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Informationen aus der Studiengemeinschaft
WORT und WISSEN

Info 4/18 - Nr. 125/November 2018




kaum einer Tugend wird in der postmodernen westlichen Zivilisation ein so hoher Stellenwert verliehen wie der Toleranz. Medien, Bildungsinstitute oder wissenschaftliche Einrichtungen attestieren sich selbst gern Werte wie Meinungsfreiheit oder Freiheit der Forschung. Es dürfte jedoch kaum jemandem entgangen sein, dass die Schöpfungslehre in der akademischen Welt keinerlei Toleranz erfährt. Ganz gleich, wie gut die Argumente für einen intelligenten Schöpfer sein mögen, sie sind von vornherein disqualifiziert, weil nicht naturalistisch. Diese Sichtweise gehört an Universitäten zum guten Ton und wird häufig damit begründet, dass die Schöpfungslehre ohnehin widerlegt sei. Interessanterweise wurde dem „Kreationismus“ und seinen Verfechtern gerade in den vergangenen zwei Jahrzehnen eine nie dagewesene  Aufmerksamkeit geschenkt. In wissenschaftlichen Zeitschriften gab es zuletzt eine deutliche Zunahme an Artikeln, die über Kreationisten und ihre Ansichten berichten. Eine Suche nach Artikeln im wissenschaftlichen Springer-Verlag unter dem Begriff „creationist movement“ ergab 143 Treffer für die Zeit zwischen 1970 und 1990, während für die Zeit zwischen 1990 und 2018 etwa tausend Suchergebnisse resultieren, davon allein knapp 700 für die Zeit zwischen 2010 und 2018. Doch es bleibt nicht allein bei einer zahlenmäßigen Zunahme an Stimmen gegen die Schöpfungslehre – der Ton wird rauer. In einem Artikel mit dem Titel „Den schwarzen Ritter vernichten“  wird gleich zu Beginn die Frage gestellt, „warum in der akademischen Welt und insbesondere im Bereich der Philosophie nicht mehr unternommen wird, um die kreationistische Bedrohung zu bekämpfen“ (Smith, Synthese 2011).

Warum erfährt die schöpfungslehre in der akademischen Welt keinerlei Toleranz?

Letztes Jahr wurde in einem Science-Artikel (Machado-Silva 2017) mit dem Titel „Intelligentes Design gefährdet Bildung“  behauptet, Befürworter des Kreationismus oder ID würden die wissenschaftliche Lehre auf der ganzen Welt unterminieren. Diese wenigen Beispiele stehen exemplarisch dafür, dass eine sachliche und faire Debatte, die die Überzeugungskraft guter Argumente würdigt, vonseiten der Naturalisten gar nicht gewollt ist. Ein möglicher Grund hierfür ist die Zunahme an Befunden (besonders in der Biochemie), die sich nicht gut in eine Deutung der Natur im Sinne der Evolutionstheorie fügen, sondern vielmehr die Schöpfungslehre bestätigen (vgl. meinen Diskussionsbeitrag zu dieser Thematik).

Wir, die Studiengemeinschaft Wort und Wissen, sind jedoch überzeugt, dass wissenschaftliche Arbeit, die auf der Tugend der Wahrheitsliebe (2. Thess. 2,10) gegründet ist, die bessere Perspektive hat, auch wenn man damit zunächst nicht unbedingt Mehrheiten gewinnen kann.

Es grüßt Sie herzlich Ihr
Boris Schmidtgall


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Der gegenwärtige Stand des Konflikts zwischen Schöpfung und Evolution

Von Reinhard Junker

Streitet heute noch jemand über Schöpfung und Evolution? Keine Frage: In der akademischen Welt, in staatlichen Ausbildungsstätten und in den einflussreichen Medien ist die Evolutionsanschauung unangefochten und alternativlos. Das gilt auch schon lange für die Großkirchen und zunehmend auch für viele Freikirchen. Wer sich heute noch für den biblischen Schöpfungsglauben, für die Schöpfung aus dem Nichts durch Gottes Wort oder gar für die textgemäße Sechs-Tage-Schöpfung stark macht, scheint auf verlorenem Posten zu stehen.

