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Informationen aus der Studiengemeinschaft
WORT und WISSEN

Info 4/14 - Nr. 109/November 2014




dass sich auch Päpste zum Thema Schöpfung und Evolution äußern, hat Tradition. Ein mediales Echo ist garantiert. So war es bei Johannes Paul II. ebenso wie bei Benedikt XVI. Dabei wird gerne hervorgehoben, dass der Papst Evolution anerkenne – selbst der Papst. Weniger Beachtung finden Aussagen darüber, was Evolution nicht erklären kann.

Jüngst hat sich auch Papst Franziskus I. über das Verhältnis von Schöpfung und Evolution geäußert und knüpft dabei an Johannes Paul II an. Gott sei der Schöpfer aller Dinge, doch die geschaffenen Dinge könnten sich nach den in sie hineingelegten Gesetzen evolutiv entfalten. Dabei blieben sie aber unter der Herrschaft Gottes. Die Evolution der Lebewesen widerspreche nicht der Vorstellung von einer Schöpfung, da Evolution eine Schöpfung voraussetze.

Der Papst und die Evolution – wichtige Fragen bleiben offen

Der Papst erteilt damit einer naturalistischen Sicht von Evolution eine klare Absage. Dafür hat er natürlich Widerspruch geerntet, denn es gilt in der Evolutionsbiologie weithin als unaufgebbarer Standard, dass Evolution ohne jede Lenkung erfolgt.

Doch es bleiben viele Fragen offen, z. B. die ganz einfache Frage: Was tut Gott als Schöpfer? Offenbar versteht Franziskus den Evolutionsvorgang so, dass er gesetzmäßig als Naturprozess abläuft, wobei diese Gesetze von Gott in die Natur eingepflanzt seien. Die biblischen Aussagen über Gott als Schöpfer stellen Gottes Schöpfungshandeln jedoch anders dar. Gott spricht in die Schöpfung hinein – und es geschieht das, was Gott will (Psalm 33,9 u. a.). Genau so hat Jesus Christus auch gewirkt, als er durch sein Wort Schwerstkranke augenblicklich heilte, Tote auferweckte und den Sturm stillte. Gott hat den Menschen zu seinem Bilde geschaffen und ihn besonders befähigt und beauftragt. Wie der Mensch dagegen evolutionär zu seiner Sonderstellung kam, von der Franziskus zurecht spricht, bleibt unklar.

Ein theistisch-evolutionäres Weltbild wirft weitere Fragen auf. Wie wurde der Mensch Sünder und weshalb braucht er Jesus als seinen Retter? Eine evolutive Erschaffung des Menschen bedeutet, dass der Mensch auf dem Wege der Evolution auch zum Sünder wurde, mithin als Sünder geschaffen wurde. Dagegen macht die Heilige Schrift einen klaren Unterschied zwischen Geschöpf-Sein und Sünder-Sein. Schließlich ist Schöpfung durch einen evolutionären Prozess nur möglich über Tod und massenhaftes Sterben. Die Heilige Schrift stellt den Tod jedoch ganz und gar nicht als kreativen Faktor dar, sondern als Gericht Gottes über den Ungehorsam des Menschen – er wird überwunden durch das stellvertretende Leiden und Sterben Jesu. Der Unterschied in der Bewertung des Todes könnte kaum größer sein.

Enttäuschend ist, dass die Vorstellung eines unmittelbar durch sein Wort schaffenden Gottes mit einer Karikatur belegt wird: „Wenn wir in der Genesis über die Schöpfung lesen, dann stellen wir uns Gott möglicherweise als einen Magier mit Zauberstab vor, dem keine Grenzen gesetzt sind.“ Doch wer behauptet so etwas? Dieser Vergleich wird oft benutzt, um das Verständnis von einer spontanen Erschaffung lächerlich zu machen.

Das Schöpfungshandeln Gottes bleibt jedoch ein Geheimnis und ist uns nicht zugänglich. Wir können aber in den Schöpfungswerken die Spuren des Schöpfers erkennen, seine „Kraft, Weisheit und Einsicht“ (Jer 10,12). Ein zukunftsblinder natürlicher Evolutionsvorgang, der auf dem Wege von zufälligen Änderungen, Konkurrenz und Auslese voranschreitet, spiegelt diese Weisheit wohl kaum wider.

