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Informationen aus der Studiengemeinschaft
WORT und WISSEN

Info 4/15 - Nr. 113/November 2015




Christrose (CC BY-SA 3.0)

wir haben uns das Weihnachtsfest verfremden lassen – einerseits durch Kommerz und Familienidyll, andererseits durch eine eingeschränkte Wahrnehmung dessen, was das Kommen Christi bedeutet. Das Jesuskind wird zum Inbegriff religiöser Gefühle und Motivationen, zu einem religiösen Wohlfühlfaktor. Mehr will man uns in unserer Diesseitsverfangenheit nicht zugestehen. Doch das Baby, das seinerzeit in Bethlehem geboren wurde, hatte die Aufgabe, die Welt zu retten, weswegen wir mit Recht singen: Christ, der Retter ist da! Sein Tod am Kreuz ist die rechtliche Grundlage für die Rettung der Welt. Ohne diesen wäre die gesamte Menschheit ewig verloren. Seine leibhaftige Auferstehung aber ist der Anbruch der neuen Welt und weist auf eine Neuauflage der gesamten Schöpfung.

Christ, der Retter, ist da!

Brauchen wir eine neue Welt? Die alte, in der wir jetzt leben, hat zweifellos ihre guten Seiten. Angefangen von der Schönheit der Schöpfung, die uns immer wieder begeistert, über sichere wirtschaftliche und rechtliche Verhältnisse bis hin zu dem Guten, das Menschen einander tun, bietet sie vieles, was uns das irdische Leben lieben lässt. Es lohnt sich, für diese Welt und das Leben in ihr einzustehen, obwohl der Zahn der Zeit an der Welt selbst und auch an uns nagt und obwohl das Böse in der Welt zur täglichen Erfahrung gehört. Damit aber sehen wir zugleich, dass diese Welt so unheimlich zwiespältig sein kann. Krankheit und Tod, Terror und Krieg, Flucht, Gewalt, Bestechung, Lüge und zahllose Formen des Irrtums und Aberglaubens können das Leben eines Menschen unerträglich machen. Wir mögen und müssen in jeder Generation neu für Recht und Freiheit kämpfen, damit das Böse nicht überhandnimmt. Wir werden es aber nicht überwinden.

Christus hat das Böse überwunden. Sein stellvertretender Sühnetod ist das Gericht Gottes über alle Sünde und Bosheit. Unter seiner Herrschaft gibt es schon hier verlässliche Verhältnisse, denn sein Gesetz gilt, solange die Erde steht, und schützt die geschöpflichen Ordnungen. Dort, wo Christus als Herr erkannt und respektiert wird und wo die staatliche Gewalt das Recht schützt, hat die einschlägige Kriminalität keine Chance. Dort können Menschen arbeiten, etwas aufbauen und etwas besitzen. Dort werden sie den Frieden lieben und suchen. Dort aber, wo Christus verleugnet, Christen verfolgt und Gottes Gebote mit Füßen getreten werden, fällt die Gesellschaft auseinander und fallen die Menschen in die Barbarei; Beispiele dazu gibt es zuhauf. Nur zu sehr haben wir uns an die Gegenwart des Bösen in unserer Gesellschaft gewöhnt. Was aber wird geschehen, wenn es aufbricht und die öffentliche Ordnung aus den Fugen gerät? Politmessiasse hat es genug gegeben und wird es immer wieder geben, die meinen, man könne das Paradies auf Erden schaffen. Doch das Paradies ist in dieser Welt nicht zu haben.

Umso mehr müssen wir darauf verweisen, dass Christus mit seiner Wiederkunft der gefallenen Welt ein Ende setzen und eine neue Welt schaffen wird. Er ist seit seiner Auferstehung der Herr, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist. Nichts geschieht ohne seinen Willen oder seine Zulassung. Er hat das Recht und die Macht, die gefallene Schöpfung zu richten und eine neue zu schaffen. Christus hat mit seiner Auferstehung die Hoffnung auf die neue Welt begründet. Bürger der kommenden Welt aber werden diejenigen sein, die hier an Jesus Christus glauben. Darin gerade steht der Sinn der Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Kommen Christi, dass Christus sich jetzt seine Kirche sammelt aus allen Völkern, um ihr dereinst Anteil zu geben an der neuen Schöpfung. Die Hoffnung, die Christus begründet hat, ist also viel mehr als eine romantische Wohlfühlreligiosität. Sie besteht in einer neuen Schöpfung. Erst in dieser werden Gerechtigkeit und Friede das Miteinander der Menschen kennzeichnen, sowie ein Leben ohne Tod und Leid und eine ungebrochene Gemeinschaft des Menschen mit seinem Schöpfer.

