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WORT und WISSEN

Info 1/99 - Nr. 46 / März 1999


Inhalt:



"Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende." (Jahreslosung 1999)

Abb. 1: Kopf von einer Statue von Sesostris III., Pharao zur Zeit Josefs (12. Dynastie)

Welch eine Verheißung! Jesu Zusage an uns in Matth. 28,20 ist nicht aus der Luft gegriffen. Die Zusage liegt fest verwurzelt in Gottes unendlicher Treue an Israel und zur Gemeinde Jesu. In Jesus wird am deutlichsten sichtbar, wie Gott zu uns Menschen steht. Gott sprach zu Abraham - 2000 Jahre vor Christi Geburt - daß sich in Abrahams Samen alle Völker glücklich preisen würden (1 Mo 12,3). Und Gott hat in Jesus Wort gehalten (Gal 3,14)! Gottes Eingreifen und Schutz mag nicht immer auf Anhieb in unserem Leben sichtbar werden, und vielleicht handelt Gott nicht immer, wenn und wie wir Menschen es uns wünschen. Aber eins ist sicher: der treue Gott steht auch 1999 zu uns! Von seiner Treue erzählen uns die Geschichten der Bibel, wie Gott noch nie sein Volk im Stich gelassen hat. Gott versprach Abraham, daß aus ihm ein großes Volk werden sollte (1 Mo 12,2; 15,5f.).

Und Israel wurde zu einem großen Volk, jedoch in Ägypten, wo sie unterdrückt wurden (2 Mo 1,9-14). Forschungsergebnisse zeigen, daß tatsächlich während der 12.-13. Dynastie in Ägypten (1. Hälfte des 2. Jts. v. Chr.) ein westsemitisches Volk im östlichen Delta gelebt hat. Papyri berichten aus dieser Zeit, daß Menschen mit typisch hebräischen Namen (Menahem, Issachar, Ascher, Schifra usw.) als Sklaven in Ägypten gearbeitet haben. Aber auch dort ließ Gott sein Volk nicht verkümmern. Nein, im Gegenteil, dort war Mose, 'der Prinz von Ägypten', und Gott rief ihn, um Israel mit mächtiger Hand zu befreien. Massengräber in Tell ed-Daba (Avaris), im östlichen Delta Ägyptens, deuten vielleicht auf die schweren Plagen hin, mit denen Gott Ägypten schlug.1

Abb. 2: Tell el-Jahudijeh-Keramik aus Tell ed-Daba, Ägypten. Es handelt sich wahrscheinlich um israelische Waren.

Vierzig Jahre nach dem Auszug aus Ägypten führte Josua Israel ins gelobte Land und Gott setzte Zeichen, daß Er für Israel kämpfen würde: Jerichos Mauern stürzten ein, Ai und Hazor wurden erobert, und Israel, Gottes Volk, durfte zur Ruhe kommen. Die Forschungsarbeiten von John Bimson und Bryant Wood zeigen, wie die Mauern Jerichos durch ein schweres Beben (?), wahrscheinlich während der Erntezeit - genau wie es in Jos 2 und 6 berichtet wird - in sich zusammengefallen waren.2

Als Israel Gott während der Richterzeit (aber auch später während der Königszeit) den Rücken zukehrt und den kanaanäischen Götzen dient, geht Gott seinem Volk jedoch immer wieder nach und ruft es durch den Mund seiner Propheten zur Umkehr auf. Auch als 586 v. Chr. die heilige Stätte Jerusalem von den Babyloniern zerstört und die Judäer ins Exil geführt werden (und auch dieses Ereignis wird durch Zerstörungsschichten in Juda und schriftliches Quellenmaterial bestätigt), wissen die Gläubigen in Israel aus Erfahrung um Gottes Treue und daß Er zu seinem Volk steht. So weiß der Psalmist in Ps. 74 um den handelnden Retter Israels: "Gib nicht den Raubtieren (= die plündernden Chaldäer) hin die Seele deiner Turteltaube (= dein Liebling Juda)!" (V.19a) und: "Schaue hin auf deinen Bund" (V. 20a).

