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Darwins Dilemma
Das Geheimnis des kambrischen Fossilberichts.

Filmbesprechung von Reinhard Junker


Darwins Dilemma. Das Geheimnis des kambrischen Fossilberichts. DVD, 70 Minuten, plus 40 Min. Bonusmaterial. Dreilindenfilm Berlin (amerikan. Original von Illustra Media).

„Die kambrische Explosion war das bemerkenswerteste und verwirrendste Ereignis in der Geschichte des Lebens.“ Mit diesem Satz des berühmten Paläontologen Stephen Jay Gould beginnt der Film „Darwins Dilemma“. Es geht um einen der markantesten Sprünge in der Fossilüberlieferung. In Sedimenten (geschichteten Gesteinen) des geologischen Systems des Kambriums tritt eine hochdifferenzierte Tierwelt so plötzlich und vielfältig auf, dass allgemein von der „kambrischen Explosion“ gesprochen wird. Unterhalb des Kambriums sind zwar auch Fossilien bekannt, dabei handelt es sich aber meist um Einzeller und erst relativ kurz vor dem Kambrium erscheinen Fossilien ohne Hartteile wie z. B. Schwämme, Hohltiere und die eigentümliche Ediacara-Fauna. Dagegen überliefern die Sedimente des Kambriums mit fossil erhaltenen Lebewesen aus allen bekannten Tierstämmen, die Hartteile besitzen. Dazu gehören z. B. Gliederfüßer, Weichtiere, Stachelhäuter und auch Chordatiere (darunter als erste Wirbeltiere auch kieferlose Fische). Es tauchen komplexe Organe, Sinnesorgane und Gliedmaßen mit Gelenken in fertiger Form auf. Diese Tierstämme sind zudem von Beginn ihres fossilen Nachweises in der Regel in verschiedene, deutlich abgrenzbare Untergruppen (Klassen) aufgespalten und geographisch meist weit verbreitet.

Das Problem war bereits Charles Darwin bestens bekannt. Nach seinen Theorien der gemeinsamen Abstammung und natürlichen Auslese erwartete er eine Geschichte von zunehmender Vielfalt und Verschiedenartigkeit, was zur bekannten Baumdarstellung evolutionärer Abfolgen führt. Die Fossilwelt des Kambrium offenbarte jedoch eine gewaltige Diskrepanz zwischen den Befunden und seiner Theorie. Die meisten Hauptbaupläne der Tiere erscheinen plötzlich, im Widerspruch zu Darwins Vorstellung einer allmählichen Auffächerung. Statt eines Musters „von unten nach oben“ zeigt sich ein hierarchisches Modell: die Gesamtarchitektur des Erscheinens der Tierwelt ist „von oben nach unten. Zuerst erscheinen die Hauptunterschiede, erst danach kommen die Variationen. Dieser Widerspruch zu den Voraussagen von Darwins Theorie ist mit „Darwins Dilemma“ gemeint. Darwin schrieb, dass es ein ernsthaftes Problem für seine Theorie wäre, wenn sich das hierarchische Muster bestätigt. Vor dem Kambrium sollte eine große Fülle von Tierformen zu erwarten sein, schreibt Darwin und räumt ein, für deren Fehlen keine befriedigende Antwort zu haben. Stattdessen argumentiert er mit der Unvollständigkeit des Fossilberichts.

Im Film werden diese Befunde anschaulich erläutert, durch beeindruckende Animationen der kambrischen Tierwelt illustriert und es werden einige wichtige Stationen der Forschungsgeschichte der kambrischen Tierwelt geschildert. Der Zuschauer wird an die bedeutendsten Fundstätten in British Columbia (Kanada) und nach Chengjiang (China, Yunnan-Provinz). Darwins Dilemma sei durch die heute gemachten Funde nicht geringer geworden, auch seine Vermutung, dass der Fossilbericht zu lückenhaft sei, erscheint angesichts des Fundes sehr kleiner Fossilien von Embryonen und Fossilien mit Weichteilerhaltung fragwürdig.

Dieser Befund stellt aber nicht nur ein Problem für evolutionäre Deutungen dar, sondern bietet nach Auffassungen der Filmproduzenten deutliche Hinweise auf einen intelligenten Urheber. So sei das hierarchische Modell der Auftretens von Tierstämmen mit menschlicher Technologie vergleichbar. Von daher ist uns die Reihenfolge „zuerst der grobe Bauplan, danach Vielfalt von Abwandlungen vertraut; als Vergleichsbeispiel wird die Entwicklung des Automobils genannt. Für die neuen Baupläne bedurfte es „gigantischer Mengen“ von genetischer Information“. Der Mutations-Selektions-Mechanismus sei damit überfordert, es sei kein Weg bekannt, der durch stetige Anhäufung vieler kleiner Schritte zum „Gipfel des Unwahrscheinlichen“ (Dawkins) führe. Dabei genüge die genetische Information, die in der DNS gespeichert ist, bei weitem nicht einmal, es kommen noch andere Informationsebenen hinzu. Auch der hierarchische Aufbau der Lebwesen sei ein Kennzeichen von Planung. Auch das plötzliche Erscheinen der Tierstämme weise darauf hin. In historischen Fragen könne die Gegenwart als Schlüssel zur Vergangenheit dienen, dies müsse auch auf den Ursprung der Information angewendet werden.

Wie alle Evolutionsfilme von „Illustra Media“ ist auch „Darwins Dilemma“ professionell gestaltet, mit beeindruckenden Fossilbilden und Landschaften. Forscher verschiedener Auffassungen kommen zu Wort, wenn auch die Mehrzahl als Befürworter des Intelligent Design-Ansatzes bekannt ist, auf den der Film hinausläuft. Ausführlich kommt aber auch der britische Paläontologe Simon Conway Morris zu Wort, der sich an anderer Stelle so deutlich gegen Intelligent Design ausgesprochen hat, dass sein Mitwirken an diesem Film etwas verwunderlich ist.

Die Zeitangaben der Historischen Geologie werden in „Darwins Dilemma“ nicht hinterfragt, sie kommen aber auch nur dann ins Spiel, wenn es um evolutionskritische Argumentationen geht, etwa wenn die Kürze des Zeitraums der kambrischen Explosion veranschaulicht wird. Der Ansatz des „Intelligent Design“ (ID) wird nur knapp erläutert, die Argumentation ist in der Kürze anfechtbar und kann nur als erste Einführung gelten. Als Alternative zur evolutionstheoretischen Deutung des Fossilberichts kommen biblische Zusammenhänge nicht zur Sprache, es wird nur auf die Plausibilität der Annahme eines Designers verwiesen. Alles in allem: „Darwins Dilemma“ ist ein typischer ID-Film.


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Letzte Änderung: 11.01.2011
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