Im Gedenken des Kommens Christi grüßt Sie freundlich
Ihr Bernhard Kaiser


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„Die Energiewende. Zwischen Vision und Wirklichkeit“
Rezension von Dr. Hans Christoph von Rohr (ehem. Vorstandsvorsitzender Klöckner-Werke AG)

Energiewende – Deutschlands unsanfte Landung auf dem Boden der Realität

R. Haupt / W. Lachmann / S. Schmitz (Hg.) Die Energiewende. Zwischen Vision und Wirk- lichkeit. SCM Hänssler, Holzgerlingen 2015, 132 S., zahlr. Abb.
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Als Angela Merkel kurz nach Fukushima die „Energiewende“ ausrief, gelang ihr, die noch wenige Monate zuvor die Laufzeit der Kernkraftwerke verlängert hatte, ein politisches Meisterwerk: Die ganze Republik, abgesehen von ein paar unverbesserlichen Nörglern, lag ihr zu Füßen und applaudierte ihrem Konzept, unser Land künftig ohne Atomenergie, mit immer weniger Öl und Gas und schließlich nur noch mit „erneuerbaren Energien“ zu versorgen. Sie hätte wie Kaiser Wilhelm II. rufen können „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Energiewender.“ Endlich hatte sich Deutschland auf den Weg zum Guten und Schönen begeben, im harmonischen Einklang mit der Natur und als leuchtendes Vorbild für den Rest der Welt.

Mit dieser Wendeseligkeit ist es inzwischen vorbei. Die Menschen reiben sich die Augen wegen der Kosten, fürchten um Versorgungssicherheit und Arbeitsplätze, bislang mag niemand in der Welt Deutschland auf seinem Sonderweg begleiten.

Und mitten hinein in diese Phase der Ausnüchterung meldet sich nun die Studiengemeinschaft Wort und Wissen, bekannt für ihre Orientierung am christlichen Menschenbild, mit einem Buch zur Energiewende. Man möchte es seufzend beiseitelegen: schon wieder ein herzlich gut gemeinter Versuch, energiewirtschaftliche Sachfragen mit religiösem Pathos auf eine Ebene zu heben, auf der es gar nicht mehr um das Zweckmäßige, sondern nur mehr um GUT oder BÖSE geht.

Eine komplette Fehleinschätzung!  Reinhard Haupt, Werner Lachmann und Stephan Schmitz legen mit diesem schmalen Band eine Analyse unserer energiepolitischen Situation vor, wie sie so nüchtern, kompetent und kompakt bislang nicht verfügbar war. Sieben Experten beleuchten das Thema aus der Perspektive jeweils ihres Fachgebietes und liefern fast ausnahmslos nicht Thesen, sondern Fakten – so, wie man sie für eine fruchtbare Debatte braucht.

Es war eine kluge Entscheidung, gleich an den Anfang den Beitrag eines Unternehmers der Windkraft-Industrie zu setzen, dessen Begeisterung für die Energiewende und die damit verbundenen Geschäftsmöglichkeiten aus jeder Zeile hervorfunkelt. Und er hat ja Recht: Windräder und Solardächer sind auf dem Vormarsch, nicht nur in Deutschland, Sonne und Wind schreiben keine Rechnung, wer kann da grundsätzlich etwas gegen Windräder und Solarmodule haben? Die Wahrheit ist: Auch die profiliertesten Wende-Skeptiker im Autorenkreis  tun das nicht, sie kritisieren allerdings den hektisch vollzogenen, in seinen Folgewirkungen nicht zu Ende gedachten Kursschwenk, dessen desaströse finanzielle und z. T. auch technische Folgen unser Land auf Jahrzehnte belasten werden. Dazu hätte man vom Autor gerne etwas mehr gehört.