Warum wendet sich der Psalmist in dieser so furchtbaren Situation so vertrauensvoll an Gott, wenn doch alles verloren zu sein scheint? Nun, er kennt seinen Gott. Er weiß, daß Gott immer wieder aus der Not helfen kann und will, wenn wir zu Ihm kommen und uns von Ihm abhängig wissen. Welch ein Gottesvertrauen: "Gott ist mein König von alters her, der Heilstaten vollbringt auf der Erde!" (V.12) Nicht nur in Theorie weiß er, daß Gott dem Schicksal der Menschen nicht gleichgültig gegenübersteht, sondern aus eigener Erfahrung und aus den heiligen Schriften, die er beim Wort nimmt. Wer den Gott der Bibel beim Wort nimmt, darf auch heute noch erfahren, daß Gott zu uns steht.

Viele Theologen und Historiker unserer Zeit nehmen die Bibel nicht mehr beim Wort, und glauben nicht, daß Gott konkret im Weltgeschehen eingegriffen hat. Wie kann man dann noch glauben, daß die Losung für 1999 auch ganz real uns heute gilt, und daß der Gott, der einst Israel aus Ägypten führte und Jerichos Mauern einstürzen ließ, auch noch heute Barrikaden privater, wirtschaftlicher und politischer Art durchbrechen kann! Auch im Forschungsbereich von Wort und Wissen kann Er Türen öffnen, die bisweilen noch verschlossen waren. Er kann Gelingen bei der Forschung geben und Durchbruch schenken. Er kann offene Türen schenken an Hochschulen und auch durch die Medien neue Interessen bei unserem Volk wecken. Was man nicht für möglich hält, kann passieren.

So durfte ich an zwei Fernsehproduktionen mitarbeiten, eine vierstündige Reihe über die Arbeit der Geschichte des alten Israels und eine Zusammenfassung für ORF2 und 3SAT machen. Bemerkenswert ist vor allem das Beispiel Österreich (ein Land, das scheinbar wenig Interesse an der Bibel findet): dort sahen 30% der Zuschauer das Programm am 27. 5. 98 an (abends um 22.30!). Und weil es solch ein Erfolg war, will das ORF mehr Programme über die Bibel ausstrahlen. Ähnliches Interesse hat auch das deutsche Fernsehen gezeigt. Ganz spezifisch in Bezug auf die Interessen unserer Fachgebiete ist zu erwähnen, daß die Genesis ganz neu an Interesse gewinnt. Der englische Ägyptologe und Historiker David Rohl veröffentlichte 1998 sein Buch über die Urgeschichte der Genesis und sucht nach Zusammenhängen mit der Archäologie Mesopotamiens und Ägyptens.3 Die Jerusalem-Post schrieb vor kurzem, daß Archäologen des Hebrew Union College in Jerusalem demnächst eine Tagung über die frühe Genesis planen. Wird die Geschichte der Genesis noch einmal neu auf breiteres Interesse stoßen? Wenn ja, so werden daraus auch für die Studiengemeinschaft neue Möglichkeiten entstehen.

Der Gott, der Jerichos Mauern einstürzen ließ, kann sowohl moderne Barrikaden abbauen als auch ganz neues Land und neue Möglichkeiten entstehen lassen. Auch für die Arbeit von Wort und Wissen gilt dieses Jahr wieder neu, daß der Herr Jesus uns beisteht. Wir sind gespannt, was noch alles auf uns zukommen wird!

Ihr
Peter van der Veen


Anmerkungen
  1. David M. Rohl, Pharaonen und Propheten - Das Alte Testament auf dem Prüfstand, Droemer-Knaur-Verlag, München, 1996, S. 297ff.
  2. John J. Bimson, "Exodus and Conquest - Myth or Reality?: Can Archaeology Provide the Answer?" Journal of the Ancient Chronology Forum 2 (1988), S. 27ff.; Bryant G. Wood, "Did the Israelites Conquer Jericho? A New Look at the Archaeological Evidence" Biblical Archaeology Review 16:2 (1990), S. 44ff.
  3. David M. Rohl, Legend - The Genesis of Civilisation, Century, London, 1998.

Lic. theol. Peter van der Veen ist seit September 1997 Stipendiat bei der Studiengemeinschaft Wort und Wissen und organisiert die Fachtagungen für Archäologie. Das Thema seiner Doktarbeit ist "Die Schlußphase der Eisenzeit IIC und die babylonische Eroberung Judas - eine Neubeurteilung der Fakten".


