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Informationen aus der Studiengemeinschaft
WORT und WISSEN

Info 4/17 - Nr. 121/November 2017




in dieser Ausgabe berichten wir von Günter Bechly, einem renommierten Insektenkundler, der 17 Jahre lang am Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart arbeitete, dann aber seine Tätigkeit beenden musste. Was war geschehen? Der entscheidende Grund war, dass er die Evolutionslehre öffentlich in Zweifel gezogen hatte. Das geht eindeutig aus seinem 32-minütigen persönlichen Bericht hervor, der im September veröffentlicht wurde.

Wie zu erwarten war, wurde Bechlys Bericht im Internet kontrovers diskutiert. In manchen Stellungnahmen wurde die Auffassung vertreten, dass die Beendigung der Anstellung beim Museum nur konsequent gewesen sei. Denn das Museum müsse von seinen Mitarbeitern erwarten, dass sie seine Weltanschauung auch öffentlich vertreten. Schließlich würde auch die Studiengemeinschaft Wort und Wissen nicht akzeptieren, wenn einer ihrer Mitarbeiter die Evolutionstheorie gutheißen würde, oder die Kirchen würden einen Atheisten nicht akzeptieren.

Glaubensbekenntnis und Weltanschauung vor Wissenschaft

Mit solchen Vergleichen wird aber das Museum in einem wesentlichen Punkt mit Kirchen oder christlichen Werken verglichen und somit die für objektiv gehaltene Wissenschaft auf die Ebene eines Bekenntnisses und einer Weltanschauung geschoben. Das Museum handelt also so, als wäre es eine Glaubensgemeinschaft. Für christliche Glaubensgemeinschaften und Werke ist das Bekenntnis zur Schöpfung natürlich grundlegend, sonst würde es sie gar nicht geben. Aber haben Museen auch eine Art Glaubensbekenntnis?

Wer die Vorgehensweise des Museums verteidigt, bestätigt also das Problem, das zur Beendigung der Beschäftigung von G. Bechly beim Naturkundemuseum geführt hat: Bechly hat ein Glaubensbekenntnis aufgekündigt, das im akademischen Bereich weithin de facto verbindlich ist, nämlich die Akzeptanz des naturalistischen Ansatzes auch in Fragen der Ursprünge. Schließlich hatte Bechly unverändert rein naturwissenschaftlich am Museum gearbeitet, wie an seinen wissenschaftlichen Artikeln und seinen Publikationen im Webauftritt des Museums unzweifelhaft erkennbar war. Nun aber war nicht mehr die erfolgreiche naturwissenschaftliche Arbeit entscheidend, sondern seine Weltanschauung bzw. sein Bekenntnis.

Ich kann dennoch verstehen, dass das Museum „handeln“ musste. Denn andernfalls hätte das Museum Stress bekommen. Das Problem sitzt tiefer: Wissenschaft und Bildung sind auf den Naturalismus festgelegt, wonach es in der Welt ausschließlich natürlich zugeht. Hier gibt es keine Offenheit – nur innerhalb des Naturalismus kann kontrovers diskutiert werden. Unter anderem weil das so ist, braucht es die Studiengemeinschaft Wort und Wissen. In Verbundenheit mit Ihnen grüßt Sie herzlich

Ihr Reinhard Junker


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Früher war der angesehene Paläontologe überzeugter Atheist. Eher aus Zufall beschäftigte er sich jedoch mit den Argumenten von Kreationisten – und wurde überzeugt. Heute glaubt Günter Bechly an die Existenz eines Schöpfergottes, denn die Argumente gegen die Evolutionstheorie waren für ihn zu stark.

von Jörn Schumacher

Günter Bechly ist Paläontologe und war am Naturkundemuseum in Stuttgart für die Sonderausstellung zum Darwin-Jahr 2009 verantwortlich. Der anerkannte Experte für Bernstein war gern gesehener Gast in Fernsehsendungen zum Thema Paläontologie, acht fossile Insektenarten sind nach ihm benannt. Promoviert hatte er in Tübingen über die Stammesgeschichte von Libellen.