Pusteblume: Bisher unbekanntes aerodynamisches Konzept

Die Pusteblume – eines von ungezählten Beispielen aus der aktuellen Forschung, für die gilt: Je mehr man erforscht, desto erstaunlicher erweist sich die Schöpfung. Die Schirmchen können Jung und Alt begeistern, aber kaum jemand beachtet die filigranen Details an den kleinen Fliegern. Einige Wissenschaftler haben das getan und erstaun­liche Details entdeckt. „Die feinen Haarstrukturen der raffinierten Konstruktion erzeugen ... über der fallschirmartigen Struktur einen Wirbelring. Er verschafft den Puste­blumen-Schirmchen Auftrieb und stabilisiert sie im Luftstrom ... Es handelt sich dabei um ein bisher unbekanntes aerodynamisches Konzept der Natur, in dem Potenzial für die Entwicklung von technischen Systemen steckt, sagen die Forscher.“
(https://www.wissenschaft.de/astronomie-physik/aerodynamisches-geheimnis-gelueftet)

Oder vielleicht doch nicht? Auch nach dem Ausklingen des Medienhypes nach dem Darwin-Jahr 2009 gelangt das Thema „Evolution“ immer wieder auf die Tagesordnung in der Öffentlichkeit und es wird überraschenderweise vor einem angeblich wachsenden Einfluss der Kreationisten gewarnt. Nichts Geringeres als das Fundament unserer Gesellschaft sei dadurch bedroht.1 Die Hüter der evolutionären Wahrheit sind offenbar allein durch die Tatsache alarmiert, dass es eine kleine Minderheit in der Gesellschaft gibt, die Kritik an Evolution öffentlich äußert. Da macht es manchem Sorge, dass sogar einige Prozent der Biologiestudenten Evolution nicht akzeptieren und an einen Schöpfer glauben.

Wie kann man diese paradoxe Situation – wo doch die Evolutionsanschauung in den Lehrplänen und Studienplänen unangefochten ist – verstehen? Offenbar ist die Evolutionslehre nicht nur ein Bündel naturwissenschaftlicher Theorien, sondern hat auch eine gleichsam religiöse Dimension: Ein bedingungsloses Bekenntnis zu einer evolutionären Weltsicht wird gefordert; Widerspruch wird nicht geduldet und als wissenschafts- oder gar gesellschaftsfeindlich gebrandmarkt. Manch ein Biologiestudent musste schon von seinem Professor hören, dass er das falsche Studienfach gewählt habe, wenn er Evolution nicht akzeptiere. Wäre dagegen die Begründung für Evolution eine gewöhnliche wissenschaftliche Theorie, müsste auch begründete Kritik – auch an den grundlegenden Aussagen – erlaubt und sogar gewünscht sein, denn Kritik ist eines der Kennzeichen von Wissenschaft. Aber Evolution als Paradigma für den Zugang zur Naturgeschichte ist grundsätzlich mehr als Wissenschaft, genauso wie Schöpfung. Hier stehen sich zwei fundamental verschiedene Weltsichten gegenüber, von denen in Wissenschaft und Bildung aktuell nur eine zum Rennen zugelassen wird.

Diese Situation der unbedingten Festlegung auf Evolution steht in merkwürdigem Kontrast zu einer wachsenden Anzahl von wissenschaftlichen Befunden, die nicht den Vorhersagen des Evolutionsparadigmas entsprechen. Die Frage nach den Mechanismen der Makroevolution (Entstehung konstruktiver Neuheiten mit neuartigen Funktionen) ist offener denn je – das wird von vielen Evolutionsbiologen ausdrücklich festgestellt. Sie verlassen deswegen das Evolutionsparadigma zwar nicht (s.o.), aber es gäbe guten Grund, genau das zu tun und stattdessen auch einen Ansatz zu verfolgen, der von geschaffenen und mit Variationsmöglichkeiten programmierten Grundtypen ausgeht. Der Fortschritt der Forschung offenbart zunehmend, dass die Informations- und Regulationssysteme in den Zellen, Organen und den ganzen Organismen uferlos viel komplexer, ausgeklügelter und verschachtelter sind, als man noch vor wenigen Jahrzehnten ahnen konnte (siehe nebenstehendes Beispiel). Durch den Fortschritt der Forschung verschwinden auch zunehmend die Beispiele angeblicher Konstruktionsfehler, die einem Schöpfer nicht unterlaufen würden und auf Flickschusterei der Evolution zurückgehen sollen – so zum Beispiel geschehen bei der sogenannten „junk-DNA“ („Erbgut-Abfall“), die sich mittlerweile als wichtiger Teil regulatorischer Elemente entpuppt hat. Der vormalige vermeintliche evolutionäre „Abfall“ war zuvor einfach noch unverstanden gewesen.

