Mitarbeit in den Fachgruppen:ArchäologieBiologieGeowissenschaften
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Die Arbeitsgruppe Geowissenschaften der Studiengemeinschaft Wort und Wissen möchte Geowissenschaftler und geowissenschaftlich gebildete Freizeitforscher ermutigen, Projekte im Rahmen der Voraussetzungen der SG Wort und Wissen ehrenamtlich zu bearbeiten und in den Publikationsorganen von Wort und Wissen zu veröffentlichen. Kurzbeiträge, Artikel, längere Aufsätze oder auch Bücher (Monographien) sind gleichermaßen willkommen.

Wichtig ist dabei, Alternativen zu den üblichen Langzeitvorstellungen zu entwickeln, in denen nach herkömmlicher Ansicht die Gesamtheit der geologischen Prozesse abgelaufen sein soll.

Prozesse überwiegend des Erdinnern (endogene Dynamik)

Beispiele:

  • Gebirgsbildung. Beispiel: Rasche Subduktion und kompressionsbedingte Exhumierung mit Kontaktmetamorphose des Hüllgesteins (!). Beispiel: Granulitgebirge (Sachsen)
  • Krustenstapelung und –Zergleitung. Beispiel: Erzgebirge
  • Rasche Vertikalbewegungen. Nicht zufällig in der Literatur als "Fahrstuhltektonik" bezeichnet! Beispiel: Grundgebirge Tschechiens
  • Magmenbewegungen. Beispiel: Schnelle (!) Granitintrusionen
  • Erhaltung von Hochdruck-Mineralen trotz Exhumierung aus großen Tiefen (!) beispielsweise in den Alpen.
  • Rasche Abkühlung. Beispiel: Mittelozeanischer Rücken

Prozesse überwiegend an der Erdoberfläche (exogene Dynamik)

Beispiele:

  • Bildung unterschiedlicher Ablagerungsgesteine. Wichtig ist die Beobachtung, dass sich Sedimente der Erdgeschichte faziell oft deutlich von heutigen Ablagerungen unterscheiden, auch wenn auf den ersten Blick eine große Ähnlichkeit vorzuliegen scheint (z.B. Unterkeuper- und Schilfsandstein; vindelizische Keuper-Sandsteine; Gips- bzw. Anhydritlager im Gipskeuper). Wichtig sind auch Sedimente, deren Entstehung oft langzeitlich gedacht wird (wie etwa als Jahreslagen gedeutete glaziale Warven).
  • Weiträumige bis kontinentweite (!) Ablagerungsgesteine. Beispiel: Paläozoische Kalk- und Sandsteine in Nordamerika.
  • Lagerstättenbildung. Beispiel: Rheinische und ostdeutsche Braunkohle im Tertiär.
  • Flächenhafte Abtragung mit Landschaftsentstehung. Beispiel: Großräumige kretazische und alttertiäre Flächenbildung (z.B. in der Sahara).

Hilfreich ist dabei folgende Beobachtung: Zunehmend wird aus der herkömmlich orientierten Fachliteratur deutlich, dass viele dieser Prozesse in der Erdvergangenheit in räumlich (weit) größeren Dimensionen abliefen als heute. Neben der erwähnten, enormen Ausdehnung früherer Abtragungs- und Ablagerungsprozessen seien als weitere Beispiele genannt:

  • Sehr ausgedehnter Plateau Vulkanismus.
  • Weltweit andere Klimaverhältnisse und Gesteins-Zersetzungsbedingungen.
  • Massensterben von Organismen durch plötzliches Entweichen großer Mengen schädigender Gase aus Meeren und Seen (Kohlendioxid oder Methangashydrate).
  • Rasche Salzgehalt-Schwankungen mit enger Verzahnung und raschem Wechsel benachbarter Lebensräume zu Land und zu Wasser. Beispiel: Unterer Keuper Mitteleuropas.

Beispiele von Großformen exzessiver Hochfluten:

  • Mega-Erosionsformen und Grobsedimente infolge mutmaßlicher Dammbrüche riesiger Spätglazialseen. Beispiele: Missoula-Flut (Nordwest-USA); neuerdings Kanal-Flut zwischen England und Frankreich.
  • Elstereiszeitlich tief eingefrästes Rinnennetz in weiten Teilen Norddeutschlands und der Nordsee (Ursache vielleicht katastrophal ausgebrochene Schmelzwässer).

Kaum mit Langzeitablagerung in Einklang zu bringen sind ferner:

  • „Kondensierte“ Sedimente. Sie führen (oft gut erhaltene!) Fossilien trotz winzigster Ablagerungsraten, wenn man sie auf die angenommenen Zeiten umrechnet. Beispiele: Im Kambrium Südschwedens oder Unterkarbonischer Rußschiefer Thüringens.
  • Sedimentologische Hinweise auf durchgehende Ablagerung auch „kondensierter“ Sedimente – langzeitlich kaum verständlich. Beispiel: Im Ordovizium Thüringens.

