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Martin Ernst & Guy Gerard

Die tertiäre Fundschicht der Eolithen von Aurillac.

Geologie und Stratigrafie am Puy Courny in der Auvergne.

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war die Stadt Aurillac in der Auvergne (Frankreich) Schauplatz einer Streitfrage über zahllose Funde auffälliger Flint- bzw. Feuersteine aus dem Tertiär, sogenannter Eolithen. Unter den Forschern gab es unterschiedliche Auffassungen, ob es sich um menschliche Werkzeuge (Artefakte) oder Naturprodukte (Geofakte) handle. In den 1920er-Jahren kam die Diskussion fast zum Stillstand, sie wurde aber durch Recherchen von Cremo & Thompson („Verbotene Archäologie“) wieder aus der Versenkung geholt. Unser Mitarbeiter Michael Brandt hat sich in den letzten Jahren detailliert mit den Eolithen von Aurillac beschäftigt und kommt zum Schluss, dass es keinen Zweifel an ihrer Werkzeugnatur geben kann. Die Brisanz: Diese Werkzeuge werden tertiären Schichten des Obermiozäns zugeordnet, die auf etwa 7-8 Millionen Jahre datiert werden. Nach herkömmlichen Vorstellungen soll es zu dieser Zeit aber weder Menschen noch deren evolutionstheoretisch vermutete affenartigen Vorfahren gegeben haben. Damit sprengen diese Funde evolutionstheoretische Vorstellungen.

Allerdings hängt die „Sprengkraft“ der Funde davon ab, ob die stratigrafische Zuordnung ins Obermiozän korrekt ist. Dieser Frage haben sich die beiden Geologen Martin Ernst und Guy Gerard gewidmet, fast 100 Jahre nach dem Ende der Diskussion um die Eolithen von Aurillac und ihre Fundschichten. Unterstützt durch eigene geologische Untersuchungen legen sie in diesem Buch eine umfassende stratigrafische Bestandsaufnahme der Schichtenabfolge mit der Eolithen-Fundschicht am Puy Courny bei Aurillac vor. Die Fundschicht der Eolithen und ihre Begleitgesteine werden genau beschrieben und die korrekte Einordnung der Eolithen ins Obermiozän (Jungtertiär) wird bestätigt.

Außerdem zeigen die Autoren, dass die betreffenden Schichten durch schnelle und katastrophale Bildungsprozesse entstanden sind. Die Beobachtungen der Auswirkungen des Ausbruchs des Vulkans Mount St. Helens (USA) 1980 haben auch im Cantal zu einem neuen und überraschenden Verständnis der extremen geologischen Umstände bei der Entstehung der vulkanischen Ablagerungen geführt.

Die Debatte um die Werkzeugnatur wird in diesem Buch nicht geführt. Dazu ist eine umfangreiche Monographie von Michael Brandt in Vorbereitung, in der zahlreiche weitere Fälle von Werkzeugfunden vorgestellt und diskutiert werden, die gemessen an gängigen Vorstellungen zur (evolutiven) Entstehung des Menschen viel zu alt sind. Das Buch von M. Ernst und G. Gerard liefert aber eine wichtige ergänzende Untersuchung zur korrekten Einordnung dieser sensationellen Funde. Es wendet sich vor allem an Geologen und geologisch Interessierte und erfordert geologische Grundkenntnisse.

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Reihe Studium Integrale
SCM Hänssler, Holzgerlingen. 2010
Format 16,5 x 24, 70 Seiten, 22 Abb., davon 15 Farbabb.
 
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Letzte Änderung: 25.12.2010
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