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Informationen aus der Studiengemeinschaft
WORT und WISSEN

Info 3/15 - Nr. 112/September 2015




warum ist es den Forschern so wichtig, eine „zweite Erde“, einen bewohnbaren Planeten in den Tiefen des Alls nachzuweisen? Warum ist das Interesse in der Öffentlichkeit so groß, dass es Nachrichten über diese so genannten Exoplaneten in die Schlagzeilen der Tagespresse schaffen?

Die zweite Erde – Hinweis auf Evolution?

Vieles spricht dafür, dass man den Nachweis eines belebten Planeten außerhalb unseres Planetensystems als starkes Indiz für die Allgemeingültigkeit der Evolution werten würde. Es fällt nämlich auf, dass stillschweigend davon ausgegangen wird, dass ein Planet, auf dem die äußeren Bedingungen für die Existenz von Leben erfüllt wären, dieser dann auch belebt ist – was natürlich eine völlig überzogene Schlussfolgerung darstellt, die von den Daten überhaupt nicht gedeckt ist. Diese Spekulationen über die Existenz extraterrestrischen Lebens  werden auch bei Himmelskörpern unseres eigenen Planetensystems wach gehalten: Der Nachweis von Wasser etwa auf dem Mars oder dem Jupitermond Europa wurde oft genug als Hinweis auf (ggf. ehemaliges) Leben auf diesen Körpern gewertet. Wasser = Leben? Von wegen! Eine bloße Voraussetzung ist kein Beleg für die Existenz eines davon abhängigen Phänomens.

Der hier angesprochene spekulative Fehlschluss wird jedoch von dem evolutionistisch motivierten Gedanken unterstützt, dass Leben unter geeigneten Randbedingungen ein zwangsläufiges natürliches Phänomen sei. Daher die Suggestion, dass bewohnbar gleich bewohnt sei. Doch selbst wenn man unabhängig von evolutionären Annahmen sicher nachweisen könnte, dass es Leben auf einem Exoplaneten gibt, ist die Frage nicht beantwortet, auf welche Weise es entstanden ist. Es könnte genauso geschaffen sein wie das Leben auf unserer Erde.

Albrecht Ehrmann erklärt in dieser Info-Ausgabe, welche Daten tatsächlich vorliegen. Daraus geht hervor, dass wir von einem Nachweis von Leben außerhalb der Erde extrem weit entfernt sind. Wir haben minimale periodische Helligkeitsschwankungen von fernen Sternen und einige Daten aus ihren Spektren. Sonst nichts.

Mit unserer Arbeit bei Wort und Wissen wollen wir unter anderem auch helfen, notwendige Unterscheidungen vorzunehmen: Was sind die Daten, was ist Deutung, was Spekulation und wo kommen weltanschauliche Festlegungen zum Tragen? In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gewinnbringende Lektüre.

Ihr Reinhard Junker


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Im Sommer gingen Bilder von einer zweiten Erde („Kepler-452b“) durch die Presse, die den Eindruck einer recht detaillierten Fotographie erwecken. Tatsächlich wissen wir nur durch Helligkeitsschwankungen des Zentralgestirns etwas über diesen Planeten. Die Darstellungen in der Presse sind für Laien, also für die große Anzahl der Leser, irreführend.

Von Albrecht Ehrmann

Am 23. Juli 2015 veröffentlichte die NASA die Entdeckung des Planeten Kepler-452b1 mit dem Titel „NASA’s Kepler Mission Discovers Bigger, Older Cousin to Earth“.2 In der Presse fand man dazu eine schöne Illustration, die von T. Pyle stammt (Abb. 1). Auf ihr sieht man auf der linken Seite die Erde, auf der rechten Seite augenscheinlich den Planeten Kepler-452b. In der Mitte ist ein Trennungsstrich und je die Hälfte der Sonne und des Sterns Kepler-452. Der Planet Kepler-452b ist 60% größer als die Erde. Man ist beeindruckt von der Detailtreue des Bildes von Kepler-452b, sieht dunkle Strukturen, die an Seen und Flussläufe erinnern, weiße Wolken und feste Oberflächenstrukturen in Brauntönen. Leider wird in den Begleittexten dazu nicht klar, was an diesem Bild Phantasie ist und was tatsächlich auf Messdaten beruht, da lediglich das Gesamtbild als Illustration bezeichnet wird. Im Text erfährt man immerhin, dass die Forscher nur vermuten, dass Kepler-452b „felsisch“ ist, also eine feste Oberfläche und eine Atmosphäre mit einer geringen Dicke hat.

