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Informationen aus der Studiengemeinschaft
WORT und WISSEN

Info 1/18 - Nr. 122/Februar 2018




in dieser Ausgabe stellen wir Ihnen die neue DVD „Revolutionär“ vor, in der es um den Biochemiker Michael Behe und sein berühmtes Buch „Darwin‘s Black Box“ geht. Die „Black Box“ ist das Innere der Zellen, das Darwin nicht kannte, mittlerweile jedoch geöffnet werden konnte. Dabei zeigte sich: Die zellulären Moleküle, Organellen und Prozesse sind weitaus komplizierter, als man je erahnen konnte.

Zu den erstaunlichen Entdeckungen gehört die Existenz sogenannter molekularer Maschinen. Eine Maschine ist aus mehreren Bauelementen aufgebaut, die sehr genau aufeinander abgestimmt sein müssen, damit die Maschine den zugedachten Zweck erfüllen kann. In jedem Haushalt stehen solche Maschinen und jeder weiß, dass sie öfter als einem lieb ist kaputt gehen und dass sie weder von alleine entstehen noch sich selber reparieren. Auch die zellulären Maschinen sind aus zahlreichen aufeinander abgestimmten Bauteilen – Proteinen – zusammengesetzt und tragen ihre Bezeichnung zu Recht: Es sind wirklich winzig kleine Maschinen im Nanometerbereich (Millionstel Millimeter). Dass hier ein Problem für Evolution liegt, die nur zukunftsblinde natürliche Prozesse als Erklärungen zulässt, liegt auf der Hand (siehe Filmbesprechung). Michael Behe entwickelte daraus das evolutionskritische Argument der nichtreduzierbaren Komplexität im biochemischen Bereich.

Der sehenswerte Film hat bei mir aber auch unerfreuliche Erinnerungen wachgerufen. Seit über zehn Jahren steht in der deutschen Wikipedia ein irreführender und in Teilen sogar sachlich falscher Text beim Stichwort „Nichtreduzierbare Komplexität“. Als Beispiel wird dort das Linsenauge der Wirbeltiere gebracht, das mehrere Kriterien der Definition von Michael Behe gar nicht erfüllt. Denn das Linsenauge ist weder ein molekulares noch ein einzelnes System, sondern aus zahlreichen Teilsystemen aufgebaut (wobei der dort präsentierte Evolutionsweg des Linsenauges völlig unrealistisch ist). Für die Argumentation von Behe sind beide Aspekte aber wesentlich. Mehrere Versuche, diesen Fehler mit entsprechenden Quellenangaben zu korrigieren, schlugen fehl, nicht aus Mangel an Belegen – diese wurden reichlich geliefert, man kann das im Diskussionsarchiv von Wikipedia nachlesen –, sondern aus purer Willkür der Administratoren. Das gute Argument gegen Evolution sollte offenbar schlecht dastehen. Das ist bedauerlich, aber von uns wohl nicht zu ändern. Dass jeder bei Wikipedia mitmachen darf, gilt in der Praxis nicht. Das ist einer von vielen Gründen, weshalb es die Aufklärungsarbeit von Wort und Wissen braucht. Dafür, dass Sie, liebe Info-Leserinnen und Leser, hier mithelfen, dankt Ihnen herzlich im Namen aller Mitarbeiter

Ihr Reinhard Junker  


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Filmbesprechung von Reinhard Junker

Der höchst erstaunliche Mininatur-Bakterienmotor schafft bei einigen Bakterien Umdrehungen von bis zu 100.000/Min und kann über eine molekulare Kupplung fast augenblicklich von vorwärts auf rückwärts umschalten. Seine Größe liegt im Nanometerbereich (Geißeldurchmesser 15 Millionstel Millimeter). (Szenenbild aus der DVD „Revolutionär“)

Im Jahr 1996 veröffentlichte der bis dahin unbekannte Professor für Biochemie Michael Behe ein Buch, das eine nachhaltige Diskussion über die Erklärungskraft von Evolutionstheorien auslösen sollte: „Darwin‘s Black Box“. Darin erläutert Behe detailliert an einer Reihe von Beispielen, was „nichtreduzierbare Komplexität“ („irreducible complexity“) ist. Darauf aufbauend erklärt er, warum die Entstehung nichtreduzierbar komplexer Systeme in den lebenden Zellen durch die vorliegenden evolutionären Hypothesen nicht gelingt. Zudem zeigen solche Systeme typische Kennzeichen von Planung, die wir nach aller unserer sonstigen Erfahrung als sichere Indizien für einen Urheber bzw. Schöpfer werten.

