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Informationen aus der Studiengemeinschaft
WORT und WISSEN

Info 1/17 - Nr. 118/Februar 2017




„nicht vom Brot allein soll der Mensch leben, …“ mit diesem Wort aus der Thora (5. Mose 8,3) antwortet Jesus dem Teufel, als dieser ihn in der Wüste in Versuchung führt. Der moderne Mensch weiß heute detaillierter denn je, dass wir für unser Leben sehr viel mehr bedürfen.

Wir unternehmen viele Anstrengungen und investieren große Summen, um unsere Gesundheit sicherzustellen und Vitalität bis in ein immer höheres Alter zu ermöglichen. Krankheit und Tod empfinden wir als Affront und sehen uns herausgefordert, diese einzuschränken und – wenn irgend möglich – zu überwinden.

Jüngst wurde in einem amerikanischen Forschungslabor am Salk Institute, La Jolla, ein Schweinefötus erzeugt, der menschliches Gewebe bildete, also ein Mensch-Schwein-Mischwesen (Chimäre). Die Forscher wollen damit zunächst einmal grundlegende Vorgänge in der Embryonalentwicklung besser verstehen und auch eine konkrete Perspektive zur Gewinnung von menschlichen Organen für die Transplantation eröffnen. In Ratte-Maus-Chimären wurde dies bereits erfolgreich durchgeführt. Bauchspeicheldrüsen von Ratten, die in Mäusen gebildet wurden, sind zwar klein, konnten aber in Ratten transplantiert werden und produzieren dort Ratteninsulin.

„Nicht vom Brot allein soll der Mensch leben.“

Wie soll man solche Bemühungen ethisch einschätzen und bewerten? Im Alten Testament lesen wir (3. Mose 19,19): „Du darfst bei deinem Vieh nicht zweierlei Arten sich paaren lassen.“ Damit deutet Gott eine Grenzziehung an. Bei allem, was er als Schöpfer uns als seinen Geschöpfen zutraut (1. Mose 11,6), lässt er uns Leitlinien und Grenzen wissen. Diese können wir nicht überschreiten, ohne Schaden zu nehmen.

Es stellt eine bleibende Herausforderung für Menschen dar, die ihr Leben an Gottes Wort orientieren wollen, herauszufinden, wo Grenzen beim Engagement in Forschung und Entwicklung liegen und wo von Gott angezeigte Grenzen überschritten werden. Nicht immer können wir das klar und eindeutig beantworten. Bibelleser werden sich aber immer wieder darauf hinweisen lassen müssen, dass aus der Sicht Gottes nicht jeder Preis für die Gesundheit gerechtfertigt ist – nicht zuletzt, weil Krankheit und Tod aus biblischer Sicht nicht nur biologische, sondern letztlich auch geistliche Ursachen haben; d.h. sie haben etwas mit der zerstörten Beziehung zwischen Mensch und Gott zu tun.

Wir sind auch in diesen Tagen unseren Mitmenschen das Zeugnis schuldig, dass der Mensch nicht nur vom Brot allein lebt, „sondern von allem, was aus dem Mund des Herrn hervorgeht, lebt der Mensch.“ Lasst uns das üben, indem wir das vorab für uns selbst immer wieder neu durchbuchstabieren und leben lernen.

In diesem Sinne grüßt Sie aus dem Training

Ihr Harald Binder


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Eine Rezension von Peter van der Veen und Timo Roller

Cline, Eric H. (2016) Warum die Arche nie gefunden wird. Biblische Geschichten archäologisch entschlüsselt. Theiss, Darmstadt. Hardcover, 308 S., 39 s/w Abb., 3 Karten.

Professor Eric H. Cline ist Direktor des Archäologischen Instituts an der George-Washington-Universität in der amerikanischen Hauptstadt. In der Einführung zu seinem Buch „Warum die Arche nie gefunden wird“ beschwert er sich über die „schwärmerischen Laien“, Autodidakten und Pseudowissenschaftler, die sich mit den Geheimnissen und Wundern der Bibel beschäftigen. Er möchte dem nun als Akademiker etwas entgegensetzen, weil er überzeugt ist, „dass die allgemeine Öffentlichkeit Besseres verdient“ (S. 11). Er stellt an sich den Anspruch, mit „wissenschaftlichen Methoden“ und „unvoreingenommener Forschung“ die Mysterien der Bibel unter die Lupe zu nehmen.