Bechly sollte 2009 die Sonderausstellung „Evolution – Der Fluss des Lebens“ zum 200. Geburtstag von Charles Darwin in Stuttgart entwickeln. Das Modell einer Waage sollte den Besuchern klarmachen, dass die Argumente von Vertretern des Intelligent Design (ID) und des Kreationismus keine stichhaltigen Argumente haben, um die Evolutionstheorie zu widerlegen: Auf der einen Seite lag evolutionskritische Literatur, auf der anderen Seite lediglich Darwins Hauptwerk „Die Entstehung der Arten“, und die Waage neigte sich eindeutig zur darwinistischen Seite. Da Bechly die kreationistischen Bücher für die Installation bestellen musste, warf er in seiner Freizeit zunächst einen kurzen Blick in die verachtete Literatur. Und der Paläontologe musste feststellen, dass die dort vorgestellten Argumente gar nicht so schlecht waren, wie er immer angenommen hatte.

In einem halbstündigen Film der Produktionsfirma Morija (www.youtube.com/watch?v=LWVIzw0mTOw), der nun im Internet veröffentlicht wurde, berichtet Bechly seine Wandlung vom materialistischen Atheisten zum gläubigen ID-Vertreter. „Das klingt ja gar nicht so religiös begründet, sondern das sind ja wissenschaftliche Argumente“, musste Bechly feststellen, als er die evolutionskritische Literatur las.

Vielen kritischen Fragen konnten die etablierten Evolutionsanhänger nicht mit guten Antworten begegnen, stellte Bechly fest. Mehr noch: Hinter dem Rücken lehnten Wissenschaftler die öffentliche Debatte mit ID-Vertretern aus Angst ab, argumentativ nicht dagegenhalten zu können. Nach außen hin wurde die Absage damit begründet, man wollte Kreationisten kein Forum bieten. Für den Insektenforscher Bechly stand vor allem die Frage offen, wie Lebewesen in sehr kurzen Zeiträumen große evolutionäre Schritte machen konnten. Mathematisch gesehen könnten diese Zeiträume nicht mit der Evolutionsgenetik in Einklang gebracht werden. Einen weiteren Knackpunkt sah Bechly im Mangel an Fossil-Funden von Übergangsarten zwischen den angeblich evolutionär voneinander abstammenden Gruppen.

Dr. Günter Bechly ist Paläontologe und hat in Tübingen über die Stammesgeschichte der Libellen promoviert. Von 1999–2016 war er Kurator für Bernstein und fossile Insekten am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart. Er hat 167 neue Arten und die neue fossile Insektenordnung der Chimärenflügler beschrieben; acht fossile Insektenarten sind nach ihm benannt. Im Darwin-Jahr 2009 war er Projektleiter für die Sonderausstellung „Evolution – Der Fluss des Lebens“. Ausgerechnet durch Vorarbeiten an diesem Projekt wurde Bechly angeregt, sich genauer mit Argumenten von Evolutionskritikern auseinanderzusetzen, was bei ihm schließlich zu einem schrittweisen Umdenken über Evolution und Schöpfung führte. Er berichtet darüber und über seinen weiteren Werdegang (siehe den nachfolgenden Beitrag von Jörn Schumacher) in einem gut halbstündigen Video, das unser Mitarbeiter Timo Roller aufnahm. Link zum Video: www.youtube.com/watch?v=LWVIzw0mTOw

Bechly stieg tiefer in die Argumentation der Intelligent-Design-Forscher ein und erkannte: „Die Dogmatiker sitzen keineswegs ausschließlich auf der religiösen Seite, sondern auch und sehr stark auf der Seite der Materialisten und Evolutionsbiologen, die auf jeden Fall vermeiden wollen, die Diskussion hochkochen zu lassen“, sagt Bechly im Film. Er kam an den Punkt, an dem er sich in seiner Weltanschauung entscheiden musste. Das Christentum kam für den überzeugten Atheisten zunächst am allerwenigsten in Frage. Dennoch fand er schließlich für sich das, was er am wenigsten wollte, was er zuvor verachtete: den christlichen Glauben.

