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Ausgabe: 7. Jg. / Heft 1 (April 2000)

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Cover von Studium Integrale Journal 7. Jg. / Heft 1 April 2000
Titelbild: Um Mars, den "roten Planeten" rankt schon lange das Gerücht, er könnte geeignete Bedingungen für die Existenz von Leben aufweisen. In den latzten Jahren war er ein besonderer Brennpunkt des Interesses für extraterrestrisches Leben. (Bild: NASA)





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Editorial

Ein klassisches Thema in der Auseinandersetzung um die Evolutions- und Schöpfungslehre ist das sog. "Design-Argument". Kein geringerer als Charles Darwin befaßte sich intensiv mit diesem Argument, wonach aufgrund von durchdacht erscheindenden Konstruktionen auf einen Konstrukteur, einen Urheber geschlossen werden könne. Seine eigene Theorie sollte dieses Argument überflüssig machen, und heute gelten die Evolutionsfaktoren als "Konstrukteure". Richard Dawkins sprach in diesem Sinne in seinem berühmten Bestseller vom "Blinden Uhrmacher". Daß diese Schlußfolgerung voreilig ist, weil die Mechanismen der Evolution bei weitem nicht aufgeklärt sind, darauf wurde in Studium Integrale journal gelegentlich hingewiesen. In dieser Ausgabe macht der Beitrag von Judith Fehrer deutlich, daß die Variationsmechanismen derart kompliziert sind, daß selbst einfach erscheinende Fragen nur mit großem Simulationsaufwand angegangen werden können.

Das "Design-Argument" wird in letzter Zeit aber auch vermehrt in anderer Hinsicht wieder aufgegriffen und in Frage gestellt. Es ist beachtlich, daß dieses "alte" Argument neue Aufmerksamkeit in der kritischen Diskussion um die Evolutionstheorie auf sich gezogen hat. Die Kritik geht dahin, einen Nachweis von Unvollkommenheiten in den Konstruktionen der Lebewesen zu erbringen. Konstruktionsfehler – so die weitere Argumentation – widersprächen dem Wirken eines intelligenten Schöpfers, dagegen paßten sie zu den Erwartungen im Rahmen einer ziellos verlaufenden Evolution.

Ob letzteres wirklich stimmt, sei dahingestellt und soll hier nicht thematisiert werden; ersteres aber ist Gegenstand einiger Beiträge und ein kleiner Schwerpunkt dieser Ausgabe: Können Unvollkommenheiten bei den Lebewesen nachgewiesen werden? An einem der meistzitierten Beispiele behaupteter Konstruktionsfehler, nämlich der inversen Lage der Netzhaut des Wirbeltierauges zeigen Klaus Neuhaus und Henrik Ullrich auf, daß der Bau dieses Organs sehr wohl funktional verständlich ist. Dabei muß freilich jedes Gewebe in seinem organischen Zusammenhang betrachtet werden. Der eingeschränkte Blick auf einen kleinen Teil der Gesamtkonstruktion greift zu kurz und ist irreführend. Diese Thematik spielt auch eine Rolle in einem neueren Buch über "Evolutionsmedizin", das Wolfgang Lindemann rezensiert.

Ein weiteres Standardbeispiel ist die Hand des Panda-Bären mit ihrem seltsamen Daumen. In einem vielzitierten Aufsatz versteht Stephen J. Gould sie als seltsame Konstruktion, die keinen Preis in einem Ingenieurswettbewerb gewinnen würde. Jüngst wurden Struktur und Funktion der Panda-Tatze erneut untersucht. Reinhard Junker stellt die Ergebnisse dar und kommentiert sie in Bezug auf das "Design-Fehler"-Argument. Die Analyse zeigt übrigens, daß der Kern der evolutionstheoretischen Argumentation theologischer Natur ist.

Anhand der chemischen Konstitution der Nucleinsäuren, der Träger der Erbinformation, zeigt Kurt Weindel, daß auch im biochemischen Bereich ein "Design-Argument" geltend gemacht werden kann. Es wird wie bei der Konstruktion des Auges deutlich, daß es nicht auf Maximierung einzelner Aspekte, sondern auf Optimierung in einem Gesamtverband ankommt.

Um einen ganz anderen Nachweis geht es in einem stark vorangetriebenen Bereich der Weltraumforschung. Wie in der letzten Ausgabe von Studium Integrale journal kurz berichtet, werden erhebliche finanzielle und personelle Anstrengungen unternommen, um Leben außerhalb unseres Planten in der näheren kosmischen Umgebung oder im fernen Weltraum nachzuweisen. Hinter diesen Bemühungen stehen zweifellos bedeutende weltanschauliche Fragestellungen. Daher ist ein sachlich gehaltener Blick auf die bisher vorliegenden Erkenntnisse wichtig. Norbert Pailer & Martin Kasemann geben hierzu einen aktuellen Überblick.

Die Auseinandersetzung um Fragen nach dem Ursprung und der Geschichte des Lebens hat auch eine wissenschaftstheoretische Seite. In kontroversen Diskussionen werden die Kontrahenten gerne als "unwissenschaftlich" oder "pseudowissenschaftlich" eingestuft. Diese Begriffe werden häufig ohne klare Kennzeichnung oder mit verschiedenen Inhalten verwendet. In einem einführenden Beitrag, der in der kommenden Ausgabe fortgesetzt und an konkreten Beispielen vertieft werden soll, nimmt Michael Kämpfer hierzu einige Klärungen vor.

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen
Ihre Redaktion Studium Integrale Journal



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Letzte Änderung: 08.07.2009
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