Weil die Lebewesen von Gott mit „Kraft, Weisheit und Einsicht“ geschaffen sind (Jer. 10,12), kann man intelligente Einrichtungen bei den Lebewesen erwarten. Das war für viele Forscher in der Vergangenheit eine starke Motivation und ist es bis heute, auch wenn viele Wissenschaftler sich dessen gar nicht bewusst sind.

Aktuelle Forschungsergebnisse liefern also guten Grund, offensiv den biblischen Schöpfungsglauben auch in der wissenschaftlichen Diskussion zur Sprache zu bringen. Lassen Sie sich nicht von den Mehrheitsverhältnissen verunsichern! Beispiele aus der Schöpfung bieten viele Möglichkeiten, den heute gängigen Glauben an die Selbsterschaffung der Natur in Frage zu stellen. Die Spuren des Schöpfers sind da und sind auch heute noch Wegweiser auf den Schöpfer. Das wiederum ist eine gute Basis, um dann auch das Evangelium zur Sprache zu bringen, das wir in Gottes Wort, der Heiligen Schrift, finden.

Anmerkung

1 siehe z. B. www.morgenpost.de/.../Kreationistische-Bewegung-draengt-an-deutsche-Schulen.html


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Kirchenzentrum der ELKUSFO in Omsk, Sibirien.

Am Eingang der Pädagogischen Universität, Philosophische Fakultät, in Omsk. 2. v. l. Propst Wladimir Winogradow, rechts der Übersetzer: Viktor Subkow.

Auf Einladung der Evangelisch-Lutherischen Kirche Ural, Sibirien und Ferner Osten (ELKUSFO) war ich gemeinsam mit meiner Frau Elisabeth vom 21. 10. bis 5.-11. 2018 in Omsk, der achtgrößten Stadt Russlands mit mehr als 1,1 Millionen Einwohnern, zu Vorträgen unterwegs. Die Leitung der ELKUSFO wollte nach früheren sporadischen Versuchen erneut Kontakte zu den Universitäten in der Stadt knüpfen. So wurde ich durch Vermittlung von Volker Sailer, einem pensionierten Pfarrer der Evang. Landeskirche in Württemberg, eingeladen und auch von ihm und seiner Frau Inge begleitet. Volker Sailer war 1998–2004 Bischof dieser Kirche und hat nach wie vor intensive Beziehungen zur Kirchenleitung und vielen Gemeinden. Er ist in den zurückliegenden Jahren häufig zu Schulungen nach Sibirien gereist. Wladimir Winogradow, dem Propst und stellvertretenden Bischof der ELKUSFO, war es im Vorfeld der Reise gelungen, sechs Vorträge an der Dostojewski-Universität und an der Pädagogischen Universität in Omsk zu vereinbaren. Es war klar, dass mit Ausnahme der Theologischen Fakultät der Dostojewski-Universität nicht über Gott gesprochen werden durfte. Meine Vorträge wurden von Viktor Subkow kompetent und in hervorragender Weise ins Russische übersetzt. Nach unserer Ankunft, etwas Ruhe und einem ersten Rundgang durch das Stadtzentrum fuhren wir zur Pädagogischen Universität, wo ich vor Psychologiestudenten vor allem aus dem ersten Studienjahr zum Thema „Schöpfung (o)der Evolution“ vorgetragen habe. Auf der Heimfahrt nach der 90-minütigen Veranstaltung (inklusive Übersetzung und Diskussion) sagte mir Wladimir Winogradow, der zunächst sehr angespannt war, mit einem Lächeln im Gesicht, dass dies die beste Predigt gewesen sei, die er seit langem gehört hätte.