Das Naturkundemuseum in Stuttgart, an dem der angesehene Experte arbeitete, stellte dem Forscher zunehmend Hürden in den Weg, als Bechly damit begann, seine Fragen und Gedanken auf einer privaten Webseite öffentlich zu machen. Bechly wurde von allen größeren Projekten abgezogen, seine Publikationen wurden vom Webauftritt des Museums gelöscht, und ihm wurde nahegelegt zu kündigen. „Mir wurde ganz eindeutig gesagt, dass ich ein Störfaktor bin, ein Risikopotenzial habe und die Glaubwürdigkeit des Hauses untergrabe“, sagt er heute. Mittlerweile hat der Wissenschaftler das Museum verlassen. (Erstveröffentlichung: www.pro-medienmagazin.de; Direktlink: tinyurl.com/yd5aefnn)


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Um Weihnachten und um die Jahreswende ist traditionell Orangenzeit. Mit den Schalen dieser Früchte sind wir vertraut. Die Schale einer verwandten Art, der Pomelo, einer Art großer Grapefruit, hat es aber wirklich in sich. Denn sie übersteht einen Fall aus einer Höhe von bis 20 Metern unversehrt. Wie sie das hinbekommt? Sie besitzt einen sehr guten Aufprallschutz in Form eines schützenden Fruchtschaums zwischen Schale und Fruchtfleisch aus einem ganz speziellen Gewebe. Dieses enthält viele Hohlräume und Zellen, die mit Zellflüssigkeit gefüllt sind und wie viele kleine, eingebaute Stoßdämpfer wirken.

Diese außergewöhnliche Eigenschaft hat Bioniker auf den Plan gerufen. Deren Job ist es, der Natur (oder besser: der Schöpfung) Ideen abzukupfern, die man sich technisch zunutze machen kann. Also untersuchten Bioniker von der Universität Freiburg die Frucht auf ihre Aufpralldämmung und Durchschlagresistenz. Denn die Pomelo-Frucht könnte als biologisches Vorbild für stoßdämpfende Materialien dienen wie zum Beispiel schusssichere Westen, Schutzbehälter für Gefahrengüter, Aufprallschutz in Fahrzeugen, Schutzkleider oder Helme. Helm-Prototypen mit „Pomelo-Schutz“ werden bereits getestet und die ersten Resultate sind vielversprechend. Um 20 Prozent schneidet der „Pomelo-Helm“ besser ab als ein konventioneller Helm – vielleicht wird noch ein Verkaufsschlager daraus.

Die Bionik liefert ein ausgezeichnetes Argument für einen Schöpfer: Wenn man schon für das Nachmachen Verstand, Plan und eine ausgefeilte Technik braucht, dann ist das beim Vorbild erst recht der Fall.


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Eine kompetente Quellenanalyse zeigt: Aus der Sicht eines Historikers ist die Weihnachtsgeschichte nach Lukas glaubwürdig.

Buchbesprechung von Peter van der Veen

das Buch ist nur erhältlich beim Büchershop des Instituts für glaube und Wissenschaft: www.iguw.de

Andreas Gerstacker, Was geschah an Weihnachten? Ein Historiker untersucht die Geburt von Jesus nach dem Lukasevangelium, Marburg, smd Studien, 2016. 96 S., 5,00 € (A: 5,15) / 7,50 SFr.