Umso spannender sind dann die Folgebeiträge. Die rot-grüne Koalition hatte 2000 das EEG (Erneuerbare-Energie-Gesetz) ausdrücklich mit dem Ziel erlassen, durch Förderung der Erneuerbaren Energien den CO2-Ausstoß zu verringern. Gert Maichel erläutert, wie seither der Sinn dieses Gesetzes auf den Kopf gestellt wurde: Man hat beschlossen, dass im Jahre 2050 80% unseres Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen sollen – in der Hoffnung, dadurch den CO2-Ausstoß zu senken. Damit wurde das Mittel zum eigentlichen Zweck erhoben mit der Folge, dass wegen der in Europa gehandelten CO2-Zertifikate der CO2-Ausstoß in Deutschland zwar sinkt, die freiwerdenden Zertifikate aber anderswo zur Erzeugung von Kohlestrom verwendet werden können; ein klimatechnisches Nullsummenspiel also.

Ob und wieviel CO2 Deutschland ausstößt, ist für das Weltklima ziemlich belanglos, solange  Regelungen fehlen, die den Ausstoß weltweit deckeln. Doch wie sie durchsetzen, wenn es sie tatsächlich einmal geben sollte? Was nützt es, wenn einige Staaten zur Rettung des Klimas ihre Industriestrukturen mit massiven Wohlstandsopfern reformieren, während andere sich als „klimapolitische Trittbrettfahrer“  aus der Sache heraushalten? Brauchen wir eine Welt-Klima-Behörde? Gäbe es auch marktwirtschaftliche Lösungen? Karl Farmer führt den Leser mit nüchterner Logik über dieses politisch verminte Gelände.

Für die gegenwärtig so aktuelle Debatte um die deutschen Kohlekraftwerke liefert Karl-Heinz Schmidt in großer Detaillierung die notwendigen Fakten. Man möchte Politikern und Journalisten den Text  in die Hand drücken, um die gar zu oft „aus dem Bauch heraus“ geführte Diskussion zu versachlichen.

In der Tat, es geht um eine Versachlichung, um die Bereitschaft, sich mit allen kurz- und langfristigen Folgen einer Entscheidung nüchtern auseinanderzusetzen statt sie durch moralisierende Thesen zu verschleiern. Dazu leitet dieses Buch uns an.

 


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Anmerkungen von Reinhard Junker

Kürzlich erschien erstmals eine Besprechung des in vielerlei Hinsicht ungewöhnlichen Buches „Vergessene Archäologie“ von Michael Brandt in einer Fachpublikation.1 Verfasser der Buchbesprechung ist Lutz Fiedler, langjähriger Leiter der Archäologischen Abteilung in der Außenstelle Marburg des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen und ein Kenner der Materie der menschlichen Steinwerkzeuge.

Michael Brandt: Vergessene Archäologie Steinwerkzeuge fast so alt wie Dinosaurier. Holzgerlingen. 2011 Festeinband, farbig, Großformat 23,0 x 30,0 cm 472 Seiten und viele hundert Abb.
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www.vergessene-archaeologie.info

Die Besprechung beginnt mit einigem Lob: „Das Buch ist mit außerordentlichem Fleiß, der beispielhaft für andere Fachautoren sein könnte, von Michael Brandt erstellt worden. Ebenso hat der Verlag eine schöne Form dafür gefunden. Die zahlreichen Photos sind meisterlich gelungen.“

Er fährt fort, dass es sich um ein „überraschendes“ Werk handle, da es sich mit Steinwerkzeugen auseinandersetzt, deren Untersuchung vor einem Jahrhundert aktuell gewesen, deren Werkzeugnatur aber längst abgelehnt worden sei. Ganz vergessen seien diese Funde aber nicht, sondern würden auch heute noch erwähnt, wenn neue Funde irrtümlich als Werkzeuge interpretiert würden.