Das Interesse an der Informatik ist ungebrochen. Dies gilt nicht nur für die Wirtschaft, die derzeit händeringend nach Informatikern sucht, um den aktuellen Bedarf in diesem boomenden Wirtschaftszweig zu decken, sondern auch für den christlichen Bereich. Informatik spielt auch hier eine immer wichtigere Rolle. Die Fachtagung Informatik versucht ein Forum zu schaffen, bei dem sich Informatiker und andere an naturwissenschaftlichen Fragestellungen Interessierte über Themen aus dem Spannungsfeld zwischen Glaube und Wissenschaft Gedanken machen. Die Vorträge, die auf den Fachtagungen Informatik gehalten werden, beschäftigen sich mit verschiedenen Themenstellungen aus dem Bereich der Informatik sowie der verwandten Naturwissenschaften. Zentrales Anliegen ist es, biblische Leitlinien mit dem Gedankengut der (stark erweiterten) Informatik zu verbinden. Es ist nicht das Ziel, spezifisches Fachwissen zu vermitteln, sondern Denkanstöße zu geben, die zum Nachdenken über die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse und den Glauben an Gott anregen. Ein wichtiger Bestandteil der Treffen sind die auf der Fachtagung entstehenden Kontakte zu anderen Menschen, die in ihrem Alltag auch mit der Informatik bzw. dem Computer zu tun haben. Neben den Vorträgen bietet die Tagung deshalb auch ausreichend Raum für persönliche Gespräche. Angeregt durch Vorträge werden die Pausen und Abende intensiv genutzt, sich über die angesprochenen Fragestellungen zu unterhalten und die daraus resultierenden Konsequenzen zu diskutieren.

Die Fachtagung Informatik, die jährlich - immer an einem Wochenende Ende Januar - in reizvoller Lage auf Gut Holmecke bei Iserlohn im Sauerland stattfindet, feierte in diesem Jahr ihr 10-jähriges Jubiläum. Das Interesse an der Tagung ist von Jahr zu Jahr angestiegen. Aus anfänglich vierzig sind mittlerweile über einhundert Teilnehmer geworden, die sich aus Studenten, Lehrern, Professoren, im Bereich der Informatik Berufstätigen sowie anderen Interessierten zusammensetzen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß die meisten Teilnehmer, die einmal an einer Fachtagung teilgenommen haben, gerne wiederkommen und in der Regel auch andere mitbringen. Geleitet wird die Tagung von Professor Dr. Werner Gitt, der sie 1990 gegründet hat und der durch seine Bücher weit über Deutschland hinaus bekannt ist und die Tagung mit viel persönlichem Einsatz organisiert.

Das diesjährige Programm bestand aus einer Reihe bemerkenswerter Vorträge aus den Bereichen Neuroinformatik, Informationstheorie, Sprachwissenschaften sowie ein Referat über neue Ansätze aus dem Bereich der Gottesbeweise.

Im Bereich der Neuroinformatik stellten Herr Prof. Dr. F. Abel und Frau Dr. E. Abel interessante Gedankenansätze zur Erklärung des menschlichen Willens mit Hilfe moderner Erkenntnisse aus dem Bereich der Gehirnforschung sowie der physikalischen Quantentheorie vor. Der Vortrag basierte auf den Ergebnissen des Gehirnforschers und Nobelpreisträgers John Eccles und beschrieb ein Erklärungsmodell für den menschlichen Willen. Die Zusammenhänge zwischen der physikalischen Quantentheorie und der Funktionsweise des menschlichen Gehirns gaben neue Einblicke.

Der Biophysiker Dr. Patrick Hamilton beschäftigte sich in seinem Vortrag mit den Möglichkeiten und Problemen der aktuellen Entwicklung im Bereich der Neuroinformatik. Dabei zeigte er die heute mögliche Kopplung zwischen menschlichem Gehirn und dem Computer auf und wies auf die sich dabei ergebende Verantwortung der in diesem Bereich tätigen Personen hin.