Andreas Gerstacker ist Historiker an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg und gläubiger Christ. Er untersucht in diesem Buch die Historizität der Geburtsgeschichte im Lukasevangelium. Dabei geht er besonders auf das Problem der Volkszählung ein, die nach Lukas 2,1 stattfand, „als Quirinius Statthalter in Syrien war“. Dieses Problem hat seit Generationen die Wissenschaft beschäftigt und wird von vielen Bibelkritikern als Indiz für die Unglaubwürdigkeit des biblischen Berichtes gewertet. Das Hauptproblem besteht darin, dass die Geburt Jesu nach dem Matthäusevangelium vor dem Tod des Herodes des Großen im Jahr 4 v. Chr. datiert wird (vgl. Mt 2,1ff), während im Lukasevangelium die Volkszählung zur Zeit der Geburt Jesu mit dem Zensus unter Quirinius in Verbindung gebracht wird, die nach antiken Quellen erst im Jahre 6 n. Chr. – also mindestens 10 Jahre später – durchgeführt wurde. In seiner Monographie bietet Gerstacker einen hilfreichen Überblick über die verschiedenen Lösungsversuche dieser in der Wissenschaft geführten Diskussion. Als Historiker zeigt er jedoch auch klar die Grenzen aller dieser Interpretationsansätze auf und warnt vor voreiligen Schlussfolgerungen. Sein kompetenter Umgang mit den zur Verfügung stehenden Quellen ist dabei vorbildlich. Im Folgenden möchte ich den Inhalt des Buches kurz skizzieren.

Nach einer Darlegung des o. g. Hauptproblems bespricht Gerstacker in Kapitel 1 die Quellen des Lukas und stellt die Frage, ob man den Evangelisten aus der Sicht eines modernen Historikers heute noch ernstnehmen darf. Dabei zeigt sich der Autor durchaus bereit, Lukas eine faire Chance einzuräumen, da der Evangelist nach eigenen Angaben ausdrücklich versucht hat, die Geschichte Jesu und die der frühen Gemeinde sorgfältig darzulegen (Lk 1,1–4). Zudem sind in der Vergangenheit mehrere Aspekte der lukanischen Geschichtsschreibung archäologisch bestätigt worden. Dennoch müsse betont werden, dass die von Lukas verwendeten Quellen unterschiedlicher Natur waren. Während der Evangelist hervorragende Kenntnisse der römischen Reichs- und Provinzverwaltung vorweisen konnte, war auch er gezwungen, sich auf Überlieferungen der Jerusalemer Urgemeinde zu verlassen, deren Zuverlässigkeit er selbst nicht immer verifizieren konnte.

In Kapitel 2 diskutiert Gerstacker das his­torische Umfeld der Geburtsgeschichte und erörtert, wie „Kaiser Augustus seine Provinzen organisierte“. Neben den „kaiserlichen Provinzen“ (die dem Kaiser direkt unterstanden) gab es „Provinzen des Volkes“, die vom römischen Senat verwaltet wurden. In den kaiserlichen Provinzen vertraten Statthalter und Verwalter (Legate und Präfekte) sowie Klientelfürsten wie Herodes den Kaiser, eine Situation, wie wir sie in Judäa während der frühen Jahre Jesu vorfinden. Da für die damalige Zeit keine reichsweite Volkszählung belegt ist, haben wir es beim Zensus, den Lukas erwähnt, wahrscheinlich mit einer der vielen regionalen Steuerschätzungen zu tun, die damals durchgeführt wurden. Solche Schätzungen sind auch in ägyptischen Papyri der Römerzeit belegt. Die Institution der regionalen Steuerschätzungen soll in der Tat auf Kaiser Augustus zurückgehen. Die Schätzungen wurden in regelmäßigen Abständen durchgeführt und zentral in Rom verwaltet. Lukas‘ Behauptung, „alle Welt“ habe sich damals in Steuerlisten eintragen lassen, bezöge sich in diesem Fall wohl eher auf die Tatsache, dass in den Provinzen regelmäßig solche Steuerschätzungen durchgeführt wurden. Gerstacker stellt zudem fest, dass Lukas’ Aussagen im Allgemeinen durchaus im Einklang sind mit dem, was wir über das historische Umfeld Judäas zurzeit Jesu wissen, auch wenn man hin und wieder eine gewisse Unschärfe in der Begrifflichkeit feststellen kann. Zudem vermutet der Autor, dass Josef von Nazareth ursprünglich wohl aus Bethlehem stammte und dort noch Besitztümer gehabt haben muss, weshalb er zur Steuerschätzung nach Bethlehem gebeten wurde. Dies erkläre auch, warum er und Maria bei Verwandten Unterschlupf suchten, bei denen sie letztendlich in einem Hauptraum eines einfachen, mit Futterkrippen ausgestatteten Hauses (also nicht in einer Herberge) die Nacht verbrachten. Ähnliche Umstände sind auch von einer Steuerschätzung einer Jüdin namens Babatha aus dem Jahre 127 n. Chr. bekannt.