Am Nachmittag – der Propst war bereits deutlich entspannter – ging es zur Dostojewski-Universität, wo ich an der Theologischen Fakultät zum Thema „Stammt der Mensch von Adam ab?“ sprechen sollte. Die Fakultät war ursprünglich von der Russisch-Orthodoxen Kirche initiiert worden, wird mittlerweile aber unter rein akademischen Gesichtspunkten geführt, und es wird im Grunde genommen Religionswissenschaft gelehrt. Da hier auch „Meisterschüler“ der Russisch-Orthodoxen Kirche anwesend waren, gab es intensive Diskussionen, die deutlich machten, dass diese zukünftigen Priester sehr begrenzte Kenntnisse über biblische Zusammenhänge haben. Nach dem Vortrag vor Philosophiestudenten der Pädagogischen Universität zum Thema „Hat die Wissenschaft Gott abgeschafft?“ kam nach der Veranstaltung eine junge Frau auf mich zu und ließ mich durch den Übersetzer fragen, ob für mich Wissenschaft oder der Glaube wichtiger sei. Sie hatte offensichtlich im Verlauf des Vortrags und der Diskussion, in der ich auf entsprechende Fragen auch persönlich und konkret von meinem Glauben reden konnte, etwas verstanden und war ins Nachdenken gekommen. Leider waren die Möglichkeiten, mit den Studierenden persönlicher ins Gespräch zu kommen, durch die Sprachbarriere (Englischkenntnisse sind auch an der Universität eher die Ausnahme) enge Grenzen gesetzt, und die Studenten mussten auch nach den Veranstaltungen gleich weiter.

Neben den Veranstaltungen an den Universitäten konnte ich auch einer privaten Schule, die von einem Deutschen Kulturverein getragen wird, an zwei Tagen unterrichten bzw. war „Stargast“ bei einer „Biologie-Konferenz“. Im Kirchenzentrum, wo wir sehr gut untergebracht waren und sehr aufmerksam und gut versorgt wurden, haben wir die Gemeinschaft mit den Mitarbeitern sehr genossen und konnten sie auch durch Impulse bei der Mitarbeiterandacht und in den Gottesdiensten ermutigen. Am Samstag trafen sich Gemeindemitarbeiter aus Omsk und Umgebung zu einem Seminar im Kirchenzentrum, das ich mit drei Vorträgen gestalten durfte. Am letzten Wochenende konnten wir Gemeinden besuchen und mit den oft wenigen alten Frauen in einem Wohnzimmer Gemeinschaft haben, Lieder singen und Gottes Wort lesen. Wir haben manches von ihnen erfahren, z. B. ihre oft leidvolle Vergangenheit und die Last, dass viele Familienmitglieder nach Deutschland ausgereist sind. Ermutigt hat uns eine Jugendkonferenz, zu der sich ca. 30 Jugendliche im Kirchenzentrum in Omsk getroffen haben, nach größtenteils vielstündiger und abenteuerlicher Anreise. Bei ihnen durfte ich auch einen Vortrag halten und Volker Sailer hielt den Abschluss-Gottesdienst. Es macht mich traurig und nachdenklich, dass es mir im Vorfeld unserer Sibirienreise nicht gelungen ist, Kontaktdaten von christlichen Studenten in Omsk zu erhalten. Meine Erkundigungen haben ergeben, dass es direkt nach Perestroika Aufbrüche gegeben hat und z.B. die Mitarbeiter des IFES* in  Omsk hatte. Jetzt aber konnte mir der IFES-Koordinator für diesen Bereich keine Kontaktdaten vermitteln. Ich bin sehr dankbar für dieses völlig unerwartete und spannende Projekt, das Gott uns vor die Füße gelegt und wofür er uns in der Vorbereitung dazu viele Türen geöffnet hat. Wir haben vieles erlebt, das wir erst noch einordnen und verarbeiten müssen. Wir haben begonnen, ein Land kennenzulernen, dessen Ausdehnung und Weite mit Atlanten nicht annähernd angemessen erfasst werden kann. Wir sind Menschen begegnet, die unsere Welt, gesellschaftliche und politische Prozesse aus ihrer Geschichte mit komplett anderen Augen betrachten und sie oft völlig anders interpretieren. Es ist uns ein Anliegen geworden, gerade für junge Menschen in diesem großen Land zu beten. Wir bitten, dass unser Herr in Russland Menschen ermutigt, die momentan vorherrschende relative Freiheit zu nutzen um anderen die Frohe Botschaft, sein Evangelium, zu bringen, auch an den Hochschulen!

