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Informationen aus der Studiengemeinschaft
WORT und WISSEN

Info 3/18 - Nr. 124/August 2018




der diesjährige Sommer hatte für Wärmeliebhaber einiges zu bieten: wochenlang trockenes und heißes Wetter, das zum Baden oder gemütlichen Bierzeltabenden einlädt. Des einen Freud, des anderen Leid: Für Landwirte ist es ein Sommer der verbrannten Erde. Die anhaltende Trockenheit sorgt für massive Ernteausfälle, deren Schaden von Bauernverbänden auf ca. 1 Milliarde Euro beziffert wird. Da werden Rufe nach nachhaltigen Lösungen laut. Die Hoffnung, z. B. gegen lange Dürreperioden resistente Getreidesorten herstellen zu können, ruht bei vielen auf einer neuen Technologie zur genetischen Veränderung von Lebewesen: CRISPR/Cas9. Die als „Genschere“ bezeichnete Methode ermöglicht nach Aussage von Forschern eine „buchstabengenaue“ Reparatur genetischer Defekte. Diese Methode hat seit ihrer Bekanntmachung vor allem in den Massenmedien für große Euphorie gesorgt. Die Entdeckung wird schon jetzt als Revolution oder biochemischer Meilenstein gefeiert und man will den Entdeckerinnen Emanuelle Charpentier  und Jennifer Doudna am liebsten gleich den Nobelpreis zusprechen. Auf Zeit Online umschrieb eine Journalistin die durch CRISPR/Cas9 erhaltene Perspektive sogar mit den überspitzten Worten: „Mit CRISPR kann sich der Mensch die Welt von morgen selbst schaffen.“

Forschung ist wichtig; Erlösung von Leid kommt nur von Gott.

Die Meldungen hören sich gelegentlich so an, als wäre die Zeit nah, da der Mensch sich von der ihn knechtenden Schöpfungsordnung endlich selbst erlösen könnte – mithilfe von gezielten genetischen Mutationen. In einer solchen Stimmung neigen Menschen leider dazu, leise Stimmen der Kritik zu überhören. Zu schön ist der Traum von einer Welt ohne Krebs, Missbildungen bei Neugeborenen oder Mangel an Nahrungsressourcen in Zeiten anhaltender Dürre. Noch faszinierender erscheint aber der Gedanke, dass die Menschen dieses Wunder aus eigener Kraft vollbringen könnten. Doch die Ernüchterung lässt nicht lange auf dich warten. Kürzlich wurde in der wissenschaftlichen Zeitschrift Nature Biotechnology auf ernste Nebenwirkungen der neuen Wundermethode hingewiesen (Kosicki et al. 2018). Demnach schneidet die Genschere nicht nur an der gewünschten Stelle, sondern entfernt daneben große Teile der genetischen Information und bewirkt schädliche Umstrukturierungen des genetischen Materials. Skepsis ist daher durchaus berechtigt.

Als Christen und Wissenschaftler sind wir davon überzeugt, dass die Forschung für den Menschen hilfreich ist und zur Verbesserung der Lebensqualität führt. Die Erlösung aus der von Leid gekennzeichneten Welt erwarten wir aber nicht von intelligenten Menschen, sondern von Gott, der eine neue Welt schaffen wird, in der Gerechtigkeit wohnt (2. Pet 3,13)

Herzlichst, Ihr
Boris Schmidtgall


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Internet-Präsentation zur Sonderausstellung der Studiengemeinschaft Wort und Wissen im Museum für Bibelgeschichte Wuppertal

Der Ursprung der Geschichte der Hebräer liegt in Ur in Mesopotamien (Gebiet des heutigen Irak). Eine Stadt, die ihr Alter im Namen trägt. Dort begann eine lange und wichtige Reise, die die Menschheit geprägt hat.

„Zuhause und in der Fremde“ erzählt von dieser ungewöhnlichen Reise in eine neue Heimat, einer Reise mit vielen Zwischenstationen. „Zuhause und in der Fremde“ ist der Titel einer Ausstellung im Bibelmuseum Wuppertal und nun auch der neuen Internetseite www.erzväter.de der Studiengemeinschaft Wort und Wissen. „Enthüllen archäologische Spuren die Reisestationen der biblischen Erzväter?“ – dieser Frage gehen Ausstellung und Internetseite auf den Grund.