Abb. 1: Darstellung von T. Pyle von der NASA-Homepage. Links die Erde, rechts ein Phantasiebild des Planeten Kepler-452b. Einzig das Verhältnis des Durchmessers von Erde und Kepler-452b beruhen indirekt auf Messdaten.

Worin bestehen nun tatsächlich die Messdaten bzw. was lässt sich aus ihnen ableiten? Das Studium des Fachartikels3 gibt darüber Aufschluss. Der Planet wurde bei der Analyse der Daten des Kepler-Weltraumteleskops mit der so genannten Transitmethode (s. u.) entdeckt.

Das Kepler-Weltraumteleskop hat von 2009 bis 2013 111.800 Sterne gleichzeitig ins Visier genommen und kontinuierlich ihre Helligkeit registriert. Bei der Analyse der Daten, die immer noch andauert, wird gezielt auf relativ kurze, periodisch auftretende Verdunkelungsereignisse geachtet. Zieht nämlich ein Planet längs der Sichtlinie zwischen dem Satelliten und dem Stern vorbei (= Transit), verdunkelt er diesen ganz geringfügig für eine gewisse Zeit. Dies ist analog zu den Venustransits in unserem eigenen Planetensystem vor einigen Jahren, als das kleine, dunkle Venusscheibchen von der Erde aus gesehen über die Sonnenscheibe wanderte. Wiederholt sich eine solche Verdunkelung in periodischen Abständen, ist es wahrscheinlich, dass ein Planet, der um diesen Stern kreist, die Ursache ist.

Abb. 2: Helligkeitsabnahme des Sternenlichts durch Transit eines Planeten, ähnlich den Verhältnissen bei Kepler-452b.

Bei Kepler-452b konnte man vier solcher Verdunkelungen um 0,02 % beobachten. Man erhält schließlich eine Kurve wie in Abb. 2 dargestellt. Bevor man aber die Entdeckung eines neuen Planeten publizieren kann, müssen noch einige Tests gemacht werden, um eine Verwechslung mit anderen Phänomenen auszuschließen. So reicht beispielsweise die optische Auflösung des Kepler-Teleskops nicht aus, um zu prüfen, ob das Licht nur vom Stern Kepler-452 stammt oder ob es mit dem Licht anderer Sterne vermischt ist. Deshalb wurden mit dem 10 m-Spiegel des Keck II-Teleskops auf Hawaii hochaufgelöste Bilder aufgenommen und dabei keine Nachbarsterne gefunden. Außerdem wurden noch weitere Tests bei Kepler-452 durchgeführt und damit alternative Erklärungen für die periodischen Intensitätseinbrüche ausgeschlossen. Als Ergebnis erhielt man den Planeten Kepler-452b mit einer Umlaufdauer von 385 Tagen und einem Durchmesser, der 1,4% des Sternendurchmessers beträgt. Über hochaufgelöste Spektren des Sterns Kepler-452 erhält man durch den Vergleich mit Spektren von Sternen, deren Durchmesser man kennt, dessen Durchmesser von 1,1 Sonnendurchmessern. Damit ergibt sich, dass der Planet Kepler-452b 1,6 mal so groß ist wie die Erde.

Außer diesen wenigen, aus den Helligkeitsschwankungen des Zentralgestirns abgeleiteten Größen weiß man von diesem mutmaßlich erdähnlichen Planeten definitiv nichts.

Von anderen Planeten ähnlicher Größe konnte man die Masse und damit die Dichte bestimmen bzw. herleiten. Aus diesen Angaben folgern die Forscher, dass die Wahrscheinlichkeit, dass der Planet Kepler-452b ein Gesteinsplanet ähnlich der Erde ist, bei 49% bis 62% liegt. Allerdings muss man dazu sagen, dass diese Daten nicht aus einer Gruppe von Planeten mit ähnlicher Konfiguration wie Kepler-452b gewonnen wurden, sondern von Planeten, die um kleinere Sterne in kleinerem Abstand zum Stern kreisen.