Harald Binder

* IFES (International Fellowship of Evangelical Students): eine internationale Organisation christlicher Studenten; ein Dachverband, dem die SMD (Studentenmission in Deutschland) angehört.


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Ist die westliche Zivilisation mit ihren Vorzügen wie individuelle Freiheit und materieller Wohlstand den Aufklärern und ihren Schriften zu verdanken? Eine Analyse des Verlaufs der Geschichte stellt dies massiv in Frage. Dies zeigt Professor Daniel von Wachter in seinem Aufsatz „Die Aufklärung existiert nicht“, der im folgenden Text von Boris Schmidtgall kurz zusammengefasst ist.

Eine wichtige Grundlage für das Selbstverständnis der Menschen stellt ihr Geschichtsbewusstsein dar. Für die Geistesgeschichte der westlichen Zivilisation gab es kaum eine wichtigere Zäsur als die „Epoche der Aufklärung“ – so lautet zumindest die üblicherweise verbreitete Darstellung. Ob im Schulunterricht, in Lexika oder in den Massenmedien, überall wird den Menschen beigebracht, dass es vor der „Epoche der Aufklärung“, d. h. vor der Zeit um ca. 1680, in Europa eine finstere, von Aberglaube, Wissenschaftsfeindlichkeit und blindem Gehorsam geprägte Gesellschaft gab, die dank der mutigen und intelligenten „Aufklärer“ überwunden werden konnte. Die „Aufklärer“, so heißt es oft, hätten ein neues Zeitalter der Vernunft eingeläutet, die Menschen von ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit befreit und Privilegien wie die Meinungs- und Religionsfreiheit errungen. Damit seien die Ereignisse dieser Epoche grundlegend für die heutige Demokratie und den Wohlstand der westlichen Zivilisation.

Bei näherer Betrachtung des genauen historischen Verlaufs ergibt sich allerdings ein Bild, das mit dem gewohnten Narrativ über die „Aufklärung“ kaum in Einklang zu bringen ist. Schon der Begriff „Aufklärung“ tauchte im deutschsprachigen Raum erst nach 1770 auf und wurde von denjenigen verwendet, die sich selbst als „Lichtbringer“ verstanden, also Immanuel Kant oder Ephraim Lessing. Etwas früher bezeichneten sich einige französische „Aufklärer“ wie Jean- Jacques Rousseau oder François Voltaire als „Les Lumières“, die Lichter. Die meisten derjenigen, die ein solches „Aufklärer-Selbstverständnis“ hatten, waren Schriftsteller oder Journalisten, die die göttliche Offenbarung ablehnten. Sie bedienten sich einer Aufklärungsrhetorik („Wir bringen Licht in die Dunkelheit“) und stützten sich auf Philosophen, die sich selbst jedoch nicht als „Aufklärer“ verstanden. Zu diesen Philosophen gehörten Christian Thomasius, Christian von Wolff und Gottfried Wilhelm Leibniz (ca. 1680-1750). Sie bekannten sich zum christlichen Glauben, auch wenn sie sich gelegentlich kritisch äußerten. Was sie von den früheren Gelehrten im Wesentlichen unterschied, war der Glaube an einen Determinismus, d. h. die Auffassung, dass jedes Ereignis durch vorangehende vorherbestimmt ist. Die „Aufklärer“ vereinnahmten diese namhaften Philosophen, um ihren eigenen Schriften Geltung zu verschaffen.