Das Modell eines über 3500 Jahre alten ägyptischen Schreiberportals wurde im Bibelmuseum in Lebensgröße nachgebildet. Möglicherweise hat Josef (Mitte) in einer solchen Amtsstube die Bitten seiner Brüder entgegengenommen.

Ur – dieser Name spricht für sich. Auf der Suche nach dem in der Bibel erwähnten Ur in Chaldäa entdeckte man die wahrhaft ur-alte Kultur Mesopotamiens, deren Wurzeln zurückreichen zu den Anfängen der menschlichen Zivilisation. Das Ur, das die meisten heute mit der Heimat Abrahams und seines Vaters Terach gleichsetzen, liegt etwa 120 Kilometer westlich der Mündung des Euphrat und des Tigris in den Zusammenfluss Schatt al-Arab, der bei Basra in den Persischen Golf mündet.

Bei der Einweihung der Sonderausstellung im November 2015 mit Peter van der Veen
Einzelfunde aus der Zeit der Erzväter in der Ausstellung. Näheres: www.erzväter.de.

Dort fanden Archäologen vor über 150 Jahren eine gut erhaltene Zikkurat, einen Stufenturm, wie er einst auch in Babylon stand. Sechs Winterhalbjahre lang wurde gegraben: Man fand einen reichen Schatz an Keilschrifttäfelchen, Tempel, Königsgräber, aber auch Privathäuser. Es wurde klar: Abraham stammte aus einer hochentwickelten und städtischen Zivilisation und kannte nicht nur ein Nomadenleben in der Wüste.

Heute gehen die meisten Gelehrten davon aus, dass mit dem Ur Abrahams diese südmesopotamische Stadt am Unterlauf des Euphrat gemeint ist. Es gibt aber auch ein nördliches »Ur«, das heutige Sanliurfa in der Nähe von Haran. Es liegt in der Nähe anderer Ortschaften, die mit den Namen von biblischen Erzvätern wie Serug, Nahor und Tarah in Verbindung gebracht werden.

Abraham machte sich über Haran auf ins verheißene Land Kanaan. Die Ausstellung in Wuppertal und jetzt die Internet-Präsentation zeichnen den Weg mit Karten, Bildern, Funden und Animationen nach. Wo waren Sodom und Gomorra? Was erzählen archäologische Funde über den Alltag in Kanaan?

Außerdem widmet sich das Erzväter-Projekt Ägypten, genauer gesagt, dem Nildelta. Dorthin kam Josef, es gibt vielfältige Spuren hebräischen Lebens in der Stadt Avaris zu entdecken. Die Nachbildungen einer Grabanlage und eines vorderasiatischen Wohnhauses sind die Hingucker im Wuppertaler Museum. Auch ein prunkvolles Schreiberportal ist zu bestaunen. In einem solchen könnte Josef gesessen haben, als er die Bitten seiner Brüder entgegennahm. Ausführlich erklären die Medieninstallation in der Ausstellung und nun auch unser Onlineangebot alle Ausstellungsstücke und Zusammenhänge.

Eine wichtige Grundlage, wie die biblische Überlieferung mit der Archäologie in Einklang zu bringen ist, bietet die „revidierte Chronologie“ Ägyptens und des Heiligen Landes. Sie führte zum Ergebnis, dass Funde, die eigentlich ganz anderen Epochen zugeordnet wurden, nun sehr gut in die biblische Situation passen.

Unsere Filmproduktion „Hat die Bibel recht?“ mit Peter van der Veen ist in voller Länge in das Erzväter-Projekt eingebunden und erklärt leicht verständlich diese wichtige Entdeckung.

Ob Sie die Seite als Vorbereitung für einen Museumsbesuch nutzen oder zum Vertiefen hinterher – oder ob Sie von Wuppertal zu weit weg wohnen und nun die Ausstellung online erleben können: Wir laden Sie herzlich ein, in die Welt der Erzväter einzutauchen.

Timo Roller        

 

 

 

 


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Rezension von Reinhard Junker

Keller, Timothy. Adam, Eva und die Evolution. Wie Bibel und Wissenschaft zusammenpassen. Gießen: Brunnen 2018. Taschenbuch, 48 S., 4,99 Euro.

