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Martina Kölbl-Ebert
Geology and Religion – A history of harmony and hostility

Rezension von Sven Namsor

Studium Integrale Journal
18. Jahrgang / Heft 1 - April 2011
Seite 64


Martina Kölbl-Ebert
Geology and Religion –
A history of harmony and hostility

Geological Society, Special Publication 310:
357 Seiten, 2009, gebunden. Preis: 95 GBP.
Gosses Bild

Das vorliegende Buch ist das Ergebnis einer Jahrestagung der International Commission on the History of Geological Sciences, welche 2007 in Eichstätt stattfand. Der Band umfasst 31 Einzelbeiträge, die thematisch gegliedert präsentiert werden. Die Herausgeberin – Leiterin des Jura-Museums in Eichstätt – betrachtet selbst als Schwerpunkt ihrer wissenschaftlichen Arbeit die Geschichte der geologischen Wissenschaften. Die Themenschwerpunkte sind in Kapitelüberschriften wiedergegeben. Hierzu gehören: „From mythological approaches towards the European Enlightenment“, „The Flood and the age of the Earth“, „Geology with ‚religious’ organizations“, „Geological clerics and Christian geologists“, „Evolution“, „History of creationism“, „Theology and creationism“. Der Leser wird mitgenommen in verschiedene Aspekte geowissenschaftlicher Literatur und Gedankengebäude vom 14. bis zum 19. Jahrhundert. Dabei wird klar, dass mit dem Buchtitel unter „Religion“ stets die christliche Weltanschauung verstanden wird.

Die Themen sind zum größten Teil sehr speziell. Sie geben jedoch einen faszinierenden Einblick in Epochen wissenschaftlicher Betrachtung, in denen theologische Einflüsse unabdingbar waren und auch nicht in Frage gestellt wurden. Im Beitrag von Kerry Magruder (USA) werden selten veröffentlichte Abbildungen von Beati, Fludd, Descartes, Burnet und Scheuchzer zur Schöpfung und Erdentstehung veröffentlicht. Allein diese Zusammen- und Gegenüberstellung ist einmalig und lohnt die Anschaffung des Buchs. Im Beitrag von Gaston Godard (Paris) wird der historische Fund eines fossilen Elefantenzahnes aus Tunesien aufgegriffen, der erstmals im Werk des Hl. Augustin im Jahre 412 erwähnt und als Backenzahn eines menschlichen Riesen beschrieben wurde. In der Folge wird die wechselnde Deutung im Zuge weiterer Folgeautoren diskutiert. Begeistert hat mich der Beitrag von Susan Turner (Queensland) über den tiefgläubigen deutschen Paläontologen Friedrich von Huene aus Tübingen. Obwohl man fragen kann, warum ein solch tiefgehender Artikel nicht von europäischen Forschern bereits früher verfasst wurde, so bleibt hier eine faszinierende Aufzählung von Belegen und Anekdoten zu dem Lebenswerk eines Saurierforschers, der in besonderer Weise seine christlichen Überzeugungen im Einklang mit seinen Forschungsgegenständen lebte. Sehr interessant ist der Beitrag von Moshier, Maas und Greenberg über die Beziehung von Glauben und geologischer Ausbildung in deren eigenem Institut, dem evangelikal geprägten Wheaton College aus Illinois (USA).

Wer an Wissenschaftsgeschichte, an Fragen zur Evolution-Kreationismus-Debatte und generell zum Dialog von Naturwissenschaft und Theologie Interesse hat, kommt hier voll auf seine Kosten. Dabei richtet sich das Buch sowohl an Akademiker als auch an interessierte Laien. Wohltuend ist der sachliche Ton der Beiträge, die die z.T. hitzigen Diskussionen in der Evolution-Kreationismus-Debatte auf konkrete historische Personen in einer Weise herunterbricht, die Mut macht auf zukünftige Veranstaltungen gleicher Ausrichtung. Wer vor dem durchaus respektablen Preis nicht zurückschreckt wird belohnt durch faszinierende Einblicke und selten veröffentlichte Abbildungen aus historischen Werken, die sich in der Schnittmenge des historischen Prozesses von christlicher Überzeugung und geowissenschaftlicher Betrachtung bewegt.


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