Leider ist es aber ebenso Eric H. Cline, der an entscheidenden Stellen in seinem Buch selber Belege ignoriert, und zwar solche, die zugunsten der Glaubwürdigkeit der Bibel zu Buche schlagen. Und dies sogar von etablierten Wissenschaftlern, deren Werke er zitiert! So beschreibt er zwar die These des Ägyptologen David Rohl, der den biblischen Garten Eden im heutigen Iran vermutet (S. 27), unterschlägt aber völlig dessen revidierte ägyptische Chronologie, die den beiden Kapiteln „Mose und der Exodus“ und „Josua und die Schlacht um Jericho“ gute Argumente für die Historizität des Alten Testaments hinzufügen würden. Obwohl er ein Buch von John Bimson, der ebenfalls eine geänderte Chronologie vertritt, ausdrücklich als weiterführende Literatur empfiehlt, geht er mit keinem Wort darauf ein, dass Zweifel an der gängigen Datierung der ägyptischen Epochen durchaus angebracht sind, sondern akzeptiert die Datierung unkritisch.

Exodus und Landnahme sind nicht nur unausgewogen dargestellt, es scheint sogar, dass der Autor hier ein paar Zusammenhänge durcheinander gebracht hat (vgl. Cline auf S. 140). Denn wie Bimson deutlich nachgewiesen hat, besaß auch das mittelbronzezeitliche Jericho eine Befestigungsanlage, die von einem Erdbeben zerstört wurde – allerdings eine spätere als die, die John Garstang zuvor für die Anlage zur Zeit des biblischen Josua gehalten hatte. Kathleen Kenyon hatte zwar bereits in den 1950er-Jahren nachgewiesen, dass Garstangs Befestigung nicht um 1400 v. Chr., sondern bereits gegen Ende des 3. Jahrtausends zerstört worden war, sie hatte aber zugleich nachweisen können, dass eine spätere Befestigung um ca. 1550 v. Chr. zerstört worden ist. Die Datierung dieser späteren Befestigung wird von John Bimson im Rahmen seiner revidierten Chronologie auf das späte 15. Jahrhundert v. Chr. datiert und könnte somit durchaus die Anlage sein, die im Buch Josua gemeint ist (vgl. U. Zerbst und P. van der Veen, Keine Posaunen vor Jericho? SCM Hänssler, S. 55ff.). Während das Ende der Mittleren Bronzezeit in Kanaan durchaus ein sehr passendes Szenario für die biblische Landnahme darbietet, bevorzugt Cline weiterhin das 13. Jahrhundert (also das Ende der Spätbronzezeit), als Jericho nicht einmal existierte – und als wahrscheinlich andere Orte (wie Hazor und Lachisch) gar nicht ins Bild passen, da sie zu früh oder zu spät zerstört wurden.

Vielleicht ist es dem Alter der englischen Originalfassung von 2007 geschuldet, dass Cline das Berliner Sockelrelief mit einer möglichen frühen Form des Namens Israel nicht kennt (das die Spätdatierung des Auszugs endgültig widerlegen könnte). Das könnte auch der Grund dafür sein, dass er nicht darauf eingeht, dass es in Ägypten zwischen der späten 12. Dynastie und der frühen Hyksos-Zeit im östlichen Nildelta (also im Bereich des biblischen Goschen) Vorderasiaten gegeben hat, worunter sich durchaus auch „Proto-Israeliten“ befunden haben könnten. Der kurze Anhang der deutschsprachigen Ausgabe geht nur auf wenige neuere Erkenntnisse ein und lässt Entdeckungen aus, die für die historische Glaubwürdigkeit des Alten Testaments von entscheidender Bedeutung sind. 