Es geht um sogenannte „molekulare Maschinen“ wie den Miniatur-Außenbord-Motor verschiedener Bakterienarten (etwas irreführend im Film als „Geißel“ bezeichnet, die aber nur ein Teil des Systems darstellt). Deren Funktion (hier der Vortrieb) geht verloren, wenn ein beliebiges Element fehlt oder wenn eine Wechselwirkung zwischen zwei beliebigen Elementen des Systems gestört ist. Die Funktion des Systems ist in solchen Fälle nicht etwa nur abgeschwächt, sondern fällt total aus. Man hat mittlerweile Dutzende solcher molekularer Maschinen entdeckt und beschrieben.

Behe baut auf diesem Befund ein schlagkräftiges evolutionskritisches Argument auf: Da solche zweckmäßigen Anordnungen von miteinander wechselwirkenden Teilen nicht schrittweise durch zukunftsblinde Mutationen (Kopierfehler) und streng gegenwartsbezogene Auslese entstehen können, stellt die Existenz solcher Maschinen Evolution grundlegend in Frage. Denn wie sollten erste evolutive Schritte ausgesehen haben, die einen Auslesewert in Bezug auf die Funktion des heute vorliegenden Systems gehabt haben? Solange diese Funktion nicht gegeben ist, kann im Hinblick darauf auch keine Auslese erfolgen.

Der Film „Revolutionär“ schildert, wie Michael Behe – sensibilisiert durch Michael Dentons Buch „Evolution – A Theory in Crisis“ – über die molekularen Mininaturmaschinen gleichsam stolperte und sie als grundlegendes Problem für Evolution erkannte – und was danach passierte. Es entstand das bereits erwähnte Buch „Darwin’s Black Box“, das  erwartungsgemäß heftige Kritik in der Fachwelt auslöste. Der ungerechtfertigte Versuch, Behes Argumente als „religiös“ abzuwerten, gehörte zur Kritik genauso wie eine fehlerhafte und verzerrte Darstellung seiner Argumentation. Die Auseinandersetzung fand einen Höhepunkt im sogenannten Dover-Prozess in den USA. Dabei ging es um eine Richtlinie für Schulen, die zum Inhalt hatte, dass es wissenschaftliche Kritik an Evolution gebe und die Schüler für Kritik und für alternative Erklärungen offen sein sollten. Behe war gebeten worden, bei diesem Prozess das Design-Argument wissenschaftlich zu verteidigen, und sagte zu. Der Film „Revolutionär“ schildert die näheren Umstände und beleuchtet kritisch, wie es dazu kam, dass die Befürworter des Intelligent Design diesen Prozess verloren. In der ganzen Welt wurde nach Ende dieses Prozesses die Botschaft verbreitet, dass nun auf gerichtlichem Wege geklärt worden sei, dass „Intelligent Design“ (ID) keine Wissenschaft sei. In Wirklichkeit war das Verfahren allerdings alles andere als objektiv, und es wurde auch von manchen ID-Kritikern angekreidet, dass Richter Jones weit über seine juristische Kompetenz hinausgegangen sei und dass es schwerwiegende methodische Fehler in der Urteilsbegründung gegeben habe.

Der Biochemiker Professor Michael Behe hat mit seinem Buch „Darwin‘s Black Box“ eine bis heute anhaltende Diskussion angestoßen. Darüber berichtet dieser Film.