Das schmale Büchlein behandelt das spannende und spannungsreiche Thema aus der Perspektive eines Pastors einer amerikanischen Großstadtgemeinde (so Christoph Raedel im Vorwort). Keller sieht vier Hauptschwierigkeiten im Zusammenhang mit Evolution für Christen: die Autorität der Bibel, unsaubere Grenzziehung zwischen Biologie und Philosophie, die Frage nach der Historizität von Adam und Eva als erstes Menschenpaar und das Problem des Bösen und der Gewalt. In vielen Gesprächen hat der Autor die Beobachtung gemacht, dass Christen vor allem in den ersten drei Feldern Probleme haben. Ihnen möchte er pastorale Antworten und Leitlinien auf einem allgemein verständlichen Niveau geben. In einem Satz gesagt ist Kellers Antwort: Man kann Evolution als Naturprozess (nicht als Weltanschauung) akzeptieren und zugleich an Adam und Eva als erstem Menschenpaar und einem historischen Sündenfall festhalten.

Beim ersten Themenfeld geht es um die Autorität der Bibel: Wenn man Gen 1 nicht wörtlich nimmt, warum solle man andere Teile der Bibel wörtlich nehmen? Keller antwortet mit dem korrekten Hinweis, dass man von einer Stelle nicht auf andere schließen könne, sondern die jeweilige Aussageabsicht beachten müsse. Gen 1 hält er zwar nicht für Poesie, sondern im Anschluss an C. John Collins für eine „erhabene Prosaerzählung“; dennoch sieht er textliche Gründe für ein nicht-wörtliches Verständnis, vor allem die unterschiedliche Reihenfolge der Schöpfungswerke in Gen 1 und Gen 2. Doch diese Diskrepanzen sind auflösbar, wie anderer Stelle gezeigt wurde.1 Keller hält die Abfolge in Gen 1 für unnatürlich, während sie in Gen 2 stimmig („natürlich“) sei. So sei es unnatürlich, dass es am 3. Tag noch keine Atmosphäre gegeben habe, da erst am 4. Tag die Sonne geschaffen worden sei. Weshalb aber sollte die Atmosphäre nicht vor der Sonne geschaffen worden sein? Und eine Erschaffung des Menschen in eine vegetationslose Welt (wie Keller Gen 2,4ff. versteht) würde doch gerade nicht einer „natürlichen Abfolge“ entsprechen. Der Schluss von Keller, das Gen 1 nicht lehre, dass Gott die Welt in sechs Tagen mit 24 Stunden schuf, erscheint vor diesem Hintergrund auf schwachen Füßen zu stehen.

Das zweite Themenfeld behandelt den Unterschied von Evolution als biologischem Prozess  und Evolution als Weltanschauung. Keller wendet sich gegen die Auffassung, dass, wer Evolution als biologischen Prozess akzeptiere, auch an Evolution als Gesamttheorie aller Dinge glauben müsse (S. 24).2 Es komme darauf an, gegen Letztere gemeinsam Front zu machen. In Kellers Ausführungen bleibt allerdings unklar, worin dieser Unterschied besteht. Was erklärt „Evolution als biologischer Prozess“ nicht und was tut Gott als Schöpfer in der Evolution? Ohne Antwort auf diese Fragen bleibt hier nur ein unbefriedigender Formelkompromiss.

Der dritte Themenkomplex betrifft die Historizität von Adam und Eva und des Sündenfalls. So erfreulich es ist, dass Keller auf die Historizität Wert legt und dafür einige hilfreiche Argumente präsentiert (S. 29ff.), so problematisch ist der Versuch, dies mit einem evolutiven Werdegang des Menschen zu verbinden, den Keller unter Verweis auf Derek Kidner vorstellt (S. 37ff.). Das vorgestellte Modell hat den Preis, dass zwischen biologischen Menschen und geistlichen Menschen unterschieden werden muss, obwohl diese äußerlich nicht unterscheidbar sind (diese Begriffe werden nicht verwendet, aber in der Sache wird diese Unterscheidung getroffen).3 Es ist unrealistisch, dass beide Menschengruppen getrennt blieben, so dass die Folgen der Sünde nur die geistlichen Menschen betraf. Also muss man in höchst spekulativer Weise annehmen, dass Adam eine Art Stellvertreterfunktion hatte und  den natürlichen Menschen das geistliche Menschsein nachträglich ebenfalls verliehen und ihnen ebenso auch die Sünde der geistlichen Menschen zugerechnet wurde. Was ist dann aber der Unterschied zu Adam, da auch diesem das geistliche Menschsein in einer bestimmten Phase der Evolution verliehen wurde? Zudem wird aus Gen 1,26 deutlich, dass die Erschaffung des Menschen einen Neuansatz darstellt („Lasst uns Menschen machen!“), der schwerlich mit einem kontinuierlichen evolutionären Prozess vereinbar ist. Und in Gen 2 wird gesagt, dass für Adam unter den Tieren keine Hilfe gefunden wurde – hätte er nicht unter den nach diesem Modell vorhandenen biologischen Menschen fündig werden können? Der Tod als Sündenfolge kann in einem solchen „kreativen“ Modell (wie Keller Kidners Vorschlag charakterisiert) nur „geistlich“ gemeint sein (S. 40), was aber weder dem hebräischen Begriff (mwt) für Tod noch den Ausführungen von Paulus in Röm 5,12ff. entspricht.4