Wann wissen wir mehr von Kepler-452b? In absehbarer Zeit wird kein Wissenszuwachs erwartet. Es wird eher erwartet, dass man erdgroße Planeten bei sonnenähnlichen Sternen in deren habitabler Zone4 findet, die nicht so weit entfernt sind wie Kepler-452. Von diesen nahen Sternen nimmt man Spektren des Sternenlichts abseits und während der Transits der Planeten auf. Aus der Differenz dieser Spektren erhält man spektrale Information von der Atmosphäre der Planeten, durch die das Sternenlicht während der Transits auf dem Weg zu uns hindurchstrahlt. Chemische Verbindungen wie beispielsweise Methan absorbieren in charakteristischen Linien, man kann also damit herausfinden, welche Gase in der Planetenatmosphäre vorhanden sind.5

Um jedoch ein Bild von Kepler-452b zu erzeugen, das so detailliert wie die Illustration ist, bräuchte man ein optisches Teleskop mit einem Objektivdurchmesser, der etwa sieben Mal so groß ist wie die gesamte Erde. Davon sind wir im wahrsten Sinne des Wortes meilenweit entfernt. Selbst ambitionierte Projektstudien zu Weltraum-Interferometern mit nicht so weitreichenden Zielen wurden eingestellt und erst einmal auf unbestimmte Zeit verschoben. Eine detaillierte Darstellung mit „Bild: NASA“ ist daher grob irreführend.

Anmerkungen und Quellen
1 Sterne werden mit Zahlen bezeichnet (also z.B. Kepler-452); entdeckt man bei ihnen Planeten, werden diese mit Kleinbuchstaben markiert, angefangen mit b.
2 www.nasa.gov/press-release/nasa-kepler-mission-discovers-bigger-older-cousin-to-earth; Übersetzung: „NASA‘s Kepler-Mission entdeckt größeren, älteren Cousin der Erde“
3 Jenkins JM et al. (2015) The Astronomical Journal 150 56. doi:10.1088/0004-6256/150/2/56. Preprint arxiv: 1507.06723
4 Ein Planet ist in der habitablen Zone seines Planetensystems, wenn die Temperatur auf seiner Oberfläche so ist, dass Wasser flüssig ist, denn dies wird als notwendige Bedingung für Leben erachtet; in der Praxis kennt man nur den Abstand der Planeten von ihrem Zentralgestirn und die abgestrahlte Leistung desselben und weiß nichts über ihre Atmosphäre (Stärke des Treibhauseffekts unbekannt); die „optimistische“ habitable Zone für unser Sonnensystem geht so von der Venusbahn bis kurz vor die Marsbahn.
5 Wilson PA et al. (2014) Monthly Notices of the Royal Astronomical Society 438 (3), 2395-2405, Preprint in arXiv:1312.1360

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Sonderausstellung der Studiengemeinschaft Wort und Wissen über Biblische Archäologie

Das Bibelmuseum Wuppertal (www.bibelmuseum.de) bietet viele interessante Ausstellungsräume: Bibeln in vielen verschiedenen Sprachen und Formen, Bibel-Exemplare aus allen Epochen, Nachbildungen von wichtigen archäologischen Entdeckungen, eine Druckerpresse in Originalgröße und vieles mehr. Das angeschlossene Schöpfungsmuseum zeigt Fossilien, rekonstruierte Dinosaurier, geologische Zusammenhänge und lebende Wunderwerke der Natur wie Wasserschildkröten und Pfeilgiftfrösche. Sogar eine Ecke des nachgestellten Innenraums der Arche Noah kann man betreten.