Verbunden im gemeinsamen Werk bei Wort und Wissen grüßt Sie
Ihr Reinhard Junker


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Im letzten W+W-Info hatten wir erwähnt, dass die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) Texte veröffentlicht hat, die die Inhalte und Motivation unserer Arbeit äußerst negativ bewerten. Wir haben einige Entgegnungen darauf auf unserer Homepage veröffentlicht. Damit wollen wir helfen, die der Kritik zugrundeliegenden grundsätzlichen Argumentationsmuster zu erkennen, und zeigen, wie darauf reagiert werden kann.

Die EZW-Beiträge von H. Hemminger und M. Neukamm sollen offenkundig jegliche Art von Kritik an der Evolution und das Aufzeigen von Alternativen lächerlich machen. In der ersten Folge unserer Entgegnungen geht es um die Methoden, mit denen ein sachbezogener Diskurs behindert oder gar unmöglich gemacht wird: I. Wie man einen notwendigen Diskurs ruiniert.

Im zweiten Teil unserer Stellungnahme stehen theologische Aspekte im Fokus. Zum einen ist darin ein Thema, wie Christen Apologetik (Verteidigung des Glaubens gegen Einwände) betreiben sollen, zum anderen werden einige grundlegende Merkmale des Design-Ansatzes angesprochen: II. Theologische Aspekte.

In der dritten Folge behandeln wir den Naturalismus. Der Naturalismus ist die Lehre, dass alles, was es gibt, natürlich und innerweltlich (immanent) ist und auf rein physikalisch-chemische Weise entstanden ist. Im Rahmen einer naturalistischen Evolutionstheorie wird daher jeglicher schöpferische Eingriff, also das Wirken eines geistigen Urhebers, ausgeschlossen. Aus dem Text von M. Neukamm geht hervor, dass das naturalistische Wirklichkeitsverständnis faktisch absolut gesetzt wird unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit. Wer hier Einspruch erhebt, kann dann nur „wissenschaftsfeindlich“ sein. Mit der Festlegung auf den Naturalismus wird die Antwortoption „Schöpfung“, im Sinne eines übernatürlichen Eingreifens Gottes, ausgeschlossen – und damit die ergebnisoffene Suche nach der Wahrheit. Der Text von M. Neukamm ist faktisch eine Bewerbung eines Wirklichkeitsverständnisses ohne einen souverän handelnden Schöpfer, der als „Fantasie“ abgetan wird – und dies liest man in einem kirchlichen Blatt, das Christen Orientierung vermitteln soll: III. Festlegung auf den Naturalismus.

Schließlich wird auf das Thema „Entstehung des Lebens“ eingegangen. Im EZW-Beitrag von M. Neukamm wird der Eindruck erweckt, als seien Erklärungen einer natürlichen Entstehung des Lebens recht weit fortgeschritten. Die Realität unseres naturwissenschaftlich bekannten Wissens sieht sehr viel anders aus; zudem beruht die Argumentation des Textes von M. Neukamm auf einem schwerwiegenden Fehlschluss. Der EZW-Text stellt die Realität – gemessen an unserem experimentell belegten Erkenntnissen – geradezu auf den Kopf. Wie das gemacht wird und wo die Fehler stecken, wird im Texte der vierten Folge aufgezeigt: IV. Zur Entstehung des Lebens.

Wir empfehlen die Lektüre dieser Texte, da es uns ein Anliegen ist, dass Sie, liebe W+W-Freunde, die (auch an anderen Stellen z. T. stereotyp auftauchenden) Argumente und Unterstellungen kennen und treffend darauf reagieren können.


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Die Fachtagung Wirtschaft behandelte die Energiewende sowohl aus der Sicht der konventionellen Energiearten wie Atom- und Kohlestrom, als auch aus der Sicht der erneuerbaren Energien wie dem Strom aus Sonne, Wind oder Biomasse oder der Nutzung der Erdwärme.

Dr. Gert Maichel, einer der Referenten der Tagung

Tagungsbericht von Stephan Schmitz

Visionen werden viele formuliert, die Wirklichkeit sieht aber oft anders aus. Die Einschätzungen hochkarätiger Experten zusammen mit den Aussagen der Bibel und den sehr persönlichen Zeugnissen haben dazu beigetragen, die Energiewende zu verstehen und begründete Positionen zu beziehen.