Das Thema selbst war ohnehin ganz und gar nicht erledigt. Zum einen war Behes Argument falsch dargestellt worden, indem behauptet wurde, dass Einzelteile des Bakterienmotors doch eine Funktion hätten – doch das hatte Behe nie bestritten, sondern die Aussage war, dass die Funktion des Systems (hier also die Motorfunktion) bei Reduktion verloren geht. Zum anderen zeigten verschiedene neuere Befunde, dass evolutionstheoretische Erklärungsversuche für die Entstehung des Bakterienmotors nachhaltig scheiterten. Im Film wird das anhand des Konzepts der Kooption (Wiederverwendung von Teilen in einem neuen System) und der Entstehung neuartiger Proteinfunktionen ausgehend von schon vorhandenen Proteinen anschaulich und gut verständlich erklärt. Außerdem konnte gezeigt werden, dass unter evolutionstheoretischen Voraussetzungen eine vielfach diskutierte Vorstufe des Bakterienmotors – ein Injektions-Nadelkomplex – als Rückbildung interpretiert werden müsste. Knockout-Experimente bewiesen, dass tatsächlich auf keines der ca. 40 Motorproteine verzichtet werden kann. Und schließlich hat sich herausgestellt, dass einige Motorproteine einzigartig sind; d. h. sie sind nur als Elemente des Motors bekannt und können nicht durch Kooption und Einbau entstanden sein.

Vor diesem Hintergrund kann man Behauptungen, dass das Argument der Nichtreduzierbaren Komplexität und der Ansatz des Intelligent Design tot seien, nur als Propaganda bezeichnen, denn sie entspricht keinesfalls der wissenschaftlichen Faktenlage und dem Diskussionsstand. Besonders negativ hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die einseitigen, irreführenden und ideologischen

Ausführungen in der deutschen Wikipedia über die Person Michael Behes und über „Irreduzible Komplexität“.

Den Produzenten von „Revolutionär“ ist es gelungen, aussagekräftige und gut verständliche Sachinformationen zur Frage der Evolution des Bakterienmotors mit der Wirkungsgeschichte von Michael Behe zu verbinden. Interviewabschnitte mit ihm und der Bakterienmotor bilden einen roten Faden durch den Film. Besonders für die deutschsprachigen Zuschauer interessant ist das Schicksal des Paläontologen und renommierten Insektenkundler Günter Bechly, auf das gegen Ende des Films ebenfalls eingegangen wird. Bechly, als Atheist aufgewachsen, hatte in Sachen Evolution  nach gründlicher Lektüre von Arbeiten zu „Intelligent Design“ nach und nach eine Kehrtwende vollzogen und war zum Evolutionskritiker und Schöpfungsgläubigen geworden. Einige Zeit, nachdem er seine neu gewonnenen Überzeugungen auf seiner privaten Homepage publik gemacht hatte, musste er nach 17 Jahren seine Anstellung am Staatlichen Museum für Naturkunde aufgeben. Es ist eine besondere Pointe des Films, dass bei Bechlys Umdenkprozess der Bakterienmotor ebenfalls eine wichtige Rolle spielte. Doch sehen Sie selbst – es lohnt sich.

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REVOLUTIONÄR. Michael Behe und das Geheimnis molekularer Maschinen.
DVD, Discovery Institute, Deutsche Fassung: Dreilindenfilm Berlin, Laufzeit 56 Min.
 
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Hinweise zur Vertiefung

Den „Stein des Anstoßes“, das Buch „Darwins Black Box“ von Michael Behe, gibt es auch in deutscher Übersetzung.

Behe versteht es, die anspruchsvolle Materie auch den Lesern nahezubringen, die wenige Vorkenntnisse mitbringen. Hilfreich ist dabei die Möglichkeit, Detaildarstellungen zu überspringen, ohne den roten Faden der Argumentation zu verlieren. Daher ist das Buch einem breiten Leserkreis zugänglich. Zudem geht es nicht nur um die Beispiele aus der Biochemie (auch wenn sie den Hauptteil ausmachen), sondern auch um grundsätzliche Überlegungen zum Thema Intelligent Design, Wissenschaft, Philosophie und Religion.