Bei der titelgebenden Arche Noah ist die Darstellung leider genauso einseitig. Zwar gibt Cline einen Überblick über angebliche Funde am Ararat und ergänzt diese sogar im Nachwort zur deutschen Ausgabe um die jüngsten Arche-Expeditionen sowie um den Nachbau des biblischen Schiffes in Kentucky. Völlig übersehen hat er jedoch die in den letzten Jahren vermehrt angeführte These, dass der Landeplatz der Arche Noah viel weiter im Süden, am Berg Cudi in der Südosttürkei, zu suchen sei. Selbst Irving Finkel, dessen Buch „The Ark Before Noah“ er ebenfalls im Nachwort erwähnt, hat dieser Möglichkeit zuletzt viel Platz eingeräumt.

Letztendlich stellt Eric H. Clines Buch leider nicht die gesamte Vielfalt der Argumente dar, sondern der Autor legt sich zumeist auf die Widerlegung der biblischen Geschehnisse fest. Er plädiert zudem ohne weitere Diskussion für eine späte Entstehung des Alten Testaments: „Die Forschung ist sich weitgehend einig, dass das Alte Testament, wie wir es heute kennen, aus vielerlei Quellen kompiliert wurde, von denen die ältesten auf das 9. oder 10. und die jüngsten auf das 6. oder 5. Jahrhundert v. Chr. zurückgehen“ (S. 22). Hier wäre sicherlich spannend gewesen, gerade diejenigen Forscher zu Wort kommen zu lassen, die mit dieser Spätdatierung nicht einig sind. Diese halten aus guten Gründen an einer frühen Abfassung der biblischen Berichte fest und untermauern mit ihren durchaus plausiblen Argumenten die historische Glaubwürdigkeit der Bibel.

So ist es zwar insgesamt ein positives Anliegen, wenn ein renommierter Wissenschaftler den biblischen Geschichten auf den Grund geht und den schwärmerischen Abenteurern – die es durchaus gibt – die archäologischen Fakten entgegenhält. Wenn aber entscheidende Argumente zugunsten der historischen Glaubwürdigkeit der Bibel weggelassen werden, kommt doch wieder nur heraus, was wir zur Genüge kennen: eine selbstgefällige Bibelkritik, die Zweifler in ihrer Skepsis bestätigt und den gläubigen Bibelleser verunsichert und ihn glauben macht, er halte Märchen aus dem Alten Orient für die Richtschnur des eigenen Lebens. Es ist zudem schwer erklärbar, warum der Theiss-Verlag dieses doch ziemlich veraltete Buch ohne grundlegende Änderungen einfach übersetzen ließ.


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Wirtschaftsfachtagung 2016. Ein Bericht von Stephan Schmitz

Es sollte eine spannende Reise in die Welt der digitalen Revolution werden. Die Digitalisierung  ergreift immer mehr Lebensbereiche, ist allgegenwärtig, beschleunigt viele Prozesse des privaten und beruflichen Alltags, kann hilfreich sein oder unsere Wertmaßstäbe verändern. Wie von einem Tsunami werden wir von der Digitalisierung überrollt. Während die einen sich über Whatsapp, Navi oder Industrie 4.0 freuen, sehen andere die Gefahren der totalen Überwachung, der Informationsüberflutung, des Machtmissbrauchs oder der abnehmenden Kommunikation. Oder sie haben einfach Angst, dass sie in vielen Lebensbereichen über kurz oder lang abgehängt werden.

Ziel der Wirtschaftsfachtagung war es, einen Überblick über die Herausforderungen und erste ethische und biblische Standpunkte aufzuzeigen. 49 Teilnehmer folgten der Einladung nach Naumburg/Saale.

Prof. Dr. Thorsten Attendorn, Professor an der FH für öffentliche Verwaltung NRW, Dortmund

Ein erster Höhepunkt der Fachtagung war der Besuch der Produktionsanlagen der Linde AG in Leuna. Von einer „Schaltwarte“ werden über 100 verschiedene chemische Großanlagen europaweit gesteuert. Kameras, Sensoren und die digitale Vernetzung machen es möglich. Ein Beispiel für Industrie 4.0.

