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Rezension zu

Peter van der Veen & Uwe Zerbst

Volk ohne Ahnen?

Auf den Spuren der Erzväter und des frühen Israel

Dr. Peter van der Veen ist Alttestamentler und Biblischer Archäologe. Er leitet eine archäologische Feldstudie in Jerusalem und ist Gastwissenschaftler an der Universität Mainz. Prof. Dr. Uwe Zerbst befasst sich als Wissenschaftler und Ingenieur seit vielen Jahren nebenberuflich mit der Geschichte und Datierung des alten vorderen Orient. Beide leiten die deutsche Arbeitsgruppe für Biblische Archäologie, sind Mitbegründer des internationalen Forums Bronce to Iron Age Chronology of the Ancient Near East, und haben bereits zwei Bücher in der Reihe Studium Integrale über aktuelle archäologische Fragen veröffentlicht.

Beide Autoren setzen sich nun in diesem äußerst fachkundigen und gründlichem Werk mit allem auseinander, was man heute über die Stammväter Israels weiß und diskutiert. Ausgehend vom biblischen Bericht beschreiben sie zunächst die bibelkritische wissenschaftlich-theologische Diskussion seit dem 19. Jahrhundert und zeigen, dass die Geschichtlichkeit der Stammväterberichte keinesfalls widerlegt ist.

Durch einen Vergleich der biblischen Berichte mit zeitgleichen außerbiblischen Informationen wollen sie belegen, wie authentisch die biblischen Texte sind. Dabei stützen sie sich sowohl auf archäologische als auch auf Textargumente. Das Paradigma der Spätdatierung der Texte lehnen sie nicht nur ab, weil dies die biblischen Berichte unglaubwürdig macht, sondern auch aus chronologischen Gründen.

Damit befassen sie sich in Kapitel 3, wo sie einen chronologischen Rahmen für die Erzväter Israels abzustecken versuchen. Sie nehmen allerdings an, dass sich die 430 Jahre von 2Mo 12,40 nicht ausschließlich auf die Unterdrückung in Ägypten beziehen, sondern auch die Zeit der Erzväter mit einschließen. So legen es andere Textüberlieferungen nahe, nämlich die LXX, der samaritanische Pentateuch, Seder Olam und Josephus, aber auch Galater 3,17. Abraham und seine Nachkommen hätten dann 215 Jahre in Kanaan und weitere 215 Jahre in Ägypten gelebt. Das würde auch besser zu den vier Generationen passen, die 1Mo 15,16 erwähnt werden. Wie es textlich aber zu den 400 Jahren in 1Mo 15,13 kommt (zitiert in Apg 7,6-7), kann bisher nur vermutet werden. Eine ausführliche Diskussion liefern Hendrik J. Koorevaar und Peter van der Veen in je einem Aufsatz (Anhang A – S. 239-258).

In Kapitel 4 wird der Vergleich der klimatischen, politischen, siedlungspolitischen und sozialen Gegebenheiten der biblischen Texte mit den für Kanaan, Mesopotamien, Ägypten und Nordsyrien bekannten Verhältnisse für die Zeit der Stammväter geführt. Kapitel 5 befasst sich mit den Völkerschaften und Familienclans in Kanaan. Dabei wird deutlich, dass die von bibelkritischen Gelehrten vertretene These vom späten Auftauchen der genannten Völker nicht aufrechtzuerhalten ist. Kapitel 6 schließlich befasst sich mit den immer wieder bestrittenen Kamelen Abrahams und bringt weitere Hinweise für eine Frühabfassung der biblischen Texte. Anhang B und C enthalten Texte von David F. Lappin, die sich mit astronomischer Datierung und Chronologie der ersten Dynastie von Babylon befassen.

Wer das Lesen verständlich geschriebener wissenschaftlicher Texte nicht scheut, für den wird das reich bebilderte und schön gestaltete Buch eine Fundgrube für seriöse biblische Hintergrundinformationen sein und ihn ermutigen, dem Wort Gottes trotz des verbreiteten Misstrauens bibelkritischer Wissenschaftler und Theologen zu vertrauen.

Karl-Heinz Vanheiden

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Hänssler-Verlag
Studium Integrale
349 Seiten, 195 meist farbige Abbildungen, zahlreiche Tafeln und Tabellen
 
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