Bestellhinweis
 
Michael J. Behe
Darwins Black Box - Biochemische Einwände gegen die Evolutionstheorie
Resch Verlag, 2007, 484 Seiten, Pb., zahlr. Abb.
 
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Texte auf Genesisnet zum Thema „Nichtreduzierbare Komplexität“

www.genesisnet.info/schoepfung_evolution/i1624.php. In der dort (oben rechts) verlinkten ausführlichen Version (PDF, 28 Seiten) wird auf zahlreiche Gegenargumente eingegangen.


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„Wie können menschliches Denken und Bewusstsein erklärt werden? Lassen sie sich ausschließlich auf materielle Vorgänge reduzieren? Oder ist der Mensch mehr als sein Gehirn?“ Unter dieser Fragestellung nimmt der Dokumentarfilm „Mehr als mein Gehirn – Eine Reise zum Ich“ den Zuschauer mit auf eine Reise in die faszinierende Welt des Gehirns und der Hirnforschung. Das Thema ist von großer Bedeutung, fungieren doch die Neurowissenschaften mittlerweile als Schlüsseldisziplinen zur Klärung von Fragen, die das Selbstverständnis des Menschen fundamental betreffen, z. B.: Was ist Bewusstsein, gibt es Willensfreiheit, hat der Mensch überhaupt einen Geist? Im gegenwärtigen naturalistisch geprägten Klima dominiert unter Naturwissenschaftlern und Philosophen die Ansicht, dass sich die Leistung des menschlichen Gehirns – und damit der Mensch an sich! – ausschließlich auf materielle Prozesse zurückführen lässt. Was hat der Film dem entgegenzusetzen und welche Antworten werden auf die obigen im Film aufgeworfenen Fragen gegeben?

Der im Titel geweckte Anspruch – „Mehr als mein Gehirn“ – wird grundsätzlich eingelöst. Allein die dargebotene Fülle an Einwänden gegen die materialistische Sicht, auf die hier im Einzelnen nicht näher eingegangen werden soll, macht den Film an sich schon sehenswert! Der reiche Gehalt an Fakten und Argumenten kommt dabei in einer erstaunlichen Vielfalt von Themen zum Ausdruck. Thematisiert werden u. a. das Problem der Willensfreiheit, Computer und Bewusstsein, Nahtod- und Transzendenzerfahrungen wie auch interessante Aspekte aus der Linguistik und Medizin. Dass sich menschliches Denken und Bewusstsein durch neuronale Vorgänge im Gehirn nicht erklären und darauf reduzieren lassen und dass dem naturwissenschaftlichen Zugang zu Denken und Bewusstsein prinzipielle methodische Grenzen gesetzt sind: Das sind die zwei wesentlichen und gut begründeten Schlussfolgerungen, die sich durch die einzelnen Kapitel des Films ziehen. Eine weitere Stärke betrifft die filmische Umsetzung. Die Dokumentation zeichnet sich durch leichte Verständlichkeit aus, was auch auf die vielen im Film verwendeten Beispiele und Vergleiche zurückzuführen ist.

Gegen Ende des Films werden Gott und der Glaube thematisiert („Ist Gott im Gehirn?“). Einige Ausführungen in diesem Teil sieht der Rezensent kritisch. Es geht um Transzendenzerfahrungen („Gotteserfahrungen“, z. B. bei einer Meditation) und damit verbunden um die Frage, ob Gott und ein Jenseits nur Produkte des Gehirns sind. Zu Wort kommt dabei der Philosoph J. P. Moreland. Bei Meditationen ließen sich neurowissenschaftlich erhöhte Aktivitäten in bestimmten Hirnregionen feststellen. Neurowissenschaftler könnten diese Hirnregionen stimulieren, sodass die Illusion einer Gotteserfahrung bewusst hervorgerufen werden könne. Doch eine Erfahrung an sich wie auch deren Stimulation könne nichts über die Existenz des erfahrenen Gegenstandes aussagen.