Erstmalig fand die Wirtschaftsfachtagung auf der Ebernburg hoch über der Nahe statt. Wie schon seit Jahren üblich, traten wieder die Fachgruppe Wirtschaft der Studiengemeinschaft Wort und Wissen sowie die GWE (Gesellschaft zur Förderung von Wirtschaftswissenschaften und Ethik) gemeinsam als Veranstalter auf. 45 Teilnehmer folgten der Einladung.

Zu Beginn der Veranstaltung entzauberte der Medienanalyst Matthias Vollbracht die Zuhörer von der Vorstellung, dass die Erneuerbaren Energien in den Meldungen der Medien besser wegkämen als die konventionellen Energieträger wie Atom oder Kohle. Nach dem Atomunfall in Fukushima und dem dadurch vorerst endgültig beschlossenen Atomausstieg in Deutschland stand die Stromgewinnung aus Wind, Sonne und Biomasse im Fokus der Meldungen. Aber die Diskussionen über die garantierten Einspeisevergütungen für Solarstrom, den resultierenden deutlichen Strompreisanstieg und den Ausbau der Stromtrassen führten dazu, dass seit 2012 über 40% mehr negative als positive Meldungen über Erneuerbare Energien zu lesen sind. Trotz des heute 27%igen Anteils der Erneuerbaren am Strommix hat die Energiewende laut den Pressemeldungen noch nicht die Zustimmung der Bevölkerung gewonnen.

Ein Highlight der Fachtagung war der Besuch der juwi AG in Wörrstadt. Dieses inhabergeführte Unternehmen projektiert, baut und betreibt Wind- und Solarparks sowie Biomasseanlagen.  1996 von zwei Jungunternehmern gegründet, hatte juwi 2013 schon über 1.250 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von über 700 Millionen Euro mit regenerativen Energien. Über 6 Milliarden Euro wurden in Wind- und Solarparks investiert. Das Unternehmen erwirtschaftete 2013 den Jahresstrombedarf von 1,7 Millionen Haushalten. Im Rahmen der Führung wurden eine Windanlage, ein Solarpark sowie die Leitzentrale, die weltweit diese Anlagen steuert, besichtigt. Beim Rundgang durch die Firmenzentrale zeigten u.a. eine freistehende Kapelle und ein von Christen geleiteter firmeneigener Kindergarten die Werte des Mitgründers und Vorstandes Fred Jung auf. In seinem anschließenden Vortrag thematisierte er nicht nur die Chancen der Energiewende, sondern zeigte auch auf, wie durch politische Entscheidungen (z.B. die Unsicherheiten bezüglich der EEG-Befreiungen oder deren Umlage) ein prosperierendes Unternehmen an den wirtschaftlichen Abgrund geführt werden kann. Authentisch bezeugte Fred Jung wie er in Verantwortung vor Gott und mit Gottes Hilfe einschneidende Umstrukturierungen vorgenommen hat.

Der Tagungsort war die Ebernburg in Bad Münster am Stein-Ebernburg (Rheinland Pfalz

Der Spannungsbogen der Tagung wurde durch einen weiteren Referenten markiert: Dr. Gert Maichel, bis 2005 Mitglied des Vorstandes der RWE AG und zugleich ehemaliger Präsident des Atomforums. Maichel bezeichnete den Ausstieg aus der Atomenergie zwar als ethisch vertretbar, da er parlamentarisch beschlossen sei, das Verständnis der Bevölkerung habe und für sozialen Frieden sorge, aber er bedauere ihn. Für ihn sei es wichtig, dass die aussichtsreichen Technologien wie die Transmutation oder die Kernfusion weiter erforscht würden. Diese Forschung muss natürlich den biblisch begründeten Werten der intakten Umwelt, der Bewahrung der Schöpfung und der Nachhaltigkeit verpflichtet sein. Ethisch bedenklich seien für ihn auch die zu hohen Einspeiseerlöse für Solar- und Windstrom: Hausbesitzer, die in eine Photovoltaikanlage investieren könnten, erhielten eine hohe Verzinsung ihrer Anlage, während der Stromkunde durch die EEG-Umlage die Zeche bezahlen müsste. Hier finde eine Umverteilung des Vermögens „von unten nach oben“ statt.