Aber gerade das ist der Zweck von „Vergessene Archäologie“: eine als erledigt erklärte Debatte aus guten Gründen neu anzustoßen. Und für diese Gründe liefert Michael Brandt viel Stoff in seinem Buch. Daher interessiert vor allem, wie Fiedler in seiner Rezension damit umgeht. Hierzu kann man mit Fug und Recht feststellen, dass Brandts Argumente nicht geschwächt oder gar widerlegt werden. Im Gegenteil – Fiedler schreibt: „Tatschlich sind einige Fundstücke aus dem Cantal und aus England von gewöhnlichen altpaläolithischen Artefakten nicht unterscheidbar. Aber ihr geologisches Alter von mehr als 4 Mio. Jahren schließt frühmenschliche Hersteller mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus.“ Und etwas später: „Außerdem spielt die geochronologische Zuordnung eine Rolle.“ Die Werkzeugnatur der Funde, die zu alt sind, um in evolutionäre Hypothesen zur Entstehung der Menschheit zu passen, wird also wegen des Alters abgelehnt, nicht weil der Werkzeugcharakter widerlegt worden wäre. Fiedler behauptet dann zwar, dass altpaläolithische Artefakte in technologischen Prozessen entstanden seien, die per se naturgesetzlich seien und folglich auch in der Natur vorkämen, geht aber auf Brandts Argumente, warum Naturprozesse die Merkmale der beschriebenen tertiären („viel zu alten“) Werkzeuge nicht hervorbringen können, nicht ein. Gerade das wäre aber angesagt gewesen.

Fiedler deutet die unterschiedlichen Einschätzungen durch Brandt und durch ihn selbst so: „Es treffen also unterschiedliche Haltungen und Weltbilder mit jeweiligen Begründungen aufeinander.“ Das trifft wohl zu, da bestimmte Vorstellungen zur Evolution des Menschen maßgeblich die Ablehnung der Werkzeugnatur  motivieren. Wenn Fiedler weiter schreibt, dass der Gedanke an „Steinwerkzeuge fast so alt wie Dinosaurier“ seiner Auffassung nach „extrem weit über die diskutierbaren, vielleicht sogar diskussionswürdigen Grenzfälle hinaus“ schießen würden, so hat er dafür jedoch keine Begründung über den Aspekt der zeitlichen Nichtpassung hinaus vorgelegt.

Trotz seiner negativen Einschätzung über Brandts Schlussfolgerungen schließt der Rezensent seine Besprechung mit einem positiven Urteil: „Dennoch ist das Buch eine wertvolle Fundgrube für alle, die sich mit der Forschungsgeschichte des Paläolithikums auseinandersetzen. Noch nie zuvor ist diese frühe und sehr spannende Episode so korrekt und ausführlich dargestellt worden. Deshalb gehört das Werk, trotz der unvernünftigen Ausführungen über angebliche Artefakte aus dem Paläogen, doch in die Bibliothek jedes Instituts der Altsteinzeitarchäologie.“ Diesem Wunsch schließe ich mich gerne an in der Hoffnung, dass die Leser dann ihr eigenes Urteil bilden können, ob die Ausführungen über die Werkzeugnatur der viel zu alten Artefakte wirklich unvernünftig sind.

1 hessenARCHÄOLOGIE, Am Landesamt für Denkmalpflege, Selbstverlag des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden 2014. ISBN 978-3-7749-3822-9; S. 171-173


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Die Auseinandersetzung um den Design-Ansatz in der Biologie ist nicht beendet; das beweisen aktuelle Publikationen in (bio-)philosophischen Fachzeitschriften. Eine Strategie der Gegner des Design-Ansatzes ist, die Beweislast einseitig zu verteilen. Das führt zu einem grotesten Wissenschaftsverständnis.

Kommentar von Reinhard Junker

In der internationalen philosophischen Fachliteratur wird eine hierzulande kaum bekannte Auseinandersetzung um den Design-Ansatz in der Biologie geführt (bekannt unter „Intelligent Design“ oder kurz „ID“). Im Kern geht es dabei um die Frage, ob „Schöpfung“ im eigentlichen Wortsinn (also ein geplantes, zielgerichtetes Hervorbringen durch eine handelnde Person) in der Wissenschaft als mögliche Antwort auf Fragen der Entstehung zulässig ist. Normalerweise wird das aus verschiedenen Gründen bestritten und einzig die reduktionistische Sicht des Naturalismus akzeptiert, wonach alle Dinge dieser Welt ausschließlich durch natürliche, letztlich physikalisch-chemische Prozesse hervorgegangen seien.