In seinem längsten Kapitel, Kapitel 3, kommt Gerstacker zu seinem eigentlichen Plädoyer und behandelt die Problematik der „Datierung der Geburt des Jesus von Nazareth“ und der „Statthalterschaft des Quirinius“. So erklärt er, wie Quirinius, nachdem er eine steile Karriere als Prokunsul und Feldherr genossen hatte, schlussendlich vom Kaiser im Jahre 6 n. Chr. „als kaiserlicher Statthalter ... nach Syrien“ beordert wurde, um dort „die Einziehung des Fürstentums Judäa und einen Zensus durchzuführen“ (S. 33–34). Glauben wir Josephus Flavius, so müsste der Amtsantritt im letzten Regierungsjahr des Herodes Archelaos (6 n.Chr.) erfolgt sein. Eine hilfreiche Liste der relevanten Quellen findet sich auf S.34–35. Fand gemäß den Aufzeichnungen des Matthäus (vgl. auch Lk 1, 5f) die Geburt Jesu während der Regierung des Herodes des Großen statt, so verbindet Lukas sie zeitlich mit der Volkszählung unter Quirinius, was von vielen Kritikern als anachronistisch verstanden worden ist. Auch wenn Gerst­acker als objektiver Historiker nicht gänzlich ausschließen darf, dass im Lukasevangelium eine falsche Datierung vorliegen könnte, hält er angesichts der sonstigen Genauigkeit des Evangelisten eine solche Schlussfolgerung für eher problematisch.

Manche Historiker hätten dagegen versucht, den Fehler bei Josephus Flavius zu finden. Tatsächlich scheint Josephus manche relevanten Ereignisse nach dem Tod des Herodes des Großen und am Ende der Regierung seines Sohnes Archelaos verwechselt zu haben. Doch in Anbetracht der fehlenden Primärquellen kann auch dieser Ansatz nicht wirklich überzeugen. Plausibler erscheint Gerstacker die Frage, ob Quirinius vielleicht auch schon zehn Jahre früher Statthalter von Syrien gewesen sein könnte. Obwohl diese Theorie vor allem in bibeltreuen Kreisen Eingang gefunden hat, muss auch sie eine Vermutung bleiben. Denn auch die dafür herangezogenen Inschriften sind zweideutig und helfen deshalb nicht wirklich weiter. Während der späten Regierung des Herodes des Großen amtierte dagegen als Statthalter in Syrien ein gewisser Saturninus. Auch für die Vermutung, Quirinius könnte neben Saturninus als Zweitstatthalter gedient haben (eine Vermutung, die sich bereits beim Kirchenvater Tertullian finden lässt), fehlen jegliche Beweise.

Nachdem er einige weitere Ansätze diskutiert hat, erklärt Gerstacker gegen Ende seiner Darstellung, warum er selbst „eine Neuinterpretation von Lk 2,1–7“ – natürlich „mit der gebührenden Vorsicht“ eines Historikers – für die am ehesten zutreffende Erklärung hält. Es handele sich dabei lediglich um eine „alternative Übersetzung des genannten Verses“ (S. 61). Dabei spiele vor allem der Begriff protos („der Erste (von)“) eine bedeutsame Rolle. Mit diesem Begriff habe Lukas lediglich aussagen wollen, dass es bereits vor Quirinius eine Steuerschätzung gegeben hatte, nämlich die zur Zeit der Geburt Jesu. Auch wenn diese Lesung eine Minderheitsposition darstellt, liege sie zumindest „im Bereich des Möglichen“ (S. 64).