So weit so gut. Doch dann fährt der Film fort: „Kann man Gott also gar nicht auf die Spur kommen?“ Die Theologin Christina Aus der Au gibt folgende Antwort: „Spuren sind nicht einfach so vorfindlich. Spuren sind Interpretationssachen. Also, wenn ich glaube und der Überzeugung bin, Gott hat mir geholfen, Gott hat hier eingegriffen, dann kann dasselbe Ereignis aus einer Beobachterperspektive, die nicht diese zweite Personen-Perspektive unterlegt, völlig anders erklärt werden.“ Doch die Frage nach Gott und möglichen Spuren, die er hinterlässt oder hinterlassen hat, stellt sich zunächst einmal unabhängig von jeglicher persönlichen Glaubens- oder Transzendenz­erfahrung.

Im Film wird eine wichtige Schlussfolgerung nicht klar ausgesprochen, die in diesem Zusammenhang ganz entscheidend ist: Der menschliche Geist und sein Bewusstsein sind offensichtlich Teil einer transzendenten Welt! Ausgehend von dieser im Film zuvor gut begründeten Schlussfolgerung hätte sich das Thema des Films besser mit der Frage nach Gott verbinden lassen, denn es stellte sich dann auch die Frage, woher diese transzendente Realität kommt. An dieser Stelle kann der Gott der Bibel als Schöpfer ins Spiel gebracht werden – als Alternative zu materialistischen Erklärungen, die nach obiger Schlussfolgerung ja bereits von ihrem Ansatz her zum Scheitern verurteilt sind. Zudem weist das geniale Werk des menschlichen Gehirns mit seinen erstaunlichen Leistungen selbst auf eine planvolle, zielorientierte Entstehung, also auf Schöpfung hin. „Spuren Gottes“ in diesem Sinne sind dann wiederum keine bloße „Interpretationssache“. Gottes unsichtbares Wesen, seine ewige Kraft und Gottheit können durch die Werke seiner Schöpfung durch Nachdenken unentschuldbar wahrgenommen werden (vgl. Römer 1,19–20) – was bietet sich zur Illustrierung dieser Wahrheit besser an als das Wunder des menschlichen Gehirns und Geistes?

Der Herausgeber des Films, das „Institut für Glaube und Wissenschaft“, hat sich dazu entschieden, diese Fragen nicht oder nur sehr zurückhaltend zu thematisieren. Auch ausformulierte Alternativen zu materialistischen Lösungen des sog. „Leib-Seele-Problems“ werden bestenfalls angedeutet (z. B. die Sicht des „Substanz-Dualismus“). Diese Offenheit kann auch als Gewinn gesehen werden, wird doch der Zuschauer somit zum eigenen Nach- und Weiterdenken angehalten. Als Einstieg in das Thema und für Diskussionsabende ist der Film „Mehr als mein Gehirn – Eine Reise zum Ich“ zu empfehlen.

Trailer: www.youtube.com/watch?v=Ji5viVCaPRA

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Mehr als mein Gehirn Eine Reise zum Ich
DVD, Institut für Glaube und Wissenschaft
Laufzeit 55 bzw. 39 Minuten, Sprache: Deutsch, Englisch
 
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Hinweis zur Vertiefung

In der Textsammlung des Instituts für Glaube und Wissenschaft (www.iguw.de; Rubrik Philosophie) findet man eine Reihe weiterführender Texte zum Thema von Ulrich Eibach, Hans-Dieter Mutschler, Daniel von von Wachter u. a.: www.iguw.de/textsammlung/liste/philosophie.html