In ihrem Vortrag "Sprache hat die Welt verändert" untersuchte die Sprachwissenschaftlerin Dörte Götz die verschiedenen wissenschaftlichen Theorien zur Sprachentstehung und analysierte dabei auch das Thema Sprache in der Bibel - angefangen von der Schöpfung über den Sündenfall und die Menschwerdung des Wortes in Jesus (Johannes 1) bis hin zur Ausgießung des Heiligen Geistes und der damit zusammenhängenden Sprachenrede zu Pfingsten als Ausblick auf die Ewigkeit.

Andreas Wolff beschäftigte sich in seinem Vortrag mit dem Spannungsfeld zwischen Information und Autorität und zeigte dabei auf, daß unsere Gesellschaft mehr vom Synkretismus (Vereinheitlichung der Gottesbegriffe) als vom Pluralismus (mehrere gleichberechtigte Gottesbegriffe) geprägt ist. Bei seinen Überlegungen verwendete er das Gitt'sche Informationsmodell, das er um die Ebene der Autorität erweiterte. Um die beabsichtigte Wirkung (z. B. mit der biblischen Botschaft) zu erreichen, ist Autorität eine wesentliche Voraussetzung.

Im Vortrag von Dr. Volker Kessler ging es um die verschiedenen Gottesbeweise. Gerade in den letzten Jahren gab es eine Renaissance dieser Vorstellungen. Dr. Kessler stellte neue Gottesbeweise vor und diskutierte ihre praktische Relevanz.

In einem Abendvortrag berichtete Prof. Dr. W. Gitt über Eindrücke von Vortragsreisen im Jahre 1998 nach Hawaii, Polen und Portugal. Abschluß der Tagung war ein gemeinsamer Gottesdienst, bei dem W. Gitt über das Thema "Was wissen wir Konkretes über den Himmel?" predigte. Wenn wir die Bibel genau lesen, stellen wir fest, daß Gott uns viel über die Ewigkeit offenbart hat. Dies wurde anhand von 12 Punkten verdeutlicht. So wird z. B. unsere ewige Wohnung im Himmel, an der Jesus selbst baut, zum angestrebten Ziel unseres Lebens.

Für die musikalische Umrahmung der Fachtagung sorgte Barbara Hoeft, die mit ihren ansprechenden Liedern für eine gelungene Abwechslung zwischen den Vorträgen sorgte.

Daniel Keim



Hans-Joachim Zillmer: Darwins Irrtum. Vorsintflutliche Funde beweisen: Dinosaurier und Menschen lebten gemeinsam. Langen Müller, München 1998, DM 39,80

"Stimmt das mit den Dinosaurier-Fußspuren doch?" - "Ist an dem Buch von Zillmer was dran?" Solche Fragen erreichten uns in den letzten Wochen öfter. Daher geben wir an dieser Stelle eine kurze Stellungnahme zum Buch "Darwins Irrtum" von Hans-Joachim Zillmer ab.

Wesentliche Behauptungen des Buches sind die Gleichzeitigkeit der Entstehung der geologischen Systeme (Formationen) und damit einhergehend die Gleichzeitigkeit der Einbettung der in diesen Schichten enthaltenen Fossilien. Ein weiteres wichtiges Thema des Buches ist das häufige Vorkommen menschlicher Artefakte oder Spuren in geologischen Schichtfolgen, die nach herkömmlicher geologischer Sicht bis zu mehrere hundert Millionen Jahre alt sein sollen. Der Autor schließt aus diesen Indizien auf ein Erdalter von wenigen tausend Jahren, womit aufgrund der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit Evolution unmöglich sei und Darwin sich geirrt habe. Der Autor plädiert allerdings nicht für Schöpfung durch den in der Bibel bezeugten Gott, sondern tendiert stärker zur Ansicht, daß die Menschen durch "Außerirdische" erschaffen wurden.