In einem Sonderausstellungsraum des Museums hat die Studiengemeinschaft Wort und Wissen unter der Leitung von Peter van der Veen vor kurzem eine archäologische Ausstellung konzipiert: „Zuhause und in der Fremde“ – die Ausstellung über die biblischen Erzväter im Bibelmuseum Wuppertal ist seit Juni fertiggestellt und lädt zum Besuch ein. Ein Eintauchen in eine Welt vor über 3000 Jahren: Ein detailgetreu rekonstruiertes Haus aus dem Nildelta in der Art, wie es von den Nachfahren Jakobs bewohnt gewesen sein könnte, ein Portal mit ägyptischen Schreibern aus der Zeit um 1900 v.Chr. in Lebensgröße, ein in den Boden eingelassenes vorderasiatisches Grab, das zeigt, mit welchen Beigaben die Bürger im „Land Goschen“ begraben worden sind – und dessen aufwändig nachgebildetes Skelett die Blicke mancher Schulklassen auf sich ziehen und manchem einen Schauer über den Rücken jagen wird.

Überblick über den Ausstellungsraum (Bild: Timo Roller)

Seit dem 15. Juni sind die Beschreibungstafeln an den zahlreichen Ausstellungsvitrinen angebracht; die faszinierenden Fundstücke geben einen lebendigen Einblick in das geschichtliche Umfeld der biblischen Patriarchen. Die Medientechnik wurde ebenfalls installiert: Animationen zeigen den Weg und die geografischen Gegebenheiten aus Abrahams Zeit bis hin zu Josefs Aufenthalt in Ägypten, Satellitenbilder wechseln sich mit eindrucksvollen Fotos aus dem Irak, der Türkei, Israel und Ägypten ab. Zwei Touchscreens bieten die Möglichkeit, noch tiefer einzusteigen: Weitere Erklärungen, Fotos, Karten, Bibeltexte und Videoclips laden ein, sich umfassend mit der Zeit der Patriarchen zu befassen.

Die Ausstellung und das Museum insgesamt sind faszinierend und informativ, aufwändig und liebevoll gestaltet. Sie sind allemal einen Ausflug nach Wuppertal wert!

Am Nachmittag des 13. Novembers 2015 wird es anlässlich der Fertigstellung des Sonderausstellungsraums eine besondere Veranstaltung der Studiengemeinschaft Wort und Wissen im Bibelmuseum geben. Einlass ist ab 15 Uhr; ab 17 Uhr gibt es Grußworte, u. a. von Henrik Ullrich, dem 1. Vorsitzenden von W+W. Ab etwa 18 Uhr gibt es Führungen durch die Ausstellungsbereiche. Aktuelle Informationen dazu erfahren Sie direkt übers Museum: Bibelmuseum, Bendahler Straße 58-60 (Ecke Wolkenburg), 42285 Wuppertal, Kontakt, Information, Flyer (PDF), Homepage, Tel.: 0202 / 317 727 37 oder 0202 / 277 1046.

Wir bitten aus organisatorischen Gründen um vorherige Anmeldung!


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Ein Kritiker der Gender-Ideologie verbindet seine Kritik mit abfälligen Bemerkungen über den Kreationismus. Einige Christen haben das aufgegriffen. Damit holen sie sich ein trojanisches Pferd ins Haus.

Von Reinhard Junker

Wissen Sie, was „Gender-Kreationismus“ ist? Wenn nein, ist das keine Bildungslücke, denn wahrscheinlich weiß das niemand. Trotzdem gibt es diese Wortkombination, von einem atheistischen Internetportal vermutlich erstmals verwendet.1 „Gender“ steht dabei für die „Gender-Lehre“, wonach (u. a.) sich jeder Mensch mehr oder weniger unabhängig von seinem biologischen Geschlecht sein soziales Geschlecht aus einer großen Vielfalt selbst wählen könne. Über den Genderismus wird zunehmend öffentlich kontrovers diskutiert, was hier nicht weiter vertieft werden soll. Was aber hat der Genderismus oder das „Gender-Mainstreaming“ mit „Kreationismus“ zu tun? Welchen Zusammenhang gibt es mit der biblischen Schöpfungslehre?