In den weiteren Vorträgen wurden auch die Wirksamkeit des CO2-Zertifikatehandels zur CO2-Reduzierung, die Klimapolitik und die Erfolgsaussichten des kommenden Klimagipfels in Paris thematisiert. Besonders interessant war auch ein Vortrag von Rafael Schäffer, eine „Leihgabe“ der Fachgruppe Geologie: Über Potenziale und Zukunftsperspektiven der Geothermie. Diese Form der Nutzung der natürlichen Erdwärme gewinnt zunehmend an Bedeutung. Leider haben die beim Niederbringen der Bohrungen ausgelösten kleineren Erdbeben diese Zukunftstechnologien zu Unrecht in Verruf gebracht. Das Thema Fracking und dessen Bewertung konnte nur noch am Rande gestreift werden. Schließlich wurden von Karl-Heinz Schmidt, langjähriger Projektverantwortlicher im Kraftwerksbau, die Zukunftsperspektiven der konventionellen (Kohle- und Gas-)Verstromung begründet, die noch auf Jahrzehnte wegen der Unplanbarkeit der wetterbedingten Sonnen- und Windverfügbarkeit unverzichtbar sein wird. 

Die Energiewende und ihre Bewertung war ein so interessantes und wichtiges Thema, dass die Veranstalter planen, die Vorträge in einem Tagungsband herauszugeben. Unabhängig davon konnten aber die Teilnehmer viele geistliche Impulse und persönliche Zeugnisse mit nach Hause nehmen.


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Ein neues Buch über die Ursprünge der biblischen Schöpfungsgeschichte verbindet interessante Fakten mit teilweise spekulativen Schlussfolgerungen, die ohne Gott auskommen.

Buchbesprechung von Timo Roller

„Bibelforscher waren bereits lange davon überzeugt, dass der biblischen Schöpfungsgeschichte von Adam und Eva ein älterer Mythos zugrunde liegt. Nur fehlte ein schriftlicher Beweis dafür“, schrieb kürzlich „Die Welt“.1 Das neue Buch „Adam, Eve, and the Devil – A New Beginning“ von Marjo C.A. Korpel und Johannes C. de Moor2 zeige: „Adam und Eva sind 800 Jahre älter als die Bibel“ und Adam sei in dieser Urversion zunächst eine Gottheit gewesen, Eva trage keinerlei Schuld.

Der Weg von zwei 1929 in Ugarit (heutiges Syrien) gefundenen Keilschrift-Täfelchen hin zu diesen Aussagen, die den ersten Kapiteln der Bibel jegliche Historizität absprechen, ist weit. Sind die Schlussfolgerungen der Autoren zwingend oder gibt es auch alternative Deutungsmöglichkeiten?

Korpel ist Alttestamentlerin, de Moor Altorientalist, beide lehren an der Protestantischen Theologischen Universität in Amsterdam. Das 330 Seiten starke Werk bietet viele interessante Fakten. Allerdings: Die Schlussfolgerungen sind meist schon durch das zugrunde liegende Weltbild der Autoren von vornherein festgelegt. Lassen sich die Ursprünge der biblischen Erzählungen zu den Kanaanitern zurückverfolgen, wie es ein Blick auf die Buchrückseite nahelegt?

„Gemäß diesen Keilschrifttafeln lebten El, der Schöpfergott, und seine Frau Asherah in einem Weinberg oder Garten an den Hängen des Berges Ararat, aus der Bibel bekannt als der Berg, an dem die Arche Noah strandete. Der erste Sünder war kein menschliches Wesen, sondern ein böser Gott namens Horon, der El entthronen wollte. Horon wurde vom Berg der Götter verbannt, und aus Rache verwandelte er den Baum des Lebens im Garten in einen Baum des Todes und hüllte die ganze Welt in einen giftigen Nebel. Adam wurde heruntergesandt, um das Leben auf Erden wiederherzustellen, doch er scheiterte, weil Horon in Form einer großen Schlange ihn biss. Als Folge verloren Adam und seine Frau ihre Unsterblichkeit.“3