Anders als hierzulande meist behauptet wird, ist diese Kontroverse nicht erledigt, sondern geht unvermindert weiter – im schlimmsten Falle so lange, bis endlich Ruhe eingekehrt ist und das naturalistische Weltbild von niemanden mehr angekratzt wird. Soweit wird es hoffentlich nicht kommen. Und da dieser Zustand noch nicht erreicht ist, widmen sich Biologen und Philosophen weiterhin dem Design-Ansatz. Von einem gleichberechtigten Zugang zu den einflussreichen Journalen sowohl der Befürworter als auch der Gegner kann dabei keine Rede sein, aber um diesen Aspekt soll es hier nicht gehen.

Ein wichtiges Thema in dieser Auseinandersetzung ist die Frage der Beweislast bzw. der Bringschuld. Die Gegner des Design-Ansatzes haben es leider weithin geschafft, ihren reduktionistischen Ansatz und die daraus abgeleitete naturalistische Position als so selbstverständlich hinzustellen, dass sie die Beweislast den Befürwortern des Design-Ansatzes zuschieben: Diese müssten zeigen, dass naturalistisch-evolutionäre Erklärungen falsch seien, aber nicht nur das: Sie müssten auch zeigen, dass es prinzipiell keine evolutionstheoretische Erklärung geben könne und auch in der Zukunft keine geben werde – ein Unmöglichkeitsbeweis, der in der Biologie de facto nicht durchführbar ist.

In einem Artikel von Massimo Pigliucci und Maarten Boudry in der Zeitschrift Philosophia1 wird diese Verschiebung der Beweislast bei gleichzeitigem Fehlen einer angemessenen Begründung der eigenen evolutionstheoretischen Position beispielhaft deutlich. Sie schreiben (in Übersetzung): „Intelligent-Design-Befürworter ... haben oft auf vermeintliche Beispiele einer ‚nichtreduzierbaren Komplexität‘ bei den Lebewesen hingewiesen: Biologische Systeme sind so kompliziert, dass sie wahrscheinlich nicht durch Evolution entstanden sein konnten. In der Auseinandersetzung mit solchen Herausforderungen können Evolutionsbiologen mögliche evolutionäre Wege vorschlagen, die zu den vorliegenden komplexen Strukturen führen.“2

Man beachte, was hier gesagt wird: Mögliche Wege vorschlagen – ob sie gangbar sind (für ungerichtete natürliche evolutionäre Prozesse), muss dabei nicht einmal thematisiert werden! Hypothetisch-spekulative, mechanistisch ggf. völlig substanzlose Vorschläge genügen. Solche Vorschläge sind zwar Teil der wissenschaftlichen Arbeit, sie stehen aber an deren Anfang und nicht an ihrem Ende. Solange nicht gezeigt ist, dass einer dieser vorgeschlagenen Wege unter der Voraussetzung einer rein natürlich verlaufenden Evolution auch beschritten werden kann, bleiben die Hypothesen das, was sie sind: spekulativ.

Der Text von Pigliucci & Boudry geht wie folgt weiter: „Wenn sie das erledigt haben [mögliche Wege vorschlagen], gibt es eine zusätzliche Beweislast für die ID-Befürworter, nämlich alle vorgeschlagenen natürlichen Erklärungen auszuschließen.“

Evolutionist müsste man sein, geht es da einem durch den Kopf; da kann man die Beweislast einfach abschieben. Ob die hypothetischen Vorschläge eines natürlichen Entstehungsweges taugen, sollen doch die Kritiker prüfen und ggf. widerlegen! Bis dahin gilt, dass es irgendeinen Weg des evolutionären Werdens schon geben wird. Man mache sich die Situation klar: Ohne ausreichend belastbare evolutionstheoretisch begründete Modelle vorlegen zu müssen, werden naturalistische „Erklärungen“ bzw. hypothetische Szenarien als gegeben und damit als Standard gesetzt.3 Wo bleibt das Kriterium einer naturwissenschaftlichen Plausibilitätsprüfung für diese Standards?

Damit nicht genug. Pigliucci & Boudry schreiben weiter: „Anders als Gläubige meinen, liegt die Beweislast nicht bei den Skeptikern [also den Naturalisten] zu zeigen, welche der natürlichen Erklärungen die richtige ist.“

Hier wird das Prinzip einer begründeten wissenschaftlichen Erklärung völlig auf den Kopf gestellt. Evolutionstheoretiker sollen nicht in der Pflicht stehen, zu zeigen, welche natürliche Erklärung die richtige ist? Das würde dann aber auch für den Fall gelten, dass sich alle vorliegenden hypothetischen Vorschläge als falsch erweisen. Evolutionist müsste man sein.