Das Buch handelt großenteils von Deutungen geologischer Befunde. Der Autor ist als Ingenieur zwar Laie auf diesem Gebiet, doch muß ihn das nicht von vornherein disqualifizieren. Es zeigt sich allerdings deutlich, daß Zillmer grundlegende geologische Kenntnisse nicht berücksichtigt. Einige Beispiele: Im Gegensatz zu den Ausführungen Zillmers kann nichts über das Alter geologischer Schichten gefolgert werden, wenn sie an der Erdoberfläche zugänglich sind; diese Lage kann durch sekundäre Prozesse (Hebung, Faltung und Erosion) zustandekommen; solche Prozesse sind anhand der Lagerung der Gesteine in der Regel erkennbar. Ebenso ist es grundsätzlich nicht verwunderlich, wenn ganze Systeme (Formationen) fehlen; das kann gar nicht anders sein, da Abgelagertes von irgendwoher angeliefert werden mußte, und das können in vielen Fällen nur zuvor schon anderswo abgelagerte und wieder erodierte (und damit "verschwundene") Sedimentfolgen sein. Verwunderlich ist auch, daß der Autor scheinbar nichts über die neueren katastrophischen Deutungsweisen in der Geologie weiß. Die heutige Geologie ist schon länger nicht mehr so einfach uniformitaristisch wie zu Zeiten Lyells und lange Zeit danach. Daß Zillmer das nicht weiß (jedenfalls nicht erwähnt und anderes schreibt), ist geradezu ein Beleg, daß er die aktuelle Fachliteratur nicht im Entfernsten kennt oder einfach ignoriert. Und ohne diese Kenntnis (bzw. Berücksichtigung) kann man über einen so anspruchsvollen Stoff unmöglich etwas schreiben, was der Realität standhält.

Übliche geologische Fachliteratur wird praktisch nicht berücksichtigt. Dies ist bei der behandelten Thematik und derart gewagten Behauptungen nicht tragbar. Wer Neues behauptet, muß sich mit dem bisherigen kritisch auseinandersetzen. Diese mühsame Arbeit kann nicht abgekürzt werden. Abgesehen von wenigen Lokalitäten, die der Autor besucht hat, scheint er auch keine wirklichen geologischen Geländekenntnisse zu besitzen.

Die Auflistung von menschlichen Artefakten in viel zu "alten" Schichtfolgen sollte unabhängig von den gravierenden Mängeln des Buches überprüft werden. Ein Urteil darüber kann aus der Entfernung nicht abgegeben werden. Sollten sich Befunde dieser Art bestätigen, wären das sehr wichtige Indizien; sie würden aber nicht die generell vorfindliche Ordnung der geologischen Systeme und ihrer Fossilien in Frage stellen und können daher keinen Beweis für die pauschale Behauptung sein, alle Lebewesen hätten gleichzeitig exisiert. Diese Behauptung folgt zwar aus der biblischen Sicht der Geschichte des Lebens und gehört zu den Grundlagen der Arbeit der SG Wort und Wissen, aber sie kann in der Weise Zillmers nicht annähernd ausreichend belegt werden (so wünschenswert das wäre).

Ohne an dieser Stelle auf Details einzugehen, muß auch eine Beurteilung der biologischen Teile eher negativ ausfallen: sie sind ziemlich oberflächlich, und die biologisch-evolutionskritische Argumentation ist anfechtbar; diese Partien könnten viel besser und "wasserdichter" formuliert werden.

Trotz Sympathie mit dem Anliegen des Autors, für eine junge Erde und gegen Evolution zu plädieren, kann das Buch aus den genannten Gründen nur negativ bewertet werden. Den einzelnen in die übliche geologische Abfolge nicht-passenden Funden sollte jedoch nachgegangen werden.

Aufgrund von Anfragen sei noch angemerkt, daß keine Kontakte zwischen Zillmer und der Studiengemeinschaft Wort und Wissen bestehen. Aus einem uns zugleiteten Brief des Autors geht hervor, daß er den Ansatz der Studiengemeinschaft ablehnt und sich deutlich von Wort und Wissen distanziert. Uns kann das angesichts der Aussagen über "Außerirdische" als Schöpfer und des Umgangs mit geologischen Befunden, wie er in Zillmers Buch zum Ausdruck kommt, nur recht sein.

Reinhard Junker & Manfred Stephan

Wissenschaftstheorie - gibt es etwas Trockeneres? Viele werden verneinen. Trotzdem gehört es zu den durchaus reizvollen Aufgabenfeldern der Schöpfungslehre, über Möglichkeiten und Grenzen wissenschaftlicher Aussagemöglichkeiten im Rahmen der biblischen Weltsicht Rechenschaft abzulegen und das Verhältnis von Gottes Wort und wissenschaftlichen Theorien zu bedenken. Zu dieser Aufgabe gehört auch die kritische Auseinandersetzung mit vorliegenden Vorstellungen über das "Wesen der Wissenschaft".