In diesem Zusammenhang erscheint der Vergleich mit dem „Töpfern“ des individuellen Menschen durch Gott nach Hiob 10, 8-9 und der Erschaffung des ersten Menschen nach Gen 2,7 irreführend, wenn dazu die Frage gestellt wird, warum dieselbe Terminologie in Gen 2,7 nicht ebenfalls einen natürlichen evolutionären Prozess beschreiben kann (S. 37). Denn die Individualentwicklung des Menschen ist von einer natürlichen Evolution in wesentlichen Punkten sehr verschieden und kein „evolutionärer Prozess“ im Sinne moderner Evolutionstheorien.

Es ist zu begrüßen, dass sich Timothy Keller der Thematik um Schöpfung und Evolution stellt. In einer knappen Darstellung ist eine gründliche Auseinandersetzung natürlich nicht möglich; es kann nur ein Überblick über die wichtigsten Problempunkte und Argumente gegeben werden. Was die Problempunkte betrifft, ist das in diesem Büchlein m. E. gut gelungen. Die Argumentation erscheint mir jedoch aus den genannten Gründen zu einseitig und die Lösungsansätze zu vage. Außerdem bleiben viele wichtige theologische Fragen unberücksichtigt.

Anmerkungen
 
1 R. Junker und W. Hilbrands: „Genesis 1 und 2: Zwei sich ergänzende Schilderungen vom Anfang“, in: R. Junker (Hg.) Genesis, Schöpfung und Evolution. Holzgerlingen, 3. Aufl., S. 195-198. (vgl. ähnlich: www.wort-und-wissen.de/flyer/f04/f04.pdf)
 
2 Keller geht auf die dritte wichtige Bedeutungsebene von Evolution als Paradigma (Leitidee) der Forschung nicht ein: Evolution als konzeptionelle Vorgabe lässt nur evolutionäre Erklärungen zu; vgl. Ullrich H (2010) Evolution und Evolutionstheorien. Stud. Integr. J. 17, 76–87; online: www.si-journal.de/jg17/heft2/sij172-3.html
 
3 „Nichts zwingt uns anzunehmen, dass das Wesen, in das Gott das menschliche Leben einhauchte, nicht von einer Spezies war, die in jeder Hinsicht vorbereitet war auf das Menschsein …“ (S. 37; Zitat von D. Kidner).
 
4 Vgl. R. Junker: „Theistische Evolution nach Denis Alexander und BioLogos“, in: R. Junker (Hg.) Genesis, Schöpfung und Evolution. Holzgerlingen, 3. Aufl., S. 15-41; bes. S. 30f. Ein nahezu identischer Beitrag ist online unter www.wort-und-wissen.de/artikel/a12/a12.pdf verfügbar. Aus der Annahme, es sei nur der „geistliche Tod“ gemeint, folgen weitere Unstimmigkeiten, die in „Genesis, Schöpfung und Evolution“ und im genannten Internetartikel diskutiert werden.

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Im Jahrbuch für Evangelikale Theologie ist ein Artikel von Markus Widenmeyer zum Thema Gottesbeweise veröffentlicht worden. Das Fazit lautet:

„Gottesbeweise können zeigen, dass die Existenz Gottes nicht sinnvoll bezweifelt werden kann, dass wenigstens die These der Existenz Gottes plausibler ist als ihr Gegenteil, oder ferner, dass es lebenspraktisch vernünftiger ist, an Gott zu glauben, als es nicht zu tun. Einige populäre Pauschalargumente gegen die prinzipielle Beweisbarkeit  der Existenz Gottes werden zurückgewiesen.