Die Fachvorträge vertieften die Chancen und Risiken der Digitalisierung, die Bedeutung von Industrie 4.0,  die Auswirkungen der sozialen Medien, die Nutzung personenbezogener Daten oder juristische Fragestellungen im Umgang mit Big Data. Die hochkarätigen Referenten verband der lebendige Glaube an Jesus Christus und so gelang es, in jedem Vortrag orientierende und mutmachende biblische Standpunkte aufzuzeigen. Für Prof. Daniel Keim ist es angesichts der Chancen und Risiken der Digitalisierung wichtig, wachsam und vorbereitet zu sein (vgl. die Gleichnisse in Mt 24+25). Prof. Torsten Attendorn (Bild) verdeutlichte die juristischen Grenzen der Nutzung von Big Data. In der Bibel sind die Sterne am Himmel und der Sand am Meer die Metaphern für die Unzählbarkeit. Das aktuell in nur einem Jahr erzeugte Datenvolumen in Höhe von ca. 20 Zettabyte (eine 1 mit 21 Nullen) entspricht der 26-fachen geschätzten Anzahl von Sandkörnern auf der Erde … Attendorn zeigte den Teilnehmern aber auch auf, welche „Datensammlungen“ Gott hat: das Buch der Tränen (Ps 56,9), das Buch des Lebens (Lk 10,20), die Bücher der Taten (Offb. 20,12). Das Wichtigste sei, und darüber sollen wir uns freuen, dass unsere Namen im Himmel geschrieben sind.

Die Teilnehmer waren fasziniert von den Perspektiven der Digitalisierung, sahen aber auch die Notwendigkeit, sich vorzubereiten bzw. in der Kindererziehung künftig benötigte Fähigkeiten zu fördern. Auch für die Herausforderung Digitalisierung gilt: „Alle eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für euch. Seid wachsam und lasst Euch nicht verführen ...“ (1. Petr 5,7f).


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Der Blick in die gefallene Schöpfung ist ein beeindruckender Anschauungsunterricht, um geistliche Wahrheiten der Bibel zu verstehen.

Sonnenlicht, das auf die Oberfläche des Meeres trifft, wird alle 75 m um das 10-Fache abgeschwächt. Man geht davon aus, dass in den Tiefen des Meeres unterhalb von 1000 m kein sichtbares Sonnenlicht mehr nachweisbar ist. Überraschenderweise finden sich in dieser insgesamt noch recht unbekannten Region des Meeres viele Tiere, die funktionsfähige Augen besitzen. Was sehen sie? Welche Lichtquellen stehen den Organismen zur Verfügung?

Bisher wurden mehr als 700 Organismen entdeckt, die über Fähigkeit zur Biolumineszenz („biologisches Leuchten“) verfügen. Dazu zählen im Meer Fische (z.B. Anglerfische), verschiedene Quallen, Tintenfische, einige Einzeller und Bakterien. Alle diese Organismen sind in der Lage, durch biochemische Prozesse Licht zu erzeugen. Verschiedene Eiweißkomplexe treten dabei in Wechselwirkung und erzeugen im Beisein von speziellen biologischen Katalysatoren Licht in den Farben Blau, Grün, Violett und selten Orange und Rot. So weit wie das Farbspektrum, so unterschiedlich sind die Funktionen, welche durch das Leuchten erfüllt werden. Neben dem Erkennen potenzieller Nahrungsquellen dienen sie auch als wirkungsvolle Mechanismen zur Verteidigung gegenüber natürlichen Feinden. Viele Arten nutzen das erzeugte Licht auch dazu, um sich als Individuen derselben Art zu erkennen oder um bei der Partnerwahl erfolgreich zu sein.

Biolumineszenz bei der Quallenart Aequorea victoria. Diese Qualle hat hell fluoreszierende Punkte um den Seitenrand des Glockenkörpers. (Bild: Wikimedia Commons, © Sierra Blakely

Der Wirkungsgrad dieser Meeresleuchten liegt deutlich über 95%, also weit über dem, was unsere besten Lampen leisten können. Einige Tiere begnügen sich nicht nur damit, Licht zu erzeugen. Sie können das gerade beschriebene erzeugte Farbspektrum ändern, indem sie es durch Fluoreszenz in eine andere Farbe überführen. Bei der Fluoreszenz werden spezielle Eiweiße durch aufgenommenes Licht energetisch aufgeladen; die darauf folgende Rückkehr in ihren Ausgangszustand erzeugt Licht in einer anderen Farbe. Die beiden hier kurz vor gestellten Prozesse zur Lichtgewinnung und zum Farbwechsel basieren auf hoch komplexen und abgestimmten Detailprozessen, die vielfach noch nicht vollständig verstanden beziehungsweise aufgedeckt sind.