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Rezension von Timo Roller

Ein sehr lesenswertes Buch ist vor kurzem bei der Christlichen Verlagsgesellschaft Dillenburg erschienen. In „Haben sie wirklich gelebt?“ gehen Karl-Heinz Vanheiden und Thomas Jeising vom Bibelbund der Frage nach, ob die biblischen Geschichten des Alten Testaments historisch zu verstehen seien. Gerade an Personen wie Adam, Noah, Hiob, Mose und Jona scheiden sich die Geister und längst hat die historisch-kritische Bibelauslegung dazu geführt, dass nicht nur ein großer Teil der glaubensfernen Bevölkerung die Heilige Schrift für ein Märchenbuch hält. Auch viele Theologen und Christen – bis hinein in die evangelikale Szene – messen den ersten Kapiteln der Bibel allenfalls bildhafte Bedeutung und eine spirituelle Form von Wahrheit bei. Die Bibelkritik, so die Autoren, trage ihre Argumente oft so geballt vor, dass man sich leicht vorkommen würde, „als ob man trotzig Argumente ignoriert, die plausibel nachvollziehbar sind und überzeugend wirken“ (S. 23).

Das etwa 150 Seiten umfassende Buch schlüsselt zunächst diese Argumente gegen die Historizität der biblischen Personen in kompakter Form auf und zeigt ausführlich, warum diese Argumente zu kurz greifen. Das Fazit der Autoren um die Auseinandersetzung ist deutlich: Die Verwandlung der realen Geschichte der Bibel in rein fiktive Vorstellungen verändert auch den christlichen Glauben selbst. Christen, die keine historisch glaubwürdige Geschichte benötigen, „brauchen für ihren Glauben kein leeres Grab. Sie glauben die Idee der Auferstehung.“ (S. 68)

Es folgen innerbiblische Argumente für die Historizität der Hauptfiguren. So gibt es zahlreiche Referenzen in alttestamentlichen Büchern, die auf die bekannten Erzählungen verweisen. Keine davon lässt irgendeinen Zweifel daran aufkommen, dass sich die Geschehnisse wirklich ereignet haben.  Zum Beispiel bezeugt der Prophet Hesekiel in Kapitel 14 die Rechtschaffenheit von Noah, Hiob und Daniel (siehe S. 73). Auch im Neuen Testament gibt es solche Verweise, so werden z.B. in Hebräer 11 Noah, Mose und andere Glaubensvorbilder des Alten Testaments als eine „Wolke von Zeugen“ angeführt (siehe S. 81, 90 und 17). Was wären Zeugen wert, die nie tatsächlich existiert haben?

Besonderes Gewicht hat natürlich, dass auch Jesus Christus die Vorväter des Alten Testaments für historisch hielt. Er bezog sich direkt auf Noah und die Flut, auf Mose und seine Bücher und auf das „Zeichen des Jona“, das er als Vorausschau auf sein eigenes Schicksal interpretierte (siehe S. 95 ff). Sollte sich Jesus geirrt haben? Oder hat er diese Aussagen wider besseres Wissen dem begrenzten Horizont seiner Zeitgenossen angepasst? Es ist ziemlich anmaßend, den Autoren der Bibel und ihren damaligen Lesern und Zuhörern einen Sinn für objektive Wahrheit abzusprechen, erkennt man doch bereits in vielen Formulierungen der Chronisten, Evangelisten und Briefeschreiber, dass es ihnen sehr wohl auf die Bezeugung auch der historischen Wahrheit ankam, auf der ihr Glaube an Christus beruhte. „Die Bibel selbst lässt keinen Zweifel daran offen, wie sie verstanden werden will, denn wir lesen in ihr sowohl Geschichtserzählung als auch Reflexion über diese Erzählung“ (S. 17). Auch die Auferstehung Jesu will die Bibel geschichtlich verstanden wissen, wie 1.Korinther 15,14 beweist (siehe S. 127).

Wenn man auf S. 13 bereits liest: „Auf dem Höhepunkt der Harry-Potter-Aufregung haben sich zahlreiche Menschen so stark mit den dort geschilderten Welten identifiziert, dass für sie die Grenzen [zwischen Realität und Fiktion] verschwammen“, darf zumindest bezweifelt werden, dass die Menschen heute ein besseres Gespür für historische Wahrheiten haben als vor über 2000 Jahren.