Es folgt eine Begründung: „Angesichts der überwältigenden Belege für die Kraft der natürlichen Auslese, angepasste Komplexität zu produzieren ...“ – Es wird nun ganz allgemein auf Selektion verwiesen; der konkrete Einzelfall ist nicht mehr im Blick. Das zu Beweisende, also die Evolution eines spezifischen Merkmals, wird kurzerhand im konkreten Einzelfall als gegeben vorausgesetzt. Und weiter: „... und (angesichts) der Schwierigkeit, Informationen über die ferne evolutionäre Vergangenheit zu erlangen, ist diese Art der sachkundigen Spekulation alles, was man braucht, um ID-Argumente zu erledigen.“4 Also: Man braucht nur eine „sachkundige“ Spekulationen zu entwerfen und muss diese nicht einmal belegen. Mit den Argumenten der Befürworter des Design-Ansatzes muss man sich dann gar nicht erst befassen.


Fassen wir dieses starke Stück des von Pigliucci & Boudry vorgeschlagenen wissenschaftlichen Diskurses gegenüber dem Design-Ansatz zusammen: Evolutionisten dürfen sich schöne Geschichten ausdenken, sie müssen nur sachkundig („informed“) sein, sie müssen nicht begründen, welche davon wohl die beste ist, und schon gar nicht zeigen, dass eine davon in der Realität auch tatsächlich funktioniert. Es genügt der Hinweis auf die überwältigenden Belege für die Kraft der natürlichen Selektion.

Anmerkungen

1 Pigliucci M & Boudry M (2014) Prove it! The burden of proof game in science vs. pseudoscience disputes. Philosophia 42, 487-502. Das hier kommentierte Zitat ist auf Seite 495.
2 Zur Diskussion um„Nichtreduziere Komplexität“ gibt es einen Artikel auf Genesisnet: www.genesisnet.info/schoepfung_evolution/p1624.php
3 siehe dazu auch „Das Design-Argument in der Biologie – ein Lückenbüßer?“
4 Die Autoren ergänzen in Klammern: „of course, evidence of specific mutations and selection processes further strengthens the case for evolution, but its fate no longer depends on it.“ Das ändert an ihrer vorher gemachten Behauptung expressis verbis nichts.


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Klicken Sie auf das Buchcover um es gross zu sehen

Dieses Buch ist insofern ungewöhnlich, als es einen der herausragendsten Berichte des Neuen Testaments aus astronomischer und biblischer Sicht analysiert und dabei von eingefahrenen Gleisen durch Mythen und Legenden befreit sowie diverse astronomische Fehldeutungen offenlegt. Es ist die Reisegeschichte der Weisen aus dem Morgenland, die vom Stern von Bethlehem sicher zum Ziel geleitet wurden. – Das Buch beantwortet eine Reihe von Fragen:

  • Wer waren diese Weisen (griech. magoi) aus dem Osten?
  • Was nur hat sie bewogen, eine mehrwöchige Wüstenreise auf sich zu nehmen?
  • Wie und wo fanden die Weisen das Jesuskind?
  • Was für ein Gebilde war der Stern von Bethlehem? Gibt es darauf eine eindeutige Antwort?
  • Hat Gott den Auftrag zu dieser Reise gegeben oder war es das neugierige Handeln heidnischer Babylonier?
  • Was sagt uns diese so außergewöhnliche Reisegeschichte im 21. Jahrhundert?

In gewohnter Weise schlägt Werner Gitt auch einen Bogen zur Frage, wie man heute Jesus finden kann.

Bestellhinweis
 
Werner Gitt
Was war der Stern von Bethlehem?
Lichtzeichen-Verlag, 2015
Tb., 144 S. mit einigen Farbabb.
 