Nachdem der Autor in Kapitel 4 noch einmal die bereits vorgestellten Ansätze zusammengefasst hat, macht er in Kapitel 5 („Weihnachten Revisited“, S. 70–72) seinen Lesern Mut, am biblischen Text festzuhalten. Auch wenn bis dato keine endgültige Lösung des Problems vorliege, so gebe es doch „Interpretationsansätze, von denen drei ein durchaus hohes Maß an Plausibilität beanspruchen können“ (S. 70).

Gerstackers Plädoyer wirkt schlüssig und ist, auch wenn er in seinem Buch keine neuen Lösungen anbieten kann, gewinnbringend. Ich möchte deshalb dieses Buch wärmstens empfehlen. Für diejenigen, die sich noch eingehender mit der Thematik befassen wollen, möchte ich an dieser Stelle noch auf die Monographie einer Mitarbeiterin hinweisen, in der sie die alternative Deutung von Lk 2,2 ebenfalls diskutiert und befürwortet: B. Mahieu, Between Rome and Jerusalem: Herod the Great and His Sons in Their Struggle for Recognition, Peeters, Leuven, 2012 (Teil 3, Kapitel 1, A).


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Eine Bestandsaufnahme anhand fossiler und archäologischer Zeugnisse (Neuerscheinung)

 
Michael Brandt

Mit diesem „Studium Integrale Special“ erscheint erstmals ein Sonderband als Ergänzung zu unserem Studium Integrale Journal im gleichen Großformat (DIN A 4) und Layout. Wahrend das Journal nur Artikel in begrenztem Umfang bringen kann, bietet ein Sonderband genügend Platz für detailliertere Darstellungen. Im hiermit vorliegenden ersten Sonderband geht es um einen zentralen Bereich der Ursprungsforschung in der Biologie, die Paläanthropologie, was man etwas salopp mit „Urmenschenforschung“ übersetzen könnte.

Das zentrale Forschungsziel der Paläanthropologie besteht in der Rekonstruktion der vermuteten stammesgeschichtlichen Entwicklung des Menschen. Nach heutiger Evolutionsvorstellung haben Mensch und Schimpanse einen gemeinsamen großaffenähnlichen Vorfahren. Alle Arten der Gattung Homo einschließlich des heute lebenden Menschen (Homo sapiens) sowie die vermuteten ausgestorbenen Vorfahren des Menschen nach der Abspaltung vom gemeinsamen Vorfahren von Schimpanse und Mensch werden als Hominine bezeichnet.

Frühe Hominine sind ein besonderer Brennpunkt evolutionsbiologischer Forschung, geht es doch darum, den hypothetischen Übergang von affenartigen Formen zum Menschen plausibel zu machen. In diesem Band werden zu verschiedenen Aspekten der frühen Homininen neue Forschungsergebnisse vorgestellt und diskutiert.

Bei den beiden neu entdeckten Arten Australopithecus sediba und Homo naledi wird der Frage nachgegangen, wie menschenähnlich diese Wesen waren und ob sie sich plausibel in einen evolutionären Stammbaum des Menschen einordnen lassen.

Im Weiteren werden Gründe dafür aufgezeigt, warum Fossilien, die älter als der echte Mensch Homo erectus sind, nicht überzeugend zur Gattung Homo gestellt werden können. Dagegen weisen neue Forschungsergebnisse zu Hinterlassenschaften von Homo erectus und Homo heidelbergensis darauf hin, dass schon die Frühmenschen über Fähigkeiten verfügten, die denen des Homo sapiens kaum nachstanden.