Paulus lässt zudem keinen Zweifel daran, dass auch Adam eine historische Person war, wenn er ihn Jesus Christus direkt gegenüberstellt: „Er schreibt vom ersten Menschen Adam und vergleicht ihn mit dem letzten Adam, nämlich Christus (1Kor 15,45)“ (S. 84). Am Ende des Buches wird hierzu die heilsgeschichtliche Perspektive ausgeführt: Die Parallele von Adam zu Jesus, die Paulus wiederholt beleuchtet, beweist: „Das Rettungswerk von Jesus Christus musste sich auf ein real vorhandenes Problem beziehen, sonst wäre es überflüssig gewesen“ (S. 139). Überschrieben ist das entsprechende Kapitel mit einem Fazit, das manchen Christen in heutiger Zeit zum Nachdenken bringen sollte: „Wer die Geschichte verliert, verliert auch Christus“ (S. 123ff).

Das Buch ist hauptsächlich an Christen gerichtet, was vor allem das spannende Kapitel über außerbiblische Bezüge auf die Menschen der Bibel beweist. „Wenn wir in diesem Kapitel danach fragen, welche Argumente von außerhalb der Bibel für ihre historische Wirklichkeit sprechen, dann können und sollen sich diese Argumente den biblischen nur an die Seite stellen. Sie sind den biblischen untergeordnet, weil wir es in der Bibel mit dem Wort Gottes zu tun haben, mit Gottes Wahrheit, unfehlbar und ohne Irrtum“ (S. 100). – Weniger dogmatische Formulierungen hätten dem apologetischen Werk möglicherweise für die Wirkung gegenüber kritischen Lesern gutgetan. Die Unfehlbarkeit der Bibel nicht als Voraussetzung, sondern als persönliche Erkenntnis und Überzeugung der Autoren würde Zweifelnden den Zugang wahrscheinlich erleichtern.

Dabei ist der kurze Ausflug in die Altertumsforschung sehr erhellend: Die Bibel berichtet über Personen und deren Umfeld aus archäologischer Sicht absolut authentisch – eine Abfassung imaginärer Geschichte Jahrhunderte später hätte sicherlich zu vielen Unstimmigkeiten mit den heutigen Erkenntnissen über die beschriebenen Epochen geführt. „Die gesamte Mosegeschichte erweist sich als passend für die Zeit und Umstände des sogenannten Neuen Reiches ab ca. 1550 v.Chr., soweit wir sie heute aus außerbiblischen Quellen erschließen können.“ (S. 103) Und auch die Geschichte von Hiob zeichne sich dadurch aus, „dass sie den Leser in die Zeit der Patriarchen […] mitnimmt […] Es wäre sehr erstaunlich, wenn sie erst 1500 Jahre später einem klugen jüdischen Autor aus der Feder geflossen wäre.“ Die Daten des Jonabuchs passen „genau in die historischen Rahmendaten der Geschichte Assyriens“ (S. 106) Blicke man auf die zahlreichen rund um die Welt überlieferten Flutlegenden, »dann ist die beste und naheliegendste Erklärung dafür, dass es eine solche Flut und eine entsprechende Rettungsaktion tatsächlich einmal in alter Zeit gegeben haben muss“ (S. 111).

Die Tabelle auf S. 118 ff mit 50 Personen, die außerbiblisch belegt sind, ist offensichtlich einem Artikel aus der Biblical Archaeology Review (Ausgabe März/April 2014) entnommen, sie umfasst allerdings keine Personen, die zeitlich vor David einzuordnen sind. Außerdem beginnt sie ausgerechnet mit der Gleichsetzung des biblischen Schischak (König von Ägypten, siehe 1. Könige 11,40) mit Pharao Shoshenq I. Gerade diese Gleichsetzung kritisieren seit einigen Jahren die Vertreter einer revidierten Chronologie, die eine wichtige Grundlage ist für wichtige Übereinstimmungen von Erkenntnissen über das 2. Jahrtausend v. Chr. mit den Lebenswelten von Mose, Josef und sogar Abraham. (Dazu gibt es eine neue englischsprachige Ausarbeitung von Peter van der Veen und Peter James mit dem Titel „Solomon and Shishak“, relativ kompakt und viel leichter verständlich ausgeführt in „Von Ur bis Nazareth“, ebenfalls von Peter van der Veen. Siehe auch den Film „Hat die Bibel recht?“, der seit einiger Zeit auf Youtube zu sehen ist.)