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Haben Sie schon einmal Vergissmeinnicht-Blüten aus der Nähe angesehen? Da offenbart sich eine unscheinbare Schönheit, gepaart mit der Zweckmäßigkeit der Strukturen, die zu diesem überaus schönen Muster beitragen. Im zentralen Bereich der Kronblattzipfel fallen zwei Muster auf, die beide zum Anlocken von bestäubenden Insekten dienen. Man bezeichnet solche Muster als Saftmale, weil sie den Weg zum Nektar (Saft) weisen. Zum einen sind es beim Vergissmeinnicht sternförmige weiße kurze Striche (sog. Strichsaftmale), zum anderen kräftig gelbe Schlundschuppen. Dabei handelt es sich um Punktsaftmale; diese bilden zudem eine Art ringförmigen Wall um die Öffnung der Blüte und halten kleine Insekten, die nicht bestäuben würden,  vom Besuch des Blüteninneren ab. Im Verlaufe der Blühzeit bleichen sie aus. Zudem wirkt dieser Ring als Staubbeutelattrappe und trägt dadurch zusätzlich zur Anlockung und Wegweisung für die bestäubenden Insekten bei. Wie man sieht: Der Schöpfer hat Geschmack und Liebe zum Detail.

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(Fotos: links: Reinhard Junker, rechts: Robert Meile)

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Rezension von Reinhard Junker

Erkki Vesa Rope Kojonen (2014) Intelligent Design: A theological and philosophical analysis. Dissertation, Faculty of Theology at the University of Helsinki, 338 Seiten.

Der finnische Theologe E. V. R. Kojonen liefert mit dieser Dissertation eine gleichermaßen gründliche, um Fairness bemühte und konstruktiv-kritische Analyse des „Intelligent-Design“-Ansatzes (ID) in der Biologie. Er befasst sich mit zahlreichen Aspekten rund um den Design-Ansatz. Nicht nur die 38 Seiten Bibliographie sind ein Indiz für die Gründlichkeit seiner Studie. Der Autor erweist sich auch in wissenschaftstheoretischen Fragen gut informiert und hat eine breite Kenntnis der einschlägigen Literatur pro und contra „Intelligent Design“. Die Dissertation ist unter tinyurl.com/q8efral frei verfügbar.

Für alle die sich für die Frage interessieren, ob und wie man Gottes Spuren als Schöpfer in seiner Schöpfung entdecken kann, bietet Kojonens Analyse eine wertvolle und gewinnbringende Lektüre, gleichgültig, ob sie sich schon intensiver mit der Thematik befasst haben oder ob sie sich erst noch einen Überblick verschaffen wollen. Gegenüber den vielen argumentativ armen, oberflächlichen, verzerrenden Beiträgen rund um dieses interessante und gerade in heutiger Zeit wichtige Thema sticht Kojonens Arbeit umso positiver heraus. Kojonen weist in einigen Fällen nach, dass die ID-Kritiker die kritisierte Position und publizierten Gegenargumente oft nicht oder nur ungenügend kennen (oder ignorieren), etwa in der Kontroverse um den Lückenbüßer-Gott, bezüglich der differenzierten Sichtweise von Michael Behe über „nichtreduzierbare Komplexität“ oder bezüglich der vielseitigen Auseinandersetzung mit Kritikpunkten gegen das klassische Design-Argument von William Paley. Jeder, der die Diskussion um ID auch nur im Ansatz verfolgt, kennt dieses Problem.

Kojonen liefert mit seiner Arbeit nicht einfach eine bloße Verteidigung des Intelligent-Design-Ansatzes, sondern stellt auch viele kritische Aspekte heraus, allerdings nicht ohne Hinweise, wie damit konstruktiv umgegangen werden kann. Die Position des Autors tritt zurück (mir ist sie nicht genauer bekannt), abgesehen davon, dass er dem Design-Ansatz einen berechtigten Platz im Streit um Ursprungfragen in der Biologie gibt. Dieses Zurücktreten ist durchaus eine der Stärken seiner Analyse und unterstreicht den Eindruck einer von einer wissenschaftlichen Einstellung und dem Bemühen um Objektivität gekennzeichneten Arbeit.

Eine ausführliche Rezension (5 Seiten) kann als PDF hier heruntergeladen werden: www.wort-und-wissen.de/info/rezens/b52.pdf


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Einige Publikationen von Wort und Wissen sind seit kurzem auch als ebooks erhältlich. Wir hoffen so unseren Leserkreis erweitern zu können. Bisher als e-book erhältlich sind die unten angegebenen Titel; zu beziehen nur bei SCM Hänssler; wir geben nachfolgend die entsprechenden Internet-Links an:


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Das Wort und Wissen Info 4/2015 (Nr. 113; November 2015)

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