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Studiengemeinschaft Wort und Wissen akzeptiert und nutzt Naturwissenschaft

In den aktuellen Debatten um Schöpfung, „Intelligent Design“ und Evolution wird Evolutionskritikern und Schöpfungsanhängern häufig pauschal Wissenschaftsfeindlichkeit vorgeworfen. Die Standardbegründung dafür ist die Behauptung, die allgemeine Evolution der Lebewesen sei eine wissenschaftliche Tatsache und so sicher wie die Existenz von Atomen oder die Kugelgestalt der Erde. Wer die „Tatsache“ einer allgemeinen Evolution der Lebewesen ablehne, lehne somit Wissenschaft ab, sei damit ein „Wissenschaftsfeind“ (Der Spiegel, 24. 12. 2005) und „pervertiere“ die Wissenschaft („Bild der Wissenschaft 3/2006). Vor diesem Hintergrund nimmt die Studiengemeinschaft Wort und Wissen e.V. nachfolgend Stellung zur Rolle der Naturwissenschaft in der Ursprungsforschung.

Inhalt


1. Zum Vergleich der Evolutionstheorie mit anderen Theorien


Der Vergleich der Evolutionstheorie mit der Atomtheorie oder mit dem Wissen um die Kugelgestalt der Erde ist wissenschaftstheoretisch nicht sachgemäß. Wissenschaftstheoretisch vergleichbar sind Kenntnisse über den Aufbau und das Funktionieren der Lebewesen (inkl. ihrer Variationsmechanismen; vgl. 3.) einerseits und Kenntnisse über den Bau von Atomen oder von Himmelskörpern (Kugelgestalt der Erde) andererseits. Dagegen ist die Frage nach dem Ursprung und der Geschichte der Lebewesen eine historische Fragestellung und mit der erstmaligen Entstehung von Atomen oder Himmelskörpern vergleichbar. In der fernen Vergangenheit erfolgte Entstehungsprozesse können nur modellhaft simuliert werden, wobei bekannte Gesetzmäßigkeiten berücksichtigt werden müssen. Auf diese Weise können jedoch bestenfalls widerspruchsfreie Modelle entwickelt, nicht aber sichere Tatsachen abgeleitet werden. Eine ausführliche Erläuterung zu diesem Sachverhalt bietet der Genesisnet-Artikel „Methodik der historischen Forschung“. Darüber hinaus ist Makroevolution bei weitem nicht so gesichert wie etwa die Existenz von Atomen. Das wird auch von Wissenschaftstheoretikern herausgestellt.1

2. Evolution als historischer Vorgang


In dem von Wort und Wissen herausgegebenen Buch „Evolution – Ein kritisches Lehrbuch“ werden die Evidenzen behandelt, die als Belege für eine allgemeine Evolution aller Lebewesen (Makroevolution) gewertet werden. Einerseits können viele Daten aus Geologie und Biologie durch Makroevolution gedeutet werden. Es gibt aber auch zahlreiche empirische Daten, die gegen diese Interpretation sprechen und nicht ausgeblendet werden dürfen. Indem sowohl das Für als auch das Wider evolutionärer Hypothesen diskutiert wird, erweisen sich die Autoren von „Evolution - ein kritisches Lehrbuch“ als wissenschaftsfreundlich. Denn eine einseitige Rezeption wissenschaftlicher Daten soll vermieden werden. Die Studiengemeinschaft lehnt keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse ab, abgelehnt wird jedoch ein wissenschaftlich nicht begründbarer Absolutheitsanspruch in Fragen des Ursprungs und der Geschichte des Lebens. Wissenschaftsfeindlich sind diejenigen, die Kritik an etablierten Vorstellungen unterbinden wollen, indem z. B. (wie in „Bild der Wissenschaft 3/2006) der Begriff „Evolutionskritik“ als „Unwort“ bezeichnet wird (vgl. dazu den Genesisnet-Beitrag „Wie die Evolutionstheorie vor Kritik geschützt wird“). Für die Studiengemeinschaft ist Evolutionskritik dagegen notwendiger Teil einer ausgewogenen wissenschaftlichen Betrachtung des Ursprungs und der Geschichte des Lebens.