Es werden drei unabhängige Argumente für die Existenz Gottes vorgestellt:

  1. Das Argument aus der Struktur des Universums, die hochspezifisch für körperliches Leben maßgeschneidert ist.
  2. Das Argument aus der Existenz des Geistigen in der Welt, welches  auf  einer materiellen Basis nicht erklärt werden kann.
  3. Das Argument aus unserer Wahrnehmung einer objektiven moralischen Realität, welche ohne die Existenz einer absoluten Person nicht gedacht werden kann.“

Der 30-seitige Artikel ist frei verfügbar und kann hier heruntergeladen werden: www.afet.de/download/2016/WidenmeyerJETh2016Endfassung.pdf


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Ein Überblick über verhaltensbiologische Unterschiede zwischen Affen und Menschen

B. Scholl hat einen ausführlichen, mit eigenen Fotos bebilderten Artikel zum Thema Verhalten von Menschenaffen im Vergleich zum Menschen verfasst. Wir haben diesen lesenswerten Artikel auf unserer Homepage veröffentlicht (s. u.). Nachfolgend drucken wir die Zusammenfassung ab.

Wer die Großen Menschenaffen betrachtet, wird schnell zu dem Schluss kommen, dass sie große Ähnlichkeit mit dem modernen Menschen besitzen. Dies ist zweifelsohne in morphologischer, genetischer, neuronaler und auch verhaltensbiologischer Hinsicht so. Doch werden die Unterschiede zwischen Mensch und Affe insbesondere im Verhalten seltener publiziert. Dabei sind diese in so vielfältiger Art und Weise vorhanden, dass evolutionstheoretisch eine große Lücke im Bereich der vererbbaren und erlernbaren Verhaltensweisen zwischen den Menschenaffen und dem Menschen klafft. Dies wird durch aktuelle naturwissenschaftliche Studien bestätigt, die unter anderem vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig durchgeführt wurden. Die Forschungen beschäftigen sich mit besonderen Fähigkeiten von Menschenaffen (z.B. das Erlernen von 500 Symbolen beim Bonobo Kanzi oder die Herstellung von rudimentären Steinwerkzeugen).

Dennoch sind auch andere Spezies, die in keiner engen evolutionären Verbindung mit dem Menschen stehen, zu ähnlichen Leistungen fähig (z.B. Steinehämmern bei Kapuzineraffen, Gestik-Verhalten bei Kolkraben oder Lernfähigkeit des Border Collies Chaser mit über 1000 Vokabeln). Vergleicht man jedoch die gesamten Ergebnisse der Verhaltensforscher, ergeben sich viele einzigartige Merkmale des Menschen: Der Mensch weist demnach deutliche Überlegenheit in den Bereichen der sozialen Intelligenz, der selbstlosen Kooperation, der Empathie, der Zusammenarbeit mit Fremden, im Nachahmen, in der kumulativen Kultur, der Reflexion von Vergangenheit und Gegenwart, der langfristigen Planung und nicht zuletzt in einer komplex grammatikalischen Sprache auf. Diese Fülle spezifisch menschlicher Fähigkeiten reicht aus, um die Einzigartigkeit des Menschen im Vergleich zum Tierreich zu begründen. Damit gilt exklusiv für den Menschen, was der Anthropologe Ian Tattersall schrieb: „Wir können über unser Verhalten entscheiden – was natürlich auch bedeutet: Wir tragen dafür Verantwortung.“

Der Artikel umfasst 30 Seiten und kann hier kostenlos als PDF (2,3 MB) heruntergeladen werden: www.wort-und-wissen.de/artikel/sp/b-18-1_affe-mensch.pdf


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Die Diskussion über die Entstehung der Vogelfeder macht beispielhaft deutlich, dass bei Ausschluss der Erklärung durch Schöpfung nur untaugliche Alternativen übrig bleiben. (Bild: MichaelMaggs, CC BY-SA 2.5)

Alle vier Jahre findet – wie dieses Jahr – eine Fußball-Weltmeisterschaft statt. Stellen Sie sich einmal vor, einer der Favoriten würde aus formalen Gründen vom Turnier ausgeschlossen werden, obwohl das betreffende Team sich auf überzeugende Weise sportlich qualifiziert hat. Das könnte bedeuten, dass möglicherweise das beste Team gar nicht siegen könnte, nicht wegen eines schwachen Auftritts, sondern weil es gar nicht zum Wettstreit zugelassen worden wäre. Unter den restlichen Teams würde zwar immer noch um den Titel gekämpft werden, aber ob das beste Team siegen würde, wäre reichlich ungewiss.