Der Blick selbst in die gefallene Schöpfung ist ein beeindruckender Anschauungsunterricht für mich, um geistliche Wahrheiten der Bibel zu verstehen. Licht ermöglicht Leben, schenkt Orientierung und weist uns zur Quelle des Lebens, Jesus Christus: „Das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst“ (Joh 1,5). Licht kann aber auch missbraucht oder so verändert werden, dass es zum Irrlicht wird, verführerisch und lebensgefährlich für jeden, der sich danach richtet. Egal in welcher großen oder kleinen Lebenssituation ich bislang hineingestellt wurde, der Blick auf DEN, der das „Licht“ ist und DER mir das richtige Seh-Organ – den Glauben – geschenkt hat, lieferte mir immer die sicherste Grundlage dafür, den nächsten Schritt in die richtige Richtung zu gehen. Das gilt jedem, für den Jesus Christus das Licht der Welt ist!

Henrik Ullrich


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Als eine von mehreren Neuerungen in den türkischen Lehrplänen kündigte Bildungsminister Ismet Yilmaz im Januar 2017 an, dass die Evolutionstheorie von Charles Darwin aus den gymnasialen Lehrplänen gestrichen werden müsse. Zwar handle es sich noch um Vorschläge, doch gehe es nach dem Willen des Bildungsministeriums, soll das Maßnahmenpaket bereits ab Februar 2017 in Kraft treten. Statt der Evolutionstheorie soll das Thema „Lebewesen und die Umwelt“ die Schulbücher Eingang finden. Zudem sollen alle Hinweise auf Darwin‘sche oder „neo-darwinistische“ Theorien entfernt werden.

Anders als von ihren Kontrahenten immer wieder unterstellt, empfiehlt die SG Wort und Wissen keine Denk- oder Lehrverbote in Bezug auf Theorien und Hypothesen im Rahmen des Evolutionsparadigmas. Politisch und weltanschaulich motivierte Verbote schaden der Wissenschaft und der Bildung von Schülern und Studenten. Das Evolutionsparadigma ist die Standardsicht in der Ursprungsforschung in der Biologie und als solche sehr einflussreich. Um sich kritisch, qualifiziert und informiert damit auseinandersetzen zu können, muss man sie kennen. Nur dann kann man aufzeigen, was daran fragwürdig, zirkelschlüssig oder falsch ist und wie die Daten auch anders – im Rahmen von Schöpfung – interpretiert werden können. Daher tritt die Studiengemeinschaft auch dafür ein, dass die vielen offenen wissenschaftlichen Probleme und Widersprüche in evolutionären Modellen dargestellt bzw. kritisch reflektiert werden.

Auseinandersetzung statt Verbot ist auch wegen der vielfältigen weltanschaulichen und ethisch moralischen Konsequenzen gefordert, die sich aus der Evolutionsanschauung ergeben. Nur so können soziokulturelle Entwicklungen in der Vergangenheit und Gegenwart verstanden und es kann ggf. diesen Entwicklungen entgegentreten werden.

Auch die Diskussion alternativer Entstehungsmodelle, die über das naturwissenschaftlich Fassbare hinausgehen, ist einem fächerübergreifenden Unterricht geboten. Die Studiengemeinschaft verweist in diesem Zusammenhang auf eine frühere Stellungnahme, die auch heute noch ihre Gültigkeit hat; sie steht online unter www.wort-und-wissen.de/presse/main.php?n=Presse.P05-2


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Die Zeitschrift „Welt und Umwelt der Bibel“ widmete letztes Jahr eine Ausgabe großenteils dem Thema „Schöpfung“. Einer der Untertitel lautete „Die Argumente von Kreationismus und Intelligent Design“. Doch statt Argumenten gab es zu diesem Thema vor allem Propaganda.