Elemente dieser Geschichte kommen uns bekannt vor, die Botschaft aber ist eine völlig andere als in der Bibel. Die Frage ist daher: Welche Version war zuerst da? Das Autorenpaar hält sich an die gängige Sichtweise: Die Bibel sei natürlich viel später verfasst worden als die untersuchten Keilschrifttexte. Diese Ansicht wird nur lapidar begründet, wenn es heißt: „Die babylonische Geschichte der Sintflut ähnelt der biblischen Erzählung in so vieler Hinsicht, dass angenommen werden muss, dass der biblische Bericht abhängig von den viel älteren mesopotamischen Traditionen ist. Dies ist so gut bekannt, dass es hier nicht extra angeführt werden muss.“4

Nach einer kurzen Einleitung beschäftigt sich Kapitel 2 des Buches mit dem eigentlich Neuen: Auf 75 Seiten wird der „Adamitische Mythos im Östlichen Mittelmeerraum“ erläutert, also die beiden neu interpretierten Ugarit-Tafeln und ihr kulturelles Umfeld aus anderen archäologischen Quellen. Die aufgezeigten Zusammenhänge sind umfassend und sehr aufschlussreich, einige Verknüpfungen scheinen allerdings nicht viel mehr als Mutmaßungen zu sein. So sind beispielsweise die Ausführungen zum Gebirge Ararat ziemlich vage: Dieser sei mit dem „Berg des Ilu“ aus den ugaritischen Texten gleichzusetzen, symbolisiere somit den Ort von Sonnenauf- und untergang und sei überdies nicht nur der traditionelle Sintflutberg, sondern auch der Berg inmitten des Gartens Eden.5 Neuinterpretationen einiger Rollsiegel im Zusammenhang mit den ugaritischen Texten überzeugen nicht, zumal das in Bezug auf die Sündenfallgeschichte wichtigste, sogenannte „Adam-und-Eva-Rollsiegel“6 überhaupt nicht erwähnt wird.

Kapitel 3 führt weitere „Entsprechende Motive in der antiken Welt“ aus und schließt mit der Erkenntnis, dass die Bibel viele dieser Mythen direkt oder indirekt übernommen habe. Im Blick auf die Schöpfungsgeschichte sei aber keine andere außerbiblische Erzählung „so nah an der biblischen Darstellung von Schöpfung, Auflehnung und Wiederherstellung der Ordnung wie der ugaritische Mythos.“7

Insgesamt bietet das Buch dann in den weiteren Kapiteln eine ausführliche Zusammenschau der Adam-und-Eva-Thematik sowie verschiedener Schöpfungsüberlieferungen. Diese Sammlung in Kombination mit der neuen Analyse des ugaritischen Befundes, dessen Hauptdokumente im Anhang transkribiert sind, machen „Adam, Eve, and the Devil“ zu einem wichtigen wissenschaftlichen Werk. Störend sind allerdings die voreingenommene Sichtweise, die aus der Spätdatierung der biblischen Schöpfungserzählung folgt, und die teilweise sehr vagen Begründungen von entscheidenden Zusammenhängen. Eine frühe Entstehung der Genesis würde vielleicht eine bessere Interpretation ermöglichen. Dann nämlich wäre der Bibeltext (oder seine möglicherweise schon schriftlich vorhandenen Quellschriften) älter als der Ugarit-Text und auch älter als einige der angeführten mesopotamischen Texte. Es hätte dann keine monotheistische Bereinigung stattgefunden (was ein rein theoretisches Konstrukt ist), sondern eine Ausschmückung des von gottesfürchtigen Autoren verfassten Originals nach der Ausbreitung eines Vielgötterglaubens in der antiken Welt. Liest man die Kapitel 10 und 11 der Genesis, erscheint dies durchaus plausibel.

Korpel und de Moor präsentieren spannende neue Fakten und überdies eine umfassende Zusammenstellung vieler Quellen zur besprochenen Thematik. Wenn wir die Deutungen im Sinne des naturalistischen und bibelkritischen Weltbilds einmal beiseite schieben, haben wir eine wichtige Erkenntnis vorliegen: Elemente der Schöpfungsgeschichte, des Sündenfalls und der Sintflut sind auch außerbiblisch vielfältig überliefert.