Dazu zunächst eine Vorgeschichte. Am 13. April hatte der Humanistische Pressedienst (hpd) einen Artikel des bekannten Kreationismus-Kritikers Prof. Ulrich Kutschera veröffentlicht, in dem dieser den Genderismus in seiner üblichen deutlichen Art als unwissenschaftlich anprangert. Dabei vergleicht er den Genderismus mit dem Kreationismus; beide seien in ihrer Ignoranz wissenschaftlicher Tatsachen vergleichbar. Er bescheinigt dem Genderismus, eine fundamentalistische Anti-Darwin-Ideologie zu sein, die dieselben Wurzeln habe wie der wörtlich verstandene biblische Schöpfungsglaube.2 Ein Tag danach war der Artikel von der Homepage des hpd verschwunden. Man nennt das üblicherweise Zensur, in diesem Fall war es wohl Selbstzensur; die Gründe für die Entfernung des Textes wurden vom hpd nicht mitgeteilt.3 Ironie der Geschichte: Prof. Kutschera, der oft genug behauptet hat, dass Schöpfungsgläubige keinen Zugang zum akademischen Betrieb in der Biologie haben sollten4, wurde nun selbst zensiert.

Kutscheras Anti-Gender-Artikel machte aber schnell die Runde im Internet und in diesem Zusammenhang wurde offenbar das Wortpaar „Gender-Kreationismus“ kreiert (vgl. Anm. 1), auch wenn es völlig unsinnig ist. Denn – noch eine Ironie dieser Geschichte – tatsächlich ist ausgerechnet Prof. Kutschera mit seiner Kritik am Genderismus in gewisser Hinsicht zum Verbündeten von „Kreationisten“ geworden, denn diese haben neben wissenschaftlichen Tatsachen vor allem die biblischen Schöpfungstexte als Begründung für die geschöpfliche Ordnung der Geschlechter; daher widersprechen gerade sie dem Genderismus. Wenn eine Lehre nicht zum Genderismus passt, dann ist es die biblische Schöpfungslehre. Daher ist das Wortpaar „Gender-Kreationismus“ wohl eine der unsinnigsten Wortkombinationen, die je erfunden wurden – ein wahres Oxymoron.

Aber hinter dieser Wortschöpfung steckt natürlich dennoch System. Der Begriff „Kreationismus“ hat in der Öffentlichkeit einen so schlechten Ruf, dass es Genderismus-Kritikern wie Prof. Kutschera opportun erscheint, „Kreationismus“ mit „Genderismus“ zu verknüpfen. Damit schlägt er zwei Fliegen mit einer Klappe, indem er parallel mit der „Gender“-Kritik die Kreationisten angreift und gleichzeitig den Genderismus begrifflich abwertet. Und aus dem Vergleich von Genderismus mit Kreationismus wird so kurzerhand „Gender-Kreationismus“ – auch wenn es in der Sache absolut unsinnig ist.

Für uns als Studiengemeinschaft Wort und Wissen ist diese Strategie unerfreulich, aber man könnte bis dahin sagen: Naja, ist ja nichts Neues, typisch Kutschera – wenn nicht von christlicher Seite Kutscheras Kombination von Gender-Kritik und Kreationismus-Diffamierung zustimmend aufgegriffen worden wäre. So gab das „Christliche Informationsforum“ MEDRUM Prof. Kutschera ein Forum für seine Vermischung von Genderismus und Kreationismus.5 In Kutscheras Text auf MEDRUM sind zwei Artikel verlinkt, die offen für Atheismus werben („Die Gott-lose Evolution und ihre Antriebskräfte“ sowie „Kein Platz für einen Schöpfergott“). Man reibt sich verwundert die Augen.

Die christliche Publizistin Birgit Kelle führte mit Prof. Kutschera ein längeres Radiointerview zum Gender-Thema6, in dem Kutschera sich die Chance natürlich nicht entgehen ließ, ein kräftiges Kreationismus-Bashing hineinzumischen. Leider übernahm Frau Kelle in einer Stellungnahme auch noch den unsinnigen Begriff „Gender-Kreationismus“.7  Man mag ihr zugutehalten, dass sie zu wenig über Kreationismus weiß, um den inneren Widerspruch dieses Begriffspaares zu erkennen. Aber letztlich holen sich Christen ein trojanisches Pferd ins Haus, wenn sie im sehr notwendigen Einsatz gegen die Gender-Ideologie mit Leuten zusammenarbeiten, auf deren Agenda auch der Kampf gegen den biblischen Schöpfungsglauben (nicht nur gegen den Kreationismus!) steht. Man kann hoffen, dass Christen, die uns nahestehen, diese Problematik erkennen und entsprechend handeln, und dass der „Gender-Kreationismus“ keine weiteren Kreise zieht.