3. Mechanismen der Evolution


Dass es Variationsmechanismen bis hin zu Art- und Gattungsbildung gibt, ist unstrittig. Solche Mechanismen sind durch zahlreiche Laborexperimente und Freilandstudien empirisch gut belegt. Diese werden in „Evolution – Ein kritisches Lehrbuch“ ausführlich dargestellt und gewürdigt. Neben der Leistungsfähigkeit dieser Mechanismen werden auch ihre Grenzen hinsichtlich der Erklärungnskraft der Entstehung des evolutionär Neuen kritisch diskutiert. Diese Grenzen herauszustellen, hat mit Wissenschaftsfeindlichkeit nichts zu tun, sondern gehört im Gegenteil zu einer seriösen wissenschaftlichen Arbeit (vgl. 4.).

4. Grenzen naturwissenschaftlicher Aussagemöglichkeiten


Naturwissenschaftliche Aussagemöglichkeiten sind begrenzt, das ist wissenschaftstheoretisches Allgemeinwissen. Besonders in Fragen der Ursprungsforschung werden von allen beteiligten Seiten auch Behauptungen aufgestellt, die nicht mehr schlüssig durch Daten gedeckt werden können. Die Studiengemeinschaft trägt dem Rechnung und schreibt der Wissenschaft nicht Fähigkeiten zu, die sie nicht hat. Wissenschaft wird also nicht weltanschaulich überhöht. Auch der Ansatz des „Intelligent Design“ beinhaltet eine saubere Trennung von Wissenschaft und Weltanschauung. Eine willkürliche Vermischung von beidem wird von uninformierten Kritikern behauptet, um diesen Ansatz im Vorfeld einer Sachauseinandersetzung zu diskreditieren bzw. zu verhindern. Die Studiengemeinschaft Wort und Wissen legt Wert auf eine sorgfältige Unterscheidung von Glaubensinhalten (biblische Offenbarung) und wissenschaftlich begründbaren Aussagen. Erst in einem darauf aufbauenden Schritt werden Beziehungen zwischen beiden Ebenen hergestellt, die als „Grenzüberschreitungen“ markiert werden. Bei solchen umfassenden Betrachtungen wird auch nicht der Anspruch erhoben, Glaubensaussagen wissenschaftlich ableiten zu können.

5. Der Bezug auf die biblische Offenbarung und der Umgang mit offenen Fragen


Die Mitarbeiter von Wort und Wissen betrachten Naturwissenschaft in Ursprungsfragen nicht als alleinige Erkenntnisquelle. In Fragen der Geschichte des Lebens, zu welchen sich die biblische Überlieferung aus unserer Sicht klar äußert, benennt die Studiengemeinschaft die auftretenden Widersprüche mit den diesbezüglich etablierten (immer nur vorläufigen) wissenschaftlichen Erklärungsansätzen. Die sachlichen Probleme eines biblisch-historischen Ansatzes (z. B. junge Erde oder Tod als Folge des Sündenfalls des Menschen) werden offengelegt. Auch darin zeigt sich die Wertschätzung (aber nicht Absolutsetzung) wissenschaftlicher Erkenntnis, da dem eigenen Weltbild widersprechende Befunde weder geleugnet noch verschwiegen werden. Wort und Wissen lehnt zwar eine naturalistische Weltanschauung ab, ist damit aber kein Feind der Wissenschaft.

Anmerkung

1 Siehe z. B. K. Hübner: Glaube und Denken, 2. Aufl., Tübingen 2004: Mohr-Siebeck, 49-58; H. Poser: Wissenschaftstheorie, Stuttgart 2004: Reclam, 256-277.

Stand: 24. 3. 2006


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