Spuren von Adam (die es auch schon länger z.B. in der Assyrischen Königsliste gibt8) führen zu einer viel einfacheren Erklärung: Die in der Bibel geschilderten Ereignisse könnten tatsächlich wie beschrieben geschehen sein, und in der Bibel steckt viel mehr als Erzählungen und Märchen aus
1001 Nacht.

Annmerkungen

  1. Welt Online, 20.5.2014, www.welt.de/geschichte/article128190416/Adam-und-Eva-sind-800-Jahre-aelter-als-die-Bibel.html
  2. Siehe www.sheffieldphoenix.com/showbook.asp?bkid=271
  3. Buchrückseite, meine Übersetzung.
  4. S. 38, meine Übersetzung.
  5. Siehe S. 26ff.
  6. www.britishmuseum.org/explore/highlights/highlight_objects/me/a/adam_and_eve_cylinder_seal.aspx
  7. S. 105, meine Übersetzung.
  8. Der zweite Herrscher heißt »Adamu«, siehe www.livius.org/k/kinglist/assyrian.html

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Vor 20 Jahren haben wir uns entschlossen, ein halbjährlich erscheinendes populärwissenschaftliches Magazin herauszubringen, das sich vor allem kritisch mit dem Thema Evolution aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven befasst und „Schöpfung“ thematisiert. Aber auch Beiträge aus Archäologie, Geowissenschaften und Astronomie sollten darin Platz finden. Dass das Vorhaben nun seit 20 Jahren durch viele Engpässe hindurch immer wieder gelungen ist, ist für uns ein Grund zu großem Dank  an unseren Herrn und an zahlreiche mitwirkende Autoren. Ende August 1994 erschien die Erstausgabe von Studium Integrale Journal (SIJ) und im Jahr 1995 konnten erstmals zwei Ausgaben herausgebracht werden. Jahr für Jahr wurde es uns geschenkt, dass rechtzeitig im Frühsommer und Spätherbst eine neue Ausgabe verschickt werden konnte. Vor 10 Jahren schrieben wir beim damaligen Jubiläum: „Es ist auch hier Gottes Art, die Hände nicht frühzeitig zu füllen, aber es war in den vergangenen 10 Jahren immer seine Art, sie am Ende doch zu füllen.“ Das war auch in der zweiten Dekade nicht anders.

Versorgt wurden wir nicht nur mit genügend Beiträgen, sondern auch mit ausreichend Abonnenten. Das ermöglichte uns, im Jahr 2011 auf Vierfarbigkeit umzustellen, was ein großer Schritt nach vorne war. So ist eine deutlich ansprechendere Gestaltung möglich. Gleichzeitig konnten wir den anfänglichen Bezugspreis bis heute konstant halten.

Die Arbeit von Wort und Wissen wurde durch SIJ zweifellos erheblich vorangebracht. Denn diese Publikationsmöglichkeit fördert die gründliche Erarbeitung von Themen. Vieles konnte in SIJ publiziert werden, was sonst „untergegangen“ oder gleich gar nicht beachtet worden wäre. Die Publikationen in SIJ kommen auch den anderen Arbeitszweigen bei Wort und Wissen zugute: populäre Schriften, Vortragsdienst, Genesisnet. Auch unser evolutionskritisches Lehrbuch profitierte erheblich von der Arbeit, die für SIJ geleistet wurde. SIJ ist daher aus der Wort und Wissen-Arbeit kaum wegzudenken.

SIJ bietet vielseitige Informationen in konzentrierter Form, wie sie anderweitig nur mühsam zusammenzubringen wären. Durch die Vielfalt der Themen und Fachgebiete ist in jeder Ausgabe für jeden etwas Interessantes dabei.


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Wie sicher sind Deutungen in der Paläanthropologie? Australopithecus sediba und sein merkwürdiges Merkmalsmosaik

Michael Brandt hat sich intensiv mit den neueren Fossilfunden von Australopithecus sediba befasst und ein „Special Paper“ dazu veröffentlicht. Au. sediba gilt als besonders gut geeigneter Kandidat für eine Übergangsstellung zwischen Affen und Menschen. Eine genauere Analyse zeigt, dass diese Einschätzung nicht gerechtfertigt ist.

Überblick: www.wort-und-wissen.de/artikel/sp/b-14-3.html. Das Special Paper (PDF) ist dort verlinkt.