Quellen
1 Prof. Ulrich Kutschera: Genderismus ist der Kreationismus Europas. sciencefiles.org/2015/04/13/prof-ulrich-kutschera-genderismus-ist-der-kreationismus-europas/
2 Ursprünglich publiziert unter http://hpd.de/artikel/11566#comment-4724; jetzt online unter www.evolutionsbiologen.de/media/files/2015-hpd-Universitaere-Pseudowissenschaft.pdf
3 http://sciencefiles.org/2015/04/14/zensur-der-meinungsfreiheit-die-angst-geht-um-beim-humanistischen-pressedienst/
4 siehe neuerdings http://scicom.ucsc.edu/publications/QandA/2015/kutschera.html
5 www.medrum.de/content/universitaere-pseudowissenschaft. In einer Antwort auf eine dort veröffentlichte Stellungnahme hat Prof. Kutschera einige unwahre Dinge behauptet. Details dazu auf Anfrage.
6 www.youtube.com/watch?v=A2fJ4Xoxcyc
7 http://nrwjetzt.de/autorin-birgit-kelle-erwirkt-einstweilige-verfuegung-gegen-den-spiegel/

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Auf unserer letzten geologisch-botanischen Zeitreise in die Wutachschlucht trafen wir das Nickende Leimkraut (Silene nutans) an. Es schien tatsächlich ein Nickerchen zu machen, die Blüten sahen verwelkt aus (kleines Bild), jedoch alle gleichermaßen, was ungewöhnlich ist. Es war in der Tat kein Schein, denn ein Blick in die Exkursionsflora klärte uns auf: Es handelt sich um eine Pflanze, die von Nachtfaltern aus der Familie der Eulen bestäubt wird. Also öffnet sie zweckmäßigerweise nachts ihre Blüten (großes Bild) und verströmt abends einen intensiven Hyazinthenduft zur Anlockung. Im Laufe des Vormittags werden die weißen Kronblätter wieder eingerollt und in den „Schlafmodus“ umgeschaltet. Ungewöhnlich: Die Bestäuber nutzen die Blüte als Brutstätte, eine in der heimischen Flora seltene Verhaltensweise.


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Auf unserer Homepage erscheinen in unregelmäßigen Abständen neue Artikel. Nachfolgend einige Neuigkeiten: 

  • „Special Paper“ zu „Urmenschen“

In einem neuen „Special Paper“ geht Michael Brandt anhand neuer Fachartikel der Frage nach, ob Homo erectus in bestimmten Merkmalen des Körperstamm- und Extre­mitätenskeletts als eine Übergangsform zwischen den affenartigen Australopithecinen und dem Menschen gedeutet werden kann und zeigt detailliert, warum das nicht der Fall ist. Zusammenfassung und Link zum Special Paper hier: www.wort-und-wissen.de/artikel/sp/b-15-1.html

  • „Special Paper“ zu Fragen der Zeitbestimmung

Es gilt als weithin anerkannt, dass periodische Schwankungen in der Position von Erde und Sonne, sogenannte Milankovitch-Zyklen, in der geologischen Vergangenheit signifikante Variationen des Klimas verursacht haben. Diese wiederum sollen die Sedimentation (Bildung geologischer Schichten) entsprechend zyklisch beeinflusst haben. Daraus wurde eine sogenannte Astronomische Zeitskala konstruiert (Astrochronologie), die unabhängig von der Altersbestimmung auf Basis des radioaktiven Zerfalls (Radiometrie) die selben großen geologischen Zeiträume belegen soll.

Michael Kotulla hat sich ausführlich mit dieser Thematik befasst und zahlreiche Beispiele analysiert. Seine Analyse zeigt, dass die theoretischen Milankovitch-Zyklen nicht konkret identifiziert bzw. nachgewiesen werden können und somit die Astrochronologie keine unabhängige Zeitbestimmung ermöglicht. Eine kurze Zusammenfassung seiner Untersuchung ist unter www.wort-und-wissen.de/artikel/sp/g-15-1.html abrufbar. Dort ist ein Link zu einem PDF der 140-seitigen Analyse von Michael Kotulla.