Oder stellen Sie sich einen Kriminalkommissar vor, der einen Todesfall aufklären soll. War es Mord, war es ein Unfall oder ist der Tod auf natürliche Weise eingetreten? Nun sagt dieser Kommissar, obwohl es deutliche Indizien für einen Mord gibt: „Mord war es auf keinen Fall, denn dazu müsste man ja einen Akteur annehmen, der planvoll vorgegangen ist. Diese Möglichkeit muss aber ausgeschlossen werden, weil man sich methodisch auf natürliche Ursachen für das Eintreten des Todes beschränken muss.“ Vielleicht gelingt es dem Kommissar, mit viel Phantasie, ein Szenario zu entwickeln, das den Eintritt des Todes auch ohne die Tat eines Mörders ansatzweise plausibel macht. Vielleicht ist er sogar in der Lage, mehrere solcher Szenarien zu entwickeln. Sie mögen zwar alle nicht überzeugend sein, aber er entscheidet sich schließlich für dasjenige Szenario, das insgesamt die wenigsten Ungereimtheiten beinhaltet. Irgendwie muss der Todesfall ja auf natürliche Weise eingetreten sein, denn schließlich gibt es eine Leiche! Auch wenn die Erklärungen mit vielen Problemen behaftet sein mögen – man könne doch immer darauf setzen, dass weitere Indizien überzeugende Erklärungen durch rein natürliche Umstände ermöglichen werden. Klar, einen solchen Kommissar gibt es nicht, dann selbstverständlich wird der Möglichkeit, dass es sich um einen Mord handelt, nachgegangen, sobald es Verdachtsmomente in diese Richtung gibt. Und dann muss der Kommissar relevante Indizien suchen und abwägen, zu welchem Szenario die vorliegenden Indizien am besten passen.

Beide „Geschichten“ klingen reichlich abwegig, und doch ist die Situation in der wissenschaftlichen Erforschung von Ursprungsfragen in den Naturwissenschaftsdisziplinen in einem wesentlichen Punkt beiden Fällen vergleichbar. Denn ein aussichtsreicher Konkurrent bzw. eine aussichtsreiche Antwortmöglichkeit wird aus formalen Gründen ausgeschlossen – nicht, weil sie unqualifiziert wäre, und auch nicht, weil es keinen Anlass für sie gäbe, sondern weil sie den weithin akzeptierten weltanschaulichen Rahmen verlässt. Die Rede ist von „Schöpfung“. In einer der letzten Ausgaben von Studium Integrale Journal wurden Details der Vogelfeder vorgestellt und gezeigt, wie viele Abstimmungen und Synorganisation für den Vogelflug erforderlich sind. Grund genug, zur Entstehung des Vogelflugs bei der Abwägung der vorliegenden Indizien die Möglichkeit einer Schöpfung ins Kalkül zu ziehen. Das aber wird in der Evolutionsforschung nicht gemacht, sondern es werden nur Hypothesen einer natürlich-evolutiven Entstehung als Konkurrenten zugelassen. Die Frage, ob die Indizien am besten durch Schöpfung erklärt werden können, wird gar nicht gestellt.

Oft heißt es auch, bessere als evolutionäre Erklärungen habe man nun einmal nicht. Auch eine solche Aussage ist nur vor dem Hintergrund zu verstehen, dass aus weltanschaulichen Gründen das planvolle Wirken eines Schöpfers als Erklärung de facto ausgeschlossen wird.

Wenn Wissenschaftler und Wissenschaftsmedien es so klar sagen würden, dass sie diese Erklärung ohne zwingende Gründe ausschließen, könnte man damit leben. Bei Wort und Wissen sind wir in der Frage nach einem Schöpfer in einem gewissen Sinne auch festgelegt: Wir glauben dem, was die Heilige Schrift sagt, und versuchen die Welt auf dieser Basis zu verstehen. Wir räumen anderen aber ein, es anders zu versuchen, und setzen uns ernsthaft mit ihren Erklärungsversuchen auseinander. Nur sollten sie nicht sagen, es seien wissenschaftliche Gründe, dass der Schöpfer ausgeschlossen wird. In Wirklichkeit ist es das Ergebnis einer Entscheidung, die mit guten Gründen auch anders getroffen werden könnte.