Bedenkenswert ist in diesem Zusammenhang, daß ein erheblicher Teil der Kritik, die gegen das Unternehmen "Schöpfungsforschung" gerichtet ist, wissenschaftstheoretisch begründet wird. Jeder, der die Auseinandersetzung um die Evolutions- und Schöpfungsthematik verfolgt, kennt das pauschale Argument, der Ansatz der Schöpfungslehre sei unwissenschaftlich und daher von vornherein nicht ernst zu nehmen (vgl. dazu die Ausführungen im Oberstufenlehrbuch Linder Biologie, auf die im letzten "W+W-Info" eingegangen wurde).

Damit setzen sich die Teilnehmer der "Fachgruppe Wissenschaftstheorie" von Wort und Wissen auseinander. Neben den kurz angesprochenen Fragen geht es insbesondere darum, biblisch begründete Leitlinien für die wissenschaftliche Arbeit in den Fachdisziplinen zu entwickeln, die für alle Fachgruppen verbindlich sein können. Eine Thesenreihe ist derzeit in der Diskussion. Darüber hinaus befassen wir uns mit unterschiedlichen Themen der Wissenschafts- und Erkenntnistheorie.

Interessierte sind herzlich eingeladen, zur Arbeitsgruppe Wissenschaftstheorie dazuzustoßen. Das nächste Treffen, die 6. Fachtagung Wissenschaftstheorie, findet am 7./8. Mai 1999 (Freitag, 16 Uhr bis Samstag, 16 Uhr) in der Freien Theologischen Akademie in Giessen statt.

Vorgesehene Themen:

  • Prof. Dr. Edith Düsing: Zur Typik des dogmatischen Materialismus
  • Thomas Portmann: Wissenschaft und Wahrheit
  • Weitere Diskussion der Thesenreihe

Infos: Dr. Bernhard Kaiser, Narzissenweg 11, 35447 Reiskirchen, Tel./Fax 06408/965940, Kontakt oder: Dr. Reinhard Junker, Rosenbergweg 29, 72270 Baiersbronn, Tel. 07442/81006, Fax 81008, Kontakt


Cover von: Variationen zu einer interdisziplinären Schöpfungskosmologie

Variationen zu einer interdisziplinären Schöpfungskosmologie
Raum-Zeit als informierter Quantenschaum
Verlag Peter Lang Frankfurt/M, 1999, IX, 169 S., zahlr. Abb. u. Tab.

Je genauer man die Ergebnisse heutiger Astronomie und Kosmologie, Biologie oder Informationswissenschaft betrachtet, desto deutlicher weisen diese über sich hinaus: der Galaxienkosmos zeigt komplexe und auf ein Zentrum hin gebundene Ordnung. Die energetisch-materiellen Phänomene unserer sichtbaren und meßtechnisch zugriffsfähigen Seite der Schöpfung sind in eine mehrdimensionale Raum-Zeit eingebettet, und die Verursachung von Gestaltung und Erhaltung ist mit bloßen physikalischen Wechselwirkungen nicht faßbar. Kosmologie ist der Versuch einer möglichst stimmigen und umfangreichen Deutung von Beobachtungsdaten, kombiniert aus physikalisch-mathematischem Handwerkszeug und weltanschaulich bedingten Postulaten. Der Deutungsspielraum überrascht. Der lockere Rundgang durch die Geschichte kosmologischer Bilder und modener Modellkonzepte führt zur Offenheit und Freiheit einer schöpfungskosmologischen Sicht.

Aus dem Inhalt: Kosmologie als interdisziplinäre Aufgabe • Kurze Geschichte der Raum-Zeit-Sichtweisen von der Antike bis heute • Diskussion von modernen Weltmodellen • Raum-Zeit als Quantenschaum • Neue Möglichkeiten für eine biblisch orientierte Schöpfungskosmologie.


