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Darwins Black Box
Biochemische Einwände gegen die Evolutionstheorie

Buchbesprechung von Reinhard Junker

Michael Behe: Darwins Black Box. Biochemische Einwände gegen die Evolutionstheorie. Resch-Verlag Gräfelfing. Pb., 486 Seiten

Vor elf Jahren erschien das amerikanische Original dieses Buches und löste eine lebhafte Diskussion aus. Zahlreiche – freilich meist kritische – Buchbesprechungen in wissenschaftlichen Zeitschriften belegen, dass der Biochemieprofessor Michael Behe einen wunden Punkt in der Evolutionsbiologie getroffen hatte. Dieses Buch konnte man nicht übergehen. Dabei fällt auf, dass die Kritik oft gar nicht die Darstellungen der biochemischen Details und die davon abgeleitete evolutionskritische Argumentation betraf, sondern eher Grundsatzfragen, wie Wissenschaft funktioniert und was man aus ungelösten Fragen der Evolutionsforschung schließen könne und ähnliches. Kein Wunder: Behe wirft Fragen auf, die über die Naturwissenschaft hinausgehen. Sein Buch wurde bald zum Klassiker der „Intelligent Design“-Bewegung (ID) in den USA.

Nach dem Grundgedanken von ID kann man an Merkmalen der Lebewesen Hinweise auf deren Planung und damit ihre nicht-natürlichen Entstehung erkennen. Behe führt dies in „Darwins Black Box“ aus, indem er anhand einiger Beispiele aus der Biochemie ausführlich deren „nichtreduzierbare Komplexität“ aufzeigt. Das heißt: Stoffwechselwege und biochemische Apparate können nicht unter einen Minimalbestand von Teilen verkleinert werden, ohne dass ihre Funktion komplett verloren geht. Ein evolutiver Weg zu solchen nichtreduzierbar komplexen Strukturen ist einerseits nicht bekannt, andererseits sind solche Strukturen typisch für einen absichtsvoll und zielorientiert schaffenden Urheber.

Warum Darwins „Black Box“? Den Titel hat Behe gewählt, weil die biochemischen Prozesse und zellulären Maschinen, die er beschreibt, zu Charles Darwins Zeit noch völlig unbekannt waren – damals eben eine „Black Box“ des Zellgeschehens. Unbekannt waren folglich auch die damit verbundenen evolutionstheoretischen Probleme. Behe argumentiert, dass zunehmende Kenntnisse über den Inhalt der „Box“ die Probleme einer natürlichen Entstehung verschärft statt verringert hätten.

Heute noch aktuell? Über zehn Jahren nach dem Erscheinen der Originalausgabe und nach viel kritischer Diskussion ist die Frage nach der Aktualität des Buches durchaus angebracht. Daher ist das Abschlusskapitel „Zehn Jahre später: Antworten auf die Kritiker“ sehr hilfreich. Die Aktualität des Buches hat in der Zwischenzeit keineswegs gelitten – im Gegenteil. Weitere Forschung wird zeigen, wohin der Trend zukünftig weisen wird.

Für Laien verständlich? Der Begriff „biochemisch“ im Untertitel könnte abschreckend wirken. Gehört Chemie nicht zu den unanschaulichen Dingen, die man als Laie nicht versteht? Behe versteht es, die anspruchsvolle Materie auch den Lesern nahezubringen, die wenige Vorkenntnisse mitbringen. Hilfreich ist dabei die Möglichkeit, Detaildarstellungen zu überspringen, ohne den roten Faden der Argumentation zu verlieren. Daher ist das Buch einem breiten Leserkreis zugänglich. Zudem geht es nicht nur um die Beispiele aus der Biochemie (auch wenn sie den Hauptteil ausmachen), sondern auch um grundsätzliche Überlegungen zum Thema Intelligent Design, Wissenschaft, Philosophie und Religion.

Angesichts oft verkürzter, verzerrter und sogar desinformierender Darstellungen über das Anliegen dieses Buches und seine Argumentationsweisen ist es erfreulich, dass es nun auch in Deutsch verfügbar ist. Sein Vorwort zu diesem Buch schließt Siegfried Scherer: „Man mag zu Behe stehen, wie man will: Seine Argumente erfordern zunächst eine wissenschaftliche und keine weltanschaulich-emotionale Diskussion. Ich habe die Hoffnung, dass hierzulande eine derartige Auseinandersetzung doch noch möglich ist.“ Das kann man nur unterstreichen.

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Resch-Verlag Gräfelfing
Pb., 486 Seiten

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Letzte Änderung: 31.08.2007
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