichs • Eichelwürmer – eine weitere Tiergruppe der kambrischen Explosion • Das Genom von Kalkalgen – neue Einsichten in deren Ökologie • Moleküle und Anatomie im Konflikt? Die Systematik der Säugetiere • Tiefgreifende Veränderung von Plattengrenzen in Sekunden oder Minuten – Folge des verheerenden Erdbebens vom 11. März 2011 • Klein aber oho: Eine Mottenart hört höhere Töne als alle anderen Tiere • Knoblauchsrauke bereits vor mehr als 6000 Jahren als Gewürz genutzt

Rezensionen: M. Widenmeyer: Geist und Kosmos. Warum die materialistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch ist (Thomas Nagel) • H. Kutzelnigg: Die Evolution der karnivoren Pflanzen: Was die Selektion nicht leisten kann: Das Beispiel Utricularia (Wasserschlauch) (Wolf-Ekkehard Lönnig)


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Das Wort und Wissen Info 1/2014 (Nr. 106; Februar 2014)

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