Insgesamt ist „Haben sie wirklich gelebt?“ ein sehr bereicherndes Buch, das Christen, die ihren Glauben mit Wissen verbinden wollen, sehr weiterhelfen kann. Man bekommt gute Argumente an die Hand, mit Zweifelnden oder Skeptikern ins Gespräch zu kommen – seien sie Mitchristen oder Atheisten. Das Buch zeigt meines Erachtens eindrucksvoll, dass das historische Verständnis der Bibel das plausibelste ist.

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Karl-Heinz Vanheiden & Thomas Jeising: Haben sie wirklich gelebt? Warum biblische Personen mehr als literarische Figuren sind.
CV Dillenburg, 1. Aufl. 2017, 149 Seiten, Paperback
 
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Neuauflage mit robustem laminiertem Einband

  • Die Natur als Schöpfung wahrzunehmen und darin Strategien eines genialen Planes zu entdecken, das ist Ziel und Absicht der Autoren dieses Naturführers besonderer Art für Jung und Alt.

  • Die spannenden und informativen Schilderungen sind geschmückt mit einer Vielzahl ästhetischer und aussagekräftiger Abbildungen und Grafiken.

  • Zahlreiche Anleitungen zum Suchen, Beobachten, Ausgraben, Riechen, Schmecken animieren zu eigenen Entdeckungen.

  • Aufgrund des handlichen Formats passt das Buch in jede Jackentasche.

  • Das Buch enthält einen beschreibenden Teil mit zahlreichen praktischen Anleitungen zum Selber-Entdecken und einen erklärenden Teil, in dem die Beobachtungen aus der Sicht der biblischen Schöpfungslehre erläutert werden.

  • Themen im erklärenden Teil: Hinweise auf einen Schöpfer. Design-Signale: Anpassung oder Strategie? / Der „Salzstreuer Gottes“ und das Baukastensystem / Vielfalt statt Standardlösung.
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Reinhard Junker & Richard Wiskin
Der Natur auf der Spur im Frühlingswald.
jetzt mit robustem laminiertem Einband und Fadenheftung,
Christliche Verlagsgesellschaft, 4. Auflage, 2017, Praktisches Jackentaschenformat 11x19,
96 S., 100 exzellente Farbabbildungen und informative Graphiken, ISBN 978-3-86353-428-8
 
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Auf der letzten Hauptkonferenz referierte Prof. Dr. Edith Düsing  über das Thema „Grundtypen des Atheismus im Licht der Bibel“. Der gut verständliche und hilfreiche Vortrag liegt nun auch in schriftlicher Form vor und ist auf unserer „Artikel“-Seite verfügbar:

www.wort-und-wissen.de/artikel/a24/a24.html (PDF)

Folgende Themen werden behandelt:

  1. Der Atheismus trotzigen Aufbegehrens gegen das Leid: die Hiobsfrage, das Theodizeeproblem.
  2. Der Atheismus der Weltbilder konstruierenden Vernunft: Der Glaube an die Erklärungskraft der Naturgesetze ist in atheistischer Weltansicht beliebt, jedoch der Aberglaube der Moderne (Wittgenstein).
  3. Der Atheismus, der Gott für ein Phantasieprodukt hält (Protagoras, Feuerbach).
  4. Der Atheismus der Gleichgültigkeit: Gottvergessenheit in einer genusssüchtigen Spaßgesellschaft.
  5. Gottlosigkeit im traditionellen Sinne: sittenwidrig böse Praxis, leben, als ob es Gott nicht gäbe.

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Das Wort und Wissen Info 1/2018 (Nr. 122; Februar 2018)

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