Eine bislang einmalige Möglichkeit der Präsentation von Evolutionskritik und schöpfungstheoretischen Konzeptionen bot sich für die SG Wort und Wissen auf einer staatlichen Lehrerfortbildung im bayrischen Dillingen an der Donau. Vom 18.-22. Januar 1999 fand im dortigen Staatlichen Institut für Lehrerfortbildung und Personalführung eine Veranstaltung zum Thema "Schöpfung oder Evolution?" statt, zu der sich 20 Lehrer (hauptsächlich Gymnasiallehrer) einfanden.

Abb. 1: Das Ende eines Stammbaums? Diese Abbildung stammt (geringfügig modifiziert bzw. aktualisiert) aus einer evolutionstheoretischen Publikation (Corrucini 1994). Bei den Australomorphen (Australopithecus und nah verwandte Formen) handelt es sich um eine Menschenaffengruppe, die evolutionstheoretisch in die unmittelbare Vorfahrenschaft zum Menschen gestellt wird. Der Übergang zum Menschen ist jedoch durch Fossilfunde nicht gedeckt. Die Vielfalt der Formen läßt sich nicht als Stammbaum darstellen. Die einzelnen Arten weisen verschiedenste Merkmalskombinationen auf. Dies kann im Rahmen der Schöpfungslehre als unterschiedliche Ausprägungen eines Grundtyps interpretiert werden. Eine ähnliche Situation findet sich beim Menschen (Homo). Die Befunde passen gut ins Schöpfungsmodell. Gott hat den Menschen und andere Grundtypen mit einem Variationspotential geschaffen, das sich sich durch Spezialisierung innerhalb der Grundtypen (geschaffenen Arten) zeigt.
Stammbaum

Der Tagungsleiter, Dr. Scharf, hatte dazu u. a. fünf Referenten der SG Wort und Wissen eingeladen, nämlich (in der Reihenfolge der Beiträge) Dr. Henrik Ullrich (Das Biogenetische Grundgesetz auf dem Prüfstand), Prof. Dr. Siegfried Scherer (Molekulare Grundlagen der Evolution), Dr. Michael Brandt (Hypothesen zum Ursprung der Menschheit), Dr. Reinhard Junker (2 Referate: Prozesse der Artbildung und das Grundtypkonzept in der Biologie; Fossilien: Gibt es "connecting links") und Dr. Harald Binder (Woher kommt das Leben? Bestandsaufnahme nach 40 Jahren Simulationsexperimenten). In den sechs Referaten kamen ausschließlich evolutionskritische Argumente zur Evolutionstheorie zur Sprache. Weitere Referenten boten zumeist speziellere Themen zur Evolutionstheorie, die aber bis auf eine Ausnahme keine Gegenreferate darstellten, sondern lediglich mikroevolutive Aspekte zur Evolutionstheorie oder wissenschaftstheoretische Grundsatzfragen betrafen. Im Wesentlichen ging es also um Kritik an der Evolutionslehre. (Fast?) alle Teilnehmer waren überzeugte Anhänger der Evolutionslehre, viele bekannten sich als Atheisten oder Agnostiker; einige vertraten eine theistische Sicht von Evolution.

Nach den Beiträgen war in der Regel viel Zeit für ausgiebige Diskussionen, die erwartungsgemäß meist sehr kontrovers verliefen. In den Auseinandersetzungen und den Tischgesprächen zeigte sich, daß die meisten Teilnehmer trotz der Formulierung des Gesamtthemas ("Schöpfung oder Evolution?") nicht mit einer fundamentalen Evolutionskritik gerechnet hatten. Eine Teilnehmerin wähnte sich "im falschen Film", als Henrik Ullrich gegen Ende seines Vortrags darauf hinwies, daß die embryologischen Befunde einer Deutung durch Schöpfung nicht entgegenstünden. Ein Teilnehmer erzählte mir am Ende der Tagung, er sei sofort mißtrauisch geworden, als in diesem Beitrag das Stichwort "Schöpfung" fiel.