Letzten Sommer wurde ich durch ein Interview auf „Forum Grenzfragen“1 auf das Heft „Die Schöpfung. Bibel kontra Naturwissenschaft?“ aus der Reihe „Welt und Umwelt der Bibel“ vom Verlag Katholisches Bibelwerk aufmerksam. Die Redakteurin Helga Kaiser berichtete in diesem Interview zu Beginn, dass das Thema seit Jahren von Lesern angefragt wurde, auch im Zusammenhang mit „Kreationismus“ und Bibelhermeneutik („wie verstehen wir die Heilige Schrift?“). Das Thema ist also gefragt. Am Ende des Interviews war zu erfahren, dass es keine Reaktionen von „Kreationisten“ gegeben habe.

Mittlerweile habe ich mir das Heft besorgt. Einer der Untertitel auf dem Cover versprach „Die Argumente von Kreationismus und Intelligent Design“. Nach der Lektüre kann ich mit etwas Sarkasmus sagen: Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht – eine Auseinandersetzung wurde nicht geführt und von Argumenten erfuhr man nahezu nichts. Im Gegenteil. Der einzige Beitrag („In unseren Adern fließt das Urmeer“), der überhaupt ansatzweise auf dieses Thema einging, startet mit der Feststellung, dass die Evolutionstheorie „wissenschaftlich unstrittig“ sei und Kreationisten sie jedoch „mit abenteuerlichen Argumenten“ ablehnen würden (S. 40); Einwände hätten religiöse oder ideologische Gründe. Von diesen abenteuerlichen Argumenten erfährt man jedoch vom Autor Hansjörg Hemminger nichts.2

„Evolutionstheorie“ ist ohnehin begrifflich unscharf. Sofern Evolution als Rahmenparadigma gemeint ist, kann man durchaus sagen, dass sie insofern unstrittig ist, als man sich grundsätzlichen Einwänden längst nicht mehr widmet. Damit hat man allerdings eine Maxime wissenschaftlichen Arbeitens aufgegeben, nämlich jederzeit für begründete Kritik offen zu sein und ihr nachzugehen. „Evolutionstheorie“ als erklärende Theorie (wie Evolution funktioniert) ist dagegen ganz und gar nicht unstrittig – die Erklärungen des Neodarwinismus und seiner diversen neueren erweiterten Synthesen sind in der Fachwelt umstrittener denn je.3

Weiter heißt es, Kreationisten wollten eine „alternative Naturwissenschaft“. Das ist mindestens grob irreführend. Auf die Studiengemeinschaft Wort und Wissen trifft das keineswegs zu, vielmehr legt sie Wert auf die Feststellung, dass es sich bei Evolutionsforschung im Kern um eine historische Wissenschaft handelt und notwendigerweise Naturwissenschaft überschreiten muss. Eine andere Naturwissenschaft gibt es nicht, wohl aber ein anderes Paradigma als Deutungsrahmen. Dazu wurde seitens Wort und Wissen eine ganze Menge publiziert, was bei Hemminger keinerlei Beachtung findet.

Und ebenfalls schon im ersten Abschnitt wird auch noch ein Bogen zu „Rechtsradikalen“ geschlagen, von denen fast alle die Evolutionstheorie ablehnten. Bereits nach der Lektüre des ersten Abschnitts des Artikels von Hemminger weiß der Leser also Bescheid. Kreationisten und Rechtsradikale gehören in einen Topf!

Apropos „abenteuerlich“: Hemminger vergleicht die evolutionäre Entstehung neuer Konstruktionen mit der ungeplanten Entstehung von Abflussrinnen, die bei einem heftigen Regenguss an einem Abhang aus loser Erde entstehen (S. 43). „Auf ähnliche Weise bildet sich ein kompliziertes Merkmal in der Evolution heraus.“ Ein Pendant zu einem heftigen Regenguss genügt. Damit stellt er informationstragende, hochgradig komplex-funktionale Systeme von Lebewesen auf dieselbe Stufe wie einen durch Erosion entstandenen Kanal.4 So einfach kann „Wissenschaft“ sein! Mit einer ernsthaften Auseinandersetzung mit Evolutionskritik, dem Design-Ansatz und dem Kreationismus hat all das nichts zu tun.