Eng verbunden mit der Sedimentbildung sind Fragen der Paläontologie und Paläoökologie:

  • Geschwindigkeiten mikroevolutiver bzw. ökologischer Prozesse beim Formenwandel übereinander vorkommender (Leit-)Fossilien.
  • Das Phänomen des Auf- und Abtretens von Fossilien – ökologische Erklärungen? Welche? Stichworte in der Literatur sind zum Beispiel: Lazarus-Taxa; Rarity-, Signor-Lipps- oder Fossil Trap-Effekt.
  • Wachstumsgeschwindigkeiten und damalige (!) Ökologie von Riffen (falls es sich wirklich um Aufwuchs an Ort und Stelle handelt). Beispiel: Korallen im Oberen Jura von Portugal konnten unter ökologischen Stressbedingungen wachsen, und zwar bei erhöhtem Nährstoff- und Sedimenteintrag (Ton) sowie schwankendem Salzgehalt – anders als heute!
  • Wurzelhorizonte: Oft nur eine Generation saisonaler Pioniersiedler-Wurzeln – vielfach Schachtelhalme – sehr rascher Aufwuchs.
  • Echte bzw. mit heute vergleichbare Bodenbildungen? Oft unterscheiden sie sich sehr von heutigen Böden und sind wenig ausgeprägt. Beispiel: Mitteleuropäischer Keuper.
  • Problem rascher Massenvermehrung kalkbildender Mikroben zur Bereitstellung karbonatischer Schichtfolgen, soweit diese Sedimente aus organogenen Karbonaten bestehen.

Schwierig für die Langzeitvorstellung dürften folgende chemische und biologische Phänomene sein:

  • Zunehmend gesicherte Funde langer DNA-Fragmente. Beispiele: In Bernstein-Insekten oder Dinosaurierknochen; sie werden mit vielen Millionen bzw. vielen Dutzend Millionen Jahren Alter angegeben.
  • Zunehmend gesicherte Funde reaktivierbarer (!) Mikroben in Salzlagern. Die Salze gelten als mehrere Hundert Millionen Jahre alt. Beispiel: Zechstein (Oberes Perm)

Mit solchen Fragestellungen, die intensiv weiterverfolgt werden sollten, stellt sich auch das brisante Problem:

  • Die Gültigkeit des Aktualismus-Prinzips – das regulative Hauptprinzip der Geowissenschaften – scheint viel weniger weit zu reichen als gemeinhin zugestanden.

Längerfristige Projekte von Manfred Stephan (Geologischer Mitarbeiter der SG Wort und Wissen):

  1. Andere Voraussetzungen bei der Landschaftsentwicklung (Morphogenese) wie heute, so vor allem die Bildung ausgedehnter Rumpfflächen: Verlief sehr wahrscheinlich unter (stark) abweichenden (Klima-)Bedingungen gegenüber heute (exzessive Gesteinszersetzung; damit zusammenhängend Bereitstellung großer Mengen feinkörniger Sedimente).

  2. Entstehung des Schilfsandsteins (Unterer Mittelkeuper; Obere Trias). Die umfangreiche Fachliteratur lässt bereits erkennen, dass seine Bildungsbedingungen rätselhaft und andersartig sind – die Schichtfolge scheint kaum mit den Fazies-Mustern zusammenzupassen, die aus heutigen Fluss- oder Delta-Sedimenten bekannt sind.

  3. Aspekte zur Entstehung des Mittleren Keupers (vindelizische Sandsteine, Tonsteine, Gips- bzw. Anhydritlager etc.) mit ihrer Lebewelt (z.B. Dinosaurierfährten) und den Klimabedingungen (Intensivst-Niederschläge – „Mega-Monsun“, Wärme und Trockenheit) – Bedingungen, die es heute so exzessiv und in dieser Flächenausdehnung offenbar nirgends gibt.

  4. Alternative Deutung feinlaminierter Sedimentpakete, die oft als Jahreslagen (Warven) angesehen werden. Sie sind vielfach in der Gesamtfolge eingeschaltet, zeigen wellige Schichtung (unruhige Sedimentation), Gradierung und erosive Basis der Einzellagen (Saar-Nahe-Gebiet; Unteres Perm).

Kurzfristig werden daneben immer wieder aktuelle geologische Themen aufgegriffen und in Artikeln und Kurzbeiträgen diskutiert und zum Teil alternativ gedeutet.

Leiter der Fachgruppe für Geowissenschaften sind:

Dipl.-Geol. Dr. Martin Ernst
Lerchenfeldstr. 47
D-79199 Kirchzarten
Tel.: +49(0)7661/7022
Fax: +49(0)7661/5338
Kontakt
www.Geo-Exx.de
Michael Kotulla
Rosenbergweg 29
D-72270 Baiersbronn
Tel.: +49 (0)7442/81006
Fax: +49 (0)7442/81008
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Letzte Änderung: 08.01.2008
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