Zhenyuanlong (Wikimedia Commons)

Neue Texte auf Genesisnet

  • Dinosaurier mit unerwarteten Merkmalen. Mit über 1,50 m Größe ist Zhenyuanlong (s. Abb.) die größte Dinosaurier-Gattung mit Federn. Einige Merkmale sprechen allerdings dafür, dass es sich um einen sekundär flugunfähigen Vogel handelt. Das Tier mit der seltsamen und unerwarteten Merkmalskombination passt nicht in bisherige evolutionstheoretische Vorstellungen.

www.genesisnet.info/schoepfung_evolution/n230.php

  • Komplexität am Anfang. Einer der ältesten fossil erhaltenen Lobopoden, Collinsium ciliosum, ist ausgesprochen komplex gebaut. Die Fossilüberlieferung zeigt bei dieser Gruppe keine Abfolge von „einfacher“ zu „komplexer“. Das stellt die evolutionstheoretisch zu erwartende Abfolge auf den Kopf.

www.genesisnet.info/schoepfung_evolution/n229.php

Klicken Sie sich doch einmal durch unter www.genesisnet.info/aktuelles/news_u.php

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Neuerscheinung aus der W+W-Fachgruppe Wirtschaft.

Die Energiepolitik in Deutschland trägt Zukunftsverantwortung für Mensch und Umwelt. Aber sie steht auch vor Gegenwartsherausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft. Sie hat sich sowohl an Perspektiven des Denkbaren als auch an der Realität des Machbaren zu orientieren. Sie ist der Energieversorgung von morgen und ebenso der Energiesicherung von heute verpflichtet.

Der Band unterstützt die „Energiewende“ bei ihrer Suche nach dem schmalen Grat zwischen Nachhaltigkeit und Leistungsstärke, Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit, Ressourcenschonung und bezahlbaren Strompreisen. Er setzt sich für eine „Energieethik“ ein: für einen verantwortungsvollen Umgang mit Energie heute und morgen und damit für eine Energiebalance zwischen Vision und Wirklichkeit.

Themen:

  • Editorial: Die Energiewende zwischen Vision und Wirklichkeit
  • Auf der Suche nach Utopia – die Rolle der Medien in der Energiewende (M. Vollbracht)
  • Die Erneuerbaren Energien auf dem Weg in die Zukunft (F. Jung)
  • Die deutsche Energiewende – an Werten gemessen (G. Maichel)
  • Klimapolitik und globale Marktwirtschaft: Zwischen dirigistischer Vision und libertärem Ideal (K. Farmer)
  • Konventionelle Kraftwerke im Blickwinkel der Energiewende (K.-H.Schmidt)
  • Gegenwartspotenziale und Zukunftsperspektiven der Geothermie (R. Schäffer)
  • Energiezukunft zwischen Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit (Th. Gebhart)
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Paperback, 132 Seiten, zahlreiche Abbildungen.
 
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Professor Kutschera ist den Kreationisten dankbar und hat den falschen Kampf gekämpft

„Ich habe mich jahrzehntelang inzwischen mit dem Kreationismus beschäftigt, was nebenbei bemerkt auch meine Karriere enorm gefördert hat, ich hatte zum Beispiel im Jahr 2006 einmal einen Artikel in Nature, der wurde über eine Million Mal downgeloaded und solche Dinge, ich bin also den Kreationisten zu großem Dank verpflichtet. Und jetzt muss ich halt leider feststellen, dass eine andere quasireligöse Strömung ... unter dem Schlagwort oder Deckmantel, unter der Tarnkappe des Gender Mainstreaming Fuß fasst und immer mehr gleich einem Krebsgeschwür auch Fachgebiete erobern möchte, wir stehen kurz vor einer Genderisierung der Biologie, dagegen werden wir uns verwahren.“

Ulrich Kutschera in einem Interview, nachzuhören unter http://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/zwoelfzweiundzwanzig/201507/220887.html, ab ca. 1:40 Minuten.


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Das Wort und Wissen Info 3/2015 (Nr. 112; September 2015)

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