Nicht besser ist es um die theologische Auseinandersetzung bestellt. Hemminger schreibt im genannten Beitrag: „Die Bibel erzählt davon, wie Adam, der Mensch, aus Lehm hervorging, wie Gott ihn ansprach und sprachfähig machte, und wie der Mensch dennoch aus dem Gottesfrieden schuldhaft herausfiel. Wie geht diese große biblische Erzählung mit Evolution zusammen?“ (S. 43). Die Frage ist berechtigt, eine Antwort gibt der Autor nicht – sie würde lauten: Gar nicht! –, stattdessen gibt es weitere Kritik am Kreationismus, er würde „die Ungeheuerlichkeit der Welt mit scheinwissenschaftlichen Mitteln verhüllen“. Ja, die Welt ist ungeheuerlich; Hemmingers Unterstellungen dem Kreationismus gegenüber sind es auch: „Der Weg, unseren Glauben gegen die Wissenschaft zu sichern, ist ein Irrweg“ (S. 46). Das stimmt, aber diesen Weg gehen die meisten, die als „Kreationisten“ bezeichnet werden, nicht; genauswenig suchen sie sich von der Wissenschaft abzuschirmen, wie Hemminger am Schluss seines Beitrags behauptet.

Weiter vertritt er die Auffassung, Evolution passe besser zur biblischen Vorstellung einer creatio continua (fortdauernde Schöpfung). Das wird zwar häufig behauptet, aber nicht schlüssig begründet. Denn damit man vom beständigen Wirken Gottes in der Schöpfung reden kann, braucht man nun wirklich kein evolutionäres Weltbild. Die Bibel spricht denn auch von Gottes Erhaltung der Schöpfung, er garantiert jeden unserer Atemzüge und vieles mehr; dazu gibt es viele biblische Aussagen, die aber allesamt mit Evolution nichts zu tun haben. Die Annahme eines Evolutionskosmos erhellt hier somit nichts. Und es ist wieder falsch, dass Kreationisten eine creatio continua ablehnen – sie zwingen nur das evolutionäre Weltbild nicht hinein. Hemminger weiter: „Auch dass wir Menschen als Geschöpfe Gottes bedeutsam sind, kann durch die Evolution illustriert werden“ (S. 46), denn in unserem Körper lebe unsere evolutionäre Vorgeschichte. „Im Menschen ist die ganze Schöpfung gegenwärtig“ (S. 46). Nein, die Bedeutsamkeit, die wir Menschen in Gottes Augen haben, ergibt sich zum einen durch die besondere Stellung des Menschen in der Schöpfung als Gottes Stellvertreter („zum Bilde Gottes geschaffen“), zum anderen durch Jesu stellvertretendes Leiden und Sterben für uns Menschen – ein Geschehen, das gerade in einem evolutionären Weltbild keinen Sinn macht. Das wurde oft gezeigt, doch die vielen Fragen, die sich aus der Akzeptanz einer Abstammung des Menschen aus dem Tierreich durch einen ungerichteten evolutionären Versuch-und-Irrtums-Prozess ergeben, bleiben außen vor, auch in den anderen Beiträgen des Heftes. Es ist erstaunlich, dass die Fragen nach den Konsequenzen aus einer evolutionären Weltsicht für die biblische Heilsgeschichte immer wieder – so auch hier – ausgeblendet werden.

Reinhard Junker

Quellen und Anmerkungen
 
1 www.forum-grenzfragen.de/themenheft-die-schoepfung-bibel-kontra-naturwissenschaft/
 
2 Auf S. 42 schreibt er dazu weiter: „Die Argumente gegen die Evolution sind vielfältig; nichts davon hält einer sachlichen Prüfung stand.“ Eine Begründung für diese Behauptung wird nicht gegeben.
 
3 Z. B. Laland K et al. (2014) Does evolutionary theory need a rethink? Yes, urgently. Nature 514, 161-164. Vgl. den Genesisnet-Beitrag „Entstehung evolutionärer Neuheiten – ungelöst!“ unter www.genesisnet.info/schoepfung_evolution/n243.php.
 