Reinhard Junker


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Von zahlreichen Vorträgen, die auf W+W-Hauptkonferenzen, Regionaltagen und Schülertagen  gehalten wurden, sind als Videos auf 3 DVDs erhältlich. Die Videos wurden von Joachim Gütter aufgezeichnet und er bietet sie in seinem Shop www.dasistgutso.com an. Ein Doppelpack (2 DVDs mit vier Vorträgen als Videos) kostet jeweils 19,90 €. Schauen Sie mal unter www.dasistgutso.com rein; dort finden Sie rechts eine Liste von Veranstaltungen, von denen Videos ausgezeichnet wurden.

Hauptkonferenz-Vorträge auf Audio-CDs. Von den Vorträgen der letzten und vieler vergangener Hauptkonferenzen und einiger anderer Veranstaltungen gibt es darüber hinaus Tonaufnahmen (ohne Bild). Einen Überblick und Bestellmöglichkeit finden Sie hier: www.wort-und-wissen.de/medienstelle/vortraege.php

Eine Fundgrube mit vielen interessanten Themen. Kosten je Vortrags-CD: 3,50 €


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Vom Salzwasser- zum Süßwasserfisch?

In Nordamerika heimische Stahlkopfforellen (Bild) leben normalerweise sowohl in Süßwasser als auch zeitweise in Salzwasser und können ihre Osmoregulation entsprechend umschalten. Eine Population hat sich binnen 100 Jahren auf das Leben ausschließlich im Süßwasser spezialisiert. Die damit einhergehenden Änderungen des Erbguts erfolgten in kurzer Zeit, was nur auf der Basis einer ursprünglich großen Variationsbreite möglich war.

Die Fähigkeit von manchen (vielen?) Fischen, von Süßwasser- auf Salzwasserbedin­gungen „umschalten“ zu können, könnte auch bei den umwälzenden Vorgängen während der Sintflut bedeutsam gewesen sein.

Mehr darüber hier: www.genesisnet.info/schoepfung_evolution/n260.php


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Das evolutionskritische Magazin - Themen Heft 1 / 2018

  • M. Kotulla: Rasche Entstehung der Wutachschlucht?
  • N. Crompton: Paradiesvögel. 2. Präexistente genetische Programme und die Rolle der sexuellen Selektion
  • R. Junker: Vogelfedern und Vogelflug. 4. Modelle zur Entstehung des Vogelflugs
  • H. Ullrich: Wie die Schlangen ihre Beine verloren
  • R. Junker: Die ältesten Bäume waren die komplexesten
  • H.-B. Braun: Gretchenfrage der Evolution: Sind Ähnlichkeiten homolog oder konvergent?
  • H. Binder: Darwins „kleiner warmer Tümpel“ und die Entstehung von RNA-Molekülen
  • R. Junker: Serikornis – Dinosaurier mit halbfertigen Federn?
  • M. Brandt: Merkmalsnetz statt Stammbaum beim Grundtyp Mensch
  • D. Vedder: Schnelle parallele Anpassung nach Inselbildung

Streiflichter: Der ganz normale Hahnenfuß mit viel Liebe zum Detail • Blüten-Halo zur Anlockung von Bestäubern vielfach konvergent • Schnelle Mikroevolution im Garten • Fossiles Pflegemittel für Vogelgefieder • Der „erste“ Archaeopteryx war gar keiner • Komplexaugen: Komplex von Anfang an • Asymmetrien des menschlichen Gehirns finden sich nicht beim Schimpansen • Winzige Pfauenspinne kann mikroskopische Regenbogen erzeugen • Woher kommt das Wasser auf der Erde? • Gottesanbeterinnen  können auch 3D sehen – aber anders

Jahresabo (2 Ausgaben; je 56–64 S.): 15,– € (außerhalb D: 17,–) / SFr 23,– (Studenten/Schüler: 10,– €; außerh. D: 12,– / SFr 15,–); Einzelheft: 8,50 €; älteres Kennenlernexem-plar € 4,– € / SFr 6,– (jeweils inkl. Versandkosten; Bestellung mit beiliegendem Coupon)

Aktuelle Leserstimme: „Wiedermal eine gelungene Ausgabe, heutzutage ist es selten, dass eine Zeitschrift so inhaltsreich ist.“ (Zur Ausgabe 1/2017)


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Das Wort und Wissen Info 3/2018 (Nr. 124; August 2018)

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