Bemerkenswert war, daß die sehr weitgehende Kritik, die Siegfried Scherer anhand des Bakterien-Rotationsmotors zum Thema "Evolutionsmechanismen" äußerte (Mechanismen, die zu neuartigen Konstruktion führen, sind im molekularen Bereich unbekannt), bei den Zuhörern weniger Unbehagen verursachte als die Ausführungen von Michael Brandt zur Evolution des Menschen. Sein Resummee lautete, daß es keine überzeugenden fossilen Belege für einen Übergang von Menschenaffen zu Menschen gebe. Die Herkunft des Menschen berührte die Zuhörer offenbar mehr als die Entstehung eines Bakterinmotors, obwohl im ersten Fall die naturwissenschaftliche Kritik bei weitem nicht so stark und klar formuliert werden kann wie im Bereich der molekularen Evolution. Ab dem Vortrag von Michael Brandt war auch bei einigen eine deutlich gereiztere Stimmung zu vezeichnen; vielleicht lag das daran, daß allmählich immer deutlicher wurde, daß immer mehr bislang sicher geglaubte Beweisstücke fragwürdig und hinterfragbar sind.

Die meisten Teilnehmer brachten zum Ausdruck, daß sie ihre Auffassung über die Evolutionslehre und den Kreationismus revidieren müßten und daß die Tagung ungewöhnlich informativ gewesen sei. Allerdings wurde von den Lehrern meist im gleichen Atemzug darauf verwiesen, daß die Lehrpläne es nicht erlaubten, viel vom Gehörten im Unterricht umzusetzen.

Immer wieder wurde nach der Motivation der Evolutionskritiker gefragt. Die Diskussion verließen häufig die naturwissenschaftliche Ebene und führten zu theologischen Fragen. Dies kann nicht überraschen, denn letztlich sind weltanschauliche Grundfragen mit der Herkunftsthematik stark vernetzt. So boten sich sehr gute Möglichkeiten zum christlichen Zeugnis, besonders bei der Gruppenarbeit in kleinen Gesprächskreisen, die an einem Nachmittag abgehalten wurde. Es zeigte sich wie schon oft, daß die Herkunftsfrage sehr gute Chancen bietet, die biblischen Zusammenhänge von Schöpfung, Sündenfall und dem Wirken Jesu darzustellen. Es ist zu hoffen, daß das Zeugnis Früchte trägt.

Auch als selber Beteiligter darf man den Eindruck festhalten, daß die Fachkompetenz der Kritiker anerkannt wurde. Freilich: Die Fachkompetenz führt die Menschen nicht zum Umdenken, aber sie ist doch eine notwendige Voraussetzung für eine glaubwürdige Präsentation aus dem Themenkomplex "Glaube und Wissenschaft".

Der Kontakt mit dem Tagungsleiter besteht schon seit zehn Jahren, als er damals die Zusage gab, daß zwei Beiträge zum Thema "Schöpfung/Evolution" in einer Ausgabe der Didaktik-Zeitschrift "Praxis der Naturwissenschaften - Biologie" aus der Feder von Siegfried Scherer und mir veröffentlicht würden. Seinerzeit war es wohl das 1986 erstmals erschienene Lehrbuch "Entstehung und Geschichte der Lebewesen" (Vorläufer von "Evolution - ein kritisches Lehbruch") gewesen, das die Tür für die Beiträge in "Praxis der Naturwissenschaften" öffnete. Ich hatte Dr. Scharf 1990 in Dillingen auf einer Durchreise besucht, und schon damals erwähnte er mir gegenüber die Möglichkeit, einmal ein Seminar mit uns durchzuführen. Knapp neun Jahre dauerte es also bis zur Realisierung. Man kann dafür beten, daß es nicht das letzte Mal war.

Cover von: Erinnerungen an die Genesis

C. H. Kang / E. R. Nelson
Erinnerungen an die Genesis
Die Chinesen und die biblische Urgeschichte.
Tb., 136 S., Hänssler-Verlag Neuhausen Stuttgart

Die Vorfahren der Chinesen wußten von der Arche Noah, sie kannten Einzelheiten des in der Bibel beschriebenen Sündenfalls und andere Details der Anfänge der Menschheitsgeschichte, wie sie die Bibel schildert. Diese provozierende Behauptung begründen die Autoren dieses Buches mit einer Bedeutungsanalyse der chinesischen Schriftzeichen. Die Ergebnisse sind frappierend. Der Leser wird in eine spannende Detektivgeschichte hineingenommen.

Bestellmöglichkeit bei den W+W-Medienstellen.


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Das Wort und Wissen Info 4/02 (Nr. 61; November 2002)

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