4 Die postulierte ursprüngliche Entstehung des Erbguts ist empirisch nicht belegt, während die Entstehung einer Abflussrinne direkt beobachtet werden kann. Eine Abflussrinne entsteht aufgrund bekannter und reproduzierbarer physikalischer Gesetzmäßigkeiten zwangsläufig, vergleichbare Gesetze gibt es in der molekularen und morphologischen Evolution nicht.

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Norbert Pailer & Alfred Krabbe (2016): Der vermessene Kosmos. Ursprungsfragen kritisch betrachtet.

Das Buch bilanziert den Status quo der Weltraumerkundung. Die Autoren zeigen auf, dass naturwissenschaftliche Erklärungen an Grenzen stoßen und dass die Zeit einfacher Antworten auf Ursprungsfragen vorbei ist. Etablierte Antworten sind ins Wanken geraten. Dazu trägt nicht zuletzt die Dunkle Komponente im Weltraum bei. Von unserem „kosmischen Hinterhof“– unserem eigenen Planetensystem – aus geht die Reise bis in die Tiefen des Alls. Gegenüber der 1. Auflage ist das Buch um 70 Seiten erweitert und aktualisiert.

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SCM Hänssler
Hardcover 260 Seiten
vierfarbig, ca. 180 Abb., Format 17 x 24
 
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Alexander vom Stein: CREATIO. Biblische Schöpfungslehre. Das leicht lesbare Buch über „Biblische Schöpfungslehre“ ist aktualisiert und in einem verbesserten Layout neu aufgelegt worden.

CREATIO ist ein thematisch umfassendes Schul- und Arbeitsbuch zur biblischen Schöpfungslehre, übersichtlich gestaltet, leicht verständlich, reich bebildert und sehr anschaulich, wissenschaftlich fundiert. Alle relevanten Themen zum Fragenkomplex „Schöpfung oder Evolution“ werden relativ kurz gefasst und prägnant erläutert und diskutiert. Eine ideale Einstiegslektüre in die Gesamtthematik der Ursprungsforschung aus biblischer Sicht!

Das Buch ist für Jugendliche ab 14 Jahren besonders interessant. Es ist es auch gut geeignet für Jugend- und Schülerkreise, Eltern, interessierte Laien; für die meisten Teile werden keine fachliche Vorkenntnisse benötigt. Das Buch orientiert sich in der ersten Hälfte am Ablauf der biblischen Urgeschichte von der Schöpfung bis zur Sprachverwirrung und ist in dieser Hinsicht im deutschsprachigen Raum auf dem aktuellen Büchermarkt einmalig. In der zweiten Hälfte werden die verschiedenen Teilgebiete der Evolutionslehre kritisch betrachtet.

Zuerst werden die Aussagen der Bibel dargelegt und erläutert und damit ein Rahmen für die Deutung der naturkundlichen Daten und Beobachtungen gegeben.

Das Buch lehnt sich in seiner Aufmachung an zeitgemäße Schulbücher an und ist für den Einsatz im Unterricht geeignet. Dem Buch ist eine DVD mit dem kompletten Text und vielen Zusatzinfos beigelegt.

Der Autor, Diplom-Biologe und Mitglied der Studiengemeinschaft Wort und Wissen, führt seit vielen Jahren Schöpfungsseminare mit Schulkindern durch, auf denen der Stoff der Schöpfungslehre vermittelt wird. Aus diesen Seminaren heraus entstand die Idee, dieses Buch in Angriff zu nehmen. Während der Arbeit wurde der Autor von einer Reihe von wissenschaftlich arbeitenden Mitarbeitern der SG Wort und Wissen unterstützt.

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Daniel Verlag, Neuauflage 2017
224 Seiten, 340 Abb., durchgehend farbig
Großformat 19x26, Hardcover
DVD mit komplettem Inhalt im PDF-Format und umfangreichem Zusatzmaterial.
 
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Das Wort und Wissen Info 1/2017 (Nr. 118; Februar 2017)

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