Doch waren die „Aufklärer“ und diejenigen, auf die sie sich stützten, die ersten, die nach Vernunft strebten, wie gegenwärtig häufig suggeriert wird? Verhalfen sie der Wissenschaft gegen den Widerstand der Kirche zum Aufschwung? Wohl kaum. Denn bereits gut hundert Jahre früher (ca. 1600–1650) gab es Philosophen, die beachtliche Werke verfasst hatten, in welchen sie zu einem rechten Gebrauch der Vernunft aufriefen, nach Klarheit und Präzision in ihren Ausführungen strebten und sich intensiv mit Gegenpositionen auseinandersetzten. Diese Philosophen werden zur „Protestantischen Scholastik“ gezählt und waren als Universitätsprofessoren tätig. Dazu zählten u. a. Jakob Martini, der Verfasser des Vernunftsspiegels, oder Christoph Scheibler, dem eine besondere Gedankenschärfe attestiert wurde. Ihre Arbeiten wurden von den populärphilosophisch schreibenden „Aufklärern“ für ihre „Haarspalterei“ verspottet.

Auch die Naturwissenschaft ist keineswegs eine Errungenschaft der „Aufklärung“, denn die Naturphilosophen, die zur Förderung der Erforschung der Natur maßgeblich beitrugen, waren größtenteils entschiedene Christen. Ein bedeutendes Beispiel hierfür ist Isaac Newton, der wiederholt seine Freude darüber bezeugte, dass seine Forschung dazu beiträgt, dass die Menschen an einen „Herrn aller Dinge“ glauben. Aber auch die Auffassung, Newton und seine Zeitgenossen hätten die Naturwissenschaft entwickelt, erweist sich als falsch. Denn Newton selbst brachte zum Ausdruck, dass er seine Erkenntnisse der guten Vorarbeit seiner Vorgänger verdanke.

Schließlich geht auch die Meinungs- und Religionsfreiheit keineswegs auf die Epoche der Aufklärung zurück. Es waren vielmehr Christen, die ihren Glauben konsequent auslebten, die sich für das Prinzip der Religionsfreiheit engagierten. Bereits 1614 forderte der Baptist Leonard Busher völlige Religionsfreiheit.

Es wird also insgesamt deutlich, dass die „Aufklärer“ ungerechtfertigterweise sich selbst zuschrieben, Vernunft in eine vernunftlose Zeit zu bringen, einen kirchlichen Widerstand gegen die Entwicklung der Naturwissenschaft erfanden und auch die Errungenschaft der Meinungs- und Religionsfreiheit fälschlich für sich beanspruchten. Ihre Tätigkeit war also kein Fortschritt, wie landläufig behauptet wird, sondern vielmehr ein Rückschritt. Sie richteten die gesellschaftliche Entwicklung weg vom christlichen Glauben und hin zum Materialismus, was sie rhetorisch als Fortschritt darstellten. Bis heute wird diese Entwicklung mit leeren Phrasen wie „Wir können nicht hinter die Aufklärung zurück“ oder „Man kann das Rad nicht zurückdrehen“ als alternativlos hingestellt.

Der vollständige Artikel ist abrufbar unter: www.professorenforum.de/bibliothek/artikel/detailansicht/die-aufklaerung-existiert-nicht/


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Die SG Wort und Wissen unterstützt ein groß angelegtes Projekt von Nigel Crompton über Grundtypstudien. Nach einem Beitrag über Paradiesvögel ist nun ein weiterer Artikel publiziert worden.

Prof. Dr. Nigel Crompton, Mitarbeiter der W+W-Fachgruppe Biologie seit der ersten Tagung, hat eine interessante Grundtypstudie über Seeohren (Haliotidae) vorgelegt. Dabei handelt es sich um Meeresschnecken mit schönen Gehäusen oder Schalen mit besonderem irisierendem Perlmutt. Die etwa 55 heute lebende Seeohren-Arten und 35 ausgestorbene Arten lassen sich klar als Grundtyp beschreiben (= geschaffene Art in der Deutung der Schöpfungslehre). Bemerkenswert ist diese Tiergruppe auch, weil sie zeigt, durch welche Mechanismen Artbildung ohne räumliche Trennung in kurzer Zeit möglich ist. Auch das ist ein bedeutsamer Aspekt für die Grundtypforschung.