Neu entdeckte sehr alte Steinwerkzeuge aus Afrika und Asien werfen die Frage nach ihren Herstellern auf. Waren es nichtmenschliche Homininen wie Australopithecus afarensis und Kenyanthropus platyops oder gar fossile Großaffen oder sind nur Menschen zur Werkzeugherstellung fähig? Zur Beantwortung dieser Frage werden die Produkte von Steinsplitterungen heute lebender nichtmenschlicher Primaten einer eingehenden Betrachtung unterzogen und die motorischen und geistigen Fähigkeiten der frühen Homininen anhand der Knochenüberreste beurteilt. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht dabei Australopithecus afarensis und die Frage, ob dieses Wesen Werkzeuge herstellen konnte.

Außerdem wird anhand des Nahrungsverhaltens diskutiert, ob die nichtmenschlichen Homininen überhaupt einen Verwendungszweck für Steinwerkzeuge in großer Zahl hatten.

Insgesamt zeigt sich, dass nach aktueller Kenntnis der neuesten Fossilfunde und Artefakte eine deutliche Grenze zwischen eindeutig menschlichen und nichtmenschlichen Homininen begründet vertreten werden kann.

75 Seiten des Bandes sind völlig neu („Wer waren die ersten Steinwerkzeughersteller?“), weitere 84 Seiten sind gegenüber Vorversionen, die bereits online oder in Studium Integrale Journal publiziert waren, auf den neuesten Stand gebracht worden. Auch alle anderen Beiträge wurden soweit erforderlich aktualisiert.

Bestellhinweis
 
Michael Brandt: Frühe Homininen. Eine Bestandsaufnahme anhand fossiler und archäologischer Zeugnisse.
SCM Hänsler Verlag, 2017, Reihe STUDIUM INTEGRALE
Paperback 297 x 210 (DIN A4), farbig, 204 Seiten, 117 Abb., 10 Tab.
 
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Beiträge zur Auslegung und Bedeutung des ersten Buches des Bibel (Neuauflage)

Dank erfreulich guter Nachfrage kann dieser Sammelband mit 19 Beiträgen von 6 Autoren knapp zwei Jahre nach der Erst­erscheinung bereits in der dritten Auflage herauskommen.

Das Buch besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil geht es in 6 Beiträgen um die Frage, warum die Evolutionslehre nicht mit dem biblischen Zeugnis versöhnt werden kann. Im zweiten Teil bietet das Buch 13 Einzelstudien zum Buch Genesis, vor allem zu dessen ersten drei Kapiteln. Insgesamt ein klares und gut begründetes Plädoyer, an der Historizität der biblischen Texte des Genesisbuches festzuhalten. Ein Abrücken davon würde den biblischen Texten nicht gerecht und hätte zudem weitreichende Folgen für unser Menschen- und Gottesbild.

Eine ausführliche Buchbesprechung wurde kürzlich von der Arbeitsgemeinschaft für evangelikale Theologie (AfeT) veröffentlicht. Der Rezensent hält das Buch für ein „für die Verteidigung der historischen Glaubwürdigkeit von Gen 1–3 unverzichtbare[s] Werk“. Siehe https://rezensionen.afet.de/?p=321

Die gut verständlich geschriebenen Texte richten sich auch an Nicht-Theologen.

Bestellhinweis
 
Reinhard Junker (Hrsg.): Genesis, Schöpfung und Evolution.
Beiträge zur Auslegung und Bedeutung des ersten Buches der Bibel
Hardcover 256 Seiten, Format 16,5 x 24
 
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Ebenfalls in neuer Auflage konnte dieses Jahr dieses Science-Fiction-Abenteuer für Kids und Teens herausgebracht werden. Das spannend geschriebene Buch des Autors Hans-Walter Euhus liefert verständliche Antworten auf Fragen zu Evolution oder Schöpfung, gedacht für ein Alter von ca. 10–13 Jahren.

Bestellhinweis
 
SCM Hänssler
121 Seiten, 15 Farbabbildungen, Hardcover
 
[bestellen] [Details] [Leseprobe] (PDF 720 KB)

 


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Das Wort und Wissen Info 4/2017 (Nr. 121; November 2017)

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