Disput um „Evolution – ein kritisches Lehrbuch“

Die „Naturwissenschaftliche Rundschau“ druckte freundlicherweise eine Entgegnung von Henrik Ullrich auf eine sehr unsachliche Kritik an unserem Lehrbuch ab, die an gleicher Stelle veröffentlicht worden war. Mit freundlicher Erlaubnis durften wir diese Antwort  auf unserer Homepage veröffentlichen. Sie ist (als 4-seitiges PDF) unter www.wort-und-wissen.de/disk/d14/8/d14-8.html verlinkt.

Auch auf Genesisnet gibt es regelmäßig Texte zu aktuellen Forschungsergebnissen:

Evolution vom Wasser ans Land: Gar nicht so schwer?

www.genesisnet.info/index.php?News=217

Tetrapyrrole – Biokatalysatoren der ersten Stunde? (Ein kritischer Beitrag zur Entstehung des Lebens)

www.genesisnet.info/index.php?News=218

Abdominalknochen der Wale: Das Ende eines rudimentären Organs. Im Hinterleib der Wale und Delfine stecken paarige Knochen, die gewöhnlich als evolutionär bedingte Reste eines früheren Beckens von Landsäugetieren interpretiert werden. Beispiele wie diese werden oft auch als Argumente gegen Schöpfung verwendet. Dass diese Abdominalknochen nicht funktionslos sind, weil sie die Muskulatur der Geschlechtsorgane unterstützen, ist schon lange bekannt. Eine neue Studie offenbart darüber hinaus artspezifische Anpassungen, aus denen geschlossen werden kann, dass diese Knochen nicht als bloße Rückbildungen interpretiert werden können – erneut das Ende eines rudimentären Organs.

Mehr unter www.genesisnet.info/index.php?News=219

Wenn Sie den Genesisnet-email-Newsletter abonnieren, erhalten Sie die Neuigkeiten „frei Haus“: www.genesisnet.info/index.php?Kontakt=2


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Wenn Ihre Augen gesund sind, haben Sie den Eindruck. das Sie das komplette Gesichtsfeld scharf sehen. Nichts erscheint verschwommen. Aber eigentlich dürfte das gar nicht sein, weil der Fokus der eintreffenden Lichtstrahlen auf die Sinneszellen im zentralen Bereich der Netzhaut gerichtet wird, der Stelle des schärfsten Sehens, und die anderen Netzhautbereiche weniger fokussierte Lichtstrahlen empfangen.

Der Erklärung dieses Paradoxons sind Wissenschaftler auf die Spur gekommen. Wie allgemein beim Sehen kommt es auf das Gehirn an. Wenn man so will: Wir sehen mit dem Gehirn. Dort werden frühere Sinneseindrücke gespeichert und das Nervensystem greift auf frühere Seherfahrungen zurück, um gleichsam vorauszusagen, wie unscharfe Objekte scharf aussehen würden. Und genau das nehmen wir dann subjektiv wahr. Die vermeintliche Schärfe außerhalb des Fokus – sogar bis in den Augenwinkel – produziert also das Gehirn. Untersuchungen an Testpersonen zeigten, dass die Verknüpfung eines unscharfen Bildes mit einem scharfen Seheindruck bereits nach wenigen Minuten zustande kommt. „Die Experimente zeigen, dass unser Seheindruck wesentlich von gespeicherten Erfahrungen in unserem Gedächtnis abhängt“, stellt einer der Forscher fest.

Man könnte etwas vorschnell auf die Idee kommen, dass unsere Netzhaut nicht besonders gut gebaut sei, wenn sie nur im zentralen Bereich ein optisch scharfes Bild empfängt. Aber das wäre natürlich zu kurz gegriffen. In Wirklichkeit stellt sich das System Auge-Nervensystem als unglaublich ausgeklügelt und optimiert dar. Mit minimalem Aufwand für die primäre Datenerhebung durch die Netzhaut wird ein maximaler Effekt für das Scharfsehen erzielt. Höchst erstaunlich!

Quelle: Vorgegaukelte Sehschärfe. wissenschaft.de; Kurzlink: http://bit.ly/1GPRhG6


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Das Wort und Wissen Info 3/2003 (Nr. 64; Oktober 2003)

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