Das Seeohr Haliotis asinina mit den für diese Gruppe charakteristischen bogenförmig angelegten Tremata (Löcher). (cc BY­sA 3.0)

Schillernde Innenseiten von Schalen der Neuseeländischen Paua (Haliotis iris). (Wolfgang K, gemeinfrei)

Hier ist der Artikel (PDF, 24 Seiten) verlinkt: www.wort-und-wissen.de/artikel/sp/b-18-2_haliotidae.pdf


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Wer kennt sie nicht, die Geschichte der Eroberung Jerichos durch die Israeliten unter ihrem Feldherrn Josua? Sieben Tage lang hatte das israelitische Heer immer wieder die Stadt umkreist, als die Mauern unter den Tönen der Posaunen plötzlich „in sich zusammenstürzen“.

So imposant die Geschichte ist, die meisten Wissenschaftler halten nicht nur das Wunder, sondern den ganzen Bericht heute für wenig glaubhaft, da ihrer Meinung nach im 13. Jahrhundert v. Chr., d.h. in der Zeit, in der das Ereignis hätte stattfinden müssen, jegliche Spuren fehlen.

Sind die Argumente jedoch stichhaltig? Dieser Frage gehen die Herausgeber des vorliegenden Bandes in mehreren Aufsätzen nach, die sich schwerpunktmäßig mit der Frage nach der Geschichtlichkeit des biblischen Exodus- und Landnahme-Berichtes beschäftigen. Dazu werden die gegenwärtigen Modelle zur Volkswerdung Israels in Kanaan einer kritischen Bewertung unterzogen und Alternativen präsentiert, die neue Perspektiven eröffnen.

In weiteren Arbeiten setzen sie sich mit Fragen nach der Größe des Volkes Israel während der Wüstenzeit, den Plagen und weiteren relevanten Aspekten auseinander.

Gegenüber den bisherigen Auflagen sind zwei Beiträge hinzugekommen:

  • Von Salomo bis zum Exodus: Das chronologische Gerüst. Eine Analyse biblischer Chronologien und ein Vorschlag, der sowohl mit den chronologischen Angaben der Bibel als auch mit archäologischen Befunden kompatibel ist.
  • Warum der Berg Horeb nicht in Saudi-Arabien liegt und die Überquerung des Schilfmeers nicht am Golf von Akaba stattfand. Eine Diskussion darüber, wo der Berg Sinai und das Schilfmeer lokalisiert und wie sie zeitlich eingeordnet werden können.

Die anderen Beiträge wurden aktualisiert und z. T. geringfügig erweitert, vor allem die Einleitung (chronologische Arbeit, „Israel-Stein“) und der Artikel über die Bevölkerungszahlen zur Zeit des Auszugs.

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Uwe Zerbst & Peter van der Veen (Hg.)
Keine Posaunen vor Jericho? Beiträge zur Archäologie der Landnahme.
Studium Integrale. Holzgerlingen, 3. erweiterte Auflage 2018
Hardcover, Format 16,5 x 24, 191 Seiten, 73 Abb., 16 Tab.
 
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Herzlichen Dank allen, die in den letzten Monaten durch Spenden unseren seit 1. April angestellten neuen Mitarbeiter Boris Schmidtgall und unser Sonderprojekt, die Forschungsarbeiten von Nigel Crompton, unterstützt haben. Nigel Crompton hat den dritten Teil seines Forschungsprojektes abgeschlossen. Eines seiner Projekte wurde erfolgreich abgeschlossen (siehe den Bericht über die "Seeohren" in dieser Ausgabe des W+W-Info). Ca. 25% der Projektkosten konnten durch Sonderspenden abgedeckt werden. Boris Schmidtgall ist gut in die Arbeit gestartet und hat bereits einige Beiträge in Studium Integrale Journal und auf unserer Homepage veröffentlicht (siehe ebenfalls die Beiträge in dieser "Info"-Ausgabe). Für beide und die anderen Mitarbeiter sind wir weiterhin auf Ihre Spenden angewiesen, wie auch für die allgemeinen Aufgaben von Wort und Wissen. Die kleine Grafik gibt den Stand der tatsächlichen, geplanten und erhofften Einnahmen (Stand Ende Oktober 2018) wieder.

Danke für Ihr Mittragen an dieser großen Aufgabe.


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Das Wort und Wissen Info 4/2018 (Nr. 125; November 2018)

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