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Mehr als mein Gehirn
Eine Reise zum Ich

Filmbesprechung von Theodor Brandt

Mehr als mein Gehirn – Eine Reise zum Ich. DVD, 55 Min, Institut für Glaube und Wissenschaft.

„Wie können menschliches Denken und Bewusstsein erklärt werden? Lassen sie sich ausschließlich auf materielle Vorgänge reduzieren? Oder ist der Mensch mehr als sein Gehirn?“ Unter dieser Fragestellung nimmt der Dokumentarfilm „Mehr als mein Gehirn – Eine Reise zum Ich“ den Zuschauer mit auf eine Reise in die faszinierende Welt des Gehirns und der Hirnforschung. Das Thema ist von großer Bedeutung, fungieren doch die Neurowissenschaften mittlerweile als Schlüsseldisziplinen zur Klärung von Fragen, die das Selbstverständnis des Menschen fundamental betreffen, z. B.: Was ist Bewusstsein, gibt es Willensfreiheit, hat der Mensch überhaupt einen Geist? Im gegenwärtigen naturalistisch geprägten Klima dominiert unter Naturwissenschaftlern und Philosophen die Ansicht, dass sich die Leistung des menschlichen Gehirns – und damit der Mensch an sich! – ausschließlich auf materielle Prozesse zurückführen lässt. Was hat der Film dem entgegenzusetzen und welche Antworten werden auf die obigen im Film aufgeworfenen Fragen gegeben?

Der im Titel geweckte Anspruch – „Mehr als mein Gehirn“ – wird grundsätzlich eingelöst. Allein die dargebotene Fülle an Einwänden gegen die materialistische Sicht, auf die hier im Einzelnen nicht näher eingegangen werden soll, macht den Film an sich schon sehenswert! Der reiche Gehalt an Fakten und Argumenten kommt dabei in einer erstaunlichen Vielfalt von Themen zum Ausdruck. Thematisiert werden u. a. das Problem der Willensfreiheit, Computer und Bewusstsein, Nahtod- und Transzendenzerfahrungen wie auch interessante Aspekte aus der Linguistik und Medizin. Dass sich menschliches Denken und Bewusstsein durch neuronale Vorgänge im Gehirn nicht erklären und darauf reduzieren lassen und dass dem naturwissenschaftlichen Zugang zu Denken und Bewusstsein prinzipielle methodische Grenzen gesetzt sind – das sind die zwei wesentlichen und gut begründeten Schlussfolgerungen, die sich durch die einzelnen Kapitel des Films ziehen. Eine weitere Stärke betrifft die filmische Umsetzung. Die Dokumentation zeichnet sich durch leichte Verständlichkeit aus, was auch auf die vielen im Film verwendeten Beispiele und Vergleiche zurückzuführen ist.

Gegen Ende des Films werden Gott und der Glaube thematisiert („Ist Gott im Gehirn?“). Einige Ausführungen in diesem Teil sieht der Rezensent kritisch. Es geht um Transzendenzerfahrungen („Gotteserfahrungen“, z. B. bei einer Meditation) und damit verbunden um die Frage, ob Gott und ein Jenseits nur Produkte des Gehirns sind. Zu Wort kommt dabei der Philosoph J. P. Moreland. Bei Meditationen ließen sich neurowissenschaftlich erhöhte Aktivitäten in bestimmten Hirnregionen feststellen. Neurowissenschaftler könnten diese Hirnregionen stimulieren, sodass die Illusion einer Gotteserfahrung bewusst hervorgerufen werden könne. Doch eine Erfahrung an sich wie auch deren Stimulation könne nichts über die Existenz des erfahrenen Gegenstandes aussagen. So weit so gut. Doch dann fährt der Film fort: „Kann man Gott also gar nicht auf die Spur kommen?“ Die Theologin Christina Aus der Au gibt folgende Antwort: „Spuren sind nicht einfach so vorfindlich. Spuren sind Interpretationssachen. Also, wenn ich glaube und der Überzeugung bin, Gott hat mir geholfen, Gott hat hier eingegriffen, dann kann dasselbe Ereignis aus einer Beobachterperspektive, die nicht diese zweite Personen-Perspektive unterlegt, völlig anders erklärt werden.“ Doch die Frage nach Gott und möglichen Spuren, die er hinterlässt oder hinterlassen hat, stellt sich zunächst einmal unabhängig von jeglicher persönlichen Glaubens- oder Transzendenzerfahrung. Im Film wird eine wichtige Schlussfolgerung nicht klar ausgesprochen, die in diesem Zusammenhang ganz entscheidend ist: Der menschliche Geist und sein Bewusstsein sind offensichtlich Teil einer transzendenten Welt! Ausgehend von dieser im Film zuvor gut begründeten Schlussfolgerung hätte sich das Thema des Films besser mit der Frage nach Gott verbinden lassen, denn es stellte sich dann auch die Frage, woher diese transzendente Realität kommt. An dieser Stelle kann der Gott der Bibel als Schöpfer ins Spiel gebracht werden – als Alternative zu materialistischen Erklärungen, die nach obiger Schlussfolgerung ja bereits von ihrem Ansatz her zum Scheitern verurteilt sind. Zudem weist das geniale Werk des menschlichen Gehirns mit seinen erstaunlichen Leistungen selbst auf eine planvolle, zielorientierte Entstehung, also auf Schöpfung hin. „Spuren Gottes“ in diesem Sinne sind dann wiederum keine bloße „Interpretationssache“. Gottes unsichtbares Wesen, seine ewige Kraft und Gottheit können durch die Werke seiner Schöpfung durch Nachdenken unentschuldbar wahrgenommen werden (vgl. Römer 1,19 - 20) – was bietet sich zur Illustrierung dieser Wahrheit besser an als das Wunder des menschlichen Gehirns und Geistes?

Der Herausgeber des Films, das „Institut für Glaube und Wissenschaft“ hat sich dazu entschieden, diese Fragen nicht oder nur sehr zurückhaltend zu thematisieren. Auch ausformulierte Alternativen zu materialistischen Lösungen des sog. „Leib-Seele-Problems“ werden bestenfalls angedeutet (z. B. die Sicht des „Substanz-Dualismus“). Diese Offenheit kann auch als Gewinn gesehen werden, wird doch der Zuschauer somit zum eigenen Nach- und Weiterdenken angehalten. Als Einstieg in das Thema und für Diskussionsabende ist der Film „Mehr als mein Gehirn – Eine Reise zum Ich“ zu empfehlen.

Bestellhinweis
 
DVD, Institut für Glaube und Wissenschaft
Laufzeit 55 bzw. 39 Minuten
Sprache: Deutsch, Englisch
 
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Hinweis:
Dieser Film darf in Hauskreisen, Jugendkreisen und im Rahmen schulischen Unterrichts aufgeführt werden. Eine öffentliche Aufführung ist kostenpflichtig. Den offiziellen Trailer zu dem Film finden Sie unter: www.youtube.com/watch?v=Ji5viVCaPRA

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